Filmkritik: „Inside Man“ (2006)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Spike Lee
Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jonnie Brown u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller (50 %), Krimi(50 %)
Tags: Bankraub | Heist | Überfall | Geiselnahme | Raub | Erpressung

Diebstahl ist (nicht) gleich Diebstahl.

Inhalt: Der gewiefte Dalton Russell (Clive Owen) ist mit seinem Team gerade dabei, den Coup des Jahres zu landen. Als Maler getarnt haben sie es geschafft, die Kontrolle über eine große New Yorker Bank zu erlangen – inklusive aller sich im Gebäude befindenden Personen. Dabei scheinen sie recht gut vorbereitet zu sein, denn schon kurz nach der Erstürmung der Bank verpassen sie den Geiseln eine einheitliche Kleidung – sodass es den von Detective Keith Frazier (Denzel Washington) angeführten Ermittlern zusehends schwerfällt, die Lage zu überblicken. Ebenfalls zu einem Problem wird, dass der Gründer und Inhaber der Bank (Christopher Plummer) eine gewisse Madaline White (Jodie Foster) beauftragt, sich um den Inhalt eines seiner Schließfächer zu kümmern – ausgerechnet jetzt sollte man wohl sagen, und selbst wenn das bedeutet mit den Bankräubern kooperieren zu müssen. Was also ist im besagten Schließfach, das offenbar auf keiner Inventarliste auftaucht; und vor allem: wissen auch die Bankräuber davon ?

Kritik: INSIDE MAN ist ein von Spike Lee inszenierter Thriller, der sich für seine Darstellung eines etwas anderen Bankraubs auf eine Vorlage des US-Amerikanischen Drehbuchautors Russell Gerwitz stützt. Etwas anders ist vielleicht auch, dass der Film dabei tatsächlich mit einigen neuen respektive für das Genre der sogenannten Heist-Movies erfrischenden Ideen auftrumpfen kann – und die Darsteller alles daran setzen, ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem nicht allzu schnell zu durchschauenden Plan der Bankräuber vermag es der Film so durchaus, einen gewissen Reiz oder auch Sog zu entwickeln – einen Reiz, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und einen, der die eigentlich eher hoch angesetzten 130 Minuten Spielzeit grundsätzlich zu alles anderem als einer langatmigen Angelegenheit avancieren lässt. Dafür, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auf eine nennenswerte geschweige denn übertriebene Gewaltdarstellung oder größere Action-Szenen setzt; ist das durchaus ein Verdienst – wobei vor allem Fans von vergleichsweise ausführlichen Dialogen, Machtspielchen und einer wohldosierten Priese Humor auf ihre Kosten kommen sollten.

Und dennoch: im Falle von INSIDE MAN von einer qualitativen Ausnahme oder gar einem waschechten Genre-Highlight zu sprechen, trifft es dann auch nicht ganz genau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: interessanterweise scheinen so gut wie jedem Vorteil des Films immer auch Elemente gegenübergestellt zu sein, die vorschnelle Begeisterungsstürme schnell wieder im Keim ersticken können. Beispielsweise halten die eingangs erwähnten frischen Ideen nicht immer das, was sie versprechen – wobei man erst gar nicht in Versuchung kommen sollte, viele der hier eingebrachten Aspekte logisch zu hinterfragen. Aber auch das prinzipiell engagierte Schauspiel steht in INSIDE MAN teilweise auf der Kippe. Allein die Darbietung von Denzel Washington bewegt sich hart im Rande des Overactings, vor allem hinsichtlich des für die Dramaturgie des Films doch etwas zu abgebrühten und an Filme wie SHAFT erinnernden Porträts. Und überhaupt: dass sein Charakter derart im Fokus steht, und selbst potentiell interessantere Figuren wie die des von Clive Owen gespielten Anführers der Bankräuber zu quasi-Nebenfiguren macht; mag im Sinne des Erfinders sein – wirkt sich hier aber ebenfalls nicht unbedingt positiv aus.

Auch die einerseits durch die vergleichsweise netten Bankräuber, andererseits – und vor allem – durch die Nazi-Thematik aufkommenden moralischen Fragen fallen im hier anberaumten Zusammenhang etwas zu abstrakt aus, als dass der Zuschauer wirklich etwas mit ihnen anfangen könnte. Immerhin verzichtet Spike Lee auf ein allzu gewöhnliches gut gegen böse-Gefälle – und überlässt es weitestgehend dem Zuschauer, etwaige (dann: sich zumeist im Graustufenbereich befindende) Urteile zu fällen. Das gilt dagegen weniger für die angedeuteten Strippenzieher im Hintergrund, wie etwa die von Juliane Moore gespielte Madeleine White – die eher wie eine (absichtlich überakzentuierte) Karikatur denn wie ein menschliches Wesen wirkt. Letztendlich bleiben INSIDE MAN damit vor allem zwei Dinge: eine super-solide Inszenierung, die ihr Augenmerk eher auf die Darsteller und Kulissen als auf etwaige Special Effects legt; sowie ein überraschend hoher Unterhaltungswert. Der tröstet über vieles hinweg – aber eben auch nicht über alles.

Bilder / Promofotos / Screenshots: United International Pictures (UIP)

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„Ein nicht vor Schwächen gefeites, aber doch recht solide gemachtes und vor allem spannendes Porträt eines etwas anderen Bankraubs.“

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Filmkritik: „Wir“ (2019)

Originaltitel: Us
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Jordan Peele
Mit: Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 116 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror (50 %), Thriller (50 %)
Tags: Familie | Doppelgänger | Untergrund | Überleben | Rache

Wer soll’s richten, wenn nicht wir ?

Inhalt: Eigentlich wollen Adelaide (Lupita Nyong’o) und ihr Mann Gabe (Winston Duke) nur ein paar entspannte Tage an der sonnigen nordkalifornischen Küste verbringen. So reisen sie gemeinsam mit ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) in das alte Ferienhaus, in dem sie schon zuvor gastierten. Dieses Mal jedoch scheint sich etwas ganz und gar unheilvolles in die Idylle des Urlaubs zu drängen – wobei unklar ist, in wie weit ein düsteres Ereignis aus Adelaide’s Vergangenheit damit zusammenhängt. Sicher ist nur, dass urplötzlich eine Familie vor dem Haus der Urlauber steht – deren Mitglieder offenbar sie selbst sind. Im Gegensatz zu den jeweiligen Originalen aber scheinen diese düsteren Gestalten nur wenig gutes im Schilde zu führen – und beginnen daraufhin relativ direkt, die Familie anzugreifen. Es bleiben eigentlich nur zwei Fragen – wer genau sie sind, und vor allem was sie wollen…

Kritik: So schnell kann es gehen. Nachdem er zunächst noch ausschließlich als Darsteller auftrat – und das auch noch in eher mittelprächtigen Produktionen – steht ein gewisser Jordan Peele mittlerweile vor einer großen Karriere als Drehbuchautor und Regisseur. Hauptsächlich dafür verantwortlich dafür ist sein 2017’er Spielfilmdebüt GET OUT – der nicht nur viele gute Kritiken einheimste, sondern auch für reichlich Diskussionsstoff unter geneigten Cineasten sorgte. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt respektive soll nun auch WIR schlagen – eine interessante Mixtur aus Elementen des (Psycho-)Thrillers und Horrorfilms, in dem eine Familie den wohl schlimmsten Alptraum ihres bisherigen Lebens durchlebt.

Tatsächlich, und das fällt schon relativ früh beziehungsweise analog zum doch recht rasanten Auftakt des Films auf – gelingt Peele dabei auch dieses Mal die Zeichnung einer vergleichsweise dichten und wenn man so will hypnotischen  Atmosphäre. Und das liegt nicht allein an der technisch schier perfekten Inszenierung, die unter anderem von der gelungenen Kamera-Arbeit von Mike Gioulakis profitiert – sondern in erster Linie daran, dass man als Zuschauer auf mindestens zweierlei Art und Weise vom Gezeigten gefesselt wird. Schließlich fühlt sich WIR eben nicht nur wie ein standardisierter Horrorfilm an, der seine Stärke aus der Darstellung vieler möglichst beklemmender Situationen – und oftmals leider auch der Aneinanderreihung von altbackenen Klischees – generiert. Nein – denn ausnahmsweise steckt hinter dem Film auch endlich einmal wieder eine gute oder zumindest doch recht erfrischende Idee. Eine, die Peele zwar nicht gänzlich (und bis zum bitteren Ende) durchdacht zu haben scheint – aber doch eine, die den Zuschauer bei der Stange hält und bis kurz vor das Ende relativ stimmig begleitet.

Vereinfacht könnte man auch sagen, dass der Film stets die richtigen Fragen stellt, und das auch noch zu den richtigen Zeitpunkten – und man als Zuschauer weitaus deutlicher als in vielen anderen Werken angehalten ist, das Geheimnis hinter der ominösen Doppelgänger-Familie zu ergründen. Hier spielt nicht nur die Idee selbst mit hinein, sondern auch das Timing – das dank des offensichtlich vorhandenen Fingerspitzengefühls des Regisseurs gar nicht erst viel Raum zur Kritik zulässt. Das gilt im übrigen auch für das gezeichnete Bild der Familie (in darstellerischer, aber auch charakterlich-empathischer Hinsicht), die eingeworfenen Rückblenden, die letztendlich doch über vielem stehende (und dabei gar nicht mal so unoffensichtliche) Gesellschaftskritik oder die hie und da mutig in die Szenerie gesetzte (Situations-)Komik.

Das einzige, worüber man sich bei WIR wirklich streiten könnte; ist demnach die Ausführung der Grundidee – die sich insgesamt betrachtet dann doch etwas zu unschlüssig anfühlt. Man kennt es: es ist nicht unbedingt das schwierigste eine gute Idee zu haben und diese zu Papier zu bringen – sondern vor allem auch, wie man diese dem Zuschauer näher bringt oder im besten Fall sogar glaubhaft vermittelt. Und das ohne die eventuell vorhandene Magie, das vielleicht einzigartige Mysterium gänzlich zu entschlüsseln. Genau das gelingt WIR – der immerhin viele der aufgestellten Theorien erklärt beziehungsweise anhand von, man nenne es Easter-Eggs untermauert – leider nicht gänzlich oder in einem solchen Maße, dass man von einem tadellosen oder gar kultverdächtigen Werk sprechen könnte.

Dennoch schadet es kaum, sich Jordan Peele’s Interpretationen eines zuvor noch nicht auf diese Art und Weise dargestellten Dopellebens einmal zu Gemüte zu führen – und den Film, vielleicht ja auch ohne explizite Inhalts-Nachfragen zu stellen – einfach mal auf sich wirken zu lassen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Universal

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„Ein durchaus fesselnder und vor allem gut gemachter Horrortrip der etwas anderen Sorte.“

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Filmkritik: „Polar“ (2019)

Poster, Einleitung, Startbild

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Comicbuch (Victor Santos)
Regie: Jonas Åkerlund
Mit: Mads Mikkelsen, Vanessa Hudgens, Katheryn Winnick u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 118 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action (70 %), Komödie (15 %), Drama (15 %)
Tags: Auftragskiller | Bande | Clan | Terror | Rache | Skrupellos

Mit dem ist einfach nicht gut Kirschen essen.

Inhalt: Der raubeinige Duncan Vizla (Mads Mikkelsen) gilt als einer der besten Auftragskiller der Welt. Als sogenannter Black Kaiser hat er eine Vielzahl von Aufträgen erfolgreich absolviert – und freut sich langsam aber sicher auf seinen Ruhestand. Umso gelegener erscheint es da, dass sein quasi-Vorgesetzter Mr. Blut (Matt Lucas) respektive die von ihm geleitete Organisation eine ordentliche Pension für bald aus dem dienst ausscheidende Angestellte anbietet. Das Problem: offenbar ist der ebenso schrille wie skrupellose Mr. Blut nicht bereit, eben dieses Pensonierungsgeld zu bezahlen… sodass er einige seiner anderen, noch deutlich jüngeren Nachwuchs-Mörder entsendet, um sich des kostspieligen Problems auf seine ganz eigene Art und Weise zu entledigen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass sich der Black Kaiser als äußerst widerstandsfähig erweist. Erst recht natürlich, nachdem er beginnt Gefühle für seine hübsche Nachbarin Camille (Vanessa Hudgens) zu entwickeln…

Kritik: Abgebrüht, brutal, witzig und auch ein wenig ekelig – POLAR ist wahrlich kein Werk, dass als typischer Actioner durchgeht. Bereits nach der wilden und an der Grenze zur Geschmacklosigkeit kratzenden Eröffnungssequenz; spätestens aber nach der Einführung immer verrückter-er Charaktere und natürlich der Entwicklung des Hauptprotagonisten vom skrupellosen Killer hin zu einer noch erbarmungsloseren Ein-Mann-Armee wird klar, dass es sich hier um etwas anderes handeln muss als standardisierte Haudrauf-Kost. Wenn man die Hintergründe des vom schwedischen Regisseur Jonas Åkerlund realisierten, exklusiv für Netflix produzierten Films betrachtet, wird auch klar warum: POLAR ist eine Comicverfilmung, wobei das entsprechende Original von Victor Santos stammt und 2012 erstveröffentlicht wurde. Eine Verfilmung, die neben den ebenso diskutablen wie grotesken Überzeichnungen und den teils makaberen Gewalt- und Sexexzessen vor allem ein Problem offenbart: sie kann sich nicht so recht entscheiden, was sie nun sein will. Denn: POLAR geht einerseits als packender Thriller mit ansprechenden (und teilweise sogar tiefer gehenden) Drama-Aspekten durch, verspielt aber andererseits – und aufgrund seiner gefühlt mehr Platz einnehmenden, bunt-grotesken bis völlig abstrusen Elemente – reichlich Potential. Anders, und gerade in Bezug auf die dezent an Werke wie CHAPPIE (siehe Review) oder DIE TRIBUTE VON PANEM (siehe Review zu Teil 2) erinnernde, reichlich bunte Inszenierung gesagt: gegen POLAR wirken vergleichbare Filme – wie etwa die Ein-Mann-Rachegeschichten mit Liam Neeson oder aber die JOHN WICK-Reihe – fast schon wie bodenständige Dokumentationen.

Dass der Film trotzdem einen gewissen Charme entwickeln kann, liegt zum einen an der bereits erwähnten, leider etwas zu kurz kommenden Kontakt-Anbahnung des Hauptcharakters mit seiner vermeintlich unbekannten Nachbarin – und zum anderen an der Leistung, oder vielleicht auch nur der schieren Präsenz von Mad Mikkelsen als Hauptdarsteller. Der mag hier zwar dezent unterfordert sein, und hat in aqnspruchsvolleren Filmen wie DIE JAGD (Review) wesentlich eindrucksvoller abgeliefert – doch ist es mittlerweile einfach kaum noch zu schaffen, ihm keine Sympathie entgegenzubringen. Vom Rest des Casts (und speziell generell fragwürdigen Darstellern wie Matt Lucas oder Johnny Knoxville) kann man das zwar nicht behaupten, und in Bezug auf das technische Handwerk gilt es bis auf die wirklich netten Natur-Bilder (und konträr dazu den etwas penetranten Soundtrack) kaum außergewöhnliches zu vermelden – doch für einen unterhaltsamen Film-Abend, bei dem der Anspruch keine übergeordnete Rolle spielen soll; eignet sich das Ganze allemal.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Netflix

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„Grotesk, brutal und zwischendurch auch mal etwas ernstere Töne anschlagend – POLAR wirkt in seiner Gesamtheit nicht konsequent respektive harmonisch genug, funktioniert aber – und das hauptsächlich aufgrund des Hauptdarstellers – als etwas anderer Actioner für Zwischendurch.“

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Filmkritik: „Predator – Upgrade“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Charakteren von Jim Thomas
Regie: Shane Black
Mit: Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Olivia Munn u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 107 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben (Empfehlung: ab 18)
Genre: Action (90 %), Sci-Fi (10 %)
Tags: Weltraum | Schlacht | Kreaturen | Jagd | Mission | Mutation

Von großen und kleinen Kriegern.

Inhalt: Inmitten einer weiteren Mission als Scharfschütze sieht sich der Elitesoldat Quinn McKenna (Boyd Holbrook) plötzlich mit einer merkwürdigen Erscheinung konfrontiert: ein seltsames, sich offenbar gerade im Absturz befindendes Objekt rast über seinen Kopf hinweg und schlägt ganz in der Nähe ein. Bei näherer Betrachtung dann bestätigt sich das unfassbare: es handelt sich um ein Raumschiff, aus dem eine augenscheinlich sehr aggressive Kreatur entschlüpft ist. Glücklicherweise kann er diese schnell auf die Knie zwingen, und die Gefahr zunächst abwenden. Um sicherzustellen, dass ihm später geglaubt werden würde nimmt er einen Teil der Ausrüstung an sich und schickt zusätzlich ein größeres Paket an seine Heimat – wo es ausgerechnet sein Sohn Rory (Jacob Tremblay) in Empfang nimmt und auch gleich akribisch untersucht. Derweil wird das tot geglaubte Wesen in ein Labor verfrachtet, wo man sich vor allem über eines einig ist: es handelt sich um einen sogenannten PREDATOR – hochgezüchtete Super-Wesen mit erstaunlichen Fähigkeiten, die von fernen Planeten stammen und immer auf der Suche nach einer neuen Jagd-Herausforderung sind. Offensichtlich aber ist der gefangene PREDATOR doch noch nicht ganz tot – und seine Gerätschaften, ganz egal wo sie sich auch befinden; eng miteinander vernetzt… und gut auf seine Häscher zu sprechen scheint er nun ganz und gar nicht mehr zu sein.

Kritik: Sie geht also weiter – die Geschichte um den ebenso sagenumwobenen wie blutrünstigen PREDATOR, der im Jahre 1987 erstmals im Rahmen eines vollwertigen (und mittlerweile legendären) Spielfilms das Licht der Welt erblickte. Von einem wirklichen Nachfolger im Sinne der knisternd-spannenden Atmosphäre des Originals, der quasi-Neuauflage PREDATORS aus dem Jahre 2010 (siehe Rezension) sowie teilweise noch vom 1997 nachgeschobenen zweiten Teil sollte man hier allerdings eher nicht ausgehen. Und das nicht nur, da zu viele Jahre zwischen den Veröffentlichungen vergangen wären oder kein Arnold Schwarzenegger weit und breit zu sehen ist. Nein, vielmehr ist der Grund in den Entscheidungen der Verantwortlichen zu suchen; die die namensgebenden PREDATOR-Elemente ganz offensichtlich nur als Aufhänger für ein vergleichsweise buntes und hektisches Hollywood-Spektakel nutzen.

Eines, das letztendlich deutlich mehr von einem reinen Actioner denn einem Sci-Fi-Film hat – und einstweilen explizit Gefahr läuft, überladen zu wirken. Eben darauf; das heißt auf einen in jeder Hinsicht turbulenten, mit einer großen Prise eines (nicht immer aufgehenden) Humors versehenen und mit gleich mehreren Parallelen zum STARSHIP TROOPERS-Universum garnierten Blockbuster sollte man sich auch einstellen; will man in den Genuss von PREDATOR – UPGRADE kommen. Den zu erleben ist im übrigen durchaus möglich – will man sich nur gut unterhalten und mit immer neuen ideenreichen Einschüben (die trotz der FSK-Freigabe ab 16 auch mal in Form von heftigen Splatter-Elementen daherkommen) bombardiert wissen. Immerhin, und auch wenn man keine tiefer gehenden Fragen zum Inhalt und speziell das Gebaren der stellenweise an TROPIC THUNDER erinnernden, dezent ver-rückten Charaktere-Riege stellen sollte; ist PREDATOR – UPGRADE noch weit davon entfernt, ein müder Abklatsch wie die aus zwei grundsätzlich guten Franchises zusammengestellten ALIENS VS. PREDATOR-Filme zu sein.

Anders gesagt: der neueste PREDATOR-Ableger mag nicht mehr viel vom ursprünglichen Flair der Reihe haben, plötzlich mit unerwarteten Side-Stories wie der des an Asperger erkrankten Sohns des Hauptcharakters (hier recht sympathisch gespielt von Jacob Tremblay) aufwarten und im Ausgleich dazu eine turbulente Action-Szene nach der anderen abfeuern – doch als reines Popcorn-Kino ohne größere Materialschlachten a’la Michael Bay macht er schlicht einen Heidenspaß. In diesem Zusammenhang sei es den Machern vielleicht auch verziehen, dass ausgerechnet die Nahansichten des computeranimierten PREDATORS eher schlecht als recht aussehen – und man auch in Bezug auf den Soundtrack und das Schauspiel von vielem sprechen kann, nur nicht von großer (oder eher: nennenswert ernstzunehmender) Kunst. Wen das nicht stört, der sollte durchaus mal einen Blick auf diesen Science Fiction-Film, pardon: Actioner werfen – und darauf hoffen, dass nicht zu viele weitere Nachfolger erscheinen und sich alsbald ein Übermüdungseffekt der Marke MARVEL einstellt.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Twentieth Century Fox

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„Weniger PREDATOR, mehr Spaß – ein gewöhnungsbedürftiges, dafür aber umso kurzweiligeres Unterhaltungspaket.“

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Filmkritik: „Passagier 23 – Verschwunden Auf Hoher See“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Alexander Dierbach
Mit: Lucas Gregorowicz, Picco von Groote, Oliver Mommsen u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Kreuzfahrt | Schiffsreise | Verschwunden | Entführung | Kidnapping

Wehe dem, der hier als dreiundzwanzigster eincheckt.

Inhalt: Eigentlich hat der Polizeipsychologe Martin Schwarz (Lucas Gregorowicz) schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mehr über das Ableben seiner Frau und seines Sohns in Erfahrung bringen zu können. Vor gut 5 Jahren war die Familie gemeinsam auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, wobei die beiden unter mysteriösen Umständen verschwanden – offenbar gingen sie bei voller Fahrt von Bord. Doch warum seine Frau einen erweiterten Suizid hätte begehen soll, erscheint Martin nach wie vor schleierhaft. Jetzt aber, und nach all den Jahren erhält er die Nachricht; dass es neue Informationen geben könnte – wofür er sich erneut auf das besagte Kreuzfahrtschiff, die Sirius begeben muss. Hier erfährt er außerdem von einem weiteren Fall, bei dem ein zunächst verschwunden geglaubtes Mädchen plötzlich wieder aufgetaucht ist –  und das auch noch mit dem Teddybär seines Sohnes im Arm. Angetrieben vom Drang, endlich Licht in die dunklen Ereignisse bringen zu können; begibt sich Martin erneut auf Spurensuche…

Kritik: Dass man nicht allzu viel von einem Film erwarten sollte, bei dem es sich wie im Fall von PASSAGIER 23 um eine Eigenproduktion eines privaten TV-Senders handelt; liegt auf der Hand. Dennoch, und das ist die eigentliche Überraschung; macht die Verfilmung von Sebastian Fitzeks gleichnamiger Romanvorlage einen recht ordentlichen Eindruck – erst Recht natürlich, wenn man ihn mit anderen Eigenproduktionen der jüngeren Zeit oder einer ähnlichen Machart vergleicht.

Vornehmlich liegt das daran, dass es den verantwortlichen durchaus gelungen ist ein möglichst großes Maß an Spannung zu generieren: die dezent klaustrophobisch angehauchte Atmosphäre auf dem Kreuzfahrtschiff mit all seinen Korridoren und mehr oder weniger versteckten Räumen wurde gut umgesetzt, und der Zugang zu eigentlich abgeschotteten und somit eine gewisse Faszination ausstrahlenden Sperrbereichen erlaubt dem Zuschauer, selbst ein gutes Gefühl für die geheimnisvolle Spurensuche auf dem Schiff zu entwickeln. In jedem Fall hochzuhalten ist in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Kamera inklusive der stimmigen Ausleuchtung und Inszenierung der Schauplätze, der sich angenehm einfügende Soundtrack, und ja: auch die Darsteller machen einen akzeptablen bis guten Job, auch wenn man es hier – und hinsichtlich der sowohl den Roman als auch den Film begleitenden atmosphärischen Kühle – etwas übertrieben hat.

Weitere Schwächen offenbart das Werk erst in der näheren Betrachtung, respektive bei einem intensiveren Einsteigen und Fragen-stellen: während auf manche Detail durchaus geachtet wurde (wie etwa die Migräne-Attacken des Hauptcharakters), hat der Film dann doch an zu vielen Ecken und Enden Probleme hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit. Hier hätte man noch mehr Ideen investieren beziehungsweise sich weitaus nachvollziehbarere Erklärungen aus dem Ärmel schütteln müssen, um die Spannung schlicht und ergreifend nicht mit zu vielen eher hanebüchen erscheinenden Elementen in eine Waagschale zu werfen. Dennoch handelt es sich um einen soliden Thriller, den man sich nicht anschauen muss – aber anschauen kann, und das ohne größere Probleme.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: MG RTL D / Wolfgang Ennenbach

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„Kein spektakulärer, aber doch solider Thriller – erst Recht für eine TV-Produktion.“

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