Filmkritik: „Matrix: Revolutions“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 128 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action
Tags: Matrix | Trilogie | Finale | Abschluss | Zion | Maschinenwelt

Eine Revolution beginnt mit einem Gedanken.

Inhalt: Während sich sowohl die Soldaten als auch die Zivilisten der Menschenstadt Zion auf die finale Auseinandersetzung mit den Maschinen vorbereiten und alsbald die ersten Gegner vor das Visier bekommen, setzt Neo (Keanu Reeves) noch immer alles daran, seine Rolle als Auserwählter und potentieller Retter der Menschheit endgültig zu verstehen. Wieder zur Seite steht ihm dabei das Orakel (Mary Alice) – aber unglücklicherweise auch der abtrünnige Agent Smith (Hugo Weaving), der sich ebenfalls auf einen letzten Kampf vorzubereiten scheint. Von seiner Liebe zu Trinity (Carrie-Anne Moss) beflügelt, wagt Neo das schier unmögliche: er begibt sich auf den Weg in das Herz der Maschinenwelt – und damit an einen Ort, den noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.

Kritik: In der Tat – und analog zu den beiden vorherigen Rezensionen zu THE MATRIX (siehe Review) und MATRIX: RELOADED (siehe Review) – gilt es in Bezug auf das 1999 von den Wachowski-Brüdern ins Leben gerufene MATRIX-Franchise mindestens zweierlei Überraschungen festzuhalten. Zum einen natürlich den ursprünglichen ersten Teil selbst, der hinsichtlich seiner erzählerischen Innovation und der Effekte Maßstäbe setzte – und zum anderen die Feststellung, dass die Ideengeber sich auch im Hinblick auf die beiden Fortsetzungen nicht nennenswert verhaspelten. Oder auch: sich nicht nennenswert bei einem potentiellen Massenpublikum anbiederten, trotz der im zweiten Teil stärker betonten (und teilweise dezent kitschig inszenierten, glücklicherweise aber immer noch als Beiwerk fungierenden) Liebensgeschichte zwischen Neo und Trinity. Anders gesagt: trotz des gewaltigen Budgets und der hohen Erwartungen sind die Wachowski’s sich selbst respektive ihrer Idee treu geblieben, woraufhin sich die abgeschlossene MATRIX-Trilogie schnell einen enormen Kultstatus erarbeiten konnte.

Zwar muss man dabei speziell in Bezug auf den dritten Teil einige Abstriche machen – wie etwa hinsichtlich der einstweilen doch etwas strapazierenden Effekt-Flut während der Kämpfe in und rund um Zion, den durch die heftige Überzeichnung etwas unglücklich gestalteten Endkampf zwischen Neo und Agent Smith oder die nicht gänzlich zufriedenstellende Auflösung gegen Ende. Eine Auflösung, die glücklicherweise nicht wirklich eine ist respektive noch immer ausreichend Fragen unbeantwortet lässt – aber dennoch nicht ganz mit der eventuell erwarteten Wirkung von Statten geht. An den Überraschungseffekt (oder auch: das den Kultfaktor der Reihe rechtfertigende Aha-Erlebnis) des ersten Teils etwa reicht das Finale nicht mehr heran. Vielleicht, und auch wenn das ebenfalls kein wirklicher Trost ist; hatten sich die Wachowski’s hier schlicht selbst eine Messlatte angelegt, die kaum noch zu erreichen war.

Gut, oder eher eine rettende Notwendigkeit ist; dass sich die offenbaren Schwächen von MATRIX: REVOLUTIONS aber nur auf vereinzelte Momente des Films beziehen – und den rundum gelungenen Eindruck der Trilogie nicht mehr wirklich schmälern können. Gesehen haben sollte man THE MATRIX respektive die vollständige Trilogie allemal – andernfalls verpasst man einen ebenso einzigartigen wie in einem positiven Sinne denkwürdigen Kino-Moment des frühen 21.sten Jahrhunderts.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Ein nicht mehr ganz so starker, zweifelsohne aber dennoch absolut sehenswerter Abschluss einer einmaligen Trilogie.“

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Filmkritik: „Matrix: Reloaded“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 138 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Matrix | Parallelwelt | Maschinen | Auserwählter | Kampf | Überleben

Noch ist das letzte Geheimnis nicht gelüftet.

Inhalt: Nachdem der Computerspezialist Thomas A. Anderson aka Neo (Keanu Reeves) die Wahrheit über sein Leben erfahren und seine Rolle als Auserwählter angenommen hat, macht er sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern Morpheus (Laurence Fishburn) und Trinity (Carrie-Anne Moss) sowie auch der Hilfe des ominösen Orakels (Gloria Foster) auf, endgültig hinter das Geheimnis der MATRIX zu kommen. Dass er dabei auch allen möglichen Widersachern die Stirn bieten würde, ist selbstverständlich – wie etwa dem abtrünnigen Agenten Smith (Hugo Weaving), der sich offenbar allein darauf fokussiert hat Neo zu vernichten. Das Problem: sollte Neo versagen, steht auch das Schicksal der Stadt Zion auf dem Spiel – die bereits von zahlreichen Robotern angesteuert wird. Noch hält die Verteidigung – die Frage ist nur, für wie lange… und ob Neo die Lösung tatsächlich in der trostlosen realen Welt, oder vielleicht doch der MATRIX suchen muss.

Kritik: Spätestens nach dem Überraschungserfolg von THE MATRIX (siehe Review) stand unumstößlich fest, dass man in Zukunft mit dem Schaffen der Wachowski-Brüder Larry und Andi rechnen sollte – und dass man den Geschwistern so gut wie alle Freiheiten in Bezug auf die damals noch ausstehenden Abschluss der geplanten MATRIX-Trilogie gewähren müsste. Entsprechend wenig überraschend war, dass das Budget für die beiden Nachfolger MATRIX: RELOADED und MATRIX: REVOLUTIONS grundsätzlich keine Grenze kannte, trotz der bereits einiges einsparenden Zusammenlegung der Drehtage – und dass die Wachowski’s wieder einmal Grenzen sprengen würden. Vielleicht in einem nicht ganz so innovativen, wegweisenden und spektakulären Ausmaß wie im ursprünglichen ersten Teil mit seiner bis heute kultigen inhaltlichen Offenbarung – aber immerhin ohne, sich in Bezug auf ihr Konzept zu verhaspeln oder sich gar die Blöße zu geben.

Anders gesagt: MATRIX: RELOADED steht dem großartigen Vorgänger in (fast) nichts nach. Sicher; dieses Mal weiß man ungefähr was einen erwartet, und der ganz gro´ße Aha-Effekt bleibt aus – wobei selbst die mangelnde inhaltliche Vertiefung potentiell spannender Elemente nicht verhindern kann, dass MATRIX: RELOADED einen schier ungeheuerlichen Sog entwickelt. Ein Sog, der verständlicherweise aus der Weiterführung der bereits im ersten Teil angeschnittenen Erzählstränge inklusive des Werdegangs der involvierten Charaktere resultiert – aber auch aus den furiosen Actionsequenzen, auf die im Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt wurde. Neben den schon zuvor beeindruckenden Zeitlupen-Effekten ist es hier vor allem eine längere Verfolgungsszene auf einer Autobahn, die im Gedächtnis bleiben wird – gerade weil es sich hier (und im Gegensatz zu einigen anderen pompös inszenierten Hollywood-Krachern) um alles andere als eine seelenlose Materialschlacht handelt.

Kurzum: die Story respektive die Weiterführung der Erzählung stimmt, wobei insbesondere der Schauplatz Zion sowie das Bestreben von Agent Smith Lust auf mehr machen. Die Effekte sind (wenngleich sie auch nicht mehr ganz so subtil angewandt werden) mindestens ebenso spektakulär wie im Vorgänger, die Leistungen der beteiligten Darsteller passt, der Soundtrack ist mitreißend. MATRIX: RELOADED ist ein wichtiger und qualitativ nicht wirklich abfallender Teil der MATRIX-Trilogie, die nicht von ungefähr als absolutes Pflichtprogramm für Cineasten gilt.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Wie schon der erste Teil ist auch der zweite MATRIX-Film ein absolutes Muss – und ein ebenso wenig zu kritisierendes wie wichtiges Element innerhalb der kultigen Trilogie.“

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Filmkritik: „Das Leben Ist Schön“ (1998)

Originaltitel: La Vita E Bella
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Roberto Benigni
Mit: Roberto Benigni, Horst Buchholz, Marisa Paredes u.a.
Land: Italien
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Tragikomödie, Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Nazis | Konzentrationslager | Kind | Junge | Spiel

Eine These geboren aus der Schnittmenge eines frommen Wunsches und der Wahrheit.

Inhalt: Eigentlich könnte es nicht viel besser laufen im Leben des jüdischen Guido (Roberto Benigni): nachdem er all seinen Charme eingesetzt hat um die Liebe seiner angebeteten Dora (Nicoletta Braschi) zu gewinnen, bekommen die beiden alsbald ihr erstes Kind und verbringen einige schöne Jahre im idyllischen Italien. Doch als sich der Schrecken des Faschismus immer weiter ausbreitet, kann sich auch Guido nicht mehr vor den Nazis verstecken – und wird gemeinsam mit seinem Sohn Giosué (Giorgio Cantarini) in ein Konzentrationslager gebracht. Aus Liebe zu ihrer Familie entscheidet sich daraufhin auch Dora, den beiden zu folgen – woraufhin eine lebensgefährliche Odyssee durch ein von den Nazis kontrolliertes System beginnt. Ein System, aus dem es offenbar kein Entkommen gibt. Aufgeben will Guido dennoch nicht, im Gegenteil: für seinen Sohn erfindet er ständig neue Geschichten, die ihn vom harten KZ-Alltag ablenken. So legt er ihm auch nahe, dass sie ihre Gefangenschaft nur bis zum Ende durchhalten müssten – gäbe es doch einen sagenhaften Preis für den vermeintlichen Gewinner…

Kritik: Filme, die in irgendeiner Art und Weise den Zweiten Weltkrieg und insbesondere die Gräueltaten der Nazis aufgreifen; waren schon immer wichtig und sind über die seit der Befreiung vergangenen Film-Jahrzehnte entsprechend zahlreich vertreten. Umso schwieriger erscheint es, sich einige besondere Juwelen herauszupicken. Juwelen oder auch besonders herausragende Kriegs- respektive Anti-Kriegsfilme, die im besten Fall nicht nur die nötige Aufarbeitung vorantreiben und dabei sowohl den Tätern als auch den Opfern gerecht werden – sondern auch eine gewisse Form der Alternative aufzeigen. Eine Alternative, die an den einstweilen fragwürdig erscheinenden Verstand der menschlichen Spezies appelliert – und eine, die keine Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder anderweitige Ideologien voraussetzt.

Fest steht: das, und noch einiges mehr hat der italienische Schauspieler und Filmemacher Roberto Benigni mit seinem Meister- und vielleicht auch Lebenswerk DAS LEBEN IST SCHÖN anstandslos geschafft. Vielleicht auch, und das ist das besondere; da der Film weitaus weniger von einer typischerweise einem Kriegsdrama zuzuordnen Erzählstruktur und Dramaturgie hat als man es erwarten würde – und die Mixtur aus einer zu Beginn noch gefühlten Alltags-Komödie, der oftmals nur implizierten (dabei aber dennoch alles aussagenden) Darstellung der darauf folgenden Schrecken des Krieges sowie der trotz allem hochgehaltenen und dabei extrem anrührenden Vater-Sohn-Beziehung im Sinne eines ebenso innovativen wie unterhaltsamen und lehrreichen Films aufgeht. Anders gesagt: selten, oder vielleicht auch noch niemals zuvor hat es ein Kriegsdrama mit einer alles andere als gängigen Auslegung einer Opferrolle geschafft einen derart emotional mitreißenden – und entgegen der Weltkriegs-Thematik auch explizit lebensbejahenden – Eindruck zu erzeugen.

Dass der Film dabei nicht nur mit seinem mutigen Konzept überzeugt – sondern beispielsweise auch in Bezug auf die hervorragenden Kostüme, Kulissen und die grundsätzliche optische Gestaltungsarbeit – rundet die Sache ab. Natürlich gilt das auch für die Leistung der beteiligten Darsteller – auch, oder vielleicht auch gerade wenn Roberto Benigni eigentlich nicht viel mehr macht als sich selbst zu spielen. Zwar wird das LEBEN IST SCHÖN nicht jedermann direkt zusagen, woran die stellenweise gewöhnungsbedürftige (in diesem Fall aber natürlich absolut gewollte) Albernheit nicht ganz unschuldig ist – und dennoch wird sich spätestens gegen Ende niemand mehr der schier ungeheuren emotionalen Wirkungskraft dieser Tragikomödie erwehren können. Und schon damit sollte Roberto Benigni  genau das erreicht haben, was er wollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © D.R.

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„Eine etwas andere (und vor allem anders erzählte) Tragikomödie, die im Gedächtnis bleibt.“

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Filmkritik: „Star Wars Episode 8: Die Letzten Jedi“ (2017)

Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Rian Johnson
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 152 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Star Wars | Episode 8 | Jedi-Ritter | Luke Skywalker | Imperium | Erste Ordnung | Rebellen

Spiele nicht mit der Macht, sonst setzt es eine Tracht.

Inhalt: Auch wenn der von Generalin Leias (Carrie Fisher) geführte Widerstand die furchteinflößende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung zerstört hat, ist noch immer kein Frieden in Sicht. Mit verantwortlich dafür ist der eigentliche Strippenzieher der dunklen Seite der Macht, Snoke (Andy Serkis) – der weiterhin große Hoffnungen in seinen Schüler Kylo Ren (Adam Driver) setzt. Dennoch setzen der tollkühne Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und die offenbar von der Macht profitierende Rey (Daisy Ridley) alles daran, den finsteren Mächten die Stirn zu bieten. Da sie selbst wissen dass die Lage beinahe aussichtslos ist, planen sie den legendären Luke Skywalker (Mark Hamill) mit in die Kämpfe einzubeziehen. Das Problem ist nur, dass sich der mittlerweile zu einem waschechten Einsiedler gemausert hat, der augenscheinlich nur noch wenig Interesse daran hat das Gute zu verteidigen…

Kritik: Ob man will oder nicht – die STAR WARS-Maschinerie läuft immer weiter. Erst Recht natürlich seit der umstrittenen Übernahme des ursprünglichen Produktionsstudios Lucasfilm durch den Disney-Konzern im Jahre 2012, der längst nicht mehr nur an der eigentlichen Filmreihe arbeitet. Während manche Franchise-Fans eben diesen – und dabei mittlerweile zahlreichen – Prequels und Spin-Offs von vorne herein aus dem Weg gehen, steht zumindest die bereits im Jahre 1977 mit dem legendären KRIEG DER STERNE losgetretene STAR WARS-Hauptreihe weiterhin im Fokus vieler Anhänger der Sternensaga – die damit umso mehr Aufmerksamkeit erhält. Und stellenweise auch deutlich mehr Kritik; wie es das noch nicht allzu lang zurückliegende, groß angekündigten Franchise-Revival in Form von EPISODE VII – DAS ERWACHEN DER MACHT (siehe Review) mit Nachdruck aufzeigte. Die Behauptung, dass die Verantwortlichen nicht viel mehr gemacht haben als eine vergleichsweise seelenlose Kopie des Materials der Originalfilmreihe aus den Jahren 1977 bis 1983 abgeliefert zu haben; ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen – sodass es eine umso spannendere Angelegenheit war und ist zu sehen, wie man im neuesten Teil der Reihe verfahren würde.

Und tatsächlich: der hier gemeinte achte STAR WARS-Teil DIE LETZTEN JEDI ist wieder etwas mehr geworden als eine gefühlte Neu- oder Nacherzählung der intergalaktischen Abenteuer der Vergangenheit. Und beileibe auch mehr als das, was George Lucas mit den viel diskutierten ersten Episoden aus den Jahren 1999 bis 2005 an (hier: reichlich buntem) STAR WAR-Material nachgelegt hatte. Anders gesagt: DIE LETZTEN JEDI ist als zweiter Teil der dritten Trilogie etwa kaum mit dem ebenso oberflächlich-klinischen wie schlicht fürchterlichen zweiten Teil der ersten (ANGRIFF DER KLONKRIEGER, siehe Review) zu vergleichen – und profitiert letztendlich sogar von der neuerlichen Disney-Ägide. Und das beispielsweise, indem man den Wünschen der Fans ganz offensichtlich wieder mehr Gehör schenkt. So ist DIE LETZTEN JEDI eine recht ansehnlicher STAR WARS-Teil geworden, der eine grundsätzlich angenehme Mixtur aus typischen Franchise-Elementen (wie etwa dem düster-dystopischen Setting, das man dennoch immer wieder mit einem gewissen Witz und Charme auflockert) und einer eher modernen Herangehensweise in Form von neuen Geschichten, Charakteren und Effekten.

Gerade die sehen im neusten Ableger übrigens ganz und gar hervorragend aus – auch wenn dies weniger auf potentiell hochkarätige Lichtschwert-Auseinandersetzungen zu beziehen ist, als vielmehr auf die Gestaltung der Weltraum-Szenen, die Kulissen und die Kostüme. Gerade in Anbetracht der schmackigen Kämpfe, die sogar den ein oder anderen Gänsehaut-Moment bereithalten (wie etwa den, als der Hypersprung eines Rebellenschiffes als Waffe eingesetzt wird); muss sich DIE LETZTEN JEDI also keineswegs hinter seinen Vorgängern verstecken – und das auch oder gerade weil hier augenscheinlich noch immer viel Wert auf ein geschicktes Handwerk gelegt wurde, und man nicht von einer Sound- und Effektflut der Marke TRANSFORMERS erschlagen wird. Dass J.J. Abrams (u.a. CLOVERFIELD) seine Finger mit im Spiel gehabt hat, merkt man übrigens auch – wobei die Überraschung umso größer ist, dass seine visuellen Konzepte gut in das STAR WARS-Universum zu passen scheinen.

Der größte Vorteil an EPISODE 8 aber ist und bleibt die Tatsache, dass man nach dem Wiederholungs-Effekt von EPISODE 7 endlich wieder eine neue (und dabei recht spannende) Geschichte erzählt – es dabei aber nicht verpasst, das gute alte STAR WARS-Gefühl inklusive der entsprechend unverwechselbaren Atmosphäre wieder aufleben zu lassen. Dass dafür auch oder sogar hauptsächlich die zahlreichen Auftritte wichtiger STAR WARS-Charaktere verantwortlich sind, versteht sich von selbst – wobei es sich unerwartet gut und stimmig anfühlt, im Sinne des Werdegangs von Meister Yoda, Luke Skywalker, Chewbacca oder Leia Organa auf den neuesten Stand gebracht zu werden. DIE LETZTEN JEDI kann damit getrost allen Franchise-Fans (und solchen, die es werden wollen) empfohlen werden – auch wenn man verständlicherweise nicht erwarten kann, dass es die achte Episode im Sinne der Qualität und des Flairs mit den altehrwürdigen Originalfilmen aufnehmen kann.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Lucasfilm / Disney

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„DIE LETZTEN JEDI ist ein unerwartet stimmiger STAR WARS-Teil geworden, der der neuen Trilogie durchaus zu neuem Glanz verhilft. Es gilt jedoch weiterhin – und speziell in Anbetracht der quantitativen Auswüchse des Franchise – Vorsicht walten zu lassen.“

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Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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