Metal-CD-Review: EDGUY – Age Of The Joker (2011)

Alben-Titel: Age Of The Joker
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. August 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Sammet – Vocals
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Robin Hood (08:26)
2. Nobody’s Hero (04:33)
3. Rock of Cashel (06:20)
4. Pandora’s Box (06:47)
5. Breathe (05:05)
6. Two Out of Seven (04:29)
7. Faces in the Darkness (05:24)
8. The Arcane Guild (05:00)
9. Fire on the Downline (05:48)
10. Behind the Gates to Midnight World (08:58)
11. Every Night Without You (04:52)

Manchmal muss man tief fallen, um wieder aufzustehen.

Was, ja was sollte noch von einer Band wie EDGUY kommen – einer Band, die sich einst für ebenso klassische wie legendäre Power Metal-Genrealben vom Schlage eines VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) verantwortlich zeichnete; sich im Laufe der Jahre aber eher gegen die ursprünglich eingeschlagene Marschrichtung entschied und plötzlich nur noch höchst umstrittene Werke wie etwa HELLFIRE CLUB (Review) oder TINNITUS SANCTUS (Review) auf den Markt brachte ? Nun, und wie man heute weiß; haben EDGUY mit ihrem 2014 erschienen SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN (Review) doch noch die Kurve gekriegt – zwar ebenfalls ohne an ihre alten Glanzzeiten anzuknüpfen, aber dafür mit einer feucht-fröhlichen und auch spaßigen Genre-Interpretation die man ohne größere Schmerzen verköstigen kann. Bis es soweit war, sollte der Hörerschaft allerdings noch ein weiteres EDGUY-Album der eher durchwachsenen Sorte serviert werden – das vorliegende AGE OF THE JOKER, dessen titelgebender Hofnarr nicht von ungefähr leicht wahnsinnig dreinblickt.

Wobei, und das ist das gravierende; jenes Wahnsinnige keineswegs mit dem Anflug einer wie auch immer gearteten Genialität gleichgesetzt werden kann. Zumindest nicht bei EDGUY und in diesem Fall – woran weder die mit 65 Minuten recht gut bestückte reguläre Albenversion von AGE OF THE JOKER, noch die wesentlich umfangreichere Digipack-Edition viel ändern kann. Der Grund dafür ist schnell gefunden: grundsätzlich haben EDGUY hier relativ genau da weitergemacht, wo sie mit dem höchst durchwachsenen TINNITUS SANCTUS aufgehört hatten. Sicher, dass sich EDGUY mittlerweile komplett von der Spielart eines knackigen europäischen Power Metals verabschiedeten hatten war das eine – doch dass sie im Gegenzug dafür fast nur noch auf eher harmlose Rock-Elemente, poppig angehauchte und absolut radiotaugliche Strukturen und eine ordentliche Prise eines zumeist gewöhnungsbedürftigen Blödeltums setzten; das andere. AGE OF THE JOKER fährt diesbezüglich zwar nicht ganz so harte Geschütze auf wie seine Vorgänger, glücklicherweise – ist abgesehen von einer kleinen handvoll besserer Nummern aber auch weit davon entfernt, nennenswertes zu reißen.

Die hier gemeinten besseren Nummern wären vermutlich das melodische und grundsätzlich recht angenehme ROCK OF CASHEL, das doch noch überraschend knackige THE ARCANE GUILD, und mit ein wenig Fantasie eventuell noch das recht Keyboard-lastige BREATHE sowie das überlange BEHIND THE GATES TO MIDNIGHT WORLD. Immerhin sorgen EDGUY hier durchaus für den ein oder anderen markanten Moment – vornehmlich im Zusammenspiel aus verspielten Arrangements und einem gewissen, sonst auf dem Album eher vernachlässigten Druck. Davon abgesehen kann oder muss man sich aussuchen, wohin die Reise auf AGE OF THE JOKER gehen soll. Eine Möglichkeit wäre in eine leidliche komische, im Zusammenspiel mit der dazugehörigen Videosingle sogar explizit peinliche – wie im absolute überflüssigen Opener ROBIN HOOD. Oder aber, man verdingt sich in Richtung etwaiger sich hart an der Schmerzgrenze bewegenden Balladen – wie das schmalzige EVERY NIGHT WITHOUT YOU. Was bleibt, sind nicht wenige Nummern die recht explizit an schwächere Momente aus dem benachbarten AVANTASIA-Projekt erinnern – oder im schlimmsten Fall an eine ebenso x-beliebige wie abgehalfterte Ex-Power Metal-Band. Wenn da nur nicht die unverändert markante Frontstimme von Tobias Sammet wäre, versteht sich – die das Album aber ebenfalls nicht retten kann.

Dabei gilt wie so oft: es sind nicht die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, die AGE OF THE JOKER vergleichsweise ernüchternd erscheinen lassen – sondern vielmehr die entstehende Atmosphäre als Endprodukt eines Zusammenspiels zahlreicher Faktoren. Einen nicht ganz unerheblichen Anteil hat diesbezüglich etwas auch die etwas merkwürdige Abmischungs- und Produktionsarbeit; die dem Ganzen einen recht seelenlosen, glatten und zusätzlich unspektakulären Anstrich verpasst – mit einer Nummer wie FACES IN THE DARKNESS als Paradebeispiel. Immerhin werden hier durchaus einige schwerere Riffs anberaumt – womit es umso seltsamer ist, dass der Titel derart kraft-  und harmlos klingt. Letztendlich gibt es auf AGE OF THE JOKER einfach zu wenig zu holen, als dass man es mit Nachdruck empfehlen könnte – sodass man diesen Punkt der EDGUY-Diskografie relativ problemlos überspringen kann.

Absolute Anspieltipps: ROCK OF CASHEL, BREATHE, THE ARCANE GUILD


„Nicht mehr ganz so arg wie der Vorgänger – aber für die Attribuierung als eines der besseren EDGUY-Alben reicht es ebenfalls nicht.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Tinnitus Sanctus (2008)

Alben-Titel: Tinnitus Sanctus
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Ministry of Saints (05:02)
2. Sex Fire Religion (05:57)
3. The Pride of Creation (05:29)
4. Nine Lives (04:27)
5. Wake Up Dreaming Black (04:06)
6. Dragonfly (04:57)
7. Thorn Without a Rose (04:47)
8. 9-2-9 (03:48)
9. Speedhoven (07:43)
10. Dead or Rock (05:00)
11. Aren’t You a Little Pervert Too?! (02:20)

Von stilistischen Verirrungen, Teil 4.

Was ist es doch schön – und vor allem abwechslungsreich – eine Diskografie wie die von EDGUY aufzuarbeiten. Erst Recht wenn man bedenkt, dass die Fulderaner im Laufe ihrer bereits in den frühen 90ern begonnnen Karriere die ein oder andere einschneidende Entscheidung getroffen haben. Entscheidungen, die sich selbstverständlich auch auf den Sound und die letztendlich etablierte Wirkung der Band ausgewirkt haben – und stellenweise auch dazu führten, dass sich die hiesige Fangemeinde regelrecht spaltete. Tatsächlich könnte man durchaus einige gute Gründe dafür finden, der ebenso klassischen wie prächtigen Anfangszeit der Band – die vor allem Ende der 90er einige äußerst hochkarätige Genre-Werke ablieferte – nachzutrauern.

Andererseits, und stellvertretend für so manch andere Band möchte man etwaigen Weiterentwicklungen oder Neuausrichtungen aber auch nicht im Wege stehen – und Bands, die sich gerade innerhalb ihrer zweiten Blütephase zu befinden scheinen; trotz allem eine weitere Chance geben. Eben das fiel im Falle von EDGUY nicht gerade leicht – die sich mit ihren beiden bis dato mittelprächtigsten Alben HELLFIRE CLUB (siehe Review) und ROCKET RIDE (Review) beileibe nicht nur Freunde gemacht haben. Dennoch, und bei aller Liebe hatten diese beiden Alben aber noch einen entscheidenden Vorteil: man konnte sich über sie streiten, und dementsprechend sowohl einige gute als auch eher zu vernachlässigende Aspekte an ihnen benennen.

Etwas anders sah und sieht es dagegen im Fall von TINNITUS SANCTUS aus – und damit auch einem EDGUY-Album, welches den Begriff eines Hörschadens offenbar nicht von ungefähr in seinem Titel stecken hat. Fest steht: auch wenn bereits das Antlitz eines Albums wie MANDRAKE von einem leicht irre dreinblickenden Clown geschmückt wurde, hatten EDGUY ihre in eben diese Richtung gehende Wandlung spätestens mit dem vorliegenden TINNITUS SANCTUS vollzogen. Eine Wandlung in eine nicht unbedingt direkt nachvollziehbare, mitunter gar verstörende Richtung – die einen kaum glauben lässt, dass die Band einst für maßgebliche Genre-Werke vom Schlage eines THATER OF SALVATION verantwortlich war.

Sicher, ein wenig Spaß muss sein – und der darf gerne auch mal in den Gefilden des Power Metals Einzug halten. Aber wenn dann bitte stilsicher und pointiert – oder so, dass er auf irgendeine andere Art und Weise durchdacht wirkt und ohne größere Schmerzen transportiert werden kann. TINNITUS SANCTUS indes versagt an genau diesem Punkt, und präsentiert sich nicht nur wie ein schlechter Genre-Witz der so gut wie überhaupt nichts mehr mit der einst von EDGUY eingeschlagenen Marschrichtung in Bezug auf einen klassischen europäischen Power Metal am Hut hat – sondern auch wie ein Album, dem man selbst aus der Sichtweise eines harmlos-radiotauglichen Gedudels nicht viel abgewinnen kann.

Anders gesagt: Nummern wie das langatmige MINISTRY OF SAINTS, das relativ peinliche SEX FIRE RELIGION oder das alberne NINE LIVES machen einfach keinen Spaß – trotz der grundsätzlich annehmbaren Leistung von Tobias Sammet und den restlichen Bandmitgliedern. Nummern wie das etwas bessere THE PRIDE OF CREATION oder eventuell noch das merkwürdige betitelte SPEEDHOVEN zeigen auf, dass es EDGUY zumindest in der Theorie noch immer draufgehabt hätten – doch alles andere rangiert grundsätzlich unter ferner Liefen. Der absolut belanglos erscheinende Gitarrensound, die weichgespülte Produktion, die teils unsäglichen Lyrics, die radiotauglich-poppigen Refrains und eine riesengroße Portion Langeweile – hier ging wahrlich einiges daneben. Umso leichter erscheint es, TINNITUS SANCTUS als bis dato belanglosestes EDGUY-Album überhaupt zu bezeichnen.

Absolute Anspieltipps: THE PRIDE OF CREATION, SPEEDHOVEN, DEAD OR ROCK


„Hart an der Schmerzgrenze des gerade noch so erträglichen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Rocket Ride (2006)

Alben-Titel: Rocket Ride
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Sacrifice (08:03)
2. Rocket Ride (04:49)
3. Wasted Time (05:48)
4. Matrix (04:10)
5. Return to the Tribe (06:07)
6. The Asylum (07:39)
7. Save Me (03:47)
8. Catch of the Century (04:03)
9. Out of Vogue (04:36)
10. Superheroes (03:20)
11. Trinidad (03:29)
12. Fucking with Fire (Hair Force One) (04:22)

Und ab geht die Post Rakete.

ROCKET RIDE ist das siebte offizielle Studioalbum von EDGUY – jener legendären und allseits bekannten Power Metal-Formation aus deutschen Landen, deren schillernde Galionsfigur Tobias Sammet grundsätzlich vieles richtig gemacht hat. Vor mindestens eine größere Bewährungsprobe wurde die hiesige Fangemeinde aber durchaus gestellt – wobei die hierbei gemeinte Entwicklung nicht wirklich an einem eindeutigen Zeitpunkt festzumachen ist. Fest steht indes, dass sich EDGUY ab ihrem 2001 erschienenen MANDRAKE (siehe Review), sowie speziell dem nachgeschobenen HELLFIRE CLUB (Review) von einer etwas anderen Seite zeigten als bis dato gewohnt – und nicht jeder mit der nunmehr deutlich ausgelasseneren, mitunter dezent blödelnden Stimmung innerhalb der Musik der Fulderaner warm werden konnte. Erst Recht natürlich, wenn man bedenkt dass EDGUY vor nicht allzu langer Zeit Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) veröffentlicht hatten – Alben, die man relativ problemlos als Meilensteine in Bezug auf die damalige Power Metal-Szene bezeichnen könnte.

Aber, und wie man weiß legte Tobias Sammet etwaige in diese Richtung gehenden Ambitionen nicht gänzlich ab – sondern verwirklichte sie fortan eher in seinem AVANTASIA-Projekt. EDGUY indes liefen durchaus Gefahr, sich nicht für eine klare Marschrichtung entscheiden zu können – oder im schlimmsten Fall gar als abgehalfterte Comedy-Band zu enden. Dezent problematisch ist, dass man mit dem 2006 erschienenen ROCKET RIDE nicht allzu viel unternommen hat um eben diese Entwicklung aufzuhalten – und den Hörer abermals der ein oder anderen Talfahrt ausgesetzt hat. Nummern wie das sich dezent überflüssig anfühlende MATRIX oder die kitschig-harmlose und in jeder Hinsicht Chart-taugliche Ballade SAVE ME markieren dabei aber erst den Anfang der relativen Misere – und das nach dem rundum gelungenen Auftakt des Albums. Mit dem überraschend mächtigen, nach einer typischen EDGUY- und AVANTASIA-Manier aufgepeppten Opener SACRIFICE, dem recht griffigen Titeltrack ROCKET RIDE oder dem angenehm Riff-orientierten WASTED TIME macht der schließlich noch eine recht überzeugende Figur – und lässt zunächst kaum vermuten, dass sich EDGUY doch noch derart verhaspeln respektive stilistisch verirren würden.

Doch es kommt, wie es kommen musste: mit den in CATCH OF THE CENTURY inszenierten, recht großkotzigen (und nicht wirklich pointiert wirkenden) Peinlichkeiten, der auffällig platten Videosingle SUPERHEROES sowie den letztendlich relativ unmöglichen Rausschmeißern TRINIDAD und FUCKING WITH FIRE setzten EDGUY zu einem absoluten Tiefflug an, der selbst noch die ärgsten Momente des Vorgängers HELLFIRE CLUB zu unterbieten vermag. Einem grundsätzlich unnötigen Tiefflug noch dazu, der ROCKET RIDE am ehesten für Freunde eines eher retrospektiv orientierten Hardrocks mit einer ordentlichen Priese Glam-Metal interessant machen sollte. Alle anderen – und vor allem jene, die einen Narren an den früheren Alben der Band gefressen haben – sei indes nur der solide Alben-Auftakt ans Herz gelegt. Anders gesagt: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk (insbesondere von Frontmann Tobias Sammet), die Produktion und einen nicht unwesentlichen Unterhaltungswert mag das Ganze noch ganz gut funktionieren – doch insgesamt klingt und fühlt sich ROCKET RIDE einfach deutlich zu unrund an.

Absolute Anspieltipps: SACRIFICE, WASTED TIME, RETURN TO THE TRIBE


„Auf eine gute erste Alben-Hälfte folgt eine zum Vergessen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Hellfire Club (2004)

Alben-Titel: Hellfire Club
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mysteria (05:45)
2. The Piper Never Dies (10:07)
3. We Don’t Need a Hero (05:31)
4. Down to the Devil (05:28)
5. King of Fools (04:22)
6. Forever (05:41)
7. Under the Moon (05:05)
8. Lavatory Love Machine (04:26)
9. Rise of the Morning Glory (04:40)
10. Lucifer in Love (00:32)
11. Navigator (05:23)
12. The Spirit Will Remain (04:13)

Es gilt, den Bogen nicht zu überspannen.

Wenn man schon nicht das 2001 erschienene MANDRAKE (siehe Review) als Wendepunkt oder zumindest den Auftakt einer neuen Gangart innerhalb der Diskografie von EDGUY bezeichnen würde, dann doch das 2004 nachgeschobene siebte Studioalbum HELLFIRE CLUB – das erstmals wesentlich deutlicher aus dem damals für die Band neuen Repertoire eines komödiantischen Slapsticks schöpfte. Damit markiert das Album automatisch einen der markanteren Gründe, weshalb sich die hiesige Fangemeinde nicht immer einig war und ist – und vielleicht auch, weshalb Frontmann Tobias Sammet das Projekt AVANTASIA ins Leben rief. Schließlich konnte er hier ziemlich genau da weitermachen, wo er auf früheren EDGUY-Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review) oder THEATER OF SALVATION (Review) aufgehört hatte – während seine Arbeit bei EDGUY eine immer wildere und spaßigere Angelegenheit wurde. Eine, die in Titeln wie LAVATORY LOVE MACHINE ihren vorläufigen Höhepunkt fand – und die Band von einer bis dato noch nicht bekannten Seite zeigte. Immerhin: ihre handwerklichen Fähigkeiten hatten EDGUY auch auf HELLFIRE CLUB nicht vernachlässigt.

Ob das allerdings ausreicht, um die einstweilen merkwürdige bis ganz und gar krude Atmosphäre des äußerst wechselhaften Albums zu retten, ist eine andere Frage. Tatsächlich erscheinen in diesem Zusammenhang nicht nur stellvertretende Nummern wie eben LAVATORY LOVE MACHINE als kurzweilige gute-Laune-Nummern gewöhnungsbedürftig – auch der Einzug einiger Elemente, die man am ehesten im Bereich des Rock oder gar Pop verorten würde; sowie eine relative beliebig wirkende Aneinanderreihung einiger höchst unterschiedlicher und nicht wirklich miteinander harmonierender Nummern erweist sich als dezent problematisch. Bis es soweit kommt, steht der Hörerschaft allerdings erst einmal ein überraschend solider Alben-Auftakt ins Haus: der knackige Opener MYSTERIA, das klassisch-minimalistische THE PIPER NEVER DIES, das flotte WE DONT NEED A HERO und eventuell auch noch das stampfende DOWN TO THE DEVIL machen eine gute bis ganz und gar hervorragende Figur. So gesehen wäre es also durchaus von Vorteil gewesen, hätte das Album nach eben jenen vier Nummern geendet – und ein Dasein als EP gefristet.

Doch dem ist bekanntlich nicht so – womit es kein großes Geheimnis ist, dass grundsätzlich keine der noch auf HELLFIRE CLUB folgenden Nummern mit dem früh auf dem Album etablierten Qualitätsstandard mithalten kann. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: schon KING OF FOOLS erweist sich als relativer Langweiler ohne viel Biss, und das eigentlich recht annehmbare UNDER THE MOON kann dem Album ebenfalls nicht mehr viel neues hinzufügen. Richtig arg wird es aber erst mit RISE OF THE MORNING GLORY als Höhepunkt des nicht unbedingt niveauvollen komödiantischen Schwerpunkts des Albums, LUCIFER IN LOVE als nervigstem Interlude das je auf einem Genre-Album veröffentlicht wurde; sowie weiteren relativ nichtssagenden und vergleichsweise uninspirierten Titeln wie NAVIGATOR. Dass sich dann auch die auf dem Album enthaltenen Balladen FOREVER und THE SPIRIT WILL REMAIN als dezent problematisch herausstellen, mindestens aber ungünstiger wirken und klingen als die bis dato von EDGUY und AVANTASIA präsentierten; rundet die Sache ab.

Schlussendlich haben sich EDGUY mit ihrem HELLFIRE CLUB nicht den größten Gefallen getan. Und das, obwohl der enorm starke Alben-Auftakt und der hier und da anberaumte Spaßfaktor eigentlich für das Album sprechen sollten. Doch es gilt eben, den Bogen nicht zu überspannen – was bei HELLFIRE CLUB dann doch etwas zu oft vorkommt.

Absolute Anspieltipps: MYSTERIA, THE PIPER NEVER DIES, WE DONT NEED A HERO, DOWN TO THE DEVIL


„Weder Fisch noch Fleisch, leider.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Mandrake (2001)

Alben-Titel: Mandrake
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Tears of a Mandrake (07:11)
2. Golden Dawn (06:08)
3. Jerusalem (05:27)
4. All the Clowns (04:49)
5. Nailed to the Wheel (05:41)
6. The Pharaoh (10:37)
7. Wash Away the Poison (04:40)
8. Fallen Angels (05:15)
9. Painting on the Wall (04:38)
10. Save Us Now (04:37)

Ein bisschen Spaß muss sein ?

Man erinnert sich: um die Jahrtausendwende herum hat es nicht nur in Bezug auf etwaige Feuerwerksspektakel gekracht. Denn auch und gerade in den musikalischen Gefilden des europäischen Power Metals ging es verdammt heiß her. Im Kampf um die potentielle Genre-Krone der aus Deutschland stammenden Combos war die Rechnung in jedem Fall nicht ohne die Jungs von EDGUY zu machen – die mit ihrem auffällig starken Alben-Trio aus VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THATER OF SALVATION (Review) und THE SAVAGE POETRY (Review) sicher einen der markanteren Soundtracks zum Millenniums-Übergang ablieferten. Darauf ruhten sich die Fulderaner indes nicht aus – schließlich stand der hiesigen Power Metal-Welt schon 2001 das nächste EDGUY-Album ins Haus. Selbiges horcht auf den Namen MANDRAKE, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und markierte eventuell einen dezenten Umbruch in der stilistischen Ausrichtung der Band, der mit dem 2004 erschienenen HELLFIRE CLUB noch expliziter ausgeführt wurde.

Ein Umbruch, der sich indes weniger auf die feucht-fröhliche und für das Genre typische Spielart, das nach wie vor perfekte Handwerk oder potentiell einschneidende Besetzungswechsel bezog. Nein, vielmehr spielte der hier gemeinte frische Wind auf die von EDGUY angestrebte inhaltliche und damit auch atmosphärische Komponente an – schließlich sollte die auf MANDRAKE erstmals auftauchende Frage nach etwaigen musikalischen Clowns nicht von ungefähr gestellt werden. Wenn man so will, markierte das auch als Videosingle ausgekoppelte ALL THE CLOWNS (und selbstverständlich auch Titel wie SAVE US NOW) so den Auftakt einer neuen EDGUY-Ära – einer Ära, in der sich die Band etwas weniger ernst nehmen und mit einer entsprechenden Lockerheit auftreten würde. Allerdings immer, und das gilt es in jedem Fall hochzuhalten; ohne dabei ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten zu vernachlässigen. Von einer wie-auch-immer gearteten Blödelei war und ist das hier vertretene Material jedenfalls weit entfernt – sodass MANDRAKE grundsätzlich alle ansprechen sollte, die auch schon mit den vorherigen EDGUY-Releases warm werden konnten.

Immerhin gibt es mit Titeln wie NAILED TO THE WHEEL auch auf diesem EDGUY-Album den ein oder anderen deutlich zünftigeren Moment, während aussagekräftige Brecher vom Schlage eines FALLEN ANGELS auch genauso gut auf dem seinerzeit erschienenen AVANTASIA-Debütalbum (Review) hätten erscheinen können. Dies gepaart mit einigen für die Band neuen Eindrücken – wie etwa dem bereits erwähnten ALL THE CLOWNS oder auch dem alles andere als alltäglichen, aber doch angenehm hymnischen PAINTING ON THE WALL – macht MANDRAKE erst perfekt, oder zumindest zu einer höchst zufriedenstellenden Angelegenheit. Einer, die durch wunderbar funktionierende Uptempo-Hymnen wie GOLDEN DAWN oder kräftigen Stampfern a’la JERUSALEM abgerundet wird – und lediglich einige wenige Momente bereithält, die sich als etwas zäher erweisen. In diesem Zusammenhang wären wohl am ehesten das gute, aber eben nicht nur in Bezug auf seine Spieldauer vergleichsweise überlange THE PHARAOH zu nennen – oder aber die Ballade WASH AWAY THE POISON, die gefühlt doch etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt. Und auch der Rausschmeißer THE DEVIL & THE SERVANT schneidet nicht unbedingt gut ab, trotz des guten Handwerks und des ausnahmsweise mal stärker hervorgehobenen Basses – vor allem, da EDGUY hier ein wenig zu sehr nach einer Kopie der DESTINY-Ära von STRATOVARIUS klingen.

Schlussendlich kann, sollte oder muss man in diesem Fall aber von einem der gelungeneren EDGUY-Alben sprechen. MANDRAKE mag nicht perfekt sein und seine schwächeren Momente haben – doch die für das Album passend erscheinende klare Produktion, das von Band an den Tag gelegte Handwerk; das gut aufgehende Songwriting und der der teils enorme Hymnen-Faktor im Wechselspiel mit mal getrageneren, mal deutlich zupackenderen Elementen lassen einfach keinen Zweifel daran, dass EDGUY hier mehr als ordentlich abgeliefert haben.

Absolute Anspieltipps: JERUSALEM, NAILED TO THE WHEEL, FALLEN ANGELS, SAVE US NOW


„Ein höchst solides Album aus der bunten EDGUY-Diskografie.“