Filmkritik: „Das Belko Experiment“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Greg McLean
Mit: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Experiment | Ausnahmesituation | Kein Entkommen | Big Brother

Es melde sich, wer mal wieder aus seinem tristen Büroalltag ausbrechen möchte.

Inhalt: Morgenstund hat Gold im Mund – und wohl auch die gute alte Routine, die die Mitarbeiter der Non-Profit-Organisation Belko Corp. tagtäglich in das hochmoderne Bürogebäude irgendwo in einem Randbezirk der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá treibt. Dementsprechend hat wohl auch niemand damit gerechnet, dass es doch einmal ganz anders laufen könnte. Während man bei der urplötzlich stattfindenden hermetischen Abriegelung des Gebäudes noch an einen technischen Defekt oder ein Versehen denkt, sich dazu noch auf ein wenig zusätzliche Freizeit am Arbeitsplatz freut – weicht die allgemeine Unsicherheit alsbald einer waschechten Panik. Schließlich wird den Mitarbeiten über die Lautsprecheranlage mitgeteilt, dass es sich eben nicht um ein Versehen handelt – sondern dass sie für ein ganz besonders perfides Experiment auserkoren wurden. Ein Experiment, welches sie nicht ablehnen können – und dessen erste Aufgabe bereits unmöglich zu lösen scheint, zumindest bei klarem Verstand. So werden die Mitarbeiter aufgefordert, 30 beliebige Angestellte zu töten. Weigern sie sich, so droht ihnen noch schlimmeres – das behauptet zumindest die mysteriöse Stimme. Trotz dessen, dass sie im schlimmsten Fall nicht mehr allzu viel Zeit haben; setzten die Mitarbeiter alles daran aus dem Gebäude zu entkommen – und herauszufinden, wer für das tödliche Spiel verantwortlich ist.

Kritik: Nein, und auch wenn es im ersten Moment danach klingt – das Wörtchen Belko im Film DAS BELKO EXPERIMENT bezieht sich weder auf einen putzigen Hundenamen, noch zitiert es den Namen eines so tatsächlich stattgefundenen Experiments oder Wissenschaftlers. Vielmehr handelt es sich um einen geschickt gewählten Titel des für das Drehbuch und die Produktion des Films hauptverantwortlichen Multitalents James Gunn, der sich trotz seines Erfolges mit groß angelegten Holywood-Blockbustern (GUARDIANS OF THE GALAXY) hie und da noch an kleinere Projekte wagt. Und damit auch Projekte wie DAS BELKO EXPERIMENT – die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken, und sich dabei weder durch ein schwindelerregendes Budget noch den Auftritt zahlreicher möglichst bekannter Top-Stars auszeichnen. Als den Zuschauer zusätzlich herausfordernde Maßnahme kommt hinzu, dass sich der Titel-gebende Schauplatz des Films innerhalb eines fiktiven Büro-Gebäudes als recht übersichtlich erweist – und DAS BELKO EXPERIMENT so von vorne herein mehr von einem kammerspielartigen Psycho-Thriller als von einem typischen Schauermärchen der Marke Hollywood hat. Ein Psycho-Thriller, dessen Grundgedanke zwar alles andere als neu ist und so auch schon in Genre-Filmen wie BATTLE ROYALE oder etwa der CUBE-Reihe behandelt wurde – der aber dennoch mit einem vergleichsweise starken Fokus auf die Charaktere sowie der Darstellung einer sich jenseits von gut und böse bewegenden Ausnahmesituation überzeugt.

Eine Situation, die durch die vorliegende Art der Inszenierung mindestens zweierlei Blickwinkel zulässt. Wobei, und das ist das besondere; es gar keine allzu große Rolle spielt ob man den Film nun eher oberflächlich betrachtet oder sich auf sein nicht zu knappes Interpretationsangebot stürzt. Beiden Varianten gemein ist schließlich, dass DAS BELKO EXPERIMENT dem Zuschauer einige durchaus markante Charaktere präsentiert – die von ihrem Wesen her nicht unterschiedlicher hätten sein könnten, und sich in der Interaktion entsprechend interessant verhalten. Gut ist auch, dass deren Gebaren nur selten allzu übertrieben wirkt – zumindest nicht so übertrieben oder weltfremd wie in etwaigen vergleichbaren Filmen, welche eine ähnliche Ausnahmesituation in den Fokus rücken. Analog zu den entstehenden Möglichkeiten einer Identifikation gesellt sich so auch ein nicht zu verachtender Spannungsbogen, der sich bis kurz vor das große und leider nicht mehr ganz so überzeugende Finale erstreckt. Selbst die teils heftigen Gewaltszenen verfehlen ihre Wirkung nicht, auch wenn man sie absichtlich mit einer gewissen Form der Überzeichnung versehen hat – was auch für den hie und da zwischengeschobenen, recht makaberen Witz gilt. Stellenweise könnte man so meinen, man müsste sich in einem x-beliebigen Splatter- respektive Trashfilm befinden – doch glücklicherweise ist DAS BELKO EXPERIMENT weit mehr als das.

Schließlich – und wenn man so will – könnte man den Film problemlos als ebenso zwischenmenschliches wie auf die Gesellschaft übertragbares Drama betrachten. Ein Drama über die Natur des vermeintlich zivilisierten Menschen – was hier auch als Metapher bestens funktioniert, sogar im Hinblick auf einen größeren Zusammenhang. Offenbar war dies auch genau so von den Machern beabsichtigt – denn sonst hätte man sich wohl kaum eines recht offensichtlichen Gesellschafts-Querschnitts bedient, welcher direkt auf die beteiligte Charakter-Riege übertragen wurde. Doch wie man es auch dreht und wendet und betrachtet: DAS BELKO EXPERIMENT bleibt ein überzeugender Psycho-Thriller mit dem gewissen Etwas, der nicht nur mit seinem überraschend effektiven Schauspiel und der handwerklich ansprechenden Inszenierung punkten kann – sondern auch mit seinen ungeschönt dargestellten Inhalten. James Gunn holt hier klar das Maximum aus der bereits bekannten Grundidee und dem vergleichsweise eingeschränkten Setting heraus – und vermag es dabei tatsächlich, den Zuschauer in der ein oder anderen Form aufzurütteln.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Kinostar Filmverleih GmbH

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„Die Idee ist nicht neu und das Setting auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – umso überraschender ist, was letztendlich aus DAS BELKO EXPERIMENT geworden ist.“

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Filmkritik: „Das Kalte Herz“ (2014)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: Märchen von Wilhelm Hauff
Regie: Marc-Andreas Bochert
Mit: Rafael Gareisen, Laura Louisa Garde, Marie Gruber u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy / Drama
Tags: Peter Munk | Köhler | Arbeit | Armut | Ansehen | Reichtum | Wandlung

Umso stärker die Liebe, umso größer die Versuchung…

Inhalt: Der fleißige aber arme Peter Munk (Rafael Gareisen) war schon immer ein guter Junge. So sorgt er für sich und seine Mutter, indem er tagtäglich in den Wald geht und sich mit der langwierigen Herstellung von Holzkohle abmüht – auch wenn er dafür von den meisten nur hämisch belächelt wird. Doch als er auf die hübsche Lisbeth (Laura Louisa Garde) trifft, der von einem anderen und weitaus wohlhabenderen Konkurrenten Avancen gemacht werden; wird es des angestauten Frustes doch noch zu viel. Und so macht sich Peter erneut auf zu dem einzigen Ort, an dem er sich wirklich sicher fühlt – dem hiesigen Wald. Dieses Mal, und mit dem tieferen Vordringen in das Gehölz aber trifft er auf gleich zwei seltsame Gestalten: den Holländer-Michel (Thomas Thieme), der Peter sogleich aus der Patsche hilft und auch sonst ein offenes Ohr für den jungen Mann zu haben scheint – und das Glasmännlein (Tilo Prückner), welches ihm drei Wünsche zugesteht. Natürlich nimmt Peter an, und entscheidet sich zunächst einmal für den nötigen Reichtum um endlich das ihm zustehende Ansehen zu genießen – und nicht zuletzt, um bei seinem Schwarm Lisbeth zu landen. Doch letztendlich läuft alles doch nicht so wie geplant…

Kritik: Um die wievielte direkte oder zumindest entsprechend beeinflusste filmische Aufarbeitung es sich bei der für das ZDF produzierten Version von DAS KALTE HERZ tatsächlich handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht nur, dass die von Marc-Andreas Bochert verwirklichte und im Rahmen des ZDF-Specials Märchenperlen gezeigte Variante nicht viel anders macht als die bisherigen Veröffentlichungen – von der die im Jahre 1950 erschienene DEFA-Version eine der bekannteren markiert. Neu sind nur die Special Effects, die wider Erwarten recht dezent eingesetzt wurden – sowie natürlich die Besetzung mit einigen mehr oder weniger bekannten deutschen Darstellern. Die allerdings machen ihre Sache recht ordentlich, und auch die optisch-handwerkliche Gestaltungsarbeit weiß zu überzeugen – vor allem im Sinne einer TV-Produktion. Dass dann auch noch die Moral der Geschichte treffend eingefangen wurde – und das ohne etwaigen Blödeleien zu verfallen oder allzu sehr ins kitschige abzudriften – rundet die Sache ab. Sicher, DAS KALTE HERZ mag keine inhaltlich neue oder gar weltbewegende Märchenverfilmung sein – doch die angenehme Art der Erzählung, die für ein Märchen vergleichsweise ungekünstelt wirkende Emotionalität sowie die gleichermaßen universellen wie zeitlosen Botschaften machen die 2014’er ZDF-Version durchaus zu einem Hingucker; gerade für einen gemeinsamen Familien-Filmabend.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Justbridge Entertainment

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„Eine absolut annehmbare, angenehm bodenständige Märchenverfilmung.“

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Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

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„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

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Filmkritik: „A Monster Calls / 7 Minuten Nach Mitternacht“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: A Monster Calls (Roman)
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Monster | Kind | Junge | Familie | Schicksal | Coming Of Age

Ein Monster, mit dem man rechnen muss.

Inhalt: Die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebende Elizabeth (Felicity Jones) hat es als alleinerziehende wahrlich nicht leicht. Dabei ist ihr im Ausland lebender und somit nur noch sporadisch auftauchender Ex-Mann, der sich offenbar nur selten um ihren gemeinsamen Sohn Conor (Lewis MacDougall) kümmern kann; noch das geringste Problem. Schließlich leidet Elizabeth an einer schweren Krebserkrankung, die es ihr zusehends unmöglich macht ausreichend für ihren heranwachsenden Sohn zu sorgen. Davon wissen natürlich auch die anderen Bewohner der Gegend – etwa die Mitschüler aus Conor’s Klasse. Anstatt jedoch Unterstützung zu erfahren, wird er ständig nur gehänselt – sodass sich Conor am liebsten in sein Zimmer zurückzieht, und mithilfe seiner Zeichnungen in seine eigene Gedankenwelt abtaucht. Eines Tages wird er dann zeuge eines denkwürdigen Ereignisses: die alte Eibe in der Nähe seines Hauses wird plötzlich lebendig, schreitet auf den verdutzten Conor zu – und nimmt Kontakt mit ihm auf. Gleichzeitig mischt sich Conor’s strenge Großmutter (Sigourney Weaver) in die Familienangelegenheiten ein, und beschließt Conor erst einmal bei sich aufzunehmen – und das so lange, bis es seine Mutter endlich wieder besser gehen würde.

Kritik: Mit A MONSTER CALLS wagt sich der aus Spanien stammende und vornehmlich durch seine Arbeiten an DAS WAISENHAUS (siehe Filmkritik) sowie dem Tsunami-Drama THE IMPOSSIBLE bekannt gewordene Regisseur Juan Antonio Bayona erstmals an die Verfilmung einer gleichnamigen Jugendbuch-Vorlage von Patrick Ness. Die ist in Anbetracht ihres Erscheinens im Jahre 2011 noch relativ frisch, basiert eigentlich auf einer Idee der an Krebs verstorbenen irisch-britischen Schriftstellerin Siobhan Dowd – und hat trotz des offensichtlichen Monster-Sujets weniger mit einem fantastischen Märchen am Hut als eventuell erwartet. Vielmehr wird dem Zuschauer überraschend schnell nahegelegt, dass es sich bei der aus einer alten Eibe herausformenden Baum-Kreatur um ein rein imaginäres Konstrukt des jungen Hauptprotagonisten Conor handelt – der als Heranwachsender früh lernen muss, mit der schweren und aller Wahrscheinlichkeit nach tödlichen Krebserkrankung seiner Mutter umzugehen.

Dass A MONSTER CALLS somit alles andere als ein typischer Fantasy- oder auch Monsterfilm geworden ist, ist jedoch keine Enttäuschung – sondern seine eigentliche Stärke. Zumindest wenn es weiß und man sich entsprechend darauf einlässt, darauf einlassen kann. Anders gesagt: die spezifischen Darstellungen der behandelten kindlichen Gedankenwelt sind das markanteste (und eventuell auch das gewöhnungsbedürftige) Alleinstellungsmerkmal des Films – im Kern und davon unabhängig aber bleibt er ein unerwartet aufwühlendes und Charakter-intensives Drama mit starken Coming Of Age-Elementen. Ein Drama; dass wie so viele andere von seinen Charakteren und einer möglichst nachvollziehbaren Schilderung der Ereignissen lebt – was Juan Antonio Bayona in seiner Ausführung auch gelingt, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Darstellung mit dem hier gezeigten Monster als versinnbildlichtem inneren Dämon.

Trotz einiger guter Ansätze und der in diesem Falle ausnahmsweise mal positiv zu attribuierenden Mogelpackung hat A MONSTER CALLS aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Beispielsweise ist festzustellen, dass sich der Film gerade in Bezug auf seinen Auftakt und den ersten Begegnungen mit dem Monster teils deutlich in die Länge zieht und erst gegen Ende wieder aus dem (emotionalen) Vollen schöpft. Auch die analog dazu immer wieder eingeschobenen Erzähl-Sequenzen in einem speziellen Comic-Look stören – auch wenn sie inhaltlich Gewicht haben – den allgemeinen Filmfluss. Und überhaupt: allzu großartig sehen sie erst gar nicht aus, sodass hier durchaus der Wunsch nach einem anderen Stilmittel laut werden könnte. Für das Monster selbst gilt dann eigentlich nur eines: vor allem aus der Ferne sowie in den nett gemachten Verwurzelungs-Szenen macht es ordentlich was her, in den Nahaufnahmen macht es einen eher befremdlichen bis unschönen Eindruck.

Gut also, dass hier eher die Musik respektive die Sprache den Ton angibt – und sowohl Liam Neeson (in der Originalfassung) als auch der Synchronsprecher Bernd Rumpf stimmig durch die Gegend grummeln, stets unterstützt vom mystisch-atmosphärischen Soundtrack aus der Feder von Fernando Velázquez. Noch wichtiger als das ist aber die erbrachte Leistung der Darsteller, die in einem Drama wie diesem über vieles entscheidet – woran auch noch so viele Effekte und Traumsequenzen nichts ändern. Mit einem starken Lewis MacDougall (u.a. PAN, siehe Filmkritik>7span>) in der Hauptrolle haben die Verantwortlichen aber alles richtig gemacht – seine Darbietung überzeugt auf ganzer Linie. In Anbetracht der kindlichen Besetzung sollte man indes nicht von einem für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilm ausgehen: die offizielle Altersfreigabe ab 12 erweist sich als annehmbare Orientierung, zumal der Film einige düstere Elemente bereithält und inhaltlich vergleichsweise tief greift.

Schlussendlich: A MONSTER CALLS ist Klagelied und Ode an das Leben zugleich, in dem sich Grausamkeit und Schönheit die Klinke in die Hand geben – und präsentiert ein bewegendes Anschauungsbeispiel dafür, wie ein einzelner diese erstaunliche Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt und interpretiert. Und wer genau das erwartet – nicht mehr und nicht weniger – der wird vermutlich auch nicht enttäuscht aus dieser Erfahrung herausgehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © A Monster Calls A.I.E. / Quim Vives

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„Eine visuell und inszenatorisch ebenso einzigartig wie gewöhnungsbedürftig umgesetzte; unabhängig davon aber überraschend starke, intensive und bewegende Coming Of Age-Geschichte.“

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Filmkritik: „Golemata Voda / Der Tag, Als Stalins Hose Verschwand“ (2004)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Golemata Voda (Roman)
Regie: Ivo Trajkov
Mit: Saso Kekenovski, Maja Stankovska u.a.
Land: Mazedonien
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kinder | Flüchtlinge | Kommunismus

Golemata Voda, oder: A Macedonian Film.

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird der junge, vom Krieg gebeutelte Lem (Saso Kekenovski) in ein stalinistisches Erziehungslager in Jugoslawien gebracht. Doch anstatt der dringend benötigten Zuneigung bekommen Lem und die vielen anderen Waisenkinder hier vor allem eines zu spüren: einen unangenehmen Drill, der durch die nicht seltenen Schikanen der Aufseher noch verstärkt wird. Eines Tages kommt mit Isak (Maja Stankovska) ein eher ungewöhnlicher Junge in das Lager, der von den meisten nur als der Sohn des Teufels bezeichnet wird. Doch während ihm viele seiner jüngeren Leidensgenossen eher mit Ehrfurcht gegenüberstehen und es kaum wagen würden sich ihm zu nähern, versucht Lem die Gunst des seltsamen Jungen zu gewinnen. Als er damit Erfolg hat, scheint Lem wieder Hoffnung zu schöpfen – doch die Situation im Lager spitzt sich zu, als mehrere propagandistische Symbole des Lagers gestohlen oder verunstaltet werden. Eines scheint klar: der Schuldige muss gefunden werden, wobei die dabei eingesetzten Methoden kaum eine Rolle spielen.

Kritik: GOLEMATA VODA, THE GREAT WATER – oder um ihn beim etwas sperrigen Deutschen Titel DER TAG ALS STALINS HOSE VERSCHWAND zu nennen – ist ein Nachkriegsdrama des Mazedonischen Regisseurs Ivo Trajkov, der auf der gleichnamigen Romanvorlage des ebenfalls aus Mazedonien stammenden Schriftstellers Živko Čingo basiert. Gleichzeitig handelt es sich um einen Film mit mehreren Besonderheiten – die bei der zugrundeliegenden Erzähl-Perspektive in Form einer Rückblende beginnen, sich über den expliziten Fokus auf das übergeordnete Thema der (Staats-)Erziehung erstrecken; und schlussendlich in einem starken Schwerpunkt auf eine etwas andere Coming Of Age-Geschichte münden. Schließlich rückt Trajkov vor allem seine beiden jungen Hauptprotagonisten in den Fokus, die als Kriegswaisen in das kommunistisch-stalinistische Erziehungslager gebracht werden – und beleuchtet potentielle Folgen der hiesigen Doktrin.

Neben der ungeschönt-intensiven Atmosphäre, einigen gelungenen Stilmitteln gerade in Bezug auf die Darstellung des sublimatorischen Mystizismus und dem generellen Wegfall von allzu plump-pauschalen Aussagen oder direkten Urteilen über die Hintergründe fallen auch die insgesamt gelungenen handwerklich-technischen Aspekte auf. So sind die Bildkompositionen teils wuchtig und opulent, lassen dabei aber stets den unterschwelligen Schrecken erahnen – und die stimmige Filmmusik weiß für eine ansprechende akustische Untermalung zu sorgen, auch ohne dabei allzu forciert auf die Tränendrüse zu drücken. Den größten Respekt aber verdienen die beiden Kinderdarsteller in den Rollen von Lem und Isak – die ihren erwachsenen Kollegen in Nichts nachstehen, erst Recht nicht was ihr höchst authentisches Spiel betrifft. Auch wenn GOLEMATA VODA knapp am Status eines Meisterwerks vorbeischrammt – für eine Attribuierung als besonderes filmisches Kleinod aus Mazedonien reicht es ganz locker.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Medialuna Entertainment

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„Intensiv erzählt, bewegend und gleichermaßen grotesk wie authentisch.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieser Film einen Platz in der Liste der besten Dramen und Tragikomödien aller Zeiten gesichert.

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