Metal-CD-Review: EDGUY – Tinnitus Sanctus (2008)

Alben-Titel: Tinnitus Sanctus
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Ministry of Saints (05:02)
2. Sex Fire Religion (05:57)
3. The Pride of Creation (05:29)
4. Nine Lives (04:27)
5. Wake Up Dreaming Black (04:06)
6. Dragonfly (04:57)
7. Thorn Without a Rose (04:47)
8. 9-2-9 (03:48)
9. Speedhoven (07:43)
10. Dead or Rock (05:00)
11. Aren’t You a Little Pervert Too?! (02:20)

Von stilistischen Verirrungen, Teil 4.

Was ist es doch schön – und vor allem abwechslungsreich – eine Diskografie wie die von EDGUY aufzuarbeiten. Erst Recht wenn man bedenkt, dass die Fulderaner im Laufe ihrer bereits in den frühen 90ern begonnnen Karriere die ein oder andere einschneidende Entscheidung getroffen haben. Entscheidungen, die sich selbstverständlich auch auf den Sound und die letztendlich etablierte Wirkung der Band ausgewirkt haben – und stellenweise auch dazu führten, dass sich die hiesige Fangemeinde regelrecht spaltete. Tatsächlich könnte man durchaus einige gute Gründe dafür finden, der ebenso klassischen wie prächtigen Anfangszeit der Band – die vor allem Ende der 90er einige äußerst hochkarätige Genre-Werke ablieferte – nachzutrauern.

Andererseits, und stellvertretend für so manch andere Band möchte man etwaigen Weiterentwicklungen oder Neuausrichtungen aber auch nicht im Wege stehen – und Bands, die sich gerade innerhalb ihrer zweiten Blütephase zu befinden scheinen; trotz allem eine weitere Chance geben. Eben das fiel im Falle von EDGUY nicht gerade leicht – die sich mit ihren beiden bis dato mittelprächtigsten Alben HELLFIRE CLUB (siehe Review) und ROCKET RIDE (Review) beileibe nicht nur Freunde gemacht haben. Dennoch, und bei aller Liebe hatten diese beiden Alben aber noch einen entscheidenden Vorteil: man konnte sich über sie streiten, und dementsprechend sowohl einige gute als auch eher zu vernachlässigende Aspekte an ihnen benennen.

Etwas anders sah und sieht es dagegen im Fall von TINNITUS SANCTUS aus – und damit auch einem EDGUY-Album, welches den Begriff eines Hörschadens offenbar nicht von ungefähr in seinem Titel stecken hat. Fest steht: auch wenn bereits das Antlitz eines Albums wie MANDRAKE von einem leicht irre dreinblickenden Clown geschmückt wurde, hatten EDGUY ihre in eben diese Richtung gehende Wandlung spätestens mit dem vorliegenden TINNITUS SANCTUS vollzogen. Eine Wandlung in eine nicht unbedingt direkt nachvollziehbare, mitunter gar verstörende Richtung – die einen kaum glauben lässt, dass die Band einst für maßgebliche Genre-Werke vom Schlage eines THATER OF SALVATION verantwortlich war.

Sicher, ein wenig Spaß muss sein – und der darf gerne auch mal in den Gefilden des Power Metals Einzug halten. Aber wenn dann bitte stilsicher und pointiert – oder so, dass er auf irgendeine andere Art und Weise durchdacht wirkt und ohne größere Schmerzen transportiert werden kann. TINNITUS SANCTUS indes versagt an genau diesem Punkt, und präsentiert sich nicht nur wie ein schlechter Genre-Witz der so gut wie überhaupt nichts mehr mit der einst von EDGUY eingeschlagenen Marschrichtung in Bezug auf einen klassischen europäischen Power Metal am Hut hat – sondern auch wie ein Album, dem man selbst aus der Sichtweise eines harmlos-radiotauglichen Gedudels nicht viel abgewinnen kann.

Anders gesagt: Nummern wie das langatmige MINISTRY OF SAINTS, das relativ peinliche SEX FIRE RELIGION oder das alberne NINE LIVES machen einfach keinen Spaß – trotz der grundsätzlich annehmbaren Leistung von Tobias Sammet und den restlichen Bandmitgliedern. Nummern wie das etwas bessere THE PRIDE OF CREATION oder eventuell noch das merkwürdige betitelte SPEEDHOVEN zeigen auf, dass es EDGUY zumindest in der Theorie noch immer draufgehabt hätten – doch alles andere rangiert grundsätzlich unter ferner Liefen. Der absolut belanglos erscheinende Gitarrensound, die weichgespülte Produktion, die teils unsäglichen Lyrics, die radiotauglich-poppigen Refrains und eine riesengroße Portion Langeweile – hier ging wahrlich einiges daneben. Umso leichter erscheint es, TINNITUS SANCTUS als bis dato belanglosestes EDGUY-Album überhaupt zu bezeichnen.

Absolute Anspieltipps: THE PRIDE OF CREATION, SPEEDHOVEN, DEAD OR ROCK


„Hart an der Schmerzgrenze des gerade noch so erträglichen.“

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