Metal-CD-Review: SABATON – The Art Of War (2008)

sabaton-the-art-of-war_500

Alben-Titel: The Art Of War
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Rikard Sundén – Guitars
Daniel Mullback – Drums
Daniel Mÿhr – Keyboards
Joakim Brodén – Vocals
Pär Sundström – Bass
Oskar Montelius – Guitars

Track-Liste:

1. Sun Tzu Says (00:23)
2. Ghost Division (03:51)
3. The Art of War (05:08)
4. 40:1 (04:10)
5. Unbreakable (05:58)
6. The Nature of Warfare (01:18)
7. Cliffs of Gallipoli (05:51)
8. Talvisota (03:32)
9. Panzerkampf (05:15)
10. Union (Slopes of St. Benedict) (04:05)
11. The Price of a Mile (05:55)
12. Firestorm (03:25)
13. A Secret (00:37)

Von der großen Kunst des Krieges.

Nachdem sich die schwedischen Power Metaller von SABATON schon in den frühen 2000er Jahren einen Namen machen und einen festen Platz in der Szene etablieren konnten, wurde es gegen Ende des Jahrzehnts noch einmal richtig interessant. So wurde mit dem 2007 erschienen METALIZER (siehe Review) endlich das früheste, zwischenzeitlich neu aufgenommene Material der Band in Form eines vollwertigen Studioalbums veröffentlicht – woraufhin es für die geneigte Hörerschaft schon 2008 erneut an der Zeit sein sollte, ein schmackiges Album der SABATONschen Kriegsmaschinerie auf die Lauscher zu bekommen. Jenes gute Stück horcht auf den Namen THE ART OF WAR, und kommt mit 13 respektive 10 vollwertigen Titeln sowie einer Gesamtspielzeit von knapp 50 Minuten daher.

Dabei ist es sicher keine große Überraschung, dass sich SABATON auch dieses Mal voll und ganz auf ihre schon früh etablierten Alleinstellungsmerkmale verlassen – und THE ART OF WAR somit als relativ typisches, andererseits aber auch nicht minder überzeugendes Genrealbum mit der nötigen Extraportion Kriegsdramatik inszeniert wird. So ergeben sich auch entsprechend wenig Streitpunkte – zumindest, wenn man der Band und deren Marschrichtung generell zugetan ist. Das war und ist indes keine Selbstverständlichkeit, denn es hätte auch ganz anders kommen können. Immerhin war die Chance, dass sich der Sound der Band nur allzu schnell abnutzen könnte; durchaus gegeben – ebenso wie die Möglichkeit, wieder ein gutes aber dennoch eher unspektakuläres Album a’la ATTERO DOMINATUS (siehe Review) abzuliefern. Auf THE ART OF WAR jedoch wird der typische SABATON-Sound mitsamt seinem Pomp und Bombast wieder auf ein mehr als nur anständiges Level gehievt – sodass wenn überhaupt Erinnerungen an das grandiose PRIMO VICTORIA (siehe Review) wach werden.

Tatsächlich bewegt sich THE ART OF WAR stilistisch relativ nah an eben jenem offiziellen Erstwerk der Band – aber, und das ist das gute; ohne sich bloß zu wiederholen. Sicher, etwas gänzlich neues wird man hier nicht zu hören bekommen – doch wenn das gute alte und eventuell in Ansätzen bekannte mit einer derartigen Überzeugung und Wirkung inszeniert werden kann wie in diesem Fall, wünscht man sich gar nicht erst etwas anderes. Fest steht jedenfalls: handwerklich ist das Ganze über so gut wie alle Zweifel erhaben, und auch die Abmischung und Produktion lässt kaum Wünsche offen. Einzig und allein die Tatsache, dass das Keyboard auf THE ART OF WAR eine größere Rolle einnimmt als jemals zuvor könnte sich für manchen als störend erweisen – wohingegen gewisse Elemente einfach zum typischen SABATON-Gesamterscheinungsbild dazugehören. Immerhin gibt es, man könnte es als eine Art Ausgleich sehen; nun auch wesentlich wuchtigere Hintergrundchöre und zudem eine noch variablere Gesangsperformance von Leadsänger Joakim Broden – was die gefühlte musikalische Raffinesse noch einmal erhöht.

Was bleibt ist, einen näheren Blick auf die enthaltenen Titel zu werfen – von denen man ja nach Facón gleich 3 streichen könnte, ohne sich überhaupt näher mit ihnen zu befassen. Tatsächlich sind das arg kurze Intro SUN TZU SAYS, das Zwischenspiel THE NATURE OF WARFARE und das Outro A SECRET nur als füllende atmosphärische Gimmicks zu betrachten, die nicht zuletzt durch die absichtlich maschinell wirkende weibliche Erzählstimme gewöhnungsbedürftig erscheinen. Eine Stimme, die leider auch in einigen anderen Titeln des Albums auftaucht – aber darüber kann man hinwegsehen. Denn schließlich haben es die restlichen Titel in sich: schon der Opener GHOST DIVISION etabliert eine ebenso antreibende wie überzeugende Wirkung, die schnell den Textinhalten entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lässt. Das gilt auch für viele der anderen Nummern, von denen vor allem das erhabene 40-1 als absoluter Anspieltipp und eventuell auch einer der besten SABATON-Titel überhaupt hervorsticht.

Gut, zumindest hie und da gehen SABATON gefühlt eher auf Nummer sicher oder betätigt sich etwas zu exzessiv am Keyboard – wie etwas im sonst recht unspektakulären Titeltrack THE ART OF WAR. UNBREAKABLE dagegen macht auch in den vergleichsweise bedächtigen Momenten vieles richtig, und gestaltet sich zudem als recht spannend – nicht zuletzt durch den langsam anbahnenden Tempowechsel gegen Mitte. Etwas ungewöhnlich ist sicher auch CLIFFS OF GALLIPOLI, welches mit einigen für SABATON unüblichen Klaviertönen daherkommt – dabei aber ebenfalls einen ansprechenden Spannungsbogen mitbringt und als eine der musikalisch nicht ganz so überschwänglichen Nummern hervorragend funktioniert; vor allem auch dank eines großartigen Joakim Broden und der Gegenüberstellung von ruhigen und wahrhaft schmetternden Elementen.

Der weitere Verlauf offenbart dann ebenfalls keine nennenswerten Schwachpunkte – was THE ART OF WAR zu einem gefundenen Fressen für alle SABATON-Fans (und solche, die es werden wollen) macht. Von den hervorragenden handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder über die überzeugende Inszenierung der enthaltenen Titel bis hin zur gelungenen Produktionsarbeit – hier stimmt einfach alles. Wären da nicht die relativ überflüssigen Zwischenspiele, die generell störende weibliche Erzählstimme sowie ein oder zwei schwächere Titel; so hätte man auch getrost eine Höchstwertung vergeben können. Aber auch so reicht es noch für eine ganz und gar ansehnliche Anerkennung.

Absolute Anspieltipps: 40-1, UNBREAKABLE, CLIFFS OF GALLIPOLI, UNION, THE PRICE OF A MILE


95button

„Eine durchaus majestätische Angelegenheit.“

7 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SABATON – The Art Of War (2008)

  1. Ich werde versuchen, so objektiv wie möglich zu bleiben, und trotz der Tatsache, dass ich durch dieses Album zu Sabaton gefunden habe, die Review nicht zu sehr durch die Nostalgiebrille zu schreiben (geine Garantie auf Erfolg)

    Sun Tzu says/the Nature of Warfare/sonstige Zitate aus der Kunst des Kriegs: musikalisch betrachtet zwar nicht notwendig, aber nichtsdestotrotz irgendwie atmosphäarsch. Ich persönlich habe die Stimme (nicht zuletzt wegen der ähnlichkeit mit der sTimme eines Charakter aus einer Serie meiner Kindheit) nie als lästig oder unpassend empfunden, aber das ist natürlich hochgradig subjektiv.

    Ghost Division: Für mich das beste Sabaton Lied und eines der besten Lieder überhaupt. Es mag objektiv betrachtet vielleicht etwas generisch daherkommen, aber es macht einfach zu viel Spaß zu hören.

    The Art of War: Je nach Stimmung liegt meine Wertung hierfür irgendwo zwischen „Oh nö, bleib mir fern mit dem Ding“ und „Ich liebe diesen schweren Rhytmus“. Musikalisch nicht wirklich verdient der Titeltrack, aber nicht unbedingt ein schlechtes Lied.

    40:1: In diesem Punkt kann ich der Review nur zustimmen, eines der besten Lieder, die Sabaton jemals geschrieben hat.

    Cliffs of Gallipoli: Das erste Lied, das ich jemals von Sabaton gehört habe, und eine der besten Balladen, die ich kenne.

    Talvisota: Zu Unrecht oft übersehen, ein sehr triebiges und kraftvolles Lied mit enormem Ohrwurmpotential.

    Panzerkampf: Eins der „Magmastrom-Lieder“, wie ich sie gerne nenne: Zäh, aber unaufhaltsam. Ich kenne wenige Lieder, die mehr Kraft ausstrahlen.

    Union: Wie schon Talvisota, zu Unrecht sehr oft übersehen, ein sehr gutes Lied und wenn man irgendwann um ein Uhr nachts durch den städtischen Wald nach Hause läuft (ist schon vorgekommen, kein Scherz) gibt es wenig besseres zum einfach laut mitsingen.

    The Price of a Mile: Das zweite oder dritte Lied, das ich von Sabaton gehört habe, im Prinzip das Gleiche wie für CLiffs of Gallipoli.

    Firestorm: Zum Abschluss des regulären Albums einer meiner absoluten Favoriten, darf auf keiner Playlist für Liftgefechte fehlen.

    A Secret: Hätte es nicht gebraucht. Nicht schlecht genug, um zu stören, aber hat auch keinen positiven Einfluss auf das Album.

    Bonustracks:

    Swedish Pagans: Das große Memelied, vor allem Live ein echter Brüller, wenn sich die ganze Band mal wieder gegen Jocke kehrt und anfängt, es zu spielen. Davon abgesehen ein ungewöhnliches, aber gutes und seehr ohrwurmlastiges Lied.

    Glorious Land: Ich gebe zu, es heute zum ersten mal gehört zu haben, was schade ist, denn das Lied ist wirklich gut. Natürlich nicht so genial wie zum Beispiel Ghost Division, aber als Fan sollte man es hören, auch wenn es auf Youtube unauffindbar ist.

    Art of War Pre-Production Demo: eine interessante Alternative zu der Version auf dem regulären Album, mit neuem Text und leicht anderem Mixing. Nicht unbedingt besser oder schlechter, einfach anders.

    Schwedische Nationalhymne: Auch wenn ich kein Wort verstehe, ist es doch ganz lustig zu hören, vor allem für mich als großer Freund von Metal Covers.

    Auch wenn das Album hier und da ein paar Kritikpunkte hat, macht es zum hören einfach zu viel Spaß. Vielleicht etwas durch die Nostalgie beeinflusst, aber es würde an Blasphemie grenzen, wenn ich diesem Album nicht die Höchstwertung von 10.0 gebe.

    Favoriten: Ghost Division, 40:1, Panzerkampf, Union, Firestorm

    Gefällt 1 Person

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.