Metal-CD-Review: DOMINE – Emperor Of The Black Runes (2004)

Alben-Titel: Emperor Of The Black Runes
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Februar 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars, Vocals (choirs)
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. Overture Mortale (Intro) (01:09)
2. Battle Gods (of the Universe) (04:58)
3. Arioch, the Chaos Star (05:06)
4. The Aquilonia Suite – Part I (11:01)
5. The Prince in the Scarlet Robe (The Three Who Are One – Part I) (06:53)
6. Icarus Ascending (06:29)
7. The Song of the Swords (05:41)
8. The Sun of the New Season (An Homecoming Song) (08:41)
9. True Believer (05:58)
10. The Forest of Light (03:28)

Ein Feldzug der allemal überzeugenden Sorte.

Nein, wirklich hübsch waren die Cover zu den DOMINE-Alben noch nie. Dass das vorliegende, 2004 erschienene vierte Studioalbum EMPEROR OF THE BLACK RUNES den diesbezüglichen Vogel sogar noch einmal abschießt; muss indes nicht viel bedeuten. Immerhin hatten sich die Italiener mit ihren vorherigen Alben alles andere als die Blöße gegeben – und sich zu einer starken Power Metal-Combo entwickelt, mit der man um die Jahrtausendwende herum einfach rechnen musste. Alben wie DRAGONLORD (siehe Review) und STORMBRINGER RULER (Review) sollten jedenfalls in keiner gut sortierten Genre-Sammlung fehlen – so klischeehaft und vorhersehbar die dahinterstehenden Konzepte auch erscheinen mögen. Dabei zeigte sich gerade im Falle einer Band wie DOMINE, dass es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen – und entsprechende Äußerlichkeiten (wie etwa auch die zutiefst gewöhnungsbedürftigen Artworks) einfach mal gekonnt zu ignorieren. Entsprechend wenig überraschend war und ist in jedem Fall, dass auch EMPEROR OF THE BLACK RUNES keinen nennenswerten Keil in die grundsätzlich hervorragende Diskografie der Italiener getrieben hatte – und mit seinem überschwänglichen Konzept sowie der für DOMINE typischen Gangart irgendwo zwischen einer ordentlichen Portion Pomp und einer noch größeren Portion Kraft alle Fans der Combo zufriedenstellen sollte. Und sicher auch generelle Freunde eines zünftigen italienischen Power Metals, der mit frühen Bands wie DRAKKAR ganz ähnliche und durchaus mit DOMINE vergleichbare Genre-Combos anzubieten hatte.

Allerdings, und diesen Vorwurf muss man EMPEROR OF THE BLACK RUNES unter Umständen machen: ganz so frisch, feurig und gnadenlos stampfend wie seine Vorgänger ist das Album dann doch nicht ausgefallen, was man schon mit dem dezent überzeichneten Intro OVERTURE MORTALE sowie dem Opener BATTLE GODS feststellen wird.  Zwar hatten sich DOMINE diese Messlatte durch allerlei denkwürdige Auftakte (wie zuletzt etwa mit dem furiosen THE HURRICANE MASTER) quasi selbst auferlegt – doch ein wenig mehr wäre sicher auch hier drin gewesen. Zumal die symphonischen Ausstaffierungen in BATTLE GODS nicht unbedingt das gelbe vom Ei sind, was auch für die hier ausnahmsweise mal eher plump wirkenden Chöre gilt – und DOMINE ihre Stärken weiterhin in der lebhaften Auslegung des Zusammenspiels aus wunderbar frickelnden Gitarren, einem antreibenden Schlagzeug und der unverkennbaren Leadstimme von Morby hatten. Der Bass wird in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt, was man EMPEROR OF THE BLACK RUNES ebenfalls anlasten könnte – hier wurde einiges zugunsten eines noch, man nenne es voluminöseren Sounds links liegen gelassen.

Und das ist vermutlich auch das größte Problem des Albums: es klingt stellenweise einfach etwas zu aufgeblasen, und Nummern wie ICARUS ASCENDING oder THE SONG OF THE SWORDS kommen schlicht mit zu vielen ungünstigen bis dezent nervigen Elementen daher. Zwar ist es angenehm zu hören, dass DOMINE mit Maßnahmen wie diesen eine dezente Weiterentwicklung ihres Sounds angestrebt hatten – doch wenn dafür die ursprünglich so einzigartige, schlicht unwiderstehlich packende und mitreißende Gesamtwirkung des Liedguts auf der Strecke bleibt; ist klar wofür man sich eher entscheiden würde. Geht man noch weiter ins Detail und vergleicht etwa die Gesangsdarbietung von Morby mit den vorherigen, wären theoretisch auch hier einige Abstriche zu machen (was sicher auch für einen explizit  balladesken Einschub wie THE FOREST OF LIGHT gilt), doch davon soll an dieser Stelle abgesehen werden. Und das auch, da EMPEROR OF THE BLACK RUNEs trotz allem ein gutes bis sehr gutes Power Metal-Album geworden ist. Eines, dass den Vergleich mit den Werken anderer Genre-Combos keineswegs scheuen muss – und mit Titeln wie THE AQUILONIA SUITE oder TRUE BELIEVER noch immer einige waschechte Kracher im Gepäck hat. Lediglich im Vergleich mit den vorherigen drei Alben muss es dezent hintenan stehen – trotz der wahrlich sagenhaften Ideen-Konstrukte und der neuerlichen weiblichen Gesangsunterstützung in zumindest zwei Titeln.

Absolute Anspieltipps: BATTLE GODS, THE AQUILONIA SUITE, TRUE BELIEVER


„Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran – viel falsch machen kann man aber auch hier nicht.“

Advertisements

Metal-CD-Review: LORD BYRON – Fly Free (2000)

Alben-Titel: Fly Free
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Juli 2000
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic / Power Metal, Hardrock
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jens Bosenick – Drums
Uwe „Rufus“ Baumunk –  Guitars
Matthias „Rossi“ Roßmannek – Guitars
Olaf Hayer – Vocals
Stefan Meyer-Michaelis – Bass

Track-Liste:

1. Holy War (05:13)
2. Yugoslavia (04:47)
3. Let the Fire Burn (04:33)
4. Ride the Sky (04:55)
5. Survivor of the Holy Storm (03:39)
6. Fly Free (06:16)
7. Love Stays Forever (06:18)
8. One Heart (06:14)
9. It’s Your Life (05:10)
10. Take My Hand (06:05 )
11. The Life I’m Longing For (06:14)

Ein Schatz, der darauf wartet entdeckt zu werden ?

Bei der Durchforstung der Power Metal-Historie so manch hochkarätiger Combo (oder wahlweise auch einzelner Künstler) kann es durchaus vorkommen, dass man auf eher unerwartetes stößt. Das könnte oder sollte man vermutlich auch von LORD BYRON behaupten, einer 1993 gegründeten und schon lange nicht mehr aktiven Band aus Braunschweig – die nach ihrer nicht unbedingt geistreich betitelten Demo 90-60-90 (das war 1995) schlussendlich das Debütalbum FLY FREE veröffentlichte. Selbiges ist dabei tatsächlich etwas besonderes, wenn auch nicht zwingend aus musikalischer Sicht – sondern vielmehr im Hinblick auf die beteiligten Musiker. Denn: so unbekannt ein Großteil der Bandmitglieder auch geblieben ist (und das bis heute), so bekannt und dabei nicht selten hoch geschätzt war und ist zumindest der Leadsänger der Combo. Gemeint ist niemand geringerer als Olaf Hayer – der sich einige Jahre nach seiner Zeit bei LORD BYRON zu einem waschechten Power Metal-Allrounder mauserte, und unter anderem Alben von LUCA TURILLI (etwa das zeitlose PROPHET OF THE LAST ECLIPSE, siehe Review), DIONYSUS (hier war er Frontmann) oder MAGIC KINGDOM (SYMPHONY OF WAR, siehe Review) mit seiner unverkennbaren Stimme veredelte.

Umso interessanter ist es natürlich, auch einmal einen Blick auf die Anfänge oder zumindest noch früheres Material zu werfen – was sich im Falle von FLY FREE als bunt gemischtes Paket aus explizit balladesk Lagerfeuerstimmungen (LET THE FIRE BURN), partytauglich-rockigen bis dezent albernen Gassenhauern (SURVIVOR OF THE HOLY STORM), allerlei schmachtenden Halbballaden (ONE HEART); aber eben auch einer Power Metal-Hymne wie HOLY WAR präsentiert. Gerade die sollte aus dem heutigen Wissensstand heraus überaus interessant für all jene sein, die die gemeinsame Ära von Luca Turilli und Olaf Hayer nicht zu Unrecht loben – und das vornehmlich, da man hier von einer allemal hörenswerten Vorwegnahme des später geschmiedeten Materials sprechen könnte. Interessanterweise findet sich eben jene Nummer dann auch auf dem ersten DIONYSUS-Album SIGN OF TRUTH (siehe Review) wieder. In einer überarbeiteten Version, versteht sich – und in einem zugegebenermaßen passenderen musikalischen Umfeld.

Denn, und trotz aller Liebe zur Nostalgie – FLY FREE als eines der klassischen Power Metal-Alben zu bezeichnen, wäre dann doch etwas weit hergeholt. Mit ein Grund dafür sind das dann doch etwas zu häufige Aufkommen von eher experimentellen Titeln ohne eine klare Marschrichtung (LOVE STASY FOREVER, IT’S YOUR LIFE, TAKE MY HAND), die bereits erwähnte und für einige sicher deutlich zu lockere rockige Komponente, das generell wenig anspruchsvolle Inhaltskonzept (Stichwort: Frauen und Romanzen) sowie das längst nicht voll ausgeschöpfte Potential in Anbetracht von auffallend langatmigen Stampfern wie dem Titeltrack FLY FREE. Fest steht: bis auf das hervorragende HOLY WAR und eventuell noch das inhaltlich ansprechendere YUGOSLAVIA sowie die beinahe-Hymne RIDE THE SKY gibt das Album nicht allzu viel her – zumindest nicht im Sinne eines klassischen Power Metals.

Absolute Anspieltipps: HOLY WAR, RIDE THE SKY


„Ein Muss für Fans von Olaf Hayer – für alle anderen bleibt FLY FREE höchstwahrscheinlich nur musikalische Durchschnittskost.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme) (2001)

Alben-Titel: Stormbringer Ruler – Legend Of…
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Januar 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Morby – Vocals
Enrico Paoli – Guitars
Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Stefano Bonini – Drums

Track-Liste:

1. The Legend of the Power Supreme (01:30)
2. The Hurricane Master (04:32)
3. Horn of Fate (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 2) (07:33)
4. The Ride of the Valkyries (07:15)
5. True Leader of Men (06:19)
6. The Bearer of the Black Sword (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 1) (07:21)
7. The Fall of the Spiral Tower (06:14)
8. For Evermore (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 3) (06:24)
9. Dawn of a New Day – A Celtic Requiem (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 4) (10:58)

Wenn die Herrschaft über Drachen nicht ausreicht.

Ja, die Italiener von DOMINE hatten nicht unbedingt einen guten Start. Zumindest keinen, den man so hätte erwarten können – wofür allein die lange Wartezeit von immerhin 14 Jahren steht, die die Band seit ihrer Gründung bis hin zum Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) verstreichen ließ. Doch offenbar musste die Zeit erst reif werden für die Italiener respektive ihre Musik, mit der DOMINE in den späten 90ern Jahren auf einen äußerst fruchtbaren Boden stießen – und das nicht nur in ihrem Heimatland Italien. Sicher, das Debütalbum hatte seine Schwächen; und das vor allem in Bezug auf die akustische Qualität der heroisch angehauchten Inszenierung – doch spätestens mit dem Zweitwerk DRAGONLORD (siehe Review) konnten derlei Probleme vollständig aus dem Weg geräumt werden. Wie man heute weiß, wurde es daraufhin aber noch lange nicht still um DOMINE; die schlicht ihr musikalisches Ding durchzogen und sich nicht wirklich um das scherten was all die anderen Genre-Bands fabrizierten – sodass mit dem dritten offiziellen Studioalbum STORMBRINGER RULER gewissermaßen zu rechnen war.

Entsprechend wenig überraschend ist, dass das Album in etwa dort ansetzt wo man mit und auf DRAGONLORD aufgehört hatte – wobei man aber keineswegs von einem Wiederholungseffekt im negativen Sinne ausgehen sollte. Anders gesagt: auch wenn STORMBRINGER RULER zweifelsfrei als DOMINE-Release zu identifizieren ist und einige der hier vertretenen Nummern genauso gut auf dem Vorgänger hätten Platz finden können, stellen sich dennoch kaum Ermüdungserscheinungen ein. Schließlich macht schon der Auftakt des Albums klar, wohin die Reise gehen soll: während das eigentliche Intro THE LEGEND OF THE POWER SUPREME bereits ordentlich Stimmung macht (und in der Retrospektive dezent an DRAGONLAND’s Intro zu UNDER THE GREY BANNER erinnert); gelang den Italienern mit THE HURRICANE MASTER eine ihrer wohl schlagkräftigsten Nummern überhaupt. Die hier präsentierte Energie, Spielfreude und auch Sangeslust seitens des sich alles andere als zurückhaltenden Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby wird man jedenfalls nur allzu gerne annehmen – und das vermutlich auch dann, wenn man der italienischen Power Metal-Szene schon immer ein wenig skeptisch gegenübersteht.

Das sich DOMINE aber nicht nur wiederholten oder versuchten Abwandlungen des immer gleichen musikalischen Schemas an den Mann zu bringen, zeigt sich mit Nummern wie HORN OF FATE (das eine für die Italiener typisch mitreißende bis extrem hymnische Wirkung etablieren kann, im Refrain aber etwas andere Wege geht), dem vergleichsweise ruhig-stampfenden sowie mit einigen klassischen Bezügen und symphonischen Verzierungen ausgestatteten THE RIDE OF THE VALKYRIES, dem von einer längeren Akustik-Passage eingeleiteten THE BEARER OF THE BLACK SWORD oder dem gesanglich erfrischenden THE FALL OF THE SPIRAL TOWER. Während TRUE LEADER OF MEN problemlos als weiterer hochkarätiger DOMINE-Brecher durchgeht, offenbaren sich mit FOR EVERMORE und DAWN OF A NEW DAY dann aber die vielleicht einzigen wirklichen Knackpunkte des Albums. Der Grund dafür ist schnell gefunden: im ersten Fall haben DOMINE zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte nicht davor zurückgeschreckt, eine waschechte Ballade zu inszenieren – und dazu noch eine, die grundsätzlich alle typischen Genre-Klischees bedient. Immerhin, einen in jedem Fall positiven Aspekt hat das Ganze: man bekommt erstmals auch eine gänzlich andere Seite von Leadsänger Adolfo Morviducci zu Gesicht, der den hier dargebotenen Stimmen-Spagat überraschend vorzüglich meistert. Im zweiten Fall dagegen haben DOMINE schlicht etwas zu viele Durststrecken eingebaut, und die albern gesprochene Einleitung hätte ebenfalls nicht sein müssen.

Schlussendlich: mit ihrem STORMBRINGER RULER haben sich DOMINE alles andere als die Blöße gegeben. Einfach und schlicht ausgedrückt bedeutet das vornehmlich eines: wer schon dem (etwas besseren) Vorgänger DRAGONLORD eine gewisse Wertschätzung gegenüberbringen konnte, wird auch mit dem dritten Album der Italiener glücklich werden. Und das beinahe wunschlos, zumal auch dieses Mal absolut keine Schwächen in Bezug auf die Handhabung und klangliche Präsentation der Instrumente, die Abmischung oder andere Sound-relevante Aspekte festzustellen sind. An die generelle Ausreizung diverser Klischees, die überladenen Alben- und Titelbezeichnungen sowie die stets nicht gerade ansehnlichen Alben-Artworks wird man sich dann wohl auch noch gewöhnen können… vielleicht auch, da sie einfach typisch DOMINE sind.

Absolute Anspieltipps: THE HURRICANE MASTER, HORN OF FATE, TRUE LEADER OF MEN


„Der Stoff, aus dem (Power Metal-)Träume sind.“

Metal-CD-Review: RIOT V – Armor Of Light (2018)

Alben-Titel: Armor Of Light
Künstler / Band: Riot V (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. April 2018
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Todd Michael Hall – Vocals
Mike Flyntz – Guitars
Nick Lee – Guitars
Don Van Stavern – Bass
Frank Gilchriest – Drums

Track-Liste:

1. Victory (04:40)
2. End of the World (05:09)
3. Messiah (04:20)
4. Angel’s Thunder, Devil’s Reign (04:40)
5. Burn the Daylight (04:47)
6. Heart of a Lion (03:52)
7. Armor of Light (04:36)
8. Set the World Alight (04:52)
9. San Antonio (03:49)
10. Caught in the Witches Eye (04:56)
11. Ready to Shine (05:00)
12. Raining Fire (04:45)

Und es donnert wieder.

Es war einmal im Jahre 1988 – als eine bis dato eher unscheinbare US-Metal-Combo der damals noch nicht wirklich großen Power Metal-Welt einen wichtigen Dienst erwies, und mit THUNDERSTEEL (siehe Review) eines der auch oder gerade heute noch kultigsten Genre-Alben längst vergangener Tage auf den Markt brachte. Was darauf folgte, ist Geschichte – und führte analog zu den zahlreichen internen Neuaufstellungen, bei denen sich so manche (Alt-)Stars die Hände schüttelten; zum heutigen Erfolgsstatus und Bekanntheitsgrad von RIOT V. Und auch wenn inzwischen keines der eigentlichen Gründungsmitglieder mehr an Bord ist (Gitarrist Nick Lee beispielsweise stieß erst kürzlich dazu, wie auch der neue und durch seine Mitwirkung bei JACK STARR’S BURNING STARR bekannte Frontmann Todd Michael Hall), sind die Amerikaner noch lange nicht müde.

Eher scheint das Gegenteil der Fall, denn mit dem erstmals über Nuclear Blast erscheinenden ARMOR OF LIGHT legen die Jungs nicht nur ihr mittlerweile 16.tes Studioalbum vor (das in der optionalen 2-CD-Edition einige hochkarätige Live-Aufnahmen bereithält) – sondern auch eines, dass man in so mancherlei Hinsicht als erfrischend bezeichnen könnte. Zwar nicht in jeder, aber der zumindest der Ersteindruck hätte kaum besser ausfallen können. Anders gesagt: ARMOR OF LIGHT sprüht nur so vor Energie und beschwingter Spielfreude, besitzt ein recht großes Hymnen-Potential; und sollte dem geneigten Genre-Konsumenten runtergehen wie Öl. Dass die insgesamt 12 neuen Titel so gut funktionieren respektive klingen liegt dabei aber nicht nur an der eigentlich genau so erwarteten, absolut tadellosen Leistung von Todd Michael Hall und seinen Kollegen – sondern in weiten Teilen auch an den Abmischungs- und Produktionsfaktoren, für die sich der Amerikaner Chris Collier verantwortlich zeichnet. Fest steht: dafür, dass er offenbar noch nicht lange im Geschäft ist; klingt das Endprodukt schon recht ordentlich.

Trotz der ansehnlichen Zahl der somit entstandenen, im Großen und Ganzen problemlos wirksamen Genre-Hymnen gibt es dann aber dennoch ein Problem – oder vielleicht auch zwei. So war es sicher nicht unbedingt zu erwarten, dass sich die eben erwähnten (und dabei grundsätzlich positiv zu bewertenden) Faktoren in Bezug auf die Inszenierung von ARMOR OF LIGHT auch negativ auswirken könnten – was sich in diesem Fall in einem hie und da zu bemerkenden, schlicht etwas zu sauberen und / oder glatten Klangeindruck äußert. Zumal man auch hinsichtlich des Songwritings nicht allzu viel unternimmt um die recht gradlinige und kantenlose Gangart des Albums zu konterkarieren – die Strukturen sind stets klar (oder wahlweise auch vorhersehbar), wirkliche Ausreißer oder Momente, die einen entweder zum bedächtigen Innehalten oder zum staunenden Aufhorchen anhalten; gibt es nicht. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der zweite potentielle Schwachpunkt von ARMOR OF LIGHT in beinahe dieselbe Kerbe schlägt.

Schließlich erfinden RIOT V hier weder das Rad neu, noch sorgen sie für wirklich nachhaltige oder gar einzigartig-kultverdächtige Momente. Einstweilen scheint es sogar so, als würde man sich nur allzu explizit auf vergangenes respektive bereits erreichtes besinnen – wofür sich eingie Beispiele finden. Der Auftakt (eigentlich sogar nicht nur der) zu MESSIAH etwa erinnert stark an die Gangart und Atmosphäre von THUNDERSTEEL, der Beginn von HEART OF A LION an das glorreiche FLIGHT OF THE WARRIOR. Ein gewisser Wiederholungs-Effekt lässt sich jedenfalls kaum verhelen – was man der Band unter Umständen noch als Treuebonus anrechnen könnte, aber natürlich nur im besten Fall. Dass RIOT V dann ausgerechnet im nicht auf der Standard-Edition enthaltenen Bonustrack UNBELIEF ein überaus starkes, dem Album eine weitere interessante Facette verleihendes Intermezzo abfeiern – und das in einem wunderbar stampfenden Midtempo inklusive einer äußerst prägnanten Arbeit des Bass – ist dann ebenfalls dezent ärgerlich.

Den Konsumenten der regulären Edition bleibt damit vor allem ein Besinnen auf die einerseits für das Genre typischen, andererseits recht gut aufgehenden und schlagkräftigen Hymnen – wie etwa schon zum Alben-Auftakt in Form des kriegerischen Trios aus VICTORY, END OF THE WORLD und MESSIAH; sowie natürlich dem späteren HEART OF A LION oder dem Titeltrack ARMOR OF LIGHT. Auch hier gibt es ein wenig Abwechslung, etwa mit dem lockeren und dezent an die CRYSTAL EYES erinnernden SET THE WORLD ALIGHT oder dem deutlich langsameren (aber eben auch nicht gerade spektakulären) CAUGHT IN THE WITCHES EYE. Insgesamt ist damit vornehmlich zweierlei festzustellen: zum einen, dass sich der eingangs attestierte Ersteindruck hinsichtlich einer Erfrischung leider nicht auf gänzlich allen Ebenen bestätigen kann – und zum anderen, dass RIOT V dennoch und wieder einmal ein rundum solides bis überdurchschnittlich starkes Genre-Album gelungen ist. Sicher keines, dass einen ähnlichen Kultstatus erreichen wird wie einst THUNDERSTEEL; dafür hätte es noch etwas mehr Ecken und Kanten gebraucht – aber dennoch seine Daseinsberechtigung in einem bis dato noch nicht ganz so spektakulären Metal-Frühjahr 2018 hat. Fans der Amerikaner können – und sollten – in jedem Fall bedenkenlos zuschlagen.

Absolute Anspieltipps: VICTORY, MESSIAH, ANGELS THUNDER DEVILS REIGN, SET THE WORLD ALIGHT


„Das von der Band präsentierte Können ist (immer noch) ebenso groß wie der sich durch ARMOR OF LIGHT zweifelsohne ergebende Spaß- und Unterhaltungsfaktor.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Dragonlord (Tales Of The Noble Steel) (1999)

Alben-Titel: Dragonlord (Tales Of The Noble Steel)
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Juni 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals
Mimmo Palmiotta – Drums

Track-Liste:

1. Anthem (A Declaration of War) (01:34)
2. Thunderstorm (04:40)
3. Last of the Dragonlords (Lord Elric’s Imperial March) (06:43)
4. Blood Brothers‘ Fight (04:49)
5. Defenders (05:23)
6. Mars, the Bringer of War (01:03)
7. Dragonlord (The Grand Master of the Mightiest Beasts) (06:50)
8. Uriel, the Flame of God (06:32)
9. The Ship of the Lost Souls (06:31)
10. The Battle for the Great Silver Sword (13:13)

Wenn erst der zweite Schlag richtig sitzt.

Im Rahmen der auch heute noch gern gesehenen respektive gehörten musikalischen Relikte einer Zeit, in der sich nicht wenige italienische Power Metal-Combos auf den Weg gemacht hatten die Bühnen dieser Welt zu erobern; ist die Rechnung gewiss nicht ohne die bereits im Jahre 1983 gegründeten Musiker von DOMINE zu machen. Und das auch gerade weil die Band seinerzeit noch etwas brauchte, um ihren eigentlichen Siegeszug zu starten. Nach einigen kleineren Demos und der entscheidenden Verpflichtung des Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby war es dann aber endlich soweit – sodass DOMINE mit ihrem 1997 veröffentlichten Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) erstmals nachhaltig von sich hören lassen konnten; analog zu den ebenfalls in jenen frühen gestarteten Ambitionen von Bands wie etwa RHAPSODY OF FIRE. Dabei konnten sich DOMINE schon zu diesem Zeitpunkt insofern von ihrer Konkurrenz abheben, als dass sie einen extrem heroisch angehauchten, aber eben nicht symphonisch unterstützten oder progressiv angehauchten Power Metal inszenierten – wobei sich zunächst noch einige Schwächen hinsichtlich der Präsentation offenbarten.

Aber: schon im Zuge des zweiten Durchlaufs in Form von DRAGONLORD (TALES OF THE NOBLE STEEL), dem direkten (und auch inhaltlichen) Nachfolger zu CHAMPION ETERNAL; bewiesen DOMINE dass derartige Probleme von nun an der Vergangenheit angehören sollten – und legten ein rundum zufriedenstellend produziertes, wuchtiges und insgesamt 10 Titel starkes Nachfolgewerk vor. Eines, dass ebenfalls über das Label Dragonheart Records erschien und sich stilistisch eng am ähnlich episch aufgemachten Vorgänger orientierte; keine Frage. Dennoch vermochten es die Italiener, noch einmal eine ordentliche Schippe draufzulegen – und das in fast jeder Hinsicht. DRAGONHEART avancierte so nicht von ungefähr zu einem ebenso traditionellen wie packenden Power Metal-Pflichtprogramm – und hat auch heute noch nichts von seiner ursprünglichen Magie und Faszinationskraft eingebüßt. Gesetzt dem Fall natürlich, man ist dem Genre des Power Metal im allgemeinen zugeneigt – und hat auch nichts gegen eine ordentliche Priese Pomp, Pathos und je nach persönlicher Facón auch Kitsch einzuwenden. Immerhin: dass wie so oft mit typischen Begriffen um sich geworfen wird und die inhaltliche Gestaltung dementsprechend vorhersehbar ausfällt; wiegt bei einem bald 20 Jahre alten Album verständlicherweise nicht ganz so schwer wie bei neueren und eventuell verbrauchteren Genre-Erzeugnissen.

In jedem Fall aber hatten sich DOMINE Gedanken gemacht – und es dabei geschafft, den Vorgänger in vielerlei Hinsicht zu toppen. zum einen wären hier natürlich die bereits erwähnte Produktionsqualität und der allgemein wuchtige Soundeindruck zu nennen, der dem Album eine angenehm druckvolle Komponente verpasst. Zum anderen aber, und das ist das schöne; hatten sich DOMINE auch im Detail verbessert – wie etwa in Bezug auf ihre auf dem Vorgänger noch kaum auszuhaltenden Interludes mit den überschwänglichen, ellenlangen Sprechpassagen. Zwar gibt es ähnliche Momente auch auf DRAGONLORD, doch sind diese entweder extrem kurz (wie im Intro ANTHEM) oder aber so gehalten, dass sie problemlos zu überspringen sind (wie im recht überflüssigen MARS, THE BRINGER OF WAR). Vor allem aber lenken sie nicht vom Wesentlichen respektive dem ab, was DOMINE hier schon im Opener THUNDERSTORM abfackeln – was letztendlich nicht weniger als ein zeitlos gutes Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse ist. Und das nicht zuletzt auch, da die Abmischung recht vorteilhaft ausgefallen ist – und man beispielsweise stets ein Ohr für den von Riccardo Paoli gespielten Bass hat.

Aber auch in Bezug auf den Faktor Abwechslung hat man einiges vorgelegt: während LAST OF THE DRAGONLORDS das Tempo zunächst etwas drosselt – und das glücklicherweise nicht zu Lasten der dennoch hervorragenden Instrumentalstrecke in der Mitte – offenbart sich in BLOOD BROTHERS‘ FIGHT plötzlich eine teils merklich düsterere Atmosphäre, die dank der tadellosen Leistungen des Gitarristen Enrico Paoli sowie des Leadsängers Morby ebenso aufgeht wie der Rest des Albums. Sicher, in einer Nummer wie DEFENDERS gibt es bis auf den von DOMINE bereits gewohnten instrumentalen Kraftakt inklusive des umwerfend-druckvollen Eindrucks nicht viel zu holen; wobei es schade ist dass der recht simpel gehaltene Refrain eher kontraproduktiv wirkt und klingt – doch spätestens wenn die Italiener in ihrem Titeltrack DRAGONLORD zum großen Rundumschlag ausholen, sollte niemand mehr still sitzenbleiben. Mit Nummern wie dem vergleichsweise ruhigen und klassisch-retrospektiv orientierten THE SHIP OF THE LOST SOULS haben es DOMINE dagegen problemlos geschafft, ihre Bandbreite um eine weitere interessante Facette zu erweitern – und vielleicht auch Genre-Grenzen zu sprengen. Dass selbst der überlange Rausschmeißer THE GREAT BATTLE FOR THE SILVER SWORD keine längeren Durststrecken offenbart, rundet das GAnze ab.

Natürlich, gänzlich vor Schwächen gefeit ist DRAGONLORD nicht – und dennoch ist die Entwicklung, die DOMINE von ETERNAL CHAMPION hin zu ihrem zweiten Studioalbum durchgemacht hatten; definitiv nicht zu verachten. Fest steht: ein Album wie dieses gehört damit in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung. Erst Recht natürlich, wenn man sich für die Geschichte des Genres interessiert – oder aber bereits Gefallen an seinerzeit ganz ähnlich agierenden Combos wie etwa den CRYSTAL EYES bekundet hat.

Absolute Anspieltipps: THUNDERSTORM, BLOOD BROTHERS‘ FIGHT, DRAGONLORD, THE SHIP OF THE LOST SOULS


„Ein schon früh offenbartes Konzept in der erstmaligen Vollendung – ein echter Klassiker.“