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Filmkritik: „The Cloverfield Paradox“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Julius Onah
Mit: Gugu Mbatha-Raw, David Oyelowo, Daniel Brühl u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 102 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Cloverfield | Paradox | Paradoxon | Weltall | Weltraum | Sci-Fi

So oder so – der Mensch bleibt sein eigener größer Feind…

Inhalt: In einigen Jahren scheinen sich die Energieressourcen der Erde langsam aber sicher dem Ende zuzuneigen. Um doch noch eine patente Lösung zu finden und die sich bereits anbahnenden größeren Kriege zu verhindern, trommelt man eine international aufgestellte Crew zusammen – die sich auf eine hochmoderne Raumstation im Erdorbit begibt, um eine Art Teilchenbeschleuniger in Betrieb zu nehmen. Die auf den Namen Shapard getaufte Konstruktion soll es der Menschheit ermöglichen, an die so dringend benötigte Energie zu gelangen – auf welchem Weg genau, das wissen aber nicht einmal die Crewmitglieder selbst. Und genau das ist ein berechtiger Grund zutr Sorge, denn als der Teilchenbeschleuniger erstmals hochgefahren wird gibt es einen Zwischenfall – der zunächst auf einen normalen Defekt schließen lässt. Bald darauf stellt sich allerdings heraus, dass das Problem der Crew aus weit mehr als nur ein paar losen Schrauben besteht…

Kritik: THE CLOVERFIELD PARADOX ist der mittlerweile dritte Titel aus dem unter anderem von J.J. Abrams produzierten CLOVERFIELD-Universum – das erstmals im eigentlichen Spielfilm aus dem JAhre 2008 (siehe Review) vorgstellt wurde. Und auch wenn die Filme zweifelsohne nichtzum besten (und vor allem nicht innovatibsten) gehören, was das Genre der dezent Horror-lastigen Science Fiction jemals hervorgebracht hat; so geht die Veröffentlichung der Filme doch stets mit einer gewissen Spannung einher – hauptsächlich wohl durch die recht geschickte Marketing-Kampagne inklusive einer Form der Geheimniskrämerei, aufgrund derer man erst recht hellhörig wird. Was genau dann aber in den CLOVERFIELD-Filmen drinsteckt ist eine andere Sache, und kann zumeist nicht wirklich mit den zuvor geäußerten Versprechungen mithalten – wie auch im Falle von THE CLOVERFIELD PARADOX.

Eines muss man der Produktion, die interessanterweise kurz vor dem Start an den Streaming-Anbieter Netflix verkauft wurde; aber durchaus lassen: sie macht in Bezug auf ihre handwerkliche Komponente eine überraschend gute Figur. Insbesondere die Innen- und Aussenansichten der im Orbit der Erde schwebenden Raumstation, die teilweise anberaumten Zerstörungs-Effekte und auch die Kostüme und Ausstattung hinterlassen (wenngleich sie insgesamt doch sehr dunkel gehalten sind) einen angenehm professionellen und keineswegs dahingeschluderten Eindruck – und auch die weitestegehend unbekannten Darsteller; von denen dem geneigten deutschen Kinopublikum immerhin Daniel Brühl bekannt sein sollte (der sich interessanterweise nicht als Fehlbesetzung herausstellt) geben irh bestes, um das Maximum aus den letztendlich doch eher ernüchternden Charakterporträts herauszuholen.

Bereits die recht gut inszenierten Weltraum-Bilder weisen dabei aber schon auf eines der hauptsächlichen Probleme von THE CLOVERFIELD PARADOX hin, oder anders gesagt: der Film mag mit vielem glänzen, nur nicht in Bezug auf seinen Innovations-Faktor. Während man im sinne von sich schnell anbietenden Vergleichsmöglichkeiten wie etwa INTERSTELLAR nur optische Parallelen erkennen kann, sieht es dabei vor allem im Hinblick auf die inhatliche Komponente des Films schnell relativ düster aus. Seien es Elemente aus Filmen wie ALIEN, zahlreichen anderen neueren Sci-fi-Produktionen oder ganze Stimmungs-Brocken aus einem Spiele-Universum wie DEAD SPACE – ein wirklicher frischer Wind weht nicht in THE CLOVERFIELD PARADOX. Hinzu kommt, dass auch die eigens erdachten Ideen nicht wirklich zünden – das gesamte Gehabe um den Teilchen-Beschleuniger und vor allem seine Funktion etwa wirkt nicht selten etwas konfus und zu wenig durdacht. Das giilt m itunter auch – und leider – für die potentiell interessanteren Szenen. Wie etwa die, in der ein ganzer Crew-Arm ein merkwürdiges Eigenleben entwickelt – oder die, in denen die einzelnen Crewmitglieder auf höchst unterschiedliche Art und weise aus dem Leben scheiden. Zumindest aus dem einen…

Schließlich schneidet THE CLOVERFIELD PARADOX auch eher komplizierte, in der Sci-Fi aber stets gerne gesehene Themengebiete wie die eines sogennanten Multiversums und paralleler Welten an. Immerhin, und auch wenn hier nicht immer alles stimmig wirkt – für eine gewisse Stimmungsmache, oder eher die Lust andere und möglicherweise bessere Werke mit einer ähnlichen Thematik zu entdecken; eignet sich das Ganze allemal. Ob nun als weiterer Teil einer Filmreihe oder als eigenständiges Werk (das war Film ursprünglich), letztendlich gilt: wenn man nicht zu viel erwartet und sich des hie und da doch noch aufkeimenden Gefühls der; man nenne es einmal interstellaren Beklommenheit hingibt, verfehlt THE CLOVERFIELD PARADOX sein Ziel nicht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Paramount Pictures Germany

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„Eine nicht vor Schwächen gefeite, aber doch überraschend stimmige und gut inszenierte Weltraum-Mär.“

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Filmkritik: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Supertoys Last All Summer Long von Brian Aldiss
Regie: Steven Spielberg
Mit: Haley Joel Osment, Jude Law, Frances O’Connor u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: AI | Künstliche Intelligenz | Roboter | Haley Joel Osment | Kinderstar

Wenn Dein Roboter-Nachbar menschlicher ist als Du.

Inhalt: Auch wenn man meinen müsste, dass man mit dem jungen David (Haley Joel Osment) einen ganz normalen kleinen Jungen vor sich hat; trügt der äußere Schein. Tatsächlich handelt es sich um ein neues und extrem fortschrittliches Roboter-Modell – das im Gegensatz zu seinen vielen Vorgänger-Modellen erstmals dazu in der Lage ist, echte Liebe zu empfinden. Für seinen ersten größeren Feldversuch hat sich der Erschaffer des Roboters, Dr. Hobby (William Hurt) die Familie der Swintons (Sam Robards, Frances O’Connor) ausgesucht. Schließlich liegt deren Sohn Martin (Jake Thomas) schon seit längerem im Koma – und David könnte den Eltern helfen, die schwere Zeit der Ungewissheit zu überstehen. Offenbar klappt das auch recht gut – bis Martin eines Tages wie durch ein Wunder erwacht, und es zu ersten handfesten Spannungen zwischen ihm und seinem neuen mechanischen Bruder kommt. Einige unglückliche Umstände führen dazu, dass David in einem verlassenen Waldstück ausgesetzt wird – und sich nach dem Zusammenschluss mit einem anderen, erwachsenen Roboter (Jude Law) auf die Suche nach einer Möglichkeit macht zu einem echten Jungen zu werden. Schließlich glaubt er, nur so die Liebe seiner Mutter zurückgewinnen zu können…

Kritik: Wann, wo und von wem das erste Mal stichhaltigere Gedanken zum Thema der Robotik und der künstlichen Intelligenz geäußert wurden, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Fakt ist nur, dass die Theorie einer Deus Ex Machina eine relativ zeitlose ist und dabei nicht unbedingt einer tatsächlichen Umsetzung (oder der Möglichkeit zu einer Umsetzung, der man sich mittlerweile immer weiter nähert) bedarf – und durch berühmtere literarische Abrisse immer wieder befeuert wird. Einer davon findet sich etwa in Form der Kurzgeschichte SUPERTOYS LAST ALL SUMMER LONG des britischen Schriftstellers Brian Aldiss – die im Sinne einer filmischen Aufarbeitung ursprünglich das Interesse des legendären Regisseurs Stanley Kubrick geweckt hatte, nach seinem Tod aber in die Hände von Steven Spielberg übergeben wurde. Letztendlich dabei herausgekommen ist der 2001’er Spielfilm A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – und das einerseits als recht typisches und vielleicht auch genau so erwartetes rundum-sorglos-Paket der Marke Hollywood; andererseits aber auch als überraschend tief schürfendes und emotional anspruchsvolles, im Sinne der eigenen Spielberg-Vorlage E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (siehe Review) magisches Leinwandspektakel für jung und alt.

Ob man das Ganze dabei nun aus der Sicht der entsprechenden Vorlage, der Spielberg-Filmografie oder gar der einige Parallelen aufweisenden PINOCCHIO-Geschichte betrachtet, spielt dabei keine allzu große Rolle – schließlich ermöglicht Spielberg seinen Zuschauern hier einen möglichst unkomplizierten, unmittelbaren Einstieg in die Geschichte. Kurioserweise mündet diese alles andere als spezifische Vorgehensweise hier aber nicht in einem oberflächlichen Durcheinander – vielmehr untersützt sie den Eindruck, dass Spielberg seine Stärken als vergleichsweise universeller, aber eben auch nicht gänzlich substanzloser Hollywood-Unterhalter ausspielen konnte. Dazu passt auch die Feststellung, dass A.I. weder in inhaltlicher noch gestalterischer Hinsicht nennenswerte Probleme offenbart – und selbst potentielle Schwächen (wie eben auch die alles andere als auf Konfrontation gebürstete, eher in Richtugn eines modernen Märchens driftende Machart) ins positive verklehrt werden können.

Letztendlich ist A.I. damit ein Film geworden, der sich trotz seines gerne auch mal hochmodern dargestellten Technologie-Bezugs und der eingeschobenen Kubrick-Hommage an der absoluten Basis orientiert – und den Zuschauer weniger mit kopflastigem Dystopie-Gebrabbel als mit vielen zu Herzen gehenden Momenten ködert, gut unterhält und mit Sicherheit auch über den Film-Kontext hinaus beschäftigen wird. Große bonuspunkte gibt es dementsprechend auch für den atmospährischen Score von John Williams, sowie die Liestung des damals hochkarätigsten Kinderdarstellers überhaupt – Haley Joel Osment. Sofern es hier bei einer einmaligen Ambition bleibt – und sich Spielberg nicht etwa doch noch zu einem potentiell kruden Sequel hinreissen lässt – geht diese Form der prinzipiell etwas seichter aufgemachten Science Fiction speziell auch für ein jüngeres Publikum absolut in Ordnung. Im besten Fall wirkt sie sogar leicht kukltverdächtig – sodass man hier durchaus von Spielberg’s zweiten E.T. sprechen könnte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros Film GmbH

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„Ein rundum stimmiges, brillant gespieltes und angenehm zeitloses Meisterwerk der Science Fiction.“

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Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Beyond The Red Mirror (2015)

Alben-Titel: Beyond The Red Mirror
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. The Ninth Wave (09:28)
2. Twilight of the Gods (04:50)
3. Prophecies (05:26)
4. At the Edge of Time (06:54)
5. Ashes of Eternity (05:39)
6. The Holy Grail (05:59)
7. The Throne (07:54)
8. Sacred Mind (06:22)
9. Miracle Machine (03:03)
10. Grand Parade (09:28)

Vom Wunderland hinter dem Spiegel.

Gute 5 Jahre nach ihrem neunten Studioalbum AT THE EDGE OF TIME (siehe Review) erschien 2015 das bis heute letztaktuelle BLIND GUARDIAN-Album BEYOND THE RED MIRROR. Und damit auch ein Album, welches die Tradition der Band in vielerlei Hinsicht fortsetzte – und das nicht nur in Bezug auf das fantastische Artwork oder die Anzahl von exakt 10 vollwertigen Alben-Titeln. Mindestens einen Unterschied zum Vorgänger gibt es dann aber doch, und der spielt (wie nicht selten in der hiesigen Diskografie) auf das durchaus ehrenwerte Bestreben der Band an, sich mit ihrem jeweils neuesten Album nicht bloß wiederholen zu wollen. Ehrenwert ist das vor allem deshalb, da man so erst die Chance erhält näher zwischen den Alben der Genre-Pioniere differenzieren zu können – die sich seit dem früh vollzogenen Wandel der Band von einer Speed Metal-Combo in eine auf eine gewisse Epik ausgerichtete Power Metal-Formation allesamt in einem stilistisch gut zueinander passenden Fahrwasser bewegen. Dennoch, und wie sich zeigt birgt diese Form des minimalen, sich aber doch hörbar auswirkenden Neu-Erfindens auch eine gewisse Gefahr. Im größeren Kontext und in Bezug auf die gesamte Diskografie der Band bedeutet dies, dass BLIND GUARDIAN eine der; man nenne es qualitativ abwechslungsreichsten Diskografien überhaupt vorweisen können – und im kleinen Kontext, das heißt in Bezug auf das vorliegende BEYOND THE RED MIRROR; dass sich die Band abermals einen Schritt in eine so nicht unbedingt wünschenswerte Richtung erlaubt hat.

Sicher handelt es sich hierbei um eine etwas zugespitzte Formulierung, aber dennoch: gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger AT THE EDGE OF TIME macht BEYOND THE RED MIRROR eine wesentlich schlechtere Figur als erwartet. Zwar legen es BLIND GUARDIAN hörbar darauf an, gerade das zu vermeiden – beispielsweise in Form ihrer dieses Mal doch recht üppig inszenierten symphonischen Facette inklusive eines echten Orchesters und Chors. Doch trotz der somit eigentlich zu erwartenden klanglichen Reichhaltigkeit ist das Album kurioserweise alles andere als spannend oder nennenswert facettenreich ausgefallen; oder mehr noch: über weite Strecken klingt es einfach nur ärgerlich langatmig. Woran genau das liegen könnte, ist schwer zu sagen – Fakt ist nur, dass es nicht auf die Leistungen der einzelnen (und der Band schon seit unzähligen Jahren die Treue haltenden) Mitglieder oder aber die zahlreichen anderen am Album beteiligten und dabei ebenfalls ihr Handwerk verstehenden Musikern zurückgeführt werden kann. Wobei, ganz stimmt das nicht – denn letztendlich muss sich ja irgendjemand für das Songwriting und das Konzept als vermutlich einzigen und wahren Knackpunkt von BEYOND THE RED MIRROR verantwortlich zeichnen. Wer genau hier welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt herbeigeführt hat, spielt dabei allerdings keine allzu große Rolle – nur, dass sie sich eher schlecht als recht auf das Album auswirken.

Vielleicht wollten BLIND GUARDIAN aber auch einfach zu viel – worauf bereits der überlange, mit wuchtigen Chor-Passagen ausgestatteter Opener THE NINTH WAVE hinweist. Aber auch wenn insbesondere der Orchester-Auftakt einen für BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Eindruck hinterlässt, ist der gar nicht erst das eigentliche Problem. Dieses findet sich schließlich erst im weiteren Verlauf, und folglich auch mit der Entwicklung der Nummer – der dabei ganz offensichtlich einige Stolpersteine in den weg gelegt wurden. Anders sind die stellenweise auftretenden, in Anbetracht des bisherigen Werdegangs der Band überraschend langatmigen und unspektakulären Momente wohl kaum zu erklären – wobei es sich um eine Form der Gleichförmigkeit handelt, die sich unglücklicherweise auch durch den Rest des Albums zieht. Viel zu oft hat man das Gefühl, als würden sich BLIND GUARDIAN aus unbestimmten gründen zurückhalten – was sich hier insbesondere durch die sich stark ähnelnden Strukturen und Stimmungen, das Ausbleiben von nennenswert andersartigen und die Atmosphäre befeuernden Titeln (MIRACLE MACHINE ist eine Ausnahme, aber leider keine besonders gute), das Fehlen von klaren Highlights sowie die relative klanglichen Dissonanzen in Bezug auf die nicht ganz glückliche Abmischungs- und Produktionsarbeit beziehen.

Ein in diesem Fall ebenfalls nicht zu verachtender Kritikpunkt (mit dem die Band im übrigen schon des öfteren zu kämpfen hatte) bezieht sich auf die überlagerten Gesänge sowie die Inszenierung der Chöre, die auf BEYOND THE RED MIRROR einen alles andre als wuchtigen oder ausgewogenen Eindruck hinterlassen – und so dazu führen, dass sich die Nummern noch gleichförmiger anfühlen als ohnehin schon. Aber auch Leadsänger Hansi Kürsch hat schon einmal eine bessere Figur gemacht – was den insgesamt doch eher enttäuschenden Eindruck des Albums unterstreicht. Momentan mag es zwar ein schwacher Trost sein, aber: wenn man so will und der bisher eigentlich immer bei der Betrachtung von BLIND GUARDIAN aufgegangen Rechnung traut, sollte das nächste Album wieder ein Highlight werden…

Absolute Anspieltipps: AT THE EDGE OF TIME, THE HOLY GRAIL


„Das erste deutlicher enttäuschende BLIND GUARDIAN-Album als hoffentlich nur einmaliger Ausrutscher.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – At The Edge Of Time (2010)

Alben-Titel: At The Edge Of Time
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juli 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. Sacred Worlds (09:17)
2. Tanelorn (Into the Void) (05:58)
3. Road of No Release (06:30)
4. Ride into Obsession (04:46)
5. Curse My Name (05:52)
6. Valkyries (06:38)
7. Control the Divine (05:26)
8. War of the Thrones (04:55)
9. A Voice in the Dark (05:41)
10. Wheel of Time (08:55)

Je knapper die Zeit, umso größer der Schöpfungsdrang ?

Man mag über sie denken was man will, aber: trotz dessen, dass sie schon seit unzähligen Jahren im Geschäft sind, mindestens einen markanten Stilwechsel vollzogen und dabei auch das ein oder andere Experiment gewagt haben; standen die deutschen Power Metaller von BLIND GUARDIAN noch zu keinem Zeitpunkt vor der Gefahr, sich in irgendeiner Form die Blöße zu geben. Dementsprechend – und mal abgesehen von ihrer ohnehin vorhandenen Wegbereiter-Funktion – sind sie mit ihren bis dato veröffentlichten, allesamt rundum zufriedenstellenden Studioalben auch nicht mehr aus der allgemeinen Power Metal-Szene wegzudenken. Dennoch, und das gilt längst nicht nur für BLIND GUARDIAN; ist es nur selten ratsam sich auf seinen bisherigen Erfolgen auszuruhen – weshalb das Bestreben immer neue Höhen zu Erreichen auch noch nach vielen Jahren vorhanden sein kann oder sollte. Zumindest im besten Fall – und glücklicherweise auch in Anbetracht eines Albums wie AT THE EDGE OF TIME, dem mittlerweile neunten offiziellen Langspieler der niemals ruhenden Power Metaller.

Anders gesagt: auch wenn bisher kein einziges BLIND GUARDIAN-Album Schwächen aufwies die den Hörgenuss in einer wirklich nachhaltigen Art und Weise hätten trüben können, ließen die Krefelder hie und da doch etwas Luft nach oben. Was nur verständlich ist, auf die auch bei einer großen Band wie dieser vorhandenen (menschlichen) Makel hinweist – und eine spezifischere Differenzierung zwischen den einzelnen Alben überhaupt erst möglich macht. Während der Vorgänger A TWIST IN THE MYTH (siehe Review) also möglicherweise nicht zum besten gehörte, was die Band der geneigten Hörerschaft jemals präsentiert hatte; schien die Band auf dem 2010 nachgeschobenen AT THE EDGE OF TIME noch einmal deutlich zugelegt zu haben. Und das in mehrerlei Hinsicht – vor allem aber was die an den Tag gelegte Härte, den spürbaren Druck und auch die Ausgewogenheit zwischen antreibend-rassigen Momenten und den für die Band typischen folkloristischen oder balladesken Einschüben betrifft. Betrachtet man den überraschend gut funktionierenden Opener SACRED WORLDS, sicher auch den symphonischen – die bei BLIND GUARDIAN eher selten Verwendung finden, hier aber schon einmal für einen vergleichsweise erfrischenden Alben-Auftakt sorgen.

Schon kurz darauf, und mit Titeln wie TANELORN oder RIDE INTO OBSESSION macht sich die im Gegensatz zum noch etwas luftigeren Vorgänger neu entdeckte Härte und Griffigkeit von BLIND GUARDIAN bemerkbar – die dem Album einen ebenso interessanten wie antreibenden Charakter einverleibt, und die dazwischenliegenden Titel wie etwa das stampfende ROAD OF NO RELEASE oder das für die Band typische Folk-Intermezzo CURSE MY NAME zu wunderbar aufgehenden atmosphärischen Einschüben macht. Was darauf folgt, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern – läuft dann aber zugegebenermaßen auch mal Gefahr, etwas zu eintönig zu klingen. Während das recht ansprechende VALKYRIES dabei eigentlich nur – und leider – im Refrain schwächelt, wirkt sich das insbesondere bei einer sich nicht wirklich für eine Marschrichtung entscheidenden Nummer wie CONTROL THE DIVINE eher negativ aus. Glücklicherweise haben BLIND GUARDIAN aber noch etwas in Petto – und das ist das höchst geniale Trio aus der fast schon magischen Ballade WAR OF THE THRONES, dem Gassenhauer A VOICE IN THE DARK (der richtigerweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde) sowie dem episch aufgemachten und überlangen Rausschmeißer WHEEL OF TIME; der noch einmal alles abreißt was geht.

Letztendlich handelt es sich damit um ein BLIND GUARDIAN-Album, dass wieder mal einen dezenten Vorsprung gegenüber seinem direkten Vorgänger aufzuweisen vermag – und demnach auch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen sollte.

Absolute Anspieltipps: SACRED WORLDS, TANELORN, RIDE INTO OBSESSION, VALKYRIES, A VOICE IN THE DARK, WHEEL OF TIME


„Ein vor allem zum Auftakt und zum Ende immens starkes BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Twist In The Myth (2006)

Alben-Titel: A Twist In The Myth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. This Will Never End (05:07)
2. Otherland (05:14)
3. Turn the Page (04:16)
4. Fly (05:43)
5. Carry the Blessed Home (04:03)
6. Another Stranger Me (04:36)
7. Straight Through the Mirror (05:48)
8. Lionheart (04:15)
9. Skalds and Shadows (03:13)
10. The Edge (04:27)
11. The New Order (04:49)

Ganz so groß ist die Überraschung dann doch nicht.

Gute 4 Jahre nach dem ebenso überraschenden wie überraschend guten A NIGHT AT THE OPERA (2002, siehe Review) legten die angestammten Genre-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung achtes Studioalbum A TWIST IN THE MYTH nach. Selbiges beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten, kommt mit einem für die Band typisch-fantastischen Artwork daher – und schickte sich an, die ebenso wahnwitzige wie unvergleichliche Erfolgsgeschichte der bereits seit 1984 aktiven Kult-Band fortzusetzen. Ob dies den stets in vielerlei Hinsicht engagierten Recken um Frontmann Hansi Kürsch aber auch tatsächlich gelungen ist, ist eine andere Frage. Denn wie so oft – und speziell in Anbetracht der doch recht turbulenten (und teilweise umstrittenen) Diskografie der Band – zeigte sich, dass auch hinter einer legendären Combo wie BLIND GUARDIAN nur Menschen stecken. Menschen, die sich glücklicherweise als waschechte Vollblut-Musiker profilierten – und der Metal-Welt dabei das ein oder andere hochkarätige, im besten Fall auch bis heute nachhallende Geschenk bereiteten. Gleichzeitig sollte man aber auch von Musikern ausgehen, die in ihrem Geschäft – und im Hinblick auf die nicht selten über viele Jahre (oder Jahrzehnte) aktive Konkurrenz – nicht gänzlich davor gefeit sind, Fehler zu begehen.

Und auch wenn es sich hierbei um eine absichtlich etwas zugespitzte Formulierung handelt – und A TWIST IN THE MYTH folglich weit davon entfernt ist, um als Fehler durchgehen zu können – schienen sich BLIND GUARDIAN nach ihren bis dato an den Tag gelegten Erfolgen erst einmal dezent zurückgelehnt zu haben. Sicher taten sie das nicht wirklich, zumal auch A TWIST IN THE MYTH ein rundum spannendes, vielschichtiges und alles andere als dahingeschludertes Genre-Album ist – doch im Vergleich mit einigen der Vorgänger-Alben konnte sich schlicht kein ähnlich intensiver Eindruck einstellen. In wie weit das zwischenzeitliche Ausscheiden des Gründungsmitgliedes Thomen „The Omen“ Stauch mit einer Feststellung wie dieser korrespondiert oder korrespondieren kann, ist ohne eine intensivere Nachforschung kaum zu belegen – doch vermutlich lag es nicht allein an seinem Weggang. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass BLIND GUARDIAN nach seinem Weggang schlicht und ergreifend nicht in ihrer besten Form waren – und das Album so etwas weniger an Kraft, Ausdruck und Variabilität mitbringt, als man es eigentlich von der Band gewöhnt ist.

Vielleicht könnte man auch behaupten, dass A TWIST IN THE MYTH ziemlich genau da weitermacht wo A NIGHT AT THE OPERA aufgehört hatte – nur in einer gefühlt etwas abgespeckteren Version, und folglich auch mit weitaus weniger Überraschungen. Besonders markant ist in diesem Zusammenhang die auf A TWIST ON THE MYTH zusätzlich hervorgehobene Komponente in Richtung einer Rock-Oper – was den insgesamt eher weichen und zugänglich wirkenden Eindruck des Albums auch recht gut beschreibt. Doch das ist nicht das Hauptproblem – wobei es generell schwerfällt wirklich den einen Knackpunkt auszumachen, der so nur auf A TWIST IN THE MYTH vorkommt. Vielmehr steckt der Teufel im Detail, und offenbart sich stets häppchenweise – etwa in Bezug auf die vielen eher harmlos-rockigen Stampfer a’la TURN THE PAGE, CARRY THE BLESSED HOME, ANOTHER STRANGER ME, THE NEW ORDER oder DEAD SOUND OF MISERY. Selbstverständlich gilt auch hier, dass BLIND GUARDIAN ihr Handwerk nicht verlernt haben und selbst in Nummern wie diesen immer wieder auf das ein oder andere Highlight aus sind – beispielsweise in Form von schmackigen Soli. Doch das Gefühl, als würde die Band hier um ihr Leben spielen respektive wirklich alles geben; stellt sich eher nicht ein.

Titel wie der Opener THIS WILL NEVER END, OTHERLAND oder auch das sich erst im weiteren Verlauf entwickelnde FLY schneiden da schon wesentlich besser respektive interessanter ab – wobei es schade ist, dass BLIND GUARDIAN nicht auch hier noch etwas öfter auf das Gaspedal gedrückt haben, und insbesondere die Refrains eher schlecht als recht abschneiden. Mit verantwortlich dafür ist die; man nenne sie einmal dezent ertränkende Klang-Komponente – die durch den recht großzügigen Sound der überlagerten Gesänge dazu führt, dass die Refrains alles andere als differenziert oder einzigartig klingen. Selbstverständlich gilt, dass es sich trotz allem um ein super-solides Genre-Album handelt (und vielleicht sogar eines, dass so manche Konkurrenzband vor Neid erblassen lassen sollte) – doch im Sinne der jeweils herauszupickenden absoluten Highlights der BLIND GUARDIAN-Diskografie sollte man die Rechnung vielleicht doch lieber ohne A TWIST IN THE MYTH machen.

Absolute Anspieltipps: THIS WILL NEVER END, OTHERLAND, SKALDS AND SHADOWS


„Ein nicht gänzlich vor Schwächen gefeites Album aus der BLIND GUARDIAN-Diskografie.“