Metal-CD-Review: TERRA ATLANTICA – A City Once Divine (2017)

Alben-Titel: A City Once Divine
Künstler / Band: Terra Atlantica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. November 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Gegentrend Records

Alben-Lineup:

Karim Djemai – Bass
Nico Hauschildt – Drums
Mike Terman – Guitars
Tristan Harders – Vocals

Track-Liste:

1. Whispering Waves (01:23)
2. Atlantica (05:14)
3. The Avenging Narwhal (05:30)
4. To the Bottom of the Sea (05:32)
5. Descendants (05:37)
6. A City Once Divine (05:32)
7. Shadows of Tomorrow (05:56)
8. Sails in the Night (03:49)
9. Poseidon’s Wrath (05:22)
10. When Walls Will Fall (10:02)

Willkommen in ATLANTICA.

Wer sich als genereller Power Metal-Enthusiast bezeichnet und seinen Blick auch mal in Richtung einiger noch unbekannter, im besten Fall entsprechend aufstrebender Genre-Combos richtet – der könnte schon einmal über die Ambitionen von TERRA ATLANTICA gestolpert sein. Insbesondere gilt das natürlich für jene, die sich ab und an auf entsprechend einschlägigen Facebook-Seiten tummeln – und dabei auch einige Landes-übergreifende Beobachtungen anstellen. Landesübergreifend deshalb, da man nicht nur mit der bereits 2014 ins Leben gerufenen offiziellen TERRA ATLANTICA-Facebookseite (siehe Link) eine entsprechende und auch genau so erwartete Eigenwerbung machte – sondern auch, da sich TERRA ATLANTICA schon früh die Gunst einer ganz anderen Genre-Combo haben sichern können. Einer, deren Name trotz des bis heute ausgebliebenen Nachfolgealbums zum 2005 erschienenen INTO THE ENCHANTED CHAMBER (siehe Review) eine wohlige Gänsehaut auslösen könnte: TIMELESS MIRACLE.

Dass die Jungs von TERRA ATLANTICA ausgerechnet jene Combo als eine der frühesten Fürsprecher gewinnen konnten, die sich für eines der vielleicht besten Power Metal-Alben aller Zeiten verantwortlich zeichnet (siehe dazu auch die hiesige Topliste des Blogs) ist die eine Überraschung – dass der hiesige Leadsänger Mikael Holst dann auch tatsächlich einen Gastauftritt im TERRA ATLANTICA-Titel THE AVENGING NARWHAL hat, die andere. Eigentlich bleibt damit nur eine Frage offen: sind sich TIMELESS MIRACLE in Bezug auf ihren bis dato ausgezeichneten Musikgeschmack treu geblieben, und weisen sie mit ihrem Gastauftritt wirklich auf einen potentiellen Hochkaräter hin ? Oder können TERRA ATLANTICA mit ihrem Status als relative Genre-Frischlinge und Nachwuchs-Talente vielleicht doch nicht so viel reißen wie gedacht – auf dass A CITY ONCE DIVINE schneller in den Tiefen der Meere verschwindet, als es der Band und all ihren Fürsprechern lieb ist ?

Die dringend benötigte Erleichterung erfolgt indes schon mit den ersten Anhaltspunkten, die die meisten der geneigten Genre-Konsumenten getrost aufatmen lassen sollten. Schließlich haben TERRA ATLANTICA schon mit ihrer vorab veröffentlichten Video-Single ATLANTICA bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist – und auch, dass sie es durchaus mit vielen der längst etablierten Genre-Größen aufnehmen können. Sicher ist das weniger in Bezug auf ihre vorhandene Erfahrung zu verstehen, aber doch hinsichtlich des an den Tag gelegten Handwerks – sowie die Fähigkeit, ebenso griffig-kräftige wie schlicht gnadenlos hymnische Power Metal-Kompositionen zu kreieren. Nummern wie das bereits erwähnte ATLANTICA, oder aber die bereits von der früheren Demo bekannten Titel A CITY ONCE DIVINE und SAILS IN THE NIGHT gehen so verdächtig schnell ins Ohr – wobei sich erst gar keine störenden Faktoren offenbaren, die den Genuss nachhaltig beeinflussen könnten. Mit verantwortlich dafür ist auch die für ein Debütalbum grandiose Abmischungs- und Produktionsarbeit – die es einem erlaubt direkt und so gesehen auch völlig barrierefrei in die hiesigen musikalischen Welten einzusteigen.

Aber auch im grundsätzlichen Hinblick auf die Arbeit an den Instrumenten, den recht üppigen aber sich gut einfügenden Einsatz des Keyboards und den Leadgesang von Tristan Harders (der zuvor schon in einer Melodic Death Metal-Combo namens FORSAKEN HILL unterwegs war, was wohl auch die Growls im ebenfalls von der Demo bekannten POSEIDON’S WRATH erklärt) gibt es nichts zu mäkeln. TERRA ATLANTICA sind zweifelsohne talentiert, und haben ihre wohl schon langjährig gehegte und gepflegte Liebe zum Genre in einem überraschend ansprechenden Debütalbum kumuliert. Eines dass dabei weitaus weniger direkt greifbare Vergleiche zu anderen Bands zulässt als eventuell erwartet. Wer also befürchtet, dass es sich hier lediglich um einen weiteren ALESTORM-Klon handeln müsste (etwa aufgrund der anberaumten Meeres-Thematik); der liegt komplett daneben – TERRA ATLANTICA legen schon jetzt eine ausgesprochene Eigenständigkeit an den Tag. Andere Combos, wie etwa die GRIMGOTTS – die sich auf ihrem aktuellen Album eher nicht ausreichend von eben jenen Schotten distanziert haben – können sie damit schon im ersten Anlauf überholen.

Doch so schön das Ganze auch klingt, zu einem schier unantastbaren Meisterwerk bringt es A CITY ONCE DIVINE ebenfalls nicht. Auch wenn die Gründe dafür eher kleinere sind, sich relativ eindeutig auf die Gangart und stilistische Ausrichtung einzelner Titel beziehen – und so gesehen auch vermeidbar gewesen wären. Das viel zu typische Intro WHISPERING WAVES beispielsweise entspricht so ziemlich genau dem, was man sich hier eher nicht gewünscht hätte – trotz des gut eingesprochenen Erzählerparts. Dezent zu kämpfen hat auch TO THE BOTTOM OF THE SEA – eine Nummer, die grundsätzlich eine dem Titel entsprechende Atmosphäre etabliert; in Bezug auf den wenig variablen Bass und speziell den Refrain aber eine enorm ernüchternde Wirkung hinterlässt. Immerhin: in den späteren Instrumentalpassagen wird es noch einmal deutlich spannender, doch immer wieder zu einem Titel wie diesem zurückkehren wird man vermutlich eher nicht. Das gilt teilweise auch für DESCENDANTS, das grundsätzlich nicht von schlechten Eltern stammt – dafür aber mit einigen leider auch in der Mitte des Titels eingeworfenen Sprachfetzen glänzt, die einen dann doch noch leicht aus dem Konzept bringen könnten.

SHADOWS OF TOMORROW als Ballade des Albums sowie der überlange Rausschmeißer WHEN WALLS WILL FALL haben dagegen wieder andere Probleme, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Zwar zeichnen sich die Titel durchaus durch eine gewisse Glaubwürdigkeit aus und werden überdies recht ansprechend präsentiert – doch erstmals offenbaren sich hier auch deutlichere Parallelen zu anderen Bands. SHADOWS OF TOMORROW etwa könnte (fast) direkt von den Spaniern von DARK MOOR stammen, vor allem dank des später eingestreuten Gitarrensolos – und WHEN WALLS WILL FALL scheint eine ganz ähnliche Melodie zu verfolgen wie PATHFINDER’s ALL THE MORNINGS OF THE WORLD.

Andererseits, und positiv ausgedrückt: da TERRA ATLANTICA noch nicht allzu lange im Geschäft sind und im besten Falle noch einiges vorhaben, ist es vielleicht ganz gut dass sie noch einiges an Luft nach oben gelassen haben. Schließlich kann man sich so umso mehr auf die nächsten Releases freuen, und den weiteren Werdegang der Band mit Spannung verfolgen. Zwar reicht es schon jetzt ganz locker zu einem super-soliden und allemal empfehlenswerten Power Metal-Album – doch wenn sich TERRA ATLANTICA wirklich die Krone holen wollen, müssen sie jetzt unbedingt am Ball bleiben. Die Daumen sind jedenfalls gedrückt.

Absolute Anspieltipps: ATLANTICA, THE AVENGING NARWHAL, A CITY ONCE DIVINE, SAILS IN THE NIGHT


„Ein allemal überzeugendes Debütalbum, das Lust auf mehr macht.“

TERRA ATLANTICA Mit Erstem Offiziellen Musikvideo Zu „ATLANTICA“ Am Start

Da war aber jemand fleißig… nachdem die deutschen Power Metaller von TERRA ATLANTICA erst kürzlich ihr Debütalbum angekündigt hatten, scheint es langsam aber sicher in die heiße Phase zu gehen. So wurde just die erste Videosingle mit dem Titel ATLANTICA veröffentlicht – wobei es sich nicht nur dem Anschein nach um eine Genre-Hymne handelt, wie sie im Buche steht. Schließlich räumt allein die furiose Instrumentalpassage ab Minute 02:50 einiges ab – und auch der Leadsänger macht eine gleichermaßen stilsichere wie sympatische Figur. Das denken übrigens auch einige andere, wie etwa die Musiker von TIMELESS MIRACLE – die TERRA ATLANTICA interessanterweise auf ihrer eigenen Facebook-Seite unterstützen. Man überzeuge sich selbst… und harre gespannt der Dinge, die da noch folgen mögen. Momentan sieht es jedenfalls sehr gut aus für die aus Hamburg stammenden Nachwuchs-Talente… auf geht’s nach ATLANTICA !