Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Metal-CD-Review: HALÉN – Idleness (2020)

Alben-Titel: Idleness
Band: Halén (mehr)
Veröffentlichung: 03. April 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Ola Halén – Gesang, Alle Instrumente

Track-Liste:

1. There’s no Use (04:48)
2. Daydream (03:39)
3. Tears (04:49)
4. Empire (05:19)
5. Labyrinth (05:02)
6. Dreams (04:44)
7. AnyMore (02:47)
8. Wonders (04:19)
9. Blown Away (04:28)

Da war aber jemand ganz und gar nicht faul.

Nein, das Bandprojekt HALÉN hat noch keine allzu weitreichende Geschichte – und man muss es vielleicht auch nicht unbedingt kennen. Dem geneigten Power Metal-Fan sollte ein Name wie Ola Halén – seines Zeichens das einzige offizielle Mitglied der Band – aber dennoch ein Begriff sein. Speziell natürlich in Bezug auf die ebenfalls aus Schweden stammende (und schon seit längerem vermisste) Genre-Combo INSANIA, die um die Jahrtausendwende herum mit einigen hochkarätigen Alben durchstartete. Zwar tat sie dies zunächst noch ohne Ola Halén – doch, ob Zufall oder nicht; liefen sie erst mit der Verpflichtung des markanten Gesangstalents zu ihrer absoluten Höchstform auf. Das erste Ergebnis der fruchtbaren Zusammenarbeit (FANTASY – A NEW DIMENSION, siehe Review) kann auch heute noch als eines der besten Power Metal-Alben überhaupt bezeichnet werden, je nach Perspektive – und auch danach sah es eigentlich rundum gut aus für die Band, trotz des bereits wesentlich schwächeren AGONY – GIFT OF LIFE (Review). Was daraufhin – und nach dem Jahr 2007 – passierte, weiß indes niemand so genau – schließlich zogen sich nicht nur INSANIA, sondern auch deren Frontmann Ola Halén zurück. Immerhin, mit seinem Nebenprojekt SHADOWS PAST konnte er 2013 wieder einen Erfolg feiern (PERFECT CHAPTER, siehe Review) – doch wirklich angekommen schien er nicht.

Ob er dies heute ist, darüber kann man ebenfalls nur munkeln – fest steht nur, dass er mit HALÈN ein weiteres Soloprojekt an den Start gebracht hat, und nach dem eher kruden NACKSKOTT (Review) nun IDLENESS vorlegt, das zweite offizielle Album der Ein-Mann-Band. Interessant, und sicher nicht jedem bekannt ist dabei; dass das auf IDLENESS enthaltene Material aber nicht grundsätzlich neu ist – sondern teilweise schon auf den frühen SHADOWS PAST-Demos enthalten war. Sei es drum – offenbar befand der Schwede das Material für so gut, dass es an der Zeit wäre für eine Aufarbeitung. Wobei, und das ist durchaus bemerkenswert; er wirklich alle anfallenden Arbeiten am Alben selbst übernahm. Gut, bis auf das Mastering – von einem wahren Multitalent (das nicht nur singen, sondern auch alle entsprechenden Instrumente handhaben kann) ist aber in jedem Fall zu sprechen. In wie weit das Album dabei wirklich punkten kann, ist natürlich eine andere Frage. Immerhin hatte HALÉN bereits mit und auf NACKSKOTT gezeigt, dass er durchaus ein Faible für etwas; man nenne sie ungewöhnlichere Töne zu haben scheint – zumindest im Sinne der eigentlichen Stil-Verortung im Bereich des Power Metals.

Immerhin, mit dem vorliegenden IDLENESS kann diesbezüglich schon einmal Entwarnung gegeben werden. Das 9 Titel enthaltene Werk ist weit davon entfernt, wie ein krudes musikalisches Experiment oder ein zusammengewürfeltes Sammelsurium an ausrangierten Nummern zu klingen, oder anders gesagt: IDLENESS klingt eindeutig nach dem Ola Halén, der man kennt und liebt. Mit einer Nummer wie BLOWN AWAY liefert er sogar ganz explizit ein Fest für all jene, die die früheren INSANIA feierten – was nur gut und richtig ist, und einstweilen tatsächlich Erinnerungen an das großartige FANTASY – A NEW DIMENSION wach werden lässt. Aber auch davon abgesehen sieht es gut aus für IDLENESS – das mit Titeln wie THERE’S NO USE, EMPIRE oder DREAMS einige waschechte Power Metal-Kracher an den Start bringt. Kracher, die all das haben was INSANIA ausgezeichnet hatte – und womöglich noch mehr. Schließlich muss man bedenken, dass hier tatsächlich nur ein einziger Mann am Werk ist. Das wiederum fällt nicht auf, was allemal positiv zu verstehen ist: seien es die schmackigen Gitarren inklusive vieler genialer Riff- und Solistrecken, der prägnante und gut hörbare Bass, das variable Drumming oder die unterstützende Keyboard-Elemente – hier gibt es wahrlich einiges höchst interessantes, und vor allem perfekt vorgetragenes auf die Lauscher. Gut, die Ballade ANYMORE und vielleicht auch das allgemein eher zurückhaltende WONDERS gehören nicht zu den besten Momenten des Albums – doch das ist insgesamt eher zu verschmerzen.

IDLENESS avanciert so zu einem kleinen Geheimtipp für alle Power Metal-Enthusiasten, die gerne auch mal hinter die Kulissen schauen – und nichts gegen eine Priese Eigenwilligkeit und dem für HALÉN typischen Mäandern zwischen verschiedenen Stimmungen einzuwenden haben. Und überhaupt: wenn selbst eine sonst obligatorische Ballade wie TEARS zündet – und das vor allem in Bezug auf den ebenso glaubwürdigen wie schlicht packenden Leadgesang – will das schon etwas heißen. Im handwerklichen Sinne ist HALÉN jedenfalls nichts vorzuwerfen, selbst der allgemeine Soundeindruck ist in Anbetracht einer Independent-Produktion höchst solide. Man kann damit eigentlich nur hoffen, dass Ola Halén in Zukunft auch wieder ein paar größere Releases an den Start bringen wird oder sonst irgendwie Aufmerksamkeit erlangt – denn verdient hätte er es allemal.

Anspieltipps: THERE’S NO USE, EMPIRE, DREAMS, BLOWN AWAY


„Gut, und vor allem: einzigartig.“

Metal-CD-Review: BROTHERS OF METAL – Emblas Saga (2020)

Alben-Titel: Emblas Saga
Band: Brothers Of Metal (mehr)
Veröffentlichung: 10. Januar 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Emil Wärmedal – Bass
Dawid Grahn – Guitars
Pähr Nilsson – Guitars
Mikael Fehrm – Guitars
Ylva Eriksson – Vocals
Joakim Lindbäck Eriksson – Vocals
Johan Johansson – Drums
Mats Nilsson – Vocals

Track-Liste:

1. Brood of the Trickster (01:56)
2. Powersnake (03:43)
3. Hel (04:40)
4. Chain Breaker (03:53)
5. Kaunaz Dagaz (04:13)
6. Theft of the Hammer (04:10)
7. Weaver of Fate (04:45)
8. Njord (03:50)
9. Emblas Saga (07:14)
10. Brothers Unite (04:06)
11. One (04:17)
12. Ride of the Valkyries (03:26)
13. To the Skies and Beyond (04:53)

Und los geht die wilde Fahrt.

Nachdem sie mit ihrem 2017 erschienenen Studioalbum PROPHECY OF RAGNARÖK (siehe Review) erstmals erfolgreich in Erscheinung getreten sind, gehen die sagenumwobenen Geschichten der aus Schweden stammenden Power Metaller rund um die BROTHERS OF METAL weiter. Und das offenbar recht munter: nach einigen Singles und einer handvoll feucht-fröhlicher Musikvideos (siehe hier) veröffentlichen die Recken mit dem vorliegenden EMBLAS SAGA ihr vielversprechendes zweites Studioalbum. Und das selbstverständlich nicht mehr als Independent-Release – sondern mit der vollen Unterstützung und Reichweite von AFM Records als glückliches Label, welches die Schweden gewissermaßen entdeckt respektive direkt nach ihrem Debüt aufgenommen hat. Zu Recht, muss man wohl sagen – zumindest in Anbetracht des rundum gelungenen Debütalbums, das neben seinen mehr als respektablen handwerklichen Aspekten vor allem eines hochgehalten hat: einen immensen Spaßfaktor. Wie sich der Nachfolger schlägt, wird sich zeigen – doch grundsätzlich sollten die Chancen gut stehen für die Schwertbrüder und -Schwestern.

Bevor es so richtig losgeht, sollte man eines aber in jedem Fall wissen; womit sich der Kreis zum erwähnten Spaßfaktor schließt: auch in Anbetracht des schier epischen Auftretens der Band (oder eben: gerade deswegen) sollte man sich dem Schaffen der BROTHERS OF METAL besser nicht bierernst, sondern stattdessen mit dem ein oder anderen Augenzwinkern nähern. Schließlich, und auch wenn die jeweils angepeilten Spielarten nicht wirklich miteinander zu vergleichen sind; springen die Brüder und Schwestern des (Power) Metals in eine ganz ähnliche Nische wie etwa die Kollegen von ALESTORM, GLORYHAMMER oder TWILIGHT FORCE. Und damit zweifelsohne Bands, bei denen weniger mehr manchmal einfach mehr ist. Anders gesagt: wer auf eine wie auch immer geartete Originalität verzichten kann und nichts gegen die ein oder andere – auch mal parodistische – Überspitzung im Sinne diverser Genre-Klischees einzuwenden hat, sollte mit einer Band wie den BROTHERS OF METAL bestens beraten sein.

Denn, und daran besteht kein Zweifel: rein handwerklich und soundtechnisch macht den BROTHERS OF METAL keiner so schnell etwas vor. Gerade damit haben die Schweden eine der vielleicht wichtigsten Hürden in Bezug auf, man nenne sie einmal Spaßprojekte wie diese (ohne, das damit eine Abwertung vorgenommen werden soll) relativ problemlos genommen. EMBLAS SAGA klingt rundum satt, ist schier perfekt produziert und abgemischt – und wartet mit einigen höchst interessanten Darbietungen der einzelnen Mitglieder auf. Mitgliedern wie etwa Ylva Eriksson – die gemeinsam mit ihrem Gesangspartner Joakim Lindbäck Eriksson für das mitunter prägnantestes Alleinstellungsmerkmal der Band sorgt, den zweistimmigen Leadgesang. Nicht nur, dass es im Bereich des Power Metals an sich schon selten ist zwei Frontmänner respektive -Frauen an den Start zu bringen – im Falle der BROTHERS OF METAL ist es klar das markante Wechselspiel aus den offensichtlichen Gegensätzen der beiden, die das Ganze so interessant macht.

So kann man sich eigentlich nur noch darüber streiten, in wie weit man die diversen Kuriositäten der Band nun gutheißen kann oder nicht. Warum die Band etwa über gleich drei Gitarristen verfügt, steht (in anbetracht dessen, dass es einfach kaum nötig erscheint) in den Sternen. Eben so, wie ihre Vorliebe für die nordische Mythologie gnadenlos ist – sodass es nicht weiter verwunderlich sein sollte, wenn der anberaumte Bombast dem ein oder anderen doch vorschnell auf den Nerv gehen könnte. Das gilt im übrigen auch – und sei es nur dezent – für die Darbietung von Joakim Lindbäck Eriksson, von dem man sich langsam auch mal ein paar andere (Gesangs-)Töne wünscht. Doch es hilft alles nichts – erklingen Titel KAUNAZ DAGAZ oder THEFT OF THE HAMMER, hält einen einfach nichts mehr auf den Sitzen. Das durchaus geniale Riffing, der wuchtige Bass und der ebenso voranpreschende wie im Sinne eines symphonischen Power Metals sehnsüchtig-verträumte Eindruck lassen hier jedenfalls keine Wünsche offen.

Schlussendlich: EMBLAS SAGA ist vielleicht kein Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2020 – aber doch ein extrem aufheiterndes Genre-Intermezzo für so manch triste Stunde. Vor allem natürlich, da die BROTHERS OF METAL das was sie hier zum Besten geben wirklich zu leben scheinen – Augenzwinkern hin oder her.

Anspieltipps: KAUNAZ DAGAZ, THEFT OF THE HAMMER, RIDE OF THE VALKYRIES


„Hier wird einiges groß geschrieben – vor allem der Spaßfaktor.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Darklight In Riverwood (2019)

 

Alben-Titel: Darklight In Riverwood
Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichung: 20. September 2019
Land: Portugal
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass
Patricia Loureiro – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny V (04:21)
2. Darklight (04:47)
3. Follow Me (04:02)
4. For All Eternity (04:10)
5. Iceland (04:34)
6. Winter Days (03:59)
7. The Rules We Made (05:20)
8. The Union of Freedom (05:02)
9. The Path for the Hidden Valley (06:08)
10. The Golden Mountain (05:55)
11. This Night (04:06)
12. We Are the One Master (05:38)

Gut, dass einer das Licht angelassen hat.

Und sie geht weiter – die Geschichte der 2007 gegründeten, quasi aus dem Vermächtnis von ORATORY hervorgetretenen Power Metal-Combo WATERLAND. Zugegeben, auf diesem Blog wurde die Band bisher nicht gerade mit Lobeshymnen überschüttet – wie man es jederzeit in den Reviews zu WATERLAND, VIRTUAL TIME, OUR NATION oder SIGNS OF FREEDOM nachlesen kann. Immerhin, ganz grundlos war und ist die Kritik am Schaffen der Band nicht – doch natürlich gibt es mit jedem neuen Album auch eine neue Chance. Ins diesbezügliche Rennen geht nun also DARKLIGHT IN RIVERWOOD, das mittlerweile fünfte Studioalbum von WATERLAND – die es offenbar endlich geschafft haben, ein halbwegs festes Lineup zu etablieren. Das relative Chaos vor allem in Bezug auf den Leadgesangsposten scheint mit dem erneuten Auftreten von Front-Frau Patricia Loureiro nunmehr vorüber – was gut ist, und der Band hoffentlich eine gewisse Stabilität verleiht. In wie weit sich das Ganze auf die musikalischen Bestrebungen der Band auswirkt, wird sich dagegen erst im folgenden zeigen.

DARKLIGHT IN RIVERWOOD geht mit einer geballten Ladung von immerhin 12 vollwertigen Titeln an den Start. Titel, denen man eines direkt anhört: die einstigen Schwächen der Band sind noch immer hörbar und vorhanden. Speziell natürlich in Bezug auf einige Faktoren hinsichtlich der Produktion und Abmischung, die in ihrer Gesamtheit noch immer nicht vollends professionell wirken respektive klingen – und den potentiellen Hörgenuss des Albums deutlich schmälern können. Aber auch davon abgesehen sollte jedem, der auf der Suche nach etwas neuem oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Offenbarung im Bereich des Power Metals ist; von einem Album wie DARKLIGHT IN RIVERWOOD eher abgeraten werden, denn: WATERLAND klingen schlicht alles andere als originell. Einstweilen mag das kein Problem sein, erst Recht nicht für solche die sich erst gar keine allzu wilden Experimente oder Neuerungen in ihrem Power Metal-Alltag wünschen. Problematisch ist dabei nur, dass es so viele andere Bands einfach besser machen als die Kollegen von WATERLAND.

Schließlich könnte auch das mitunter einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Band zu einem Problem avancieren. Gemeint sind die eher säuselnden denn schmetternden Chöre, die schon immer aus den Kompositionen der Portugiesen hervor stachen – aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. Sicher, man kann die Band schier perfekt daran erkennen – doch warum man hier nicht mal etwas neues versucht, bleibt ein Rätsel. Analog dazu muss sich DARKLIGHT IN RIVERWOOD natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu weichgespült zu klingen – wobei die erwähnten Chöre nur das berühmte i-Tüpfelchen markieren. Der vergleichsweise zarte Leadgesang von Patricia Loureiro, die nicht gerade kräftig klingenden Gitarren und der ständige und überbordende Einsatz des Keyboards inklusive reichlich Klimm-Bimm sorgen jedenfalls nicht dafür, dass sich ein allzu satter Gesamteindruck einstellt.

Zum anderen aber, und das ist durchaus als Adelung zu verstehen; muss man in Bezug auf DARKLIGHT IN RIVERWOOD auch etwas ganz anderes feststellen. Nämlich, dass sich durchaus auch einiges positives getan hat an der Sound-Front der Marke WATERLAND. Das Drumming von Tiago Moreira etwa klingt nunmehr wesentlich organischer und variabler als zuvor, die hiesige Frontfrau Patricia Loureiro tönt so stilsicher wie nie zuvor, und einige Titel können mit einem gewissen ORATORY-Nostalgiebonus gar zu kleinen Highlights avancieren (FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY). Auch, da die Soli-Parts meist gut getroffen sind und es mit ihrem variablen Bezug auf die Gitarren und das Keyboard sogar vermögen, einen echten Spaßfaktor entstehen lassen.

Fassen wir also zusammen: die letzten Alben der Band wurden teils auffällig schlecht bewertet, auch oder gerade weil kein wirklicher Lerneffekt seitens der Mitglieder von WATERLAND spürbar war. Das ändert sich nun und mit DARKLIGHT IN RIVERWOOD – das nicht perfekt, aber immerhin als Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wenn sich nun noch etwas in Richtung der Chöre und der allgemeinen Soundqualität ergibt, darf man wohl gespannt sein auf das, was die Portugiesen für die Zukunft planen.

Anspieltipps: FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY


„Ohne Frage: dies ist das bis heute beste WATERLAND-Album.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Talviyö (2019)

Alben-Titel: Talviyö
Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichung: 6. September 2019
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Message from the Sun (04:06)
2. Whirlwind (06:32)
3. Cold (04:29)
4. Storm the Armada (05:08)
5. The Last of the Lambs (04:22)
6. Who Failed the Most (04:44)
7. Ismo’s Got Good Reactors (03:43)
8. Demon’s Cage (04:58)
9. A Little Less Understanding (04:16)
10. The Raven Still Flies with You (07:39)
11. The Garden (06:17)

Da fröstelt’s einen ja fast schon im voraus.

Mit den finnischen Jungs von SONATA ARCTICA ist das schon so eine Sache. Einst – und das ist in Anbetracht eines Albums wie dem 1999 erschienenen ECLIPTICA (siehe Review) kein großes Wunder – als Helden und Wegbereiter des europäischen Power Metals gefeiert, entwickelte sich die Band im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zu einem schon wesentlich; man nenne es angreifbareren musikalischen Konstrukt. Tatsächlich, und das behaupten vor allem langjährige Fans der Band; schienen die letztaktuellen Alben PARIAH’S CHILD (Review) und THE NINTH HOUR (Review) nicht gerade Glücksgriffe gewesen zu sein – erst Recht nicht aus Sicht der nun einmal nicht jeden Stilwechsel gutheißenden Power Metal-Fraktion. Immerhin – und wenn man den fast schon unbestreitbaren Reinfall in Form des 2014 veröffentlichten Revisited-Albums zu ECLIPTICA (Review) einmal außen vor lässt – kann man der Band eines nicht vorwerfen: das sie respektive die musikalischen Ambitionen der Mitglieder stillstehen. Und so markiert auch das jüngst erschienene TALVIYÖ als mittlerweile elftes offizielles Studioalbum der Band ein weiteres abenteuerliches, prinzipiell spannendes neues Kapitel in der Historie von SONATA ARCTICA.

Eines, und das konnten schon die anderen Alben der letzten Jahre nicht gerade als Vorteil für sich verbuchen; bleibt dabei aber natürlich auch dieses Mal nicht aus: man kann einfach nicht anders, als auch das jüngste Album mit früheren Werken der Band zu vergleichen. Vielleicht nicht unbedingt mit einem speziellen, wohl aber doch dem rundum prägnanten Gesamteindruck der ersten 5 bis 6 Alben der Finnen. Diesbezüglich fällt eines relativ direkt auf: wo man bei vielen anderen Bands sagen kann, dass sie – was ihre Fähigkeiten und ihr Auftreten betrifft – eben nicht gealtert sind, scheint der Zahn der Zeit durchaus markant an SONATA ARCTICA (oder eher: ihrer Musik) zu nagen. Und das ist auch eines der gravierenderen Probleme, ob nun aus Sicht eingefleischter Power Metal-Fans oder nicht; denn: SONATA ARCTICA machen mittlerweile nicht nur eine etwas andere Musik als noch zu Zeiten ihres Karrieauftaktes. Vielmehr scheinen sie auch darüber hinaus mit diversen Problem zu kämpfen haben, die im Falle von TALVIYÖ passenderweise mit dem anberaumten Winter-Setting einhergehen, oder anders gesagt: das Album klingt insgesamt auffallend kraftlos, eintönig; ja fast schon trist.

Würde dies nur auf die Atmosphäre zutreffen – und eben nicht die Leistungen der einzelnen Mitglieder – wäre das natürlich nur ein Stil-Element und etwas anderes. Doch so muss man zweifelsfrei feststellen, dass längst nicht mehr alles Gold ist was ehemals glänzte. Der Leadgesang von Tony Kakko etwa klingt längst nicht mehr so kräftig und variabel wie dereinst. Viel eher wirkt er angestrengt und auffallend limitiert – woran auch die nunmehr umso häufiger anberaumten Chöre (eher sind es mehrstimmige Studiogesänge) nicht viel ändern können. Die Folge: gerade die potenziell emotionaleren Momente wirken so kaum. Das Problem: derer sind es auf TALVIYÖ nicht gerade wenige, oder anders gesagt: das Album versucht einen Großteil seiner Wirkungskraft aus eben jenen balladesken, leicht träumerisch angehauchten Passagen zu generieren. In wie weit das dem Album letztendlich – und in seiner Gesamtheit – gelingt, muss nach wie vor ein jeder für sich selbst entscheiden. Es sind aber eben nicht wenige Faktoren, die eher gegen das Album sprechen.

Wie wäre es etwa mit dem kruden THE LAST OF THE LAMBS, das theoretisch – und auch wenn er nichts mit dem Oberbegriff des Power Metals am Hut hat – ein verdammt guter Titel hätte werden können ? Der schwache, emotionlose und einstweilen fast schon komische Leadgesang von Tony Kakko, der merkwürdig-matschige Mix inklusive einer hörbaren Stimmbearbeitung und das schlussendlich recht repetitive Instrumentenspiel zeigen jedenfalls auf, dass man für derlei Experimente doch eher zu Bands wie AYREON greifen sollte. Doch auch wenn es mal etwas kräftiger zugeht (wie im Opener MESSAGE FROM THE SUN oder WHO FAILED THE MOST) stehen nicht alle Zeichen auf grün – insbesondere was die unnötig weichgespülten Refrains angeht. Da ändert auch das vergleichsweise kräftige Riffing nichts, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall klingt es gar wie ein relativer Fremdkörper im ohnehin unausgegorenen Mix – was das klangliche Chaos beinahe perfekt macht.

Natürlich, es finden sich auch einige bessere respektive hörbare Passagen (wie etwa in WHIRLWIND oder DEMON’S GATE) – doch kommen diese eher vereinzelt vor, und fungieren dabei bestenfalls als Reminiszenz an frühere, goldene Zeiten. Insgesamt betrachtet hat TALVIYÖ damit wahrlich nichts zu bieten, was Fans der früheren SONATA ARCTICA ansprechen sollte – und auch Neueinsteiger werden ob der zweifelhaften musikalischen Genialität nicht gerade vor Freunde aufspringen. Positiv hervorzuheben sind demnach nur noch der von Pasi Kauppinen gehandhabte Bass, sowie immerhin einige der Ambitionen seitens Henrik Klingenberg (Keyboards, Backing Vocals). Eine Kaufempfehlung rechtfertigt das nicht – und so bleibt den meisten nur abzuwarten, wie SONATA ARCTICA in Zukunft in Erscheinung treten werden.

Anspieltipps: /


„Dieses Ruder wird wohl nicht mehr herum gerissen werden.“