Metal-CD-Review: KAMELOT – The Shadow Theory (2018)

Alben-Titel: The Shadow Theory
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. April 2018
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Sean Tibbetts – Bass
Thomas Youngblood – Guitars
Oliver Palotai – Keyboards, Orchestrations
Tommy Karevik – Vocals
Johan Nunez – Drums

Track-Liste:

1. The Mission (01:30)
2. Phantom Divine (Shadow Empire) (04:05)
3. Ravenlight (03:37)
4. Amnesiac (03:40)
5. Burns to Embrace (05:53)
6. In Twilight Hours (04:15)
7. Kevlar Skin (04:05)
8. Static (03:58)
9. Mind Fall Remedy (03:22)
10. Stories Unheard (04:24)
11. Vespertine (My Crimson Bride) (03:58)
12. The Proud and the Broken (06:24)
13. Ministrium (Shadow Key) (03:02)

Gut, dass diese Theorie doch noch ans Tageslicht gekommen ist.

Wir schreiben den April 2018 – und es ist mal wieder KAMELOT-Zeit. Immerhin steht der geneigten Hörerschaft mit THE SHADOW THEORY das mittlerweile zwölfte offizielle Studioalbum der US-Power Metaller ins Haus. Das zwölfte – oder so gesehen auch das dritte, auf dem der im Jahre 2012 von der Band akquirierte neue Leadsänger Tommy Karevik zu hören ist. Sicher sind dabei auch heute noch nicht alle mit dem Weggang des einstigen Frontmanns Roy Sætre Khantatat einverstanden – und doch muss man Tommy Karevik und dem Rest der KAMELOT-Truppe eines in jedem Fall zugute halten: grundsätzlich gab sowohl am 2012’er Album SILVERTHORN (siehe Review) sowie dem 2015 nachgeschobenen HAVEN (Review) nur wenig auszusetzen. Und das vornehmlich auch, da KAMELOT wenn es um ihre Musik geht vergleichsweise konsequent agieren – und sich offensichtlich selbst von einem potentiell einschneidenden Mitgliederwechsel wenig beirren lassen. Für den neuesten, in der Standard-Version 13 Titel enthaltenen Langspieler THE SHADOW THEORY bedeutet das mindestens zweierlei: zum einen, dass KAMELOT weder das Rad neu erfinden noch nennenswert von ihrer bisherigen Spielart abweichen – und zum anderen, dass sie dennoch oder gerade deshalb einen gewohnt qualitativen Genre-Beitrag abliefern, der durchaus als Lichtblick in Bezug auf das zweite Quartal des Power Metal-Jahres 2018 betrachtet werden kann.

Oder vielleicht auch betrachtet werden muss – schließlich geben sich KAMELOT auch dieses Mal nicht die Blöße und begeistern die Hörerschaft mit einem vergleichsweise düsteren und emotionalen Power Metal, der typischerweise von einem nicht unerheblichen Maß an Progressivität geprägt ist und mit vielen gelungenen symphonischen Einschüben daherkommt. Tatsächlich fällt diesbezüglich schon der gesamte Alben-Auftakt überaus vorteilhaft aus: sei es das rein instrumentale Intro THE MISSION, der als Videosingle ausgekoppelte und das Album so gesehen vertretende Opener PHANTOM DIVINE oder das etwas ruhigere aber nicht weniger dramatische RAVENLIGHT – KAMELOT machen schnell klar, wohin die Reise auf und mit ihrem THE SHADOW THEORY gehen würde. Neben dem gekonnt in Szene gesetzten und in dieser Form problemlos als Alleinstellungsmerkmal der Band zu bezeichnenden musikalischen Anspruch – der im besten Fall zu einem entsprechend intensiveren Hörvergnügen führt als bei einigen anderen progressiv angehauchten Power Metal-Combos – ist es vor allem auch das keinerlei Schwächen offenbarende Handwerk der Amerikaner welches durchweg überzeugt, und im Zusammenspiel mit der perfekten Abmischungs- und Produktionsarbeit für ein rundum angenehmes und wohlklingendes Hörvergnügen sorgt.

Sicher, in wie weit man sich von einem Album wie THE SHAODW THEORY in emotionaler Hinsicht – und das speziell in Anbetracht von gefühlvollen Balladen wie IN TWILIGHT HOURS oder STORIES UNHEARD – gefangenehmen lassen kann; wird wie so oft stark vom jeweiligen persönlichen Geschmack und der Bereitschaft, sich zumindest hie und da mit einer etwas weicheren Seite des Power Metals auseinanderzusetzen abhängen. Und doch muss man einfach festhalten dass das damit verbundene, von Band gemachte Angebot schlicht etwas reizvoller ist als anderswo – und so gesehen auch in einem effektiveren Ergebnis mündet. Jedoch – und davor sind auch erfahrene Recken wie die von KAMELOT nicht gefeit – ist THE SHADOW THEORY nicht gänzlich frei von Schwächen. Oder eher schwächeren Momenten, die sich nicht allzu markant auf die Gesamtbetrachtung des Albums auswirken – es wohl aber doch verhindern, dass KAMELOT ein wirklich kultverdächtiges Werk abliefern. Anders gesagt: während der gesamte Auftakt sowie das Finale des Albums immer wieder mit hervorragenden Momenten glänzen, sieht es in Bezug auf den Mittelteil des Albums nicht immer ganz so gut aus. Ausgerechnet die wohl härteste, klanglich aber etwas konfus ausfallende Nummer MINDFALL REMEDY etwa stört den Fluss des Albums doch erheblich – auch wenn der Gedanke für etwas Abwechslung zu sorgen nicht verkehrt ist. Doch hätte man eben das auch in anderer Form machen können oder sollen.

Auch STATIC offenbart als eher balladesk angehauchter Titel nicht viel neues oder spektakuläres, während zumindest das druckvolle KEVLAR SKIN für einen deutlich knackigeren Moment sorgt. Eben davon hätten es insgesamt betrachtet ruhig noch etwas mehr sein können – und das auch, da KAMELOT aufpassen müssen sich nicht allzu sehr auf ihre weich-balladeseke Seite zu versteifen. Und sicher auch darauf, nicht noch einmal zu Maßnahmen wie im eigentlich recht unspektakulären BURNS TO EMBRACE zu setzen – dessen Finale von einem recht unpassend wirkenden und klingenden Kinderchor begleitet wird. Immerhin: gegen Ende wird das Ganze wieder wesentlich überzeugende rund reizvoller – etwa in Form des erhabenen VESPERTINE, des kleine Opus THE PROUD AND THE BROKEN mit seinen aggressiven und choralen Einschüben sowie auch des instrumentalen Rausschmei´ßers MINISTRIUM. Die Chance, gegen Ende des Albums noch einmal alles abzufackeln was geht haben KAMELOT jedenfalls nicht ungenutzt verstreichen lassen – was THE SHADOW THEORY noch einmal positiv abrundet, und mit dem tadellosen Auftakt für eine Gesamtwertung in einem entsprechend gehobenen Bereich sorgt. Sollte in absehbarer Zeit ein weiteres Album folgen, könnte es allerdings von Vorteil sein wenn sich die Amerikaner mal wieder etwas kräftiger, experimentierfreudiger; ja schlicht aufregender inszenieren.

Absolute Anspieltipps: PHANTOM DIVINE, RAVENLIGHT, KEVLAR SKIN, STORIES UNHEARD, VESPERTINE


„Der Highlights hätten es gern noch ein paar mehr sein dürfen – doch insgesamt betrachtet ist THE SHADOW THEORY einfach typisch KAMELOT.“

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Metal-CD-Review: AXENSTAR – Where Dreams Are Forgotten (2014)

Alben-Titel: Where Dreams Are Forgotten
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. November 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Adam Lindberg – Drums
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Magnus Winterwild – Vocals, Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Fear (04:22)
2. Inside the Maze (04:30)
3. My Sacrifice (04:04)
4. Curse of the Tyrant (04:26)
5. The Return (03:32)
6. Demise (04:10)
7. Annihilation (05:10)
8. Greed (04:25)
9. The Reaper (04:44)
10. This False Imagery (04:49)
11. Sweet Farewell (06:03)

Wer wird denn gleich in Vergessenheit geraten…

Nein, innerhalb der Karriere von AXENSTAR lief nicht immer alles rund. Zumindest dem Anschein nach – und wenn man bedenkt, dass die Schweden durchaus eine etwas schwächere Phase hatten. Schließlich ließen gerade Alben wie THE FINAL REQUIEM (siehe Review) sowie die darauf angehängte Pause von 5 Jahren nicht unbedingt auf allzu gutes hoffen – bis, ja bis sich AXENSTAR doch noch zurückmeldeten. Das war 2011 und geschah in Form des vergleichsweise bärenstarken AFTERMATH (Review) – das so gesehen auch den Weg für das vorliegende und bis heute aktuellste Studioalbum WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN ebnete. Wie schon zuvor gilt beim Genuss des insgesamt 11 Titel enthaltenen Werkes vornehmlich eines: die Veränderungen halten sich in Grenzen, doch wo es welche gibt fallen sie zumeist positiv aus. Anders gesagt: AXENSTAR sind auf ihrem WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN noch immer eindeutig als AXENSTAR zu erkennen, und haben bis auf einen insgesamt etwas düsterer anmutenden Sound wenig an ihrem musikalischen Grundkonstrukt geschraubt – und doch ist das sechste Studioalbum der Jungs weit davon entfernt, dem Hörer eine ähnliche Eintönigkeit aufzuerlegen wie einst THE INQUISITION (Review) oder vielleicht auch THE FINAL REQUIEM.

So macht schon der richtigerweise als Videosingle ausgekoppelte Opener FEAR eine erstaunlich gute Figur – und auch in den folgenden Titeln ist zu bemerken, dass AXENSTAR alles daran setzen eine möglichst große Bandbreite an Eindrücken zu vermitteln. Dass das so gut gelingt, liegt vor allem auch an der schier perfekten Produktion und dem hervorragenden; von der Band bereits gewöhnten Handwerk: die Gitarren sind omnipräsent und werkeln ebenso schroff wie melodiös, das Drumming ist wuchtig, der Bass angenehm und die gesangliche Darbietung von Magnus Winterwild nach wie vor unverkennbar – während man sich am Keyboard eher zurückhält. Davon profitieren insbesondere kraftvoll-stampfende Nummern wie MY SACRIFICE, DEMISE oder ANNHILATION – während es lediglich Titel wie das atmosphärisch aufgemachte CURSE OF THE TYRANT, das ruhige THE RETURN oder das relativ zahme THE REAPER sind, denen vielleicht doch noch das gewisse Etwas fehlt. Und das auch oder gerade weil sich Magnus Winterwild zwar absolut stilsicher, aber eben auch vergleichsweise limitiert und wenig flexibel inszeniert. Immerhin: gegen Ende von DEMISE oder in GREED tönt er dann doch mal etwas tiefer und rauer als sonst. An der insgesamt etwas eingefahren klingenden und wirkenden Leadgesangs-Struktur ändert aber auch das nicht viel – wobei es die Tatsache, dass andere und vielleicht auch ganz ähnlich klingende Power Metal-Combos wesentlich überzeugender Leadsänger an den Start bringen; nicht viel besser macht.

Eben das führt auch zum mitunter einzigen aktuellen Problem von AXENSTAR: zwar ist das Handwerk der Schweden über so gut wie alle Zweifel erhaben, und die Präsentation eines Albums wie nun auch WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN lässt grundsätzlich nur wenig Spielraum für Kritik – und dennoch lässt sich der Gedanke, dass wenn man ein AXENSTAR-Album gehört hat alle kennt; nicht gänzlich von der Hand weisen. Sicher handelt es sich hierbei um eine überspitzte Formulierung, die vor allem dann nicht zutrifft wenn man etwas tiefer geht – doch sollten AXENSTAR planen auch in Zukunft noch neues Material zu kreieren, müssen sie sich früher oder später etwas wirklich neues einfallen lassen. WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN vermag es so vor allem einen hervorragenden Auftakt anzubieten – aber leider auch einen etwas schwächeren respektive leicht repetitiven Mittel- und Endteil. Fans der Combo werden ohnehin zuschlagen, wofür es noch immer genügend Gründe gibt – für alle anderen empfiehlt sich aber vielleicht doch ein intensiverer Blick auf den besseren Vorgänger AFTERMATH.

Absolute Anspieltipps: FEAR, INSIDE THE MAZE, MY SACRIFICE, GREED


„Ein weiteres nicht unbedingt herausragendes, aber dich grundsolides AXENSTAR-Album.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – Aftermath (2011)

Alben-Titel: Aftermath
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Januar 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: IceWarrior Records

Alben-Lineup:

Adam Lindberg – Drums
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Magnus Winterwild – Vocals, Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Dogs of War (05:12)
2. The Escape (03:52)
3. Tears of the Sun (03:21)
4. Agony (05:26)
5. Aftermath (03:49)
6. The New Breed (04:50)
7. Dead Kingdom (04:51)
8. Until Your Dying Breath (05:06)
9. Signs of a Lie (04:27)
10. Forever the Pain (05:29)

Die Sache musste einfach ein Nachspiel haben.

Ja, sie hatten es endlich getan – und erstmals mehr als nur ein oder zwei Jahre zwischen zwei Studioalben vergehen lassen. In diesem Falle waren es sogar ganze 5, was durchaus eine Unregelmäßigkeit in der bis dato recht gradlinigen Diskografie der Schwedischen Power Metaller von AXENSTAR markiert. In gewisser Weise handelte es sich aber auch um eine unbedingt notwendige – schließlich waren die überambitionierten Musiker um den gesanglich unverkennbaren Frontmann Magnus Winterwild mit der vergleichsweise rasanten Veröffentlichungsstrategie ihrer ersten vier Alben dezent über das Ziel hinausgeschossen. Eine der unvermeidlichen (oder zumindest nicht gänzlich zu versteckenden) Folgen war ein spürbarer qualitativer Abfall nach dem ebenso überraschenden wie guten Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review), der letztendlich auf dem viel zu gleichförmigen und unspektakulären THE FINAL REQUIEM aus dem Jahre 2006 (Review) mündete. Umso spannender war und ist natürlich die Frage, in wie weit sich die lange (und im besten Fall kreative) Pause der Schweden auf ihre Musik ausgewirkt hatte – und ob sie es geschafft hatten, sich aus ihrem quasi selbst geschaufelten Loch der Bedeutungslosigkeit zu befreien. Schließlich, und auch das sollte man nicht vergessen; waren AXENSTAR längst nicht die einzigen, die sich Anfang der 2000er Jahre aufgemacht hatten um die Welt mit ihrer Interpretation eines melodischen Power Metals zu erobern.

In Bezug auf AFTERMATH ist auf den ersten Blick dann vornehmlich eines festzustellen: es hatte sich tatsächlich etwas getan in den musikalischen Welten von AXENSTAR. Insbesondere die dieses Mal deutlich schroffere Gangart der Gitarren sowie das kräftige Drumming fallen hier direkt, und damit schon im knackigen Opener DOGS OF WAR auf – der überdies auch einige Tempowechsel vorsieht und schnell zu einem der spannenderen AXENSTAR-Titel avancieren kann. Warum man in der Mitte der Nummern allerdings eine derart miserabel abgemischte Sprechpassage einbauen musste, wissen nur die Schweden selbst – der Atmosphäre ist sie jedenfalls nicht unbedingt dienlich. Doch was hilft es, sich mit (wieder einmal: völlig vermeidbaren) Kleinigkeiten aufzuhalten wenn es doch um das große Ganze geht – was zumindest im Vergleich mit dem müden Vorgänger THE FINAL REQUIEM recht angenehm ausfällt. Fast schon kurios in diesem Zusammenhang ist indes, dass es die Schweden erst jetzt geschafft hatten ihre Nummern so zu gestalten, dass man sie auch tatsächlich auseinander halten kann. Sei es ein plötzlicher Tempo- oder Rhythmuswechsel hier, ein überraschender Break dort; längere Instrumental- und Solipassagen oder das sich wieder etwas deutlicher zu Wort meldende Keyboard – AFTERMATH sprüht im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu vor Spielfreude und Abwechslung, und macht dementsprechend auch wesentlich mehr Spaß.

Das gilt natürlich auch für den unter Umständen noch immer etwas wenig variablen, dafür aber absolut stilsicherne Leadgesang von Magnus Winterwild – der dieses Mal geradezu perfekt von den lebendigen Kompositionen aufgefangen wird. Anders gesagt: in Bezug auf die schon immer sichere handwerkliche Komponente der Band hatte sich bis auf die etwas härtere und griffigere Gangart wenig getan, glücklicherweise – doch im Hinblick auf ihre Fähigkeiten wirklich gute und aussagekräftige Genre-Nummern zu schreiben, machten AXENSTAR im Rahmen der Pause zwischen THE FINAL REQUIEM und AFTERMATH einen wahren Quantensprung. Demnach kann man auch kaum etwas falsch machen, wenn man dem gengeiten Power Metal-Konsumenten ein Album wie dieses ans Herz legt – ein Album, mit dem AXENSTAR endlich den Kreis zu ihrem gelungenen Debütalbum schließen konnten.

Absolute Anspieltipps: THE ESCAPE, TEARS OF THE SUN, AFTERMATH, THE NEW BREED, FOREVER THE PAIN


„Na also – dieses Mal gibt es fast nichts auszusetzen.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Final Requiem (2006)

Alben-Titel: The Final Requiem
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. September 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Guitars, Keyboards
Joakim Jonsson – Guitars
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums

Track-Liste:

1. Final Requiem (03:53)
2. Condemnation (04:03)
3. The Divine (04:19)
4. Edge of the World (05:19)
5. Thirteen (04:41)
6. The Hide (04:59)
7. Underworld (05:46)
8. Spirit (04:07)
9. Pagan Ritual (03:56)
10. Seeds of Evil (04:37)
11. End of the Line (03:59)
12. Beyond the Lies (04:48)

Gut Ding will Weile haben.

Wenn eine Band mehrere Studioalben innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums auf den Markt bringt, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder die Band hat viel zu sagen und legt neben vielen guten Ideen auch einen ausgesprochenen Tatendrang an den Tag – oder aber ihr fehlt schlicht das Gefühl für ein gutes Timing. Schließlich gilt auch oder gerade bei guter Musik (oder solcher von jeweils persönlichen Helden), dass man die Hörerschaft durchaus etwas zappeln lassen sollte und nicht zu schnell nachliefert – nicht zuletzt aufgrund der Gefahr, sich bloß zu wiederholen oder kaum Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Releases anzubieten. Etwas ganz ähnliches ist wohl auch den Jungs von AXENSTAR passiert, die sich bereits 1998 als POWERAGE zusammengefunden und ab dem Jahre 2002 einen Namen gemacht hatten. Und das vornehmlich aufgrund ihrer recht konsequenten Veröffentlichungs-Strategie, die mit dem gelungenen Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) noch geradezu vorzüglich begann. Während auch das überraschend schnell nachgeschobene Zweitwerk FAR FROM HEAVEN (Review) noch relativ gnadenlos überzeugen konnte, sah es für das 2005 veröffentlichte THE INQUISITION (Review) schon nicht mehr ganz so gut aus – wobei auch das vorliegende THE FINAL REQUIEM mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Anders gesagt: zwar haben AXENSTAR mit ihren ersten vier Alben zweifelsohne bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen und problemlos dazu in der Lage sind; einen nicht zu weichen Melodic Power Metal mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal (vornehmlich: der unverwechselbare Leadgesang des angestammten Frontmanns Magnus Winterwild) zu inszenieren – doch schienen sie es andererseits und mit der Veröffentlichung von 4 Alben innerhalb von gerade einmal 4 Jahren auch geradezu darauf anzulegen, die Gemüter zu spalten. Dass ein Album wie THE FINAL REQUIEM damit – und verständlicherweise – keinen ähnlichen Überraschungseffekt generieren kann wie einst das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT ist aber nur der Anfang. Relativ problematisch ist beispielsweise, dass AXENSTAR schon immer eine vergleichsweise gradlinige; man will nicht sagen simpel vorgehende Genre-Combo waren – mit entsprechenden klaren Strukturen und wenigen Überraschungen innerhalb der einzelnen Titel, dafür aber einer tadellosen handwerklichen Komponente und einem angenehm emotionalen Unterton. Dementsprechend hätte man durchaus damit rechnen sollen, dass eben jenes Konzept spätestens auf THE FINAL REQUIEM etwas ausgelutscht erscheinen respektive eine eher ernüchternde Wirkung etablieren würde – und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen kontern sollen.

Doch von eben solchen hat man auf THE FINAL REQUIEM leider nicht Gebrauch gemacht. Immerhin fällt schon die oberflächliche Strukturierung des Albums eher ungünstig aus, gelinde gesagt – auch wenn es grundsätzlich eine nette Sache ist, dem Hörer ganze 12 vollwertige Titel ohne viel Schnickschnack zu servieren. Im Falle von THE FINAL REQUIEM aber wirkt sich das Ganze zusätzlich negativ aus, zumal sich alle Titel stets grob um die 4-Minuten-Marke herum bewegen und in vielerlei Hinsicht ähnlich aufgemacht sind – woran auch ein hie und da eingeschobener Stimmverzerrungs-Effekt wie in EDGE OF THE WORLD oder das alles andere als atmosphärische PAGAN RITUAL nicht viel ändern. Überhaupt ist es kaum zu verstehen, dass es AXENSTAR hier nicht einmal schaffen den einzelnen Titel-Erwartungen ansatzweise gerecht zu werden – und sich selbst die vermeintlich bösen oder zumindest eine gewisse Härte versprechenden Titel (SEEDS OF EVIL) als absolut typische AXENSTAR-Nummern ohne viel Biss herausstellen. Demnach kann es durchaus vorkommen, dass man nach dem noch recht prägnanten Opener und Titeltrack FINAL REQUIEM nicht mehr so recht weiß wo und woran man jeweils ist – und das schlicht, da das Album im weiteren Verlauf deutlich zu gleichförmig und überraschungsarm daherkommt.

Sicher, all das ändert wenig an der grundsätzlich tadellosen handwerklichen Leistung der einzelnen Mitglieder sowie der im Vergleich zum Vorgänger sogar noch verfeinerten Abmischungs- und Produktionsqualität – die Fähigkeit wirklich kultverdächtige oder zumindest nachhaltig wirkende Song-Momente zu kreieren schien den Schweden auf THE FINAL REQUIEM aber dezent abhanden gekommen zu sein. Vielleicht könnte man auch sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben – was unter Umständen auch für eine Flut von grundsätzlichen guten Genre-Nummern einer einzelnen Band gelten kann, die sich in ihrer Gesamtheit als überraschend zäh erweisen und sich letztendlich doch nur auf einem durchschnittlichen Niveau einpendeln können.

Absolute Anspieltipps: FINAL REQUIEM, CONDEMNATION


„Handwerklich und klangtechnisch über viele Zweifel erhaben – aber wie so oft zeigt sich, dass das längst nicht alles ist.“

Metal-CD-Review: CONQUEST – Empire (2009)

Alben-Titel: Empire
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Oktober 2009
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalism Records

Alben-Lineup:

Erland – Drums
Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Vocals, Guitars
Kull – Bass

Track-Liste:

1. In the Darkness (Intro) (01:42)
2. It Begins from Your Heart (05:05)
3. Far Beyond (05:26)
4. Prisoner of the Universe (04:54)
5. We Have Returned (03:48)
6. When the Skies Fall (04:46)
7. We Are the Ones (04:43)
8. Faith Within (05:27)
9. The Never-Ending Quest Will End (04:46)
10. Empire (06:22)

Auf, auf zur großen Eroberung.

Geht es um das Schaffen der bereits 1996 in der Ukraine gegründeten Power Metal-Formation CONQUEST, sollte einem vornehmlich ein Studioalbum der stets gut aufgestellten Recken um Band-Mastermind W. ANGEL in den Sinn kommen: das 2005 veröffentlichte FROZEN SKY (siehe Review), dass den knapp 3 Jahre älteren Vorgänger ENDLESS POWER (Review) noch einmal toppen und sich als echter Genre-Geheimtipp profilieren konnte. Als fast perfekter noch dazu – hätten sich nicht doch noch einige Schwächen in Bezug auf die Produktion sowie insbesondere den damaligen Leadgesang von Alex G.L. eingeschlichen. In der Folge reagierten CONQUEST respektive Band-Mastermind W. ANGEL mit einer Umstrukturierung und Neuaufstellung, sodass bis zum vorliegenden und erstmals über ein entsprechendes Label (Metalism Records) veröffentlichten dritten Studioalbum EMPIRE ordentlich am Lineup geschraubt wurde – mit mindestens einer größeren Überraschung. Schließlich, und als Reaktion auf den bisher nicht optimalen Leadgesang schlüpfte auf EMPIRE niemand geringeres als W. ANGEL selbst in die Rolle des Leadsängers – woraufhin sich das Repertoire des Multitalents (der natürlich weiterhin an den Gitarren werkelte und das Album in kompletter Eigenregie aufnahm, abmischte und produzierte) noch einmal ordentlich erweiterte.

Tatsächlich schien sich eben diese Entscheidung auch als richtig zu erweisen, oder anders gesagt: selbst wenn CONQUEST (die sich übrigens erst im Jahre 2011 in W. ANGELS CONQUEST umbenannten) noch immer weit davon entfernt waren, ihren überzeugenden Kompositionen auch einen wirklich kultverdächtigen Leadgesangspart gegenüberzustellen; konnte man ihnen zumindest in handwerklicher Hinsicht wenig vorwerfen. Das gilt natürlich insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass auch EMPIRE alles andere als ein allzu modernes oder auf Hochglanz poliertes Metal-Werk geworden ist – und sich die Ukrainer ihren ursprünglichen, schon vom Debütalbum bekannten Sound bewahren konnten. Trotz der Besetzungswechsel und der mittlerweile vergangenen Jahre, versteht sich – sodass EMPIRE in Sachen Energie und Spielfreude weniger weit hinter ENDLESS POWER und FROZEN SKY zurückstehen muss als gedacht. Und das ist nur gut und richtig, zählt die eher ungestüm und nach vorn preschende Herangehensweise (die zumindest noch hie und da eine Priese Speed Metal durchschimmern lässt) der Ukrainer seit jeher zu den absoluten CONQUEST-Markenzeichen; analog zur stets hervorragenden Gitarren-Arbeit und den griffigen Melodien – aber leider auch einem nicht ganz so optimal in Szene gesetzten Element.

Was genau hier gemeint sein könnte, erfährt man spätestens wenn man zu einer expliziten Alben-Ballade wie WHEN THE SKEIS FALL gelangt – mit der sich CONQUEST wahrlich keinen großen Gefallen getan haben. Sicher, mit einer Maßnahme wie dieser wollte man für Abwechslung sorgen und zeigen, dass man auch den Umgang mit großen Gefühlen nicht scheut – doch wenn das Ergebnis derart wenig überzeugend ausfällt wie in diesem Fall (und das auf so gut wie allen Ebenen), hätte man sich das Unterfangen doch besser zweimal überlegen sollen. Zumal CONQUEST schon auf dem Vorgänger FROZEN SKY einige alles andere als bemerkenswerte balladeseke Momente eingestreut hatten, aus denen man hätte lernen können (oder sollen). Immerhin: sieht man einmal großzügig über diesen allemal verzichtbaren Titel sowie eine handvoll anderer etwas zu handzahmer Passagen in anderen Nummern hinweg, ist an EMPIRE fast nichts auszusetzen – fast nichts. So könnte der doch etwas großzügig kalkulierte Einsatz des Keyboards dem ein oder anderen übel aufstoßen – erst Recht wenn CONQUEST damit wieder in eine etwas zu vorhersehbare und kitschige Ecke driften.

Das letzte größeres verhindernde I-Tüpfelchen ist aber nach wie vor der Leadgesang – der sich mit dem Einspringen von W. ANGEL höchstselbst zwar in eine angenehmere Richtung entwickelte, dabei aber immer noch weit davon entfernt war um als perfekt bezeichnet werden zu können. Allein der Refrain vom sonst recht guten FAR BEYOND etwa eignet sich als gutes diesbezügliches Anschauungsmaterial. Was einem bleibt ist der Fokus auf die wirklich starken Momente des Albums – wie auf den denkwürdigen Opener IT BEGINS FROM YOUR HEART, das ebenso verspielte wie stimmungsvolle PRISONER OF THE UNIVERSE, die beiden eher simplen aber gar nicht mal schlechten Stampfer WE HAVE RETURNED und WE ARE THE ONES; oder natürlich dem rasanten THE NEVER-ENDING QUEST WILL END. Letztendlich kann man mit einem Album wie diesem also nicht allzu viel falsch machen – auch wenn in diesem Fall sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre für W. ANGEL und sein Gefolge.

Absolute Anspieltipps: IT BEGINS FROM YOUR HEART, PRISONDER OF THE UNIVERSE, WE ARE THE ONES, THE NEVER-ENDING QUEST WILL END


„Einfach typisch CONQUEST.“