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Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Rise Of The Dragon Empire (2019)

Alben-Titel: Rise Of The Dragon Empire
Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichung: 22. März 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Fredrik Bergh – Bass, Keyboards
Tomas Olsson – Guitars
Henrik Olsson – Guitars
Patrik J Selleby – Vocals
Anders Broman – Bass
Daniel Sjögren – Drums

Track-Liste:

1. Rise of the Dragon Empire (04:37)
2. Slayer of Kings (05:03)
3. Skyriders and Stormbringers (03:51)
4. Magical Eye (03:51)
5. Blackwater Bay (03:56)
6. Giants of Heaven (04:05)
7. The Warlock’s Trail (03:56)
8. A Blessing in Sorcery (03:51)
9. Breaking the Beast (04:12)
10. Balerion (04:41)
11. Reign of Fire (03:49)

Alle Jahre wieder packt es dich, das BLOODBOUND-Fieber.

Wenn es eine schwedische Power Metal-Combo gibt, die schon seit vielen Jahren aktiv ist und bei vielen dennoch eher unter dem Radar fliegt; dann sind das BLOODBOUND. Dabei legen sich die Schweden, die seit 2004 existieren und mit RISE OF THE DRAGON EMPIRE ihr mittlerweile achtes Studioalbum vorlegen; wirklich ins Zeug – musikalisch, aber natürlich auch mit anderen Maßnahmen, die unter Umständen für Gesprächsstoff sorgen. Einzig und allein eine ganz bestimmte Entwicklung könnte einem zu denken geben: BLOODBOUND haben spätestens mit ihrem letztaktuellen WAR OF DRAGONS (siehe Review) einen für sie eher ungewöhnlichen Weg beschritten. Einen, der so nicht unbedingt nachvollziehbar ist – und die ursprüngliche Qualität der Band unter einem ganz anderen Licht erstrahlen lässt. Anders ausgedrückt könnte man auch folgendes sagen: BLOODBOUND hatten (fast) alles, ob nun vor oder direkt nach dem einschneidenden Wechsel des Leadgesangspostens (für Urban Breed kam Patrik J Selleby) im Jahr 2010 – vor allem in Bezug auf eine durchaus vorhandene Einzigartigkeit und einen extrem hohen Wiedererkennungswert.

Nun aber scheinen sich die Schweden – aus welchen Gründen auch immer – dafür entschieden zu haben, einen eher unkomplizierten Weg zu gehen. Einen wenn man so will uninteressanteren, klischeebeladeneren, vielleicht ja auch kommerzielleren. Allein der thematische Schwerpunkt und die Aufmachung von WAR OF DRAGONS und nun eben RISE OF THE DRAGON EMPIRE weisen jedenfalls schwer darauf hin – was schade ist, da man nun nur noch von einer weiteren x-beliebigen Power Metal-Band ausgehen kann, die eher typische Themen bedienen und sich auch musikalisch nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen. Gewiss, und immerhin: eine grundsätzliche solide Band, die ihr Handwerk versteht und alles andere als Langeweile versprüht sind BLOODBOUND noch immer. Doch mit dem Genuss von RISE OF THE DRAGON EMPIRE, das insgesamt 11 neue Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten bereithält; bestätigt sich ein Verdacht: die Musik von BLOODBOUND ist nett, aber letztendlich auch erschreckend belanglos.

Natürlich, es gibt Fälle wo man vielleicht nicht gleich derart harsch austeilen sollte. Im Falle von BLOODBOUND aber kann man – wie sonst nur selten – von einer selbst auferlegten Messlatte ausgehen, die die Schweden einfach nicht mehr erreichen. Dabei würde es doch schon reichen, wenn sie hie und da für ein markantes Aufhorchen sorgen würden – wie etwa auf STORMBORN (siehe Review). RISE OF THE DRAGON EMPIRE aber plätschert relativ gleichförmig vor sich hin – wobei offenbar nur das abgerufen wird, was absolut notwendig ist. Und das spiegelt sich auch in der grundsätzlich den Leadgesang von Patrik Johansson favorisierenden Abmischung und Produktion wider. Klar, Nummern wie BLACKWATER BAY oder GIANTS OF HEAVEN machen einen Heidenspaß. Andererseits aber sind sie verdammt einfach gestrickt, erinnern mehr denn je an das Schaffen von SABATON – und eignen sich einfach nicht dazu, sie nachhaltig für sich entdecken zu können.

Stichwort SABATON: ob BLOODBOUND es nun auf einen direkten Vergleich angelegt haben oder nicht, Titel wie A BLESSING SORCERY klingen einfach zu stark nach den eben erwähnten Kollegen. Mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt und einem glatteren Leadgesang versteht sich – sowie Elementen, die das Ganze zusätzlich in eine eher harmlose, man will nicht sagen poppige Richtung driften lassen. Kurzum: RISE OF THE DRAGON EMPIRE mag sich gut dafür eignen Live gespielt zu werden, zumal man wie sonst nur selten zum mitsingen und Schunkeln angehalten wird – doch für einen wirklich beeindruckenden, nachhaltig wirkenden Power Metal-Genuss eignet sich das neueste BLOODBOUND-Werk eher weniger.

Anspieltipps: SLAYER OF KINGS, SKYRIDERS AND STORMBRINGERS, BALERION


„Ein grundsolides und enorm kurzweiliges, aber eben auch relativ banales Genre-Album.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – End Of All Hope (2019)

Alben-Titel:  End Of All Hope
Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichung: 26. April 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Ram It Down Records

Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards, Bass
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Hampus Fasth – Drums

Track-Liste:

1. Legions (03:49)
2. King of Fools (05:41)
3. The Unholy (04:05)
4. Honor and Victory (04:49)
5. A Moment in Time (06:41)
6. My Kingdom Come (05:20)
7. The Dark Age (04:27)
8. Mistress of Agony (05:00)
9. Time Is No Healer (04:36)
10. Of Pain and Misery (06:32)

Die Hoffnung stirbt zuletzt… aber sie stirbt.

Zeit – manchmal vergeht sie wie im Flug. Ganze 5 Jahre soll es nun also schon her gewesen sein, dass die Schweden von AXENSTAR mit einem neuen Studioalbum (damals war das WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN, siehe Review) um die Ecke kamen ? Immerhin, einen – wenn zunächst auch nur potentiellen – Vorteil hat das Ganze: AXENSTAR haben sich die Zeit auch genommen. Vielleicht – und im besten Fall – ja auch im Hinblick auf eines der hauptsächlichen Probleme, welches sich beim Genuss der hiesigen Diskografie durchaus (und leider) ergeben könnte. Schließlich – und ohne ein Urteil für das neue Album vorwegnehmen zu wollen – ist einfach nicht zu verhehlen, dass die Schweden seit ihrem gelungenen Genre-Einstieg mit PERPETUAL TWILIGHT (das war 2002, siehe Review) kein Album mehr abgeliefert haben, welches einen ähnlichen Überraschungseffekt hätte etablieren können.

Natürlich sollte man deshalb nicht gleich das gesamte Werk von AXENSTAR über einen Kamm scheren – doch scheint es in diesem Fall tatsächlich ein klein wenig so, dass man mit dem Verzehr eines beliebigen einzelnen AXENSTAR-Albums auch die anderen kennengelernt hat. Zumindest ansatzweise und oberflächlich betrachtet, was Fans der Combo (die sich erst gar keine großartigen Experimente wünschen) zusätzlich zufriedenstellen sollte – wohingegen sich andere schlicht etwas zu schnell satt hören könnten am Sound der Band. Ein Sound, der einen extrem hohen Wiedererkennungswert hat – vor allem aufgrund des Leadgesangs von Magnus Winterwild. Der ist natürlich auch auf dem neuesten Album END OF ALL HOPE wieder mit von der Partie – und das als mittlerweile einziges verbliebenes Gründungsmitglied.

Doch wie genau klingt das neue AXENSTAR-Album, welches mit 10 neuen Titeln und einer Gesamtspielzeit von exakt 51 Minuten um die Gunst der Hörerschaft buhlt ? Immerhin: END OF ALL HOPE klingt nicht wie das eventuell – und im schlimmsten Fall – erwartete Fließbandprodukt aus der AXENSTAR-Schmiede. Man spürt demnach durchaus, dass sich die Schweden ihre Gedanken gemacht, an einigen Stellschrauben gedreht und das ein oder andere Experiment mitgenommen haben. Natürlich, und so experimentell respektive andersartig ist das Album dann eben doch nicht; ohne auf den typischen AXENSTAR-Sound zu verzichten – der dank des unverwechselbaren Leadgesangs von Magnus Winterwild sofort als solcher zu erkennen ist. Fans und Kenner der letzten Alben sollten so also recht schnell warm werden mit den neuen Nummern – was vor allem für den gelungenen Auftakt in Form des hymnischen Openers LEGIONS sowie dem etwas ruhigeren, aber nicht minder soliden Stampfer KING OF FOOLS gilt.

In wie weit AXENSTAR die Auszeit aber tatsächlich bekommen ist, ist eine ganz andere Frage. Denn, und dafür braucht es nicht mehr als einige Minuten Anschauungsmaterial; scheint sich längst nicht alles zum guten entwickelt zu haben. Dabei beginnt die relative Misere eigentlich schon mit dem zwar bemühten, letztendlich aber doch auffallend saft- und kraftlosen THE UNHOLY. Sicher, AXENSTAR sind nicht die einzigen; die hie und da auf Lückenfüller zurückgreifen müssen – doch wenn dann auch noch der darauf folgende, potentiell für einiges entschädigende Uptempo-Track HONOR AND VICTORY so klingt als würden sich AXENSTAR aus irgendeinem Grund zurückhalten, kann irgendetwas nicht stimmen.

Das gilt wohl auch – und gleich komplett – für A MOMENT IN TIME. Kurz gesagt: mit einer Nummer wie dieser haben AXENSTAR nicht weniger als die unerträglichste Ballade der letzten Jahre geschrieben. Schlimmer noch als das absolut belanglose instrumentale Geklimper ist dabei etwas anderes: Leadsänger Magnus Winterwild, der seine Sache bisher immer recht konsequent durchgezogen hat; scheint erstmals auffällig zu schwächeln. Vielleicht könnte man dies noch entschuldigen, wenn es bei dem einen Ausrutscher geblieben wäre – doch auch in den folgenden Titeln zeigen sich weitere Probleme. Dass sich das nicht gut auf ein Album auswirken kann, das ohnehin schon Schwierigkeiten hat einen soliden Endruck zu hinterlassen; versteht sich von selbst.

So können AXENSTAR das Ruder auch im weiteren Verlauf nicht mehr herumreißen. Klar, ein paar nette Riffs sind hie und da zu hören, das Keyboard klingt stimmig und trägt niemals zu dick auf, und das Handwerk an den Instrumenten verstehen die Mitglieder noch immer. Insgesamt aber reicht das – sowie auch die zufriedenstellende Abmischungs- und Produktionsqualität – nicht aus, um END OF ALL HOPE in irgendeiner Form zu retten. Und das ist durchaus eine echte Überraschung. Ein wenig erinnert diese Entwicklung an das Schicksal von CRYONIC TEMPLE – die dereinst auch voll im (Metal-)Saft standen, mit dem letztaktuellen DELIVERANCE (siehe Review) aber auf vielerlei Ebenen versagt haben. Kurzum: Neueinsteiger können sich das Album schenken, Fans können einen Blick riskieren – sollten aber nicht zu viel erwarten.

Anspieltipps: LEGIONS, KING OF FOOLS


„Langatmig, uninspiriert, gesanglich problematisch und einfach nicht auf dem bisherigen AXENSTAR-Qualitätsniveau – man darf hoffen, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher handelt.“

Metal-CD-Review: FRETERNIA – The Gathering (2019)

Alben-Titel: The Gathering
Band: Freternia (mehr)
Veröffentlichung: 14. Juni 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Rock Of Angels Records

Lineup:

Tomas Wäppling – Guitars
Tommie Johansson – Keyboards
Pasi Humppi – Vocals
Patrik von Porat – Guitars
Nicklas von Porat – Bass
Oskar Lumbojev – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:01)
2. Reborn (04:33)
3. Last Crusade (04:45)
4. The Escape (05:07)
5. In Solitude (04:28)
6. Eye the Shadow of Your Sins (04:55)
7. End of the Line (06:13)
8. Fading World (04:54)
9. Change of Life (05:44)
10. Last Fragments of Sanity (05:44)
11. Dark Vision (05:26)
12. Final Dawn (05:50)
13. Age of War (05:34)

Unverhofft kommt (nicht) oft.

Natürlich, Bands kommen und gehen… und doch ist es einstweilen verwunderlich, warum manche Künstler – und das schlimmstenfalls noch in ihrer musikalischen Blütezeit – plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Die Schweden von FRETERNIA könnten wohl kein treffenderes diesbezügliches Beispiel abgeben. Bereits im Jahre 1998 gegründet, schien nach den ersten Demos und dem Debütalbum WARCHANTS & FAIRYTALES (siehe Review) alles auf dem besten Weg für die noch junge Band zu sein. Und tatsächlich: als dann gute zwei Jahre später auch noch das von vielen geschätzte A NIGHTMARE STORY (Review) nachgelegt wurde, konnte man es förmlich spüren: FRETERNIA waren gerade dabei, den Genre-Olymp zu erklimmen. Aber leider nur scheinbar – denn was danach kam, ist bereits Geschichte. Die Band verfiel von heute auf morgen in einen tiefen Schlummer, der auch von einem merkwürdigen zwischengeschobenen Independent-EP-Release (das war 2009) nicht wirklich unterbrochen wurde. Bis heute – denn mit THE GATHERING liegt endlich FRETERNIA’s drittes Studioalbum vor. Und das, man darf es ruhig noch einmal erwähnen; nach sage und schreibe 17 Jahren.

Umso erstaunlicher ist, dass die Band sich selbst und ihrem Stil offenbar weitestgehend treu geblieben ist – und gar nicht erst großartig an der angepeilten Spielart geschraubt hat. Natürlich blieb es nicht aus, dass es nach all den Jahren durchaus zu Besetzungswechseln gekommen ist – doch als wirklich einschneidend sind diese nicht zu bezeichnen. So sind mehrere der ursprünglichen Mitglieder wieder mit von der Partie – allen voran natürlich der für den Wiedererkennungswert von FRETERNIA essentielle Frontmann Pasi Humppi. Diesbezüglich gilt es auch gleich, eine erste wichtige Feststellung zu treffen: Herr Humppi (einigen werden ihn vielleicht noch aus IRONWARE kennen, etwas frischer sind seine Darbietungen bei CROMONIC) hat in all den Jahren nichts von seinen Fähigkeiten – und vor allem auch seiner relativen Einzigartigkeit – eingebüßt. So röhrt er auch heute noch angenehm energisch und kraftvoll – wobei sich die Tatsache, dass er sich in der letzten Zeit absolut rar gemacht hat sogar noch zusätzlich positiv auszuwirken scheint.

Dennoch – und selbst in Anbetracht eines prinzipiell ehrenwerten Rückkehrer-Albums wie diesem – gilt es natürlich auch in diesem Fall, ein klein wenig zu meckern. Mit dem an den Tag gelegten Handwerk der einzelnen Mitglieder oder dem gelungenen Auftakt des Albums haben diese potentiellen Nörgeleien allerdings weniger am Hut – das Intro sowie der (richtiger als Videosingle ausgekoppelte) Opener REBORN schöpfen schließlich aus dem Vollen. Im weiteren Verlauf – und mit der schieren Fülle an Material – ergibt sich jedoch durchaus die ein oder andere Durststrecke. Natürlich – im allgemeinen ist es nur gut und richtig, dass FRETERNIA dem Hörer eine volle Breitseite an neuen Titeln (insgesamt sind es 13 – oder 12, wenn man das Intro abzieht) um die Ohren hauen. Zum anderen aber (und mit einer Gesamtspielzeit von über einer Stunde) konnte man so kaum verhindern, dass sich nicht doch der ein oder anderen Lückenfüller einschleichen konnte. Wobei, und das muss man zugeben; es schwierig ist einzelne Titel auszumachen, auf die man eventuell hätte verzichten können. Vielmehr ist es das Fehlen von wirklichen Highlights, die sich eindeutig und nachhaltig von den anderen Titeln abheben.

So kredenzen FRETERNIA dem Hörer schon am dem dritten Titel (LAST CRUSADE) ein relativ großzügiges Aufgebot an grundsoliden Power Metal-Titeln im Midtempo-Bereich. An und für sich funktionieren selbige auch, zumal FRETERNIA durchaus darauf bedacht waren für Abwechslung zu sorgen – und das etwa in Form von überraschenden Tempi-Wechseln, dezent progressiv angehauchten Strukturen oder auch mal einer leicht düster-symphonischen Komponente (wie bei IN SOLITUDE). Spätestens mit Titeln wie EYE THE SHADOW OF YOUR SINS oder END OF THE LINE wird jedoch klar, dass THE GATHERING insgesamt betrachtet doch etwas zu gleichförmig ausfällt, um wirklich zu begeistern. Das gewisse Etwas scheint FRETERNIA jedenfalls abhanden gekommen sein. Immerhin, mit Titeln wie dem stark mit verschiedenen Stimmungen spielenden FADING WORLD oder dem hymnisch-flotten DARK VISION können die Schweden noch einmal für ein markantes Aufhorchen sorgen – doch davon abgesehen ist einfach etwas zu wenig los auf THE GATHERING. Das mag Kritik auf hohem Niveau sein, und darf auch gerne so aufgefasst werden – ein paar Besonderheiten mehr hätten es dennoch gerne sein dürfen.

Für eine Empfehlung reicht es aber locker, zumal allein das technische Handwerk, die schier perfekte Abmischung sowie die angenehm druckvolle Produktion überzeugen. Am interessantesten sollte das Album aber ohnehin für diejenigen sein, die schon damals FRETERNIA gehört haben – und einfach selbst erleben wollen, wie eine verschollene Band nach 17 Jahren Abstinenz klingt.

Anspieltipps: REBORN, FADING WORLD, DARK VISION, FINAL DAWN


„Ein nicht perfektes, aber ebenso überraschendes wie solides Rückkehrer-Album.“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – M.E.T.A.L. (2019)

Alben-Titel: M.E.T.A.L.
Band: Freedom Call (mehr)
Veröffentlichung: 23. August 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Steamhammer

Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Lars Rettkowitz – Guitars
Francesco Ferraro – Bass
Tim Breideband – Drums

Track-Liste:

1. 111 – The Number of the Angels (03:50)
2. Spirit of Daedalus (03:49)
3. M.E.T.A.L. (04:20)
4. Ace of the Unicorn (03:22)
5. Sail Away (03:57)
6. Fly with Us (04:17)
7. One Step into Wonderland (03:38)
8. Days of Glory (03:29)
9. Wheel of Time (04:32)
10. Ronin (03:47)
11. Sole Survivor (04:24)

Alle Jahre wieder… ist Happy-Metal Zeit.

Auch im Bereich des Power Metals gibt es einige Bands, nach denen man so gesehen die Uhr stellen kann. Die seit 1998 aktiven Musiker von FREEDOM CALL bilden da sicher keine Ausnahme – und das vornehmlich, da seit dem Karrierebeginn der Band niemals mehr als zwei oder drei Jahre vergangen sind, bis es zu einem neuen Alben-Release kam. Nach dem 2016 erschienenen, mehr als respektablen MASTER OF LIGHT (siehe Review) scheint es nun also wieder an der Zeit für neues Material aus der berühmt-berüchtigten Nürnberg’schen Happy Metal-Schmiede. Endlich, werden die einen sagen – und leider Gottes die anderen, die wohl auch dieses Mal nicht zu eingeschworenen FREEDOM CALL-Fans bekehrt werden können. Der Grund dafür liegt auf der Hand: auch auf dem vorliegenden, zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig betitelten M.E.T.A.L. macht man gar nicht erst viel anders als auf den bisherigen FREEDOM CALL-Alben. Grundsätzlich könnte man sogar sagen, dass M.E.T.A.L. wie eine Compilation respektive ein buntes Best-Of der Band klingt – mit dem Unterschied, dass es sich bei den insgesamt 11 enthaltenen Nummern tatsächlich (und selbstverständlich) um gänzlich neues Material handelt. Das mag merkwürdig klingen, ist aber gerade im Falle von FREEDOM CALL – die wenn es um einen bestenfalls zu vermeidenden Wiederholungs-Effekt geht schon seit längerem eine recht interessante Gratwanderung begehen – keine allzu große Überraschung.

Anders gesagt: FREEDOM CALL sind sich bis heute über all die Jahre treu geblieben, und haben sich niemals großartig vom ihren ursprünglich angepeilten Spielart eines feucht-fröhlichen Power Metals entfernt. Wobei, und das ist das besondere; es mindestens ebenso viele Gründe dafür gibt diese Tatsache zu bejubeln oder zu verteufeln. Fest steht wohl nur, dass es schwierig ist ein Album wie M.E.T.A.L. vorurteilsfrei zu bewerten – erst Recht natürlich, wenn man die bisherige Diskografie der Band gut kennt oder sogar noch unmittelbar im Ohr hat. Denn, und noch einmal: grundsätzlich könnten die 11 neuen Nummern allesamt auf allen anderen FREEDOM CALL-Alben der letzten 20 Jahre enthalten gewesen sein. Das mag eher ungewöhnlich erscheinen und gewissermaßen auch die Zeitlosigkeit des, man nenne es musikalischen Vermächtnisses der Band unterstreichen – andererseits aber, und damit ist man auch wieder bei der bereits erwähnten Gratwanderung angekommen; könnte sich durchaus ein gewisser Ermüdungseffekt einstellen.

Dafür spräche, dass man viele der auf M.E.T.A.L. anberaumten musikalischen Elemente tatsächlich schon einmal innerhalb der FREEDOM CALL-Diskografie gehört hat – ob nun in einer leicht abgewandelten Form oder einer verdächtig ähnlichen. Als gutes Beispiel dafür ist sicher auch der Titeltrack M.E.T.A.L. anzuberaumen – bei dem es sich um eine für die Band typische Heavy Metal-Hymne inklusive der typischen inhaltlichen Wortfetzen mit allerlei obligatorischen Schlagwörtern handelt. Einerseits ist nichts dagegen einzuwenden – andererseits aber kann man sich kaum des Gefühls erwehren, als hätte die Band selbst schon einmal originelleres vorgelegt. Und das ist schon bezeichnend. Die wunderbar kräftigen Brecher UNION OF THE STRONG (vom Album BEYOND, siehe Review) oder METAL IS FOR EVERYONE (MASTER OF LIGHT), die ebenfalls beide als Videosingles ausgekoppelt wurden; scheinen dem aktuellen Status Quo der Band jedenfalls weit überlegen zu sein. Überhaupt, und da das Album BEYOND nun schon zu Vergleichszwecken herangezogen wurde; scheint es ein schwieriges Unterfangen für FREEDOM CALL zu werden jenes 2014 erschienene Werk noch in irgendeiner Form zu übertreffen. Zumindest nicht in so kurzer Zeit und ohne auch nur eine minimale Veränderung der Zutaten.

So kommt es, wie es kommen muss: M.E.T.A.L. ist in seiner Gesamtheit nicht schlecht, aber eben auch relativ langatmig. Und das in fast allen Belangen. Sicher, rein handwerklich macht den Jungs so schnell niemand etwas vor, und auch hinsichtlich der Abmischung und Produktion des Albums gibt es so gut wie nichts zu mäkeln. Dennoch zeigt sich wieder einmal deutlich, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist – und man als zusätzliche Maßnahme unbedingt ein paar neue oder zumindest erfrischend wirkende Ideen hätte einstreuen sollen. Bis zum nächsten Album – und um sicherzugehen – sollten sich FREEDOM CALL also vielleicht doch etwas mehr Zeit lassen. Zumindest mehr als wieder nur zwei oder drei Jahre.

Anspieltipps: 111 – THE NUMBER OF THE ANGELS, THE ACE OF THE UNICORN, FLY WITH US


„Wie es der Alben-Titel bereits impliziert, haben es sich FREEDOM CALL dieses Mal doch etwas zu einfach gemacht. Spaß macht das Album aber trotzdem.“

Metal-CD-Review: TURILLI / LIONE RHAPSODY – Zero Gravity (Rebirth And Evolution) (2019)

Alben-Titel: Zero Gravity (Rebirth And Evolution)
Band: Turilli / Lione Rhapsody (mehr)
Veröffentlichung: 05. Juli 2019
Land: Italien
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Alex Holzwarth – Drums
Dominique Leurquin – Guitars
Luca Turilli – Guitars, Keyboards
Fabio Lione – Vocals
Patrice Guers – Bass

Track-Liste:

1. Phoenix Rising (06:14)
2. D.N.A. (Demon and Angel) (04:19)
3. Zero Gravity (05:53)
4. Fast Radio Burst (05:07)
5. Decoding the Multiverse (06:19)
6. Origins (02:27)
7. Multidimensional (04:43)
8. Amata immortale (05:04)
9. I Am (07:15)
10. Arcanum (Da Vinci’s Enigma) (06:25)
11. Oceano (Josh Groban cover) (04:02)

Rhapsody zum ersten, zum zweiten… und zum x-ten.

Zugegebenermaßen – und das selbst in Anbetracht der Tatsache, dass man hier von so etwas wie musikalischen Legenden spricht – ist es schon etwas makaber, was sich rund um das Thema RHAPSODY abspielt. Wobei – und diese Differenzierung ist mittlerweile absolut notwendig – die ursprünglichen RHAPSODY OF FIRE nach der Neubesetzung und der absolut fatalen Compilation LEGENDARY YEARS (siehe Review) das Ruder gerade noch herumreißen konnten. Das jüngst von ihnen veröffentlichte THE EIGHTH MOUNTAIN lässt jedenfalls keinen anderen Schluss zu (siehe Review), oder anders gesagt: dass RHAPSODY OF FIRE nach all den Widrigkeiten noch ein weiteres Studioalbum veröffentlichen würden – und noch dazu eines, mit dem die Band alle Schwierigkeiten der letzten Jahre quasi auf einen Schlag wegwischen konnte – war so nicht unbedingt zu erwarten. Es mag kurios erscheinen und überdies eine eher freche Feststellung sein, aber: diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass LUCA TURILLI und FABIO LIONE eben kein sinkendes Schiff verlassen haben; so zumindest wurde es von manchen eingeschätzt – sondern vielmehr ihre ganz eigenen Probleme hatten. Wobei es fraglich bleibt, ob sie diese mit dem Ausstieg auch wirklich hinter sich lassen konnten.

Denn, und dafür braucht es gewiss keine tiefere Analyse: die beiden scheinen was ihre Karrieren betrifft noch immer relativ unentschlossen zu sein. Immerhin: bei LUCA TURILLI ist das nichts wirklich neues, schließlich überlegte er bereits nach seinen beiden unter dem Bandnamen LUCA TURILLIS RHAPSODY veröffentlichten Alben, dem Genre des Power Metals mal eben komplett den Rücken zu kehren. Nun aber, wobei wohl niemand so genau weiß wer hier wen animiert hat; kommt plötzlich wieder Fabio Lione ins Spiel – und ein neuer RHAPSODY-Ableger mit der Bezeichnung TURILLI / LIONE RHAPSODY. Man muss schon sagen: wer hier noch den Überblick behält – und am besten noch die Motivation der einzelnen Mitglieder nachvollzieht – stammt entweder aus dem direkten Bekanntenkreis der Band(s), oder steckt schon viel zu tief drin im Power Metal-Sumpf. In jedem Fall wirkt es dezent lächerlich, welche Blüten die Historie von RHAPSODY mittlerweile getrieben hat – und das aus ursprünglich einer Band nunmehr ganze 5 entstanden sind (RHAPSODY OF FIRE, TURILLI / LIONE RHAPSODY, LUCA TURILLI, LUCA TURILLIS DREAMQUEST, LUCA TURILLIS RHAPSODY). Oder vielleicht auch 6, wenn man das ebenfalls eher merkwürdige; man will nicht sagen überflüssige Mashup-Projekt von LIONE / CONTI aus dem Jahr 2018 hinzuzuzählt. Schließlich schreit auch das gewaltig nach RHAPSODY (siehe Review).

Wie genau nun ZERO GRAVITY klingt – oder vielleicht auch, wie es klingen soll – ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Fest steht nur, dass TURILLI & Co dem einst für RHAPSODY typischen, explizit Fantasy-angehauchten Symphonic Power Metal komplett den Rücken gekehrt haben; und – wie im Grunde schon im Rahmen von LUCA TURILLIS RHAPSODY – einen eher futuristisch anmutenden, symphonisch-progressiven und musikalisch wie inhaltlich stets enorm ausgeschmückten Power Metal anpeilen. Neu im Falle von ZERO GRAVITY sind eigentlich nur einige bereits aus TURILLI’s umstrittenen Soloprojekt DREAMQUEST bekannte Elemente, die sich etwa im häufiger aufkommenden weiblichen Gastgesang und einer deutlichen elektronischen Komponente bemerkbar machen – sowie natürlich der Inhalt, der TURILLI’s vielseitiges Interesse (beispielsweise an der Metaphysik) zeigt. Fest steht trotzdem, oder gerade deshalb: im Zusammenspiel mit den anderen, so gesehen für ihn typischen Vorlieben – wie etwa die für die italienische Oper (was sich in den Chören widerspiegelt), Bands wie Queen (auch hier sind Einflüsse zu hören), orientalischen Klängen und dem Hang, stets eine maximale Bedeutungsschwere herauszuholen – kann durchaus der Eindruck entstehen, dass es einstweilen etwas wild zugeht auf ZERO GRAVITY.

Wild im Sinne einer gewissen Durchtriebenheit, versteht sich – und der Tatsache, dass die Kompositionen wirklich alles andere als zurückhaltend ausfallen. Dezent problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass man das Gefühl bekommen könnte das ausgerechnet die Power Metal-Elemente zu wenig Spielraum bekommen – und vieles in einem relativen Wirrwarr aus brachialen Chören, dicken Keyboard-Teppichen und einem fast schon operettenhaft agierenden Fabio Lione (siehe ARCANUM) unterzugehen droht. Der Bass und das Schlagzeug beispielsweise scheinen in der Rangfolge der wichtigen Instrumente eher hinten angesiedelt zu sein, und auch die sonst bei TURILLI gerne mal die Spielwiese ausfüllenden Gitarren sind weitaus seltener (und wenn dann meist weniger spektakulär als bisher) zu hören. Sicher, die Abmischung und Produktion mag gewissermaßen – und auf den ersten Blick – perfekt erscheinen, zumal die jahrelange Erfahrung hier eher für die Beteiligten sprechen sollte. Grundsätzlich aber macht sich ein etwas anderer Eindruck breit: ZERO GRAVITY klingt gut (und ganz nebenbei bemerkt auch ein wenig nach den Kollegen von KAMELOT), aber eben auch etwas seelenlos und konstruiert. Und das trotz oder gerade der relativen Dramatik respektive Überfrachtung der Kompositionen.

Doch es bleibt nicht allein dabei. Sei es, dass sich einzelne Nummern (wie das merkwürdige FAST RADIO BURST) relativ zusammenhanglos und deplatziert anfühlen, andere teils direkt recycelt werden (ARCANUM hat zumindest gefühlt viel vom vorangegangenen Titeltrack ZERO GRAVITY), Fabio Lione spürbar übertreibt (DECODING THE MULTIVERSE, und schon wieder: ARCANUM) oder dass natürlich auch wieder einige komplett auf italienisch eingesungene Nummern vertreten sind, die schon immer etwas problematisch waren (AMATA IMMORTALE, OCEANO) – ZERO GRAVITY hat wahrlich einiges anzubieten, wenn es um einen; man nenne es erschwerten Gewöhnungsfaktor geht. Natürlich ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass TURILLI auch mal etwas (halbwegs) neues versucht – doch wie sich zeigt, gelingt auch einem Meister wie ihm längst nicht alles. Im allgemeinen spricht wohl nichts dagegen, ZERO GRAVITY eine Chance zu geben – doch ob sich diese neuen RHAPSODY wirklich wie ein Phönix aus der Asche erheben (siehe Titel 1), bleibt abzuwarten. Das erste der hiesigen Werke hinterlässt jedenfalls einen noch deutlich zu gemischten Eindruck.

Anspieltipps: PHOENIX RISING, ZERO GRAVITY


„Ein gewissermaßen anspruchsvolles, aber in vielerlei Hinsicht auch schwieriges und viel zu dick aufgetragenes Album.“