Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – We Shall See The Light (2010)

Alben-Titel: We Shall See The Light
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. November 2010
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Patrick Vir Bass
Mike Bélanger – Drums
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards

Track-Liste:

1. We Shall See the Light (05:25)
2. Guardian Angel (05:09)
3. Keepers of the Field (05:15)
4. The Reaper (05:05)
5. Diviner (06:22)
6. The Calling (05:40)
7. Howling at the Moon (05:20)
8. Broken Wings (05:26)
9. Angel Eyes (04:55)

Ein neues Kapitel in den Geschichten der FORGOTTEN TALES.

Mit WE SHALL SEE THE LIGHT begeben sich die kanadischen Symphonic Power Metaller von FORGOTTEN TALES nun schon zum dritten Mal an die hart umkämpfte Front der zahlenmäßig klar unterlegenen Genre-Combos mit weiblichen Gesangstalenten. Dass sie sich diesbezüglich aber ganz locker behaupten können, zeigten die Musiker bereits mit ihren beiden guten und leider gerne mal übersehenen Vorgängern THE PROMISE (siehe Review) und dem 2006 erschienenen ALL THE SINNERS (Review) auf. Und auch wenn mit dem 2010 veröffentlichten WE SHALL SEE THE LIGHT erstmals ganze 6 Jahre zwischen zwei FORGOTTEN TALES-Alben liegen, hat sich grundsätzlich nicht allzu viel getan in der hiesigen Power Metal-Schmiede – was in diesem Fall aber eher positiv und als Fortsetzung der überraschenden qualitativen Kontinuität der Band zu verstehen ist. So präsentiert auch das neue Album vieles von dem, was schon auf den Vorgängern zu gefallen wusste – inklusive einer wie immer markanten Leistung der hiesigen Frontfrau Sonia Pineault.

Eine dezente stilistische Veränderung aber kann man dann doch ausmachen: WE SHALL SEE THE LIGHT klingt insgesamt etwas weniger verspielt und auch ein stückweit düsterer als die Vorgänger. Eben das wird wohl auch über den jeweiligen Fall oder Aufstieg des Albums in der Gunst der Hörerschaft entscheiden – wobei es nicht ganz leicht fällt festzustellen, in welche Richtung das Pendel nun eher ausschlägt. Anders gesagt: einerseits scheint der nunmehr etwas aufgeräumter erscheinende Sound den FORGOTTEN TALES recht gut zu Gesicht zu stehen – andererseits aber wird man ähnliche progressiv-wandelbare Strukturen und fulminante Kraftausbrüche wie in der Vergangenheit eher vermissen. Das erscheint natürlich umso ernüchternder wenn man weiß, zu was die Band eigentlich imstande ist. Doch aus irgendeinem Grund scheinen sich die FORGOTTEN TALES (womit tatsächlich auch alle einzelnen Bandmitglieder gemeint sind) dieses Mal eher zurückgehalten zu haben.

Trotz der grundsätzlich exzellenten Handhabung der Instrumente und der abermals interessanten Gesangsdarbietung könnte man hie und da also durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Band bei vielen der auf WE SHALL SEE THE LIGHT enthaltenen Titel ein stückweit zu sehr auf Nummer sicher gegangen ist. Einen Hinweis darauf gibt bereits der eher verhaltene, nicht so recht zünden wollende Opener und Titeltrack WE SHALL SEE THE LIGHT – und auch das grundsätzlich interessante THE REAPER hätte viel mehr Bumms vertragen können, vor allem seitens der Gitarren. Richtig arg wird es aber erst mit Nummern wie KEEPERS OF THE FIELD oder BROKEN WINGS – welche die Band erstmals von einer erstaunlich ernüchternden Seite zeigen. Umso schöner ist es da, dass es mit Titeln wie GUARDIAN ANGEL, DIVINER oder HOWLING AT THE MOON dann doch noch die volle Portion FORGOTTEN TALES auf die Lauscher gibt. Hier scheinen die Kanadier dann plötzlich doch wieder vor Kraft und Spielfreude zu strotzen – wobei lediglich Frontfrau Sonia Pineault etwas weniger Stimmakrobatik zeigt und Druck aufbaut als in den Jahren zuvor.

Sicher, die FORGOTTEN TALES haben noch immer einiges in Petto – und doch müssen sie aufpassen, dass sie sich unter keinen Umständen zurück entwickeln. WE SHALL SEE THE LIGHT ist zwar noch nicht als dahingehender Schritt zu bezeichnen – doch erste (und dabei gar nicht mal so unterschwellige) Anzeichen sind definitiv auszumachen. Leider, muss man sagen – denn es wäre zutiefst schade, wenn eine Band wie diese in der Versenkung verschwindet.

Absolute Anspieltipps: GUARDIAN ANGEL, THE REAPER, DIVINER, HOWLING AT THE MOON


„Noch ist weiterhin ausreichend Land in Sicht – eine dezente Form der Vorsicht erscheint jedoch angebracht.“

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Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – All The Sinners (2004)

Alben-Titel: All The Sinners
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. September 2004
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Pat Vir – Bass
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards
Cédric Prévost – Drums

Track-Liste:

1. The Hideaway (Part I) (01:53)
2. Lady of the Forest (Part II) (05:00)
3. All the Sinners (Part III) (04:02)
4. Wind Oh Wind (Part IV) (06:09)
5. The Message (Part V) (04:44)
6. March for Freedom (Part VI) (04:25)
7. Three Wishes (08:47)
8. Fairytales (05:11)
9. My Soul (06:42)
10. Magic Fountain (04:28)

Wer Geschichten wie diese vergisst, ist selbst Schuld.

Gute vier Jahre nach dem ersten Überraschungserfolg der kanadischen Symphonic Power Metaller von FORGOTTEN TALES (siehe Review zu THE PROMISE, 2001) legen die Musiker um die gesangsstarke Frontfrau Sonia Pineault nach – und kredenzen der geneigten Hörerschaft das 11 Titel starke ALL THE SINNERS. Dabei hat selbiges eine ganz ähnliche Aufmachung wie der Vorgänger – und nimmt so gesehen auch alle Vorteile des bereits höchst interessanten Diskografie-Auftakts aus der hiesigen Metal-Schmiede mit. Zum einen wäre da die Tatsache, dass sich die Kanadier weiterhin als vergleichsweise bombastisch klingende Genre-Combo mit einem Hang zum theatralischen inszenieren – die Gefahr in allzu kitschige Bereiche abzudriften aber gekonnt umschiffen. Sicher; inhaltlich und vom oberflächlichen Eindruck der opulenten Klangwelten her grasen die FORGOTTEN TALES auch weiterhin grundsätzlich alles ab, was man auch genau so vom Genre (und zumindest im entfernten Sinne vergleichbaren Combos wie RHAPSODY OF FIRE) erwarten würde. Doch die hie und da durchschimmernde progressive Note, die extravagante Darbietung der Frontfrau Sonia Pineault und das ebenso exzellente wie effektive Songwritign sorgt auch auf ALL THE SINNERS für alles andere als einen alltäglichen Power Metal-Genuss.

Demnach ist es nur gut und richtig, dass die FORGOTTEN TALES nicht großartig an ihrem Konzept geschraubt haben – und sich auch dieses Mal auf ihre bereits herausgearbeiteten Stärken verlassen. Am markanten weiblichen Leadgesang gibt es wie schon beim Vorgänger nichts zu mäkeln, die Gitarren begeistern sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich, der Bassist und der Schlagzeuger liefern mehr als ordentlich ab – und die symphonischen Spielereien halten sich im direkten Vergleich sogar eher zurück. Eine spannende Frage aber bleibt – schließlich war es seinerzeit noch am ehesten die das THE PROMISE-Album abschließende, 4-teilige TALE OF NEERIS-Saga welche dezente Durststrecken aufwies. Und tatsächlich: dieses Mal haben die Kanadier ganz ähnliches in Petto, immerhin besteht der gesamte Alben-Auftakt aus 6 zusammenhängenden Nummern – wobei sich nunmehr kaum noch Gründe für eine wie auch immer geartete Zurückhaltung ergeben. So macht schon das atmosphärische Intro THE HIDEAWAY eine gute Figur, wie auch der eigentlichen Opener LADY OF THE FOREST – der von seiner Präsentation her perfekt zum allgemeinen Eindruck der Band passt und sich als angenehm mächtige Genre-Hymne erweist.

Und auch wenn der Titeltrack ALL THE SINNERS, das recht balladeske WIND OH WIND sowie das eher experimentelle instrumentale Zwischenspiel THE MESSAGE etwas Zeit brauchen sich zu entfalten; ist einem spätestens mit dem MARCH FOR FREEDOM wieder eine wohlige Gänsehaut garantiert. Das wirklich überraschende folgt indes erst jetzt – denn was die Kanadier nach ihrem aus 6 Titel bestehenden Alben-Auftakt anzubieten haben, übertrifft noch einmal alle Erwartungen. Das immerhin knapp 9 Minuten lange THREE WISHES beispielsweise strotzt nur so vor Atmosphäre und allerlei gelungenen Instrumentalpassagen (die abermals in leicht progressiven Gefilden zu verorten sind) – und das nicht minder spektakuläre FAIRYTALES begeistert mit einer angenehm erfrischenden Rhythmik sowie einer beeindruckenden Leistung von Frontfrau Sonia Pineault. Dass auch die noch verbleibenden Titel kaum hinter den anderen zurückstecken müssen, rundet das Ganze ab. Anders gesagt: die FORGOTTEN TALES haben hier mehr als ordentlich abgeliefert, und müssen sich keineswegs hinter ihrer internationalen Konkurrenz verstecken.

Absolute Anspieltipps: LADY OF THE FOREST, THREE WISHES, FAIRYTALES


„Ebenso gut und erfrischend wie der bereits empfehlenswerte Vorgänger.“

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Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – The Promise (2001)

Alben-Titel: The Promise
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Patrick Vir – Bass
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards
Cédric Prévost – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:41)
2. Word of Truth (05:22)
3. Cold Heart (04:52)
4. Far Away (06:03)
5. Gates Beyond Reality (03:57)
6. Sanctuary (04:18)
7. Part I – She’s Falling (03:58)
8. Part II – Deadly Grasp (04:08)
9. Part III – Endless Dream (05:48)
10. Part IV – The Promise (05:21)

Manche Geschichten eignen sich zum Vergessen – andere nicht.

THE PROMISE ist das 2001 erschienene Debütalbum der aus Kanada stammenden Power Metaller von FORGOTTEN TALES – einer Band, die einst aus einer Hardrock-Formation hervorging und die von einer starken Frontfrau namens Sonia Pineault angeführt wird. Stark erscheint sie deshalb, da sie nicht nur über eine recht angenehme Stimmfarbe mit einem dezenten (und niemals allzu forcierten) Hang zur Klassik verfügt – sondern auch, da sie nicht unwesentlich an der überraschend stimmigen Gesamtwirkung des FORGOTTEN TALES-Konzeptes beteiligt ist. Wie es schon das Cover und die generelle Aufmachung der Scheibe vermuten lassen, lehnt sich die Band dabei gar nicht erst allzu weit aus dem Fenster – es wird ein ebenso symphonischer wie klassischer Power Metal kredenzt, der am am ehesten mit dem Output von ganz ähnlich vorgehenden Italo-Bands a’la RHAPSODY OF FIRE zu vergleichen ist. Nur, und diesen Unterschied sollte man durchaus noch einmal hervorheben; dass FORGOTTEN TALES von einer Frau angeführt werden.

Anders gesagt: ein wenig klingt THE PROMISE so, als würde es sich hier um eine von einer Frau dargebotene Fassung der fantastisch-pompösen Geschichten und Heldensagen der allseits bekannten Italiener handeln. Doch eben nur ein wenig – schließlich haben die FORGOTTEN TALES weit mehr drauf, als ihre potentiellen Vorbilder zu kopieren. Analog zur ausgeprägten, recht wohlklingenden symphonischen Komponente kommt so noch ein dezent progressiver oder zumindest sehr auf das variable Instrumentenspiel bezogene Anstrich hinzu – der einen stellenweise an das frühe Schaffen von FALCONER denken lässt. Dabei handelt es sich um einen Vergleich, der auch sonst nicht allzu abwegig erscheint – schließlich vermag es die hiesige Frontfrau Sonia Pineault locker, einen ebenso markanten Eindruck wie Mathias Blad zu hinterlassen. Einen ebenso stilsicheren, akzentfreien und schlicht enorm ausdrucksstarken. In gesanglicher Hinsicht sollten die Kanadier also schon einmal keine Probleme haben – wobei es umso schöner ist, dass es sich mit dem Rest kaum anders verhält.

Schließlich offeriert auch das Instrumentenspiel einige Reize – im allgemeinen eher Genre-typische, aber eben doch mit einem ordentlich Schmackes und Nachdruck präsentierte. Das Spiel der Gitarren beispielsweise macht beinahe jeden Titel zu einem kleinen, im Zusammenspiel mit den furiosen Drums stets angenehm antreibenden Erlebnis – und das nicht nur in den unterhaltsamen Soli-Parts. Dass selbst der Bass die verdiente Aufmerksamkeit bekommt und die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität ebenfalls keine Wünsche offen lässt; rundet das Ganze ab – zumindest in handwerklich-technischer Hinsicht. Somit bleibt es eigentlich nur noch an den einzelnen Titeln, für den entsprechenden Ausschlag zu sorgen.

Und auch hier sieht es gut aus, verdammt gut sogar – nur stellenweise sind deutlichere Abstriche zu machen, wie etwa in Bezug auf das dann doch etwas zu viel wollende und alles andere als optimal inszenierte COLD HEART; oder einige langatmigere Momente in der das Album abschließenden THE TALE OF NEERIS-Saga. Zusätzlich könnte oder müsste man sicherlich auch ganz generell einwenden, dass THE PROMISE wahrlich kein Album für etwaige Genre- und so gesehen auch Kitsch-Verneiner ist. Die FORGOTTEN TALES greifen schließlich durchaus in die entsprechende Schatzkiste der für den heroisch angehauchten Symphonic Power Metal üblichen Zutaten – und laufen dabei wie so viele andere Gefahr, einstweilen doch mal etwas zu abgedroschen zu klingen. Aber eben auch nur stellenweise – und bis die griffigen Gitarren einsetzen, der nächste geniale Refrain erklingt oder zünftige Instrumentalstrecken abgefeiert werden. Viel falsch machen kann man mit einem Album wie diesem also nicht.

Absolute Anspieltipps: WORD OF TRUTH, GATES BEYOND REALITY, SANCTUARY


„Eine einerseits nicht allzu außergewöhnliche, andererseits aber doch angenehm erfrischende und kraftvolle Power Metal-Perle.“

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Metal-CD-Review: POWER QUEST – Sixth Dimension (2017)

Alben-Titel: Sixth Dimension
Künstler / Band: Power Quest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2017
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Steve Williams – Keyboards
Paul Finnie – Bass
Rich Smith – Drums
Ashley Edison – Vocals
Glyn Williams – Guitars
Andrew Kopczyk – Guitars

Track-Liste:

1. Lords of Tomorrow (05:20)
2. Starlight City (05:51)
3. Kings and Glory (05:45)
4. Face the Raven (05:24)
5. No More Heroes (04:39)
6. Revolution Fighters (06:35)
7. Pray for the Day (05:57)
8. Coming Home (04:45)
9. The Sixth Dimension (08:41)

Willkommen in der elften, pardon; sechsten Dimension.

In der Tat ist es nun schon wieder etwas her, dass man etwas größeres von den Engländern von POWER QUEST gehört hat. Schließlich wurde es nach dem 2011’er Album BLOOD ALLIANCE (siehe Review) plötzlich verdächtig ruhig um die Band, die mit Alben wie NEVERWORLD (2003, Review) oder MAGIC NEVER DIES (2005, Review) einst ein Stück britische Power Metal-Geschichte geschrieben hatte. Mit ein Grund für den schon ab 2009 eher holprigen Werdegang war sicher auch der Weggang des angestammten Leadsängers Alessio Garavello, der auf BLOOD ALLIANCE noch von Chity Somapala vertreten wurde – überraschenderweise. Immerhin veredelte der gebürtige Kolumbianer schon waschechte Geheimtipp-Alben wie etwa das 2004’er ECHOES OF A NIGHTMARE von MOONLIGHT AGONY (Review), trotz seiner offensichtlichen Probleme eine feste und wirklich zu ihm passende Band zu finden. Dementsprechend währte auch seine Karriere bei POWER QUEST nicht allzu lang. Die wiederum rekrutierten daraufhin den bis dato eher unbekannten Colin Callanan – doch auch der sollte nicht lange bei den Engländern verweilen. Mit Ashley Edison (DENDERA) sollten POWER QUEST dann aber endlich ihren Mann gefunden haben – zumindest sieht es aktuell stark danach aus.

Und tatsächlich; nach der offiziellen Wiedervereinigung der Band im Jahre 2016, der kurzen Rückkehr-EP FACE THE RAVEN und einigen Ankündigungen ist es nun soweit: das passend betitelte sechste Studioalbum SIXTH DIMENSION ist endlich am Start. Selbiges erscheint erstmals über INNER WOUND RECORDS (u.a. AXENSTAR), beinhaltet 9 Titel – und könnte genau da weiter machen, wo die Band einst mit BLOOD ALLIANCE aufgehört hatte. Einen kleinen Wermutstropfen gilt es aber durchaus vorab festzuhalten: streng genommen ist das Album mit nur 7 neuen Titeln bestückt. FACE THE RAVEN und COMING HOME waren schließlich schon auf der FACE THE RAVEN-EP enthalten – und sind eingeschworenen Fans der Combo seit mittlerweile einem Jahr wohl bekannt. Das sollte allerdings kein ausschlaggebendes Kriterium sein – schließlich kommt es wie so oft weniger auf die Quantität, als vielmehr auf die offerierte Qualität des Liedguts an. Und gerade diesbezüglich schneiden die neuen alten POWER QUEST überraschend… frisch ab.

Und das hat vornehmlich zwei Gründe. Zum einen ist es der neue Leadsänger Ashley Edison, der schlicht eine verdammt gute Figur macht und eine überaus angenehme Stimmfarbe hat – sodass man sich schlichtweg fragen muss, wo er nur all die Jahre gesteckt hat. Zum anderen, und das ist sicherlich mindestens ebenso wichtig; sind POWER QUEST noch klar als POWER QUEST zu erkennen. Neben der allgemein eher temporeichen Gangart, der ausgeprägten Spielfreude an den Gitarren und den hymnisch-hochtrabenden Refrains darf es so auch mal das ein oder andere Keyboard-Intermezzo sein – ganz wie in den guten alten Zeiten eben. Sicher schließt das auch mit ein, dass POWER QUEST weiterhin Gefahr laufen hie und da eher kitschig zu klingen. Doch daran sollten sich die wenigsten stören – die Engländer hatten schließlich schon seit jeher ihren eigenen Kopf. Und: hart, beziehungsweise eher knackig genug klingt das Ganze immer noch. Somit bleibt eigentlich nur noch abzuwägen, in die Nähe welcher Qualitätsstandards und welcher Vergleichsalben sich SIXTH DIMENSION letztendlich hievt.

Und ob man diesen Vergleich nun gutheißt oder nicht: die Musik von POWER QUEST hat durchaus einiges mit dem Werk von DRAGONFORCE gemeinsam. Und dass nicht nur, da beide Bands einen gemeinsamen Hintergrund (in Form des einst bei DRAGONHEART tätigen Keyboarders Steve Williams) und mindestens einen einschneidenden Wechsel ihres Leadsängers hinter sich haben. Auch musikalisch finden sich einige Parallelen – wie etwa in Bezug auf die ganz ähnlich gestalteten Melodiebögen, die bereits erwähnte Keyboardarbeit oder die zumeist hymnisch angehauchten Refrains inklusive den für beide Bands so typischen Hintergrundchören. Abgesehen vom sich klar unterscheidenden Tempo und dem letztendlich gesetzten musikalischen Schwerpunkt aber haben POWER QUEST einen enormen theoretischen Vorteil: sie sind schon eher für eine Überraschung gut. Und die ist SIXTH DIMENSION letztendlich auch geworden, irgendwie und glücklicherweise.

Schließlich ist der Spaßfaktor vor allem zum Auftakt des Albums enorm, gerade in Anbetracht des Wechselspiels aus direkt zündenden schmackigen Hymnen (LORDS OF TOMORROW, KINGS AND GLORY), zünftigen Stampfern (STARLIGHT CITY, FACE THE RAVEN) und puren gute-Laune-Brechern a’la NO MORE HEROES. Dass später auch noch geradezu fleischgewordene POWER QUEST-Trademarks a’la PRAY FOR THE DAY oder COMING HOME folgen, rundet das Ganze ab. Warum das Album dennoch kein Meilenstein geworden ist, lässt sich am ehesten an den leider Gottes klar erkennbaren schwächeren Nummern des Albums festmachen – und niemals am an den Tag gelegten Handwerk oder der gelungenen Produktionsarbeit. Mit dem stark an HAMMERFALL erinnernden REVOLUTION FIGHTERS beispielsweise hat man sich nicht den größten Gefallen getan – auch, weil Leadsänger Ashley Edison in den höchsten Lagen nicht mehr ganz so stilsicher klingt.

Den größten Fauxpas aber leisteten sich POWER QUEST mit dem Rausschmeißer und längsten Titel des Albums, dem Titeltrack SIXTH DIMENSION. Der klingt schließlich schon in den ersten Momenten höchst problematisch – und hinterlässt einen ebenso generischen wie absolut unspektakulären Eindruck. Die fehlende Kraft, die zu aufdringliche elektronische Komponente und der vergleichsweise schiefe Leadgesang verhindern hier schlicht zu vieles. Vor allem aber, und das wirkt sich dann doch deutlich aus; verhindert man so ein würdiges Alben-Finale.Durch den ebenfalls recht gekünstelt klingenden Gastgesangspart von Anette Olzon Blyckert (Ex-NIGHTWISH) wird das Ganze dann auch nicht mehr aufgewertet – durch das schiere Fremdkörper-Gefühl eher im Gegenteil.

Insgesamt ist es den Engländern aber noch gelungen, eine ordentliche Rückkehr hinzulegen. Eine, die vielleicht nicht die früheren Alben; aber doch den direkten Vorgänger BLOOD ALLIANCE locker zu übertreffen vermag. Es bleibt zu hoffen, dass für die Band nun wirklich alle Unklarheiten beseitigt sind – und POWER QUEST in eine glorreiche Zukunft blicken können.

Absolute Anspieltipps: LORDS OF TOMORROW, STARLIGHT CITY, NO MORE HEROES, COMING HOME


„Trotz einer handvoll schwächerer Titel eine rundum gelungene Rückkehr.“

Für weitere CD-Rezensionen von unterschiedlichem Umfang empfiehlt sich ein Blick auf das alphabetisch geordnete Musikarchiv des Blogs.

(Power-) Metal Special: Geht Der Sänger, Stirbt Die Band ?

Christian Eriksson, Szymon Kostro & Fabio Lione (© jeweilige Rechteinhaber)

Wenn Metal-Bands gewisse Formen der Kontinuität an den Tag legen, ist das meist eine schöne Sache. Manchmal aber bleibt es einfach nicht aus, dass neue Konzepte erstellt oder auch neue Mitglieder rekrutiert werden müssen – was häufig in einer mehr oder minder markanten Herausforderung mündet. Schließlich müssen sich nicht nur die entsprechenden Bands gewissermaßen neu erfinden, zumindest wenn es um einen vergleichsweise markanten Posten wie etwa den des Leadsängers geht – auch die Fans werden mitunter auf eine entscheidende Probe gestellt. Wird die einst heiß geliebte Band noch als solche zu erkennen sein ? Wird der neue Leadsänger zu ihr passen ? Wird er versuchen neue Eindrücke und seine eigene Identität einzubringen, oder aber scheitert er am schlichten Versuch seinen Vorgänger zu imitieren ?

Immerhin – und glücklicherweise – aber belegen die meisten Fälle, dass ein Großteil der betroffenen Bands etwaige potentiell einschneidende Lineup-Wechsel durchaus überstehen. Oder dass sie gar an ihnen wachsen; was wohl den besten aller möglichen Fälle beschreibt. Doch Ausnahmen gibt es bekanntlich immer wieder, gerade im aktuellen Zeitraum des späten Metal-Jahres 2017 – weshalb auch der vorliegende Beitrag ins Leben gerufen wurde. Im folgenden soll daher nicht nur darauf eingegangen werden, wie genau sich ein größerer Lineup-Wechsel auf eine Band auswirken kann – es werden auch einige brandaktuelle Beispiele mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen vorgestellt. Dabei gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, wenn eine Band einen neuen Leadsänger rekrutiert:

Man versucht, möglichst nahe bei der ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung zu bleiben – und nimmt sich den bisherigen Leadgesang eher als Vorbild anstatt ihn als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten.

Hierbei handelt es sich um eine des Öfteren angestrebte, grundsätzlich aber recht problembehaftete Variante mit teils kritischen Nachteilen. So ist es zwar theoretisch angenehm, dass sich eine Band trotz eines potentiell einschneidenden Lineup-Wechsels im weitesten Sinne treu bleibt – und sich so gesehen auch nicht allzu viel verändert. Schwierig aber wird es spätestens, wenn man es wie nicht wenige Bands dezent zu übertreiben scheint. Beispielsweise, indem der neue Leadsänger nicht viel mehr macht als den ursprünglichen zu imitieren. Heraus kommt dabei entweder eine bloße, seelenlose Direktkopie – oder aber eine Darbietung, die der ursprünglichen schlicht zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen kann.

Man versucht, das bisherige (Gesangs-)Kapitel weitestgehend abzuschließen und neue Ufer anzusteuern.

Für eine auf den ersten Blick höchst vernünftig erscheinende Variante wie diese gehört vor allem eines: Mut. Und sicher auch die Risikobereitschaft, einige der bis dato etablierten Fans zu vergrämen. Wenn es allerdings gut läuft und das Experiment aufgeht, so können sowohl die Band als auch die alten und neuen Fans stark von einem Konzept wie diesem profitieren. Der einig fade Beigeschmack besteht wohl darin, dass man in manchen Fällen genauso gut eine komplett neue Band hätte gründen können. Aber wie es eben so ist: mit der Aufgabe einer Band gibt man auch deren Namen (und damit auch deren Bekanntheitsgrad) auf – was niemand wirklich wollen kann.

Man kombiniert beide Varianten.

Bei der wohl am häufigsten in der Realität anzutreffenden Option handelt es sich um die grundsätzlich einfachste und beste. Wenn, ja wenn man es denn nur richtig angeht und eine gute Balance aus alten und neuen Konzepten findet, die Leistung des ursprünglichen Leadsängers weiterhin hochhält (also keinesfalls totschweigt) – und dem neuen eine Chance gibt, sich entsprechend zu entfalten.

Das Problem: nicht gerade wenige Bands scheitern an eben jenen Herausforderungen, sodass es durchaus einige Negativbeispiele gibt. Zunächst aber soll ein Blick auf all jene geworfen werden, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben einen oder mehrere markante Mitglieder-Wechsel zu stemmen. Wenn man ein diesbezügliches Paradebeispiel nennen müsste, so würde die Wahl wohl auf den folgenden Kandidaten fallen:

DREAMTALE.

Und das vornehmlich, da es die Finnen relativ problemlos – und trotz zahlreicher Mitgliedswechsel – geschafft haben, sich über all die Jahre musikalisch treu zu bleiben. Und: die dabei auch noch die Vergangenheit sinnig mit dem aktuellen Status Quo verbinden konnten. Ein Album wie SEVENTHIAN… MEMORIES AUF TIME (siehe Rezension) zeigt diesbezüglich mit Nachdruck auf, wie sympathisch man in der Verbindung von der jeweiligen Band-Historie und aktuelleren Ambitionen umgehen kann – schlicht und beispielsweise, in dem man einige ältere Titel neu verpackt auf eine Bonus-CD verfrachtet. Und eben nicht als alleinstehendes Album veröffentlicht… doch natürlich gibt es viele weitere Genre-Bands, die einen oder sogar mehrere Wechsel in Bezug auf ihren Leadgesangs-Posten erfolgreich überstanden haben – wie etwa…

  • BLOODBOUND
  • CELESTY
  • CRYONIC TEMPLE
  • CRYSTAL EYES
  • DERDIAN
  • DRAGONFORCE
  • HELLOWEEN
  • KALEDON
  • KAMELOT
  • POWER QUEST
  • SALAMANDRA
  • SKYWINGS
  • STRATOVARIUS, sowie auch…
  • … FALCONER. Aber auch nur, weil Mathias Blad letztendlich doch noch zur Band zurückgekehrt ist.

Ein besonderes Augenmerk soll an dieser Stelle aber ohnehin auf die nicht ganz so glücklich ausfallenden, mitunter gar katastrophalen Folgen von Lineup-Wechseln gelegt werden – wobei alle der folgenden Beispiele aus dem Jahre 2017 stammen respektive sich erst in diesem Jahr bemerkbar machten. Da wären etwa:

RHAPSODY OF FIRE…

… als klare Vorreiter der potentiell kritischen Lineup-Wechsel. In diesem Fall nimmt das Ganze sogar recht komische bis tragische Ausmaße an – denn wie man weiß verließen 2011 schon Luca Turilli und Patrice Guers die Band, um ihr eigenes Projekt LUCA TURILLI’S RHAPSODY auf die Beine zu stellen. Das mit dem Weggang von Oliver Holzwarth bald darauf auch schon der nächste Bassist, und mit seinem Bruder Alex Holzwarth auch der seit jeher zum Lineup gehörende Drummer das RHAPSODY-Schiff verließ; war aber erst der Anfang – denn Ende 2016 ging letztendlich auch Leadsänger Fabio Lione. In der aktuellen Besetzung der Band kann sich somit nur noch Alex Staropoli als eines der Gründungsmitglieder schimpfen – alle anderen kamen im Jahre 2011 oder später. Und das merkt (und hört) man der Band mittlerweile auch an: das 2017 erschienene Compilation-Album LEGENDARY YEARS (Rezension) mit dem neuen Leadsänger Giacomo Voli fiel bei vielen angestammten RHAPSODY-Hörern absolut durch. Sicher auch, da man schlicht einige der unveränderten alten Nummern verwendete – und Giacomo Voli unausweichlich mit seinem (eventuell unerreichbaren) Vorgänger verglichen wurde. Es bleibt abzuwarten, wie das neue Material abschneiden wird… was auch für die folgenden Kandidaten gilt:

PATHFINDER.

Glücklicherweise setzten die noch nicht auf ein ähnliches Comeback-Compilationalbum mit vom neuen Leadsänger veredelten alten Hits – sondern vorerst auf ein einzelnes Musikvideo zu einem entsprechend alten und bekannten Titel. Allein das hat allerdings schon komplett ausgereicht, um für ein mittelprächtiges Desaster zu sorgen. Nicht nur, dass das Video zum entsprechenden Titel FIFTH ELEMENT vom gleichnamigen 2012’er Album (Rezension) seit geraumer Zeit (das heißt eigentlich schon seit 5 Jahren) überfällig ist – viele den Weggang des einstigen Leadsängers Szymon Kostro schlicht nicht nachvollziehen können. Zumal er und seine relative Stimmakrobatik geradezu perfekt zur Band gepasst hatten, und sein Nachfolger nicht viel mehr macht als eben diese Ambitionen zu imitieren. Allerdings mit einem höchst mäßigen Erfolg – und im schlimmsten Fall sogar einer relativ lachhaften Gesamtwirkung. Auch hier gilt: alles weitere bleibt abzuwarten, ganz im Gegenteil zu…

TALES OF GAIA.

Die haben mit ihrem aktuellen Album HYPERNOVA (Rezension) schließlich schon bewiesen, dass sie mit ihrem neuen Leadsänger nicht wirklich etwas ernsthaftes vorhaben. Etwas derart verqueres, klägliches und schlicht lachhaftes hat man in den letzten Jahren noch nicht auf die Lauscher bekommen. Und wer oder was ist in diesem Falle wieder Schuld daran ? Exakt, ein (hier absolut unverständlicher) Lineup-Wechsel… doch der nächste Kandidat steht schon bereit, denn:

TWILIGHT FORCE…

… werden ab sofort ebenfalls ohne ihren angestammten Leadsänger Christian Eriksson alias Chrileon unterwegs sein, der zuletzt das kunterbunt-magische Epos HEROES OF MIGHTY MAGIC (Rezension) veredelte. Zwar sind die Folgen derzeit noch nicht wirklich abzuschätzen, doch dass das Ganze einen glücklichen Ausgang nimmt ist eher unwahrscheinlich. Schließlich gilt auch hier: eigentlich hatte man den perfekten Leadsänger bereits gefunden, wobei die Gründe für seinen plötzlichen Weggang abermals wenig nachvollziehbar erscheinen.

Was also wird die Zukunft noch an Mitgliederwechseln unserer allseits geliebten Power Metal-Bands bereithalten ? Man kann nur hoffen, dass die Liste nicht allzu lang wird. Und überhaupt gibt es sie tatsächlich noch – Bands, die seit ihrer mittlerweile viele Jahre zurückliegenden Gründung mit dem ursprünglichen Leadsänger am Start sind. es gilt demnach, einen Glückwunsch an die folgenden Bands zu richten:

  • AXXIS
  • BLIND GUARDIAN
  • GAMMA RAY
  • IRON SAVIOR
  • MAJESTY
  • MANOWAR
  • ORDEN OGAN
  • POWERWOLF
  • REINXEED
  • SABATON
  • SONATA ARCTICA
  • THE STORYTELLER
  • THEOCRACY
  • TIERRA SANTA
  • VHALDEMAR
  • WIZARD

… sowie an alle anderen, die an dieser Stelle vergessen wurden.