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Metal-CD-Review: EXOS – Time For A Change (2017)

Alben-Titel: Time For A Change
Künstler / Band: Exos (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. November 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Uniting Sound Media

Alben-Lineup:

Jens Faber – Guitars, Bass, Keyboards
Fabio Lione – Vocals
Jonas Heidgert – Vocals
Piet Sielck – Vocals
Tommy Johansson – Vocals
Dario Velasco – Vocals
Siegfried Samer – Vocals
Johnny la Bomba – Vocals
Gus Monsanto – Vocals
Daniele „The Dan“ Gelsomino – Vocals
Marc M. Lemler – Vocals
Philipp Bock – Drums

Track-Liste:

1. Fanatics (03:57)
2. Time for a Change (03:17)
3. Hell Where You Least Expect It (03:18)
4. Be the One You’ve Never Been (03:16)
5. Fly Away (04:41)
6. All the Evil Must Die (04:26)
7. One Way Street (04:32)
8. As Heaven Died (03:30)
9. Still Alive (03:58)
10. Read My Words (03:17)
11. Final Way Home (03:44)
12. For Once in My Life (04:32)
13. Into the Mirror (03:59)
14. Helping Hand (03:21)
15. Time (04:42)

Alles, nur kein Stillstand.

Betrachtet man die Power Metal-Szene der letzten Jahre, so scheint eines festzustehen: groß angelegte, vergleichsweise aufwändige und nicht selten mit einem enormen Staraufgebot versehene Metal-Projekte haben wieder Konjunktur. Sicher auch, da die gegebenenfalls internationale Vernetzung besser funktioniert und wesentlich einfacher zu handhaben ist als damals – und viele dem Genre langjährig zugetane Musiker nichts gegen die ein oder andere besondere Herausforderung einzuwenden haben. Wie so oft lautet die Frage dabei nur, wer genau zu einer entsprechenden musikalischen Versammlung einlädt – und ob derjenige wirklich über ausreichend Ideen sowie ein bestenfalls ausgeprägtes Maß an Fingerspitzengefühl verfügt, um die Leistung aller Beteiligten zu würdigen und unter einen Hut zu bekommen. Schließlich ist längst nicht jeder, der viele Kontakte hat und seine Gäste zu einer bestenfalls einmaligen Power Metal-Tafelrunde einlädt; automatisch ein zweiter Tobias Sammett. Immerhin war es seinerzeit eben jener EDGUY-Frontmann, der mit seinem zunächst kleinen Nebenprojekt AVANTASIA eine ebenso überraschende wie schlicht wunderbar funktionierende METAL-OPERA (siehe Review zu Part I) auf die Beine gestellt hatte. Eine, die für viele Genre-Enthusiasten auch heute noch ein absolutes Pflichtprogramm darstellt – und die oft in einem Atemzug mit vielen der heute veröffentlichten Allstar-Alben genannt wird.

Ein solches ist auch das vorliegende TIME FOR A CHANGE von EXOS – auch wenn es auf den ersten Blick absolut nicht danach aussieht. Eigentlich, und um sowohl auf den Ersteindruck des Bandnamens und des atemberaubend schlichten Cover-Artworks einzugehen; sieht es sogar nach gar nichts aus – wobei es reichlich fatal wäre, nicht doch noch einen intensiveren Blick zu wagen. Denn wie sich herausstellt, steckt hinter EXOS niemand geringerer als Jens Faber – der bekanntlich einer der Hauptakteure von DAWN OF DESTINY ist. Und damit auch einer Band, die trotz ihrer teils bemerkenswerten Alben noch immer weniger Aufmerksamkeit bekommt, als sie es verdient hätte. Nun also wagt sich der Gitarrist, Bassist, Keyboarder und Songwriter an TIME FOR A CHANGE – beziehungsweise veröffentlicht es, nachdem er bereits ab 2015 dafür warb möglichst viele Gaststars für sein Projekt zu gewinnen. Wie sich heute und in der Vollendung zeugt, mit Erfolg: neben allseits bekannten Genre-Größen wie Fabio Lione (Ex-RHAPSODY OF FIRE), Jonas Heidgert (DRAGONLAND), Gus Monsanto (HUMAN FORTRESS) Piet Sielck (IRON SAVIOR) oder Thommy Johansson (REINXEED) finden sich weitere hoffnungsvolle Talente, die man noch nicht allzu oft gehört hat – aber allemal begrüßen wird. Wie etwa Siegfried Samer von DRAGONY oder Johnny La Bomba von GLORYFUL, um nur zwei zu nennen.

Dabei schafft es Jens Faber nicht nur, die entsprechenden Gesangskünstler um sich zu scharen – er schafft es auch, sein Album TIME FOR A CHANGE zu einem vergleichsweise besonderen zu machen. Und das, obwohl es sich hier ganz grundsätzlich um über die Jahre gesammeltes Material handelt, das in der vorgestellten Konstellation auch eine Fehlzündung hätte nach ziehen können. Dem ist allerdings nicht so, erst Recht nicht zum Auftakt des Albums – das mit dem gesangsstark-stampfenden Opener FANATICS sowie dem von Jonas Heidgert getragenen TIME FOR A CHANGE als waschechter Power Metal-Hymne sogleich aus dem Vollen schöpft. Doch auch was dann folgt, ist nicht von schlechten Eltern. Vornehmlich, da Jens Faber nicht verbergen kann was er die letzten Jahre gemacht hat – und Nummern wie HELL WHERE YOU LEAST EXPECT IT, BE THE ONE YOU’VE NEVER BEEN oder READ MY WORDS einfach verdammt offensichtlich nach DAWN OF DESTINY schreien. Und das kann sich in Anbetracht der Vorlage einfach nicht negativ auswirken, eher im Gegenteil. Sicher, die Klasse seiner Hauptband erreicht er dabei nicht ganz – doch dafür gibt es einen Haufen Abwechslung und die ein oder andere Überraschung. Und das zumeist im positiven Sinn – sodass selbst der im allgemeinen als eher gewöhnungsbedürftig geltende Thommy Johansson für einige verdächtig starke Momente (FLY AWAY, AS HEAVEN DIED) sorgt.

Tatsächlich, und das war so sicherlich nicht zu erwarten; fällt es vergleichsweise schwer TIME FOR A CHANGE überhaupt irgendetwas anzukreiden. Handwerklich ist das Album in vielerlei Hinsicht erhaben – selbst die Abmischung und Produktion fällt in Anbetracht dessen, dass die meisten Musiker wohl nicht persönlich bei Jens Faber im Studio waren; hervorragend aus. Und überhaupt: grundsätzlich schneiden alle Gaststars verdammt gut ab, mit Ausnahme eines dieses Mal etwas merkwürdig tönenden Fabio Lione – der den Rausschmeißer des Albums damit zu einer eher vernachlässigbaren Angelegenheit macht, leider. Und dass eine Nummer wie STILL ALIVE dann doch recht frappierend an das jüngste Schaffen von AVANTASIA erinnert, ist alemal zu verzeihen. Schlussendlich: was Jens Faber hier an den Instrumenten, in Bezug auf das Songwriting und die Auswahl seiner Gaststars auf die Beine gestellt hat; verdient allemal Anerkennung.

Absolute Anspieltipps: TIME FOR A CHANGE, HELL WHERE YOU LEAST EXPECT IT, ONE WAY STREET, AS HEAVEN DIED, FOR ONCE IN MY LIFE


„Ob als stark besetztes Konzeptalbum oder als Allstar-Compilation mit einer ordentlichen Priese DAWN OF DESTINY – TIME FOR A CHANGE kommt ebenso überraschend daher, wie es gut ist.“

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Finale: Die Besten (Und Die Schlechtesten) Power Metal-Alben Des Jahres 2017 Sind…

Zuallererst, und zur Abschwächung der typischerweise entsprechend reißerischen Überschrift – vielleicht ist noch etwas früh, eine wie auch immer geartete Genre-Bestenliste des Jahres 2017 zu erstellen. Zum einen natürlich, da das Jahr noch nicht ganz vorbei ist und noch einige Releases folgen – zum anderen aber, und das wiegt wohl noch etwas schwerer; da den Autor des Blogs längst nicht alle potentiell hochkarätigen Power Metal-Veröffentlichungen des Jahres erreichten. Dies kann und soll gegebenenfalls noch nachgeholt werden – wobei etwaige Vorschläge natürlich jederzeit willkommen sind. Vielleicht hat ja jemand schon alle der in diesem Jahr etwa 400 erschienen Genre-Releases gehört – und kennt noch den ein oder anderen Kandidaten, der unbedingt gehört werden muss ?

Aktuell, und um auf die Überschrift zurückzukommen; sieht der Stand der Dinge jedenfalls 9 ebenso markante wie starke Kandidaten vor, die es in die nähere Auswahl der vermutlich besten Alben des Jahres geschafft haben. Im Detail sehen diese wie folgt aus (die Anordnung erfolgt alphabetisch, alles andere ist Zufall):

Eines steht mit Sicherheit fest: mit diesen 10 Genre-Werken aus dem Jahr 2017 kann man nicht viel falsch machen. Auch wenn (noch) nicht wirklich entscheiden werden kann, welches der aufgeführten Alben sich tatsächlich die Krone holt. Schwer ist die Entscheidung vor allem deshalb, da es kein Album geschafft hat mehr als 9.0 von 10 Punkten einzufahren – und sich alle auf einem recht ähnlichen qualitativen Niveau einpendeln. Schauen wir ob sich noch etwas ändern wird, oder gar ein bisher übersehener Kandidat um die Ecke kommt…

Sicher wollen manche auch erfahren, wie es in Bezug auf die eher entgegengesetzte Richtung bestellt ist. Tatsächlich hat das Pendel dieses Jahr doch etwas öfter in die entsprechende Richtung ausgeschlagen – wobei durchaus auch die ein oder andere Überraschung dabei ist. Doch natürlich sollen auch diese Releases eine gewisse Form der Aufmerksamkeit bekommen – schließlich kann und sollte man immer auf Besserung hoffen. Kurzum: die folgenden Alben habe alle eine Wertung von lediglich 4.0 Punkten oder weniger bekommen:

Na dann – auf ein neues…

Metal-CD-Review: BEAST IN BLACK – Berserker (2017)

Alben-Titel: Berserker
Künstler / Band: Beast In Black (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. November 2017
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Sami Hänninen – Drums
Kasperi Heikkinen – Guitars
Anton Kabanen – Guitars
Yannis Papadopoulos – Vocals

Track-Liste:

1. Beast in Black (04:29)
2. Blind and Frozen (05:04)
3. Blood of a Lion (05:03)
4. Born Again (03:51)
5. Zodd the Immortal (03:34)
6. The Fifth Angel (03:30)
7. Crazy, Mad, Insane (03:30)
8. Hell for All Eternity (04:48)
9. Eternal Fire (03:34)
10. Go to Hell (03:01)
11. End of the World (05:10)
12. Ghost in the Rain (05:35)

Wer wird denn gleich zum Bersker werden… ?

Eine handvoll Alben, die man als markante Schlachtrufe aus dem Genre des Power Metal bezeichnen kann; kennt vermutlich jeder. Schlachtrufe, die ihre Wirkung zumeist aus einer weitestgehend ungekünstelten Gesamtwirkung generieren – und dabei bestenfalls mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal aufwarten. Auch die Finnen von BEAST IN BLACK wagen sich auf ihrem Debütwerk BERSERKER nun an eine eben solche oder zumindest daran erinnernde Kombination – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Genre-Vertretern scheuen sie sich offenbar nicht davor, auch mal das ein oder andere moderne Element in ihren Kompositionen zu verbauen. Kompositionen, denen man von der handwerklichen Warte heraus vieles unterstellen könnte – nur nicht, dass sie von unerfahrenen Musikern eingespielt wären oder wie ein zielloses Exerpeiment klingen. BERSERKER bewegt sich damit irgendwo zwischen neuerlichen Genre-Tributprojekten wie etwa den höchst solide agierenden BROTHERS OF METAL, klassisch-gradlinigen Haudrauf-Combos wie VHÄLDEMAR oder auch den gerne mal etwas deutlcher vom Keyboard getragenen Ambitionen von Landeskollegen wie DREAMTALE – und wirft dabei mit einer entsprechend breit gefächerten Palette höchst verschiedener Eindrücke um sich.

Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollte man also definitiv einplanen – und auch die Möglichkeit, dass man in Anbetracht einiger merkwürdig sanft bis ganz und gar radiotauglich klingender Passagen (wie etwa in BORN AGAIN) oder ganzer nicht wirklich zum Oberbegriff des Power Metal passender Nummern (wie etwa dem fast schon discotauglich stampfenden CRAZY MAD INSANE mit seiner stark elektronischen Komponente) mal mehr oder weniger kurz den Kopf schütteln wird. Wobei, und das wäre genrell gtesprochen ein relativ vernichtendes i-Tüpfelchen; auch sonst alles nach einem relativ eindeutigen too much zu schreien scheint. Vor allem natürlich in Bezug auf das stets reichlich Platz einnehmenden Keyboard und den überschwänlichen elektronischen Bombast.

Umso größer ist die Überraschung dass es den Finnen dennoch gelungen ist, mit BERSERKER ein ebenso erfrischendes wie schlicht verdammt durchschlagkräftiges Power Metal-Album auf die Beine zu stellen. Vornehmlich, da sich die wohl eindrucksvollste Stärke der noch jungen Band einen angenehm unaufhaltsamen Weg in die Hirnwindungen des Hörers bahnt – die Gesangsdarbietung des hiesigen Leadsängers Yannis Papadopoulos. Einen derart energetisch und kraftvoll agierenden, dabei aber immer auch eine gewisse Akrobatik an den Tag legenden Leadsänger hat man schließlich schon lange nicht mehr gehört. Ausser eventuell; und deshalb auch der weiter oben anberaumte Vergleich, bei den Kollegen von VHÄLDEMAR – mit dem Unterschied, dass Yannis Papadopoulos eine noch größere Variabilität besitzt. So glänzt er nicht nur in den markant nach vorn preschenden Momenten wie etwa im Opener BEAST IN BLACK – auch in Bezug auf seine eher sanfte Seite (wie zum Auftakt von BLOOD OF A LION oder BORN AGAIN) macht er eien verdächtig gute Figur. Dass er dann auch noch relativ problemlos als Frontmann einer beliebigen Trash Metal-Combo durchgehen könnte (ZODD THE IMMORTAL) und dabei immer wieder mit einigen eine wohlige Gänsehaut erzeugenden Screams um die cke kommt, rundet das Ganze ab.

Fest steht: bei einem derart wandelbaren Frontmann ist es BEAST IN BLACK allemal zu verzeihen, dass sie auf ihrem Debütalbum auch mal den ein oder anderen Ausflug in so nicht ubnedingt erwartete Gefilde wagen – oder das Keyboard hie und da dezent überstrapazieren (ETERNAL FIRE). Schließlich sorgt allein seine markante Leistung dafür, dass den einstweilen etwas weicheren Anwandlungen in den Kompositionen ein zünftiger (und so gesehen ausgleichender) Gegenpart verpasst wird. Wie etwa in BLIND AND FROZEN – einer Nummer mit leichtem Pop-einschlag, die so oder so ähnlich auch von AVANTASIA hätte stammen können.

Ein kleineres Problem offenbart sich dann aber doch – und das bezieht sich auf die Darbietung der anderen beteiligten Musiker. Oder eher die Gewichtung der Beteiligung, analog zur generellen Abmischungqualität. Denn: nicht immer bekommt man einen guten Eindruck davon, was BEAST IN BLACK alles in Bezug auf das Instrumentenspiel in Petto haben. Abgesehen vom Einsatz des Keyboards versteht sich, und mit Ausnahme der gut akzentuierten Soli-Momente. Betrachtet man das hochkarätige Lineup der Band (unter anderem mit zwei bei den Ungarn von WISDOM aktiven Musikern), so sollte man jedenfalls meinen dass hier noch mehr drin gewesen wäre. Hie und da war es dann eben doch etwas zuviel des Guten, respektive des Bombasts – sodass gerade der Bass, und eisntweilen auch die Gitarren und das SChlagzeug in der fulminanten Klangkulisse unterzugehen drohen. Oder zumindest eine etwas generisch wirkende Nebenrolle spielen – was speziell für die sich nicht gerade zurückhaltenden Refrains gilt.

Sei es drum – so viel Spaß hat schon lange kein Power Metal-Album gemacht. Erst Recht keines aus dem Jahre 2017 – sodass sich BEAST IN BLACK durchaus Hoffnung auf die diesjährige Genre-Krone machen dürfen. Allen verantwortlichen, aber hauptsächlich Yannis Papadopoulos sei Dank. Chapeau !

Absolute Anspieltipps: BEAST IN BLACK, BORN AGAIN, THE FIFTH ANGEL, ETERNAL FIRE, GO TO HELL


„Einerseits, und speziell zu Beginn dezent gewöhnungsbedürftig – andererseits, und vor allem in gesanglicher Hinsicht klar das eindrucksvollste Power Metal-Album des Jahres 2017.“

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Metal-CD-Review: SERENITY – Lionheart (2017)

Alben-Titel: Lionheart
Künstler / Band: Serenity (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2017
Land: Österreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Andreas Schipflinger – Drums
Georg Neuhauser – Vocals
Fabio D’Amore – Bass
Christian Hermsdörfer – Guitars

Track-Liste:

1. Deus lo Vult (01:52)
2. United (05:33)
3. Lionheart (04:38)
4. Hero (04:24)
5. Rising High (03:31)
6. Heaven (04:09)
7. King’s Landing (02:10)
8. Eternal Victory (04:41)
9. Stand and Fight (04:25)
10. The Fortress (of Blood and Sand) (04:26)
11. Empire (04:27)
12. My Fantasy (04:45)
13. The Final Crusade (05:37)

Für den König… !

Ja, auch im Jahre 2017 ist so manches Power Metal-Album erschienen. Eigentlich und ganz genau genommen handelt es sich dabei gar um derart viele, dass man als Normalsterblicher kaum die Chance gehabt haben wird; wirklich alles zu hören. Glücklicherweise aber scheint das auch gar nicht nötig, schließlich ist es wie so oft nicht die Quantität die den Ausschlag gibt – sondern die Qualität. Gerade diesbezüglich trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen, denn: nur ein äußerst marginaler Teil des großen Release-Batzens hat hinterher auch wirklich das Zeug dazu, als eines der Highlights des Jahres zu fungieren. Die Frage ist daher lediglich, welche Bands genau zwecks einer diesbezüglichen Zuordnung in Frage kommen – wobei längst nicht jeder ein Wörtchen mitzureden hat. Wohl aber – und das gilt vornehmlich unter Einbeziehung ihrer bisherigen Errungenschaften – die aus Österreich stammenden Power Metaller von SERENITY. Schließlich sind die schon seit 2001 unterwegs und haben eine recht ansehnliche Diskografie sowie einiges an Erfahrung vorzuweisen – wobei auch ihr neues Werk LIONHEART als mittlerweile sechstes offizielles Studioalbum nichts anderes verspricht, als den bisherigen Siegeszug der Band fortzusetzen.

Ein Versprechen, dass in Bezug auf das insgesamt 13 Titel starke Album (welches ebenfalls als Special-Edition mit 2 CD’s und einigen Bonustracks erscheint, die unter anderem drei Piano-Versionen bekannter SERENITY-Nummern beinhalten) offenbar relativ problemlos gehalten werden kann. Dabei sind es zunächst und vornehmlich zwei einzelne Nummern, die dem geneigten Genre-Konsumenten direkt positiv auffallen werden oder im besten Fall bereits bekannt vorkommen sollten – schließlich wurden die gleich zum Auftakt des Albums vorgesehenen Titel UNITED und LIONHEART bereits als Vorab-Singles mit zwei dazugehörigen Musikvideos veröffentlicht. Zwei recht professionell abgedrehten und atmosphärisch überzeugenden noch dazu – was in Anbetracht der tadellosen musikalischen Darbietungen auch überaus passend erscheint. So kann man sie bereits in diesen zwei Nummern wiederfinden, die guten alten Stärken von SERENITY – die unter anderem aus der Verquickung von fesselnd-hymnischen Power Metal-Elementen und einer auch mal etwas ruhigeren Gangart bestehen. Einer Gangart, die mit vergleichsweise tiefgreifenden Lyrics inklusive einer glaubwürdigen Form der Emotionalität aufwartet, dezent an das Schaffen von KAMELOT erinnert – und nur deshalb so gut funktioniert, da man mit Frontmann Georg Neuhauser den wohl am besten geeigneten Kandidaten für die Fusion aus Kraft und Gefühl an den Start bringt.

Dass LIONHEART von vornherein ein gewisser Reiz innewohnt, hat aber nicht nur mit den grundsätzlich einwandfreien Darbietungen aller beteiligten Musiker oder der überzeugenden Produktion zu tun – sondern auch mit dem für dieses Album anberaumten Konzept. Schließlich dreht sich LIONHEART um den legendären englischen König Richard I. genannt Löwenherz, und damit auch den eng mit diesem Namen verbundenen Kreuzzügen. Sicher sind die ein grundsätzlich kritisch zu betrachtendes und im Genre ohnehin eher selten aufgegriffenes Thema. Andererseits, und kurioserweise aber scheinen gerade jene umstrittenen Kreuzzüge das Zeug dazu zu haben; die ein oder andere perfekte musikalische Umsetzung oder eher Aufarbeitung zu erfahren – mit einem Mammut-Werk wie CRYSTALLION’s HATTIN (siehe Review) als Vorzeigebeispiel. Vielleicht ja auch, weil eine Unterscheidung in gut und böse und ein entsprechendes Schubladendenken hier nicht ganz so leicht ausfällt oder ausfallen sollte – und auch die Musik von einem dazugehörigen Wechselspiel aus verschiedenen Emotionen und zu fällenden Urteilen in Bezug auf ihre möglichst breit gefächerte Gesamtwirkung profitieren kann.

Und genau das macht nun auch LIONHEART. Eindeutig ist, dass SERENITY ihre Chance genutzt haben – und sich sowohl in inhaltlicher als auch musikalischer Hinsicht alles andere als die Blöße geben. Dabei, und das ist das schöne; spielt es erst gar keine allzu große Rolle ob man nun tatsächlich vergleichsweise intensiv auf das Konzept und die besungenen Inhalte einsteigt – oder sich nur von der aufgefahrenen musikalischen Bandbreite des Albums berauschen lässt. Beiden Varianten gemein ist ein handwerklich durchdachtes und hervorragend umgesetztes Album, dass einiges an Abwechslung bereithält und neben den automatisch hervorstechenden Hymnen auch bis ins kleinste Detail überzeugt – wie es etwa beim stimmigen Intro oder dem instrumentalen Zwischenspiel KINGS LANDING festzustellen ist. Damit steht fest, und das nicht erst seit aber gerade mit einem Album wie LIONHEART: im Bereich des europäischen Symphonic Power Metal macht SERENITY keiner so schnell etwas vor.

Absolute Anspieltipps: UNITED, LIONHEART, RISING HIGH, STAND AND FIGHT


„Nicht weniger als einer der heißesten Kandidaten für den Posten des besten Power Metal-Albums des Jahres 2017.“

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Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Reforged – Riding On Fire (2017)

Alben-Titel: Reforged – Riding On Fire
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. Dezember 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Jan-Sören Eckert – Bass
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Patrick Klose – Drums

Track-Liste:

Disc 1
1. Riding on Fire (04:56)
2. Battering Ram (04:52)
3. Brave New World (04:34)
4. Prisoner of the Void (04:45)
5. Titans of our Time (03:57)
6. Eye to Eye (05:59)
7. For the World (05:27)
8. Mindfeeder (04:47)
9. Watcher in the Sky (05:28)
10. Mind over Matter (05:37)

Disc 2
1. Warrior (04:50)
2. Iron Savior (04:28)
3. Tales of the Bold (05:32)
4. No Heroes (04:15)
5. Break the Curse (04:39)
6. Condition Red (04:59)
7. Protector (04:37)
8. I’ve Been to Hell (04:06)
9. Atlantis Falling (04:36)

Das Eisen ist zu schmieden, solange es noch heiss ist.

Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, dass sich die deutschen Power Metaller von IRON SAVIOR mit einem neuen Studioalbum an die Öffentlichkeit gewandt hatten. Einem recht guten noch dazu, schließlich durfte und darf das hier gemeinte TITANCRAFT (siehe Review) wohl auf grundsätzlich keiner Power Metal-Bestenliste des Jahres 2016 fehlen. Umso erstaunlicher erscheint es, dass die Musiker um Frontmann Piet Sielck nun erneut nachlegen. Allerdings, und das erklärt die auch die schnelle Veröffentlichungsfrequenz; in einer so nicht unbedingt erwarteten Form. So kann REFORGED – RIDING ON FIRE zwar durchaus als eigenständiges Release betrachtet werden – in erster Linie aber handelt es sich um ein kunterbuntes Best Of-Album der Band. Betrachtet man den bisher recht gradlinigen Verlauf der IRON SAVIOR-Diskografie, so ist das mal was ganz neues für die bereits seit 1996 aktive Band – die bis auf zwei Singles, zwei EP’s und ein Livealbum bisher nichts veröffentlicht hat, was nicht das Prädikat eines vollwertigen Studioalbums verdient hätte. Gut, bei dem 2015 erschienen MEGATROPOLIS 2.0 (Review) müsste man wohl eine Ausnahme machen – schließlich handelte es sich hier um eine neu aufbereitete Version des ursprünglichen Albums aus dem Jahre 2007.

Das Stichwort einer eben solchen Neuaufbereitung ist es dann auch, die das REFORGED-Album recht treffend beschreibt – schließlich haben IRON SAVIOR ihre hier präsentierten Nummern nicht nur neu zusammengestellt, sondern gleich komplett neu eingespielt. Wobei eine solche Maßnahme, und das wissen wohl auch zahlreiche andere Genre-Künstler; nicht immer besonders erfolgversprechend sein muss. Erst Recht natürlich, wenn es in der Zwischenzeit markante Lineupwechsel gab – wie unter anderem bei RHAPSODY OF FIRE und ihrem aktuellen Best Of – oder man sich schlicht nur ein einzelnes Album zwecks einer meist fragwürdigen Neufassung herauspickt, wovon Bands wie SONATA ARTICA oder MANOWAR ein Lied singen können. Im Falle von IRON SAVIOR indes scheint ein Großteil der Zeichen auf grün zu stehen: im Sinne ihres Best-Ofs hat sich die Band wirklich durch ihre gesamte Diskografie gegraben, die Nummern nicht allzu sehr abgeändert – und das Lineup kann ebenfalls als klassisch bezeichnet werden. Zumindest was die wichtige Position von Piet Sielck angeht, der sich glücklicherweise auch heute noch maßgeblich für den Sound von IRON SAVIOR verantwortlich zeichnet.

Und so ist REFORGED – RIDING ON FIRE sowohl als Best Of-Album für etwaige interessierte Neueinsteiger, als auch als nettes Schmankerl für langjährige Fans zu verstehen – die dank der teilweise doch merklich verbesserten Abmischung und Produktion hier einige ebenso erfrischende wie altbekannte (und im besten Fall entsprechend geliebte) Power Metal-Momente erleben dürfen. Etwas schade ist dann nur, dass es wirklich keine einzige neue Nummer auf die Compilation geschafft hat. Dabei hätte sich doch mit Leichtigkeit etwas passendes finden oder gleich neu schreiben lassen, und sei es nur eine einziger neuer Titel – wie es etwa die Jungs von FREEDOM CALL mit ihrem 666 WEEKS BEYOND ETERNITY vorgemacht haben. Aber sei es drum – IRON SAVIOR machen mit ihrem Best-Of-Album klar, dass ein derartige Compilation nicht immer nur ein Gefühl der Ernüchterung nach sich ziehen muss. Oder gar ein Gefühl einer waschechten Enttäuschung, wenn mal wieder ein weiterer der eigentlich schon perfekten Klassiker neu verwurstet wird. Würden sich doch nur mehr Bands davon inspirieren lassen…

Absolute Anspieltipps: SWORD OF STEEL, IN A TIME OF BLOOD AND FIRE, DAWNSPELL, WIND OF DEATH, REST IN PEACE


„Eindeutig eines der besseren Best-Of-Alben.“

Für weitere CD-Rezensionen von unterschiedlichem Umfang empfiehlt sich ein Blick auf das alphabetisch geordnete Musikarchiv des Blogs.