Metal-CD-Review: SABATON – Heroes (2014)

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Alben-Titel: Heroes
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Mai 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals, Keyboards
Thobbe Englund – Guitars
Chris Rörland – Guitars
Hannes Van Dahl – Drums

Track-Liste:

1. Night Witches (03:01)
2. No Bullets Fly (03:37)
3. Smoking Snakes (03:14)
4. Inmate 4859 (04:26)
5. To Hell and Back (03:26)
6. The Ballad of Bull (03:53)
7. Resist and Bite (03:27)
8. Soldier of 3 Armies (03:38)
9. Far from the Fame (03:47)
10. Hearts of Iron (04:28)

Huldige den Helden von dereinst – und denen von heute.

Wenn die SABATONsche Kriegsmaschinerie zum Angriff bläst, gibt es eigentlich immer etwas zu feiern. Mit ein Grund dafür ist, dass sich die schwedischen War- und Power Metaller im Laufe der Jahre noch keinen größeren Fauxpas geleistet haben – ihre bisherigen sechs Alben waren allesamt hörenswert. Und manchmal, da schlug das Pendel sogar nach ganz oben hin aus – wie etwa beim furiosen Erstwerk PRIMO VICTORIA (siehe Review) oder beim beinahe ebenso guten THE ART OF WAR (Review). Nach CAROLUS REX (Review) erscheint nun das heiß erwartete siebte Studioalbum der schwedischen Recken um den stimmgewaltigen Frontmann Joakim Broden – welches auf den schlichten Namen HEROES getauft wurde und 10 neue Titel nach typischer SABATON-Manier beinhaltet.

Die erste Auffälligkeit ist, dass das Album mit einer Gesamtspielzeit von knapp 36 Minuten nun wieder etwas kompakter ausfällt als noch CAROLUS REX – erst recht wenn man bedenkt, dass es sich eigentlich um ein Doppelalbum handelte (einmal mit der regulären englischen Version, und einmal mit einer exklusiven schwedischen). Das will indes noch nichts heißen – das erledigt erst die zweite Auffälligkeit respektive erste riesige Überraschung im bisherigen SABATON-Universum. Der Grund dafür ist schnell gefunden: wer erwartet, hier schlicht nur mehr Material im Stile der alten Band-Scheiben auf die Lauscher zu bekommen; könnte sich eventuell wundern. Tatsächlich haben die Schweden ordentlich an ihrem Sound gebastelt, und erreichen mit HEROES nun eine gänzlich neue Sphäre des War Metal – oder wie auch immer man es nennen möchte, was SABATON seit über einen Jahrzehnt machen Anders gesagt: es war schlicht noch nie so spannend, ein SABATON-Album für sich zu entdecken.

Und das liegt vornehmlich an einer direkt hör- und spürbaren neuen Energie und Spielfreude. Einer, die sich allerdings nicht  in einem hohen Tempo oder einer besonders harschen Gangart (und damit wie auf einigen Alben zuvor) äußert – sondern vielmehr in einer bis dato nicht von SABATON gekannten Emotionalität und Ausdrucksstärke. Sicher, eine mitunter wuchtige Wirkung hatten einige der bisherigen Bandtitel; nicht zuletzt dank des jeweils hervorragenden Handwerks der Mitglieder sowie der seit jeher mehr als nur ordentlichen Produktion. HEROES indes generiert seine enorme Eindringlichkeit aus den intensiveren und besser recherchierten Textinhalten, einer immensen und so noch nicht präsentierten Vielseitigkeit von Band-Galionsfigur Joakim Broden – und insgesamt etwas langsameren, dafür aber umso spannenderen und dezent progressiv angehauchten Strukturen.

Gleichzeitig kommt auch der eher klassisch orientierte Heavy Metal-Anteil zurück (NO BULLETS FLY, RESIST AND BITE) – die Gitarren erhalten viel Raum, so gut wie alle Titel entfalten eine angenehm stampfende Wirkung. Dabei muss man indes nicht auf die von vielen geliebte hymnische Seite der Band verzichten. Auch wenn jene Eindrücke nun auch mal aus einer mächtigen Ballade wie THE BALLAD OF BULL oder dem erhabenen HEARTS OF IRON entstehen können – was neu und ungewohnt, aber allemal beeindruckend ist. Weitere Überraschungen finden sich ebenfalls, etwa mit einer Nummer wie TO HELL AND BACK als gefühlte Mixtur aus dem Schaffen von MANOWAR und ALESTORM – die von so SABATON so auch noch nicht bekannte abenteuerliche Atmosphäre überzeugt hier schnell. Gut ist auch, dass man sowohl auf ein Intro und Outro, sowie unnötige Zwischenspiele verzichtet hat. Stattdessen gibt es – zumindest in der vorliegenden Deluxe-Version, mit der man auch unbedingt Vorlieb nehmen sollte – noch zwei enorm starke Bonustracks, die das Album perfekt ergänzen (7734 und MAN OF WAR).

Fest steht: das entstehende Wechselspiel aus der typischen SABATON-Urgewalt inklusive der markanten Soundmerkmale seitens des Keyboards, sowie der neuerlichen und wenn man so will anspruchsvolleren Seite der Band geht auf HEROES voll auf. Das Album markiert so das absolute Gegenteil zu einem Werk wie COAT OF ARMS, bei dem man sich – vermeintlich pünktlich zum Label-Umzug – plötzlich deutlich simpler und eingängiger gab als es der Band zuträglich gewesen wäre. Sicher, ein schlechtes Genre-Album war COAT OF ARMS dennoch nicht – doch vergleicht man es mit HEROES, so lässt sich einfach nicht verhehlen dass zwischen jenen beiden SABATON-Werken Welten liegen. Vor einer Leistung wie dieser kann man sich nur verneigen – die Schweden haben hier absolut alles richtig gemacht. Und das war so sicher nicht unbedingt zu erwarten – erst Recht nicht wenn man bedenkt, dass es sich um das mittlerweile siebte Album der Band handelt. Gleichzeitig ist dieses nun erste, welches schier bedenkenlos eine Höchstwertung erhalten kann. Chapeaú !

Absolute Anspieltipps: NIGHT WITCHES, SMOKING SNAKES, INMATE 4859, HEARTS OF IRON, 7734


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„Schlechte Alben haben SABATON eigentlich noch nie abgeliefert – aber im siebten Anlauf kracht es so richtig.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieses Album einen Platz in der ewigen Metal-Bestenliste erkämpft.

Metal-CD-Review: SABATON – Coat Of Arms (2010)

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Alben-Titel: Coat Of Arms
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Mai 2010
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Joakim Brodén – Vocals
Pär Sundström – Bass
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Daniel Mullback – Drums
Daniel Mÿhr – Keyboards

Track-Liste:

1. Coat of Arms (03:35)
2. Midway (02:29)
3. Uprising (04:55)
4. Screaming Eagles (04:07)
5. The Final Solution (04:56)
6. Aces in Exile (04:22)
7. Saboteurs (03:15)
8. Wehrmacht (04:14)
9. The White Death (04:10)
10. Metal Ripper (03:50)

Die Anthithese zum Mantel des Schweigens.

Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, dass die schwedische Kriegsmaschinerie der Marke SABATON für ein knackiges Studioalbum sorgte. Schließlich erschien das für die energischen Power Metaller typische und entsprechend wuchtige, dabei auch angenehm an die Anfangszeiten der Band erinnernde THE ART OF WAR (siehe Review) erst 2008 – wobei es auch jetzt noch das Zeug hat, entsprechend lange nachzuhallen. Doch spätestens seit der Veröffentlichung von METALIZER (siehe Review) – dem eigentlichen Debütalbum der Band, welches einige Jahre zurückgehalten wurdE – läuft es bei SABATON wie am Schnürchen. Zumindest was die eingefleischte Fanbase, den allgemeinen Bekanntheitsgrad und die Frequenz des neu veröffentlichten Materials angeht.

COAT OF ARMS ist das nunmehr fünfte Studioalbum der Schweden, und gleichzeitig das erste welches unter dem neuen Label Nuclear Blast erscheint – bei dem SABATON seit 2010 unter Vertrag stehen. Ein noch größerer Erfolg – und sicher auch in finanzieller Hinsicht – ist ihnen damit schon so gut wie sicher. Doch was hat das neue Album tatsächlich zu bieten ? Setzen SABATON weiterhin auf ihre typische Spielart und die recht spezifischen Inhalte zum übergeordneten Themenfeld des Krieges, oder probieren sie etwas gänzlich neues aus ? Und, was eventuell noch wichtiger ist: werden sie langsam müde, oder legen sie nach dem Paukenschlag in Form des mächtigen THE ART OF WAR sogar noch einen drauf ?

Sicher werden die Antworten auf diese Fragen ja nach persönlicher Facón unterschiedlich ausfallen. Fest steht aber, dass sich durchaus etwas getan hat am allgemeinen SABATON-Sound – erst recht im direkten Vergleich mit den Vorgängern. Ob dies am Label-Wechsel oder dem Hunger nach einem noch größeren Einfluss in der Metal-Welt liegt, sei einmal dahingestellt. Immerhin: die spür- und hörbar erleichterte Zugänglichkeit spräche dezent dafür, wie auch die Tatsache dass COAT OF ARMS insgesamt hymnischer und eingängiger klingt als jedes andere bisherige SABATON-Album.

Hier muss man dann tatsächlich selbst entscheiden, ob man einer Entwicklung wie dieser offen gegenübersteht oder eben nicht. Anders gesagt: wer sich von SABATON hier eine völlig neue musikalische Facette oder eine härtere Marschrichtung gewünscht hat, wird eher enttäuscht – wer dagegen schon immer auf der Suche nach besonders hymnischen Momenten innerhalb der Musik der Schweden war, wird nichts zu meckern haben. Im Gegenteil; schließlich erhöhen SABATON nicht nur das Aufkommen ihrer typischen Soundelemente seitens des Keyboards oder ihrer hervorragend funktionierender Mitsing-Refrains – sondern auch das allgemeine Tempo. Sicher, eher schnelle Nummern gab es auch schon auf den vorherigen Alben – doch mit einem Dauerfeuer der Marke SCREAMING EAGLES erreichen sie diesbezüglich ganz neue Sphären.

Bei eben jenem Titel handelt es sich gleichzeitig auch um einen der klar erkennbaren stärkeren respektive interessanteren des Albums – denn die Kehrseite der gesteigerten Hymnen-Tauglichkeit bleibt die bereits angedeutete Vereinfachung des musikalischen Konzepts. Eine unter Umständen dezente, aber dennoch. Nummern wie UPRISING, ACES IN EXILE, SABOTEURS oder WEHRMACHT beispielsweise klingen schlicht nicht sonderlich spektakulär oder aufregend; zumal sie sich allein schon von ihren Strukturen her sehr ähneln. Aber das ist leider noch nicht alles, denn: wenn man es darauf anlegt, könnte man behaupten dass nur der Opener COAT OF ARMS als typisch-schmackige SABATON-Hymne; das bereits erwähnte SCREAMING EAGLES sowie eventuell das einfache aber ordentliche WHITE DEATH wirklich gänzlich vor Kritik gefeit sind.

Die ersten deutlicheren Probleme beginnen schließlich schon bei MIDWAY, dass eigentlich nur durch seinen stampfenden Rhythmus und die schroffen Gitarren zu gefallen weiß. Doch der teilweise mit einem merkwürdigen Verzerr-Effekt versehene Leadgesang, der vergleichsweise schwache Refrain sowie der dieses Mal in einer wirklich sehr auffälligen Weise auf simpel getrimmte Inhalt stören hier klar den Fluss. In einer etwas anderen, dafür ganz ähnlich argen Art und Weise trifft es dann THE FINAL SOLUTION, welches schlicht zu merkwürdig klingt und vor allem wirkt; als das man Gefallen daran finden könnte. Mit ein Grund hierfür sind sicher die der Band hier überraschenderweise völlig abhanden geratene Emotionen, was letztendlich in einer kuriosen Aufstellung von zusammengetragenen Fakten und einem schlicht falsch klingenden, man will nicht sagen geschmacklosen Refrain mündet. Da hat 40-1 vom Vorgänger noch wesentlich besser funktioniert. Der Rausschmeißer METAL RIPPER ist dagegen stimmig, aber eben auch nicht mehr als ein Gimmick.

Schlussendlich: wie schon die Vorgänger bleibt COAT OF ARMS vor allem handwerklich über viele Zweifel erhaben. SABATON verstehen ihr Handwerk, und auch die jeweils verantwortlichen für den Sound machen einen guten Job. Ebenfalls hervorzuheben ist, dass auch COAT OF ARMS eine handvoll typischer SABATON-Übernummern beherbergt – Nummern, die direkt ins Ohr gehen und dort auch noch eine Weile bleiben. Wesentlich weniger glanzvoll ist wiederum die Tatsache, dass es SABATON dieses Mal in vielerlei Hinsicht deutlich simpler halten – und die gesteigerte Zugänglichkeit zu Lasten des Dauerschleifenpotentials geht. Fans können und werden natürlich trotzdem zugreifen – sollten sich aber darauf einstellen, dass das Album einen nicht ganz so bleibenden Eindruck hinterlässt wie die Vorgänger.

Absolute Anspieltipps: COAT OF ARMS, SCREAMING EAGLES, ACES IN EXILE, SABOTEURS


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„Ein noch solides Album mit einigen Aussetzern, die nicht hätten sein müssen.“

Metal-CD-Review: SABATON – The Art Of War (2008)

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Alben-Titel: The Art Of War
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Rikard Sundén – Guitars
Daniel Mullback – Drums
Daniel Mÿhr – Keyboards
Joakim Brodén – Vocals
Pär Sundström – Bass
Oskar Montelius – Guitars

Track-Liste:

1. Sun Tzu Says (00:23)
2. Ghost Division (03:51)
3. The Art of War (05:08)
4. 40:1 (04:10)
5. Unbreakable (05:58)
6. The Nature of Warfare (01:18)
7. Cliffs of Gallipoli (05:51)
8. Talvisota (03:32)
9. Panzerkampf (05:15)
10. Union (Slopes of St. Benedict) (04:05)
11. The Price of a Mile (05:55)
12. Firestorm (03:25)
13. A Secret (00:37)

Von der großen Kunst des Krieges.

Nachdem sich die schwedischen Power Metaller von SABATON schon in den frühen 2000er Jahren einen Namen machen und einen festen Platz in der Szene etablieren konnten, wurde es gegen Ende des Jahrzehnts noch einmal richtig interessant. So wurde mit dem 2007 erschienen METALIZER (siehe Review) endlich das früheste, zwischenzeitlich neu aufgenommene Material der Band in Form eines vollwertigen Studioalbums veröffentlicht – woraufhin es für die geneigte Hörerschaft schon 2008 erneut an der Zeit sein sollte, ein schmackiges Album der SABATONschen Kriegsmaschinerie auf die Lauscher zu bekommen. Jenes gute Stück horcht auf den Namen THE ART OF WAR, und kommt mit 13 respektive 10 vollwertigen Titeln sowie einer Gesamtspielzeit von knapp 50 Minuten daher.

Dabei ist es sicher keine große Überraschung, dass sich SABATON auch dieses Mal voll und ganz auf ihre schon früh etablierten Alleinstellungsmerkmale verlassen – und THE ART OF WAR somit als relativ typisches, andererseits aber auch nicht minder überzeugendes Genrealbum mit der nötigen Extraportion Kriegsdramatik inszeniert wird. So ergeben sich auch entsprechend wenig Streitpunkte – zumindest, wenn man der Band und deren Marschrichtung generell zugetan ist. Das war und ist indes keine Selbstverständlichkeit, denn es hätte auch ganz anders kommen können. Immerhin war die Chance, dass sich der Sound der Band nur allzu schnell abnutzen könnte; durchaus gegeben – ebenso wie die Möglichkeit, wieder ein gutes aber dennoch eher unspektakuläres Album a’la ATTERO DOMINATUS (siehe Review) abzuliefern. Auf THE ART OF WAR jedoch wird der typische SABATON-Sound mitsamt seinem Pomp und Bombast wieder auf ein mehr als nur anständiges Level gehievt – sodass wenn überhaupt Erinnerungen an das grandiose PRIMO VICTORIA (siehe Review) wach werden.

Tatsächlich bewegt sich THE ART OF WAR stilistisch relativ nah an eben jenem offiziellen Erstwerk der Band – aber, und das ist das gute; ohne sich bloß zu wiederholen. Sicher, etwas gänzlich neues wird man hier nicht zu hören bekommen – doch wenn das gute alte und eventuell in Ansätzen bekannte mit einer derartigen Überzeugung und Wirkung inszeniert werden kann wie in diesem Fall, wünscht man sich gar nicht erst etwas anderes. Fest steht jedenfalls: handwerklich ist das Ganze über so gut wie alle Zweifel erhaben, und auch die Abmischung und Produktion lässt kaum Wünsche offen. Einzig und allein die Tatsache, dass das Keyboard auf THE ART OF WAR eine größere Rolle einnimmt als jemals zuvor könnte sich für manchen als störend erweisen – wohingegen gewisse Elemente einfach zum typischen SABATON-Gesamterscheinungsbild dazugehören. Immerhin gibt es, man könnte es als eine Art Ausgleich sehen; nun auch wesentlich wuchtigere Hintergrundchöre und zudem eine noch variablere Gesangsperformance von Leadsänger Joakim Broden – was die gefühlte musikalische Raffinesse noch einmal erhöht.

Was bleibt ist, einen näheren Blick auf die enthaltenen Titel zu werfen – von denen man ja nach Facón gleich 3 streichen könnte, ohne sich überhaupt näher mit ihnen zu befassen. Tatsächlich sind das arg kurze Intro SUN TZU SAYS, das Zwischenspiel THE NATURE OF WARFARE und das Outro A SECRET nur als füllende atmosphärische Gimmicks zu betrachten, die nicht zuletzt durch die absichtlich maschinell wirkende weibliche Erzählstimme gewöhnungsbedürftig erscheinen. Eine Stimme, die leider auch in einigen anderen Titeln des Albums auftaucht – aber darüber kann man hinwegsehen. Denn schließlich haben es die restlichen Titel in sich: schon der Opener GHOST DIVISION etabliert eine ebenso antreibende wie überzeugende Wirkung, die schnell den Textinhalten entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lässt. Das gilt auch für viele der anderen Nummern, von denen vor allem das erhabene 40-1 als absoluter Anspieltipp und eventuell auch einer der besten SABATON-Titel überhaupt hervorsticht.

Gut, zumindest hie und da gehen SABATON gefühlt eher auf Nummer sicher oder betätigt sich etwas zu exzessiv am Keyboard – wie etwas im sonst recht unspektakulären Titeltrack THE ART OF WAR. UNBREAKABLE dagegen macht auch in den vergleichsweise bedächtigen Momenten vieles richtig, und gestaltet sich zudem als recht spannend – nicht zuletzt durch den langsam anbahnenden Tempowechsel gegen Mitte. Etwas ungewöhnlich ist sicher auch CLIFFS OF GALLIPOLI, welches mit einigen für SABATON unüblichen Klaviertönen daherkommt – dabei aber ebenfalls einen ansprechenden Spannungsbogen mitbringt und als eine der musikalisch nicht ganz so überschwänglichen Nummern hervorragend funktioniert; vor allem auch dank eines großartigen Joakim Broden und der Gegenüberstellung von ruhigen und wahrhaft schmetternden Elementen.

Der weitere Verlauf offenbart dann ebenfalls keine nennenswerten Schwachpunkte – was THE ART OF WAR zu einem gefundenen Fressen für alle SABATON-Fans (und solche, die es werden wollen) macht. Von den hervorragenden handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder über die überzeugende Inszenierung der enthaltenen Titel bis hin zur gelungenen Produktionsarbeit – hier stimmt einfach alles. Wären da nicht die relativ überflüssigen Zwischenspiele, die generell störende weibliche Erzählstimme sowie ein oder zwei schwächere Titel; so hätte man auch getrost eine Höchstwertung vergeben können. Aber auch so reicht es noch für eine ganz und gar ansehnliche Anerkennung.

Absolute Anspieltipps: 40-1, UNBREAKABLE, CLIFFS OF GALLIPOLI, UNION, THE PRICE OF A MILE


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„Eine durchaus majestätische Angelegenheit.“

Metal-CD-Review: SABATON – Metalizer (2007)

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Alben-Titel: Metalizer
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. März 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Bróden – Vocals, Keyboards
Sundström – Bass
Montelius – Guitars
Sundén – Guitars
Mullback – Drums

Track-Liste:

Disc 1
1. Hellrider (03:42)
2. Thundergods (03:48)
3. Metalizer (04:07)
4. Shadows (03:29)
5. Burn Your Crosses (05:09)
6. 7734 (03:42)
7. Endless Nights (04:52)
8. Hail to the King (03:39)
9. Thunderstorm (03:09)
10. Speeder (03:46)
11. Masters of the World (04:02)

Disc 2
1. Introduction (00:56)
2. Hellrider (03:49)
3. Endless Nights (04:50)
4. Metalizer (04:26)
5. Burn Your Crosses (05:23)
6. The Hammer Has Fallen (05:50)
7. Hail to the King (04:09)
8. Shadows (03:33)
9. Thunderstorm (03:10)
10. Masters of the World (04:01)
11. Guten Nacht (01:53)
12. Birds of War (04:53)

Von langen Wegen und erfüllten Träumen.

Im Genre des Power Metal ist so gut wie immer was los. Entsprechend heiß ging oder geht es auch in so mancher Genre-Diskografie zu – wie auch bei den Schweden von SABATON, denen man zumindest zu Beginn ihrer Karriere gewisse Startschwierigkeiten unterstellen konnte. So entstand auch die relative Verwirrung um die Reihenfolge ihrer Studioalben – von denen heute das durchaus bemerkenswerte PRIMO VICTORIA (siehe Review) aus dem Jahre 2005 als Debütwerk fungiert. Eigentlich hätte man aber schon die frühere, aus zwei alten Demos zusammengestellte Compilation FIST FOR FIGHT (siehe Review) als eben solches veröffentlichen können – was letztendlich auch geschah, allerdings erst im Jahre 2007 und damit einige Jahre später als geplant. Man sollte also ganz genau schauen, wo man in die SABATON-Diskografie einsteigt – wobei das vorliegende METALIZER gleich zwei diesbezügliche Möglichkeiten anbietet. Entweder, man hört das ursprüngliche Material in einer neuen, etwas aufpolierten Version aus dem Jahre 2007 und erhält überdies einige interessante Bonustracks – oder man greift auf die originale, auf der zweiten CD enthaltenen Urfassung aus den Anfangszeiten der Band zurück. Wobei auch die noch einen interessanten Bonustrack namens BIRDS OF WAR bereithält.

In Anbetracht der ungewöhnlichen Historie des Albums – oder eher der Alben – stellt sich im Falle von METALIZER eine unter Umständen gewichtige Frage. Wurden die Nummern durch die Neuaufnahmen aufgewertet, oder sollte man doch eher mit den alten Originalfassungen Vorlieb nehmen ? Sicher wird das diesbezügliche Urteil je nach persönlichen Vorlieben anders ausfallen. Fest steht aber, und das ist keine Selbstverständlichkeit; dass SABATON der ursprünglichen Intention ihrer Lieder gefühlt treu geblieben sind. Demnach haben sie insgesamt betrachtet kaum Veränderungen vorgenommen, nur die Aufnahme- und Produktionsqualität wurde verständlicherweise an aktuellere Standards angepasst. Und noch einmal: hier wird es wahrlich sehr stark vom persönlichen Geschmack abhängen, wohin die Wahl eher tendieren wird. Beim Opener HELLRIDER beispielsweise zeigt sich, dass die Neufassung zahlreiche Vorteile mit sich bringt – beim vergleichsweise bedächtigen und hymnischen MASTERS OF THE WORLD dagegen entfaltet die Urfassung einen leicht angenehmeren und zeitloseren Eindruck.

Immerhin kann mit METALIZER nun auch das alte, wenn man so will erste offizielle Material von SABATON als eigenständiges Album und damit ein vollwertiger Teil der Diskografie betrachtet werden. Auf eine nachvollziehbare Bewertung zu kommen, ist dagegen nicht ganz so leicht. So kann ein Großteil des Materials nun einmal nicht als gänzlich neu bezeichnet werden, wodurch zumindest einige den eventuell gewünschten Überraschungseffekt vermissen könnten. Auch gilt es anzumerken, dass die Neufassungen nicht nur Vorteile mit sich bringen. Letztendlich – und glücklicherweise – ist das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn SABATON haben mit dieser Veröffentlichung grundsätzlich alles richtig gemacht. Nicht zuletzt durch die guten bis herausragenden Bonustracks – und die Inkludierung des Originalmaterials, was einen direkten Vergleich und das unkomplizierte Herauspicken der jeweils vom Hörer favorisierten Version ermöglicht.

Absolute Anspieltipps: HELLRIDER, THUNDERGODS, BURN YOUR CROSSES, BIRDS OF WAR


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„Der Weg zu einem vollwertigen Album war lang, doch es hat sich gelohnt.“

Metal-CD-Review: SABATON – Attero Dominatus (2006)

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Alben-Titel: Attero Dominatus
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Juli 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Daniel Mullback – Drums
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals
Daniel Mÿhr – Keyboards

Track-Liste:

1. Attero Dominatus (03:43)
2. Nuclear Attack (04:10)
3. Rise of Evil (08:19)
4. In the Name of God (04:06)
5. We Burn (02:55)
6. Angels Calling (05:57)
7. Back in Control (03:14)
8. A Light in the Black (04:52)
9. Metal Crüe (03:42)

Achtung, die Panzer rollen wieder vor.

Es ist schon beachtlich, was die Schwedischen Jungs von SABATON bereits in ihren frühen Schaffensjahren alles auf die Beine gestellt hatten. Das spezifische, schon auf der aus zwei früheren Demos zusammengebastelten Compilation FIST FOR FIGHT (Review) vorgestellte Konzept der Band wirkte jedenfalls sehr überzeugend – und gerade die vieles lostretende Kampfansage vom Schlage eines PRIMO VICTORIA (2005, siehe Review) war kaum zu überhören. Interessant ist, dass es daraufhin erst so richtig losging im Hause SABATON: die Diskografie der Band wurde ab 2006 kontinuierlich gut bestückt, sodass in der Folge spätestens alle zwei Jahre mit einem neuen Studiowerk zu rechnen war und ist; von diversen kleineren Veröffentlichungen gar nicht erst zu sprechen. Den Auftakt jener neuen Veröffentlichungsreihe, und damit einhergehend auch des neuen Selbstbewusstseins der Band markierte dabei aber nicht nur das großartige und von vielen sehr gut aufgenommene PRIMO VICTORIA – sondern auch dessen Nachfolger ATTERO DOMINATUS.

Wie schon der Vorgänger beinhaltet das mächtig betitelte zweite Studioalbum der Band 9 vollwertige Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 40 Minuten – und legt es schnell darauf an, den geneigten Power Metal-Konsumenten direkt in seinen Bann zu ziehen und zu fesseln. Das geschieht vornehmlich über die spezifischen aber vergleichsweise ungewöhnlichen Inhalte, den allgemeinen Druck und die Schlagkraft der Musik; sowie nicht zuletzt die prägnante Frontstimme von Joakim Broden. So macht schon der Opener und Titeltrack ATTERO DOMINATUS mindestens zweierlei Dinge klar: zum einen, dass es SABATON absolut ernst meinen mit ihrer eingeschlagenen Marschrichtung innerhalb des quasi neu gegründeten oder zumindest neu belebten Subgenre des War Metal – und zum anderen, dass sie schlicht das Zeug dazu haben gleichermaßen voranpreschende wie kultverdächtige Genre-Hymnen zu inszenieren.

Wie so oft aber zeigt sich, dass auch Bands mit einem über die Jahre weitestgehend unveränderten Konzept kleinere bis deutlichere Berg- und Talfahrten erleben können. Sicher, ATTERO DOMINATUS ist insgesamt betrachtet ein gut funktionierendes Genre-Album mit einem enormen Wiedererkennungswert – doch gerade im Vergleich mit seinem sehr guten, verständlicherweise auch etwas überraschenderen Vorgänger muss es klar hintenan stehen. Das mag nicht allzu kurios erscheinen, zumal keine Band vor halbwegs klar erkennbaren schwächeren Momenten in der Diskografie gefeit ist – etwas schade ist es aber natürlich dennoch, gerade wenn es sich um zwei derart schnell aufeinander folgende Alben handelt. Anders gesagt: SABATON haben mit ihrem ATTERO DOMINATUS nicht schlecht abgeliefert, aber auch nicht wirklich nachgelegt.

Die Gründe dafür könnte man – je nach persönlicher Facón – in den unterschiedlichsten Bereich suchen. Doch fest scheint zu stehen; dass es schon einmal nicht an den guten, bis dato schon zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen der Mitglieder oder einer fehlenden Motivation gelegen haben kann. Etwas sinniger erscheint hier schon die Vorstellung eines Anfluges von Routine, der das Album insgesamt etwas vorhersehbarer und unspektakulärer gestaltet. Dazu passen auch das oftmals anberaumte Midtempo ohne größere Kraftausbrüche sowie die teils auffälligen Parallelen zu Bands wie MANOWAR (Stichwort RISE OF EVIL) – und der Fakt, dass sich kaum eine der Nummern als besonders erinnerungswürdig oder gar als langjähriger Dauerbrenner zu eignen scheint. Mit Ausnahme des Openers versteht sich, dessen Kraft man sich einfach nicht oder nur schwer entziehen kann.

Gut, auch das eher ruhige LIGHT IN THE BLACK kann dank seiner atmosphärischen Ausstaffierungen einen gewissen Reiz entwickeln; und der Rausschmeißer METAL CRÜE ist eine sympathisch-spaßige Genre-Hymne mit allerlei Erwähnungen potentieller Einflüsse der Band. Davon abgesehen geht es aber schlicht etwas zu gleichförmig zu – und so, als hätten SABATON hier eher auf Nummer sicher gehen wollen. Das Ergebnis ist ein überdurchschnittliches, leider aber auch vergleichsweise uninteressantes und im absolut schlimmsten Fall zu überspringendes Werk der hiesigen SABATON-Diskografie. Immerhin: eines, dass mit PRIMO VICTORIA und METALIZER zwei starke Nachbarn hat und somit direkt auf der Hand liegende Alternativen bietet.

Absolute Anspieltipps: ATTERO DOMINATUS, IN THE NAME OF GOD, LIGHT IN THE BLACK


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„Einerseits ein höchst solides Genre-Album, andererseits ein recht enttäuschender Nachfolger.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieses Album einen Platz in der ewigen Metal-Bestenliste erkämpft.