Metal-CD-Review: HAMKA – Multiversal (2017)

Alben-Titel: Multiversal
Künstler / Band: Hamka (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. August 2017
Land: Frankreich
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Willdric Lievin – Guitars
Elisa C. Martín – Vocals
Alexandre Ardisson – Bass
JB Pol – Drums
Julien Negro – Guitars
Williams Marx – Percussion

Track-Liste:

1. One-Way Journey to the Unknown (01:44)
2. World War III (05:31)
3. Earth’s Call (04:09)
4. Hope (04:02)
5. Inner Conviction (04:57)
6. Dark Night Falls (03:57)
7. Seaquest (03:40)
8. Modern Cowboys (04:45)
9. Burning Sands (01:04)
10. The Path of Pharaohs (05:09)
11. Orkanian’s Lands (05:01)
12. Seed of a New World (05:00)
13. Multiversal Universal (07:03)
14. New Era? (01:25)

In diesem Multiversum ist alles möglich – eventuell auch, dass das Pendel in eine eher unerwünschte Richtung ausschlägt.

Eines kann man wohl schon jetzt über das noch nicht ganz abgeschlossene Power Metal-Jahr 2017 sagen: es handelte sich wieder einmal um ein Jahr voller Überraschungen. Die bisher größte positiv oder negativ angehauchte zu benennen fällt hingegen nicht wirklich leicht – was sich just in diesem Moment ändern könnte. Denn: in die Riege der unerwarteten und so gesehen plötzlich wieder aus dem Nichts auftauchenden Bands reihen sich nun auch die Franzosen von HAMKA ein. Nach ihrem Debütalbum und bis heute letztaktuellen Werk UNEARTH (2005, siehe Review) hatten die progressiven Power- und Symphonic Metaller schließlich nicht mehr allzu viel von sich hören lassen – auch wenn sich um eine grundsätzlich höchst vielversprechende Combo handelte, von der einige noch viel mehr erwartet hätten.

Gründe dafür gab und gibt es trotz der recht übersichtlichen Diskografie immerhin einige. Wie etwa die Tatsache, dass HAMKA als einer der wenigen Power Metal-Bands mit symphonischen Einschlag auf bestimmte traditionelle Soundelemente setzen; und es auch inhaltlich und in Sachen Atmosphäre vergleichsweise vielschichtig und anspruchsvoll zugehen lassen. Dass dann auch noch niemand geringeres als die ehemalige DARK MOOR- und FAIRYLAND-Frontfrau Elisa C. Martin das hiesige Gesangszepter in der Hand hält, setzt dem Ganzen die theoretische Krone auf. Zumindest aber sicherte es den Status der Band als Genre-Geheimtipp – wobei eben jener Status nun, und damit recht genau 12 Jahre nach UNEARTH mit dem insgesamt 14 Titel starken neuen HAMKA-Album MULTIVERSAL entsprechend untermauert werden könnte.

Eine zweifelsohne beruhigende Feststellung gilt es dazu gleich vorab zu vermelden: Elisa C. Martin ist nach wie vor mit an Bord – und wagt sich nach ihren vielen kleineren Gastauftritten endlich wieder an ein größeres Projekt. Nicht unbedingt beunruhigend, aber doch etwas merkwürdig erscheint dagegen; dass MULTIVERSAL als Independent-Release ohne die Unterstützung eines großen Labels realisiert wurde – und die Band die Vermarktung entsprechend selbst übernimmt. Nennenswerte negative Auswirkungen hat das zunächst keine: in Bezug auf die Verpackung des Albums (womit insbesondere das stimmige Cover-Artwork gemeint ist), das groß angelegte Konzept mitsamt der Titelwahl und Strukturierung, das Handwerk der einzelnen Mitglieder sowie die Abmischungs- und Produktionsfaktoren stehen so gut wie alle Zeichen auf grün.

Erst im Detail, und mit dem Entdecken der ersten einzelnen Titel trennt sich die Spreu vom Weizen. Oder anders gesagt: HAMKA mag eine tendenziell eher hochkarätige Band sein, doch ist längst nicht alles was Elisa C. Martin und ihre Kollegen fabrizieren automatisch Gold wert. Der Opener WORLD WAR III beispielsweise will einfach nicht so Recht zünden – der problematische Rhythmus, der höchst ungünstige Refrain sowie einige zusätzliche Effekte (die dem Ganzen einen etwas zu künstlichen, wenn man so will auch zu elektronischen Anstrich geben) machen den Alben-Auftakt zu alles anderem als einem puren Hörvergnügen. Der Folgetrack EARTH’S CALL (der vorab als Single ausgekoppelt wurde) schneidet da schon etwas besser ab – aber eben auch nur als quasi-Ballade ohne einen wirklichen Aha-Effekt.

Doch auch im weiteren Verlauf ergeben sich mehr Probleme als zunächst gedacht: HOPE kommt trotz der eingestreuten Growls als relativer Langweiler ohne viel Tiefgang daher – und wartet zudem mit einer vergleichsweise bedenklichen Performance von Elisa C. Martin auf. Wobei es auch ganz allgemein so scheint, als wäre das spanische Ausnahmetalent aktuell nicht in der besten Form – ihre damaligen Darbietungen bei DARK MOOR und FAIRYLAND klangen jedenfalls ein deutliches stückweit kräftiger, selbstbewusster und vielleicht auch unverbrauchter. Wobei eben das auch das richtige Stichwort ist, wenn es um Titel wie DARK NIGHT FALLS geht – das trotz seiner irgendwie netten Kinderchor-Elemente wenig herausragendes anzubieten vermag. Zumindest nichts, was nicht schon die Kollegen von ALMAH bedient hätten.

SEAQUEST wiederum klingt wie einer der späteren Titel von FAIRYLAND, gemischt mit einer Prise dezent folkloristischer Einflüsse a’la AQUARIA oder ANGRA – was schon wesentlich interessanter klingt, aber immer den faden Beigeschmack eines  verkappten Disney-Soundtrack behält. Und: seien es das stilistisch an SONATA ARCTICA’s CINDERBLOX erinnernde INNER CONVICTION, das zutiefst merkwürdige MODERN COWBOYS, das schlicht etwas überladen klingende THE PATH OF PHARAOS, das eher wirre als progressive ORKANIAN’S LANDS – wirklich rund oder als wäre es von Highlights gespickt klingt MULTIVERSAL beileibe nicht. Und das ist dann doch etwas zu wenig für ein Album, welches so gesehen knapp 13 Jahre in der Mache war – und das grundsätzlich nur Auftritte von Musikern vorsieht, die ihr Handwerk verstehen. Was also ist passiert ?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, die wohl nur die Mitglieder von HAMKA selbst beantworten können. Fakt ist nur, dass die Band ihre zum Beginn dieser Rezension erwähnten Alleinstellungsmerkmale und Stärken aktuell kaum noch ausspielen; ja sogar Gefahr laufen sie ins Gegenteil zu verkehren. Die relativ plump inszenierte symphonische Komponente inklusive zahlreicher eher künstlich-konstruiert klingender Keyboardsounds, die auf-Teufel-komm-raus untergebrachten folkloristischen und volkstümlichen Elemente (die HAMKA einst ausmachten, hier aber viel zu gezwungen wirken), eine dezent schwächelnde oder zumindest wenig neues anbietende Elisa C. Martin, der eher stiefmütterlich behandelte und so gesehen recht soft abschneidende Metal-Part des Albums, die Parallelen zu weitaus früheren Alben von Bands wie ANGRA, ALMAH, AQUARIA, FAIRYLAND – dass es so schlimm werden würde, war eigentlich kaum abzusehen. Doch passiert ist passiert – sodass nur zu hoffen bleibt, dass sich HAMKA noch einmal auf ihren Hosenboden setzen und an ihrer Musik feilen. Denn, und das steht unumstößlich fest: die Band ist zu weitaus mehr imstande.

Absolute Anspieltipps: /


„Theoretisch extrem gut, praktisch extrem ernüchternd – leider.“

Metal-CD-Review: FIRELAND – The Time Traveler (2015)

Alben-Titel: The Time Traveler
Künstler / Band: Fireland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. November 2015
Land: Chile
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Claudio González – Bass
Cristian Carrasco – Drums
Matias Vidal – Guitars
Rafael Castillo – Guitars, Keyboards, Vocals

Track-Liste:

1. Multispace (04:43)
2. Angels Falling (04:14)
3. Another Chance (05:05)
4. Open Wide (05:50)
5. Fight ‚till End (04:52)
6. The Travel (00:54)
7. Mark of the King (04:05)
8. Sand of Despair (04:42)
9. 1939 (05:41)
10. The Dark Army (05:02)
11. See Them Fall (05:35)
12. Wake Up Hell (04:23)
13. Golden Future (04:01)

Eine Reise ohne Wiederkehr ?

The TIME TRAVELER ist das zweite offizielle Studioalbum der aus Chile stammenden Musiker von FIRELAND – und damit auch einer Band, die im besten Fall nicht mit den gleichnamigen FIRELAND aus Großbritannien zu verwechseln ist. Immerhin: eine Gelegenheit sich entsprechend zu profilieren hatten die ambitionierten Chilenen bereits – schließlich erschien 2010 ihr nicht allzu bekanntes, mindestens grundsolides Debütalbum GOD ‚N‘ EVIL (siehe Review). Gute 5 Jahre danach, und analog zu einer kleineren Single-Veröffentlichung (ANGELS FALLING) wollen es FIRELAND also noch einmal wissen – und das in Form eines Albums, welches allein von seinem Artwork und der anberaumten Thematik dezent an Christopher Nolan’s Sci-Fi-Epos INTERSTELLAR erinnert. Ob es sich dabei wirklich um eine beabsichtigte Maßnahme handelt oder nicht sei einmal dahingestellt – fest steht wohl nur, dass Power Metal-Alben mit eher überirdischen Inhalten eine oftmals willkommene Abwechslung darstellen. Und im besten Fall sogar ganz und gar kultige Ausmaße annehmen – man denke nur an das frühe Schaffen von CELESTY, die durchgehend hochkarätige Werkschau von KELDIAN oder einzelne Highlight-Alben wie IRON FIRE’s VOYAGE OF THE DAMNED (Review).

Die Frage ist nur, ob FIRELAND respektive insbesondere der hiesige Frontmann Rafael Castillo (der neuerdings auch bei ALQUIMIA unterwegs ist) die ihnen gegeben Möglichkeit nutzen – und mit THE TIME TRAVELER tatsächlich ein interstellares Epos inszenieren. Als dahingehend hoffentlich bekräftigendes Argument fungieren in diesem Falle ganze 13 neue FIRELAND-Titel (von denen lediglich THE TRAVEL ein kurzes Interlude markiert) bei einer Spielzeit von einer guten Stunde – und das unterschwellige Versprechen, den guten aber nicht herausragenden Vorgänger GOD ‚N‘ EVIL noch zu übertreffen. Eines fällt dabei recht schnell auf: vor allem in Bezug auf das Songwriting scheint ihnen das auf THE TIME TRAVELER auch weitestgehend gelungen zu sein. So klingt das Album insgesamt etwas lebendiger, kräftiger und auch variabler respektive facettenreicher als der Vorgänger – sodass die Tendenz, schon mit dem (im Refrain leider etwas kraftlosen) Opener MULTISPACE und dem Riff-lastigen ANGELS FALLING in den Bann der Chilenen gezogen werden zu können; relativ groß ausfällt.

Ein entsprechendes Wörtchen hat hier vornehmlich das an den Tag gelegte Handwerk der Bandmitglieder mitzureden – wobei nicht nur die Gitarren äußerst überzeugend abschneiden, auch das Schlagzeug und der Bass erhalten einen entsprechenden Raum. Analog zur guten Abmischung und Produktionsarbeit stehen so einige Zeichen grün – doch Ausnahmen gibt es auch dieses Mal. Wobei man vielleicht eher von potentiellen Streitpunkten sprechen sollte, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. So eignet sich vor allem der tendenziell eher weiche Leadgesang von Rafael Castillo schier perfekt dazu, die Geister zu scheiden – und auch die unterstützenden Elemente in  Form sich überlagernder Gesangsspuren und der Chöre (wie etwa in ANOTHER CHANCE) werden nicht jedermann gefallen. Andererseits spricht gerade der eben genannte Titel für eine der deutlichen Stärken von FIRELAND – die schlicht in der Kombination von schön knackigen Power Metal-Elementen und dem Anflug fast schon himmlisch-süßer Melodien liegen. Man nenne es den AETHRA-Effekt – wobei sich die Chilenen hier tatsächlich nicht allzu weit weg von ihren Kollegen aus Mexiko bewegen.

Aber; und das ist eines der maßgeblichen, sich immerhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau abspielenden Probleme von THE TIME TRAVELER – das Gefühl eines bis in die letzten Winkel stimmigen Erlebnisses hat man nicht durchgehend. Wobei die gar nicht erst allzu oft genutzten, wenn dann aber umso elektronischeren Sounds des Keyboards oder die hier und da durchschimmernden, explizit balladesken Ansätze wie in OPEN WIDE gemeint sind – das vielleicht keine Meisterleistung darstellt, aber immerhin eine weitere Facette von Leadsänger Rafael Castillo aufzeigt. Dennoch könnte einstweilen der Eindruck entstehen, als würden FIRELAND hier deutlich weniger spektakulär klingen als sie es eigentlich könnten – man nenne es den letzten fehlenden Schliff, das ärgerlicherweise vernachlässigte Tüpfelchen auf dem i. So haben Nummern wie FIGHT ‚TILL END oder MARK OF THE KING einige vielversprechende Ansätze – werden aber noch zu oft von entsprechend negativen Einrücken seitens des Leadgesangs oder den wenig griffen Refrains konterkariert.

Auch die Tatsache, dass FIRELAND hier einstweilen frappierend nach ihren Kollegen von HAMMERFALL und BLOODBOUND klingen; sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Umso kurioser ist es, dass gerade die potentiell jenen Vergleichsbands nahestehenden Nummern bei FIRELAND voll aufzugehen scheinen – wie das stampfende SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, SEE THEM FALL oder WAKE UP HELL. Eine Feststellung macht sich in jedem Fall breit: nach einem schwächeren Mittelteil ziehen FIRELAND gegen Ende des Albums noch einmal ordentlich an. So schaffen die Chilenen vornehmlich eines: sie schneiden insgesamt besser und irgendwie auch sympathischer ab, als man es zunächst hat erwarten können. Anders gesagt: THE TIME TRAVELER kann doch noch zu einer Empfehlung avancieren. Einer leicht eingeschränkten zwar – aber das Ziel den Vorgänger zu übertrumpfen, haben FIRELAND allemal erreicht.

Absolute Anspieltipps: ANGELS FALLING, ANOTHER CHANCE, SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, GOLDEN FUTURE


„Grundsympatisch und gerade nach dem etwas schwächeren Mittelteil stärker als gedacht – FIRELAND sind auf dem absolut richtigen Weg. Vor allem, wenn sie noch weiter an entsprechenden Alleinstellungsmerkmalen arbeiten.“

Metal-CD-Review: FINAL CHAPTER – The WizardQueen (2004)

Alben-Titel: The WizardQueen
Künstler / Band: Final Chapter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. April 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Michael Stein – Drums, Percussion
Achim Sinzinger – Guitars
Michael Brettner – Guitars
Andreas Wimmer – Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Intro (01:11)
2. The WizardQueen (06:34)
3. The Beginning (08:59)
4. The Old Man (04:41)
5. The One Who Cannot Loves (05:41)
6. The Ballad of the Queen (07:45)
7. The Temple of Fear (02:21)
8. The King of the Court (06:37)
9. The Fight (04:00)
10. The Resurrection (09:32)
11. The Arrival of the Queen (04:14)
12. The Search (07:49)

Von Hexen und anderen Zauberkünstlerinnen.

Mit neuen Combos wie MARIUS DANIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM (siehe hier) haben sie wieder deutlich an Reiz gewonnen – spezielle Power Metal-Projekte, die angelehnt an ihre Bezeichnung als Metal-Opera eine große Bandbreite an Gastauftritten auffahren und eine mehr oder oder weniger episch angelegte Geschichte erzählen. Doch auch wenn sie vergleichsweise selten sind und AVANTASIA von vielen als eigentliche Begründer jenes Power Metal-Subgenres betrachtet werden (THE METAL OPERA, siehe Review zu Part I und Part II), tauchten sie im Laufe der Jahre immer wieder auf – manchmal auch bei internationalen Bands, die entweder direkt aus dem Nichts kamen und ebenso schnell wieder verschwanden (siehe AINA’S DAYS OF RAISING DOOM, Review) – oder von denen man es weniger erwartet hätte. Auch die deutschen Musiker von FINAL CHAPTER sind diesbezüglich wohl eine Art Randentdeckung – und das, obwohl das für ihr 2004 erschienenes Debütalbum THE WIZARDQUEEN an den Start gebrachte Star-Aufgebot recht beachtlich war.

Glücklicherweise, sollte man sagen – denn nach der bereits 2000 erschienenen ersten Demo der Band war offenbar noch nicht gänzlich klar, wohin die Reise von FINAL CHAPTER einmal gehen könnte. Irgendwie hatte es die Band dann aber doch geschafft, THE WIZARD QUEEN auf die Beine zu stellen – ein immerhin 12 Titel starkes, knapp 70-minütiges Konzeptalbum mit Gastauftritten von Tobias Sammet (EDGUY, AVANTASIA) und Chitral Somapala (RED CIRCUIT, Ex-POWER QUEST). Eines kann sich das Album aber schon einmal nicht vorwerfen lassen – dass es sich allzu sehr auf Namen wie diese stützt oder verlässt. Tatsächlich sind die für die beiden bekanntesten Künstler des Albums vorgesehenen Rollen sogar vergleichsweise gering bemessen – grundsätzlich lebt THE WIZARDQUEEN von den Auftritten der anderen beteiligten Sänger und vor allem Sängerinnen. Eine große Rolle spielt hier sicher auch der eigentliche Band-Leadsänger Oliver Strasser, der einen entsprechend großen Raum einnimmt – und den Sound des Albums so maßgeblich prägt.

Die Frage ist jedoch, ob THE WIZARDQUEEN auch das Zeug dazu hatte – und im besten Fall noch immer hat – zu einem echten Genre-Dauerbrenner zu avancieren. Immerhin gibt es einige durchaus überzeugende Argumente dafür – wie grundsätzliche alle, die sich in irgendeiner Art und Weise aus das Instrumentenspiel und das an den Tag gelegte Handwerk der Band beziehen. Vor allem das gleichermaßen griffige wie variable Gitarrenspiel von Achim Sinzinger und Michael Brettner überzeugt, wie auch die schier perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elemente und etwaige andere Spielereien seitens des Keyboards. Einzig und allein der Bass hätte noch etwas mehr hervorgehoben werden können – davon abgesehen überzeugt aber auch die allgemeine Abmischung und Produktion. Anders gesagt: THE WIZARDQUEEN klingt recht pompös und majestätisch, aber eben nicht unnötig überladen – und trumpft überdies noch mit einer recht großen Vielfalt an verschiedenen Eindrücken und Gangarten auf.

Probleme gibt es aber dennoch, und das an mindestens zwei Fronten. Zum einen erscheint das Songwriting im Gesamten eher hinter den eigentlichen Fähigkeiten der Beteiligten anstehen zu müssen – das Versprechen einer wirklich dichten Atmosphäre kann über den Verlauf des Albums nicht wirklich gehalten werden, und alles in den Schatten stellende Highlights kann man ebenfalls nicht ausmachen. Zum anderen, und das wiegt eventuell noch etwas schwerer; scheint das Gesangskonzept von THE WIZARDQUEEN nicht wirklich aufgegangen zu sein. Und das trotz der offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten aller, oder zumindest der meisten Beteiligten. Eine der Folgen ist, dass das Album nach dem noch äußerst flotten und hymnischen Opener THE WIZARD QUEEN teils deutlich an Atmosphäre und Faszinationskraft verliert – und man einfach nicht kontinuierlich bei Laune gehalten werden kann, gerade in Anbetracht von vergleichsweise überlangen Nummern wie THE BEGINNING.

Allzu viel geschieht hier schließlich tatsächlich nicht, wobei sich vor allem die einzelnen Gesangsparts anfühlen als wären sie spontan in einen Topf geworfen worden. Andererseits neigen auch schon mal ganze Strophen (wie etwa in THE ONE WHO CANNOT LOVE) dazu, sich schlicht etwas zu holprig und konstruiert anzufühlen. Mit einem harmonischen und bis in die letzten Ecken stimmigen Ganzen, wie es sich etwa bei den sich überraschenderweise für einen naheliegenden Vergleich anbietenden Tschechen von SALAMANDRA ergibt (vor allem in Bezug auf deren frühe Werke wie etwa SKARREMAR, Review); konnten FINAL CHAPTER hier einfach nicht auftrumpfen. Um ein interessantes und so gesehen lohnenswertes Album handelt es sich aber allemal – nur keines, dass das Zeug dazu hätte in die Geschichte einzugehen.

Absolute Anspieltipps: THE WIZARD QUEEN, THE OLD MAN, THE KING OF THE COURT, THE SEARCH


„Eine gleichermaßen überraschende wie ambitionierte Metal-Oper, die eine Chance verdient.“

Metal-CD-Review: DESTINATION’S CALLING – Invisible Walls (2006)

Alben-Titel: Invisible Walls
Künstler / Band: Destination’s Calling (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Christian Gräter – Vocals, Guitars
Markus Göller – Guitars
Steffen Singler – Bass
Christian Frank – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:16)
2. Fallen from Grace (04:04)
3. Sinthetic (04:08)
4. Trapped in Silence (04:15)
5. Bleeding Again (04:05)
6. Prolog (01:22)
7. Invisible Walls (08:15)
8. Disconnected (03:29)
9. Sentenced (03:57)
10. Turning Away (04:14)
11. Destination’s Calling (06:39)

Reisse die unsichtbaren Wände ein, die dich umgeben… wenn die Kraft dazu ausreicht.

DESTINATION’S CALLING sind eine bereits 1997 gegründete Power Metal-Formation aus Deutschland, die nach einem nicht ganz so gradlinigen Start und einigen Demo-Veröffentlichungen erst 2006 ihr Debütalbum INVISIBLE WALLS vorlegte. Selbiges enthält insgesamt 11 oder auch 9 vollwertige Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und ist grob im Bereich des melodischen Power Metals einzuordnen. Des typisch europäischen, sollte man wohl noch dazu einschieben – denn wie ihre potentiellen Vorbilder setzen auch DESTINATION’S CALLING auf eine möglichst ausgewogene Mischung aus gleichermaßen stampfenden wie auch mal etwas flotteren Hymnen auf der einen, sowie deutlich softeren bis explizit balladesken Momenten auf der anderen Seite. Eine Band, die sich für einen schier perfekten Vergleich anbietet, wäre etwa DIONYSUS – auf ihren insgesamt drei Studioalbum legten die mittlerweile wieder getrennte Wege gehenden Schweden eine ganz ähnliche Marschrichtung vor wie nun auch die Deutschen von DESTINATION’S CALLING.

Aber, und das ist eventuell auch einer der Knackpunkte an und auf dem Debütalbum INVISIBLE WALLS – einen zweiten Olaf Hayer konnten die Deutschen für ihren ersten handfesten musikalischen Output nicht an den Start bringen. Sicher ist ein Vergleich wie dieser eher oberflächlicher Natur – und doch spricht er nicht unbedingt für DESTINATION’S CALLING und ihren hiesigen Leadsänger Markus Göller. Schließlich scheint gerade der noch mit einigen anderen Schwierigkeiten zu kämpfen zu haben – vornehmlich solchen, die sich auf sein alles andere als akzentfreies und so gesehen auch wenig stilsicher inszeniertes Englisch beziehen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man diese Feststellung auf die potentiell kräftigeren Momente oder aber die emotionaleren bezieht – einen wirklich guten respektive besonders einprägsamen Eindruck hinterlässt er nicht. Sicher auch, da seine Bandbreite ganz allgemein einen recht limitierten Eindruck macht – oder zumindest keine nennenswerten Ausbrüche in eine wie auch immer geartete Richtung vorgesehen sind.

An der Instrumenten-Front sieht es dagegen schon etwas besser aus für DESTINATION’S CALLING – auch wenn hier ebenfalls keine neuerlichen Maßstäbe gesetzt werden. Anders gesagt: die insgesamt eher ruhige bis retrolastig-rockige Ausrichtung des Albums weiß mit ihrem überraschend starken Fokus auf den Bass zu gefallen und geht gut ins Ohr – doch allzu spektakuläres wird hier weder in Bezug auf den bereits erwähnten Gesang noch das Songwriting oder die eher zurückhaltende Gitarrenarbeit geboten. Darüber hinaus kann man sich einstweilen kaum des Eindrucks erwehren, dass DESTINATION’S CALLING hier einfach nicht wirklich in die Vollen gegangen sind – Nummern wie der Titeltrack INVISIBLE WALLS fühlen sich schlicht deutlich zu kraftlos und uninspiriert an, um überhaupt irgendetwas zu reißen. Das Problem: gerade diese eher mittelprächtigen Nummern umgeben meist belanglose Balladen wie das darauf folgende, äußerst minimalistisch gehaltene DISCONNECTED.

Und die ändern eben auch nicht mehr viel am insgesamt deutlich zu ernüchternden Eindruck des Albums. Immerhin: die Abmischung und Produktion sind gelungen, und mit dem Rausschmeißer DESTINATION’S CALLING erwartet den Hörer doch noch eine kleine Kraftexplosion. Zumindest im Verhältnis, also etwa in Bezug auf das Schlagzeug und das Gitarrenspiel – wobei es viel mehr von eben solchen schon eher packenden Momenten (wie zum Alben-Auftakt eventuell noch das dezent an die CRYSTAL EYES erinnernde SINTHETIC) hätte geben müssen. Dass der Weg bis dahin aber einfach zu beschwerlich ist um zu begeistern – und das trotz der insgesamt recht übersichtlichen Spielzeit – spricht aber leider kaum für INVISIBLE WALLS. Vielleicht ist beim nächsten Mal ja eine größere Portion (Überzeugungs-)Kraft drin…

Absolute Anspieltipps: SINTHETIC, DESTINATION’S CALLING


„Ein insgesamt eher austauschbares und gesanglich problematisches Album, dass sich kaum gegen die auf der Hand liegenden Alternativen durchsetzten kann.“

Metal-CD-Review: AUVERNIA – Towards Eternity (2008)

Alben-Titel: Towards Eternity
Künstler / Band: Auvernia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. Juli 2008
Land: Argentinien
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Juan Pablo Verni – Drums
Fernando Varela – Vocals, Guitars
Leonardo Gabriel Boan Adam – Bass
Eric Roldán – Keyboards

Track-Liste:

1. A New World Is Born (05:21)
2. A Little of Lust (04:08)
3. How Cruel Is Destiny (05:41)
4. You Will Come (06:23)
5. Interludio Nro 1 (02:41)
6. Inherent Rage (04:33)
7. Running on the Road (04:10)
8. The Master Throne (04:19)
9. The Successor (05:58)
10. Blue Blood (X-Japan cover) (05:03)
11. The Show Must Go On (Queen cover) (04:06)

Auf, auf in die Unendlichkeit.

TOWARDS ETERNITY ist das 2008 erschienene Debütalbum von AUVERNIA. Hierbei handelt es sich um eine bereits 1999 in Argentinien gegründeten Combo, die 2006 erstmals in Form einer kurzen EP (YOU WILL COME) von sich hören ließ – und einer, bei der es kaum möglich sein sollte sie vorschnell in eine einzelne Genre-Schublade zu stecken. Immerhin: als grobe Marschrichtung gibt die Band selbst eine Spielart im Bereich des Progressive Power Metal vor – doch schon der Opener A NEW WORLD IS BORN zeigt auf, dass es sich dabei tatsächlich nur um eine ungefähre Orientierung handelt oder eher handeln kann. Anders gesagt: TOWARDS ETERNITY schöpft von den ersten Sekunden an aus dem musikalischen Vollen, schlägt im stilistischen Sinne des öfteren in so manch unerwartete Richtung aus – und unterstreicht den ohnehin von AUVERNIA ausgehenden Überraschungseffekt als bis dato unbekannte, offenbar aber reichlich talentierte Newcomer-Band aus Argentinien.

Wobei – und auch das ist eine kleine Besonderheit – die Argentinier gar nicht erst darauf aus sind Musik in ihrer Landessprache einzuspielen. Wie man weiss kann das einem potentiellen internationalen Erfolg recht dienlich sein – zumindest wenn man nicht den Eindruck erweckt, dass man sich in einer wie auch immer ausfallenden Art und Weise für die Produktion verbogen hat. Bei AUVERNIA stehen diesbezüglich aber alle Zeichen auf grün. Beispielsweise bewegen sich die gerne mal etwas düstereren, atmosphärischen Texte qualitativ weit über dem Genre-Standard. Und, was vielleicht noch etwas wichtiger ist: der hiesige Frontmann Fernando Varela beherrscht nicht nur ein einwandfreies und akzentfreies Englisch, sondern vermag es auch problemlos zwischen verschiedensten Gesangsarten und -Lagen zu wechseln. So hört man den Argentinier nicht nur einen recht energischen, angenehmen Klargesang von sich geben – er sorgt auch immer wieder für markante Growl-Einwürfe. Jenes Wechselspiel unterstützt den insgesamt eher düsteren und ungestümen, handwerklich und klanglich aber perfekt aufeinander abgestimmten Gesamteindruck von TOWARDS ETERNITY.

Somit kann man auch beliebig entscheiden, ob man das Album nun als recht imposantes Ganzes betrachtet – oder aber sich einzelne Momente herauspickt. Vornehmlich solche, auf die man immer wieder gerne zurückkommt – wie etwa das nicht ganz so komplexe, dafür umso wuchtigere und eingängigere A LITTLE OF LUST; das am ehesten einem gradlinigen Power Metal-Track entspricht. Zumindest für AUVERNIA-Verhältnisse versteht sich, Abwechslung gibt es trotzdem zuhauf. Doch ob es nun die eingestreuten Chöre, die klassischen Einspieler oder das immer mal wieder auftauchende Keyboard sind – allzu künstlich oder konstruiert wirkt und klingt hier nichts. Oder eher verdächtig wenig, woran auch die handwerklich mehr als überzeugenden Leistungen der einzelnen Mitglieder verantwortlich sind – und die für ein unerwartetes Independent-Release überraschend druckvolle und selbst in Bezug auf etwaige Feinheiten überzeugende Produktion. Ein kleines Manko gibt es dann aber doch: während die meisten der auf dem Album enthaltenen Nummern durchweg überzeugen, könnte der aus den beiden Cover-Versionen entstehende Eindruck zwiespältiger nicht sein. Schließlich überzeugt BLUE BLOOD (X-JAPAN) als extrem mitreißender, sogar in den japanischen Textpassagen stilsicherer Dauerbrenner – während man mit THE SHOW MUST GO ON (QUEEN) das komplette Gegenteil macht und den wohl einzigen absolut deplatzierten Titel des Albums präsentiert.

Sei es drum, eines geht bei den Argentiniern von AUVERNIA in jedem Fall auf. Etwas, an dem so manch andere Combo scheitert: trotz der gewagten Vermengung von Elemten des Progressive-, des Power- und sogar Black Metals; sowie der quasi nebenbei stattfindenden Hereingabe von Einflüssen aus der Klassik und dem Jazz klingt TOWARDS ETERNITY noch immer recht kohärent und organisch. Einen allzu modernen Eindruck muss man bis auf wenige Ausnahme-Momente ebenfalls nicht befürchten, wenn überhaupt einen dezent experimentellen – der sich aber umso mehr legt, je intensiver man in den Alben-Kosmos eingestiegen ist. Fakt ist aber: um ein schnell oder nebenbei zu verköstigendes Album handelt es sich bei TOWARDS ETERNITY keineswegs – man muss sich schon etwas Zeit nehmen und überdies bereit sein, nicht in vorgefertigten Schubladen zu denken. Wem das gelingt, den erwartet eine musikalisch höchst interessante Reise, die man am ehesten mit den Erzeugnissen einer Band wie SYMPHONY X vergleichen könnte – mit dem Unterschied, dass AUVERNIA noch viel öfter aus den gängigen Power Metal-Konventionen ausbrechen und insgesamt etwas schroffer klingen – nicht zuletzt aufgrund der aggressiven Growls.

Absolute Anspieltipps: A NEW WORLD IS BORN, A LITTLE OF LUST, INHERENT RAGE, BLUE BLOOD


„Anders, aber allemal überzeugend.“