Metal-CD-Review: ULTIMATIUM – Hwainoo (2008)

Alben-Titel: Hwainoo
Künstler / Band: Ultimatium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. April 2008
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Mastervox

Alben-Lineup:

Tomi Viiltola – Vocals
Harri Niskanen – Guitars
Matti Pulkkinen – Keyboards
Tuomo Juntunen – Bass
Tony Qvick – Drums

Track-Liste:

1. Fight the Time (05:07)
2. Dreamlife (04:31)
3. Set the Sails (05:11)
4. Storms (05:06)
5. Descent (03:57)
6. On the Edge (06:24)
7. Play the Game (05:01)
8. Whispers (of the World) (08:46)

Ja, warum denn auch nicht ?

Nein – wirklich kultverdächtig war das, was ULTIMATIUM auf ihrem 2044 veröffentlichten Debütalbum NEW DAWN (siehe Review) abgeliefert hatten; nicht gerade. Darum wusste aber offenbar auch die Band selbst, sodass der Druck in Bezug auf das 2008 nachgeschobene HWAINOO umso größer gewesen sein muss. Immerhin: die Finnen hatten sich für ihr zweites Album nicht nur wesentlich mehr Zeit genommen und nicht wie zuvor auf frühere Demo-Tracks zurückgegriffen – auch im Hinblick auf das Lineup hatte sich einiges getan. Insbesondere ein Wechsel sollte sich dabei als besonders markant respektive glücklich erweisen: für den einstigen Leadsänger JT Partanen kam der bereits von DREAMTALE bekannte Tomi Viiltola, der auf dem vorliegenden HWAINOO zu einem so noch nicht von ihm bekannten Rundumschlag ausgeholt hatte. Ein Rundumschlag, der dabei wesentlich besser zu den flotten Power Metal-Kompositionen von ULTIMATIUM zu passen schien – und der die eigentlich typisch nordische Spielart der Finnen endlich auf ein wirklich konkurrenzfähiges Niveau hievte.

Allerdings, und diese Einschränkung sollte man durchaus vornehmen; bedeutet dass nicht dass ULTIMATIUM damit alle ihre zuvor offenbarten Probleme gelöst hatten. Sicher, Tomi Viiltola war ein Glücksgriff – zumal er auf HWAINOO wesentlich variabler agierte als noch sein Vorgänger, und dabei auch eine spürbar größere Stilsicherheit an den Tag legte. Dennoch konnte man auch dieses Mal nicht wirklich von einem rundum zufriedenstellenden Leadgesangspart sprechen – sondern vielmehr von einem ebenso ungewöhnlichen wie interessanten, der unter Umständen eher dazu in der Lage ist als faszinierendes Kuriosum denn als stimmiges Gesamtpaket zu fungieren. So wild und überbordernd wie etwa im Opener FIGHT THE TIME – der dazu noch mit nicht ganz so ernstzunehmenden Inhalten respektive einem gewissen Augenzwinkern daherkommt – hatte schließlich schon lange kein Genre-Frontmann mehr getönt. In erster Linie sorgt das für einem immensen Unterhaltungswert sowie den Drang, eine dezent verrückte Nummer wie diese unbedingt auch seinen Freunden zeigen zu wollen. Ob sich das Ganze aber auch im Sinne eines atmosphärischen Power Metal-Dauerbrenners eignet, ist eine ganz andere Frage – die ein jeder für sich selbst entscheiden muss.

Ebenfalls dezent problematisch ist, dass ULTIMATIUM auf HWAINOO zwei weitere ihrer früheren Schwächen ebenfalls nicht gänzlich abgelegt hatten: zum einen die recht exzessive Keyboard-Nutzung, die einigen Puristen übel aufstoßen könnte – sowie auch die sogenannte obligatorische balladeske Seite. Dabei sind hier allerdings weniger  die ebenso bedächtigen wie grundsätzlich recht gut funktionierenden Stampfer a’la DREAMLIFE oder das etwas unspektakulärere DESCENT gemeint – sondern eher ein Titel wie STORMS. Immerhin: Leadsänger Tomi Viiltola sorgt hier vor allem zu Beginn für einen weiteren überraschenden Moment, indem er sich einer ungewöhnlich tiefen Stimmlage bedient. Und doch steht eine Nummer wie diese relativ eindeutig Pate dafür, dass ULTIMATIUM so ihre lieben Probleme mit Balladen hatten – und lieber gleich gänzlich auf selbige hätten verzichten sollen. Zumal ein Album wie HWAINOO ohnehin eher für einen übergeordneten Spaß- und Unterhaltungsfaktor steht, und nicht unbedingt eine zum Schneiden dichte Atmosphäre – auch wenn ON THE EDGE diesbezüglich doch noch einiges unerwartetes abfackelt, auch dank der eingestreuten Gastgesänge.

Dennoch: am meisten Laune macht HWAINOO, wenn ULTIMATIUM sowie insbesondere der hiesige Leadsänger Tomi Viiltola aus allen Rohren feuern – und dabei ebenso energetische wie schlicht enorm mitreißende Titel wie den bereits erwähnten Opener, das ähnlich aufgemachte SET THE SAILS oder PLAY THE GAME inszenieren. Das ON THE EDGE sowie der überlange Rausschmeißer dem Ganzen dann doch eine etwas ernstere Komponente verleihen  rundet das Ganze analog zur hervorragenden Abmischungs- und Produktionsarbeit sowie natürlich auch der respektablen Leistung des Gitarristen Harri Niskanen ab.

Absolute Anspieltipps: FIGHT THE TIME, SET THE SAILS, ON THE EDGE, PLAY THE GAME


„Ob sich das Ganze nur für Zwischendurch eignet oder doch das Zeug zu einem echten Dauerbrenner hat ist schwer zu sagen – doch ihr Debütalbum haben ULTIMATIUM mit ihrem furiosen Zweitwerk allemal getoppt.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Immortal (2008)

Alben-Titel: Immortal
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. November 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Heaven

Alben-Lineup:

Esa Ahonen – Guitars
Björn Svensson – Bass
Hans Karlin – Drums
Leif Collin – Guitars
Magnus Thurin – Vocals

Track-Liste:

1. Immortal (05:52)
2. Standing Tall (04:36)
3. Where Sadness Never Rests (05:59)
4. Beg Me (04:54)
5. Freedom Calling (04:47)
6. Fear of the Rage (04:19)
7. Time (05:14)
8. Fight to Survive (04:27)
9. Train of Destruction (05:19)
10. As I Sleep (03:54)
11. Departure (02:00)

Unsterblich, aber nicht unangreifbar.

Die frühen 2000er Jahre waren eine gute Zeit für die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE – die mit ihren ersten drei Studioalben CHAPTER I (siehe Review), BLOOD, GUTS & GLORY (Review) und IN THY POWER (Review) mehr als ordentlich vorgelegt und sich dementsprechend auch einen stetig wachsenden Bekanntheitsgrad erarbeitet hatten. Das leider Gottes aber auch die schönste Erfolgsgeschichte nicht vor so mancher Schwankung oder gar einem expliziten Einbruch gefeit ist, bewiesen die Schweden spätestens mit der Präsentation ihres vierten Studioalbums IMMORTAL. Zwar ist selbiges Werk noch immer weit davon entfernt ein schlechtes oder komplett zu vernachlässigendes Genre-Album zu sein – und doch ist es durchaus dazu in der Lage, für einen dezent faden Beigeschmack zu sorgen. Erst Recht natürlich im Vergleich mit den drei grundsoliden bis hervorragenden Vorgängern – und in Anbetracht dessen, dass sich CRYONIC TEMPLE nach dem letztaktuellen IN THY POWER für den ein oder anderen markanten Lineup-Wechsel entschieden hatten oder vielleicht auch entscheiden mussten. Dass man dabei ausgerechnet auch den bis dato die Band vertretenen Leadsänger Johan Johansson durch den relativ unbekannten und unerfahrenen Magnus Thurin ersetzte, gehört dabei sicher nicht zu den besten jemals von der Band getroffenen Entscheidungen.

Schließlich waren es nicht zuletzt eben jene Lineup-Wechsel, die zu einem relativen Chaos innerhalb der Band (und letztendlich auch dem Stillstand bis zum erst 2017 erschienen Rückkehr-Album INTO THE GLORIOUS BATTLE) geführt hatten – so sehr man es CRYONIC TEMPLE auch gewünscht hätte, auch mit dem neuen Leadsänger noch die Kurve zu kriegen. Sicher, ins Zeug gelegt hatten sie sich durchaus – wofür das mit insgesamt 11 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten gespickte IMMORTAL ja gewissermaßen Pate steht, wenn auch nur auf den ersten Blick. Schließlich macht sich schon mit dem Opener und Titeltrack IMMORTAL bemerkbar, dass CRYONIC TEMPLE nicht nur ihren Leadsänger ausgetauscht sondern sich zwangsläufig auch stilistisch neu orientiert hatten. Dass die hier gefundene Alternative in Form einer vergleichsweise modernen und überraschend gleichförmigen Gangart so wenig überzeugt, hat dabei mindestens zwei Gründe: zum einen war sie kaum noch mit der bisher von der Band an den Tag gelegten Marschrichtung vereinbar, und zum anderen konnte IMMORTAL auch als unabhängig betrachtetes Genre-Album nur verdächtig wenig Staub aufwirbeln.

Anders gesagt: die Zeiten, in denen CRYONIC TEMPLE einen ebenso klassischen wie angenehm hymnischen und zeitlosen Power Metal inszenierten, waren mit IMMORTAL weitestgehend vorüber – und der neue Soundanstrich der Band sollte einigen gehörig vor den Kopf gestoßen haben. Dass IMMORTAL nicht wirklich konsequent klingt und wirkt, liegt aber nicht nur an der grundsätzlich soliden (aber eben nicht zu CRYONIC TEMPLE passenden) Gesangsdarbietung von Magnus Thurin – sondern auch am ständigen mäandern der Band zwischen verschiedenen Strömungen und Subgenres des Metal. Irgendwo zwischen dem Echo ihres alten Power Metals, einer am ehesten dem Thrash Metal zuzuordnenden Gangart, fragwürdigen Anleihen aus dem Bereich des Grooves und fast schon radiotauglich-rockigen Elementen (wofür es nicht erst die Ballade AS I SLEEP braucht) schienen CRYONIC TEMPLE dabei ganz offensichtliche Identitätsprobleme zu haben – was dazu führt, dass ein Großteil der Nummern einen ebenso schwachen wie schlicht extrem verwechselbaren Eindruck vermittelt und kaum im Gedächtnis bleibt.

Selbst eine der potentiellen Stärken von IMMORTAL – namentlich die Tatsache, dass es sich trotz allem um ein recht Gitarren-intensives Album handelt – fällt hier nicht wirklich ins Gewicht, da die Schweden zumeist auf ein eher simples und schnell repetitiv erscheinendes Riffing setzen. Von den Soli-Parts, für die die Band einst ebenso bekannt wie berüchtigt war; gar nicht erst zu sprechen. IMMORTAL markiert damit eines jener Power Metal-Alben, die sich für vieles eigneten – vor allem aber die Besiegelung einer einst vielversprechenden Genre-Karriere. Wie man heute weiß haben sich CRYONIC TEMPLE aber doch noch aus ihrem selbst geschaufelten Loch befreien können – auch wenn es bis zur Rückkehr mit INTO THE GLORIOUS BATTLE einige Jahre gedauert hat.

Absolute Anspieltipps: STANDING TALL, FEAR OF RAGE


„Der einzige Moment der CRYONIC TEMPLE-Diskografie, den man getrost vernachlässigen kann – und vielleicht auch sollte.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Sweet Blood Theory (2008)

Alben-Titel: Sweet Blood Theory
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Mai 2008
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars
Paolo „Paco“ – Gianotti Guitars
Andrea Buratto – Bass
Federico Pennazzato – Drums
Antonio Agate – Keyboards

Track-Liste:

1. Evil or Divine (00:55)
2. Stranger in Black (05:14)
3. From a Dream to a Nightmare (06:29)
4. Bring On (05:31)
5. The Shadows of the Room of Pleasure (05:08)
6. Welcome to the Circus (05:01)
7. The Butterfly Dance (04:41)
8. Sweet Blood Theory (05:19)
9. Feed My Fire (03:54)
10. All These Words (04:34)
11. Vampire’s Kiss (04:37)

Wenn Theorie und Praxis nah beieinander liegen.

Nein, eigentlich verheißt der Blick auf das Alben-Cover von SWEET BLOOD THEORY nichts gutes – auch oder gerade weil man Anwandlungen wie die hier gezeigten eher von einer Genre-Formation wie SKYLARK erwartet hätte. Dennoch muss man SECRET SPHERE mindestens eines lassen: die bereits 1997 gegründete Italo-Power-Combo bewies in Anbetracht ihrer kontinuierlichen Release-Frequenz ein ordentliches Durchhaltevermögen – und schien darüber hinaus in der Lage zu sein, aus bereits begangen Fehlern zu lernen. Dementsprechend sollte man sich auch nicht vom ersten Eindruck des vorliegendes fünften Studioalbums der Recken um Frontmann Roberto „Ramon“ Messina täuschen lassen, denn immerhin – und glücklicherweise – unterstrich es den insgesamt als positiv zu betrachtenden Werdegang der Band, die kurz nach der Jahrtausendwende mit ihrem zweiten Studioalbum A TIME NEVER COME (siehe Review) Geschichte geschrieben und sich bald darauf einen ersten Ausrutscher geleistet hatte (namentlich das 2003 erschienene SCENT OF HUMAN DESIRE, Review).

Umso schöner ist es zu sehen, dass es SECRET SPHERE in Bezug auf die Wiederherstellung ihres einst etablierten Images nicht allein beim 2005 nachgeschobenen HEART & ANGER (Review) beließen – und der geneigten Hörerschaft mit SWEET BLOOD THEORY ein weiteres schlagkräftiges Argument in Richtung eines ebenso progressiv wie symphonisch angehauchten Power Metals kredenzten. Und dazu noch einen, der – und das ist die eigentliche mit dem fünften Album der Italiener einhergehende Überraschung – erstmals nicht mehr wirklich mit dem beinahe parallelen Schaffen der Kollegen von LABYRINTH verwechselt werden konnte. Anders gesagt: SECRET SPHERE hatten noch einmal ordentlich an ihren Alleinstellungsmerkmalen gefeilt und sie weiter ausgebaut – und mit den 11 auf SWEET BLOOD THEORY enthaltenen Titeln aufgezeigt, dass sie weit mehr waren als eine mit Band X oder Y zu vergleichende (oder gar selbige nachahmende) Combo. Glücklicherweise lebt das Album auch von eben dieser neu gefundenen Sicherheit und Zielstrebigkeit, die nach dem noch am ehesten zu vernachlässigenden Intro EVIL OR DIVINE in einer recht überzeugenden Art und Weise zum Tragen kommt.

Und tatsächlich: schon mit ihrem extrem starken Alben-Auftakt in Form des erfrischend knackigen Openers STRANGER IN BLACK, des atmosphärischen FROM A DREAM TO A NIGHTMARE sowie des leicht melancholischen BRING ON vermögen es die Italiener, für ein markantes Aufhorchen zu sorgen. Zum einen, da man hier schlicht die alte Ausdruckskraft, Spielfreude und den Ideenreichtum der A TIME NEVER COME-Ära wiederzubeleben scheint; und das auf eine recht angenehme Art – und zum anderen, da den Italienern hier vor allem in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk und das durchaus als brillant zu bezeichnende Songwriting einfach nichts vorzuwerfen ist. Dass einzige Problem an und mit SWEET BLOOD THEORY ist daher noch am ehesten, dass das Album dieses immense Qualitätsniveau im weiteren Verlauf nicht immer halten kann – doch selbst das macht in diesem Fall nichts oder zumindest wenig, da man auch die nicht beim ersten Anlauf zündenden oder auch mal mit auf den ersten Blick störenden Elementen (wie etwa das Keyboard in WELCOME TO THE CIRCUS) versehenen Nummern mit einigen Highlights versehen hat.

Fast schon wenig überraschend erscheint in diesem Zusammenhang, dass es SECRET SPHERE ebenfalls geschafft haben eine gut funktionierende Ballade auf die Beine zu stellen. Sicher, THE BUTTERFLY DANCE gehört nicht unbedingt zu den besten Titeln des Albums – und doch zeigt sich in Details wie diesen, dass sich die Italiener einige Gedanken um ihr fünftes Album gemacht haben. Grundsätzlich fühlt sich keine der Nummern überflüssig oder so an, als wäre sie fehl am Platz – sodass mit Ausnahme weniger schwächerer Momente von einem zutiefst gelungenen Genre-Album sprechen kann, dass einen selbst in den zunächst eher unscheinbaren Momenten immer wieder positiv zu überraschen vermag. SWEET BLOOD THEORY kann sich damit allemal einen Platz in der Riege der besten SECRET SPHERE-Alben überhaupt sichern – und sollte bei jedem, der auch nur ansatzweise etwas mit dem Schaffen von Combos wie LABYRINTH oder VISION DIVINE anfangen kann; im Regal stehen.

Absolute Anspieltipps: STRANGER IN BLACK, FROM A DREAM TO A NIGHTMARE, BRING ON


„Die perfekte Symbiose aus den alten SECRET SPHERE und eines so erstmals anberaumten, enorm atmosphärischen Alben-Konzepts.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Tinnitus Sanctus (2008)

Alben-Titel: Tinnitus Sanctus
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Ministry of Saints (05:02)
2. Sex Fire Religion (05:57)
3. The Pride of Creation (05:29)
4. Nine Lives (04:27)
5. Wake Up Dreaming Black (04:06)
6. Dragonfly (04:57)
7. Thorn Without a Rose (04:47)
8. 9-2-9 (03:48)
9. Speedhoven (07:43)
10. Dead or Rock (05:00)
11. Aren’t You a Little Pervert Too?! (02:20)

Von stilistischen Verirrungen, Teil 4.

Was ist es doch schön – und vor allem abwechslungsreich – eine Diskografie wie die von EDGUY aufzuarbeiten. Erst Recht wenn man bedenkt, dass die Fulderaner im Laufe ihrer bereits in den frühen 90ern begonnnen Karriere die ein oder andere einschneidende Entscheidung getroffen haben. Entscheidungen, die sich selbstverständlich auch auf den Sound und die letztendlich etablierte Wirkung der Band ausgewirkt haben – und stellenweise auch dazu führten, dass sich die hiesige Fangemeinde regelrecht spaltete. Tatsächlich könnte man durchaus einige gute Gründe dafür finden, der ebenso klassischen wie prächtigen Anfangszeit der Band – die vor allem Ende der 90er einige äußerst hochkarätige Genre-Werke ablieferte – nachzutrauern.

Andererseits, und stellvertretend für so manch andere Band möchte man etwaigen Weiterentwicklungen oder Neuausrichtungen aber auch nicht im Wege stehen – und Bands, die sich gerade innerhalb ihrer zweiten Blütephase zu befinden scheinen; trotz allem eine weitere Chance geben. Eben das fiel im Falle von EDGUY nicht gerade leicht – die sich mit ihren beiden bis dato mittelprächtigsten Alben HELLFIRE CLUB (siehe Review) und ROCKET RIDE (Review) beileibe nicht nur Freunde gemacht haben. Dennoch, und bei aller Liebe hatten diese beiden Alben aber noch einen entscheidenden Vorteil: man konnte sich über sie streiten, und dementsprechend sowohl einige gute als auch eher zu vernachlässigende Aspekte an ihnen benennen.

Etwas anders sah und sieht es dagegen im Fall von TINNITUS SANCTUS aus – und damit auch einem EDGUY-Album, welches den Begriff eines Hörschadens offenbar nicht von ungefähr in seinem Titel stecken hat. Fest steht: auch wenn bereits das Antlitz eines Albums wie MANDRAKE von einem leicht irre dreinblickenden Clown geschmückt wurde, hatten EDGUY ihre in eben diese Richtung gehende Wandlung spätestens mit dem vorliegenden TINNITUS SANCTUS vollzogen. Eine Wandlung in eine nicht unbedingt direkt nachvollziehbare, mitunter gar verstörende Richtung – die einen kaum glauben lässt, dass die Band einst für maßgebliche Genre-Werke vom Schlage eines THATER OF SALVATION verantwortlich war.

Sicher, ein wenig Spaß muss sein – und der darf gerne auch mal in den Gefilden des Power Metals Einzug halten. Aber wenn dann bitte stilsicher und pointiert – oder so, dass er auf irgendeine andere Art und Weise durchdacht wirkt und ohne größere Schmerzen transportiert werden kann. TINNITUS SANCTUS indes versagt an genau diesem Punkt, und präsentiert sich nicht nur wie ein schlechter Genre-Witz der so gut wie überhaupt nichts mehr mit der einst von EDGUY eingeschlagenen Marschrichtung in Bezug auf einen klassischen europäischen Power Metal am Hut hat – sondern auch wie ein Album, dem man selbst aus der Sichtweise eines harmlos-radiotauglichen Gedudels nicht viel abgewinnen kann.

Anders gesagt: Nummern wie das langatmige MINISTRY OF SAINTS, das relativ peinliche SEX FIRE RELIGION oder das alberne NINE LIVES machen einfach keinen Spaß – trotz der grundsätzlich annehmbaren Leistung von Tobias Sammet und den restlichen Bandmitgliedern. Nummern wie das etwas bessere THE PRIDE OF CREATION oder eventuell noch das merkwürdige betitelte SPEEDHOVEN zeigen auf, dass es EDGUY zumindest in der Theorie noch immer draufgehabt hätten – doch alles andere rangiert grundsätzlich unter ferner Liefen. Der absolut belanglos erscheinende Gitarrensound, die weichgespülte Produktion, die teils unsäglichen Lyrics, die radiotauglich-poppigen Refrains und eine riesengroße Portion Langeweile – hier ging wahrlich einiges daneben. Umso leichter erscheint es, TINNITUS SANCTUS als bis dato belanglosestes EDGUY-Album überhaupt zu bezeichnen.

Absolute Anspieltipps: THE PRIDE OF CREATION, SPEEDHOVEN, DEAD OR ROCK


„Hart an der Schmerzgrenze des gerade noch so erträglichen.“

Filmkritik: „Dog Gone / Diamond Dog Caper“ (2008)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Stouffer
Mit: Luke Benward, French Stewart, Brittany Curran u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Komödie
Tags: Kleinstadt | Kinder | Familie | Hund | Verbrecher

Ich glaub‘ mich tritt ein Hund.

Inhalt: Irgendwo in einer amerikanischen Vorstadt hat ein kleiner Junge schwer mit dem Verlust seines geliebten Hundes zu kämpfen. Dennoch lässt sich Owen (Luke Benward) nicht unterkriegen: er behauptet sich gegen seine ältere Schwester, trägt die Zeitung aus – und verbringt viel Zeit in seinem Baumhaus, dass sich in einem nahe gelegenen Waldstück befindet. Eines Tages, und während er sich dort wieder einmal seinen zahlreichen Erfindungen widmet; beobachtet er ein gleichermaßen seltsames wie verdächtiges Trio. Tatsächlich handelt es sich bei Blackie (French Steward), Arty (Kelly Perine) und Bud (Kevin P. Farley) um bekannte Kleinkriminelle, die planen eine wertvolle Fracht zu schmuggeln – und das ausgerechnet mit der Hilfe eines Hundes. Nach seinen Beobachtungen entschließt sich Owen schnell dazu, das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien – und im besten Falle auch noch die Gauner zu stoppen.

Kritik: Von Filmen, die explizit auf ein jüngeres Zielpublikum zugeschnitten sind; gibt es solche und solche. Oft – und glücklicherweise – bleibt es dabei nicht allzu lange ein Geheimnis, von wessen Geistes Kind bestimmte Werke sind. Eben so ist es auch im Fall der erstaunlicherweise ganze 107 Minuten langen US-Slapstick-Komödie DOG GONE von Mark Stouffer – die schlicht mit soviel Blödsinn um sich wirft, dass sie selbst in Anbetracht ihres Daseins als Kinderfilm auffällig plump und vorhersehbar wirkt. Anders gesagt: DOG GONE präsentiert nicht nur die vermutlich dümmlichsten Kinderfilm-Bösewichter aller Zeiten, und lehrt jungen Zuschauern so eher das Fremdschämen anstatt das dezente Fürchten – auch blödelt er eine gefühlte Ewigkeit ärgerlich plan- und ziellos vor sich her, ohne nennenswert voranzukommen. Abgerundet wird das Ganze durch eine ordentliche Portion eines auf den Hund gekommenen KEVIN ALLEIN ZU HAUS, garniert mit einer Prise Fäkalhumor – und vielen weiteren Elementen, die die Welt nicht braucht. Wenig überraschend ist, dass schlussendlich auch die Machart inklusive der technischen und handwerklichen Aspekte eher mau ausfällt – insbesondere natürlich, was alle Aspekte des an den Tag gelegten Schauspiels betrifft. Somit wird schnell klar, dass sich der Film für vieles eignet – nur nicht für einen unterhaltsamen oder gar pädagogisch wertvollen Filmabend im Kreise der Familie.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Diamond Dog LLC

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„Es gibt sie noch – gute oder gar magische Kinderfilme. DOG GONE dagegen ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es lieber nicht machen sollte.“

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