Filmkritik: „Das Königreich Der Katzen“ (2002, Studio Ghibli #13)

Originaltitel: Neko No Ongaeshi
Regie: Hiroyuki Morita (Studio Ghibli)
Mit: Chizuru Ikewaki – Yoshihiko Hakamada
Laufzeit: 75 Minuten
Land: USA / Japan
Genre: Animationsfilm

Inhalt: Haru ist 17 und führt ein relativ gewöhnliches Teenager-Leben. Ihre persönlichen Merkmale zeichnen sich erstmal dadurch aus, dass sie einerseits ein absoluter Morgenmuffel ist – und andererseits ein klein wenig ungeschickt zu sein scheint. Nicht die besten Voraussetzungen also, um ihre große Liebe, einen Jungen aus einer anderen Klasse, zu erobern… ausserdem ist der schon in festen Händen, was es nicht gerade leichter macht. So zieht Haru meistens mit einer ihrer besten Freundinnen durch die Stadt. Eines Tages rettet sie dabei eine Katze, die eine Art Päckchen in ihrem Maul trägt, vor einem nahenden Lastwagen. Dann passiert zu Haru’s Verwunderung etwas schier unglaubliches: die Katze stellt sich auf ihre Hinterbeine und beginnt mit ihr zu sprechen. Bevor Haru realisiert, was eigentlich los ist, ist die Katze auch schon wieder verschwunden – doch es bleibt nicht bei dieser einen merkwürdigen Begegnung. In der darauffolgenden Nacht erhält Haru unverhofft hohen Besuch… der König der Katzen zieht mit seinem riesigen Zug aus Dienern und Anhängern durch die Straßen, nur um Haru für die Rettung der Katze zu danken. Wie sich herausstellt, handelte es sich nämlich um den Prinzen des Katzen-Königreichs, dementsprechend groß ist Freude und die Dankbarkeit in Anbetracht der Rettung. Offenbar so groß, dass selbst Haru langsam wackelige Knie bekommt… sie soll als Belohnung den Prinzen zum Ehegatten nehmen, und später mit ihm gemeinsam über das Königreich herrschen… und das als Mensch !

Kritik: Studio Ghibli, die zwölfte… in der Tat sieht man mit Das Königreich Der Katzen eines der neueren Werke des japanischen Animationsstudios, welches auf einer früheren, hauseigenen Produktion aufbaut – dem 1995’er Anime-Werk Stimme Des Herzens. Jedoch ist kein Vorwissen nötig, um in den Genuss des märchenhaften Katzen-Spaßes zu kommen – lediglich eine der Hauptfiguren, der sogenannte „Baron“ nämlich, wurde damals als mysteriöse Katzenfigur erstmals gezeigt. Aber auch die Geschichte baut leicht auf dem „Vorgänger“ auf: in Stimme Des Herzens ging es um ein kleines Mädchen, welches ihre Fantasie und Vorstellungskraft nutzte, um ein Märchenbuch zu schreiben. Und so schließt sich der Kreis, denn in Das Königreich Der Katzen wird direkt auf dieses Mädchen Bezug genommen, indem gesagt wird, dass ihre Imaginationskraft so groß war, dass aus ihren Gedanken tatsächlich eine „neue“ Welt entstanden ist. Die liegt allerdings nicht direkt in unserer, sondern in einer Art Paralleldimension… in die Haru selbstverständlich im Verlauf des Films reist; beziehungsweise eher: reisen muss. Schließlich wird sie gezwungen, eine Ehe mit einem Katzenprinzen einzugehen, und daher von einer Meute Katzen in das sagenhafte Königreich entführt… welches sie in seiner Schönheit durchaus beeindruckt. Und alsbald wird deutlich: Das Königreich Der Katzen kommt wie eine bunte Mischung aus verschiedenen Märchen und Erzählungen daher, und beinhaltet dementsprechend allerlei bekannte Aspekte – aber auch einige neue.

Nach einigen eher grenzwertigen Genre- und Zielgruppenzuordnungen kann man im Fall von Das Königreich Der Katzen nun auch wieder von einem uneingeschränkt empfehlenswerten Anime für Kinder (und die ganze Familie) sprechen – explizite Gewaltszenen gibt es keine (als Gegenbeispiel Prinzessin Mononoke), die Aufmachung und der Inhalt wird auch jüngeren nicht als zu eintönig oder langweilige erscheien (als Gegenbeispiel Tränen Der Erinnerung), und die Geschichte wirkt durch den Märchen-Charakter expliziter auch eine deutlich jüngere Zielgruppe zugeschnitten (als Gegenbeispiel Porco Rosso). Diese Tatsache mag je nach Alter unterschiedlich bewertet werden – sicher, Erwachsene werden vergeblich nach ähnlichen episch-abenteurlichen und universellen Szenerien wie in Das Schloss im Himmel oder Prinzessin Mononoke suchen. Das Königreich Der Katzen ist also definitiv einer der weniger komplexen, weniger tiefsinnigen, weniger anspruchsvollen Werke aus dem Hause Ghibli. Aber genau das war (in diesem Fall) ja auch beabsichtigt. Die jüngeren Zuschauer (hierzulande offiziell ab 6) werden sich dementsprechend bedanken, und auch jung gebliebene Erwachsene werden sich ob der schick inszenierten Katzenwelt in eben selbige „entführen“ lassen. Wenn man sich dabei noch zusätzlich als Katzenliebhaber bezeichnen lassen kann, dann ist der Film wohl die erstbeste Wahl aus dem Anime-Bereich. Denn neben den menschlichen Aspekten (das Porträt eines Teenagers) bekommen natürlich auch die Katzen ihre entsprechende Zeit auf der Leinwand.

Ganz besonders auffallend sind – wie grundsätzlich immer bei Werken aus dem Hause Ghibli – wieder einmal die technischen Aspekte, vor allem die Optik. Die Farben wirken wunderbar bunt und klar, die Charaktere sind nett gezeichnet und insgesamt gut animiert, die Vermischung der Realität und des fantastischen Katzen-Reichs gelingt fabelhaft. Und auch der Soundtrack weiss diesen Eindruck zu untermalen. Und noch etwas fällt auf: der Film ist nicht nur locker-leicht inzeniert, sondern stellenweise auch richtig witzig. Noch witziger als etwa Meine Nachbarn Die Yamadas (ebenfalls von Ghibli), welcher allerdings eine explizite Anime-Komödie war. Den beinahe einzigen Negativaspekt kann man vielleicht schon erahnen, wenn man auf die relativ kurze Spielzeit schaut: viel Zeit für die Charaktervorstellung und – Entwicklung hat man sich nicht genommen. Dies ist besonders im Falle des „Barons“ schade: denn wenn man schon auf eine beliebte Figur aus einem früheren Anime zurückgreift, so sollte man doch wenigstens erwarten können, dass man mehr Informationen über den Charakter und seine Hintergründe erfährt – doch das ist leider nicht wirklich der Fall. Stattdessen verhält sich gerade der ehrenwerte Katzenbaron relativ steif und ernst, was in einem sehr einseitigen Porträt resultiert. Für die nötige Auflockerung sorgen dann eben die anderen Charaktere, vor allem der etwas dickliche Kater und sein freundschaftlicher Widersacher, eine Krähe. Auch die sonst so wichtige Moral der Geschichte wird leicht schwammig porträtiert: zwar geht es um die Aussage, dass man sich so akzeptieren muss wie man ist; und sein „ich“ eben niemals vergessen oder verleugnen darf (sinnbildlich dazu die Verwandlung Haru’s in eine Katze) – doch am Ende passiert dann doch alles recht schnell, und die Auswirkungen dieser „Feststellung“ von Haru auf die Realität wird nicht ganz so deutlich wie vielleicht beabsichtigt.

Fazit: Leicht zugängliche Anime-Unterhaltung für Jedermann – Das Königreich Der Katzen zählt sicher nicht zu den besten und zeitlosesten Ghibli-Werken. Aber dennoch wurde das Klassenziel erreicht, nämlich eine ganze Familie für 75 märchenhafte Minuten vor den Bildschirm zu fesseln, ohne dass dabei jemals ein Gefühl der Langatmigkeit aufkommt. Stattdessen kann man in diesem Anime zahlreiche (teils beleibte und etablierte, teils neue) Aspekte aus dem Märchen-Genre entdecken, die für ein Höchstmaß an Unterhaltung sorgen. Und selbst der „böse“ König und die erzwungene Heirat werden absolut kindgerecht porträtiert, sodass definitiv für den ein oder anderen Schmunzler (unabhängig vom Alter) gesorgt ist. Ein solider, kurzer Anime für den Filmspaß zwischendurch – aber natürlich kein unantastbares, nachhaltig beeindruckendes Meisterwerk wie Nausicaä, Die Letzten Glühwürmchen oder Prinzessin Mononoke. Aber die sind eben auch nur höchst bedingt für jüngere Zuschauer geeignet…

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6 Gedanken zu “Filmkritik: „Das Königreich Der Katzen“ (2002, Studio Ghibli #13)

    1. In der Tat… ich habe mir vorgenommen, die komplette Ghibli-Reihe durchzusehen und zu bewerten. Und damit bin ich nun auch schon fast fertig… noch 3 Filme, dann ist erstmal Schluss – und wohl auch wieder Zeit für was „reales“.

      Ach ja: Du bist gemein… 😉

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    1. Neinnein, das ist nicht der Prinz – das wäre die Hemmschwelle ja noch größer bei der Figur^^
      Das ist lediglich ein Freund des Barons, der aber auch eine nicht unwichtige Rolle spielt. Bei ihm kommt der (Bier-)Bauch aber ausschließlich vom Essen, hehe.

      Der eigentliche „Prinz“ achtet natürlich sehr auf sein äusseres, man sieht ihn aber selten… nur zu Beginn und am Ende des Films. Also quasi eine „Nebenrolle“. Ausserdem will er Haru gar nicht heiraten, dass hat der andere (auch so ein fetter) Kater organisiert, der auf dem unteren Bild…^^

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