Metal-CD-Review: ANCIENT BARDS – Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2) (2019)

Alben-Titel: Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2)
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2019
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Martino Garattoni – Bass
Daniele Mazza – Keyboards
Claudio Pietronik – Guitars
Sara Squadrani – Vocals
Federico Gatti – Drums
Simone Bertozzi – Guitars, Vocals (harsh)

Track-Liste:

1. Origine (02:15)
2. Impious Dystopia (05:41)
3. Fantasy’s Wings (04:51)
4. Aureum Legacy (05:42)
5. Light (04:43)
6. Oscurità (06:20)
7. Titanism (05:09)
8. The Hollow (03:31)
9. Home of the Rejects (03:57)
10. The Great Divide (14:48)

Die altehrwürdigen Gesangsbarden schlagen zurück.

Für all jene, die die jüngste Crowdfunding-Kampagne der ANCIENT BARDS beobachtet oder sogar etwas zu ihr beigesteuert haben, mag das Release von ORIGINE (THE BLACK CRYSTAL SWORD SGA PART 2) keine allzu große Überraschung sein – sondern eher ein endlich wahr gewordener, man will nicht sagen: feuchter Traum. Doch auch diejenigen, für die das neue Album der Recken um die stimmkräftige Frontfrau Sara Squadrani eher überraschend daherkommt; dürften sich alles andere als unerfreut zeigen – denn immerhin hat sich die 2006 ins Leben gerufene Combo bereits in der Vergangenheit bewiesen, und gilt wohl spätestens seit dem großartigen zweiten Album SOULLESS CHILD (2011, siehe Review) als waschechter Geheimtipp. Eine diesbezügliche Voraussetzung ist natürlich, dass man sich im allgemeinen für einen vergleichsweise pompös inszenierten Power Metal der explizit symphonischen Spielart sowie einen weiblichen Leadgesang erwärmen kann. Wer hier problemlos Zustimmen kann, hat entweder bereits von den ANCIENT BARDS gehört – oder sollte dringend einiges nachholen. Das gilt insbesondere für die bisherige Diskografie der Italiener, die sich nicht von ungefähr einen der höchsten Wertungsdurchschnitte auf diesem Blog hat sichern können – die entsprechenden Artikel finden sich über das ANCIENT BARDS-Schlagwort.

Die an dieser Stelle entscheidende Frage ist jedoch, wie sich das neue Album ORIGINE schlägt – im direkten Vergleich mit den Vorgängern, aber auch als eines der ersten potentiell hochkarätigen Symphonic Power Metal-Alben des noch jungen Metal-Jahres 2019. Die erste, noch nicht allzu viel vorwegnehmende Feststellung diesbezüglich ist; dass die Italiener im Grunde nicht nennenswert von ihrer ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung abweichen – und auch auf ihrem mittlerweile vierten Album ein symphonisches Festmahl servieren. Ein Festmahl, welches in Bezug auf das kontinuierlich fortgesetzte inhaltliche Konzept, die handwerklichen Leistungen der Mitglieder und weitere Faktoren wie etwa die Abmischungs- und Produktionsqualität keinerlei Wünsche offen lässt – und zumindest in dieser Hinsicht ganz locker an die guten bis hervorragenden Vorgänger anschließen kann. Auch die hie und da doch noch eingestreuten neuen Elemente, wie etwa die erstmals auf einem ANCIENT BARDS-Album eingefügten aggressiveren Gesangselemente (die stammen von Simone Bertozzi) fügen sich relativ nahtlos in das Konzept ein – und sollten selbst von denjenigen, die im allgemeinen wenig mit den damit verbundenen härteren Metal-Subgenres anfangen können; als nettes Atmosphäre-Schmankerl angenommen werden.

Im Zusammenspiel mit den ohnehin seit jeher hoch gehaltenen Trademarks der Band, versteht sich – wie etwa den sich schön wuchtig anfühlenden Chorgesängen, den perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elementen, dem unverkennbaren Leadgesang von Sara Squadrani, und ja; auch den glücklicherweise noch immer nicht zu kurz kommenden Soli-Parts. Sehr schön in diesem Zusammenhang ist, dass sich hier auch der Bassist Martino Garattoni verausgaben kann – was die Laune noch einmal hebt, und Nummern wie den Opener IMPIOUS DYSTOPIA zu einem absoluten Selbstläufer macht. Und doch gibt es etwas – und das ist im Falle der ANCIENT BARDS durchaus ein Novum – was dem Album eher zum Nachteil gerät. Denn während man über Dinge wie die gewöhnungsbedürftige Erzählstimme im Intro (das ohne selbige weitaus besser geklungen hätte) noch hinwegsehen kann, stellt sich mit spätestens mit Titeln wie FANTASY’S WINGS, AUREUM LEGACY, LIGHT und OSCURITA heraus, dass die Italiener dieses Mal offenbar nicht ganz aus dem (musikalischen )Vollen schöpfen. Und das gilt in mindestens zweierlei Hinsicht, oder anders gesagt: es ist schade, dass ORIGINE eindeutig mehr Balladen oder zumindest balladeske Strömungen enthält als anderes – und dass es sich bei selbigen auch noch um eher zu vernachlässigende und emotional nicht wirklich zündende Momente handelt, macht es nicht viel besser.

Dabei hatten die ANCIENT BARDS doch selber vorgemacht, wie es geht – mit einer perfekten Symbiose aus eher balladesken und umso temporeicheren, kräftigeren Momenten; wie etwa auf dem Vorgänger A NEW DAWN ENDING. Diese Form der Abwechslung fehlt auf ORIGINE, was noch lange nicht heißt dass es sich um ein schlechtes Album handelt – doch mit der Größe und schieren Erhabenheit der Vorgänger kann es schon einmal nicht konkurrieren. Auch, da sich die neuerdings eingestreuten aggressiven Gesangsbeigaben doch noch negativ bemerkbar machen – wie etwa in OSCURITA, dass sich in Bezug auf das Wechselspiel von weichen und harten Elementen einfach nicht harmonisch anfühlt. Ja, selbst potentiell schmackige Hymnen wie TITANISM klingen letztendlich deutlich weniger spektakulär, als es möglich gewesen wäre – wobei es schwer ist festzumachen, woran genau das liegen könnte. Über einen Titel wie THE HOLLOW braucht man dagegen gar nicht erst zu reden – derartiges Füllmaterial (und das auch noch mit relativ forciert klingenden Chören) hat inmitten eines Albums nichts zu suchen. Immerhin: mit dem überlangen Rausschmeißer THE GREAT DIVIDE können die Italiener noch einmal ordentlich punkten.

Schlussendlich aber kann ORIGINE die hohen, vielleicht ja auch schlicht zu hohen Erwartungen leider nicht ganz erfüllen – und bleibt insgesamt betrachtet relativ deutlich hinter den guten bis hervorragenden Vorgängern zurück. Hat man diese nicht gehört, könnte sich durchaus ein etwas positiveres Hörerlebnis einstellen – doch im Sinne eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2019 wird es dieses Mal wohl nichts werden.

Absolute Anspieltipps: IMPIOUS DYSTOPIA, TITANISM, THE GREAT DIVIDE


„Kein schlechtes Album – nach den deutlich besseren Vorgängern aber ein herber Rückschlag.“

ANCIENT BARDS (ITA) – Light # Zweites Musikvideo Vom Neuen Album ORIGINE (2019)

Nur Licht macht hell.


Na das ging doch mal schnell. Nachdem die Recken der ANCIENT BARDS erst kürzlich ein Musikvideo zu IMPIOUS DYSTOPIA veröffentlicht hatten (siehe Link), folgt mit LIGHT bereits die zweite Videosingle-Auskopplung aus dem neuen Album ORIGINE – THE BLACK CRYSTAL SWORD SAGA PART II. Selbige wird übrigens relativ bald, das heißt am 25. Januar 2019 erscheinen. Man darf gespannt sein – wohl aber auch erwarten, dass die Italiener mal wieder etwas ganz Großes abliefern werden.

ANCIENT BARDS – Musikvideo Zu „Impious Dystopia“ Veröffentlicht ! (2018)

Nachdem die kürzliche Crowdfunding-Kampagne der ANCIENT BARDS ein voller Erfolg war, folgt mit IMPIOUS DYTOPIA die erste Single der längst nicht nur gesangsstarken Italiener. Vor allem als Spender kann man sich nun überzeugen, ob es sich gelohnt hat ein wenig in die Combo zu investieren. Momentan kann man ganz klar sagen: es sieht stark danach aus. Doch nun gilt es erst einmal das Album abzuwarten, welches im neuen Jahr erscheinen wird…

Metal-CD-Review: ANCIENT BARDS – The Alliance Of The Kings (2010)

ancient-bards-the-alliance-of-the-kings_500

Alben-Titel: The Alliance Of Kings
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Februar 2010
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Sara Squadrani – Vocals
Daniele Mazza – Keyboards, Barbarian Choir
Claudio Pietronik – Guitars
Fabio Balducci – Guitars
Martino Garattoni – Bass
Alessandro Carichini – Drums

Track-Liste:

1. Prelude (01:55)
2. The Birth of Evil (05:31)
3. Four Magic Elements (04:59)
4. Only the Brave (06:15)
5. Frozen Mind (07:24)
6. Nightfall in Icy Forest (01:17)
7. Lode al Padre (06:26)
8. Daltor the Dragonhunter (08:42)
9. Farewell My Hero (06:51)
10. Faithful to Destiny (08:45)

Der Beginn einer ganz und gar großartigen Geschichte.

THE ALLIANCE OF KINGS ist das Debütalbum der 2006 gegründeten Symphonic Power Metal-Combo ANCIENT BARDS – jener Band, die sich spätestens mit dem Nachfolger SOULLESS CHILD einen weltweiten Namen machte und zahlreiche Konkurrenzbands verdrängte. Gründe dafür gibt es reichlich, wie es auch in den jeweiligen Reviews zu SOULLES CHILD (Link) oder auch A NEW DAWN ENDING (Link) nachzulesen ist – aber auch der eigentliche Startschuss der Band aus dem Jahre 2010 ist ein Album, welches in keiner Metal-Sammlung fehlen sollte. Insbesondere dann nicht, wenn man generell auf Bands steht deren Markenzeichen ein markanter weiblicher Leadgesangspart ist – und die trotz aller theoretischen Möglichkeiten weniger dem Kitsch verfallen, als man es eventuell vermuten würde. Die Kompositionen der ANCIENT BARDS wirken pompös und druckvoll, aber eben auch nicht sonderlich künstlich oder konstruiert – der eher organische Eindruck bezieht sich hier auch auf das häufig eingesetzte Keyboard. Das Ergebnis sind somit Stücke, die man zu Recht in das Genre des Symphonic Power Metal einordnet – und die, wie schon die Werke von Kollegen wie DRAGONLAND eine enorme Faszinationskraft entfalten können.

Mit einer Klimbimm-Musik a’la SKYLARK hat das Ganze also wenig zu tun – auch wenn die ANCIENT BARDS ebenfalls aus Italien stammen. In Anbetracht der durchaus furiosen Soli (wobei nicht nur die Gitarren eine entsprechende Bühne erhalten, sondern auch das Keyboard und insbesondere der Bass) lassen sich wenn überhaupt Parallelen zu anderen Genre-Großmeistern wie LUCA TURILLI ziehen – allerdings ganz ohne dass man eine wie auch immer geartete Nachahmung vermuten müsste. Die ANCIENT BARDS klingen schließlich frisch und eigenständig genug, um als ernsthafte Konkurrenzband wahrgenommen zu werden. Und THE ALLIANCE OF KINGS ist das erste diesbezügliche Anschauungsbeispiel – ein Album, das extrem eingängig und prunkvoll ausgefallen ist; andererseits aber auch eine gewisse musikalische Tiefe nicht vermissen lässt. Die entsteht vornehmlich aus den perfekt aufeinander abgestimmten Instrumenten und dem Mix im Gesamten, der überraschenderweise keinerlei Wünsche offen lässt – und weniger aus den textlichen Inhalten. Aber nicht nur, dass alle Instrumente die Aufmerksamkeit bekommen die ihnen zusteht; auch die satte und äußerst fein abgestimmte Produktion trägt einen nicht unerheblichen Teil zum Funktionieren des Albums bei.

Dass dann auch noch eine geballte Ladung Kraft obendrauf kommt, macht die Sache fast perfekt. Titel wie THE BIRTH OF EVIL oder ONLY THE BRAVE gehen einfach stark nach vorne und machen entsprechend Laune; während die eigentliche Stärke der ANCIENT BARDS aber in den etwas verschachtelteren und abwechslungsreicheren Nummern liegen. FROZEN MIND, DALTOR THE DRAGONHUNTER oder FAITHFUL TO DESTINY sind wahre Mammut-Stücke mit zahlreichen Variationen, die man erst einmal für sich entdecken muss. Ein potentieller Knackpunkt ist sicherlich, dass die Nummern vergleichsweise lang sind – vieles bewegt sich hier locker über der 6-Minuten-Marke – doch da die ANCIENT BARDS immer wieder den ein oder anderen musikalischen Kniff aus dem Ärmel schütteln, entsteht erst gar kein Leerlauf. Seien es die eingestreuten symphonischen Instrumentalpassagen, die fetzigen Soli, die üppigen Chorelemente, die gnadenlos guten Refrains – irgendetwas gibt es immer zu bewundern. Sicher ist dergleichen auch typisch für das Genre, die ganz große Überraschung bleibt eher aus – vor allem in Bezug auf die Lyrics und die einstweilen doch etwas befremdliche Aussprache. Doch ist es hier vor allem das spürbare Engagement und die daraus resultierende schiere Perfektion, die begeistert. Man kennt es: bei anderen Bands wünscht man sich mal einen anderen Leadsänger, mal eine andere Stimmlage, mal etwas mehr Abwechslung; oder schlicht eine bessere Produktionsqualität… was bei den ANCIENT BARDS und ihrem THE ALLIANCE OF KINGS noch großartig zu verbessern wäre, steht dagegen in den Sternen.

Wer also generell ein Auge auf das Genre des Symphonic Power Metal geworfen hat und dabei nichts gegen einen weiblichen Leadgesang einzuwenden hat – einen, der nicht wirklich als klassisch zu bezeichnen ist, aber dennoch vor Kraft und Ausdrucksstärke trotzt – der dürfte mit den ANCIENT BARDS richtig beraten sein. Zwar könnte man theoretische Parallelen zu Bands wie DRAGONLAND oder RHAPSODY OF FIRE ziehen – doch liegen diese hauptsächlich darin begründet, dass man dasselbe Genre bedient. Die ANCIENT BARDS klingen niemals so, als würden sie sich explizit auf ein potentielles Vorbild besinnen – sondern vielmehr so, als würden sie das was sie hier präsentieren in allen Facetten spüren und leben. Möglich ist, dass es dem ein oder anderen doch etwas zu viel der Fantasy, des Pathos und einiger typischer Genre-Elemente sein könnte – doch wer damit kein Problem hat und den Symphonic Power Metal immer auch ein stückweit in der geistigen Nähe eines theoretischen Filmsoundtracks wissen will (wobei man wieder bei LUCA TURILLI wäre), der wird hier womöglich sogar eine Offenbarung erleben.

Absolute Anspieltipps: THE BIRTH OF EVIL, LODE AL PADRE, FAITHFUL TO DESTINY


85button

„Der Einstieg war schon sensationell – alles andere ist bereits eine Legende.“

Metal-CD-Review: ANCIENT BARDS – A New Dawn Ending (2014)

ancient-bards_a-new-dawn-ending_500

Alben-Titel: A New Dawn Ending
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. April 2014
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Martino Garattoni – Bass
Daniele Mazza – Keyboards
Claudio Pietronik – Guitars
Sara Squadrani – Vocals
Federico Gatti – Drums

Track-Liste:

01 – Before the Storm (1:39)
02 – A Greater Purpose (7:55)
03 – Flaming Heart (6:52)
04 – Across This Life (4:31)
05 – In My Arms (5:25)
06 – The Last Resort (6:06)
07 – Showdown (12:48)
08 – In the End (5:11)
09 – Spiriti Liberi (4:49)
10 – A New Dawn Ending (16:37)

Morgenstund hat Gold im Mund.

Die ANCIENT BARDS sind zweifelsohne eine der interessanteren aktuell tätigen Bandcombos, die sich der Spielart des Symphonic Power Metals verschrieben haben. Und eine der hoffnungsvollsten. Bereits mit dem Debütalbum ALLIANCE OF KINGS (2010) konnten die Italiener um die stimmgewaltige Frontfrau Sara Squadrani einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen und zeigen was in ihnen steckt – bevor sie mit dem Nachfolger SOULLESS CHILD (2011, Review) zum vorerst letzten großartigen Schlag ausholten und beinahe alles in den Schatten stellten, was bis zu diesem Zeitpunkt an Material von Female-Fronted Metalbands erschienen war. Beide Alben waren indes Teile der eigens erdachten Black Crystal Sword-Saga – die nun mit dem mittlerweile dritten Studioalbum der Band, A NEW DAWN ENDING fortgeführt wird. Dieses beinhaltet 10 beziehungsweise 9 Titel (Abzüglich des Intros), für die man abermals auf einen schier unerschöpflichen Inspirationsfundus zurückgriff. Denn: auch wenn ein über mehrere Alben laufendes Konzept des öfteren dazu verdammt ist, markante Höhe- aber auch Tiefpunkte zu offerieren; so ist man bei den ANCIENT BARDS offenbar vollständig vor derlei Entwicklungen gefeit.

Bereits das Debütalbum war mehr als nur solide und legte einen wichtigen Grundstein – während SOULLESS CHILD eines der besten Genre-Alben des Jahres 2011 war, gleich neben DRAGONLAND’s UNDER THE GREY BANNER. Und nun kommt nach einer knapp 3-jährigen Wartezeit A NEW DAWN ENDING daher – ein Album, von dem man sicher einiges hätte erwarten können. Nur nicht, dass es den Vorgänger noch einmal zu toppen vermag – und somit nicht nur das Wertungssystem von Oliverdsw.Wordpress dezent auf den Kopf stellt. Schließlich wurde bereits 2011 eine Höchstwertung für ein ANCIENT BARDS-Ablum vergeben – sodass es schwierig ist, mit weiteren (und seien es nur gefühlte) Steigerungen umzugehen. Doch eines ist klar: sie sind da, deutlich spür- und hörbar; in allen musikalischen Facetten.

Am deutlichsten wird das vor allem in Bezug auf das Songwriting, der dargebotenen Abwechslung und die eigentlichen Kompositionen. Die sind zwar immer noch markant symphonisch und relativ hochtrabend; doch scheint sich dieses Mal noch ein zusätzlicher Grad an musikalischer Raffinesse hinzuzugesellen. Die Strukturen fallen schlicht noch ein wenig variabler, stilsicherer und letztendlich spannender aus – eine Tatsache, die man besonders gut an einem vergleichsweise einfach gestrickten Titel wie IN THE END ausmachen kann. Der ist quasi eine Erweiterung der Nummer VALIANT RIDE vom Vorgänger, an den er stark erinnert – nur, dass die Wirkungskraft um ein vielfaches gesteigert werden konnte. Die Chorelemente klingen so druckvoll wie nie zuvor, es gibt reichlich Abwechslung in Form von düsteren Instrumentalpassagen oder wahnwitziger Soli, die symphonische Komponente wirkt nun wesentlich reichhaltiger und nicht mehr nur auf einzelne Samples beschränkt.

Richtig bombastisch ist A NEW DAWN ENDING aber schon in seinen ersten Momenten – und dass, obwohl das eigentliche Intro BEFORE THE STORM noch nicht wirklich etwas reißen kann. Die weibliche Erzählstimme beispielsweise kann der von Bandkollegen wie DRAGONLAND kaum das Wasser reichen, und die darauf folgende instrumentale Komposition ist zwar gut, doch lässt sie noch einiges an Spielraum nach oben offen. In genau diese Bresche springt dann der Opener A GREATER PURPOSE, der sich in etwa so anfühlt wie es der Titel verspricht. Wer schon bisher etwas für das Genre des Symphonic Power Metals übrig hatte, dem werden bei einem Titel wie diesem die Tränen kommen – so perfekt hat sich schon lange keine Genreband mehr inszeniert; nicht einmal die ebenfalls hochkarätige Konkurrenz a’la DRAGONLAND oder LUCA TURILLI. Selbst die bisherige Band-Hymne TO THE MASTER OF DARKNESS wird so noch einmal überboten. Genau dies mag auch das Stichwort für eine potentielle Kritik sein, denn es ist Fakt dass man sich mit A NEW DAWN ENDING nicht allzu weit von den Vorgängeralben entfernt und so gesehen eigentlich relativ wenig neues bietet. Eine Frage, die man sich gut überlegen sollte ist jedoch: will man das wirklich, und schon jetzt (das heißt, nach gerade einmal 2 Alben) ? Viel naheliegender ist es, dass die ANCIENT BARDS genau das richtige getan; und sich auf ihre bisherigen Stärken konzentriert haben. Zeit für Veränderungen oder stilistische Neuausrichtungen gibt es für eine derart junge Band wie diese schließlich noch genug.

Und so reiht sich eine Genre-Hymne an die nächste – wobei auch die ruhigeren Titel verdammt gut abschneiden. Schlicht, da sie zwar nicht tempo-technisch aber doch emotional in Flammen stehen – mit einer Nummer wie FLAMING HEART als Paradebeispiel. Dabei fällt besonders auf, dass Leadsängerin Sara Squadrani sowohl in den Uptempo-Nummern als auch den Balladen stets die richtigen Töne trifft – was keine Selbstverständlichkeit ist; speziell bei einigen männlichen Kollegen. Vielmehr ist es so, dass manche ihre wahrhaft glänzenden Momente nur in speziell auf die zugeschnittenen Songs haben – nicht jedoch Sara Squadrani, die kontinuierlich begeistert und fesselt. Gelang man dann an eine Ballade wie IN MY ARMS (die auch als Video-Single ausgekoppelt wurde), so wird man diesbezüglich schnell bestätigt – es ist schlicht herausragend, was hier abgeliefert wird. Einen derart intensiven Titel mit einem derart emotionalen Refrain muss man heutzutage lange suchen – besonders, da das Ganze durch den unverbrauchten bombastischen Aufbau niemals lächerlich oder allzu klischeehaft wirkt; sondern eher zeitlos und nachhaltig wirkend. Man stelle einmal IN MY ARMS und SONATA ARCTICA’S LOVE, sowie vielleicht noch KAMELOT’s SACRIMONY gegenüber (weil sie thematisch nah beieinander liegen) – die Unterschiede sind bezeichnend; und auch wenn man sich nicht wirklich im selben (Sub-)Genre des Power Metals bewegt wird schnell klar, wer heutzutage das Szepter in der Hand hält.

Da erscheint es so gesehen auch gar nicht wirklich ’nötig‘, dass Fabio Lione für eine Gastgesangseinlage verpflichtet wurde. Zumindest nicht in diesem Fall, denn da wo der bekannte RHAPSODY-Frontmann mancherorts für einen Publicity-Schub sorgen konnte (wie bei KALEDON), verfügen die ANCIENT BARDS über ausreichend eigene Kräfte. Dennoch ist es schön zu sehen, wie die italienische Power Metal-Szene zusammenhält und man sich gegenseitig unter die Arme greift. Das Ergebnis ist in diesem Fall ein balladesk angehauchter Symphonic Metal-Brecher, der selbst das Duett von Fabio Lione und THEODASIA in den Schatten stellt. Als weiteres Highlight fungieren dann die beiden Überlangen-Nummern SHOWDOWN und der Titeltrack A NEW DAWN ENDING; beide mit einer Laufzeit von über 10 Minuten. Entsprechend groß geschrieben wird hier nicht nur der Begriff des Symphonic Power Metal – sondern auch des epischen.

Die ANCIENT BARDS haben es also geschafft, im Geiste ihres verdammt guten Vorgänger SOULLESS CHILD zu handeln. Das stimmt nicht nur sehr zufrieden, sondern bekräftigt einmal mehr die Annahme; dass es sich um eine der hoffnungsvollsten Bands der heutigen Zeit handelt. Diese Italiener, die erst im Jahre 2006 ihre Bandgründung feierten; werden sicher noch einen langen und bewegten Weg vor sich haben. Wie erfolgreich der sein wird, wird sich zeigen. In Anbetracht des aktuellen Materials aber sind keinerlei Zweifel angebracht.

Absolute Anspieltipps: A GREATER PURPOSE, IN MY ARMS, IN THE END, SPIRITI LIBERI, A NEW DAWN ENDING


95button

„Was für ein O(h)rgamsus !“