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Metal-CD-Review: DIGNITY – Project Destiny (2008)

Alben-Titel: Project Destiny
Künstler / Band: Dignity (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. August 2008
Land: Österreich
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

John Boy Bastard – Bass
Roland Navratil – Drums
Frank Pitters – Keyboards
Jake E – Vocals
Martin Mayr – Guitars

Track-Liste:

1. Project Destiny (04:41)
2. Arrogance and Rapture (04:44)
3. Cry in Despair (05:48)
4. Dreams Never Die (04:43)
5. Icarus (04:40)
6. Inner Circles Sympathy (04:46)
7. The Edge of the Blade (04:30)
8. Inner Demons (04:51)
9. Don’t Pay the Ferryman (03:20)

Ein ganz und gar entscheidendes Projekt.

PROJECT DESTINY ist der vielversprechende Titel des 2008 erschienenen Debütalbums von DIGNITY, einer 2006 gegründeten Power Metal-Formation aus Österreich. Und damit auch einer Band, die quasi aus dem Nichts auftauchte – und mindestens ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Einer relativen Versenkung wenn man so will, denn: nach einem entscheidenden Lineup-Wechsel im Jahre 2012 – bei dem ein gewisser Søren Nico Adamsen den auf PROJECT DESTINY agierenden Leadsänger Jake E ersetzte – erschien immerhin noch BALANCE OF POWER als zweites, deutlich kräftigeres und gleichzeitig auch überraschend gut abschneidendes DIGNITY-Album (siehe Review). Danach wurde es allerdings wieder verdäcjhtig ruhig um die grundsätzlich talentierten Musiker – sodass es ein kleines rätsel bleibt, warum die Band nie so richtig duchstarten sollte. Schließlich hatte schon das heute zu Rezensionszwecken vorliegende Debütalbum gewisse Qualitäten, wobei man eher sagen sollte dass es sie noch immer hat – und damit auch heute noch als lohnenswerte Entdeckung für den geneigten Genre-Konsumenten fungieren kann.

Allerdings, und diesen Einschub sollte man durchaus vornehmen: um ein gerne mal übersehendes, schier unantastbares Meisterwerk handelt es sich bei PROJECT DESTINY ebenfalls nicht. Die Gründe hierfür sind indes weniger im Bereich des rundum zufriedenstellenden Handwerks, der durchaus zielgerichteten Produktion oder der genrellen Qualität des Songwritings zu suchen – sondern vielmehr in Bezug auf ein ganz bestimmtes Stichwort. So lässt sich die von DIGNITY offenbar bewusst in Kauf genommende Tendenz, den insgesamt 9 enthaltenen Titeln eine vergleichsweise explizite Radiotauglichkeit unterstellen zu können; eindeutig nicht von der Hand zu weisen. Und das hat mindestens zwei Folgen: einserseits scheint die Mixtur aus antreibenden Elementen des Melodic Power Metal, eingängig-rockigen AOR-Enschüben und auch mal explizit balladesken Strömungen gerade im Falle von PROJECT DESTINY hervorragend zu funktionieren – andererseits aber klingt das Album so an nicht wenigen Stellen etwas zu harmlos und unspektakulär.

So sorgen eigentlich nur die Gitarren für den nötigen Drive und einen Anflug von Härte und / oder Biss – was einigen speziell in Anbetracht der vielen konterkarierenden weichen Elemente aber nicht reichen könnte. Fest steht: das häufig eingesetzte Keyboard, das nur selten anziehende Tempo und insbesondere der äußerst weiche Leadgesang von Jake E. machen PROJECT DESTINY zu einer recht lockeren Angelegenheit. Auch die hie und da eingeworfenen Soli oder Versuche, auf etwas progressiveren Pfaden zu wandeln (wie etwa in CRY IN DESPAIR oder THE EDGE OF THE BLADE) ändern daran nicht viel. Grundsätzlich, und darauf gibt auch die relativ gleichbleibende Speilzeit der einzelnen Titel einen dezenten Aufschluss; sind die Strukturen stets auf eine bestmögliche Fusion der von DIGNITY in einen großen Topf geworfenen Klang-Elemente ausgelegt – und dass eher ohne, dass damit ein größeres Aufsehen erzeugt werden könnte. Durch und durch harmlose Titel wie DREAMS NEVER DIE, INNER CIRCLE SYMPATHY oder DONT PAY THE FERRYMAN bilden hier treffende Beispiele.

Immerhin: vom Status eines vor Kitsch nru so triefenden oder gar vollständig peinlichen Genre-erguss ist das Ganze noch weit entfernt. ARROGANCE AND RAPTURE und ICARUS  beispielsweise bilden zwei der deutlich ruhigeren, aber doch recht emotionalen und thematisch interessanteren Nummern – während Titel wie der Opener PROJECT DESTINY, THE EDGE OF THE BLADE oder INNER DEMONS zumindest ansatzweise eine etwas griffigere Gangart an den Tag legen. Isngesamt betrachtet sollte man aber durchaus eine gewisse Vorliebe für einen eher weichen und bedächtig gespielten Power Metal mitbringen, um in den vollen Genuss von PROJECT DESTINY zu kommen. Die Demo LEGENDS OF SAFAR von SILVERLANE beispielsweise (siehe Review) scheint sich als Vergleichswerk anzubieten, mit ein wenig Fantasie auch das Schaffen der (späteren) EDGUY, AVANTASIA oder SAIDIAN. Wenn man so will oder nicht anders kann, könnte man sich auch eine abngespeckte oder auch freundlichere Version von KAMELOT vorstellen.

Absolute Anspieltipps: PROJECT DESTINY, ARROGANCE AND RAPTURE, ICARUS, THE EDGE OF THE BLADE


„Eher weich und zugänglich – aber auch angenehm wohlklingend und mit einigen starken Momenten.

Filmkritik: „Shut In“ (2016)

Originaltitel: Shut In
Regie: Farren Blackburn
Mit: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton u.a.
Land: Frankreich, Kanada
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Thriller
Tags: Mutter | Sohn | Familie | Unfall | Wachkoma

Willkommen im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

Kurzinhalt: Nachdem ihr Mann Richard (Peter Outerbridge) und ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) bei einem Autounfall schwer verunglückten, lebt die als Kinderpsychologin arbeitende Mary (Naomi Watts) zurückgezogen in einem großen Anwesen im ländlichen Neuengland. Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich vor allem um ihren seit dem Unfall stark beeinträchtigten, pflegebedürftigen Stiefsohn – und hat bis auf gelegentliche Videochats mit ihrem Kollegen Dr. Wilson (Oliver Platt) kaum Kontakte zur Außenwelt. Eines Tages taucht plötzlich der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) auf, der nach der bereits bei ihr absolvierten psychologischen Behandlung in einem speziellen Heim untergebracht werden sollte – sich aber offenbar von der einfühlsamen Mutter angezogen fühlt. Das Problem: so schnell und unerwartet er aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er auch wieder. Und das in Richtung der verschneiten Wälder, ohne zusätzliche Winterkleidung. Mary macht sich Vorwürfe, und wird neben den ohnehin allgegenwärtigen Sorgen um ihren Stiefsohn nun auch noch von der Ungewissheit über den Verbleib des kleinen Jungen geplagt. Dass sie bald darauf starke Schlafprobleme entwickelt, gehört noch zu den kleineren Übeln…

Kritik: Ja, sie haben wieder Hochkonjunktur – Horrorfilme der guten alten Schule, die trotz vergleichsweise geringer Mittel eine möglichst große Wirkung erzielen sollen. Die gegen Ende 2016 in den Kinos erschienene Grusel-Mär SHUT IN bildet da keine Ausnahme – womit sich der vom bis dato eher unbekannten britischen Regisseur Farren Blackburn inszenierte Film auch einer entsprechenden Konkurrenz stellen muss. Zwar keiner durchweg hochkarätigen, schließlich impliziert die Rückkehr zu gleichermaßen bekannten wie altbewährten Stilmitteln nicht automatisch ein gelungenes Werk – doch in Anbetracht ihrer schieren Anzahl sollte man sich mit Filmen wie SHUT IN zumindest bemüht zeigen, für entsprechende Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Gerade das scheint in diesem Fall aber nicht allzu leicht, was gleich mehrere Gründe hat. Beispielsweise sieht SHUT IN abermals ein großes, selbstverständlich mit vielen Holzdielen ausgestattetes (Geister-)Haus als Schauplatz vor, bezieht sich wie im Genre typisch auf das gespenstische Erleben einiger weniger beteiligter Hauptpersonen – und treibt die Geschichte grundsätzlich nur mit jenen Zutaten voran, die man auch genau so von einem Film wie diesem erwartet hätte.

Anders gesagt: um einen allzu erfrischenden, gar Neuland betretenden Genre-Film handelt es sich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wobei es fast schon ironisch wirkt, dass man dem allgemein gefeierten Nachwuchsdarsteller Jacob Tremblay auch in SHUT IN eine Rolle gegeben hat. Schließlich konnte man den durchaus fähigen, seit RAUM weltweit bekannten Darsteller erst kürzlich – dass heißt im nur wenige Monate älteren BEFORE I WAKE (siehe Review) erleben. Hierbei handelt es sich um einen insgesamt ebenfalls nicht gerade herausragenden Film – aber doch zumindest einen, der sich das Potential des Jungdarstellers zunutze machte. In SHUT IN dagegen scheint er fast schon unterfordert zu sein, zumal seiner Rolle als Waisenjunge Tom eine eher geringe Bedeutung zuteil wird. Immerhin: während die eigentliche Hauptdarstellerin Naomi Watts eigentlich nur das typische Genre-Repertoire aufruft und bis auf ein entsprechenden Mienenspiel kaum aus sich herausgehen muss, sieht es in Bezug auf den 1994 geborenen Charlie Heaton (u.a. STRANGER THINGS) schon wesentlich besser respektive interessanter aus. Gerade im späteren Verlauf des Films verkörpert er die Rolle des eigentlich im Wachkoma liegenden Film-Sohnes Stephen Portman mit einer gewissen; man nenne es Vehemenz – unter hinterlässt damit einen intensiveren Eindruck als alle anderen Beteiligten des Films zusammen.

Allerdings keinen, der sich nachhaltig festsetzen würde – wofür sich aber vornehmlich nicht die Darsteller, sondern das grundsätzlich reichlich spröde, uninspirierte und einstweilen auch schlicht sinnlose Drehbuch verantwortlich zeichnet. Sicher, Filme die ausnahmsweise mal nicht auf einer entsprechenden Buchvorlage basieren und somit perfekt auf das Medium Film zugeschnitten werden könnten; sind immer öfter eine Seltenheit – und haben im besten Falls das Zeug dazu, für einen angenehm frischen Wind zu sorgen. Wenn, ja wenn denn das nötige Fingerspitzengefühl und vor allem auch einige guten Ideen vorhanden sind – was bei SHUT IN offensichtlich kaum der Fall war. Somit ist der eher lauwarme, sich dezent in die Länge ziehende; ja schlicht ärgerlich typische Auftakt des Films auch erst der Anfang der Misere – wobei man gar nicht erst anfangen sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen (beispielsweise wie der junge Tom zur und in die Garage von Mary kommt). Richtig übel wird es schließlich erst wenn SHUT IN seinen großen Twist, oder so gesehen auch seinen eigentlichen Höhepunkt präsentiert. Immerhin: langweiliger wird er dadurch nicht – dafür aber umso abstruser und unglaubwürdiger. Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, ob man als Zuschauer bereits entsprechende Vorahnungen hegt oder wirklich vom Film überrascht wird. Denn: die Mühe, die speziell in Bezug auf die Atmosphäre von SHUT IN investiert wurde; war und ist schlicht zu gering.

So gering, dass sich neben der sich deutlich zu hanebüchen anfühlenden Story auch keine nennenswerte Spannung ergibt und erst Recht keine Empathie für die Charaktere entsteht. Selbst wer auf einzelne Gänsehaut-Momente aus ist, wird eher enttäuscht – bis auf ein paar klischeehaft inszenierte, altbekannte Jumpscares gibt es einfach nichts zu holen. Insgesamt betrachtet ist SHUT IN eine echte Enttäuschung – zumindest, wenn man sich doch noch etwas mehr erhofft als einen weiteren absolut typischen Horrorfilm der Marke Hollywood zu entdecken. Da können auch Naomi Watts, Charlie Heaton und Jacob Tremblay nichts daran ändern – die in einem anderen Film ein wirklich starkes Charakter-Trio hätten ergeben können. Eventuell, und mit dem bereits erwähnten; unbedingt nötigen Fingerspitzengefühl…

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„Ein Film so platt, konstruiert und austauschbar wie eine Schablone.“

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EVANGELION 3.0+1.0 Aka 4.0 Aka 4.44 Aka FINAL Wird (Nicht) Schlecht !

Ich glaub‘ meine REPEAT-Taste spinnt.

 

Man weiß nicht genau warum, aber: seit sich Hideaki Anno das letzte Mal zum offiziellen Stand des abschließenden Teils der großen EVANGELION-Rebuild Sage gemeldet hat (das war Anfang 2015, siehe hier), ist schon wieder einige Zeit ins Land gegangen. Immerhin beträgt die Wartezeit auf einen neuen REBUILD-Film damit erstmals mehr als 5 Jahre – wobei das Ende der Fahnenstange auch im baldigen Sommer 2017 noch nicht erreicht scheint.

Denn: bis auf die Tatsache, dass Hideaki Anno sein zwischengeschobenes GODZILLA-Projekt recht erfolgreich hinter sich gebracht hat und somit wieder Zeit hätte für seine eigentliche Herzensangelegenheit, gibt es nichts neues zu vermelden. Gut, eine recht schwammige Meldung von Animationsregisseur Takeshi Honda gegen Ende 2016 (siehe hier) gab es noch obendrauf – aber auf etwas wirklich handfestes wartet man bisher vergebens.

Entsprechend traurig sieht es auf einigen der Seiten aus, die sich intensiv mit dem Thema EVANGELION beschäftigen. Dieser Blog bildet da sicherlich keine Ausnahme – der bereits Mitte 2015 ins Leben gerufene Status-Post zum neuen EVANGELION-Film beispielsweise (siehe hier) wartet verzweifelt auf eine Aktualisierung. Auffällig ist ebenfalls, dass sich die Fragen nach dem Release des neuen Teils auch auf anderen Seiten mehren, wie etwa dem Frageportal gutefrage.net:

Ein paar Mal kann man ja ruhig nachfragen.

Sogar einige Falschmeldungen sind zwischenzeitlich aufgetaucht – die aber deutlich weniger lustig sind als beispielsweise solche zum (wohl niemals erscheinenden) EVANGELION-Realfilm.

So gibt es auch an dieser Stelle keine neuen Informationen – sondern lediglich eine kurze Aufstellung mit den aktuellen Befürchtungen und Hoffnungen; wenn es um den hoffentlich doch noch irgendwann erscheinenden, letzten REBUILD-Teil geht.

Auf Los geht’s los.

Das EVANGELION-Finale wird mies, weil…

  • … die Erwartungen umso größer werden, je länger sich Hideaki Anno Zeit lässt.
  • … schon EVANGELION 3.0 eher enttäuschend war. Gut, vielleicht war er gerade noch akzeptabel – aber ein Vergleich mit den beiden vorherigen, rundum grandiosen REBUILD’s ergab sich nicht wirklich.
  • … Hideaki Anno ohnehin einen Großteil der Fans verprellen wird, indem er nicht auf die von ihnen gewünschten Aspekte eingeht.
  • … Hideaki Anno mit SHIN GODZILLA beschäftigt war und sich dabei nur allzu gern von seinem eigentlichen Projekt ablenken ließ. Seine Sicht auf das Thema EVANGELION könnte sich jedenfalls zum schlechten verändert haben.
  • … es sowieso keinen Spaß macht, sich mit der internationalen Release-Politik rumschlagen zu müssen. Anders gesagt: während der neue REBUILD in Japan gesehen und heiß diskutiert werden wird, schaut man hierzulande und anderswo noch einige Monate oder gar Jahre in die Röhre.

Das EVANGELION-Finale wird GROSSARTIG, weil…

  • … es die Ehre und der Stolz von Hideaki Anno gebühren sollten, dass er seine REBUILD-Sage zu einem runden Abschluss bringt.
In Your Face.

Man entscheide selbst, was schwerer wiegt – und warte weiterhin geduldig ab.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Heart Of The Phoenix (2017)

Alben-Titel: Heart Of The Phoenix
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
Steven Lawrenz – Guitars
David Baßin – Vocals
Rustam Guseinov – Drums

Track-Liste:

1. Shadow Warriors (04:03)
2. Hero (04:18)
3. End of the Rainbow (03:44)
4. Die by My Sword (03:42)
5. Sons of Orion (05:08)
6. Heart of the Phoenix (04:18)
7. Empire of the Dragonking (03:48)
8. Hammer of Justice (03:50)
9. Beyond the Iron Sky (04:21)
10. Virus (04:02)
11. A Million Lightyears (04:06)

Ein Phoenix aus der Asche, der diesen Namen auch verdient.

Man kann den deutschen Power Metallern von VICTORIUS viel vorwerfen – nur nicht, dass sie sich mit ihren Studioalben viel Zeit lassen. Immerhin legte die Band direkt nach dem noch stark ausbaufähigen 2010’er Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) eine recht muntere Veröffentlichungsfrequenz vor – wobei der 2013 veröffentlichte Überraschungserfolg THE AWAKENING (Review) klar als bisheriges Diskografie-Highlight auszumachen war. Nach dem letztaktuellen, nicht mehr ganz so guten DREAMCHASER (Review) soll es 2017 also wieder an der Zeit sein für ein neues VICTORIUS-Album. Dieses horcht auf den Titel HEART OF THE PHOENIX, beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und scheint ausnahmsweise mal nicht da weiterzumachen, wo die stets siegessicheren Musiker auf und mit DREAMCHASER aufgehört hatten. Das wiederum hat eine gleichermaßen markante wie angenehme Folge: es scheint, als würden sich VICTORIUS auf ihrem HEART OF THE PHOENIX wieder etwas mehr an dem mit THE AWAKENING vorlegten Sound orientieren. Der ganz große Überraschungseffekt bleibt damit zwar aus, doch immerhin begeht die Band keine ähnlichen Fehler wie noch auf DREAMCHASER – dem insgesamt schlicht der nötige Biss fehlte.

HEART OF THE PHOENIX dagegen kann es wieder weitaus effektiver entfachen, das spezielle Feuerwerk der Marke VICTORIUS. Mit ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Musiker dieses Mal etwas mehr Zeit genommen und sich explizit auf ihr Songwriting konzentriert haben – was man dem Album auch zu jedem Zeitpunkt anmerkt. So kann man sich bereits der Wirkungskraft des furiosen Openers SHADOWWARIORS kaum entziehen – wobei es im weiteren Albenverlauf sogar noch besser wird. Das folgende HERO beispielsweise begeistert mit seinem galoppierenden Anspruch, dem knackigen Riffing und den perfekt in Szene gesetzten Keyboardeinschüben. Der absolute Höhepunkt wird dann aber vermutlich mit brachialen Trio aus dem thematisch an VEONITY erinnernden, überraschend gut funktionierenden SONS OF ORION (allein die instrumentale Passage gegen Ende ist Gold wert), dem in jeder Hinsicht mächtigen Titeltrack HEART OF THE PHOENIX sowie EMPIRE OF THE DRAGONKING zelebriert – so gut klangen VICTORIUS nicht einmal auf THE AWAKENING. Hier von einem geradezu triumphalen Gesamteindruck zu sprechen, trifft es wohl recht genau – denn auch die Refrains, Soli-Passagen und Background-Gesänge (hört man genau hin, glaubt man einstweilen an OLYMPOS MONS erinnert zu werden) wurden in Bezug auf ihre Qualität und Effektivität auf ein so noch nicht von VICTORIUS gekanntes Niveau gehievt.

Anders gesagt: HEART OF THE PHOENIX klingt endlich wieder nach einem gleichermaßen energetischen wie spaßigen deutschen Power Metal, der sich in Bezug auf seine hymnischen Melodien und die damit einhergehende mitreißende Wirkung alles andere als verstecken muss. Gut ist, dass die handwerklichen Aspekte eben diese Feststellung zusätzlich untermauern. Analog zur deutlich variableren, variantenreicheren Spielweise der Band überzeugt vor allem die Handhabung der Gitarren – und der bei VICTORIUS eigentlich immer bestmöglich in Szene gesetzte Sound. Die für alle Seiten vorteilhaft ausfallende Abmischung und die ausgewogen-druckvolle Produktion lassen jedenfalls kaum Wünsche offen.

Eine kleine handvoll Dinge könnte man HEART OF THE PHOENIX dann aber vielleicht doch noch vorwerfen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass VICTORIUS nicht gerade mit Innovationen um sich werfen – und sich nach wie vor zahlreiche Parallelen zu anderen alteingesessenen Bands mit einer ähnlichen Spielart ergeben. Zwar wirkt sich das dieses Mal nicht ganz so gravierend aus, aber dennoch: HEART OF THE PHOENIX markiert insgesamt durchaus einen recht beherzten Griff in die allgemeine Power Metal-Klischeekiste. Zum anderen gilt es zu vermelden, dass Leadsänger David Baßin über die Jahre zwar maßgeblich an sich und seiner Darbietung gearbeitet hat – aber noch immer nicht zu den besten oder prägnantesten Genre-Frontmännern gehört. Glücklicherweise überwiegen im Falle von HEART OF THE PHOENIX aber die positiven Aspekte, sowie sicher auch der enorme Spaßfaktor – sodass problemlos eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen werden kann. Effektiver als das jeweils neueste Material von HAMMERFALL oder BLOODBOUND ist das Ganze schließlich in jedem Fall…

Absolute Anspieltipps: SONS OF ORION, HEART OF THE PHOENIX, EMPIRE OF THE DRAGONKING


„Das klingt schon eher nach VICTORIUS.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dreamchaser (2014)

Alben-Titel: Dreamchaser
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Patrick Ziege – Drums
Sebastian Rasch – Guitars

Track-Liste:

1. Twilight Skies (05:03)
2. Day of Reckoning (04:48)
3. Dragonheart (04:45)
4. Fireangel (04:35)
5. Dreamchaser (03:33)
6. Battalions of the Holy Cross (03:57)
7. Blood Alliance (04:24)
8. Speedracer (03:37)
9. Where Ravens Fly (05:19)
10. Black and White (04:07)
11. Silent Symphony (04:56)

Gut Ding will Weile haben… eigentlich.

VICTORIUS sind eine bereits im Jahre 2004 gegründete Power Metal-Combo aus dem Osten Deutschlands, die sowohl ihre erste kurze Demo als auch ihr Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) noch in kompletter Eigenregie veröffentlichten. Eben jenes Debütalbum war es aber auch, welches nur einen höchst gemischten Eindruck hinterlassen konnte – VICTORIUS waren noch weit davon entfernt, ihr Potential voll auszuschöpfen. Mit dem zweiten Album THE AWAKENING (Review) sowie der analogen Label-Aufnahme bei Sonic Attack Records aber schien die Band plötzlich markant aufzublühen, war so gesehen kaum wiederzuerkennen – sodass sie sich endlich in die Herzen zahlreicher Power Metal-Fans spielen konnte. Etwas ungewöhnlich, mindestens aber gewagt war wiederum der Schritt; nicht einmal zwei Jahre darauf schon den Nachfolger DREAMCHASER ins Rennen zu schicken. Und tatsächlich: das unter Umständen als konsequent zu betrachtende Album mag die Karriere der Band sowie ihre angepeilte Spielart weiter gefestigt haben – markierte insgesamt betrachtet aber wieder einen kleinen Rückschritt im Werdegang und der Diskografie von VICTORIUS.

Mit ein Grund dafür ist, dass die 11 enthaltenen Titel kaum eine ähnlich überraschende und überzeugende Wirkung entfalten können wie das auf THE AWAKENING enthaltene Material – aber auch, dass sich VICTORIUS offenbar schon etwas zu früh zurückgelehnt und eher auf eine sichere Nummer gesetzt hatten. Das Ergebnis fiel entsprechend ernüchternd aus: mit den insgesamt 11 auf DREAMCHASER enthaltenen Titeln ließ und lässt sich schlicht kein Blumentopf gewinnen. Eventuell mit Ausnahme der zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen, sowie der abermals recht überzeugenden Abmischungs- und Produktionsarbeit; die das noch recht rohe und raubeinige Werkeln des Debütalbums endgültig vergessen lassen. Doch gerade in Bezug auf die Effektivität des Songwritings, die Herausarbeitung etwaiger Alleinstellungsmerkmale und die letztendlich erzielte Gesamtwirkung sieht es vergleichsweise düster aus. Anders gesagt: DREAMCHASER präsentiert einen absolut Genre-typischen, leicht zu verwechselnden Power Metal mit vielen austauschbaren Momenten.

Da hilft es auch nicht viel, dass sich VICTORIUS in handwerklicher Hinsicht weiterentwickelt hatten und das Album zumindest aus einer eher oberflächlichen Warte heraus gut klingt. Mehrere, aufgrund der vergleichsweise einfachen Struktur des Albums eigentlich nicht nötige Durchläufe zeigen dann aber vor allem eines: ein wirklich nennenswerter Effekt ergibt sich nicht. Stellvertretend dafür steht schließlich schon der gesamte Alben-Auftakt Pate: Nummern wie TWILIGHT SKIES, DAY OF RECKONING, DRAGONHEART oder FIREANGEL wechseln sich mit ihren angepeilten Geschwindigkeiten vorhersehbar ab, bleiben relativ harmlos, klingen verdächtig unspektakulär – und entsprechen mitunter den übelsten, zumindest in dieser expliziten Form eher zu vermeidenden Genre-Klischees. Es sei denn natürlich, man nimmt sich selbst nicht allzu ernst – doch das schien und scheint bei VICTOIUS durchaus der Fall zu sein. Immerhin: gegen Mitte des Albums, respektive ab BATALLIONS OF THE HOLY CROSS wird es wieder etwas interessanter. Und: die Leistung, oder eher die im Vergleich zum Debütalbum leistungsspezifische Wandlung von Leadsänger David Baßin ist nach wie vor beeindruckend.

Doch schlussendlich wird aus DREAMCHASER nicht viel mehr als ein relativ müde wirkender Abklatsch einiger BLOODBOUND-Alben, vermengt mit einigen hie und da eingesetzten Tempo-Schüben a’la CELLADOR oder DRAGONFORCE – und ganz und gar kläglichen balladesken Ambitionen wie in SILENT SYMPHONY. Was auch immer geschehen war – VICTORIUS klingen auf ihrem dritten Studioalbum viel zu generisch, austauschbar, emotionslos; kurzum: schlicht zu simpel und oberflächlich. Dank der akzeptablen handwerklichen Leistungen und des insgesamt knackigen Sounds waren und sind sie dabei noch immer vom Status ihres Debütalbums entfernt – doch mit dem überraschend guten THE AWAKENING hat das Ganze ebenfalls nicht viel am Hut.

Absolute Anspieltipps: BATALLIONS OF THE HOLY CROSS, BLOOD ALLIANCE, WHERE RAVENS FLY


„Viel mehr Berg- und Talfahrt geht eigentlich nicht.“