Filmkritik: „Das Kalte Herz“ (2014)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: Märchen von Wilhelm Hauff
Regie: Marc-Andreas Bochert
Mit: Rafael Gareisen, Laura Louisa Garde, Marie Gruber u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy / Drama
Tags: Peter Munk | Köhler | Arbeit | Armut | Ansehen | Reichtum | Wandlung

Umso stärker die Liebe, umso größer die Versuchung…

Inhalt: Der fleißige aber arme Peter Munk (Rafael Gareisen) war schon immer ein guter Junge. So sorgt er für sich und seine Mutter, indem er tagtäglich in den Wald geht und sich mit der langwierigen Herstellung von Holzkohle abmüht – auch wenn er dafür von den meisten nur hämisch belächelt wird. Doch als er auf die hübsche Lisbeth (Laura Louisa Garde) trifft, der von einem anderen und weitaus wohlhabenderen Konkurrenten Avancen gemacht werden; wird es des angestauten Frustes doch noch zu viel. Und so macht sich Peter erneut auf zu dem einzigen Ort, an dem er sich wirklich sicher fühlt – dem hiesigen Wald. Dieses Mal, und mit dem tieferen Vordringen in das Gehölz aber trifft er auf gleich zwei seltsame Gestalten: den Holländer-Michel (Thomas Thieme), der Peter sogleich aus der Patsche hilft und auch sonst ein offenes Ohr für den jungen Mann zu haben scheint – und das Glasmännlein (Tilo Prückner), welches ihm drei Wünsche zugesteht. Natürlich nimmt Peter an, und entscheidet sich zunächst einmal für den nötigen Reichtum um endlich das ihm zustehende Ansehen zu genießen – und nicht zuletzt, um bei seinem Schwarm Lisbeth zu landen. Doch letztendlich läuft alles doch nicht so wie geplant…

Kritik: Um die wievielte direkte oder zumindest entsprechend beeinflusste filmische Aufarbeitung es sich bei der für das ZDF produzierten Version von DAS KALTE HERZ tatsächlich handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht nur, dass die von Marc-Andreas Bochert verwirklichte und im Rahmen des ZDF-Specials Märchenperlen gezeigte Variante nicht viel anders macht als die bisherigen Veröffentlichungen – von der die im Jahre 1950 erschienene DEFA-Version eine der bekannteren markiert. Neu sind nur die Special Effects, die wider Erwarten recht dezent eingesetzt wurden – sowie natürlich die Besetzung mit einigen mehr oder weniger bekannten deutschen Darstellern. Die allerdings machen ihre Sache recht ordentlich, und auch die optisch-handwerkliche Gestaltungsarbeit weiß zu überzeugen – vor allem im Sinne einer TV-Produktion. Dass dann auch noch die Moral der Geschichte treffend eingefangen wurde – und das ohne etwaigen Blödeleien zu verfallen oder allzu sehr ins kitschige abzudriften – rundet die Sache ab. Sicher, DAS KALTE HERZ mag keine inhaltlich neue oder gar weltbewegende Märchenverfilmung sein – doch die angenehme Art der Erzählung, die für ein Märchen vergleichsweise ungekünstelt wirkende Emotionalität sowie die gleichermaßen universellen wie zeitlosen Botschaften machen die 2014’er ZDF-Version durchaus zu einem Hingucker; gerade für einen gemeinsamen Familien-Filmabend.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Justbridge Entertainment

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„Eine absolut annehmbare, angenehm bodenständige Märchenverfilmung.“

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Filmkritik: „A Monster Calls / 7 Minuten Nach Mitternacht“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: A Monster Calls (Roman)
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Monster | Kind | Junge | Familie | Schicksal | Coming Of Age

Ein Monster, mit dem man rechnen muss.

Inhalt: Die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebende Elizabeth (Felicity Jones) hat es als alleinerziehende wahrlich nicht leicht. Dabei ist ihr im Ausland lebender und somit nur noch sporadisch auftauchender Ex-Mann, der sich offenbar nur selten um ihren gemeinsamen Sohn Conor (Lewis MacDougall) kümmern kann; noch das geringste Problem. Schließlich leidet Elizabeth an einer schweren Krebserkrankung, die es ihr zusehends unmöglich macht ausreichend für ihren heranwachsenden Sohn zu sorgen. Davon wissen natürlich auch die anderen Bewohner der Gegend – etwa die Mitschüler aus Conor’s Klasse. Anstatt jedoch Unterstützung zu erfahren, wird er ständig nur gehänselt – sodass sich Conor am liebsten in sein Zimmer zurückzieht, und mithilfe seiner Zeichnungen in seine eigene Gedankenwelt abtaucht. Eines Tages wird er dann zeuge eines denkwürdigen Ereignisses: die alte Eibe in der Nähe seines Hauses wird plötzlich lebendig, schreitet auf den verdutzten Conor zu – und nimmt Kontakt mit ihm auf. Gleichzeitig mischt sich Conor’s strenge Großmutter (Sigourney Weaver) in die Familienangelegenheiten ein, und beschließt Conor erst einmal bei sich aufzunehmen – und das so lange, bis es seine Mutter endlich wieder besser gehen würde.

Kritik: Mit A MONSTER CALLS wagt sich der aus Spanien stammende und vornehmlich durch seine Arbeiten an DAS WAISENHAUS (siehe Filmkritik) sowie dem Tsunami-Drama THE IMPOSSIBLE bekannt gewordene Regisseur Juan Antonio Bayona erstmals an die Verfilmung einer gleichnamigen Jugendbuch-Vorlage von Patrick Ness. Die ist in Anbetracht ihres Erscheinens im Jahre 2011 noch relativ frisch, basiert eigentlich auf einer Idee der an Krebs verstorbenen irisch-britischen Schriftstellerin Siobhan Dowd – und hat trotz des offensichtlichen Monster-Sujets weniger mit einem fantastischen Märchen am Hut als eventuell erwartet. Vielmehr wird dem Zuschauer überraschend schnell nahegelegt, dass es sich bei der aus einer alten Eibe herausformenden Baum-Kreatur um ein rein imaginäres Konstrukt des jungen Hauptprotagonisten Conor handelt – der als Heranwachsender früh lernen muss, mit der schweren und aller Wahrscheinlichkeit nach tödlichen Krebserkrankung seiner Mutter umzugehen.

Dass A MONSTER CALLS somit alles andere als ein typischer Fantasy- oder auch Monsterfilm geworden ist, ist jedoch keine Enttäuschung – sondern seine eigentliche Stärke. Zumindest wenn es weiß und man sich entsprechend darauf einlässt, darauf einlassen kann. Anders gesagt: die spezifischen Darstellungen der behandelten kindlichen Gedankenwelt sind das markanteste (und eventuell auch das gewöhnungsbedürftige) Alleinstellungsmerkmal des Films – im Kern und davon unabhängig aber bleibt er ein unerwartet aufwühlendes und Charakter-intensives Drama mit starken Coming Of Age-Elementen. Ein Drama; dass wie so viele andere von seinen Charakteren und einer möglichst nachvollziehbaren Schilderung der Ereignissen lebt – was Juan Antonio Bayona in seiner Ausführung auch gelingt, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Darstellung mit dem hier gezeigten Monster als versinnbildlichtem inneren Dämon.

Trotz einiger guter Ansätze und der in diesem Falle ausnahmsweise mal positiv zu attribuierenden Mogelpackung hat A MONSTER CALLS aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Beispielsweise ist festzustellen, dass sich der Film gerade in Bezug auf seinen Auftakt und den ersten Begegnungen mit dem Monster teils deutlich in die Länge zieht und erst gegen Ende wieder aus dem (emotionalen) Vollen schöpft. Auch die analog dazu immer wieder eingeschobenen Erzähl-Sequenzen in einem speziellen Comic-Look stören – auch wenn sie inhaltlich Gewicht haben – den allgemeinen Filmfluss. Und überhaupt: allzu großartig sehen sie erst gar nicht aus, sodass hier durchaus der Wunsch nach einem anderen Stilmittel laut werden könnte. Für das Monster selbst gilt dann eigentlich nur eines: vor allem aus der Ferne sowie in den nett gemachten Verwurzelungs-Szenen macht es ordentlich was her, in den Nahaufnahmen macht es einen eher befremdlichen bis unschönen Eindruck.

Gut also, dass hier eher die Musik respektive die Sprache den Ton angibt – und sowohl Liam Neeson (in der Originalfassung) als auch der Synchronsprecher Bernd Rumpf stimmig durch die Gegend grummeln, stets unterstützt vom mystisch-atmosphärischen Soundtrack aus der Feder von Fernando Velázquez. Noch wichtiger als das ist aber die erbrachte Leistung der Darsteller, die in einem Drama wie diesem über vieles entscheidet – woran auch noch so viele Effekte und Traumsequenzen nichts ändern. Mit einem starken Lewis MacDougall (u.a. PAN, siehe Filmkritik>7span>) in der Hauptrolle haben die Verantwortlichen aber alles richtig gemacht – seine Darbietung überzeugt auf ganzer Linie. In Anbetracht der kindlichen Besetzung sollte man indes nicht von einem für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilm ausgehen: die offizielle Altersfreigabe ab 12 erweist sich als annehmbare Orientierung, zumal der Film einige düstere Elemente bereithält und inhaltlich vergleichsweise tief greift.

Schlussendlich: A MONSTER CALLS ist Klagelied und Ode an das Leben zugleich, in dem sich Grausamkeit und Schönheit die Klinke in die Hand geben – und präsentiert ein bewegendes Anschauungsbeispiel dafür, wie ein einzelner diese erstaunliche Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt und interpretiert. Und wer genau das erwartet – nicht mehr und nicht weniger – der wird vermutlich auch nicht enttäuscht aus dieser Erfahrung herausgehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © A Monster Calls A.I.E. / Quim Vives

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„Eine visuell und inszenatorisch ebenso einzigartig wie gewöhnungsbedürftig umgesetzte; unabhängig davon aber überraschend starke, intensive und bewegende Coming Of Age-Geschichte.“

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Filmkritik: „Golemata Voda / Der Tag, Als Stalins Hose Verschwand“ (2004)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Golemata Voda (Roman)
Regie: Ivo Trajkov
Mit: Saso Kekenovski, Maja Stankovska u.a.
Land: Mazedonien
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kinder | Flüchtlinge | Kommunismus

Golemata Voda, oder: A Macedonian Film.

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird der junge, vom Krieg gebeutelte Lem (Saso Kekenovski) in ein stalinistisches Erziehungslager in Jugoslawien gebracht. Doch anstatt der dringend benötigten Zuneigung bekommen Lem und die vielen anderen Waisenkinder hier vor allem eines zu spüren: einen unangenehmen Drill, der durch die nicht seltenen Schikanen der Aufseher noch verstärkt wird. Eines Tages kommt mit Isak (Maja Stankovska) ein eher ungewöhnlicher Junge in das Lager, der von den meisten nur als der Sohn des Teufels bezeichnet wird. Doch während ihm viele seiner jüngeren Leidensgenossen eher mit Ehrfurcht gegenüberstehen und es kaum wagen würden sich ihm zu nähern, versucht Lem die Gunst des seltsamen Jungen zu gewinnen. Als er damit Erfolg hat, scheint Lem wieder Hoffnung zu schöpfen – doch die Situation im Lager spitzt sich zu, als mehrere propagandistische Symbole des Lagers gestohlen oder verunstaltet werden. Eines scheint klar: der Schuldige muss gefunden werden, wobei die dabei eingesetzten Methoden kaum eine Rolle spielen.

Kritik: GOLEMATA VODA, THE GREAT WATER – oder um ihn beim etwas sperrigen Deutschen Titel DER TAG ALS STALINS HOSE VERSCHWAND zu nennen – ist ein Nachkriegsdrama des Mazedonischen Regisseurs Ivo Trajkov, der auf der gleichnamigen Romanvorlage des ebenfalls aus Mazedonien stammenden Schriftstellers Živko Čingo basiert. Gleichzeitig handelt es sich um einen Film mit mehreren Besonderheiten – die bei der zugrundeliegenden Erzähl-Perspektive in Form einer Rückblende beginnen, sich über den expliziten Fokus auf das übergeordnete Thema der (Staats-)Erziehung erstrecken; und schlussendlich in einem starken Schwerpunkt auf eine etwas andere Coming Of Age-Geschichte münden. Schließlich rückt Trajkov vor allem seine beiden jungen Hauptprotagonisten in den Fokus, die als Kriegswaisen in das kommunistisch-stalinistische Erziehungslager gebracht werden – und beleuchtet potentielle Folgen der hiesigen Doktrin.

Neben der ungeschönt-intensiven Atmosphäre, einigen gelungenen Stilmitteln gerade in Bezug auf die Darstellung des sublimatorischen Mystizismus und dem generellen Wegfall von allzu plump-pauschalen Aussagen oder direkten Urteilen über die Hintergründe fallen auch die insgesamt gelungenen handwerklich-technischen Aspekte auf. So sind die Bildkompositionen teils wuchtig und opulent, lassen dabei aber stets den unterschwelligen Schrecken erahnen – und die stimmige Filmmusik weiß für eine ansprechende akustische Untermalung zu sorgen, auch ohne dabei allzu forciert auf die Tränendrüse zu drücken. Den größten Respekt aber verdienen die beiden Kinderdarsteller in den Rollen von Lem und Isak – die ihren erwachsenen Kollegen in Nichts nachstehen, erst Recht nicht was ihr höchst authentisches Spiel betrifft. Auch wenn GOLEMATA VODA knapp am Status eines Meisterwerks vorbeischrammt – für eine Attribuierung als besonderes filmisches Kleinod aus Mazedonien reicht es ganz locker.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Medialuna Entertainment

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„Intensiv erzählt, bewegend und gleichermaßen grotesk wie authentisch.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieser Film einen Platz in der Liste der besten Dramen und Tragikomödien aller Zeiten gesichert.

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Filmkritik: „Der Sohn“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Urs Egger
Mit: Mina Tander, Nino Böhlau, Muriel Baumeister u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama / Thriller
Tags: Kleinstadt | Alleinerziehend | Mutter | Sohn | Mord | Verdacht

Wenn die Mutter mit dem Sohne…

Inhalt: Die alleinerziehende Katharina (Mina Tander) lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn Stefan (Nino Böhlau) in einer beschaulichen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Schnell wird klar, dass es die von ihrem Mann verlassene Katharina nicht immer leicht hat – erst Recht, da ihr Sohn schon seit seiner Geburt an einem besonders schweren Asthma leidet. Stefan indes scheint dies bestenfalls dann zu stören, wenn er mal wieder eine Hustenattacke bekommt – er scheint langsam aber sicher genug zu haben von seiner überfürsorglichen Mutter und ihren Ratschlägen. Die macht sich währenddessen Vorwürfe, und stellt sich immer wieder die Frage ob sie ihren Sohn überhaupt noch liebt; lieben kann – erst Recht, da ihr eines Tages eine schlimme Vermutung in den Sinn kommt. Denn: kurz nachdem sich der immer mehr von seiner Mutter abgrenzende Stefan mit seinen merkwürdigen nächtlichen Streifzügen begonnen hatte – in denen er unter anderem seiner aufkeimenden Sexualität Luft machte – wurden in der Gegend die Leichen von zwei ermordeten Frauen gefunden. Kann sich der grausame Verdacht der Mutter wirklich bestätigen, oder andersherum: könnte Stefan tatsächlich zu einem Mörder werden, um seine potentiell unkontrollierbaren Gelüste zu befriedigen ?

Kritik: Nein, ein Filmtitel wie DER SOHN zeugt nicht gerade von einem großen Erfindungsreichtum – und lässt auch nicht die Vermutung entstehen, dass hier mit ganz und gar spektakulären Inhalten zu rechnen wäre. Tatsächlich aber legt es der für die ARD produzierte und von Urs Egger umgesetzte Spielfilm durchaus darauf an, die Gemüter der Zuschauer zu erhitzen. Vornehmlich, in dem ein sonst üblicher Familien- und Generationskonflikt zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem jugendlichen Sohn gleich auf mehrerlei Art und Weise auf die Spitze getrieben wird – mit dem letztendlichen Ergebnis, dass sich beide Parteien nicht gerade mit Ruhm bekleckern und des Öfteren mehr als fragwürdige Verhaltensweisen an den Tag legen. Die dabei angeschnittenen oder teils auch etwas expliziter beleuchteten inhaltlichen Kernelemente des Films zielen dabei klar auf den Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion im Kreise der Familie: Themen wie Überbehütung, Bevormundung, Misstrauen sowie eine daraus resultierende Aggression und Hilflosigkeit geben sich in DER SOHN die Klinke in die Hand.

Paart man diese heikle Mischung auch noch mit einer gehörigen Portion pubertären Wahnsinns und diversen die Situation nicht gerade erleichternden Umständen, scheint das Chaos perfekt – und ein Film wie DER SOHN voll in seinem Element. Leicht problematisch wird es nur, wenn Urs Egger respektive die verantwortlichen Drehbuchautoren Dagmar Gabler und Peter Andersson dann doch mal gehörig über die Stränge schlagen und den Film so fast schon unfreiwillig komisch, mindestens aber dezent überzogen wirken lassen – inklusive einiger Szenen die man komplett hätte streichen müssen (wie den Wachmann, der seine potentiellen Opfer offenbar im Flutlicht ausmacht). Immerhin bezieht der Film selbst keine klare Stellung zu den meisten der angeschnittenen Themen – und überlasst es in weitestem Sinne dem Zuschauer, über die Charaktere und ihre verfahrene Situation zu urteilen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © BR | DasErste.de

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„Etwas weniger Hysterie und etwas mehr Glaubwürdigkeit wären dem Film sicherlich gut bekommen. Unterhaltsam und ausreichend heikel um für den nötigen Gesprächsstoff zu sorgen ist DER SOHN aber allemal.“

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Der Trailer:

http://www.daserste.de/embed/index~standalone.jsp?id=der-sohn-trailer-video-100&share=1&extern=1

Filmkritik: „Dog Days Of Summer“ (2007)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Freiburger
Mit: Richard Herd, Devon Gearhart, Colin Ford u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Thriller / Drama
Tags: Kleinstadt | Kinder | Fremder | Mysteriös | Veränderungen

Wie im Kleinen, so im Großen…

Inhalt: Ein einsamer Mann durchwandert die Straßen einer verlassenen und vermüllten Kleinstadt, in der nur noch das pfeifende Geräusch des Windes zu hören ist – und wenn man genau hinhört, auch die Stimmen der Vergangenheit. So erinnert sich der Hauptprotagonist Philip zurück an die Zeit, in der er hier als Kind (Devon Gearhart) viel Zeit mit seinem besten Freund Jackson (Colin Ford) verbrachte. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei ein ganz besonderer Sommer, in dem ein mysteriöser Fremder in der Stadt auftauchte. Sicher, Eli Cottonmouth (Will Patton) war ein äußerst fähiger Modellbauer, und erhielt seitens der Stadtverwaltung schnell den Auftrag auch von ihr ein detailliertes Modell anzufertigen. Im Großen und Ganzen aber machte er den Menschen eher Angst – und auch Philip wusste als Kind kaum, wie er den Fremden einschätzen sollte. Immerhin händigte er den beiden Freunden eine Kamera aus, und bat sie von möglichst vielen Objekten in der Stadt Bilder zu schießen. Das taten sie auch, ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen – bis sich die Lage mit dem plötzlichen Verschwinden einer hochschwangeren Frau zuspitzte. So sollten die Menschen doch noch herausfinden, was es mit dem seltsamen Fremden und seinen Modellen tatsächlich auf sich hatte…

Kritik: Die US-Amerikanische Produktion DOG DAYS OF SUMMER ist alles andere als ein gewöhnlicher Spielfilm – und gleichzeitig auch einer, mit dem man erst warm werden muss. So können sich schon die ersten Minuten als recht zäh erweisen, und welche Marschrichtung das filmische Erstwerk von Regisseur Mark Freiburger letztendlich einschlagen würde; ist zunächst kaum zu erahnen. Aber auch in seinem weiteren Verlauf wirkt der Film etwas zu unentschlossen, zumindest stellenweise. Am ehesten wird der Zuschauer so einem wahren Wechselspiel aus verschiedenen Emotionen und Eindrücken ausgesetzt, ohne dass eine der vielen inhaltlichen Komponenten nachhaltig fokussiert wird. In seinem Dasein irgendwo zwischen einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, einem netten Mystery-Thriller und einem Gesellschaftsdrama mit teils kritischen Botschaften lebt DOG DAYS OF SUMMER vor allem von seinen ungewöhnlichen Charakteren, dem soliden bis hervorragenden Schauspiel, der teils eindringlichen Filmmusik sowie seinem stimmig in Szene gesetzten Vergangenheits-Setting inklusive einer entsprechenden Erzähl-Perspektive.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Anchor Bay Entertainment

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„Eine insgesamt noch etwas zu konfuse und unentschlossene Angelegenheit – aber das an den Tag gelegte Handwerk überrascht, wie auch der allgemein ambitionierte und gewissermaßen erfrischende Gesamteindruck.“

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