Filmkritik: „Undisputed III: Redemption“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Isaac Florentine
Mit: Scott Adkins, Mykel Shannon Jenkins, Mark Ivanir u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe (uncut) / ab 16 freigegeben (cut)
Genre: Action, Drama
Tags: Knast | Gefängnis | Korruption | Alltag | Kämpfe | Brutal

Sind sie zu hart, bist Du zu weich.

Inhalt: Nachdem sich der gefürchtete Gefängniskämpfer Yuri Boyka (Scott Adkins) eine schwere Knieverletzung zugezogen hat, fristet der ehemalige Champion ein ebenso verwahrlostes wie hoffnungsloses Dasein als Toilettenputzer. Gänzlich verschwunden scheint sein Kampfgeist allerdings nicht, ebenso wenig wie die Erfahrungen aus seinem jahrelangen Training. Und tatsächlich: als er zufällig einen Kampf beobachtet, wittert er seine Chance in den Ring zurückzukehren. Als dann auch noch ein größeres internationales Gefängnisturnier ausgetragen werden soll, ist Boyka sofort Feuer und Flamme – und das nicht nur, da dem Sieger die Freiheit winkt. Viel wichtiger ist es ihm schließlich zu beweisen, dass er noch immer einer der besten Kämpfer aller Zeiten ist… wobei es höchst unklug wäre, nicht auch ein Auge auf die skrupellosen Hintermänner und Strippenzieher des in vielerlei Hinsicht nicht ganz unproblematischen Duells zu werfen.

Kritik: Korrupte Beamte und schmierige Bonzen investieren in muskelbepackte Sträflinge, die sich in einem Kampf um Leben und Tod gegenüberstehen – und dabei nur vermeintlich die Freiheit gewinnen können. So oder so ähnlich muss man den sich auf den vergleichsweise hochkarätig besetzten ersten Teil (2002) der Reihe beziehenden dritten UNDISPUTED-Film des seit dem zweiten Teil verantwortlichen Regisseurs Isaac Florentine vorstellen – wobei es tatsächlich nicht allzu viel hinzuzufügen gibt. Anders gesagt: so oberflächlich, unglaubwürdig und im Sinne einer fraglichen Männerunterhaltung zusätzlich vereinfacht der Film erscheint, so ist er auch im Kern – woran auch die hier und da geäußerten flotten Sprüche nicht viel ändern. Und das schon gar nicht in Bezug auf die äußerst fragwürdige Moral des Films (die noch am ehesten als so sicher nicht beabsichtigte Metapher funktioniert) – oder aber die Tatsache, dass man selbst aus einer durchwachsenen Vorlage wie UNDISPUTED gleich mehrere Teile macht oder machen muss. Zugute halten kann man UNDISPUTED III also nur, dass man dem Hauptdarsteller Scott Adkins seine Rolle als knallharte und lediglich zum Kampf bestimmte Maschine durchaus abnimmt (und das etwa im Gegensatz zu so manchem Möchtgern-Badboy der Marke Hollywood) – und dass es auch dieses Mal einige herrlich abstruse Überzeichnungen sowie eine handvoll ungeschönt inszenierter und recht gut choreographierte Kampfszenen zu sehen gibt. Die können den Film zwar auch nicht retten oder origineller machen, aber immerhin für einen – wenn auch diskutablen – Unterhaltungswert sorgen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Millennium Films

border_01

„Raubeiniges, aber eben auch reichlich luftiges Gefängniskampf-Futter für Zwischendurch.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Dschungelkind“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Autobiografie von Sabine Kuegler
Regie: Roland Suso Richter
Mit: Thomas Kretschmann, Nadja Uhl, Isolde Barth u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Abenteuer / Drama
Tags: Dschungel | Urwald | Familie | Kinder | Reise | Rückkehr

Fluch und Segen des Dschungelkinds.

Inhalt: Als der Linguist Klaus Kuegler (Thomas Kretschmann) im Jahre 1980 gemeinsam mit der Familie in den Dschungel von West-Guinea reist, eröffnet sich insbesondere für die beiden jungen Kinder Sabine (Stella Kunkat) und Christian (Tom Hoßbach) ein magisches Natur-Paradies. Gemeinsam erkunden sie die Umgebung, finden schnell neue Freunde – und können sich alsbald schon kein Leben ausserhalb des Dschungels mehr vorstellen. Ihre Mutter Doris (Nadja Uhl) und ihre ältere Schwester Judith (Milena Tscharntke) jedoch scheinen zunächst noch Probleme zu haben, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden – vor allem was die ungewöhnlichen Bräuche und Ansichten der hiesigen Einheimischen angeht. Letztendlich scheint man sich zu arrangieren – was aber nicht heißt, dass es nicht dennoch zu Problem kommen würde. Neben potentiellen Krankheiten, persönlichen Konflikten und Zukunftsängsten scheint sich schließlich auch noch ein größeres Stammeskrieg anzubahnen…

Kritik: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, der Hektik des modernen Alltags zu entfliehen – und das Experiment zu wagen, ein eher ursprüngliches Leben inmitten im nirgendwo zu beginnen ? Zunächst noch aufgrund ihrer Eltern und ohne überhaupt die Wahl zu haben, kam die junge Sabine Kuegler in eine eben solche Situation – und das sowohl in ihrem tatsächlichen Leben als auch im Film DSCHUNGELKIND, der sich als autobiografisch inszenierte Werk von Roland Suso Richter mehr oder weniger direkt auf das Leben der in Nepal geborenen Autorin bezieht. Tatsächlich stellt sich der dabei auch der Film als recht spannende Angelegenheit heraus – und das nicht nur aufgrund der stimmig eingefangenen und gleichzeitig eine gewisse Form der Magie heraufbeschwörenden Bilder. Die recht geschickt in Szene gesetzte kindliche Erzählperspektive, die sich auf einem schmalen Grat zwischen einer Romantisierung und der Darstellung des nicht selten problematischen Alltags der Auswanderer bewegende inhaltliche Schwerpunktsetzung sowie die doppelt generationsübergreifende Leistung der beteiligten Darsteller auf Seiten der Familie und der Ureinwohner sprechen schließlich grundsätzlich für das Filmprojekt DSCHUNGELKIND – das vor allem in seiner ersten Hälfte sowie in Bezug auf seine vergleichsweise tiefgreifende und ungekünstelte Darstellung der Auseinandersetzung zwischen zwei grundverschiedenen Völkern (sowie allen beteiligten Personen) punkten kann.

Im weiteren Verlauf indes, und mit der Zunahme der seitens des Hauptcharakters und des Regisseurs getroffenen Reflexionen droht die DSCHUNGELKIND-Filmfassade dann doch noch dezent zu bröckeln – was zum Teil auch an den schwächer geratenen Leistungen der vermehrt für sich spielenden Darsteller liegt, die dem vorangegangenen Spiel ihrer weitaus jüngeren Nachwuchs-Kollegen nunmehr kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Dennoch, und gerade in Anbetracht der anberaumten Komplexität der Erzählung und jeweiligen Innenansichten kann eine bedenkenlose Empfehlung für DSCHUNGELKIND ausgesprochen werden. Zum einen, da der Film weitaus weniger kitschig oder prätentiös daherkommen sollte als von manchen vermutet und klar die Charaktere in den Mittelpunkt stellt – und zum anderen, da er mit seiner gewissermaßen sonderbaren Mixtur aus einer vermittelten Abenteuerlust, einer angeschnittenen Familien-Historie und dem Porträt zweier höchst unterschiedlicher Lebensarten wunderbar unterhält.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © UFA Cinema

border_01

„Abenteuerlich, substanziell und weitestgehend wertungsfrei – eine echte Überraschung.“

filmkritikborder

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – At The Edge Of Time (2010)

Alben-Titel: At The Edge Of Time
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juli 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. Sacred Worlds (09:17)
2. Tanelorn (Into the Void) (05:58)
3. Road of No Release (06:30)
4. Ride into Obsession (04:46)
5. Curse My Name (05:52)
6. Valkyries (06:38)
7. Control the Divine (05:26)
8. War of the Thrones (04:55)
9. A Voice in the Dark (05:41)
10. Wheel of Time (08:55)

Je knapper die Zeit, umso größer der Schöpfungsdrang ?

Man mag über sie denken was man will, aber: trotz dessen, dass sie schon seit unzähligen Jahren im Geschäft sind, mindestens einen markanten Stilwechsel vollzogen und dabei auch das ein oder andere Experiment gewagt haben; standen die deutschen Power Metaller von BLIND GUARDIAN noch zu keinem Zeitpunkt vor der Gefahr, sich in irgendeiner Form die Blöße zu geben. Dementsprechend – und mal abgesehen von ihrer ohnehin vorhandenen Wegbereiter-Funktion – sind sie mit ihren bis dato veröffentlichten, allesamt rundum zufriedenstellenden Studioalben auch nicht mehr aus der allgemeinen Power Metal-Szene wegzudenken. Dennoch, und das gilt längst nicht nur für BLIND GUARDIAN; ist es nur selten ratsam sich auf seinen bisherigen Erfolgen auszuruhen – weshalb das Bestreben immer neue Höhen zu Erreichen auch noch nach vielen Jahren vorhanden sein kann oder sollte. Zumindest im besten Fall – und glücklicherweise auch in Anbetracht eines Albums wie AT THE EDGE OF TIME, dem mittlerweile neunten offiziellen Langspieler der niemals ruhenden Power Metaller.

Anders gesagt: auch wenn bisher kein einziges BLIND GUARDIAN-Album Schwächen aufwies die den Hörgenuss in einer wirklich nachhaltigen Art und Weise hätten trüben können, ließen die Krefelder hie und da doch etwas Luft nach oben. Was nur verständlich ist, auf die auch bei einer großen Band wie dieser vorhandenen (menschlichen) Makel hinweist – und eine spezifischere Differenzierung zwischen den einzelnen Alben überhaupt erst möglich macht. Während der Vorgänger A TWIST IN THE MYTH (siehe Review) also möglicherweise nicht zum besten gehörte, was die Band der geneigten Hörerschaft jemals präsentiert hatte; schien die Band auf dem 2010 nachgeschobenen AT THE EDGE OF TIME noch einmal deutlich zugelegt zu haben. Und das in mehrerlei Hinsicht – vor allem aber was die an den Tag gelegte Härte, den spürbaren Druck und auch die Ausgewogenheit zwischen antreibend-rassigen Momenten und den für die Band typischen folkloristischen oder balladesken Einschüben betrifft. Betrachtet man den überraschend gut funktionierenden Opener SACRED WORLDS, sicher auch den symphonischen – die bei BLIND GUARDIAN eher selten Verwendung finden, hier aber schon einmal für einen vergleichsweise erfrischenden Alben-Auftakt sorgen.

Schon kurz darauf, und mit Titeln wie TANELORN oder RIDE INTO OBSESSION macht sich die im Gegensatz zum noch etwas luftigeren Vorgänger neu entdeckte Härte und Griffigkeit von BLIND GUARDIAN bemerkbar – die dem Album einen ebenso interessanten wie antreibenden Charakter einverleibt, und die dazwischenliegenden Titel wie etwa das stampfende ROAD OF NO RELEASE oder das für die Band typische Folk-Intermezzo CURSE MY NAME zu wunderbar aufgehenden atmosphärischen Einschüben macht. Was darauf folgt, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern – läuft dann aber zugegebenermaßen auch mal Gefahr, etwas zu eintönig zu klingen. Während das recht ansprechende VALKYRIES dabei eigentlich nur – und leider – im Refrain schwächelt, wirkt sich das insbesondere bei einer sich nicht wirklich für eine Marschrichtung entscheidenden Nummer wie CONTROL THE DIVINE eher negativ aus. Glücklicherweise haben BLIND GUARDIAN aber noch etwas in Petto – und das ist das höchst geniale Trio aus der fast schon magischen Ballade WAR OF THE THRONES, dem Gassenhauer A VOICE IN THE DARK (der richtigerweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde) sowie dem episch aufgemachten und überlangen Rausschmeißer WHEEL OF TIME; der noch einmal alles abreißt was geht.

Letztendlich handelt es sich damit um ein BLIND GUARDIAN-Album, dass wieder mal einen dezenten Vorsprung gegenüber seinem direkten Vorgänger aufzuweisen vermag – und demnach auch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen sollte.

Absolute Anspieltipps: SACRED WORLDS, TANELORN, RIDE INTO OBSESSION, VALKYRIES, A VOICE IN THE DARK, WHEEL OF TIME


„Ein vor allem zum Auftakt und zum Ende immens starkes BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Archetype (2010)

Alben-Titel: Archetype
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2010
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars
Marco Pastorino – Guitars
Andrea Buratto – Bass
Federico Pennazzato – Drums
Gabriele Ciaccia – Keyboards

Track-Liste:

1. Pattern of Thought (Intro) (01:50)
2. Line on Fire (03:44)
3. Death from Above (05:17)
4. The Scars That You Can’t See (05:08)
5. More Than Myself (04:33)
6. Future (05:24)
7. Mr. Sin (04:07)
8. Into the Void (04:25)
9. All in a Moment (03:47)
10. Archetype (05:05)

Gefangen zwischen Genialität und Wahnsinn.

Ja, die Italienischen Power Metaller von SECRET SPHERE waren schon immer für eine Überraschung gut – und das sowohl in einem explizit positiven (wie zuletzt auf SWEET BLOOD THEORY, siehe Review) als auch etwas negativeren Sinn (der relative Totalausfall in Form von SCENT OF HUMAN DESIRE, Review). Eines muss man der Combo aber in jedem Fall lassen – sie stand so gut wie niemals still, und lieferte im Laufe der Jahre immer wieder ambitionierte Genre-Alben ab. Eben das führte auch dazu, dass SECRET SPHERE früher oder später nicht mehr nur als bloße Nachahmer von potentiellen Vorbildern wie LABYRINTH betrachtet werden konnten – und die Musik der Italiener ein gewisses Eigenleben und im besten Fall auch eine unverkennbare Dynamik entwickelte. Genau dafür ist auch das 2010 erschienene ARCHETYPE ein recht anschauliches Indiz – und das nicht nur, da man nach dem recht guten SWEET BLOOD THEORY eigentlich alles (und damit auch einen erneuten Ausrutscher) von der Band hätte erwarten können. Tatsächlich aber ist ARCHETYPE das exakte Gegenteil einer herben Enttäuschung geworden – und präsentiert die Italiener von einer überraschend vorteilhaften Seite. Einer, die man so noch nicht von SECRET SPHERE kannte – und die trotz der noch immer vorhandenen Parallelen zu anderen Landes-Kollegen dafür sorgt, dass das Album bereits ab den ersten Takten aus dem musikalischen Vollen schöpft.

Tatsächlich schneidet dabei schon das Intro PATTERN OF THOUGHT positiv ab – was in Anbetracht von gerne mal vertanen Chancen zur Atmospähre-Bildung eine willkommene Abwechslung ist. Richtig spannend wird es aber erst mit dem eigentlichen Opener LINE ON FIRE – und das auch oder gerade weil die Nummer wie eine härtere Variante von HAMMERFALL’s HEARTS ON FIRE klingt, denen SECRET SPHERE hier offenbar Tribut zollen wollten. Gelungen ist ihnen das in jedem Fall: mit einem zünftigeren und überzeugenderen Auftakt hätte man ARCHETYPE kaum versehen können. Auch das folgende DEATH FROM ABOVE macht trotz seiner balladesken Einschübe klar, dass SECRET SPHERE offenbar einen ungeahnten Quell der Kraft für sich entdeckt hatten – der sich in einer schier perfekten Symbiose aus hervorragend inszenierten symphonischen Elementen, antreibenden Metal-Instrumentierungen und einem Roberto „Ramon“ Messina in absoluter Bestform widerspiegelte. Und auch wenn balladeske Nummern wie THE SCARS THAT YOU CAN’T SEE die relative Nähe zu LABYRINTH & CO wieder etwas expliziter heraufbeschwören, steht eines unweigerlich fest: so überzeugend wie auf ARCHETYPE klangen SECRET SPHERE schon lange nicht mehr. Wenn man so will, und das Album entsprechend auf sich wirken lässt – könnte man unter Umständen sogar behaupten, dass SECRET SPHERE LABYRINTH in so mancherlei Hinsicht überholt hatten. Erst Recht natürlich, was die im Zeitraum von 2005-2007 veröffentlichte Alben der Italiener angeht, die sich erst mit dem ebenfalls 2010 veröffentlichten RETURN TO HEAVEN DENIED PT. II (Review) wieder fangen konnten.

In jedem Fall kann ein Album wie ARCHETYPE sowohl in den kräftig-flotten als auch etwas behutsameren Momenten als recht kompromiß0loser Genuss bezeichnet werden – und das nicht zuletzt dank des Engagements und der transportierten Glaubwürdigkeit der einzelnen Mitglieder. Von vorne bis hinten stimmt hier vieles, man will nicht sagen alles – da sich mit MISTER SIN und ALL IN A MOMENT doch noch zwei eher unliebsame Alternativen zu den sonst keinerlei Schwächen offenbaren Titeln eingeschlichen haben. Während der eine Titel mit einer eher ungünstigen Coolness und Witzigkeit ausgestattet ist, die einen an das Schaffen auf SCENT OF HUMAN DESIRE erinnern könnte; handelt es sich bei dem anderen schlicht um eine dann doch noch überflüssige Ballade – die zudem mit einem eher schlecht als recht inszenierten weiblichen Gastgesangspart daherkommt. Davon abgesehen gibt es aber nichts zu mäkeln – zumal allein ein Über-Titel wie MORE THAN MYSELF locker das Zeug dazu hätte, über ein oder vielleicht sogar zwei schwächere Nummern hinwegzutäuschen. ARCHETYPE kann damit problemlos als eines der besten SECRET SPHERE-Alben bezeichnet und überdies in einem Atemzug mit dem legendären A TIME NEVER COME genannt werden. Bravo !

Absolute Anspieltipps: LINE ON FIRE, DEATH FROM ABOVE, INTO THE VOID, ARCHETYPE


„Ein so keineswegs erwartetes, und damit umso wirksameres Highlight.“

Metal-CD-Review: TIERRA MYSTICA – A New Horizon Comes (2010)

Alben-Titel: A New Horizon Comes
Künstler / Band: Tierra Mystica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2010
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Voice Music

Alben-Lineup:

Rafael Martinelli – Bass
Duca Gomes – Drums
Fabiano Müller – Guitars, Violin
Alexandre Tellini – Guitars, Violin
Luciano Thumé – Keyboards
Ricardo Chileno – Vocals, Guitars (acoustic), Ocarina, Charango, Craviola, Bombo
Gui Antonioli – Vocals

Track-Liste:

1. Nueva Castilla (02:32)
2. Golden Courtyard [Qorikancha] (06:55)
3. Celebration to the Sun [Inti Raymi] (06:00)
4. New Eldorado [Qapaq Ñan] (05:52)
5. Spiritual Song (07:28)
6. Winds of Hope [Suyanawayra] (06:08)
7. Wide Open Wings (06:46)
8. Away from the Dream (05:04)
9. The Final Rest (04:50)

Von neuen und hoffentlich glorreichen Horizonten.

Wahrlich, und trotz des mittlerweile recht reichhaltigen Angebot an verschiedenen Power Metal-Combos aller Herren Länder – die Suche nach möglichst aus der Masse hervorstechenden, besonderen und schlicht einzigartig anders klingenden Bands fällt auch heutzutage nicht leicht. Eine Antwort auf die Frage, welche Bands nun am ehesten in einem solchen Zusammenhang zu empfehlen wären; muss man sich demnach schon gut überlegen. Vornehmlich, da es einfach nicht viele entsprechende Kandidaten gibt – und man zumeist nur in Übersee oder weit in der Vergangenheit fündig wird. Dennoch zeigt sich – und das gilt nicht nur für potentiell außergewöhnliche, sondern auch im allgemeinen hochkarätige Releases – dass es genrell nicht verkehrt ist, seinen Blick auch mal gen Brasilien als eines der interessanteren Power Metal-Herkunftsländer schweifen zu lassen. Immerhin brachte das Land längst nicht nur relativ bekannte Combos wie etwa ANGRA hervor – sondern auch einige, die man eher als Geheimtipp einstufen würde. Beginnen könnte man diesbezüglich mit weiteren Beispielen aus dem Bereich des Anfangsbuchstabens A – also etwa AGE OF ARTEMIS, AETHRA, ALMAH oder AQUARIA.

In der retrospektiven Betrachtung gab es dann aber noch mindestens eine Band, die aufgrund ihrer an den Tag gelegten musikalischen Einflüsse in einer besonderen Weise aufgefallen ist – sich aber viel zu schnell wieder von der Bildfläche verabschiedete. Die Rede ist von TOCCATA MAGNA – und damit auch einer band, die quasi den Grundstein für die heute vorgestellten und seit 2007 als TIERRA MYSTICA aktiven Musiker bildete. Und tatsächlich: das die Band irgendetwas mit TOCCATA MAGNA (oder eher der von ihnen gelieferten Vorlage) zu tun haben muss, bemerkt man nicht erst anhand der unter anderem einen gewissen Fabiano Müller aufführenden Besetzungsliste – man hört es auch. So präsentiert auch das vorliegende A NEW HORIZON COMES einige jener indigenen Klänge, die TOCCATA MAGNA auf ihrem bis heute einzigen Album INCOGNITE SOUL (siehe Review) inszenierten. Gut und lobenswert ist, dass TIERRA MYSTICA dabei ebenso stimmig und geschickt agieren wie ihre potentiellen Vorbilder – und die anberaumten traditionellen Elemente sinnig in den grundsätzlich knackigen Metal-Kompositionen verbauen.

Einen unter Umständen markanten Unterschied zwischen den beiden Bands gibt es dann aber doch – und der lässt die auch so schon recht interessant anmutenden Musiker von TIERRA MYSTICA in einem noch besseren Licht dastehen. Schließlich scheint es, als hätte sich die Band nicht nur entsprechend inspirieren lassen – sondern die Vorlage auch in einer mitunter entschiedenen Art und Weise perfektioniert. Anders gesagt: von bei TOCCATA MAGNA durchaus noch relevanten Problemen in Bezug auf den Leadgesang, sich stark ähnelnde Instrumentalstrukturen und eine eher schwache Produktion nehmen TIERRA MYSTICA einen gehörigen Abstand – womit sich ihr A NEW HORIZONS COMES in vielerlei Hinsicht als recht gut durchdachtes und stilsicher inszeniertes Genre-Werk profiliert. Eines, dass überdies noch mit dem gewissen und bereits erwähnten Etwas daherkommt – die sich insbesondere in den eher ruhigen Momenten des Albums bemerkbar machen. Dass gerade das der Band zu einem zusätzlichen Vorteil geraten würde, war so nicht unbedingt abzusehen; aber: alles, was bei anderen Combos als balladeskes Beiwerk oder vielleicht auch notwendiges Übel fungieren würde, avanciert bei TIERRA MYSTICA zu einer reichlich stimmungsvollen und emotionsgeladenen Kost. Wie im Falle des atmosphärischen WINDS OF HOPE, dessen Titelbezeichnung eine klare Hommage an das Schaffen von TOCCATA MAGNA darstellt.

Überaus ansprechend und absolut passend erscheint auch, dass der Musik von TIERRA MYSTICA eine gewisse progressive Komponente innewohnt – die aus Nummern wie dem Opener GOLDEN COURTYARD oder dem prinzipiell eher ruhigen SPIRITUAL SONG weit mehr macht als standardisiert erscheinende Genre-Titel. Nimmt man nun noch die teils deutlich zünftigeren Momente in Form des teils überaus flott voranpreschenden CELEBRATION TO THE SUN, des ebenso stampfenden wie hymnisch-verträumten NEW ELDORADO (das überdies eine Soli-Passge bereithält, die einfach nur zum Staunen einlädt) oder den Rausschmeißer THE FINAL REST hinzu, erhält man ein Album dass nicht nur erfrischend anders ist – sondern auch im Hinblick auf die sonst gängigen Power Metal-Faktoren gandenlos überzeugt. TIERRA MYSTICA haben es hier schlicht geschafft, ein Debütalbum hinzulegen welches seinesgleichen sucht – und das einfach keinen nennenswerten Raum für Kritik zulässt. Zusammenfassend bedeutet das vornehmlich eines: wer dieses Album nicht besitzt, verpasst etwas.

Absolute Anspieltipps: Alle


„Ein ebenso unerwartetes wie in jeder Hinsicht überzeugendes brasilianisches Meisterstück.“