Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Deliverance (2018)

Alben-Titel: Deliverance
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Juli 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Roland Westbom – Bass
Markus Grundström – Guitars
Mattias Lilja – Vocals, Piano
Esa Ahonen – Guitars
Micke Dahlkvist – Drums

Track-Liste:

1. Intro: The Morning After the Longest Day (02:28)
2. Rise Eternally Beyond (05:07)
3. Through the Storm (04:52)
4. Knights of the Sky (05:27)
5. Deliverance (04:21)
6. Loneliest Man in Space (05:04)
7. Pain and Pleasure (03:40)
8. Temple of Cryonics (05:12)
9. Starchild (04:23)
10. End of Days (04:06)
11. Swansong of the Last Emperor (04:29)
12. Under Attack (04:09)
13. Blood and Shame (03:45)
14. Insomnia (05:39)

Wenn die Erlösung (nicht) nahe ist.

Nein – allzu lange hat es wahrlich nicht gedauert, bis sich die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE mit einem weiteren neuen Studioalbum zurückmelden. So erschien das letztaktuelle INTO THE GLORIOUS BATTLE (siehe Review) erst vor gut einem Jahr – was die Vermutung aufkommen lässt, dass die Schweden einiges aufholen wollen. Warum das so ist oder sein könnte, liegt auf der Hand: seit ihrem vierten, Ende 2008 erschienenen Album IMMORTAL (Review) hatte man für knapp 10 Jahre nichts mehr von CRYONIC TEMPLE gehört. Einige Jahre, und natürlich auch Mitgliederwechsel später aber war es dann aber doch an der Zeit für eine Rückkehr – wobei INTO THE GLORIOUS BATTLE besser abgeschnitten hatte als von manchen befürchtet. Nicht unwesentlich daran beteiligt war auch der neue Leadsänger Mattias Lilja, der sich offenbar gut in der Band eingefunden hatte – und den legendären Johan „Glen Metal“ Johansson (ja, wo ist der eigentlich abgeblieben ?) zwar nicht in einem gleichwertigen, aber doch angenehmen Sinne ersetzen konnte. Nun also soll mit DELIVERANCE der zweite große Paukenschlag nach der quasi-Wiedervereinigung erfolgen – wofür die Schweden satte 14 neue Titel an den Start schicken. Die erste Überraschung folgt dabei sogleich, denn: es hat sich einiges getan im Hause CRYONIC TEMPLE.

Ob es sich dabei um eine rundum positive oder zumindest nachvollziehbare Entwicklung handelt, sei allerdings einmal dahingestellt. Denn, und leider: CRYONIC TEMPLE sind beinahe nicht mehr wiederzuerkennen. Selbstverständlich – dank der mittlerweile bekannten neuen Leadstimme von Mattias Lilja und der glücklicherweise noch des öfteren durchschimmernden und dabei ebenso unverkennbaren wie unverkennbar guten Gitarrenarbeit von Esa Ahonen weiß man, dass hier tatsächlich jene Schweden am Werk sind die einst mit Alben wie IN THY POWER Geschichte schrieben. Aber dennoch: dass irgendetwas anders ist, wird man schon mit dem sich verdächtig langatmig anfühlenden symphonischen Intro INTO THE MORNING AFTER THE LONGEST DAY sowie dem darauf folgenden Opener RISE ETERNALLY BEYOND (der ebenfalls mit einer ellenlangen, eigentlich unnötigen Auftaktphase daherkommt) feststellen. Schließlich sollte man nicht zuletzt bei einer Titelvergabe wie dieser erwarten können, dass CRYONIC TEMPLE hier in möglichst jeder Hinsicht aus dem (musikalischen) Vollen schöpfen – und dem Hörer ein echtes Power Metal-Brett servieren. Leider ist aber genau das nicht wirklich der Fall: die Schweden klingen schon zum Auftakt des Albums merkwürdig verhalten und nicht gerade so, als wollten sie wirklich etwas reißen.

So weist DELIVERANCE gleich drei markantere Knack- oder auch explizite Schwachpunkte auf. Zuallererst ist es die plötzlich erschreckend limitiert erscheinende Leistung von Leadsänger Mattias Lilja, die negativ auffällt – wobei es kaum vorstellbar ist, was genau mit dem einst recht gut zum allgemeinen Soundoutfit der Band passenden Gesangskünstler passiert sein könnte. In Bezug auf DELIVERANCE steht eines aber mit Sicherheit fest: so kraftlos, emotionsarm und wenn man so will fast schon einschläfernd hat schon lange kein Power Metal-Frontmann mehr geklungen. Und, das ist das verwunderliche: ausgerechnet bei Titeln wie den hier enthaltenen, die eine gewisse Kraft und Ausdrucksstärke schlicht voraussetzen. Zweifelsohne werden hier Erinnerungen an Alfred Romero wach, der als Frontmann von DARK MOOR eine ganz ähnliche (und dabei ebenso unverständliche) Wandlung durchgemacht hat – womit er nicht weniger getan hat, als die Band ins Aus zu bugsieren. Wenig verwunderlich ist, dass das zweite Problem von DELIVERANCE auf die Gegenseite, das heißt die instrumentalen Strukturen oder auch die Kompositionen im Gesamten abzielt – wobei man sich auch hier fragen muss, was genau CRYONIC TEMPLE dazu getrieben hat Entscheidungen wie die hier gemachten zu treffen.

Sicher – gegen ein wenig Auflockerung in Form von diversen Spielereien oder besonderen melodischen Maßnahmen ist im allgemeinen nichts einzuwenden. CRYONIC TEMPLE gehen auf DELIVERANCE allerdings einen eher unangenehmen Weg – und setzen vermehrt auf ebenso simple wie fast schon poppig anmutende Arrangements (arg: THROUGH THE STORM), die nur allzu selten von der noch immer soliden Arbeit der beteiligten Musiker befeuert werden können. Anders gesagt: die Kraft ist raus, warum auch immer – und die gefundene Alternative wird die wenigsten Power Metal-Konsumenten begeistern, erst Recht natürlich nicht die alteingesessenen CRYONIC TEMPLE-Anhänger. Das dritte Problem des Albums bezieht sich dann auf die einzige noch verbleibende positive Seite des Albums – und verkehrt auch diese ins relative Gegenteil. Denn: in den wenigen Momenten, in denen das Konzept der Band doch noch aufzugehen scheint (wie etwa in KNIGHTS OF THE SKY) erinnern CRYONIC TEMPLE plötzlich frappierend an die Kollegen von VEONITY – die momentan klar als stärkere Combo aus dem Vergleichsduell hervorgehen.

Daran ändern auch viele der anderen, teilweise kläglichen Versuche (wie die peinliche JUDAS PRIEST-Referenz im Titeltrack DELIVERANCE) nichts – und auch das Bestreben, in Titeln wie LONELIEST MAN IN SPACE oder END OF DAYS eine Priese einer bei Bands wie KELDIAN wunderbar aufgehenden sphärischen Komponente beizumengen; klingt bei CRYONIC TEMPLE leider nicht ganz so überzeugend. Ein Titel, der noch am ehesten funktioniert wäre wohl PAIN AND PLEASURE – wobei fraglich ist wer genau hier die Rolle des Leadsängers einnimmt. Wenn es wirklich Mattias Lilja ist, Hut ab – aber auch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Insgesamt betrachtet ist DELIVERANCE eine herbe Enttäuschung – und das sowohl als CRYONIC TEMPLE-Album, als auch als allgemeines Power Metal-Release.

Absolute Anspieltipps: KNIGHTS OF THE SKY, LONELIEST MAN IN SPACE, PAIN AND PLEASURE


„CRYONIC TEMPLE klangen schon einmal besser.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Immortal (2008)

Alben-Titel: Immortal
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. November 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Heaven

Alben-Lineup:

Esa Ahonen – Guitars
Björn Svensson – Bass
Hans Karlin – Drums
Leif Collin – Guitars
Magnus Thurin – Vocals

Track-Liste:

1. Immortal (05:52)
2. Standing Tall (04:36)
3. Where Sadness Never Rests (05:59)
4. Beg Me (04:54)
5. Freedom Calling (04:47)
6. Fear of the Rage (04:19)
7. Time (05:14)
8. Fight to Survive (04:27)
9. Train of Destruction (05:19)
10. As I Sleep (03:54)
11. Departure (02:00)

Unsterblich, aber nicht unangreifbar.

Die frühen 2000er Jahre waren eine gute Zeit für die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE – die mit ihren ersten drei Studioalben CHAPTER I (siehe Review), BLOOD, GUTS & GLORY (Review) und IN THY POWER (Review) mehr als ordentlich vorgelegt und sich dementsprechend auch einen stetig wachsenden Bekanntheitsgrad erarbeitet hatten. Das leider Gottes aber auch die schönste Erfolgsgeschichte nicht vor so mancher Schwankung oder gar einem expliziten Einbruch gefeit ist, bewiesen die Schweden spätestens mit der Präsentation ihres vierten Studioalbums IMMORTAL. Zwar ist selbiges Werk noch immer weit davon entfernt ein schlechtes oder komplett zu vernachlässigendes Genre-Album zu sein – und doch ist es durchaus dazu in der Lage, für einen dezent faden Beigeschmack zu sorgen. Erst Recht natürlich im Vergleich mit den drei grundsoliden bis hervorragenden Vorgängern – und in Anbetracht dessen, dass sich CRYONIC TEMPLE nach dem letztaktuellen IN THY POWER für den ein oder anderen markanten Lineup-Wechsel entschieden hatten oder vielleicht auch entscheiden mussten. Dass man dabei ausgerechnet auch den bis dato die Band vertretenen Leadsänger Johan Johansson durch den relativ unbekannten und unerfahrenen Magnus Thurin ersetzte, gehört dabei sicher nicht zu den besten jemals von der Band getroffenen Entscheidungen.

Schließlich waren es nicht zuletzt eben jene Lineup-Wechsel, die zu einem relativen Chaos innerhalb der Band (und letztendlich auch dem Stillstand bis zum erst 2017 erschienen Rückkehr-Album INTO THE GLORIOUS BATTLE) geführt hatten – so sehr man es CRYONIC TEMPLE auch gewünscht hätte, auch mit dem neuen Leadsänger noch die Kurve zu kriegen. Sicher, ins Zeug gelegt hatten sie sich durchaus – wofür das mit insgesamt 11 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten gespickte IMMORTAL ja gewissermaßen Pate steht, wenn auch nur auf den ersten Blick. Schließlich macht sich schon mit dem Opener und Titeltrack IMMORTAL bemerkbar, dass CRYONIC TEMPLE nicht nur ihren Leadsänger ausgetauscht sondern sich zwangsläufig auch stilistisch neu orientiert hatten. Dass die hier gefundene Alternative in Form einer vergleichsweise modernen und überraschend gleichförmigen Gangart so wenig überzeugt, hat dabei mindestens zwei Gründe: zum einen war sie kaum noch mit der bisher von der Band an den Tag gelegten Marschrichtung vereinbar, und zum anderen konnte IMMORTAL auch als unabhängig betrachtetes Genre-Album nur verdächtig wenig Staub aufwirbeln.

Anders gesagt: die Zeiten, in denen CRYONIC TEMPLE einen ebenso klassischen wie angenehm hymnischen und zeitlosen Power Metal inszenierten, waren mit IMMORTAL weitestgehend vorüber – und der neue Soundanstrich der Band sollte einigen gehörig vor den Kopf gestoßen haben. Dass IMMORTAL nicht wirklich konsequent klingt und wirkt, liegt aber nicht nur an der grundsätzlich soliden (aber eben nicht zu CRYONIC TEMPLE passenden) Gesangsdarbietung von Magnus Thurin – sondern auch am ständigen mäandern der Band zwischen verschiedenen Strömungen und Subgenres des Metal. Irgendwo zwischen dem Echo ihres alten Power Metals, einer am ehesten dem Thrash Metal zuzuordnenden Gangart, fragwürdigen Anleihen aus dem Bereich des Grooves und fast schon radiotauglich-rockigen Elementen (wofür es nicht erst die Ballade AS I SLEEP braucht) schienen CRYONIC TEMPLE dabei ganz offensichtliche Identitätsprobleme zu haben – was dazu führt, dass ein Großteil der Nummern einen ebenso schwachen wie schlicht extrem verwechselbaren Eindruck vermittelt und kaum im Gedächtnis bleibt.

Selbst eine der potentiellen Stärken von IMMORTAL – namentlich die Tatsache, dass es sich trotz allem um ein recht Gitarren-intensives Album handelt – fällt hier nicht wirklich ins Gewicht, da die Schweden zumeist auf ein eher simples und schnell repetitiv erscheinendes Riffing setzen. Von den Soli-Parts, für die die Band einst ebenso bekannt wie berüchtigt war; gar nicht erst zu sprechen. IMMORTAL markiert damit eines jener Power Metal-Alben, die sich für vieles eigneten – vor allem aber die Besiegelung einer einst vielversprechenden Genre-Karriere. Wie man heute weiß haben sich CRYONIC TEMPLE aber doch noch aus ihrem selbst geschaufelten Loch befreien können – auch wenn es bis zur Rückkehr mit INTO THE GLORIOUS BATTLE einige Jahre gedauert hat.

Absolute Anspieltipps: STANDING TALL, FEAR OF RAGE


„Der einzige Moment der CRYONIC TEMPLE-Diskografie, den man getrost vernachlässigen kann – und vielleicht auch sollte.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – In Thy Power (2005)

Alben-Titel: In Thy Power
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP / Limp Music Productions

Alben-Lineup:

Sebastian Olsson – Drums
Esa Ahonen – Guitars
Jan J. Cederlund – Bass
Leif Collin – Guitars
Jan Söderlund – Keyboards
Glen Metal – Vocals

Track-Liste:

1. The Sleep of the Innocent (01:23)
2. When Hell Freezes Over (05:40)
3. In Thy Power (05:36)
4. Travellers in Time (05:14)
5. Beast Slayer (05:22)
6. Wolfcry (06:36)
7. Mr. Gold (04:58)
8. A Soldiers Tale (05:01)
9. Shark Attack (04:30)
10. Rapid Fire (04:22)
11. Eternal Flames of Metal (06:44)

Eine weitere willkommene Macht- und Kraftdemonstration.

IN THY POWER ist das dritte offizielle Studioalbum aus dem Hause CRYONIC TEMPLE – und damit auch die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte jener eifrigen Power Metaller, die kurz nach der Jahrtausendwende endlich vollends mit ihren Genre-Beiträgen durchstarten konnten. Mit ihrem Debütalbum CHAPTER I (siehe Review) sowie dem bald darauf nachgeschobenen BLOOD, GUTS & GLORY (Review) konnten die Schweden jedenfalls relativ gnadenlos überzeugen – und das auch oder gerade weil sie erst gar keinen allzu großen Aufriss um ihre Musik machten. Stattdessen schienen sich die Recken um den damaligen Frontmann Glen Metal (eigentlich Johan Johansson) schon früh auf das zu besinnen, was sie am besten können – und das war und ist ein ebenso klassisch gestimmter wie zutiefst hymnisch angehauchter Power Metal der typisch europäischen Spielart. Das vorliegende dritte Album aus der hiesigen Power Metal-Schmiede bildet da so gesehen keine Ausnahme – auch wenn sich hie und da doch kleine Veränderungen bemerkbar machen.

Die beziehen sich indes weniger auf die grundsätzliche Spielart der Band, als vielmehr auf die Darbietung des Leadsängers Johan Johansson – der auf IN THY POWER teils deutlich bestimmter und aggressiver vorgeht als noch auf den Vorgängern. Vor allem der Auftakt mit dem in den Strophen ungewöhnlich harschen WHEN HELL FREEZES OVER bietet hier als treffendes Anschauungsmaterial an – wobei man sich durchaus erst an diese neue Herangehensweise gewöhnen muss. Aber eben auch nur kurz – schließlich merkt man schon dem Refrain an, dass CRYONIC TEMPLE keinesfalls auf ihre typischen Markenzeichen verzichtet hatten. Noch deutlicher wird dies im folgenden Titeltrack IN THY POWER – der ein für die Schweden typisches Power Metal-Feuerwerk abfackelt und dabei alles andere als eine schlechte Figur macht. An die schier umwerfende Wirkung der Vorgänger aber kommt das Album im weiteren Verlauf dann doch nicht ganz heran – was mehre Gründe hat.

Zum einen schienen CRYONIC TEMPLE hier nicht mehr ganz so spielfreudig zu agieren respektive aus wirklich allen Rohren zu feuern – was aller Wahrscheinlichkeit nach auf die bis zu diesem Zeitpunkt von der Band gewonnene Erfahrung und sicher auch Routine zurückzuführen ist. Zwar führt das nicht dazu, dass auch nur einer der insgesamt 11 Titel komplett zu vernachlässigen wäre – aber der zuvor noch vorhandene Überraschungsfaktor bleibt verständlicherweise aus. Auch scheint es, als wären die Schweden hie und da einfach etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen – was hier einige höchst solide, aber eben auch nicht herausragende (und den Refrains etwas schwächere, zumindest im Vergleich mit den Vorgängern) Titel wie etwa TRAVELLERS IN TIME, WOLFCRY, MR. GOLD, SHARK ATTACK oder RAPID FIRE zur Folge hat. Der Band absolut erhalten geblieben sind dagegen – und das auch in den nicht ganz so überzeugenden Titeln – ihre handwerklichen Fähigkeiten sowie das nötige Feingefühl in Bezug auf eine möglichst effektive Inszenierung und einen rundum zufriedenstellenden technischen Part.

Alles in allem wäre also definitiv davon auszugehen, dass IN THY POWER deutlich hinter seinem Vorgänger BLOOD, GUTS & GLORY zurückstecken müsste. Wenn, ja wenn sich da nicht doch noch das ein oder andere Highlight versteckt hätte. Vornehmlich zu nennen wären hier der bereits erwähnte, extrem knackige Opener WHEN HELL FREEZES OVER sowie natürlich der Titeltrack – aber auch das furiose und variantenreiche BEAST SLAYER, das zeitlos-hymnische A SOLDERS TALE sowie der Rausschmeißer THE ETERNAL FLAMES OF METAL als exzellente Band- und Genrehymne sorgen hier für den nötigen Ausschlag. Eben diese Nummern sind es dann auch, die eine allzu explizite Einstufung unter dem Niveau des Vorgängers vermeiden – und IN THY POWER letztendlich fast auf eine Stufe mit den ersten beiden Werken der Schweden hieven.

Absolute Anspieltipps: WHEN HELL FREEZES OVER, IN THY POWER, BEAST SLAYER, A SOLDIERS TALE, ETERNAL FLAMES OF METAL


„Fast so gut wie der Vorgänger, aber eben auch nur fast. Die Blöße geben sich CRYONIC TEMPLE hier dennoch nicht – auch für das dritte Album kann eine absolute Empfehlung ausgesprochen werden.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Blood, Guts & Glory (2003)

Alben-Titel: Blood, Guts & Glory
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP / Limp Music Productions

Alben-Lineup:

Esa Ahonen – Guitars
Jan J. Cederlund – Bass
Gert Steelheart – Drums
Leif Collin – Guitars
Jan Söderlund – Keyboards
Glen Metal – Vocals

Track-Liste:

1. Morphine Dreams (01:01)
2. Mercenaries of Metal – The Quest Pt. I (06:10)
3. Inquisition – The Quest Pt. II (04:33)
4. Swords and Diamonds (04:23)
5. Thunder and Lightning (03:34)
6. The Story of the Sword (05:32)
7. Long Live the Warriors (05:34)
8. Triumph of Steel (04:52)
9. The Midas Touch (Samurai) – The Quest Pt. III (06:06)
10. Through the Skies (04:28)

Wer wird sich denn gleich im Gedärm seiner Gegner suhlen…

Im Zuge der um die Jahrtausendwende herum aktiv gewordenen Genre-Combos ist die Rechnung kaum ohne die Schweden von CRYONIC TEMPLE zu machen – die nach ihrem rundum überzeugenden Debütalbum CHAPTER I (2002, siehe Review) sogleich entsprechend nachlegten. Das zweite offizielle Werk aus der Hit- und Hymnenschmiede um den damals die Band repräsentierenden Frontmann Johan Johansson horcht dabei auf den einiges vorwegnehmenden Namen BLOOD, GUTS & GLORY, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 46 Minuten – und macht grundsätzlich ziemlich genau da weiter, wo man das erfolgreiche CHAPTER I vor nicht allzu langer Zeit geschlossen hatte. Anders gesagt: auch auf dem zweiten Album der Schweden wird ein recht klassischer und schnörkelloser Power Metal der europäischen Spielart inszeniert, der einer gewissen Hymnen-Tauglichkeit nicht entbehrt. Und tatsächlich: ganz im Sinne von seinerzeit ganz ähnlich auftretenden Bands wie etwa STEEL ATTACK hatten es CRYONIC TEMPLE dabei durchaus geschafft, den ein oder anderen kultverdächtigen Moment festzuhalten. In Bezug auf das vorliegende Album gilt das selbstverständliche mit Ausnahme des überraschend unerträglichen Intros MORPHINE DREAMS, das mit seinen künstlichen Streichern zunächst noch einen alles andere als formidablen Eindruck hinterlässt.

Danach aber geht es mit Titeln wie der unaufhaltsam voranpreschenden Band- und Genre-Hymne MERCENARIES OF METAL sogleich ordentlich los – und das mit einer solchen Überzeugungskraft und Vehemenz, dass dem geneigten Power Metal-Konsumenten die ein oder andere Freudenträne ins Auge schießen könnte. Sicher handelt es sich hierbei um eine ebenso glückliche wie letztendlich doch eher seltene Erscheinung – erst Recht wenn man bedenkt, dass CRYONIC TEMPLE erst gar nicht allzu viel oder allzu außergewöhnliches unternommen haben um die Gunst der Hörerschaft zu gewinnen. Anders gesagt: nicht viele Bands, die – wenn man es einmal ganz nüchtern betrachtet – so schlicht klingen wie CRYONIC TEMPLE konnten und können eine ähnlich intensive und vor allem glaubhafte Wirkung etablieren. Als Pate für das schier perfekt aufgehende Konzept der Band stehen in diesem Fall klar Nummern wie das zünftige INQUISITION, das hymnisch-HAMMERFALLeske THE STORY OF THE SWORD oder das dezenten in Richtung MANOWAR schielende TRIUMPH OF STEEL – was letztendlich deutlich weniger nach MANOWAR klingt als beispielsweise das vorangegangene LONG LIVE THE WARRIORS. Selbige Nummer sorgt im übrigen auch dafür, dass das Album trotz seiner zahlreichen Highlights dezent hinter seinem Vorgänger CHAPTER I zurückstecken muss – analog zum ebenfalls nicht unbedingt herausragenden Abschluss des Albums in Form des etwas zu wilden THROUGH THE SKIES, dass in Bezug auf das Drumming und den vergleichsweise plumpen Refrain nicht wirklich überzeugt.

Davon abgesehen stehen aber so gut wie alle Zeichen auf grün, und das sogar auch oder vor allem in Bezug auf die Details – wie etwa die wahnwitzigen Soli-Parts, die gerne mal an die regulären Titel angehängt werden. Wenn man so will gehören sie vielleicht sogar zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat – oder zumindest zum unterhaltsamsten. Dass das Handwerk der einzelnen Mitglieder, und insbesondere das des damaligen Leadsängers Johan Johansson eine ebenso überzeugende wie unvergleichliche Figur macht wie die allgemein recht vorteilhaft ausgefallene Abmischungs- und Produktionsarbeit, setzt dem Ganzen die Krone auf. Fest steht: ein Album wie BLOOD, GUTS & GLORY gehört in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung.

Absolute Anspieltipps: MERCENARIES OF METAL, INQUISITION, THE STORY OF THE SWORD, TRIUMPH OF STEEL


„Ein zeitloser Geheimtipp.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Into The Glorious Battle (2017)

Alben-Titel: Into The Glorious Battle
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2017
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Roland Westbom – Bass
Markus Grundström – Guitars
Mattias L. – Vocals, Piano
Esa Ahonen – Guitars
Micke Dahlkvist – Drums

Track-Liste:

1. The Beginning of a New Era (02:27)
2. Man of a Thousand Faces (05:17)
3. All the Kingsmen (04:48)
4. Prepare for War (04:33)
5. Heroes of the Day (05:11)
6. Mighty Eagle (03:31)
7. Into the Glory Battle (04:19)
8. The Speech (00:54)
9. Mean Streak (03:04)
10. Flying over the Snowy Fields (04:13)
11. Can’t Stop the Heat (04:41)
12. This War Is Useless (Eulogy) (05:12)
13. Heavy Burden (05:31)
14. Freedom (07:55)

Auf in den (neuen) Kampf.

CRYONIC TEMPLE ist eine bereits 1996 gegründete Power Metal-Combo aus Schweden, die ihre eigentliche Blütezeit schon vor einigen Jahren hatte – oder genauer gesagt um die Jahrtausendwende herum. Zumindest einigen Genre-Fans sollten Alben wie CHAPTER I (siehe Review), BLOOD GUTS & GLORY oder IN THY POWER daher auch heute noch ein Begriff sein – die gleichermaßen energetische wie eingängige Spielart der Band machte zweifelsohne Laune, und handwerklich brauchten sich die Schweden ebenfalls noch nie verstecken. Dennoch folgte ab 2008 eine mittelprächtige Katastrophe, die wohl oder übel vom umstrittenen vierten Album der Band (IMMORTAL) eingeläutet wurde – CRYONIC TEMPLE verschwanden plötzlich gänzlich von der Bildfläche. Fast 10 Jahre später sind sie nun aber wieder zurück – und haben mit INTO THE GLORIOUS BATTLE ein vielversprechendes neues Album im Gepäck. Eines welches – und das blieb allein aufgrund der langen Ruhephase der Band einfach nicht aus – mit einer komplett neu aufgestellten Besetzung eingespielt wurde.

Und tatsächlich: was zuallererst auffällt, ist die einen recht frischen Eindruck machende Gesamtaufmachung des Albums; hier im Zusammenspiel mit sonst eher unüblichen Vergleichsmöglichkeiten. Denn: dass sich ausgerechnet Parallelen zu den ebenfalls nicht unbedingt massiv bekannten Power Metallern von EMERALD SUN aus Griechenland ergeben würden, war so nicht unbedingt zu erwarten. Und doch haben die beiden Combos viel gemeinsam – vom ähnlich aufgemachten, weitestgehend eher gemäßigten Leadgesang über den Gitarrensound bis hin zu einem fast deckungsgleichen Abmischungs- und Produktionseindruck. Das soll indes noch kein wertendes Urteil sein – sondern nur eine ungefähre Vorstellung von der Marschrichtung neuen CRYONIC TEMPLE-Werks INTO THE GLORIOUS BATTLE geben. Und damit auch einem Album, welches zwei der markanteren Attribuierungsmöglichkeiten schon einmal gekonnt umschifft.

Anders gesagt: INTO THE GLORIOUS BATTLE ist weder als Genre-Meisterwerk noch als ärgerlicher Ausfall in der insgesamt hochkarätigen Diskografie der Schweden zu bezeichnen. Der Grund dafür ist schnell gefunden: schon der Auftakt des Albums ist von einer – wenn man so will enormen – qualitativen Ambivalenz geprägt. So sollte sich derjenige, der sich für das Intro BEGINNING OF A NEW ERA verantwortlich zeichnet; schlicht schämen. Mit einem unspektakuläreren – und dank der offenbar nachgeahmten Sirenen-Geräusche unfreiwillig komisch wirkenden – Beginn hätte man das Album wahrlich nicht ausstatten können. Bis es zum ersten markanten Gegensteuern kommt, folgt erst noch der Opener MAN OF A THOUSAND FACES – der ebenfalls ein gemischtes Gefühl hinterlässt. So macht der Titel zwar insgesamt noch einen guten Eindruck, gerade aufgrund des schmackigen Gitarrensounds und der netten symphonischen Hintergrund-Komponente – doch im Detail hapert es noch hie und da. Wie etwa in Bezug auf den merkwürdig lustlos wirkenden Refrain oder auch kleinere Abmischungsprobleme. Man beachte dazu einfach mal den Sound des Wortes Fighting in der Zeile Fighting Demons From An Unknown World – oder die Tatsache, dass der Leadgesang insgesamt stets so klingt, als wäre er im Mix eher hintergründig platziert worden.

Danach aber kommt die bereits angesprochene Ambivalenz des Albums vollständig zum Tragen. Denn: das rhythmische ALL THE KINGSMEN und das mächtige PREPAR FOR WAR sind zwei absolute Hammer- respektive Ausnahme-Nummern mit einem hohen Kultpotential. Wenn man so will, könnte man sogar sagen dass CRYONIC TEMPLE noch nie so gut geklungen haben – und dabei doch immer wieder Elemente einbauen die an ihre Anfangszeiten erinnern, wie etwa das hervorragende Solo in PREPARE FOR WAR. Das Problem ist nur, dass die Schweden dieses hohe Niveau im weiteren Verlauf ihres Albums nicht wirklich halten können – und man nie so genau weiß, ob man gewisse Maßnahmen nun gutheißen oder eher verteufeln sollte. Das balladesk aufgemachte HEROES OF THE DAY mit seinen gewöhnungsbedürftigen Sprechpassagen ist hier nur ein Beispiel – das mit einigen elektronisch klingenden Ausstaffierungen versehene MIGHTY EAGLE, der gesanglich nicht mehr wirklich überzeugende Titeltrack INTO THE GLORY BATTLE (der wie ein schwächelnder Titel des VENDETTA-Albums von CELESTY klingt), das plötzlich ungewöhnlich rockig daherkommende MEAN STREAK oder das irgendwo zwischen CELESTY (da sind sie schon wieder) und KELDIAN schwebende HEAVY BURDEN einige weitere.

Immerhin, und wie bereits zu Anfang angedeutet: mit INTO THE GLORIOUS BATTLE geben sich CRYONIC TEMPLE nicht die Blöße, dafür sorgen allein schon die handvoll wirklich gelungener Nummern. Doch ein unvergessliches und einzigartiges Meisterstück liefern sie ebenfalls nicht ab. Vielmehr fühlt sich das Album im gehobenen Mittelfeld wohl – Spaß macht es allemal, und handwerklich geht es ebenfalls in Ordnung. Ob sich die lange Auszeit der Band und die daraus entstandene Wartezeit tatsächlich gelohnt hat, muss aber ein jeder für sich selbst entscheiden.

Absolute Anspieltipps: ALL THE KINGSMEN, PREPARE FOR WAR, FLYING OVER THE SNOWY FIELDS


„Ein insgesamt gelungenes Comeback-Album mit kleineren Aussetzern.“