Metal-CD-Review: DIGNITY – Project Destiny (2008)

Alben-Titel: Project Destiny
Künstler / Band: Dignity (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. August 2008
Land: Österreich
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

John Boy Bastard – Bass
Roland Navratil – Drums
Frank Pitters – Keyboards
Jake E – Vocals
Martin Mayr – Guitars

Track-Liste:

1. Project Destiny (04:41)
2. Arrogance and Rapture (04:44)
3. Cry in Despair (05:48)
4. Dreams Never Die (04:43)
5. Icarus (04:40)
6. Inner Circles Sympathy (04:46)
7. The Edge of the Blade (04:30)
8. Inner Demons (04:51)
9. Don’t Pay the Ferryman (03:20)

Ein ganz und gar entscheidendes Projekt.

PROJECT DESTINY ist der vielversprechende Titel des 2008 erschienenen Debütalbums von DIGNITY, einer 2006 gegründeten Power Metal-Formation aus Österreich. Und damit auch einer Band, die quasi aus dem Nichts auftauchte – und mindestens ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Einer relativen Versenkung wenn man so will, denn: nach einem entscheidenden Lineup-Wechsel im Jahre 2012 – bei dem ein gewisser Søren Nico Adamsen den auf PROJECT DESTINY agierenden Leadsänger Jake E ersetzte – erschien immerhin noch BALANCE OF POWER als zweites, deutlich kräftigeres und gleichzeitig auch überraschend gut abschneidendes DIGNITY-Album (siehe Review). Danach wurde es allerdings wieder verdächtig ruhig um die grundsätzlich talentierten Musiker – sodass es ein kleines Rätsel bleibt, warum die Band nie so richtig duchstarten sollte. Schließlich hatte schon das heute zu Rezensionszwecken vorliegende Debütalbum gewisse Qualitäten, wobei man eher sagen sollte dass es sie noch immer hat – und damit auch heute noch als lohnenswerte Entdeckung für den geneigten Genre-Konsumenten fungieren kann.

Allerdings, und diesen Einschub sollte man durchaus vornehmen: um ein gerne mal übersehendes, schier unantastbares Meisterwerk handelt es sich bei PROJECT DESTINY ebenfalls nicht. Die Gründe hierfür sind indes weniger im Bereich des rundum zufriedenstellenden Handwerks, der durchaus zielgerichteten Produktion oder der generellen Qualität des Songwritings zu suchen – sondern vielmehr in Bezug auf ein ganz bestimmtes Stichwort. So lässt sich die von DIGNITY offenbar bewusst in Kauf genommene Tendenz, den insgesamt 9 enthaltenen Titeln eine vergleichsweise explizite Radiotauglichkeit unterstellen zu können; eindeutig nicht von der Hand zu weisen. Und das hat mindestens zwei Folgen: einerseits scheint die Mixtur aus antreibenden Elementen des Melodic Power Metal, eingängig-rockigen AOR-Enschüben und auch mal explizit balladesken Strömungen gerade im Falle von PROJECT DESTINY hervorragend zu funktionieren – andererseits aber klingt das Album so an nicht wenigen Stellen etwas zu harmlos und unspektakulär.

So sorgen eigentlich nur die Gitarren für den nötigen Drive und einen Anflug von Härte und / oder Biss – was einigen speziell in Anbetracht der vielen konterkarierenden weichen Elemente aber nicht reichen könnte. Fest steht: das häufig eingesetzte Keyboard, das nur selten anziehende Tempo und insbesondere der äußerst weiche Leadgesang von Jake E. machen PROJECT DESTINY zu einer recht lockeren Angelegenheit. Auch die hie und da eingeworfenen Soli oder Versuche, auf etwas progressiveren Pfaden zu wandeln (wie etwa in CRY IN DESPAIR oder THE EDGE OF THE BLADE) ändern daran nicht viel. Grundsätzlich, und darauf gibt auch die relativ gleichbleibende Spielzeit der einzelnen Titel einen dezenten Aufschluss; sind die Strukturen stets auf eine bestmögliche Fusion der von DIGNITY in einen großen Topf geworfenen Klang-Elemente ausgelegt – und dass eher ohne, dass damit ein größeres Aufsehen erzeugt werden könnte. Durch und durch harmlose Titel wie DREAMS NEVER DIE, INNER CIRCLE SYMPATHY oder DONT PAY THE FERRYMAN bilden hier treffende Beispiele.

Immerhin: vom Status eines vor Kitsch nur so triefenden oder gar vollständig peinlichen Genre-erguss ist das Ganze noch weit entfernt. ARROGANCE AND RAPTURE und ICARUS beispielsweise bilden zwei der deutlich ruhigeren, aber doch recht emotionalen und thematisch interessanteren Nummern – während Titel wie der Opener PROJECT DESTINY, THE EDGE OF THE BLADE oder INNER DEMONS zumindest ansatzweise eine etwas griffigere Gangart an den Tag legen. Insgesamt betrachtet sollte man aber durchaus eine gewisse Vorliebe für einen eher weichen und bedächtig gespielten Power Metal mitbringen, um in den vollen Genuss von PROJECT DESTINY zu kommen. Die Demo LEGENDS OF SAFAR von SILVERLANE beispielsweise (siehe Review) scheint sich als Vergleichswerk anzubieten, mit ein wenig Fantasie auch das Schaffen der (späteren) EDGUY, AVANTASIA oder SAIDIAN. Wenn man so will oder nicht anders kann, könnte man sich auch eine abgespeckte oder auch freundlichere Version von KAMELOT vorstellen.

Absolute Anspieltipps: PROJECT DESTINY, ARROGANCE AND RAPTURE, ICARUS, THE EDGE OF THE BLADE


„Eher weich und zugänglich – aber auch angenehm wohlklingend und mit einigen starken Momenten.

Metal-CD-Review: DIGNITY – Balance Of Power (2013)

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Alben-Titel: Balance Of Power
Künstler / Band: Dignity (mehr)
Land: Österreich
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Fastball Music

Alben-Lineup:

Søren „Nico“ Adamsen – Vocals
Phil Porter – Guitars
John Boy Bastard – Bass
Frank Pitters – Keys
Roland Navratil – Drums

Track-Liste:

1. Rebel Empire
2. Save Me
3. Rise
4. Shackles of War
5. Lion Attack
6. Angels Cry
7. The Day That I Die
8. Freedom Reign
9. Help Me Call My Name
10. Blackout (Scorpions Cover)

Nach 5 Jahren endlich aus dem Schattendasein heraustretend.

DIGNITY ist eine 2006 gegründete Bandcombo aus Österreich, die sich der Spielart des Melodic Power Metals verschrieben hat. Ihr Debütalbum PROJECT DESTINY erschien im Jahre 2008, kurz bevor es erst einmal für eine lange Zeit still werden sollte um die Band. Nun, und nach knap 5 Jahren, sind DIGNITY zurück – mit einem neuen Album, aber auch einem geänderten Lineup. Für Martin Mayr an der Gitarre kam Philipp r. Porter (SIRENS CRY), für Jake E kam der neue sänger Søren „Nico“ Adamsen (CRYSTAL TEARS).

Passenderweise ist das erste, und vielleicht auch aussagekräftigste was man hört die vorab veröffentlichte Videosingle REBEL EMPIRE – die knackiger nicht hätte ausfallen können. Hier stimmt einfach alles; denn DIGNITY schaffen es hier, die gängigen Vorzüge des Genres mit einigen neuen, frischen Elementen zu verbinden. Und vor allem auch, einen technisch rundum versierten Eindruck entstehen zu lassen, der nichts mehr mit dem teils etwas unfertig wirkendem Sound des Vorgängers PROJECT DESTINY zu tun hat. Auch wenn sich DIGNITY die Messlatte damit selbst ziehmlich hoch gelegt haben, schaffen sie es auch in den 9 folgenden Songs, das Qualitätsniveau zu halten. Mehr noch: die Mischung aus eingängigen Elementen die in den kultverdächtigen Refrains ihre Höhepunkte finden, und den technisch etwas ansruchsvolleren Gitarren-Frickeleien und Keyboardarrangements machen einfach konsequent Laune. Und: sie sorgen dafür, dass man sich nicht allzu schnell am Album sattgehört haben wird, da man erst nach und nach alle Facetten zu entdecken vermag.

Interessant ist vor allem, dass DIGNITY nun deutlich versierter und glaubwürdiger verkaufen; und diesen Eindruck mit einem verdächtig satten Sound untermalen. Das Ganze fungiert zwar immer noch unter dem Oberbegriff des ower Metals, lässt aber vor allem Freunde einer etwas gediegeneren, rockigeren und dem AOR sehr nahen Gangart aufhorchen – besonders in Titeln wie RISE, SHACKLES OF WAR oder THE DAY THAT I DIE. Andererseits serviert man dem Hörer auch einige äusserst zielstrebige, druckvolle Brecher a’la REBEL EMIRE, LION ATTACK oder dem SCORPIONS-Cover BLACKOUT. Immer mit von der Partie sind die hymnisch anmutenden, mehrstimmigen Refrains, die Keyboardspielereien und das Gefühl, dass DIGNITY einfach genau wissen was sie tun und vor allem können. Denn gerade diesbezüglich ist die Bandbreite enorm, gesellen sich zu den bereits genannten, suer-soliden Nummern auch einige von einem etwas experimentelleren Schlag hinzu – wie das hypnotische, symhonisch angehauchte ANGELS CRY oder das munter zwischen verschiedenen Stimmungen wechselnde SAVE ME.

Fazit: Wahrlich, es fällt nicht leicht ein Album wie BALANCE OF POWER in eine einzelne Schublade einzuordnen. Genau das ist aber auch der Vorteil des Albums – der dafür sorgt, dass man das Album nach und nach für sich entdecken und dabei immer wieder auf neues stoßen wird. Der Faktor der Abwechslung ist enorm, und sorgt im Zusammenspiel mit der fantastischen roduktionsqualität, der bissigen Performance des neuen Leadsängers Søren „Nico“ Adamsen und den verspielt-experimentellen, aber doch stets stilsicheren Variationen für ein regelrechtes Alben-Erlebnis. Fans des Debütalbums werden positiv überrascht sein – und auch Neueinsteiger erwartet eine äußerst druckvolle Scheibe mit einem Sound, der zweifelsohne als einzigartig einzustufen ist und so einem allseits bekannten Genre neues abzugewinnen vermag.

Anspieltipps: REBEL EMIRE, THE DAY THAT I DIE, ANGELS CRY, SAVE ME

Vergleichsbands: YNGWIE MALMSTEEN | IRON MASK | MASTERPLAN | PRIMAL FEAR

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„Ein buntes Fest für Heavy Metal-, AOR- & Hardrock-Fans“