Metal-CD-Review: WATERLAND – Darklight In Riverwood (2019)

 

Alben-Titel: Darklight In Riverwood
Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichung: 20. September 2019
Land: Portugal
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass
Patricia Loureiro – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny V (04:21)
2. Darklight (04:47)
3. Follow Me (04:02)
4. For All Eternity (04:10)
5. Iceland (04:34)
6. Winter Days (03:59)
7. The Rules We Made (05:20)
8. The Union of Freedom (05:02)
9. The Path for the Hidden Valley (06:08)
10. The Golden Mountain (05:55)
11. This Night (04:06)
12. We Are the One Master (05:38)

Gut, dass einer das Licht angelassen hat.

Und sie geht weiter – die Geschichte der 2007 gegründeten, quasi aus dem Vermächtnis von ORATORY hervorgetretenen Power Metal-Combo WATERLAND. Zugegeben, auf diesem Blog wurde die Band bisher nicht gerade mit Lobeshymnen überschüttet – wie man es jederzeit in den Reviews zu WATERLAND, VIRTUAL TIME, OUR NATION oder SIGNS OF FREEDOM nachlesen kann. Immerhin, ganz grundlos war und ist die Kritik am Schaffen der Band nicht – doch natürlich gibt es mit jedem neuen Album auch eine neue Chance. Ins diesbezügliche Rennen geht nun also DARKLIGHT IN RIVERWOOD, das mittlerweile fünfte Studioalbum von WATERLAND – die es offenbar endlich geschafft haben, ein halbwegs festes Lineup zu etablieren. Das relative Chaos vor allem in Bezug auf den Leadgesangsposten scheint mit dem erneuten Auftreten von Front-Frau Patricia Loureiro nunmehr vorüber – was gut ist, und der Band hoffentlich eine gewisse Stabilität verleiht. In wie weit sich das Ganze auf die musikalischen Bestrebungen der Band auswirkt, wird sich dagegen erst im folgenden zeigen.

DARKLIGHT IN RIVERWOOD geht mit einer geballten Ladung von immerhin 12 vollwertigen Titeln an den Start. Titel, denen man eines direkt anhört: die einstigen Schwächen der Band sind noch immer hörbar und vorhanden. Speziell natürlich in Bezug auf einige Faktoren hinsichtlich der Produktion und Abmischung, die in ihrer Gesamtheit noch immer nicht vollends professionell wirken respektive klingen – und den potentiellen Hörgenuss des Albums deutlich schmälern können. Aber auch davon abgesehen sollte jedem, der auf der Suche nach etwas neuem oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Offenbarung im Bereich des Power Metals ist; von einem Album wie DARKLIGHT IN RIVERWOOD eher abgeraten werden, denn: WATERLAND klingen schlicht alles andere als originell. Einstweilen mag das kein Problem sein, erst Recht nicht für solche die sich erst gar keine allzu wilden Experimente oder Neuerungen in ihrem Power Metal-Alltag wünschen. Problematisch ist dabei nur, dass es so viele andere Bands einfach besser machen als die Kollegen von WATERLAND.

Schließlich könnte auch das mitunter einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Band zu einem Problem avancieren. Gemeint sind die eher säuselnden denn schmetternden Chöre, die schon immer aus den Kompositionen der Portugiesen hervor stachen – aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. Sicher, man kann die Band schier perfekt daran erkennen – doch warum man hier nicht mal etwas neues versucht, bleibt ein Rätsel. Analog dazu muss sich DARKLIGHT IN RIVERWOOD natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu weichgespült zu klingen – wobei die erwähnten Chöre nur das berühmte i-Tüpfelchen markieren. Der vergleichsweise zarte Leadgesang von Patricia Loureiro, die nicht gerade kräftig klingenden Gitarren und der ständige und überbordende Einsatz des Keyboards inklusive reichlich Klimm-Bimm sorgen jedenfalls nicht dafür, dass sich ein allzu satter Gesamteindruck einstellt.

Zum anderen aber, und das ist durchaus als Adelung zu verstehen; muss man in Bezug auf DARKLIGHT IN RIVERWOOD auch etwas ganz anderes feststellen. Nämlich, dass sich durchaus auch einiges positives getan hat an der Sound-Front der Marke WATERLAND. Das Drumming von Tiago Moreira etwa klingt nunmehr wesentlich organischer und variabler als zuvor, die hiesige Frontfrau Patricia Loureiro tönt so stilsicher wie nie zuvor, und einige Titel können mit einem gewissen ORATORY-Nostalgiebonus gar zu kleinen Highlights avancieren (FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY). Auch, da die Soli-Parts meist gut getroffen sind und es mit ihrem variablen Bezug auf die Gitarren und das Keyboard sogar vermögen, einen echten Spaßfaktor entstehen lassen.

Fassen wir also zusammen: die letzten Alben der Band wurden teils auffällig schlecht bewertet, auch oder gerade weil kein wirklicher Lerneffekt seitens der Mitglieder von WATERLAND spürbar war. Das ändert sich nun und mit DARKLIGHT IN RIVERWOOD – das nicht perfekt, aber immerhin als Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wenn sich nun noch etwas in Richtung der Chöre und der allgemeinen Soundqualität ergibt, darf man wohl gespannt sein auf das, was die Portugiesen für die Zukunft planen.

Anspieltipps: FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY


„Ohne Frage: dies ist das bis heute beste WATERLAND-Album.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Talviyö (2019)

Alben-Titel: Talviyö
Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichung: 6. September 2019
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Message from the Sun (04:06)
2. Whirlwind (06:32)
3. Cold (04:29)
4. Storm the Armada (05:08)
5. The Last of the Lambs (04:22)
6. Who Failed the Most (04:44)
7. Ismo’s Got Good Reactors (03:43)
8. Demon’s Cage (04:58)
9. A Little Less Understanding (04:16)
10. The Raven Still Flies with You (07:39)
11. The Garden (06:17)

Da fröstelt’s einen ja fast schon im voraus.

Mit den finnischen Jungs von SONATA ARCTICA ist das schon so eine Sache. Einst – und das ist in Anbetracht eines Albums wie dem 1999 erschienenen ECLIPTICA (siehe Review) kein großes Wunder – als Helden und Wegbereiter des europäischen Power Metals gefeiert, entwickelte sich die Band im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zu einem schon wesentlich; man nenne es angreifbareren musikalischen Konstrukt. Tatsächlich, und das behaupten vor allem langjährige Fans der Band; schienen die letztaktuellen Alben PARIAH’S CHILD (Review) und THE NINTH HOUR (Review) nicht gerade Glücksgriffe gewesen zu sein – erst Recht nicht aus Sicht der nun einmal nicht jeden Stilwechsel gutheißenden Power Metal-Fraktion. Immerhin – und wenn man den fast schon unbestreitbaren Reinfall in Form des 2014 veröffentlichten Revisited-Albums zu ECLIPTICA (Review) einmal außen vor lässt – kann man der Band eines nicht vorwerfen: das sie respektive die musikalischen Ambitionen der Mitglieder stillstehen. Und so markiert auch das jüngst erschienene TALVIYÖ als mittlerweile elftes offizielles Studioalbum der Band ein weiteres abenteuerliches, prinzipiell spannendes neues Kapitel in der Historie von SONATA ARCTICA.

Eines, und das konnten schon die anderen Alben der letzten Jahre nicht gerade als Vorteil für sich verbuchen; bleibt dabei aber natürlich auch dieses Mal nicht aus: man kann einfach nicht anders, als auch das jüngste Album mit früheren Werken der Band zu vergleichen. Vielleicht nicht unbedingt mit einem speziellen, wohl aber doch dem rundum prägnanten Gesamteindruck der ersten 5 bis 6 Alben der Finnen. Diesbezüglich fällt eines relativ direkt auf: wo man bei vielen anderen Bands sagen kann, dass sie – was ihre Fähigkeiten und ihr Auftreten betrifft – eben nicht gealtert sind, scheint der Zahn der Zeit durchaus markant an SONATA ARCTICA (oder eher: ihrer Musik) zu nagen. Und das ist auch eines der gravierenderen Probleme, ob nun aus Sicht eingefleischter Power Metal-Fans oder nicht; denn: SONATA ARCTICA machen mittlerweile nicht nur eine etwas andere Musik als noch zu Zeiten ihres Karrieauftaktes. Vielmehr scheinen sie auch darüber hinaus mit diversen Problem zu kämpfen haben, die im Falle von TALVIYÖ passenderweise mit dem anberaumten Winter-Setting einhergehen, oder anders gesagt: das Album klingt insgesamt auffallend kraftlos, eintönig; ja fast schon trist.

Würde dies nur auf die Atmosphäre zutreffen – und eben nicht die Leistungen der einzelnen Mitglieder – wäre das natürlich nur ein Stil-Element und etwas anderes. Doch so muss man zweifelsfrei feststellen, dass längst nicht mehr alles Gold ist was ehemals glänzte. Der Leadgesang von Tony Kakko etwa klingt längst nicht mehr so kräftig und variabel wie dereinst. Viel eher wirkt er angestrengt und auffallend limitiert – woran auch die nunmehr umso häufiger anberaumten Chöre (eher sind es mehrstimmige Studiogesänge) nicht viel ändern können. Die Folge: gerade die potenziell emotionaleren Momente wirken so kaum. Das Problem: derer sind es auf TALVIYÖ nicht gerade wenige, oder anders gesagt: das Album versucht einen Großteil seiner Wirkungskraft aus eben jenen balladesken, leicht träumerisch angehauchten Passagen zu generieren. In wie weit das dem Album letztendlich – und in seiner Gesamtheit – gelingt, muss nach wie vor ein jeder für sich selbst entscheiden. Es sind aber eben nicht wenige Faktoren, die eher gegen das Album sprechen.

Wie wäre es etwa mit dem kruden THE LAST OF THE LAMBS, das theoretisch – und auch wenn er nichts mit dem Oberbegriff des Power Metals am Hut hat – ein verdammt guter Titel hätte werden können ? Der schwache, emotionlose und einstweilen fast schon komische Leadgesang von Tony Kakko, der merkwürdig-matschige Mix inklusive einer hörbaren Stimmbearbeitung und das schlussendlich recht repetitive Instrumentenspiel zeigen jedenfalls auf, dass man für derlei Experimente doch eher zu Bands wie AYREON greifen sollte. Doch auch wenn es mal etwas kräftiger zugeht (wie im Opener MESSAGE FROM THE SUN oder WHO FAILED THE MOST) stehen nicht alle Zeichen auf grün – insbesondere was die unnötig weichgespülten Refrains angeht. Da ändert auch das vergleichsweise kräftige Riffing nichts, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall klingt es gar wie ein relativer Fremdkörper im ohnehin unausgegorenen Mix – was das klangliche Chaos beinahe perfekt macht.

Natürlich, es finden sich auch einige bessere respektive hörbare Passagen (wie etwa in WHIRLWIND oder DEMON’S GATE) – doch kommen diese eher vereinzelt vor, und fungieren dabei bestenfalls als Reminiszenz an frühere, goldene Zeiten. Insgesamt betrachtet hat TALVIYÖ damit wahrlich nichts zu bieten, was Fans der früheren SONATA ARCTICA ansprechen sollte – und auch Neueinsteiger werden ob der zweifelhaften musikalischen Genialität nicht gerade vor Freunde aufspringen. Positiv hervorzuheben sind demnach nur noch der von Pasi Kauppinen gehandhabte Bass, sowie immerhin einige der Ambitionen seitens Henrik Klingenberg (Keyboards, Backing Vocals). Eine Kaufempfehlung rechtfertigt das nicht – und so bleibt den meisten nur abzuwarten, wie SONATA ARCTICA in Zukunft in Erscheinung treten werden.

Anspieltipps: /


„Dieses Ruder wird wohl nicht mehr herum gerissen werden.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Extreme Power Metal (2019)

Alben-Titel: Extreme Power Metal
Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichung: 27. September 2019
Land: England
Spielart / Stil: Power Metal
Label: earMusic

Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Highway to Oblivion (06:48)
2. Cosmic Power of the Infinite Shred Machine (06:36)
3. The Last Dragonborn (06:12)
4. Heart Demolition (05:39)
5. Troopers of the Stars (05:03)
6. Razorblade Meltdown (04:45)
7. Strangers (04:29)
8. In a Skyforged Dream (04:45)
9. Remembrance Day (05:10)
10. My Heart Will Go On (Céline Dion cover) (03:24)

Wo extrem drauf steht, ist sicher auch extrem drin.

Manche, ja manche werden einfach niemals müde. So auch nicht die Jungs von DRAGONFORCE, die schon seit seit 1999 (damals noch als DRAGONHEART) unterwegs sind. Eine nennenswerte Alben-Pause gab es dabei bis heute nicht, und auch von ihrer ursprünglichen Energie scheinen sie nichts eingebüßt zu haben. In wie weit das auf das für die Band typische, gewissermaßen als Katalysator der Band fungierende Gitarren-Gefrickel von Herman Li und Sam Totman zurückzuführen ist, sei einmal dahingestellt. Wenig verwunderlich ist damit in jedem Fall, dass auch EXTREME POWER METAL als mittlerweile achtes offizielles Studioalbum der Band aus dem musikalischen Vollen schöpft – und selbstverständlich auch mit ordentlich Tempo voranprescht. In wie weit das Ganze tatsächlich eine extreme Erfahrung oder eben doch nur eine bloße Selbst-Beschreibung der Spielart der Band ist, wird sich zeigen – nur langweilig werden, das wird es wohl nicht.

So verschwenden die Engländer nicht viel Zeit, und läuten das Album sogleich mit dem Opener HIGHWAY TO OBLIVION ein – jener Nummer, die bereits vorab als (durchaus nett gestaltete) Video-Single veröffentlicht wurde. Und tatsächlich: was man hier zu hören bekommt, ist zweifelsfrei als DRAGONFORCE-Material einzustufen. Man ist geneigt zu sagen: als neues, aber eben auch recht typisches – wobei eingeschworene Fans der Combo kein Problem damit haben werden, ganz im Gegenteil. Schließlich sind alle der bisher hoch gehaltenen Trademarks der Band erneut mit von der Partie: vom recht wuchtigen Gesamteindruck über allerlei Instrumenten-Gequäle (was hier durchaus positiv gemeint ist) bis hin zum perfekt aufgehenden Wechselspiel aus getragenen und überaus flotten Momenten gibt es all das auf die Ohren, was man von der Band auch genau so erwartet hätte.

Eben auch, weil sie es einfach können. So sollte es selbst notorischen Nörglern und DRAGONFORCE-Verneinern entsprechend schwer fallen, EXTREME POWER METAL etwas vorzuwerfen – speziell in Bezug auf das an den Tag gelegte, rundum tadellose Handwerk. Seien es die schier perfekte Produktion und Abmischung (die jedes einzelne Instrument zur Geltung kommen lässt und den Gesang harmonisch einbindet), die Leistung an den Gitarren, die tollen Chöre oder der äußerst angenehme Leadgesang von Marc Hudson – EXTREME POWER METAL ist ein akustischer Genuss. Wenn, ja wenn man sich mit der Spielart der Engländer auch nur ansatzweise anfreunden kann. Doch auch diesbezüglich, und mit dem Stichwort des extremen kann – glücklicherweise – eine Entwarnung stattfinden. Denn: allzu wilde Experimente (wie etwa auf INHUMAN RAMPAGE, siehe Review) bleiben aus. Mehr noch, mit Nummern wie THE LAST DRAGONBORN, STRANGERS oder REMEMBRANCE DAY (trotz der Schmalz-Gefahr einfach nur wow) setzen DRAGONFORCE nunmehr vermehrt auf ebenso rhythmische wie hymnische Midtempo-Stampfer. Hier handelt es sich zweifelsohne um ausgewogene Nummern mit dem gewissen Etwas – was der Band allemal gut zu Gesicht steht und für Abwechslung sorgt.

Nicht zwingend neu für DRAGONFORCE, aber allemal interessant ist auch die mit Titeln wie HEART DEMOLITION offerierte musikalische Komponente irgendwo zwischen einem 80er-Hair-Metal, einem anspruchsvolleren Synth-Rock und einem griffigen Power Metal. Doch auch davon abgesehen gibt es immer wieder Highlights zu entdecken. Sei es ein überraschendes elektronisches Element hier (COSMIC POWER OF THE INFINITE SHRED MACHINE), eine folkig-traditionell anmutende Instrumentalpassage (THE LAST DRAGONBORN) dort – der weiter oben bereits eingeworfene Begriff der Langeweile hat auf einem Album wie EXTREME POWER METAL wahrlich nichts zu suchen. Glücklicherweise – schließlich hätte man genauso gut erwarten können, dass es die Engländer eher gleichförmig angehen; und schlicht eine Uptempo-Nummer nach der anderen präsentieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall.

Doch natürlich gibt es sie auch dieses Mal, die deutlich schnelleren Nummern – die nicht selten dezent ausufernde (aber eben auch nicht wirklich übertriebene) Soli-Parts an den Start bringen und insbesondere DRAGONFORCE-Fans der ersten Stunde die Freudentränen in die Augen schnellen lassen sollten. Einzig beim flotten TROOPERS OF THE STARS kann man sich nicht des Gefühl erwehren, dass man die Nummer irgendwo schon einmal gehört hat – natürlich nicht eins zu eins, aber die quasi-Konkurrenten RAZORBLADE MELTDOWN und IN A SKYFORGED DREAM klingen einfach deutlich frischer. Und ja, zum Ende gibt es dann tatsächlich noch eine Cover-Version von CELINE DION’s MY HEART WILL GO ON zu hören – doch auch hier geben sich DRAGONFORCE nicht die Blöße. Im Gegenteil, man kann relativ eindeutig von einer der besseren Cover-Versionen des Titels sprechen.

DRAGONFORCE haben damit alles richtig gemacht – auch, oder gerade weil sie das Rad nicht neu erfinden und sich und ihrer Spielart konsequent treu bleiben. Von Müdigkeit oder gar Lustlosigkeit gibt es jedenfalls keine Spur – sodass EXTREME POWER METAL selbst das bereits gute, aber nicht ganz so kultverdächtige REACHING INTO INFINITY (siehe Review) toppen kann.

Anspieltipps: HIGHWAY TO OBLIVION, HEART DEMOLITION, RAZORBLADE MELTDOWN, REMEMBRANCE DAY


„Ein Album das Spaß macht – und dabei auch noch verdammt gut ist.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Starbourne Traveler (2019)

Alben-Titel: Starbourne Traveler
Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichung: 06. Dezember 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Jonatan Hallberg – Guitars
Claes Wikander – Bass
Henrik Birgersson – Drums

Track-Liste:

1. Gods of Disorder (03:44)
2. Side by Side (04:12)
3. Extreme Paranoia (re-recorded) (03:41)
4. Starbourne Traveler (04:33)
5. Corridors of Time (04:02)
6. Paradise Powerlord (03:35)
7. Into the Fire (04:09)
8. In the Empire of Saints (05:15)
9. Midnight Radio (04:03)
10. Rage on the Sea (re-recorded) (07:06)

Wer wäre da nicht gerne mitgereist.

Wenn es um die Nennung von ebenso hochkarätigen wie möglichst langjährig aktiven Genre-Combos aus dem hohen Norden geht, kann man die Rechnung wohl kaum ohne die CRYSTAL EYES machen. Dabei hat die 1992 gegründete Band, die mit ihrem 1999’er Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) ein echtes Meisterstück ablieferte und unter anderem Mitglieder von Bands wie FRETERNIA beherbergte; schon einiges durchgemacht – wie etwa den Weggang des Band-Oberhauptes Mikael Dahl im Jahre 2005. Und auch wenn es nicht verkehrt war, dass sich seinerzeit der für ihn eingesprungene Søren Nico Adamsen (Ex-ARTILLERY, Ex-DIGNITY und viele mehr) weiter in der Szene hat profilieren können; war die plötzliche Rückkehr Dahl’s im Jahre 2009 doch eine Erleichterung. Eine, die man auf dem wesentlich später veröffentlichten KILLER (2014, siehe Review) noch einmal deutlich spüren konnte. Letztendlich hatten es die CRYSTAL EYES so geschafft, mit einer wohl dosierten Anzahl von guten bis sehr guten Studioalben (von 1999 bis 2014 waren es insgesamt 7) eine ansehnliche Fanbase zu etablieren. Wie genau der Weg für die Schweden weitergehen sollte, war dann für einige Zeit unklar – bis zum heute glücklicherweise vorliegenden, achten offiziellen Studioalbum STARBOURNE TRAVELER.

Nach guten 5 Jahren Pause ist es also wieder soweit – wobei die Schweden erst gar keine weitere Zeit vergehen lassen, sondern den Hörer direkt mit einem flotten Opener wie GODS OF DISORDER beglücken. Mit eben diesem, aber auch der rhythmischen Folgenummer SIDE BY SIDE wird eines tatsächlich relativ schnell klar: die CRYSTAL EYES sind nicht gealtert, oder wenn dann nur in Würde. Denn so frisch und unverbraucht sie auf STARBOURNE TRAVELER auch klingen, die Bezüge zu ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit kommen nicht zu kurz – was vor allem eingefleischte Fans der Band erfreuen sollte. Anders gesagt: mit den CRYSTAL EYES bekommt man eine der wenigen Power Metal-Bands serviert, die schon seit Jahren ihre ureigenen Trademarks hat. Trademarks, anhand derer man sofort genau weiß wer oder was hier durch die Boxen rauscht. Dass sich die Schweden dabei nicht bloß wiederholen, macht es umso besser – wobei einige gerade diesbezüglich und in Anbetracht der Titel EXTREME PARANOIA und RAGE ON THE SEA stutzig werden könnten. Zu Recht, denn tatsächlich gab es diese Nummern schon – und zwar auf dem Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER. Die Tatsache, dass man 2 bloße Neuaufnahmen quasi mitten ins neue Album wirft – wohlgemerkt ein Album, das ohnehin nur 10 Titel beinhaltet – lässt zugegebenermaßen vieles vermuten, nur nichts gutes.

Doch dann das. Kurz gesagt vermögen die CRYSTAL EYES auch diesen Kniff perfekt umzusetzen, und dabei sowohl alte als auch neue Fans zufriedenzustellen. Wer, ja wer hätte gedacht; dass EXTREME PARANOIA noch immer so gut klingt – oder sollte man eher sagen, schon wieder ? Schließlich kann man der Nummer durch die Neuaufbereitung tatsächlich etwas neues abgewinnen, vornehmlich natürlich durch die kaum mehr miteinander zu vergleichende Herangehensweise im Blick auf den Leadgesang Dahl’s – sodass man nunmehr zwei nicht zu verachtende Versionen eines hervorragenden Titels hat. Während andere also ganze Alben mit sich kaum voneinander unterscheidenden – oder im schlimmsten Fall gleich durch und durch negativ auffallenden – Neuaufnahmen veröffentlichen, machen die CRYSTAL EYES wieder einmal vor wie es geht, gehen sollte. In diesem Fall ist es demnach absolut zu verschmerzen, dass es sich nicht wirklich um neue Titel handelt. Und überhaupt – es bleiben ja noch acht Titel, an die man sich zwecks einer Befriedigung der Lust nach wirklich neuem Material wenden kann.

Und die haben es dann auch tatsächlich – und ausnahmslos – in sich. Wie etwa wäre es denn mit dem Titeltrack STARBOURNE TRAVELER, der insgesamt eher ruhig gehalten ist – mit dem prägnanten, an frühere Platten der Band erinnernden Riffing (hier ist es vor allem VENGEANCE DESCENDING) und seinem hymnischen Anspruch im Refrain aber dennoch so manche Hütte abzureissen vermag ? Wie steht es mit CORRIDORS OF TIME, das wie schon der Opener als eine Art Rückschau der CRYSTAL EYES auf ihr eigenes Schaffen fungiert – und dabei in jedem Moment (hier ist es vor allem der Soli-Part und alles, was noch darauf folgt) brilliert ? Und was ist mit dem luftig-rockenden MIDNIGHT RADIO, das weitaus mehr Spaß macht als gedacht ? Gut, das balladeske IN THE EMPIRE OF SAINTS fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen, nicht aufgrund der Gangart – aber doch des in den Strophen kaum wiederzuerkennenden Gesangs von Mikael Dahl. Doch wenn das wirklich die schwächste Nummer des Albums sein soll, so kann man sich auch an diese gewöhnen.

Alles in allem ist den CRYSTAL EYES ein kleiner Geniestreich gelungen – auch oder vielleicht gerade aufgrund dessen, dass das letzte Studioalbum KILLER mittlerweile 5 Jahre zurückliegt. Mit ihrer Mixtur aus bekannten, guten alten und teilweise auch erfrischend neuen Elementen bleibt jedenfalls kein Auge trocken, oder anders gesagt: ein ungetrübter Hörgenuss irgendwo zwischen einem flotten schwedischen Power Metal und einem auch mal etwas hymnischeren Hardrock ist garantiert. Und das sowohl für alteingesessene, als auch für Neueinsteiger. Eine unbedingte Empfehlung !

Anspieltipps: GODS OF DISORDER, SIDE BY SIDE, EXTREME PARANOIA, STARBOURNE TRAVELER


„Die CRYSTAL EYES waren 5 Jahre weg ? Mag sein, aber es fühlt sich nicht so an.“

Metal-CD-Review: AGE OF ARTEMIS – Monomyth (2019)

Alben-Titel: Monomyth
Band: Age Of Artemis (mehr)
Veröffentlichung: 02. April 2019
Land: Brasilien
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Giovanni Sena – Bass
Gabriel Soto – Guitars
Riccardo Linassi – Drums
Jeff Castro – Guitars
Pedro Campos – Vocals

Track-Liste:

1. Status Quo (01:36)
2. The Calling (05:25)
3. Helping Hand (05:50)
4. Unknown Strength (04:26)
5. Lightning Strikes (04:51)
6. The Call of the Fear (05:37)
7. Reborn (04:59)
8. Endless Fight (04:32)
9. What Really Matters (05:48)
10. Where Love Grows (06:37)
11. A Great Day to Live (05:25)
12. Prelude to a New World (02:10)

Von nur schwerlich zu beantwortenden Geschmacksfragen.

MONOMYTH ist der Titel des mittlerweile dritten offiziellen Studioalbums von AGE OF ARTEMIS – einer 2009 gegründeten, aus dem Herzen Brasiliens stammende Combo; die in Anbetracht der Historie des Leadsängers Alírio Netto sowie natürlich auch der Qualität des 2011 erschienenen Debütalbums OVEROMING LIMITS (siehe Review) oft in einem Atemzug mit ANGRA genannt wurde. Nun aber schreiben wir das Jahr 2019 – und die Frage, ob AGE OF ARTEMIS noch immer mit ihren theoretischen Vorbildern – oder zumindest musikalisch verwandten Kollegen, zu denen man auch noch ALMAH, SHAMAN und ANDRE MATOS hinzufügen könnte – mithalten können; rückt stärker in den Vordergrund als jemals zuvor. Immerhin mussten AGE OF ARTEMIS in der Zwischenzeit gleich drei einschneidende Besetzungswechsel verkraften – wobei nicht nur Pedro Sena (Drums) und Nathan Grego (Gitarre) die Band verließen, sondern – und ausgerechnet – auch noch der hiesige Leadsänger Alírio Netto. Für ihn kam erst kürzlich, das heißt 2017 der neue Frontmann Pedro Campos – den einige als Leadsänger der ebenfalls brasilianischen Power-Prog-Combo HANGAR, oder aber durch seine zahlreichen Auftritte bei den Kollegen von SOULSPELL kennen dürften.

So steht eines schon einmal unumstößlich fest: der Sound von AGE OF ARTEMIS hat sich weiter gewandelt. Vornehmlich aufgrund der eben erwähnten Besetzungswechsel – aber eventuell auch, da die Brasilianer den zutiefst mittelprächtigen Eindruck ihres 2014 erschienenen zweiten Albums THE WAKING HOUR (Review) vergessen lassen möchten. Vermutlich wird es dabei aber längst nicht jeden zufriedenstellen, in welche Richtung sich AGE OF ARTEMIS zusehends bewegen, oder anderes gesagt: der ursprünglich auf OVERCOMING LIMITS angepeilte Power Metal mit dezent symphonischen Einflüssen kommt bei den Brasilianern überhaupt nicht mehr vor. Das bedeutet mindestens zweierlei: zum einen, dass MONOMYTH mit seinen insgesamt 12 enthaltenen Titeln eher das Genre eines progressiven Power Metals bedient, womit die Brasilianer einen ganz ähnlichen Weg beschreiten wie jüngst die Italiener von LABYRINTH (gemeint ist hauptsächlich das 2017 erschienene ARCHITECTURE OF A GOD, siehe Review) – und zum anderen, dass allzu temporeich voranpreschende Gangarten, melodiöse Kraftakte oder hymnische Tendenzen im Sinne eher klassischer Power Metal-Combos ausbleiben. Natürlich muss das noch nichts schlechtes bedeuten – doch um der Enttäuschung jener entgegenzuwirken, die sich ein zweites OVERCOMING LIMITS gewünscht haben; sei es an dieser Stelle noch einmal angemerkt.

Wie gut oder schlecht MONOMYTH damit wirklich ist, ist demnach gar nicht so leicht zu beantworten – was des öfteren der Fall ist oder sein kann, wenn sich Bands vergleichsweise heftige Stilwechseln unterziehen. Klar, grundsätzlich spricht eine Menge für die neuen AGE OF ARTEMIS – etwa das wirklich in jeder Hinsicht tadellose Handwerk, die gelungene Abmischung und Produktion inklusive der nötigen Aufmerksamkeit für den Bass, die zumindest hie und da noch immer durchscheinende Band-Vergangenheit respektive die musikalische Verbindung zu anderen brasilianischen Combos (wie etwa beim Opener THE CALLING oder dem an ANGRA erinnernden HELPING HAND), Kracher-Titel wie WHERE LOVE GROWS (das alles andere als eine Ballade ist) oder der grundsätzlich starke, raspelig-raue Leadgesang von Pedro Campos, der im Zusammenspiel mit den Instrumenten auch mal an den Sound der Kollegen von den (neueren) NOCTURNAL RITES erinnern kann.

Dennoch, ein etwas flaues Gefühl bleibt zurück. Ob selbiges auf den insgesamt betrachtet eher modern ausfallenden Sound (und sei es nur gefühlt, siehe etwa Titel wie ENDLESS FIGHT), die doch prägnante Anzahl von Titeln mit einer deutlich ruhigeren Gangart, einzelne Titel wie das in vielerlei Hinsicht anstrengende THE CALL OF THE FEAR, das fehlen von wirklich kraftvoll-ausbrechenden Momenten oder die teils etwas zu gleichförmigen und gerade in Bezug auf die Gitarren höchst unspektakulären Refrains zurückzuführen ist; offenbart sich dabei nicht wirklich. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. Freunde einer progressiven Spielart, die eine gut inszenierte Symbiose aus Handwerk, Technik und Emotionen erleben wollen; sollten aber in jedem Fall einen Blick riskieren. Alle anderen, und das gilt insbesondere für Fans eines eher klassischen Power Metals; sollten sich dagegen schnell mit einem vergleichsweise handzahmen Album (insgesamt betrachtet) wie MONOMYTH langweilen – und seien entsprechend gewarnt. Zumal es ganz aktuell auch einige relativ ähnliche, aber eben doch deutlich interessantere Alternativen gibt – wie etwa die Jungs von den WINGS OF DESTINY, die sich mit ihrem neuesten Werk REVELATIONS (siehe Review) selbst übertroffen haben.

Anspieltipps: THE CALLING, WHAT REALLY MATTERS, WHERE LOVE GROWS


„Vergleichsweise anspruchsvoll und gerade technisch hervorragend – aber dennoch alles andere als atemberaubend.“