Metal-CD-Review: AUVERNIA – Towards Eternity (2008)

Alben-Titel: Towards Eternity
Künstler / Band: Auvernia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. Juli 2008
Land: Argentinien
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Juan Pablo Verni – Drums
Fernando Varela – Vocals, Guitars
Leonardo Gabriel Boan Adam – Bass
Eric Roldán – Keyboards

Track-Liste:

1. A New World Is Born (05:21)
2. A Little of Lust (04:08)
3. How Cruel Is Destiny (05:41)
4. You Will Come (06:23)
5. Interludio Nro 1 (02:41)
6. Inherent Rage (04:33)
7. Running on the Road (04:10)
8. The Master Throne (04:19)
9. The Successor (05:58)
10. Blue Blood (X-Japan cover) (05:03)
11. The Show Must Go On (Queen cover) (04:06)

Auf, auf in die Unendlichkeit.

TOWARDS ETERNITY ist das 2008 erschienene Debütalbum von AUVERNIA. Hierbei handelt es sich um eine bereits 1999 in Argentinien gegründeten Combo, die 2006 erstmals in Form einer kurzen EP (YOU WILL COME) von sich hören ließ – und einer, bei der es kaum möglich sein sollte sie vorschnell in eine einzelne Genre-Schublade zu stecken. Immerhin: als grobe Marschrichtung gibt die Band selbst eine Spielart im Bereich des Progressive Power Metal vor – doch schon der Opener A NEW WORLD IS BORN zeigt auf, dass es sich dabei tatsächlich nur um eine ungefähre Orientierung handelt oder eher handeln kann. Anders gesagt: TOWARDS ETERNITY schöpft von den ersten Sekunden an aus dem musikalischen Vollen, schlägt im stilistischen Sinne des öfteren in so manch unerwartete Richtung aus – und unterstreicht den ohnehin von AUVERNIA ausgehenden Überraschungseffekt als bis dato unbekannte, offenbar aber reichlich talentierte Newcomer-Band aus Argentinien.

Wobei – und auch das ist eine kleine Besonderheit – die Argentinier gar nicht erst darauf aus sind Musik in ihrer Landessprache einzuspielen. Wie man weiss kann das einem potentiellen internationalen Erfolg recht dienlich sein – zumindest wenn man nicht den Eindruck erweckt, dass man sich in einer wie auch immer ausfallenden Art und Weise für die Produktion verbogen hat. Bei AUVERNIA stehen diesbezüglich aber alle Zeichen auf grün. Beispielsweise bewegen sich die gerne mal etwas düstereren, atmosphärischen Texte qualitativ weit über dem Genre-Standard. Und, was vielleicht noch etwas wichtiger ist: der hiesige Frontmann Fernando Varela beherrscht nicht nur ein einwandfreies und akzentfreies Englisch, sondern vermag es auch problemlos zwischen verschiedensten Gesangsarten und -Lagen zu wechseln. So hört man den Argentinier nicht nur einen recht energischen, angenehmen Klargesang von sich geben – er sorgt auch immer wieder für markante Growl-Einwürfe. Jenes Wechselspiel unterstützt den insgesamt eher düsteren und ungestümen, handwerklich und klanglich aber perfekt aufeinander abgestimmten Gesamteindruck von TOWARDS ETERNITY.

Somit kann man auch beliebig entscheiden, ob man das Album nun als recht imposantes Ganzes betrachtet – oder aber sich einzelne Momente herauspickt. Vornehmlich solche, auf die man immer wieder gerne zurückkommt – wie etwa das nicht ganz so komplexe, dafür umso wuchtigere und eingängigere A LITTLE OF LUST; das am ehesten einem gradlinigen Power Metal-Track entspricht. Zumindest für AUVERNIA-Verhältnisse versteht sich, Abwechslung gibt es trotzdem zuhauf. Doch ob es nun die eingestreuten Chöre, die klassischen Einspieler oder das immer mal wieder auftauchende Keyboard sind – allzu künstlich oder konstruiert wirkt und klingt hier nichts. Oder eher verdächtig wenig, woran auch die handwerklich mehr als überzeugenden Leistungen der einzelnen Mitglieder verantwortlich sind – und die für ein unerwartetes Independent-Release überraschend druckvolle und selbst in Bezug auf etwaige Feinheiten überzeugende Produktion. Ein kleines Manko gibt es dann aber doch: während die meisten der auf dem Album enthaltenen Nummern durchweg überzeugen, könnte der aus den beiden Cover-Versionen entstehende Eindruck zwiespältiger nicht sein. Schließlich überzeugt BLUE BLOOD (X-JAPAN) als extrem mitreißender, sogar in den japanischen Textpassagen stilsicherer Dauerbrenner – während man mit THE SHOW MUST GO ON (QUEEN) das komplette Gegenteil macht und den wohl einzigen absolut deplatzierten Titel des Albums präsentiert.

Sei es drum, eines geht bei den Argentiniern von AUVERNIA in jedem Fall auf. Etwas, an dem so manch andere Combo scheitert: trotz der gewagten Vermengung von Elemten des Progressive-, des Power- und sogar Black Metals; sowie der quasi nebenbei stattfindenden Hereingabe von Einflüssen aus der Klassik und dem Jazz klingt TOWARDS ETERNITY noch immer recht kohärent und organisch. Einen allzu modernen Eindruck muss man bis auf wenige Ausnahme-Momente ebenfalls nicht befürchten, wenn überhaupt einen dezent experimentellen – der sich aber umso mehr legt, je intensiver man in den Alben-Kosmos eingestiegen ist. Fakt ist aber: um ein schnell oder nebenbei zu verköstigendes Album handelt es sich bei TOWARDS ETERNITY keineswegs – man muss sich schon etwas Zeit nehmen und überdies bereit sein, nicht in vorgefertigten Schubladen zu denken. Wem das gelingt, den erwartet eine musikalisch höchst interessante Reise, die man am ehesten mit den Erzeugnissen einer Band wie SYMPHONY X vergleichen könnte – mit dem Unterschied, dass AUVERNIA noch viel öfter aus den gängigen Power Metal-Konventionen ausbrechen und insgesamt etwas schroffer klingen – nicht zuletzt aufgrund der aggressiven Growls.

Absolute Anspieltipps: A NEW WORLD IS BORN, A LITTLE OF LUST, INHERENT RAGE, BLUE BLOOD


„Anders, aber allemal überzeugend.“

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