Metal-CD-Review: ANCIENT BARDS – Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2) (2019)

Alben-Titel: Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2)
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2019
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Martino Garattoni – Bass
Daniele Mazza – Keyboards
Claudio Pietronik – Guitars
Sara Squadrani – Vocals
Federico Gatti – Drums
Simone Bertozzi – Guitars, Vocals (harsh)

Track-Liste:

1. Origine (02:15)
2. Impious Dystopia (05:41)
3. Fantasy’s Wings (04:51)
4. Aureum Legacy (05:42)
5. Light (04:43)
6. Oscurità (06:20)
7. Titanism (05:09)
8. The Hollow (03:31)
9. Home of the Rejects (03:57)
10. The Great Divide (14:48)

Die altehrwürdigen Gesangsbarden schlagen zurück.

Für all jene, die die jüngste Crowdfunding-Kampagne der ANCIENT BARDS beobachtet oder sogar etwas zu ihr beigesteuert haben, mag das Release von ORIGINE (THE BLACK CRYSTAL SWORD SGA PART 2) keine allzu große Überraschung sein – sondern eher ein endlich wahr gewordener, man will nicht sagen: feuchter Traum. Doch auch diejenigen, für die das neue Album der Recken um die stimmkräftige Frontfrau Sara Squadrani eher überraschend daherkommt; dürften sich alles andere als unerfreut zeigen – denn immerhin hat sich die 2006 ins Leben gerufene Combo bereits in der Vergangenheit bewiesen, und gilt wohl spätestens seit dem großartigen zweiten Album SOULLESS CHILD (2011, siehe Review) als waschechter Geheimtipp. Eine diesbezügliche Voraussetzung ist natürlich, dass man sich im allgemeinen für einen vergleichsweise pompös inszenierten Power Metal der explizit symphonischen Spielart sowie einen weiblichen Leadgesang erwärmen kann. Wer hier problemlos Zustimmen kann, hat entweder bereits von den ANCIENT BARDS gehört – oder sollte dringend einiges nachholen. Das gilt insbesondere für die bisherige Diskografie der Italiener, die sich nicht von ungefähr einen der höchsten Wertungsdurchschnitte auf diesem Blog hat sichern können – die entsprechenden Artikel finden sich über das ANCIENT BARDS-Schlagwort.

Die an dieser Stelle entscheidende Frage ist jedoch, wie sich das neue Album ORIGINE schlägt – im direkten Vergleich mit den Vorgängern, aber auch als eines der ersten potentiell hochkarätigen Symphonic Power Metal-Alben des noch jungen Metal-Jahres 2019. Die erste, noch nicht allzu viel vorwegnehmende Feststellung diesbezüglich ist; dass die Italiener im Grunde nicht nennenswert von ihrer ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung abweichen – und auch auf ihrem mittlerweile vierten Album ein symphonisches Festmahl servieren. Ein Festmahl, welches in Bezug auf das kontinuierlich fortgesetzte inhaltliche Konzept, die handwerklichen Leistungen der Mitglieder und weitere Faktoren wie etwa die Abmischungs- und Produktionsqualität keinerlei Wünsche offen lässt – und zumindest in dieser Hinsicht ganz locker an die guten bis hervorragenden Vorgänger anschließen kann. Auch die hie und da doch noch eingestreuten neuen Elemente, wie etwa die erstmals auf einem ANCIENT BARDS-Album eingefügten aggressiveren Gesangselemente (die stammen von Simone Bertozzi) fügen sich relativ nahtlos in das Konzept ein – und sollten selbst von denjenigen, die im allgemeinen wenig mit den damit verbundenen härteren Metal-Subgenres anfangen können; als nettes Atmosphäre-Schmankerl angenommen werden.

Im Zusammenspiel mit den ohnehin seit jeher hoch gehaltenen Trademarks der Band, versteht sich – wie etwa den sich schön wuchtig anfühlenden Chorgesängen, den perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elementen, dem unverkennbaren Leadgesang von Sara Squadrani, und ja; auch den glücklicherweise noch immer nicht zu kurz kommenden Soli-Parts. Sehr schön in diesem Zusammenhang ist, dass sich hier auch der Bassist Martino Garattoni verausgaben kann – was die Laune noch einmal hebt, und Nummern wie den Opener IMPIOUS DYSTOPIA zu einem absoluten Selbstläufer macht. Und doch gibt es etwas – und das ist im Falle der ANCIENT BARDS durchaus ein Novum – was dem Album eher zum Nachteil gerät. Denn während man über Dinge wie die gewöhnungsbedürftige Erzählstimme im Intro (das ohne selbige weitaus besser geklungen hätte) noch hinwegsehen kann, stellt sich mit spätestens mit Titeln wie FANTASY’S WINGS, AUREUM LEGACY, LIGHT und OSCURITA heraus, dass die Italiener dieses Mal offenbar nicht ganz aus dem (musikalischen )Vollen schöpfen. Und das gilt in mindestens zweierlei Hinsicht, oder anders gesagt: es ist schade, dass ORIGINE eindeutig mehr Balladen oder zumindest balladeske Strömungen enthält als anderes – und dass es sich bei selbigen auch noch um eher zu vernachlässigende und emotional nicht wirklich zündende Momente handelt, macht es nicht viel besser.

Dabei hatten die ANCIENT BARDS doch selber vorgemacht, wie es geht – mit einer perfekten Symbiose aus eher balladesken und umso temporeicheren, kräftigeren Momenten; wie etwa auf dem Vorgänger A NEW DAWN ENDING. Diese Form der Abwechslung fehlt auf ORIGINE, was noch lange nicht heißt dass es sich um ein schlechtes Album handelt – doch mit der Größe und schieren Erhabenheit der Vorgänger kann es schon einmal nicht konkurrieren. Auch, da sich die neuerdings eingestreuten aggressiven Gesangsbeigaben doch noch negativ bemerkbar machen – wie etwa in OSCURITA, dass sich in Bezug auf das Wechselspiel von weichen und harten Elementen einfach nicht harmonisch anfühlt. Ja, selbst potentiell schmackige Hymnen wie TITANISM klingen letztendlich deutlich weniger spektakulär, als es möglich gewesen wäre – wobei es schwer ist festzumachen, woran genau das liegen könnte. Über einen Titel wie THE HOLLOW braucht man dagegen gar nicht erst zu reden – derartiges Füllmaterial (und das auch noch mit relativ forciert klingenden Chören) hat inmitten eines Albums nichts zu suchen. Immerhin: mit dem überlangen Rausschmeißer THE GREAT DIVIDE können die Italiener noch einmal ordentlich punkten.

Schlussendlich aber kann ORIGINE die hohen, vielleicht ja auch schlicht zu hohen Erwartungen leider nicht ganz erfüllen – und bleibt insgesamt betrachtet relativ deutlich hinter den guten bis hervorragenden Vorgängern zurück. Hat man diese nicht gehört, könnte sich durchaus ein etwas positiveres Hörerlebnis einstellen – doch im Sinne eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2019 wird es dieses Mal wohl nichts werden.

Absolute Anspieltipps: IMPIOUS DYSTOPIA, TITANISM, THE GREAT DIVIDE


„Kein schlechtes Album – nach den deutlich besseren Vorgängern aber ein herber Rückschlag.“

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