Metal-CD-Review: VICTORIUS – Heart Of The Phoenix (2017)

Alben-Titel: Heart Of The Phoenix
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
Steven Lawrenz – Guitars
David Baßin – Vocals
Rustam Guseinov – Drums

Track-Liste:

1. Shadow Warriors (04:03)
2. Hero (04:18)
3. End of the Rainbow (03:44)
4. Die by My Sword (03:42)
5. Sons of Orion (05:08)
6. Heart of the Phoenix (04:18)
7. Empire of the Dragonking (03:48)
8. Hammer of Justice (03:50)
9. Beyond the Iron Sky (04:21)
10. Virus (04:02)
11. A Million Lightyears (04:06)

Ein Phoenix aus der Asche, der diesen Namen auch verdient.

Man kann den deutschen Power Metallern von VICTORIUS viel vorwerfen – nur nicht, dass sie sich mit ihren Studioalben viel Zeit lassen. Immerhin legte die Band direkt nach dem noch stark ausbaufähigen 2010’er Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) eine recht muntere Veröffentlichungsfrequenz vor – wobei der 2013 veröffentlichte Überraschungserfolg THE AWAKENING (Review) klar als bisheriges Diskografie-Highlight auszumachen war. Nach dem letztaktuellen, nicht mehr ganz so guten DREAMCHASER (Review) soll es 2017 also wieder an der Zeit sein für ein neues VICTORIUS-Album. Dieses horcht auf den Titel HEART OF THE PHOENIX, beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und scheint ausnahmsweise mal nicht da weiterzumachen, wo die stets siegessicheren Musiker auf und mit DREAMCHASER aufgehört hatten. Das wiederum hat eine gleichermaßen markante wie angenehme Folge: es scheint, als würden sich VICTORIUS auf ihrem HEART OF THE PHOENIX wieder etwas mehr an dem mit THE AWAKENING vorlegten Sound orientieren. Der ganz große Überraschungseffekt bleibt damit zwar aus, doch immerhin begeht die Band keine ähnlichen Fehler wie noch auf DREAMCHASER – dem insgesamt schlicht der nötige Biss fehlte.

HEART OF THE PHOENIX dagegen kann es wieder weitaus effektiver entfachen, das spezielle Feuerwerk der Marke VICTORIUS. Mit ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Musiker dieses Mal etwas mehr Zeit genommen und sich explizit auf ihr Songwriting konzentriert haben – was man dem Album auch zu jedem Zeitpunkt anmerkt. So kann man sich bereits der Wirkungskraft des furiosen Openers SHADOWWARIORS kaum entziehen – wobei es im weiteren Albenverlauf sogar noch besser wird. Das folgende HERO beispielsweise begeistert mit seinem galoppierenden Anspruch, dem knackigen Riffing und den perfekt in Szene gesetzten Keyboardeinschüben. Der absolute Höhepunkt wird dann aber vermutlich mit brachialen Trio aus dem thematisch an VEONITY erinnernden, überraschend gut funktionierenden SONS OF ORION (allein die instrumentale Passage gegen Ende ist Gold wert), dem in jeder Hinsicht mächtigen Titeltrack HEART OF THE PHOENIX sowie EMPIRE OF THE DRAGONKING zelebriert – so gut klangen VICTORIUS nicht einmal auf THE AWAKENING. Hier von einem geradezu triumphalen Gesamteindruck zu sprechen, trifft es wohl recht genau – denn auch die Refrains, Soli-Passagen und Background-Gesänge (hört man genau hin, glaubt man einstweilen an OLYMPOS MONS erinnert zu werden) wurden in Bezug auf ihre Qualität und Effektivität auf ein so noch nicht von VICTORIUS gekanntes Niveau gehievt.

Anders gesagt: HEART OF THE PHOENIX klingt endlich wieder nach einem gleichermaßen energetischen wie spaßigen deutschen Power Metal, der sich in Bezug auf seine hymnischen Melodien und die damit einhergehende mitreißende Wirkung alles andere als verstecken muss. Gut ist, dass die handwerklichen Aspekte eben diese Feststellung zusätzlich untermauern. Analog zur deutlich variableren, variantenreicheren Spielweise der Band überzeugt vor allem die Handhabung der Gitarren – und der bei VICTORIUS eigentlich immer bestmöglich in Szene gesetzte Sound. Die für alle Seiten vorteilhaft ausfallende Abmischung und die ausgewogen-druckvolle Produktion lassen jedenfalls kaum Wünsche offen.

Eine kleine handvoll Dinge könnte man HEART OF THE PHOENIX dann aber vielleicht doch noch vorwerfen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass VICTORIUS nicht gerade mit Innovationen um sich werfen – und sich nach wie vor zahlreiche Parallelen zu anderen alteingesessenen Bands mit einer ähnlichen Spielart ergeben. Zwar wirkt sich das dieses Mal nicht ganz so gravierend aus, aber dennoch: HEART OF THE PHOENIX markiert insgesamt durchaus einen recht beherzten Griff in die allgemeine Power Metal-Klischeekiste. Zum anderen gilt es zu vermelden, dass Leadsänger David Baßin über die Jahre zwar maßgeblich an sich und seiner Darbietung gearbeitet hat – aber noch immer nicht zu den besten oder prägnantesten Genre-Frontmännern gehört. Glücklicherweise überwiegen im Falle von HEART OF THE PHOENIX aber die positiven Aspekte, sowie sicher auch der enorme Spaßfaktor – sodass problemlos eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen werden kann. Effektiver als das jeweils neueste Material von HAMMERFALL oder BLOODBOUND ist das Ganze schließlich in jedem Fall…

Absolute Anspieltipps: SONS OF ORION, HEART OF THE PHOENIX, EMPIRE OF THE DRAGONKING


„Das klingt schon eher nach VICTORIUS.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dreamchaser (2014)

Alben-Titel: Dreamchaser
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Patrick Ziege – Drums
Sebastian Rasch – Guitars

Track-Liste:

1. Twilight Skies (05:03)
2. Day of Reckoning (04:48)
3. Dragonheart (04:45)
4. Fireangel (04:35)
5. Dreamchaser (03:33)
6. Battalions of the Holy Cross (03:57)
7. Blood Alliance (04:24)
8. Speedracer (03:37)
9. Where Ravens Fly (05:19)
10. Black and White (04:07)
11. Silent Symphony (04:56)

Gut Ding will Weile haben… eigentlich.

VICTORIUS sind eine bereits im Jahre 2004 gegründete Power Metal-Combo aus dem Osten Deutschlands, die sowohl ihre erste kurze Demo als auch ihr Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) noch in kompletter Eigenregie veröffentlichten. Eben jenes Debütalbum war es aber auch, welches nur einen höchst gemischten Eindruck hinterlassen konnte – VICTORIUS waren noch weit davon entfernt, ihr Potential voll auszuschöpfen. Mit dem zweiten Album THE AWAKENING (Review) sowie der analogen Label-Aufnahme bei Sonic Attack Records aber schien die Band plötzlich markant aufzublühen, war so gesehen kaum wiederzuerkennen – sodass sie sich endlich in die Herzen zahlreicher Power Metal-Fans spielen konnte. Etwas ungewöhnlich, mindestens aber gewagt war wiederum der Schritt; nicht einmal zwei Jahre darauf schon den Nachfolger DREAMCHASER ins Rennen zu schicken. Und tatsächlich: das unter Umständen als konsequent zu betrachtende Album mag die Karriere der Band sowie ihre angepeilte Spielart weiter gefestigt haben – markierte insgesamt betrachtet aber wieder einen kleinen Rückschritt im Werdegang und der Diskografie von VICTORIUS.

Mit ein Grund dafür ist, dass die 11 enthaltenen Titel kaum eine ähnlich überraschende und überzeugende Wirkung entfalten können wie das auf THE AWAKENING enthaltene Material – aber auch, dass sich VICTORIUS offenbar schon etwas zu früh zurückgelehnt und eher auf eine sichere Nummer gesetzt hatten. Das Ergebnis fiel entsprechend ernüchternd aus: mit den insgesamt 11 auf DREAMCHASER enthaltenen Titeln ließ und lässt sich schlicht kein Blumentopf gewinnen. Eventuell mit Ausnahme der zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen, sowie der abermals recht überzeugenden Abmischungs- und Produktionsarbeit; die das noch recht rohe und raubeinige Werkeln des Debütalbums endgültig vergessen lassen. Doch gerade in Bezug auf die Effektivität des Songwritings, die Herausarbeitung etwaiger Alleinstellungsmerkmale und die letztendlich erzielte Gesamtwirkung sieht es vergleichsweise düster aus. Anders gesagt: DREAMCHASER präsentiert einen absolut Genre-typischen, leicht zu verwechselnden Power Metal mit vielen austauschbaren Momenten.

Da hilft es auch nicht viel, dass sich VICTORIUS in handwerklicher Hinsicht weiterentwickelt hatten und das Album zumindest aus einer eher oberflächlichen Warte heraus gut klingt. Mehrere, aufgrund der vergleichsweise einfachen Struktur des Albums eigentlich nicht nötige Durchläufe zeigen dann aber vor allem eines: ein wirklich nennenswerter Effekt ergibt sich nicht. Stellvertretend dafür steht schließlich schon der gesamte Alben-Auftakt Pate: Nummern wie TWILIGHT SKIES, DAY OF RECKONING, DRAGONHEART oder FIREANGEL wechseln sich mit ihren angepeilten Geschwindigkeiten vorhersehbar ab, bleiben relativ harmlos, klingen verdächtig unspektakulär – und entsprechen mitunter den übelsten, zumindest in dieser expliziten Form eher zu vermeidenden Genre-Klischees. Es sei denn natürlich, man nimmt sich selbst nicht allzu ernst – doch das schien und scheint bei VICTOIUS durchaus der Fall zu sein. Immerhin: gegen Mitte des Albums, respektive ab BATALLIONS OF THE HOLY CROSS wird es wieder etwas interessanter. Und: die Leistung, oder eher die im Vergleich zum Debütalbum leistungsspezifische Wandlung von Leadsänger David Baßin ist nach wie vor beeindruckend.

Doch schlussendlich wird aus DREAMCHASER nicht viel mehr als ein relativ müde wirkender Abklatsch einiger BLOODBOUND-Alben, vermengt mit einigen hie und da eingesetzten Tempo-Schüben a’la CELLADOR oder DRAGONFORCE – und ganz und gar kläglichen balladesken Ambitionen wie in SILENT SYMPHONY. Was auch immer geschehen war – VICTORIUS klingen auf ihrem dritten Studioalbum viel zu generisch, austauschbar, emotionslos; kurzum: schlicht zu simpel und oberflächlich. Dank der akzeptablen handwerklichen Leistungen und des insgesamt knackigen Sounds waren und sind sie dabei noch immer vom Status ihres Debütalbums entfernt – doch mit dem überraschend guten THE AWAKENING hat das Ganze ebenfalls nicht viel am Hut.

Absolute Anspieltipps: BATALLIONS OF THE HOLY CROSS, BLOOD ALLIANCE, WHERE RAVENS FLY


„Viel mehr Berg- und Talfahrt geht eigentlich nicht.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Gallery Of Demos (Compilation, 1998)

Alben-Titel: Gallery Of Demos
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Oktober 1998
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Christian Gunnarsson, Mikael Blohm, Kim Koivo, Marko Nicolaidis, Claes Wikander – Bass
Fredrik Gröndahl, Kujtim Gashi, Martin Tilander – Drums
Jukka Kaupaamaa, Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. The Dragon’s Lair (05:01)
2. Victims of the Frozen Hate (05:29)
3. Interstellar War (04:47)
4. Another Race (04:20)
5. Rage on the Sea (06:35)
6. The Final Sign (03:59)
7. Twilight Dreams (05:15)
8. Extreme Paranoia (03:37)
9. Winds of the Free (04:40)
10. A Tale of Forgotten Realms (05:44)
11. The Shadowed Path (04:42)
12. Strange Dimension (05:52)
13. Queen of the Night (05:58)
14. Crystal Eyes (03:27)
15. We Are the Future (03:27)

Einladung zu einer ganz besonderen Werkschau.

Nicht wenige Bands haben sie noch – oder eher schon immer – in ihrer offiziellen Diskografie: gute alte Demos, die einst die Aufgabe hatten einen hoffentlich positiven Ersteindruck zu hinterlassen. Auch die schwedischen Power Metaller von CRYSTAL EYES bilden da keine Ausnahme – wobei man könnte sogar sagen könnte, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Schließlich wurden im Zeitraum von der eigentlichen Bandgründung im Jahre 1992 bis hin zum kongenialen Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) gleich 4 Demos veröffentlicht – damals noch im längst vergessenen Kassetten-Format, und mit nicht mehr als jeweils 3 oder 4 Titeln. Glücklicherweise aber, und das wiederum ist eher selten; haben sich die Schweden irgendwann dazu entschlossen auch diese frühen Band-Ergüsse für die Nachwelt zu erhalten. So erschien 1998 die Compilation GALLERY OF DEMOS, auf CD und ohne die Hilfe eines Labels – die neben allen auf den vorherigen Demos enthaltenen Nummern auch einen Bonus in Form des bis dato unveröffentlichten STRANGE DIMENSION enthält.

Viel wichtiger als das ist wohl aber die Tatsache, dass man dank jener Veröffentlichung auch heute noch die Chance erhalten kann einen Blick auf das frühere Schaffen der Band zu werfen. Früher, das bedeutet in diesem Fall früher als das Debütalbum aus dem Jahre 1999 – welches an sich schon einen recht klassischen, zeitlosen und auch mal dezent an RIOT und ihr 1988’er Meisterwerk THUNDERSTEEL (Review) erinnernden Sound an den Tag legte. Umso interessanter ist es, fast alle der auf eben jenem Debüt enthaltenen Nummern in einer wenn man so will noch raueren, ursprünglicheren, grundsätzlicheren Fassung zu erleben. Auch – und das ist der wohl einzige nötige Einschub – wenn man sicher nicht umsonst behaupten konnte, dass die CRYSTAL EYES ihren Sound für WORLD OF BLACK AND SILVER erstmals in einem bemerkenswerten Ausmaße perfektioniert hatten. Der hier vor allem in gesanglicher Hinsicht noch etwas ungeschliffene Eindruck von Nummern wie THE DRAGON’S LAIR, INTERSTELLAR WAR, EXTREME PARANOIA oder RAGE ON THE SEA führt so in jedem Fall dazu, dass die Demo-Compilation keinesfalls dem Debütalbum vorzuziehen ist.

Dennoch, gerade aus der Sicht eines Sammlers oder eingefleischter CRYSTAL EYES-Fans ist eine Compilation wie diese natürlich Gold wert – nicht zuletzt dank der zahlreichen Nummern, die es nicht auf das Debütalbum oder spätere Werke geschafft hatten. Zumindest nicht in kompletter Form – schließlich hat Band-Mastermind Mikael Dahl  selbst darauf hingewiesen, dass er sich für spätere Alben auch einiger älterer und nach den Demos nicht mehr veröffentlichter Song-Elemente bedient hat. So eignet sich die GALLERY OF DEMOS auch perfekt dazu, noch einmal genau hinzuhören und nachzuforschen – was durchaus zu einer waschechten Herausforderung werden kann. A TALE OF FORGOTTEN REALMS beispielsweise wurde später doch noch für das letztaktuelle CRYSTAL EYES-Album KILLER (siehe Review, hier schlicht FORGOTTEN REALMS betitelt) wiederverwendet – ist aber kaum noch mit der ursprünglichen Fassung zu vergleichen.

Absolute Anspieltipps: THE FINAL SIGN, THE SHADOWED PATH, CRYSTAL EYES, WE ARE THE FUTURE


„Ein durch und durch lohnenswertes Stück Metal-Geschichte.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – The Awakening (2013)

Alben-Titel: The Awakening
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. März 2013
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

David Baßin – Vocals
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
Steven Dreißig – Guitars
Rene Wähler – Drums

Track-Liste:

1. Age of Tyranny (03:33)
2. Starfire (03:50)
3. The Awakening (04:31)
4. Lake of Hope (04:27)
5. Under Burning Skies (03:50)
6. Black Sun (04:15)
7. Demon Legions (05:55)
8. Through the Dead Lands (04:42)
9. Call for Resistance (04:21)
10. Kings Reborn (04:29)
11. Metalheart (03:38)

Alles, nur kein böses Erwachen.

Sie sind vergleichsweise selten, doch es gibt sie – Bands; die nach einem eher mittelprächtigen Karriestart und den damit einhergehenden kritischen Rückmeldungen plötzlich doch noch geneigt sind, alle Register ziehen. Doch ganz egal ob die deutschen Power Metaller von VICTORIUS nun tatsächlich einige Überstunden eingelegt; oder sich schlicht noch einmal konspirativ zu einer fruchtbaren Grundsatzdiskussion zusammengesetzt hatten – das Ergebnis in Form des zweiten Band-Langspielers THE AWAKENING kann sich allemal sehen und hören lassen. Und das aus vornehmlich einem Grund: VICTORIUS legten speziell in Bezug auf den Leadgesang von David Baßin – und damit einhergehend auch die Inszenierung der inhaltlichen Komponente – einen regelrechten Quantensprung hin. Neben der eher schwachbrüstigen Produktion war vor allem das eines der großen Mankos des Debütalbums UNLEASH THE TITANS (siehe Review) – das damit eher den Eindruck eines schnellen Hobby-Outputs denn eines lange geplanten Meisterstücks erweckte.

Umso schöner erscheint es, mit dem Zweitwerk THE AWAKENING nun tatsächlich eine kleine Sound-Revolution zu erleben. Was genau in und mit der Band passiert war steht in den Sternen, aber: man hört deutlich, dass es VICTORIUS endlich geschafft hatten ihre eigene Identität zu finden. Anders gesagt: nach dem noch nicht wirklich aussagekräftigen, einstweilen etwas unentschlossen wirkenden Debütalbum schien die Spielart plötzlich gefestigt. THE AWAKENING bietet dem geneigten Genre-Konsumenten so eine äußerst eingängige und dabei stets handwerklich überzeugende Power Metal-Mixtur; die stilistisch irgendwo zwischen den flott agierenden Kollegen von CELLADOR, den hymnischen Fanfaren von FREEDOM CALL und vielleicht auch den Schweden von BLOODBOUND  anzusiedeln ist. Andere wiederum ziehen gerne die Briten von DRAFONFORCE zwecks eines Vergleiches zu Rate, und auch das erscheint nicht gänzlich abwegig. Wobei man lediglich einschieben müsste, dass VICTORIUS vergleichsweise gemäßigt zu Werke gehen, nicht nur was die Soli betrifft – und somit auch kein Problem mit stampfenden Midtempo-Nummern a’la LAKE OF HOPE haben.

Im Falle von THE AWAKENING hat man also die Qual der Wahl. Sollen es nun die temporeicheren, nicht nur in den Refrains mit einem starken Hymnen-Potential ausgestatteten Brecher a’la AGE OF TYRANNY, UNDER BURNING SKIES oder KINGS REBORN sein – oder doch lieber die mit dezenten progressiveren Strukturen ausgestatteten, sicher nicht minder spektakulären Nummern vom Schlage eines THE AWAKING oder BLACK SUN ? Denn auch oder gerade hier überzeugen VICTORIUS in einem ganz und gar überraschenden Ausmaß. Insgesamt betrachtet hatten VICTORIUS schlicht vieles richtig gemacht – sodass sie mit THE AWAKENING endlich auf dem richtigen Weg waren.

Absolute Anspieltipps: AGE OF TYRANNY, THE AWAKENING, UNDER BURNING SKIES, BLACK SUN


„Erst Recht nach dem eher durchwachsenen Debütalbum ein ganz schön starkes Stück.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieses Album einen Platz in der ewigen Metal-Bestenliste erkämpft.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Unleash The Titans (2010)

Alben-Titel: Unleash The Titans
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Januar 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Tyl Fiedler – Drums
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Steven Dreißig – Guitars

Track-Liste:

1. Unleash the Titans (03:36)
2. Oblivion (03:16)
3. Stormrider (03:46)
4. Break the Spell (04:11)
5. Wings of Destiny (04:11)
6. Slave to the Dark (03:37)
7. Last Sanctuary (03:38)
8. Fly with Me (04:12)
9. Angel (03:33)

Ja dann… lassen wir sie mal frei, die Titanen.

VICTORIUS ist eine 2004 gegründete Power Metal-Combo aus Deutschland, die im Jahre 2008 eine erste offizielle Demo an den Start gebracht hat. Bevor die Band aber von einem Label unter Vertrag genommen und analog dazu auch einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte, sollten noch einige Jahre vergehen. Aus eben jener Zwischenphase stammt auch das vorliegende Debütalbum UNLEASH THE TITANS, welches 9 Titel bei einer recht übersichtlichen Gesamtspielzeit von 34 Minuten beinhaltet – und von der Band noch in kompletter Eigenregie produziert und vermarktet wurde. Das gleichermaßen interessante wie kuriose dabei ist, dass VICTORIUS nicht nur deshalb vergleichsweise schlecht abgeschnitten hatten – sondern auch davon unabhängig nur ein eher mäßiges Genre- respektive Debütalbum abliefern konnten. Eines, welches nur wenig mit der später glücklicherweise doch noch erreichten Stilsicherheit der Band am Hut hatte. Anders gesagt: zu den interessanteren Debütalben diverser aufstrebender Bands, denen eine gewisse Magie sowie der spürbare Drang mehr erreichen zu wollen innewohnt; gehört UNLEASH THE TITANS nicht – oder nur höchst eingeschränkt.

Denn neben der eher schwachbrüstigen, insbesondere für die Gitarren zum Nachteil ausfallenden Abmischungs- und Produktionsarbeit hat das Album mindestens eine weitere frappierende Schwäche. Oder eher zwei, schließlich ist weder das was Leadsänger David Baßin hier von sich gibt von besonderer Bedeutung, noch kann seine gesangliche Darbietung generell überzeugen – mit Darbietungen wie der in BREAK THE SPELL, dem auch sonst recht merkwürdigen LAST SANCTUARY oder dem balladesken ANGEL als negative Paradebeispiele. Dabei ist insbesondere das einer der Gründe dafür, dass viele der vertretenen Nummern wie ein relativ müder Abklatsch diverser sogenannter True Metal-Bands a’la MAJESTY oder WIZARD wirken – die grundsätzlich soliden, aber eben auch alles andere als spektakulären Instrumentalparts sowie die selbst im Vergleich zu den frühen WIZARD geradezu kärglich ausfallenden Gangshouts erledigen den Rest. Immerhin geben einige Riffs und harmonische Strukturen (wie etwa in STORMRIDER) einen dezenten Hinweis darauf, dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt mehr in VICTORIUS geschlummert hatte als sie es in der Lage waren zu zeigen – doch gegen den insgesamt eher platten Gesamteindruck konnten und können diese feinen Nuancen auch nicht mehr viel ausrichten.

Was dem Debütalbum somit bleibt, ist sein eher rauer und ungeschliffener Eindruck – der die Musiker von VICTORIUS in einer frühen, potentiell interessanten Schaffensphase zeigt. Wer seine Sammlung vervollständigen möchte, kann also getrost zuschlagen – wer dagegen nur auf die Essenz von VICTORIUS aus ist; der sollte UNLEASH THE TITANS vielleicht eher überspringen und mit den späteren, besseren Alben beginnen.

Absolute Anspieltipps: UNLEASH THE TITANS, STORMRIDER


„Eine interessante, insgesamt aber viel zu ungeschliffene und gerade in gesanglicher Hinsicht problematische Werkschau.“