Filmkritik: „Hüter Des Lichts“ (2012)

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Originaltitel: Rise Of The Guardians
Regie: Peter Ramsey
MitChris Pine, Isla Fisher, Alec Baldwin u.a.
Land: USA
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: Ab 6
Genre: Animationsfilm
Tags: Hüter | Sandmann | Weihnachtsmann | Osterhase | Zahnfee | Jack Frost

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann… ?

Kurzinhalt: Viele Kinder glauben an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die Zahnfee und das Sandmännchen. Doch was sie nicht wissen ist, dass die  vier nicht nur unabhängig voneinander agieren, sondern tatsächlich ein eingespieltes Team sind. Als HÜTER DES LICHTS bewahren sie die Unschuld und die Magie der frühen Kindheitstage. Doch haben sie einen gemeinsamen Feind: den hinterhältigen Boogeyman Pitch, der sich abermals aufmacht um gegen die Hüter anzutreten und Angst und Schrecken zu verbreiten. Dieses Mal scheint er einen besonders perfiden Plan zu haben: er will mit aller Macht dafür sorgen, dass der Glaube an die jeweiligen HÜTER DES LICHTS schwindet, und sich danach selbst zum neuen, alleinigen Herrscher über die Welt krönen. Er beginnt mit dem Sandmännchen, dessen schöne Träume er kurzerhand in Alpträume verwandelt. Der Mann im Mond jedoch beäugt das Ganze kritisch – und beschließt in Anbetracht der Notlage, den Hütern einen fünften Mann zur Seite zur stellen: Jack Frost. Der hadert jedoch mit sich selbst und vergleicht seine allgemeine Anerkennung ständig mit denen der anderen – gegen die er so gesehen einfach keine Chance hat. Letztlich müssen sich aber alle Hüter zusammenraufen, um überhaupt eine Chance zu haben. Glücklicherweise sind sie dabei nicht allein, denn auch die Kinder selbst spielen eine große Rolle im alles entscheidenden Kampf gegen das Böse.

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Kritik: HÜTER DES LICHTS stammt aus dem Hause Dreamworks, und stellt so gesehen ein weiteres Konkurrenzprodukt zu den Arbeiten aus dem Hause Disney / Pixar. Dass das Studio sowohl in optischen als auch inhaltlichen Belangen längst mit den ehemaligen Pionieren des Genres (TOY STORY, 1995) mithalten kann, steht dabei außer Frage. Grundsätzlich eher für tierisch-spaßige Unterhaltungsfilme a’la SHREK, MADAGASCAR oder KUNG FU PANDA bekannt, wagt man sich bei Dreamworks nun auch vermehrt an etwas universellere, gleichermaßen für Kinder und Erwachsene geeignete Stoffe – den Anfang markierten so gesehen DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT (2010, Review) oder auch MEGAMIND (2010, Review). Ein weiterer Titel dieser Riege ist nun HÜTER DES LICHTS – ein Film, der auf den ersten Blick wie ein typischer Kinderfilm zur Weihnachtszeit anmutet; sich bei näherer Betrachtung aber als absolutes Gegenteil entpuppt. Der Clou: die ‚Hüter‘ sind eine fantastische Gruppe aus bekannten Figuren, im weitesten Sinne den ‚Helden‘ aus Kindertagen – zu denen eben nicht nur der Weihnachtsmann; sondern auch das Sandmännchen, die Zahnfee und der Osterhase gehören. Und im besten Fall auch Väterchen Frost, der hier in Form des jungen Jack Frost’s auftaucht – und dem magischen Quartett nicht nur äußerst hilfreich zur Seite steht; sondern ihnen überraschenderweise gleich komplett die Show stiehlt. HÜTER DES LICHTS hat dabei 2 entscheidende Vorteile, die den Film so gesehen von einer Vielzahl an Konkurrenzfilmen abheben.

Der eine wurde bereits genannt – er besteht schlicht darin, dass der Film nicht wie sonst üblich nur eine einzige markante Figur begleitet, sondern gleich ein ganzes Quartett, beziehungsweise später Quintett. Was auf den ersten Blick so anmutet, als hätten es die Macher schlicht etwas übertrieben – denn wann sieht man schon einmal den Weihnachtsmann, den Osterhasen, das Sandmännchen und die Zahnfee Seite an Seite für das Gute streiten – stellt sich im Endeffekt als markantestes Merkmal des Films heraus. Denn: die Charaktere werden hier eben nicht einfach plump zusammengewürfelt um möglichst viele bekannte Vertreter in einem Film zu vereinen. Vielmehr bekommen sie alle das nötige Maß an Aufmerksamkeit zugestanden; und haben jeweils ihre kleinen bis pompösen, dabei stets fantasievollen Auftritte. Dabei sollte man aber keineswegs erwarten auf typisch-kitschige, glattgeschliffene Versionen der jeweiligen Helden zu treffen. HÜTER DES LICHTS rückt sie alle in ein etwas anderes, recht einzigartiges Licht – und spendiert ihnen weitaus mehr Ecken und Kanten, was sowohl den Unterhaltungswert als auch die Glaubwürdigkeit enorm steigert. Das beste daran ist jedoch, dass alle Charaktere – so markant und eigenständig sie grundsätzlich sind – wunderbar miteinander interagieren. So transportiert HÜTER DES LICHTS nicht nur die ‚Magie‘ eines einzelnen Anlasses; sondern fasst sie anhand dessen was sie verbindet zu einem umfassenden Ganzen zusammen.

Neben dem ohnehin schon turbulenten und äußerst unterhaltsamen Zusammenspiel der eben genannten Protagonisten findet sich der zweite Vorteil des Films überraschenderweise in einem einzelnen Charakter – dem von Jack Frost. In vergleichbaren Genrefilmen gab es selten eine Figur, die so interessant, so glaubwürdig, so gut ausgearbeitet wirkt – und sich dann auch noch Sympathiepunkte noch und nöcher einheimsen kann. Das schöne, und auch spannende: wo die anderen Charaktere zumeist relativ fix auf ihren jeweiligen Posten verharren, muss Jack Frost seine Bestimmung erst noch finden, beziehungsweise sie akzeptieren – indem er mit sich selbst und seiner Vergangenheit ins reine kommt. Und nicht nur das: er stellt sich auch als fähigster Gegenspieler des durch und durch bösen schwarzen Mannes heraus. So sorgt er nicht nur für einige markante, so noch nie dagewesene Actionszenen (das Aufeinandertreffen von Schatten und Eis) – sondern fungiert auch als vermittelndes Bindeglied zwischen dem Guten und Bösen. Doch auch er muss am Ende eine Entscheidung treffen…

Diese Aspekte sind zweifelsohne die bemerkenswertesten an und in HÜTER DES LICHTS. Doch auch neben den starken Charakteren und damit einhergehenden Entwicklungen hat der Film einiges zu bieten. Zum einen wäre da die Story – die so gesehen zwar nicht besonders innovativ ausfällt; aber ihren Zweck vollkommen erfüllt. Vor allem aber ist sie spannend erzählt, bietet so manchen Höhepunkt – und streut gerade im Hinblick auf das Finale immer mehr geradezu magisch verpackte emotionale Komponente ein. Diese befassen sich mit der Bedeutung von Magie, von kindlicher Unschuld und Vorstellungskraft im allgemeinen – und sind dabei angenehm universell gehalten; auch wenn in diesem Fall (verständlicherweise) die bekanntesten Figuren der westlichen, christlich geprägten Gefilde als Aufhänger verwendet werden.

Ebenfalls bemerkenswert ist das Zusammenspiel der verschiedenen Stimmungen, die sehr variabel und vielfältig ausfallen. Grundsätzlich dominiert ein schnelles Tempo mitsamt entsprechenden, wahnwitzigen Action-Parts – doch hier und da wird es auch mal etwas ruhiger, besonnener. Stets genial wirken die vielen Einfälle, die den Zuschauer immer wieder staunen lassen – vor allem die eindrucksvollen Fortbewegungsmaßnahmen der Charaktere. Gut ist auch, dass grundsätzlich nicht allzu viel herumgeblödelt wird: die kleinen Streitereien zwischen den Protagonisten wirken wohl dosiert, stets passend, und lockern das Geschehen angenehm (da eher dezent) auf. Wie auch die kleinen Gags und witzigen Elemente, die sich dann und wann im Hintergrund abspielen, wie bei den quirligen Weihnachtselfen und pelzigen Yetis. In HÜTER DES LICHTS sind es eben jene, die für die Erstellung der Geschenke zuständig sind – eine von vielen Ideen und Eigenheiten, die den Film insgesamt sehr stark von der Masse abzuheben wissen.

Dass bei vergleichbaren Genrefilmen vorschnell auf die optischen Eindrücke eingegangen wird, ist kein Wunder: nicht selten offenbaren sie ihre Qualitäten ausschließlich in Bezug auf dieses Kriterium, und eventuell noch den Soundtrack. HÜTER DES LICHTS aber zeigt in keinem Bereich Schwächen – er ist inhaltlich ansprechend, die Sprecher sind fabelhaft, der Soundtrack eingängig; und: er sieht verdammt gut aus. Bei einem immensen Budget von über 100 Millionen Dollar vielleicht auch kein Wunder, doch merkt man dem Film einen Hang zur Perfektion einfach an. er sieht mindestens genauso gut aus wie die bisherigen Dreamworks-Werke (Figuren, Detailreichtum, Animation) – doch durch die atemberaubenden Effekte gewinnt er zusätzlich an Reiz. Ein Mehrwert, der besonders gut in der 3D-Fassung, oder aber zumindest der hochauflösenden Blu-Ray-Heimausgabe zur Geltung kommt.

Fazit: Die letzte, alles entscheidende Frage lautet: kann man den HÜTER(n) DES LICHTS überhaupt etwas negatives abgewinnen ? Nun, nicht wirklich – es sei denn, man geht explizit ins Detail. Vielmehr ein stiller Wunsch als ein Negativkriterium ist, dass man dem mysteriösen ‚Mann im Mond‘ etwas mehr Aufmerksamkeit hätte zugestehen können. Der Film ist ein Genuss – vor allem in optischen Belangen, aber glücklicherweise auch in inhaltlichen.

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„Action- und Ideenreich, kindgerecht, magisch – HÜTER DES LICHTS ist ein Volltreffer.“

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Filmkritik: „Reise Nach Agartha / Children Who Chase Lost Voices“ (2011)

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Originaltitel: Hoshi O Ou Kodomo
Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Land: Japan
Laufzeit: ca. 116 Minuten
FSK: Ab 12 freigegeben
Genre: Animationsfilm (Abenteuer, Fantasy, Drama)
Tags: Agartha | Unterwelt | Erde | Leben | Tod | Quetzalcoatl | Paradies

Erhöre den Ruf aus der sagenumwobenen Welt Agartha…

Inhalt: Die junge Asuna gilt als besonders eifrige Schülerin. Auch im Haushalt hilft sie, wo sie nur kann – besonders, da ihre Mutter für den Lebensunterhalt der kleinen Familie, deren Vater viel zu früh verstarb; sorgen muss. Am liebsten zieht sie sich in ihre kleine Höhle zurück, die am Hang eines einsam gelegenen Berges liegt – und lauscht den Klängen, die sie mithilfe eines selbstgebauten Radios empfangen kann. Eine Melodie hat es ihr dabei besonders angetan – eine, die ganz anders ist als alles, was sie bisher gehört hat. Eines Tages aber gerät sie in eine gefährliche Situation: eine Art Monster taucht auf, welches im Begriff ist sie zu attackieren. In letzter Sekunde kann sie von einem mysteriösen Jungen gerettet werden, der sich als Shun vorstellt – und offenbar aus einem weit entfernten, fremden Land stammt. Sie freundet sich schnell mit ihm an – doch bevor sie ihn Tags darauf wiedersehen kann, verschwindet er plötzlich. Wenig später wird ein Junge nahe des Flusses tot aufgefunden – Asuna will es nicht wahrhaben, dass es ausgerechnet Shun getroffen haben soll. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Asuna’s neuer Vertretungslehrer scheint offenbar mehr über das kürzlich aufgetauchte Monster zu wissen, und weiht Asuna teilweise in ein großes Geheimnis ein. Dann taucht ein weiterer Junge auf, der Shun zum verwechseln ähnlich aussieht – es ist Shin, sein jüngerer Bruder. Der nimmt Asuna mit auf eine Reise ins Ungewisse – hin zu einem sagenumwobenen Tor, welches den Zugang zu einer anderen, verborgenen Welt offenbart – Agartha. Doch sie sind nicht allein – Asuna’s Lehrer, ein sogenannter Acrangeli, ist mit von der Partie; und verschafft sich ebenfalls einen Zugang. Er hofft, dass er hier eine Möglichkeit entdecken würde, seine verstorbene Frau von den Toten auferstehen zu lassen, um endlich nicht mehr allein sein zu müssen.


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Kritik: Der 2011’er Anime REISE NACH AGARTHA stammt von Makoto Shinkai, der sich unter anderem auch für die Animes VOICES FROM A DISTANT STAR oder 5 CENTIMETERS PER SECOND (Review) verantwortlich zeichnet. Wer die bisherigen Werke jenes talentierten Regisseurs und Drehbuchautors kennt, der weiss; dass er gerne aus dem Vollen schöpft – sowohl in einer gestalterischen, aber auch inhaltlichen Hinsicht. Und so ist auch CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES (der deutsche DVD-Titel – der schon wesentlich einzigartiger und spannender klingt als REISE NACH AGARTHA) ein bildgewaltiges Epos, welches allein in Bezug auf die visuellen und akustischen Eindrücke seinesgleichen sucht. Aber auch inhaltlich ist Makoto ein großer Sprung nach vorne gelungen. Im Gegensatz zu früheren (ebenfalls bildgewaltigen) Werken wie 5 CENTIMETERS PER SECOND, die sich eine eher subtile Erzählweise zunutze machten, geht er mit seinem bisher längsten Film erstmals in die Vollen – und präsentiert eine größere Bandbreite an behandelten Themen; verpackt sie geschickt unter dem Mantel des Abenteuer-Genres.

So wartet sein Werk CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES nicht nur mit einem großen Abenteuer und einem dementsprechenden Spannungsbogen auf, sondern präsentiert sich gleichzeitig als solide Coming-Of-Age-Geschichte mit interessanten Fantasy-Elementen. Der Vergleich mit dem großen Anime-Studio Ghibli ist dabei alles andere als abwegig – auch Makoto scheint darauf bedacht, eine möglichst reichhaltige Palette an Themen und Inhalten zu offerieren, die im besten Falle eine generationsübergreifende Wirkung entfalten. Und: auch er verpackt seine Geschichte in geradezu sagenhaften Bildern, die fantasie- und liebevoller nicht hätten ausfallen können. Doch irgendetwas ist dann doch anders in CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES. Vielleicht liegt dieser Eindruck darin begründet, dass der Film schlicht etwas erwachsener wirkt – und seine potentielle Zielgruppe so etwas deutlicher einschränkt, als dies die meisten Ghibli-Filme handhaben.

Dafür sprechen auch die vielen religiös-mythologischen Symbole, die hie und da eingeworfenen Begriffe – und letztendlich auch die gesamte Geschichte, die nicht unbedingt für einen Familien-Filmabend gemacht zu sein scheint, sondern vielmehr für vielseitig interessierte Jugendliche und Erwachsene. Denn auch wenn sie nicht wirklich als besonders tiefgreifend oder komplex zu bezeichnen ist spricht man doch eher Themen an, mit denen die allerkleinsten noch wenig anfangen dürften. Es geht um nicht weniger als das Leben und den Tod, den damit verbundenen Abschiedsschmerz; die Fähigkeit, einen geliebten Menschen trotz schwerer Trauer loslassen zu können – und letztendlich auch um das Bestreben einzelner, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Selbst, wenn sie sich dafür den Göttern widersetzen, oder zumindest die Macht einer sagenumwobenen Welt wie Agartha missbrauchen müssten – mit unterschiedlichen, nur schwer abschätzbaren Folgen. Sehr gewagt fiel in diesem Zusammenhang auch eine Darstellung aus, die einige bekannte Tyrannen und Diktatoren zeigte, die sich eben jener Macht bedienten – und dem Film nach nur so derart ‚erfolgreiche‘ Schreckensherrschaften anstreben konnten.

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Hierzulande erhielt der Film eine FSK 12 – eine durchaus berechtigte Einstufung, allein aufgrund der oben genannten Inhalte – aber nicht zuletzt auch der teils heftigen Gewaltdarstellung und den schaurigen Kreaturen. Solche bekommt man zwar auch in CHIHIROS REISE oder anderen Ghibli-Werken zu sehen – doch im Vergleich mit CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES wirken diese Darstellungen eher handzahm. Eine Frage stellt sich dann allerdings doch, gerade im Zusammenhang mit den eigentlich vermeidbaren Gewaltszenen: wenn man den Film schon so offensichtlich auf eine eher ältere Zielgruppe trimmte, warum ging man diesen Weg nicht auch konsequent ? Man hätte noch mehr aus den nur angeschnittenen Themen machen können, beispielsweise indem man sie intensiver ausführt. Besonders das Innenleben der jungen Asuna (die sich einstweilen etwas merkwürdig verhält – das heisst, ihrem Alter eher voraus) gerät so etwas undurchsichtig, und bietet letztendlich zu wenige Anhaltspunkte, um ein wirkliches Charakter-Verständnis zu ermöglichen. Das selbe gilt für ihren Lehrer und besonders die Organisation, für die er steht. So muss man sich damit zufrieden geben, dass er schlicht einen begründeten, selbstsüchtigen Alleingang wagt – was nicht von ungefähr ein wenig an NERV’s Gendo aus EVANGELION erinnert.

Eben dieser Vergleich trifft es auch recht gut, will man die Schwächen von CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES beschreiben: der Film lässt dem Zuschauer nicht wirklich eine Möglichkeit tiefer in die Materie einzusteigen – die im Endeffekt mit vielen guten Ansätzen aufwartet, aber doch etwas halbherzig, und in vielen Momenten einfach zu schnell abgehandelt wird (Stichworte: Quetzalcoatl, Azteken-Mythologie; und besonders spannend: Gnosis). So bleibt vor allem ein großes Abenteuer mit einer passenden Identifikationsfigur und einigen mystischen Elementen, und eine fabelhafte optische Inszenierung. Die Hintergrundzeichnungen, Animationen, Charakter- und Monsterdesigns fallen wahrhaft atemberaubend aus; sowohl die über- als auch unterirdischen Welten wirken geradezu malerisch, heimelig, und zu guter Letzt auf besondere Weise mysteriös und spannungserzeugend. Ein wohlklingender, stets passend erscheinender Soundtrack rundet den technischen Eindruck perfekt ab.

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Fazit: CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES hat letztendlich mehr von einem Ghibli-Film, als man vielleicht erwarten würde – und dennoch ist er erfrischend anders. Die interessante Mischung aus eher familienfreundlichen, traditionellen Inhalten und den markanten mystischen Elementen erinnert an die Blütezeit des Animes in den 80er Jahren; und entfaltet eine geradezu zeitlose Wirkung. Die Geschichte ist spannend, die Mischung aus eher actionreichen und ruhigen Momenten funktioniert tadellos, während einige Elemente im Zusammenhang mit den atemberaubenden Bildern eine wohlige Gänsehaut auslösen. Sofern man sich denn auf Makoto’s bisher bestes Werk einlässt, versteht sich – doch das sollte den meisten gelingen, selbst ohne großartige Anime-Vorkenntnisse. Das einzige Manko ist wohl der fragwürdige Ansatz, dass man den Film mit einem eigentlich unnötigen Gewaltgrad eher auf eine ältere Zuschauergruppe zuschneidet – dieses Bestreben aber nicht vollständig, das heisst in Bezug auf die Tiefe und Komplexität der Geschichte ausweitet. Gerade aus der spannenden und ungewöhnlichen Bezugnahme zum Gnostizismus (Link) hätte man einfach mehr machen können, machen müssen. Andererseits kann man dankbar sein, dass (komplexe) Themen wie diese überhaupt in einem Anime aufgegriffen wurden, und vielleicht noch werden. Sei es drum – CHILDREN WHO CHASE LOST VOICES ist ein Anime, den man nicht nur gesehen, sondern zweifelsohne in seiner Sammlung stehen haben sollte. Ein zweites oder drittes Anschauen wird den positiven Eindruck nämlich nicht mindern – eher im Gegenteil.

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„Bildgewaltiges, aber auch inhaltlich ansprechendes Anime-Epos für Erwachsene“

Filmkritik: „Das Schloss Des Cagliostro“ (1979)

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Originaltitel: Rupan Sansei: Kariosutoro No Shiro
Regie: Hayao Miyazaki
Mit: Yasuo Yamada, Kiyoshi Kobayashi, Eiko Masuyama u.a. (Sprecher)
Land: Japan
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: Ab 6 freigegeben
Genre: Animationsfilm (Action / Slapstick)
Tags: Lupin | Krieg | Familie | Geschwister | Vater | Liebe | Tod

Eines der ersten Werke des Anime-Großmeisters Miyazaki.

Inhalt: Nachdem Lupin und sein Kumpel Jigen gerade ein Staatscasino ausgeräumt haben, stellt sich die gemachte Beute als Falschgeld heraus. In ihrer Gangster-Ehre gekränkt versuchen die beiden, den Ursprung der Blüten zu ergründen. Ihr Weg führt sie dabei schnell in den kleinsten Staat der Welt, Cagliostro. Der hiesige Graf steht hier kurz vor einer Heirat mit Prinzessin Clarisse, die allerdings gegen ihren Willen festgehalten wird. So will er seine Machtposition festigen und das illegale Geschäft mit den Blüten weitertreiben – ohen dabei großartiges befürchten zu müssen, schließlich sind bereits zahlreiche Staaten eingeweiht. Lupin fasst kurzerhand einen Entschluss: nicht nur dass er den Geldfälschern ein für allemal das Handwerk legen will, auch die Prinzessin soll vor ihrem bösen Häscher gerettet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, greift der Erbe des legendären Meisterdieben zu einer eher ungewöhnlichen Methode: er sorgt dafür dass sein Erzfeind, der Interpolinspektor Zenigata, ebenfalls mit von der Partie ist. In all dem Durcheinander bahnt er sich seinen Weg in das Innere des riesigen Schlosses – und versucht, die Prinzessin aus ihrem gut gesicherten Turmgefängnuis zu befreien. Doch hat er die Rechnung ohne die Schergen des Grafen gemacht…

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Kritik: Der 1941 in Japan geborene Hayao Miyazaki, der im Jahre 1985 zusammen mit Isao Takahata das renommierte Studio Ghibli gründete; ist vielen expliziten Anime-Fans ein Begriff. Doch nicht nur denen – insbesondere die letzten Werke des Studios, wie PONYO (mit Miyazaki als Drehbuchautor und Regisseur, Kritik) und ARIETTY – DIE WUNDERSAME WELT DER BORGER (als Drehbuchautor, Kritik) sorgten dafür, dass seine Fangemeinde wächst und wächst. Am bekanntesten ist er hierzulande für seine Erfolgsfilme MEIN NACHBAR TOTORO (Kritik), PRINZESSIN MONONOKE (Kritik) und CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (Kritik) – doch gab es auch eine Zeit vor dem Studio Ghibli. Eine dieser filmischen Perlen ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO aus dem Jahre 1979; ein Anime, der auf die Manga-Serie LUPIN III zurückgeht. LUPIN ? Das klingt in mancherlei Ohren doch sicher schon bekannter als DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO. Sicher nicht von ungefähr, schließlich sind bereits drei japanische TV-Serien über den Enkel des Meisterdiebes Arsène Lupin aus den Romanen von Maurice Leblanc erschienen. Diese stammen aus den Jahren 1971-1972, 1977-1980 und 1984-1985; und haben somit auch schon einige Jahre auf dem Buckel.

Während eine deutsche Fassung der in Japan allseits bekannten und beliebten TV-Staffeln aber noch aussteht, hat es zumindest der Film geschafft; auch international durchzustarten. Und das erstmals in den späten 80er Jahren, damals noch unter dem Titel HARDYMAN RÄUMT AUF. Das Problem: der Film war stark geschnitten, erst 2006 wagte man sich bei Anime Virtual (Kazé) an eine entsprechend werkgetreue Veröffentlichung. Dabei ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO bereits der zweite LUPIN-Film – ein Jahr zuvor erschien LUPIN SANSEI: LUPIN VS FUKUSEI NINGEN, der hierzulande aber weitaus weniger bekannt ist. Hier dürfte auch der Miyazaki-Bonus eine Rolle gespielt haben; schließlich verkauft sich ein Anime mit einem entsprechend großen, dahinter stehenden Namen einfach besser. Im vorliegenden Fall handelt es sich indes um alles andere als bloße Effekthascherei: DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO hat es, wie die gesamte LUPIN-Reihe, schlicht in sich.

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Und das liegt vor allem an der äußerst sympathischen Darstellung der Hauptprotagonisten. Es ist schlicht eine wahre Freude, den durchtriebenen Lupin und seine Kollegen dabei zu beobachten; wie sie sich stets neue Tricks und Kniffe einfallen lassen und diese natürlich auch direkt in die Tat umsetzen. Alles, um dabei ein bestimmtes Ziel zu erreichen – in diesem Falle die Rettung einer Prinzessin und die Aufdeckung eines Geldfälscher-Skandals. Wenn nebenbei auch noch der ein oder andere Schatz herausspringen sollte, umso besser. Sicher wäre das keine Aufgabe für einen gewöhnlichen Dieb – gut also, dass Lupin alles andere als ein solcher ist. Gerade aus besagtem Zusammenspiel, den Hauptcharakter in der Öffentlichkeit als gesuchten (und vielleicht auch gefährlichen) Dieb abzustempeln und den Zuschauer daraufhin seine wahre Natur erkennen zu lassen; lebt auch DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO. Eine entsprechend unterhaltsame Angelegenheit – die sich weit weg von einem plumpen Slapstick bewegt, auch wenn Lupin und Co. sicher auch gerne mal in das ein oder andere Fettnäpfchen treten. Wenn dann auch noch Lupin’s eigentlicher Gegenspieler, der Interpol-Inspektor Zenigata das Schlachtfeld betritt, ist das Chaos perfekt – und die Lachmuskeln entsprechend herausgefordert.

Das alles wäre indes nur halb so schön, hätte DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO nicht noch so viel mehr zu bieten. So ist das zweite markante Highlight und Qualitätsmerkmal neben den durch und durch charmanten Charakteren eindeutig die spannende Kulisse – in diesem Fall ein riesiges, prunkvolles Schloss. Hier wurde wahrlich mit einer erstaunlichen Liebe zum Detail gearbeitet, und etwaige Kinderfantasien bestens bedient. Seien es Geheim- und Falltüren, verwinkelte Gänge, Wassergräben, ein Turmgefängnis, ein Rüstungszimmer, düstere Katakomben – alles, was man sich beim Anblick eines solchen Schlosses wie dem hier gezeigten vorstellen könnte, wird auch gezeigt und entsprechend in Szene gesetzt. Das fördert nicht nur die Spannung und den ganz eigenen Flair des Films, sondern sieht schlicht gut aus; den qualitativen und farblich satten Zeichnungen sei Dank. Ebenfalls hervorheben sollte man, dass beinahe nichts was in DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO gezeigt wird, nicht auch genutzt wird. Anders gesagt: die Charaktere interagieren mit ihrer Umgebung, und das nicht zu knapp. Man taucht durch eine lange Bewässerungsanlage, gerät in riesige Zahnradwerke, versucht aus Fallen zu entkommen, begeht das Schloss auch von außen – und vieles mehr.

Wenn man Miyazaki’s Werk DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO überhaupt etwas schlechtes nachsagen kann, dann betrifft das eventuell den etwas gewöhnungsbedürftigen Auftakt. Schließlich werden die Charaktere kaum vorgestellt, und die erste Verfolgungsjagd ist längst nicht so einzigartig und stilsicher inszeniert wie der Rest des Films. Ersteres ist aber nicht wirklich dem Film selbst geschuldet – sondern vielmehr dem Veröffentlichungskontext. Als der Film in Japan aufgeführt wurde, wussten die Zuschauer schließlich schon recht genau Bescheid über Lupin und das dazugehörige Handlungsuniversum; während man hierzulande quasi noch immer auf dem Schlauch steht. Zweiteres ist spätestens dann vergessen, wenn die Charaktere erstmals das Schloss erblicken – ab diesem Zeitpunkt gewinnt der Film mehr und mehr an Fahrt, wird immer aberwitziger, bunter und stilsicherer. Und, das ist ganz wichtig: ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Da sei selbst verzeihen, dass Lupin in einer Szene mit einem Sprung eine stattliche Distanz von etwa 30 Metern überwinden, und desöfteren auch steile Wände hinablaufen kann – solche Elemente gehören (wie auch die übertriebene Verfolgungsjagd) einfach zum Franchise dazu.

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Dass der Film in vielerlei Hinsicht auffällig kindgerecht ausgefallen ist, darüber könnte man sich streiten – sicher hätte eine etwas düsterere Aufmachung, sowie eine nicht ganz so ‚geschönte‘ Form der Gewalt dem Film ebenfalls nicht schlecht getan. Doch hier zeichnet sich der Werdegang Miyazaki’s eben schon recht gut ab – er wollte seit jeher Filme und Serien für die ganze Familie kreieren, alters- und generationsübergreifende Werke erschaffen. Ein solches ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO allemal geworden – dass der Anime dabei letztendlich etwas harmloser als so manches Vergleichswerk daherkommt, stört überhaupt nicht. Auch die technische Inszenierungsqualität spricht dabei für sich. Sicherlich ist das hier zur Schau gestellte heute längst nicht mehr als Nonplusultra zu bezeichnen, doch ist ein charmantes original oftmals angenehmer als eine glattpolierte Neuauflage. Und überhaupt: die Farben wirken herrlich kräftig, Details sind ebenso vorhanden wie Lichtspiele und ausufernde Slapstick-Szenen; während die Hintergründe (ganz Miyazaki-typisch) geradezu phänomenal ausfallen. Wie in seinen späteren Filmen ist man geneigt, sich die ein oder andere Szene extrahieren und als Gemälde verewigen zu wollen. Ein guter Soundtrack und ein hervorragender Schnitt, der weder zu hektisch wirkt noch den Filmfluss bremst, runden das Ganze ab.

Fazit: DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO schafft es mit Leichtigkeit, sowohl die Fantasie als auch die Lachmuskeln anzusprechen und den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fabelhaft zu unterhalten. Dabei spielen weder das Alter, noch das Geschlecht oder die Herkunft eine Rolle – Myiazaki vermochte es schon früh, seine Botschaften entsprechend universell zu vermitteln und ganze Familien wie gebannt vor dem Bildschirm zu versammeln. Die hier erzählte, herrlich erfrischende Räuber- und Gendarmengeschichte lebt von ihren spritzigen, zutiefst unkonventionellen Charaktären und dem tollen Setting; und lässt gerade in Anbetracht des Veröffentlichungsjahres viele Konkurrenten blass aussehen. Auch, oder gerade heute noch. Schließlich handelt es sich um einen Anime, der sich nicht aufgrund seiner technischen Qualität als zeitloses Meisterwerk qualifiziert – sondern aufgrund des rundum stimmigen Gesamtpaketes.

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Filmkritik: „From Up On Poppy Hill“ (2011, Studio Ghibli #18)

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Originaltitel: Kokurikozaka Kara
Regie: Gorō Miyazaki
Mit: Junichi Okada, Masami Nagasawa, Haruka Shiraishi u.a. (Sprecher)
Land: Japan
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: Ab ? freigegeben
Genre: Animationsfilm (Drama)
Tags: Japan | Krieg | Familie | Geschwister | Vater | Liebe | Tod

Das Studio Ghibli auf gewohnten Pfaden.

Inhalt: Japan in den 1960ern. Das 14-jährige Schulmädchen Umi Matsuzaka hat es seit dem Verschwinden ihres Vaters nicht leicht. Noch immer hisst sie in der stillen Hoffnung auf dessen Rückkehr jeden Morgen die Signalflaggen vor dem Haus – andererseits aber ist sie sich gewiss, dass er vor Jahren im Krieg umgekommen sein muss. Nachdem ihre Mutter für einige Zeit beruflich nach Amerika gereist ist, liegt es beinahe allein an ihr den Haushalt zu führen – und nebenbei auch noch die Schule zu meistern. Eines Tages erfährt sie davon, dass ein bestimmtes Clubhaus auf dem Gelände abgerissen werden soll, und lernt bald darauf den jungen Shun Kazama kennen. Sie verliebt sich in ihn – und beschließt, gemeinsam mit ihm und zahlreichen anderen Schülern einen letzten Versuch zu unternehmen, das Clubhaus zu retten. Doch bald darauf erfährt sie mehr über Shun und ihre eigene Vergangenheit, sodass die Beziehung der beiden auf eine ganz besondere Probe gestellt wird.

Kritik: Endlich geht es weiter im GHIBLI-Universum – zumindest hier auf diesem Blog. Eigentlich erschien FROM UP ON POPPY HILL bereits Ende 2011 – jedoch nur in den japanischen Kinos; was mitunter auch der Grund für die verspätete Weiterführung der GHIBLI-Rezensionen (siehe Special hier) ist. Allerdings: ein großflächiges internationales Release des nunmehr 18.ten offiziellen Ghibli-Animes (Kurzfilme nicht mit eingeschlossen) steht noch immer aus. Das ist durchaus etwas merkwürdig, hatte man doch zuvor mit Filmen wie PONYO und ARIETTY – DIE WUNDERSAME WELT DER BORGER auch hierzulande entsprechende Erfolge feiern können. Lediglich einige wenige Länder kamen bisher in den Genuss des neuen Films – wie etwa Frankreich. Immerhin scheint ein DVD- und BluRay-Release nun auch in den USA greifbar zu werden: am dritten September diesen Jahres soll es dort soweit sein. Ob es später auch eine deutsche Fassung geben wird; darüber wird derzeit gestritten – es scheint beinahe sicher, doch wann genau; das ist eine ganz andere Frage.

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Eine beinahe ebenso wichtige wie die nach der Qualität des Films selbst. Lohnt sich das Warten auf ein entsprechendes Release, ja; zählt FROM UP ON POPPY HILL gar zu den besten der bisherigen GHIBLI-Filme ? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die bisherige GHIBLI-Filmografie. Nicht nur zwecks etwaiger Vergleiche – sondern auch, um den Film bestmöglich thematisch einzuordnen. Somit können potentielle Interessenten bereits vorab auf den Film aufmerksam gemacht werden – während sichergestellt ist, dass andere nicht allzu bitter enttäuscht werden. Denn eines ist sicher: FROM UP ON POPPY HILL ist einer der weniger magischen, weniger fantastisch orientierten GHIBLI-Filme. Und: er ist insgesamt weniger für eine deutlich jüngere Zuschauergruppe geeignet, wie es beispielsweise PONYO war. Was nicht heissen soll, dass es sich automatisch um einen schlechteren Anime handelt – es soll lediglich auf die ungefähre Marschrichtung des Werkes hingewiesen werden. Dieses bewegt sich am ehesten im bodenständigen Drama-Bereich, und behandelt neben familiären Konstellationen vor allem auch ganz allgemeine Werte, die einen gehobenen Stellenwert in der japanischen Gesellschaft haben (Zusammenhalt, Zugehörigkeit; vorsichtig: traditionelle Rollenverteilung). Regie übernahm indes Goro Myazaki – der Sohn des eigentlichen Ideengebers und Anime-Genies Hayao Myazaki. Goro hatte sich zuvor schon mit DIE CHRONIKEN VON ERDSEE (Kritik) beweisen können – FROM UP ON POPPY HILL ist sein zweites Werk als Regisseur.

Die Chancen für den Film stehen dabei alles andere als schlecht – wie bei grundsätzlich allen GHIBLI-Werken. Denn obwohl das Studio hauptsächlich für die eher episch-fantastischen, alle Generationen gleichermaßen ansprechenden Geschichten bekannt ist (DAS SCHLOSS IM HIMMEL, PRINZESSIN MONONOKE, CHIHIROS REISE), sind unter der Leitung der renommierten Zeichenschmiede auch einige hochkarätige Dramen erschienen. Etwa das zeitlos-grandiose Antikriegsdrama DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN (Kritik) oder das stark realitätsbezogene Charakter-Drama TRÄNEN DER ERINNERUNG (Kritik), um nur zwei Beispiele zu nennen. Mit eben jenem Werk, und eventuell noch FLÜSTERN DES MEERES ist FROM UP ON POPPY HILL letztendlich auch am ehesten vergleichbar. Angesiedelt vor einem Schul-Setting um ein bestimmtes Clubhaus, welches eine kleine Gruppe von Schülern unbedingt erhalten möchte (es droht ein Abriss); meistert die junge Umi voller Tatendrang ihren Schul- und Hausarbeitsalltag – und verliebt sich kurz darauf in einen ihrer Mitschüler, Shun. Stets bedacht auf einen ernsten und zutiefst ehrlich wirkenden Unterton verknüpft man hier eher lockere und teils witzige Alltagsszenen (das gesamte Gebaren um das Clubhaus und die ausufernden Podiumsdiskussionen) mit tieferen Drama-Elementen. Diese beziehen sich vor allem auf die familiäre Situation von Umi, die früh ihren Vater verloren hat; und bieten so einiges an Potential.

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Wie auch die Geschichte von Shun; Umi’s neuer Liebe. Hier beweist das Studio GHIBLI erneut ein enormes Fingerspitzengefühl: plump wirkt hier nichts, vielmehr absolut authentisch und wunderbar gemäßigt dargestellt. Man meint so fast, die Schüchternheit der Charaktere in sich spüren zu können – eine bloße Effekthascherei oder perfide Symbolik sucht man vergebens. Der eigentliche Clou des Films ist letztendlich, dass er für eine kompromisslose Liebe plädiert; und überdies seine Charaktere lebendiger und in ihrem Handeln nachvollziehbar darzustellen vermag als so mancher Real-Film.

Umso schwerer fällt es, auf die Schattenseiten des Films einzugehen – denn eigentlich hat er keine expliziteren. Und doch gibt es da etwas, was dem Film seine Faszinationskraft raubt, ihn eher zu einem gewöhnlichen Anime denn zu einem unverwechselbaren GHIBLI macht. Natürlich bleiben die typischen Charakteristika (vor allem die optischen) erhalten – der Detailreichtum ist enorm, die Zeichnungen und Animationen wie gewohnt von hoher Qualität. Doch ist es vor allem der etwas zu willkürlich und belanglos wirkende Ansatz, der den Film zu allem macht – nur zu keinem überragenden Meisterwerk. Das Setting in den 60er Jahren ist gut gewählt, und die Kriegsthematik wird dezent mit in das Handlungsuniversum einbezogen – aber dennoch, so richtig mitreissen will das Gezeigte nicht. Etwas zu blass bleiben auch die Charaktere, die offenbar kaum Ecken und Kanten haben – noch weniger, als man ohnehin schon von GHIBLI gewöhnt ist. Folglich erscheint die Welt in FROM UP ON POPPY HILL sehr heil und gleichförmig fließend, ohne dass man markante und in Erinnerung bleibende Höhepunkte (wie bei grundsätzlich allen bisherigen GHIBLI-Filmen) eingeplant hat.

Gerade das Porträt von Umi wirkt so stellenweise doch etwas weit hergeholt: wie sie es schafft, all die ihr auferlegten Aufgaben zu meistern – in Anbetracht des Todes ihres Vaters und der Nicht-Anwesenheit ihrer Mutter – ohne psychisch oder physisch zusammenzubrechen, bleibt ein Rätsel. Schließlich handelt es sich hier um ein erst 14-jähriges Mädchen – dass sie nicht einmal einen größeren Gefühlsausbruch durchlebt, scheint etwas merkwürdig. Die (potentielle) Crux: ähnlich wie in anderen Ländern scheint man hier nicht immer ganz so akzeptable Botschaften zu verpacken, ob nun absichtlich oder nicht. Wo in den USA selbige Nation möglichst darauf bedacht ist, gut in entsprechenden Werken wegzukommen (gerne auch im Zusammenspiel mit der Armee und der Position als friedliebende Weltmacht), scheint man in Japan schon früh das Gefühl vermitteln zu wollen, dass alle Mitglieder der Gesellschaft möglichst akkurat zu funktionieren haben. Und was bietet sich da besser an als ein Film, der von der Aufmachung und Thematik her insbesondere an ältere Kinder / Jugendliche adressiert ist ? All das mag vielleicht nicht zu 100% auf FROM UP ON POPPY HILL zutreffen – doch handelt es sich um ein auffälliges Merkmal; eines das hier weitaus deutlicher hervorsticht als in allen anderen GHIBLI-Filmen zusammen.

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Fazit: FROM UP ON POPPY HILL ist vor allem etwas für Freunde des anspruchsvollen, aber dennoch möglichst zugänglichen Charakter-Dramas. Man sich recht gediegen – was einerseits die große Stärke des Animes (Glaubwürdigkeit, Realitätsbezug; teilweise: entstehende Empathie) ist, ihn andererseits aber auch zu einem Werk macht, welches man nicht unbedingt gesehen haben muss. Zumindest in Bezug auf die GHIBLI-Filmografie, die diesbezüglich mit so manch hochkarätigerem Werk aufzuwarten weiss – ob nun eher fantastisch angehaucht oder nicht. Stellenweise hat man unweigerlich das Gefühl, als wäre der Anime etwas zu glattgeschliffen, zu gewöhnlich; und vor allem auch zu langatmig ausgefallen. Und vor allem: etwas zu beliebig was die Geschichte angeht (Clubhauserhaltung + Nachkriegsdrama + Selbstfindung + Erste Liebe); potentiell fragwürdige Botschaften (sieh oben) inklusive. Hier hat man gerade aus dem Hause GHIBLI schon ausgefeilteres, spannenderes und in sich stimmigeres erleben dürfen. Nichts desto Trotz bleibt FROM UP ON POPPY HILL ein gerade noch überdurchschnittliches Drama, gesetzt dem Fall man besitzt ein entsprechendes Durchhaltevermögen.

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Filmkritik: „Evangelion Q / 3.0 / 3.33 – You Can (Not) Redo (2013)

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Originaltitel: Evangerion Shin Gekijôban: Kyu
Regie: Hideaki Anno, Mahiro Maeda, Kazuya Tsurumaki
Mit: /
Land: Japan
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Drama, Science Fiction, Action
Tags: Evangelion 3.0 | Evangelion Q | You Can (Not) Redo | Sequel | Rebuild

Dass man das noch erleben darf…

Vorwort: Geht die Welt nun unter oder nicht ? Eine Frage, die gegen Ende 2012 viele beschäftigte – nur nicht die weltweiten EVANGELION-Fans, die mit einem leichtem Argwohn hinüber nach Japan blinzelten. Schließlich wurde EVANGELION 3.0 ab dem 17. November 2012 in den dortigen Lichtspielhäusern aufgeführt – ohne Hinweise darauf, wann man auch international nachziehen würde. Und so stellte sich ein merkwürdiges Gefühl aus Neid und Freude darüber ein, dass die Japaner den neuesten Teil der REBUILD-Reihe schon lange vor allen anderen genießen konnten. Sicher ist das nicht weiter verwunderlich; da das Franchise nun einmal in Japan zuhause ist und seit jeher keine internationalen Kino-Aufführungen geplant waren oder sind – und dennoch stimmt es viele Fans eher wehmütig. Und dann das: erst vor ein paar Tagen, und damit gerade einmal 5 Monate nach dem Kino-Debüt; erschien EVANGELION 3.0 (in diesem Fall die überarbeitete Version 3.33) auch schon auf DVD und Blu-Ray. Allerdings: natürlich ging es hierbei ausschließlich um das japanische Release. Wann und wo man international zuerst durchstarten wird, steht noch immer in den Sternen – eigentlich eine mittelgroße Frechheit, die viele nicht-japanische Fans zu Recht verärgert und im schlimmsten Fall zu etwaigen inoffiziellen Versionen greifen lassen wird. Verständlicherweise – denn wie lange sollen die internationalen Fans den Japanern noch hinterherhinken ?

Die Kluft, die damit in Bezug auf die internationalen Fan-Scharen entsteht (und das nicht nur in Bezug auf Foren, wo sich die nunmehr Wissenden von den unfreiwillig Wartenden entsprechend abgrenzen) ist eine markante und ärgerliche – doch es scheint, als sei keine Besserung in Sicht. Offenbar kümmert es die Verantwortlichen nur wenig, wie EVANGELION in internationaler Hinsicht aufgefasst wird – leider. Und so wird wohl noch einige Zeit verstreichen, bis endlich die deutsch synchronisierte Fassung erscheint. Im schlimmsten Fall wäre das ohne Zweifel in der zeitlichen Nähe des Kinostarts von EVANGELION 4.0 in Japan. Zwischenzeitlich gab es allerdings auch schon etwas hoffnungsvollere Berichte, die von einem Release im Oktober 2013 sprechen (Link). Und so bleibt vielen Fans der (sofortige) Genuss von EVANGELION 3.0 nur über Umwege vorbehalten – etwa, indem man sich die offizielle japanische Blu-Ray zulegt und auf von Fans erstellte Untertitel zurückgreift. Auch wenn das unweigerlich bedeutet, weitaus mehr Kosten (Import) und Mühen zu investieren als in anderen Fällen. Doch was tut man nicht alles als EVANGELION-Fan ? Auch wenn sich demnach jeder, der die ersten beiden Filme bereits gesehen hat automatisch auch den dritten ansehen wird; soll dieses Review den neuen EVANGELION-Film schon einmal im Detail beleuchten. Die Frage ist, ob sich Hideaki Anno’s neuestes Werk auch inhaltlich und unabhängig beweist – und etwaige positive Gefühle nicht nur aus der endlich abgeschlossenen Wartezeit resultieren.

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Inhalt: Seit dem gerade noch rechtzeitig unterbundenen Third Impact, der durch den jungen Shinji Ikari und seine Rettung Rei Ayanami’s als Katalysator ausgelöst wurde; sind 14 Jahre vergangen. Shinji kann er erst jetzt aus Evangelion 01 geborgen werden, und erkennt, dass sich vieles verändert hat. Die Welt, um die er einst kämpfte; scheint inzwischen völlig zerstört. Doch nicht nur das: Misato Katsuragi, seine ehemalige Vorgesetzte; scheint nur noch Verachtung für ihren ehemaligen Schutzbefohlenen übrig zu haben – und freut sich demnach nicht über dessen Rückkehr. Auch scheint die Rei, die Shinji so beherzt zu retten schien, verschwunden – stattdessen begegnet er einem ihrer gefühlskalten Klone. Als dann auch noch der rätselhafte Kaworu Nagisa offenbar auf das Geheiß von SEELE auftaucht, ist das Chaos perfekt. Für den weiteren Werdegang und das Schicksal der Erde – aber auch für das Gefühlsleben von Shinji, der nicht mehr weiß für wen oder was er sich noch einsetzten, geschweige denn kämpfen sollte.

Einleitung: Ganze 3 Jahre ist es her, dass EVANGELION 2.22 (Review) auf dem deutschen Markt erschien. Ein Film, der den zweiten Teil der REBUILD-Reihe markierte, und nach dem eher zusammenfassenden EVANGELION 1.0 (Review) die Grundhandlung der Originalserie von 1995 (Review) schon weitaus stärker abänderte. Und so ist es auch kein Wunder, dass auch der neue EVANGELION diesen neuen, spannenden Pfaden folgt. Wohlgemerkt: weder EVANGELION 2.22 noch EVANGELION 3.33 erzählen das EVA-Universum völlig neu – diverse Theorien sehen vor, dass die neuen Filme zeitlich nach den Ereignissen der Serie (sowie dem Film THE END OF EVANGELION, Review) anzusiedeln sind. Nicht nur allerlei explizite Hinweise und der Inhalt, sondern auch die gesamte Aufmachung und Strukturierung der REBUILD-Reihe sprechen da für sich: so markierte EVANGELION 2.22 – quasi, und wenn man so will – die Action-Arc der Serie. Und was würde wohl hierauf folgen; betrachtet man insbesondere das letzte Drittel und Viertel der Originalserie ? In der Tat – die berühmt-berüchtigt gewordenen Charakterstudien, surreal inszenierte Selbstkonfrontationen und allgemein eher ruhige (aber ebenso intensive) Erzählmomente. Noch mehr wird davon voraussichtlich im finalen vierten Teil der REBUILD-Reihe zu sehen sein – EVANGELION 3.33 macht so gesehen schon einmal den Anfang.

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Kritik: Und das merkt man dem Film zweifelsohne an: im direkten Vergleich mit dem Vorgänger ist er eigentlich kaum wiederzuerkennen. Die bombastischen EVA-Kämpfe, die wahnwitzigen Actionszenen und das Gefühl einer akuten Bedrohung weichen nun einer eher desolaten, auffallend düsteren Stimmung. Natürlich gibt es hie und da – wie besonders zu Beginn und zum Ende – auch hier einige grandiose, pompös inszenierte Kampfszenen – doch wirken selbst diese nicht mehr so entscheidend, bedeutend oder herausragend. Sie fügen sich vielmehr in den apokalyptischen, düsteren Kontext des Films ein – und lassen den Zuschauer darüber hinaus über weite Strecken eher ratlos zurück. Denn, und das ist ein echtes Problem: die Story sieht vor, dass seit den Ereignissen aus dem zweiten Teil satte 14 Jahre vergangen sind. Eine mutige, spannende Idee; aus der man sicher einiges hätte machen können – doch hapert es an der Umsetzung. Sicher ist es noch kein Kritikpunkt, die Ereignisse aus EVANGELION 3.33 nicht direkt an die finalen Szenen aus EVANGELION 2.22 anknüpfen zu lassen – doch wenn man dabei grundsätzlich alle relevanten, geradezu brennenden Fragen über Bord wirft, schon eher. Niemand hat eine Entschlüsselung des EVA-Kosmos erwartet; schließlich ist es gut, dass das Franchise so nachhaltig begeistert und zum Sinnieren, Interpretieren, Philosophieren einlädt – doch langsam aber sich führt man dieses Konzept ad absurdum. Zumindest in Bezug auf den neuen, dritten Teil. Wie man derlei Probleme im vierten lösen wird, ist bekanntlich noch offen.

Auch wenn es etwas schwerfällt, derart negativ in eine Rezension zu einem Film wie EVANGELION 3.33 einzusteigen, sollten etwaigen (teils wirklich auffälligen, leider) Negativaspekten in einem Komplettreview natürlich auch Raum gegeben werden. Selbstverständlich gibt es auch viele Dinge, die im Gegensatz dazu gelungen erscheinen – doch dazu später mehr. Erst einmal soll es um den ersten, unmittelbaren Eindruck gehen, den EVANGELION 3.33 in Bezug auf den erwartungsvollen Zuschauer entfaltet. Und: in der Tat ist selbige Wirkung eine eher kontextlose, wenn nicht gar vollkommen Fremdkörper-artige. Teilweise ist genau dieser Eindruck beabsichtigt, begleitet man einen ebenso ratlosen Shinji auf seiner Odyssee in einem ihm nunmehr fremden Land – doch auf einen ganz so verlorenen Posten wie ihn eben jener Hauptprotagonist innehat hätte man den Zuschauer nicht abschieben sollen. Jene vielleicht noch etwas unklar wirkenden Aussagen können so im ersten wahrhaften Kritikpunkt von und an EVANGELION 3.33 kumuliert werden, den…

Charakterporträts und -Interaktionen.

Die Rebuild-Reihe bewegt sich langsam aber sicher weg von der knalligen Action; hin zu einem ruhig-verstörenden Ansatz, wie er auch schon in der Originalserie zelebriert wurde. Warum man diese Schiene aber nicht kontinuierlich fährt, bleibt ein Rätsel. Denn ausgerechnet die Charakterporträts von EVANGELION 3.33 sind schwach. Verdammt schwach – auch in Anbetracht dessen, dass die neuen REBUILD-Filme noch nie ausgefeilte Charakterstudien anboten. Was insbesondere für EVA-Fans hart klingt, lässt sich dabei an vielen handfesten Elementen festmachen. Element 1 wäre in diesem Fall Shinji, der auch im dritten Teil eine große Präsenz zeigt. Aber eben eine recht willkürlich erscheinende, selten nachvollziehbare. Nicht nur, dass er weniger verstört scheint als er es eigentlich sein müsste – er stellt zudem kaum Fragen, wirkt allgemein wenig interessiert und hat kaum Gefühlsausbrüche. In Anbetracht dessen was alles passiert ist, eigentlich eine Unmöglichkeit. Hier versucht EVANGELION 3.0 nun, eine Art Depression (wie man sie schon aus der Serie kennt) einzuschieben – einen Shinji, der sich verkriecht und von der Außenwelt abschottet. Ein Versuch, der jedoch nicht wirklich überzeugend wirkt; und nicht über die vielen charakterbezogenen Durststrecken hinwegtröstet. Das zweite Element bezeichnet demnach alle anderen Charaktere – die in EVANGELION 3.33 noch mehr zu Randfiguren werden als ohnehin schon.

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Ärgerlich: die eindimensionale Charakterzeichnung, die entweder aus der nicht vorhanden Screentime oder schlicht einer falschen Schwerpunktauslegung resultiert. Seien es Misato (in einer neuen Funktion), Asuka oder Gendo – hier gibt es wahrlich nicht viel zu holen. Alle erscheinen durchweg unsympathisch und geben nur wenige Sätze von sich. Wie immer gilt: teilweise sollte dies beabsichtigt sein. Doch warum sollte man nicht – und wenn auch nur ansatzweise – ein wenig davon zeigen, was sich hinter den Kulissen abspielt ? Bisher hatte man dies doch eigentlich gut gelöst; wie etwa mit den kryptischen Gesprächs-Szenen von SEELE mit Gendo oder Kaworu. In EVANGELION 3.33 gibt es so kaum noch Hinweise auf die Ambitionen der jeweiligen Hintermänner – wer für was steht und warum, bleibt ein Mysterium. Sicher ist nur, dass hinter all dem was im weiteren Verlauf des Films geschieht, trotz allem ein großer Plan zu stecken scheint – ein Merkmal welches auch der Originalserie innewohnte. Während man dem Zuschauer aber damals noch ausreichend Anhaltspunkte anbot, und ihn so für allerlei spannende Machtkämpfe sensibilisierte; fehlt dieses Element in EVANGELION 3.33 völlig. Was wiegt nun schwerer – das, oder aber die Tatsache, dass man stattdessen einige neue, allerdings völlig unbedeutende Charaktere auf der Bildfläche erscheinen lässt ? Dabei geht es vornehmlich um die gesamte WILLE-Crew (mit Ausnahme von Misato und Ritsuko), von der man – wenn es gut läuft – zumindest noch die Namen erfährt. Das war es dann aber auch schon gewesen – wie die Crew entstand und warum, bleibt offen.

Doch es geht weiter. Auch wenn die weibliche Charakter-Fraktion von EVANGELION schon immer umstritten war; ist sich ein Großteil der Fans über den in EVANGELION 2.22 eingeführten Charakter von Makinami Mari Illustrious einig. Und zwar in der Hinsicht, dass er absolut überflüssig ist. Jene Mari fungiert auch im neuen Film nur als Unterstützerin in Gefechten, hat aber sonst wenig zu melden. Überhaupt bleibt es fraglich, wie sie ihren bisherigen Status aus quasi-Außenseiterin ablegen und sich derart gut in die neue Crew integrieren konnte. Eine weitere von vielen erzählerischen Lücken; die in jedem Fall gravierender wiegt als die kargen Porträts von Rei und Asuka. Schließlich gibt es über Rei tatsächlich nicht viel zu erzählen (sie ist ein neuer Klon, während die ursprüngliche Rei verschwunden bleibt) – und Asuka bleibt eben Asuka, die wortkarge und freche (im Vergleich mit der Serie: nicht mehr ganz so verstörte) Göre aus Deutschland. Interessanterweise ist es nun ausgerechnet an einem weiteren, ebenfalls als recht wortkargen bekannt gewordenen Charakter, für etwas Licht im Dunkel zu sorgen: Kouzou Fuyutsuki, Gendo’s bester Mann und Vertrauter; bricht für einen Moment das Schweigen und konfrontiert Shinji mit der Wahrheit über die Eva’s. Oder zumindest einem Teil der Wahrheit – immerhin, derart klare Aussagen sind ungewöhnlich für das EVANGELION-Franchise. Wie er sich dabei fühlt, lässt sich erkennen – doch was genau eigentlich seine Rolle ist und was er von all den insgeheim geschmiedeten Plänen weiß und hält; bleibt unklar. Doch was hilft alles monieren über die kargen Charakterporträts und die daraus resultieren, oftmals nur schwer nachvollziehbaren Handlungen ? Richtig, wenig – man kann sie nur als Stilmittel annehmen, und so die Liste der aus EVANGELION 3.33 entstehenden Fragen um einige Punkte erweitern. Dies gilt indes nicht für den wohl markantesten Charakter-Auftritt überhaupt, oder anders gesagt der…

Begegnung von Shinji und Kaworu.

Es hätte so schön sein können – die Zusammenführung des allseits rätselhaften, aber doch eine seltsame Anziehung ausstrahlenden Kaworu mit dem verzweifelten Shinji, der sich nach einem freundschaftlichen Rettungsanker sehnt. Ganz unabhängig davon, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht; versteht sich. Man wünscht ihm einfach, endlich sein Glück zu finden – in welcher Form oder Gestalt auch immer es daherkommen möge. Doch was ist das – jenes Zusammentreffen, welches von manchen als das Highlight des neuen Films erwartet wurde; entpuppt sich als regelrechte Farce. Nicht nur, dass die Begegnung durch gewisse Elemente (Stichwort Musik und Piano) in eine merkwürdig künstliche, konstruierte, unnötig symbolbehaftete Richtung driftet, sie entzieht sich wohl grundsätzlich einer jedweden Glaubwürdigkeit. Dafür sorgen insbesondere die merkwürdig gestellten Dialoge, die man den Protagonisten schlicht nicht abnimmt – schließlich ist man gehalten, sich entsprechend in die Situation einzufühlen. Demnach würde sich niemand so verhalten wie Kaworu (der dabei immerhin noch den nicht-menschlichen, übernatürlichen ‚Bonus‘ hat) oder der sonst so stark menschelnde Shinji. Überhaupt ist die Beziehung der beiden nur eine angedeutete – wer mehr erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Man kann nur mutmaßen, ob es bei einer reinen Bekanntschaft geblieben wäre – oder sich eine echte Freundschaft (oder gar noch mehr) entwickelt hätte. Die dahingehenden Andeutungen funktionierten in der Serie allerdings weitaus besser als hier – sie ließen Raum für Spekulationen, wirkten glaubwürdig und einfach rundum ‚echt‘, wie die Porträts der Charaktere selbst. EVANGELION 3.33 geht hier viel zu vage vor, und verlässt sich zu sehr auf den Zuschauer; an dem die Zusammenführung der einzelnen (winzig-kleinen) Puzzleteile nun einmal hängenbleibt. Das macht jedoch schon längst nicht mehr soviel Spaß wie dereinst… dazu sollte man einen weiteren Aspekt des Films benennen, es geht um nicht weniger als die…

EVANGELION-Story.

Die erste Besonderheit von EVANGELION 3.33 – auf die man unausweichlich stoßen wird – liegt zweifelsohne in der merkwürdigen, 14-jährigen Handlungszeitspanne begründet. Warum es ausgerechnet 14 Jahre sein sollten, wird nicht begründet oder dem Zuschauer nachvollziehbar dargelegt – man muss es als eine von vielen neuen Prämissen schlicht hinnehmen. In Anbetracht der hier dargebotenen inhaltlichen Elemente werden sich abermals die Geister scheiden: einiges funktioniert (wie etwa die Zeichnung der ’neuen Welt‘ nach dem Third Impact), anderes wird schlicht komplett weggelassen. Wie Shinji etwa doch noch gerettet werden konnte (und warum erst so spät), wird niemals erwähnt; hierzu werden auch keine Parallelen zur Geschichte seiner Mutter gezogen (was sich sicher angeboten hätte, ist auch sie mit einer EVA-Einheit geradezu verschmolzen). Und so gerät bereits die Anfangsszene außerordentlich kryptisch. Wohlgemerkt: es handelt sich hier um eine andere Form des ‚kryptischen‘ als noch zuvor, wo zumindest dezente Anhaltspunkte gegeben wurden. Und es geht munter weiter. Was mit der eigentlichen Rei geschah, darüber kann man auch nur spekulieren; Hinweise gibt es keine. Kaji, ein noch halbwegs markanter Botschafter aus dem zweiten Teil, kommt ebenfalls nicht vor – und wird mit keinem Wort erwähnt. Von den EVANGELION-typischen ausufernden Elementen, wie alles was mit den Impacts, den Engeln und dem Plan zur Vollendung der Menschheit zu tun hat, gar nicht erst zu sprechen. Wie also sollte man als Zuschauer vorgehen ? Es ist in der Tat schwierig geworden. EVANGELION stellte schon immer eine Herausforderung für Fans dar – doch wenn ein Film nur noch aus Versatzstücken besteht; wird es schwierig. Schließlich ist der Handlung kaum noch zu folgen. Beleuchten wir dazu allein die Anfangsszene, die die (kryptische) inhaltliche Dimension von EVANGELION 3.33 bestens offenbart.

Hier begleitet man eine Mission im All – in der eine Pilotin (mit neuester Technologie ausgestattet) ein seltsames, im Erdorbit schwebendes Artefakt bergen soll. Natürlich geht das nicht, ohne vorher einige kleinere und einen großen Gegner auszuschalten. Dann aber gelingt die Bergung, und die Rückkehr zur Erde erfolgt. Beobachtet wird das Ganze von einer mysteriösen jugendlichen Gestalt, die einen merkwürdigen Satz von sich gibt: willkommen zurück, Shinji.

Das ist das, was zu sehen ist – ganz nüchtern betrachtet. Gehen wir also einen Schritt weiter, und berufen uns auf unseren bisherigen EVANGELION-Fundus (Neueinsteiger fliegen bereits an dieser Stelle raus):

Die Pilotin ist Asuka, das Artefakt mit hoher Wahrscheinlichkeit EVANGELION Einheit 01 – gefangen in einer kreuzförmigen Hülle. Da Shinji mit eben jener Einheit verschmolzen ist, und Asuka nach ihm ruft; kann man davon ausgehen dass er noch immer in Einheit 01 verweilt. Irgendwie schafft er es, Kraft aufzubringen und Asuka bei der Vernichtung der unbekannten Angreifer zu helfen. Kaworu freute sich seit jeher auf die Begegnung mit Shinji – er beobachtet das Geschehen mit Wohlwollen.

Nur ist damit noch rein gar nichts gewonnen… die Szenen bleiben kryptisch und wenig aussagekräftig; Fragen entstehen zuhauf. Nun müssen bereits Fans auf Spekulationen zurückgreifen, und sich das Gezeigte für sich sinnig zusammenbauen – auch wenn so gut wie keine Hinweise verfügbar sind. Fragen, die unweigerlich entstehen werden, könnten wie folgt lauten:

  • Warum befindet sich Einheit 01 im Orbit der Erde, und gleichzeitig versteckt in einer Hülle / einem regelrechten ‚Gefängnis‘ ?
  • Warum unternimmt man überhaupt den Versuch, die offenbar mit einem Grund hier platzierte Einheit zu bergen ?
  • Warum geschieht das erst jetzt – wie man kurz darauf erfährt, sind schon 14 Jahre vergangen ?
  • Was hat es mit dem seltsamen, ebenfalls aus dem Behälter ‚herauswachsenden‘ Wesen auf sich, handelt es sich um einen Engel ?
  • Wenn Kaworu Shinji unbedingt kennenlernen wollte, wie konnte er dann solange warten ?
  • Wieso unternahm er keine Versuche, Shinji aus dieser Lage zu befreien, und warum wirkt er so gelassen ?
  • Wie kann Shinji aus dem Evangelion extrahiert werden, ist Evangelion 01 überhaupt noch Evangelion 01 ?

Und weiter: wenn es sich um einen Engel handelt, wie kann das Geschehen noch mit dem bisherigen Szenario übereinstimmen, war eine Zeitspanne von 14 Jahren etwa vorgesehen ? Was ist in den 14 Jahren geschehen, was unternahmen NERV und SEELE ? Und was sind ihre Anteile hinter / Ambitionen am Plan zur Bergung ? All das ist wenig zufriedenstellend – und man kann nur weiter munter interpretieren. Ein Versuch könnte (ungefähr) so aussehen, auch wenn die Anhaltspunkte wahrlich zu dünn gesät sind um sicher sein zu können:

EVANGELION Einheit 01 wurde nach seinem Zustand des ‚Erwachens‘ am Ende von EVANGELION 2.22 von Kaworu (das heisst, seiner Lanze) in Schach gehalten. Das allerdings zu einem Zeitpunkt, bei dem Shinji und Rei bereits mit ihm verschmolzen waren. Den so ‚eingefrorenen‘ Evangelion versiegelte man nun, und platzierte ihn an einem möglichst sicheren Ort – um später, das heisst nach den Aufräumarbeiten und der Neustrukturierung der Welt (nach dem beinahe vollendeten Third Impact) auf ihn zurückgreifen zu können. Doch nicht nur das – die unzugängliche Platzierung im Orbit reichte nicht aus, man erschuf ein völlig neuartiges Verteidigungssystem. Eines das so stark ist, dass es offenbar eine Art Eigenleben entwickeln kann – einen künstlichen Engel. Schließlich sollte niemand, der nicht dafür bestimmt ist; dem Evangelion habhaft werden. Dann ist der Zeitpunkt gekommen – die Lage hat sich beruhigt / neu geordnet, Evangelion 01 soll geborgen werden. Offenbar jedoch aus einem einzigen Grund: er wird gebraucht, für den Antrieb des gewaltigen Schlachtschiffes WUNDER. So wird er in die riesige Maschine integriert – allerdings erst, nachdem man sichergeht dass die enthaltenen Seelen nicht mehr in ihm weilen. Auch wenn Rei nicht gefunden werden kann (sie könnte als Teil von Yui erkannt und ebenfalls absorbiert worden sein), so ist Shinji tatsächlich noch im Evangelion und kann geborgen / rematerialisiert werden.

Man merkt es schon: es gibt einen Unterschied zu den vorherigen REBUILD-Teilen. Diese funktionierten auch ohne jene spekulative Ansätze. Man hatte als Zuschauer quasi die Wahl, ob man sich nur von der Optik und den wahnwitzigen Kämpfen berieseln lassen; oder aber tiefer in die Materie einsteigen wollte. Ganz egal wie man sich entschieden hat – die Filme wirkten stets in sich schlüssig, und durch die Kombination von bodenständigen und geradezu übernatürlichen Elementen seltsam faszinierend. Sicher gehört es seit jeher zum EVANGELION-Franchise, das Fragen entstehen – doch alles hat Grenzen. Wenn man selbst als eingefleischter EVANGELION-Fan, der sich ausgiebig mit weiterführenden Inhalten zum Thema auseinandergesetzt hat; absolut auf dem Schlauch steht – dann wurde ein gewisser Punkt bereits überschritten. Ein Punkt der Erträglich- und Verträglichkeit des Franchises an sich – dass inzwischen so kryptisch ist, dass eine Entschlüsselung mehr Frust als Freude zur wahrscheinlichsten Folge hat. Von potentiellen Neueinsteigern braucht man in diesem Fall natürlich nicht zu sprechen – diese werden mit EVANGELION 3.33 rein gar nichts anfangen können; und schon nach der Eröffnungsszene die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

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Doch hat der Film auch Vorzüge – wenngleich sie im Vergleich mit den Vorgängern schon etwas schwerer auszumachen sind. Weder die Story noch die Charaktere oder die große Zusammenführung von Shinji und Kaworu können überzeugen – dafür aber die Aufmachung des Films im Gesamten. Es ist spannend und Gänsehaut-erzeugend zugleich; die neue, düstere Seite von Evangelion nun auch in Filmform kennenzulernen und derart intensiv zu erleben – ein Gefühl, dass längst nicht mehr nur als apokalyptisch zu bezeichnen ist, sondern darüber hinausgeht. Die grundsätzliche Strukturierung / interne Abwechslung des Films kann ebenfalls überzeugen: nach einem rasanten Start im Weltall folgen ebenso spannende und actiongeladene Szenen mit dem neuen Schlachtschiff WUNDER, dass sich sogleich in einer ersten Bewährungsprobe zu beweisen hat. Danach folgen einige charakterbildende Abschnitte und inhaltliche Enthüllungen, bevor man im Finale noch einmal zum großen, sich langsam aufbauenden Paukenschlag ausholt. Wie immer mit von der Partie: die großartige musikalische Untermalung des Evangelion-Komponisten Shiro Sagisu, die einmal mehr für wohlige Schauer sorgt und das Geschehen stets perfekt untermalt. Ebenfalls großartig ist der optische Part: die Bilder besitzen eine gewaltige Präsenz und erzeugen eine unverwechselbare visuelle Einzigartigkeit, die ihresgleichen sucht. Zwar gibt es kaum noch visuell überragende, rasante (Zwei-)Kämpfe oder fantastisch gestaltete Engel zu bewundern – doch dafür das technische, detailreich ausgearbeitete Wunderwerk WUNDER, die dystopische und halb zerstörte Welt an sich, die atemberaubenden Endsequenzen mit dem Evangelion-typischen, symbolhaften Charakter.

Fazit: EVANGELION 3.33 vermag es, die weltweiten Fangemeinden zu spalten; soviel ist sicher. Schließlich handelt es sich um den ersten Evangelion-Film überhaupt, von dem man nicht auf Anhieb sagen kann, dass es sich um ein unantastbares Meisterwerk handelt. Der Film besitzt weitaus mehr Ecken und Kanten als alle vorherigen, und geht in eine neue, kaum auszuleuchtende Richtung. Wohin wird uns die Reise führen ? Nur Hideaki Anno kennt die Antwort; zumindest ist das zu hoffen. Denn: so großartig das Franchise ist – EVANGELION 3.33 wirkt insgesamt etwas unausgegoren und vor allem sehr, sehr wirr. Und: er ist viel zu kurz, bei der Fülle an Informationen und neuen entstehenden Fragen wird sich viel zu wenig Zeit genommen, hie und da für etwas Aufklärungsarbeit (oder einfach nur stimmige, für sich sprechende Szenen) zu sorgen. Darunter leiden insbesondere die Charakterporträts, sowie das als absolutes Highlight postulierte Zusammentreffen von Shinji und Kaworu. EVANGELION 3.33 ist ein Film für Fans, ausschließlich – hinzu kommt, dass man es sicher nicht bei einem Durchlauf belassen kann. Hier sind mehrere Anläufe von Nöten, im besten Fall gefolgt von einem Austausch mit anderen Gleichgesinnten – sodass auch der neue EVANGELION-Film für den nötigen faszinierenden Zündstoff sorgen kann. Wenn man sich noch darauf einlässt, einlassen kann… ganz so spaßig ist das Ganze nicht mehr, nicht zuletzt aufgrund der fragwürdigen Release-Politik. Es folgt ein vorsichtiger Wertungsversuch, von dem nicht sicher ist ob er gehalten werden kann. Nur soviel steht fest: EVANGELION 3.33 hinkt so gesehen und im Sinne einer Filmkritik den beiden Vorgängern hinterher. Eine volle Wertung ist also nicht mehr drin, leider…  bleibt Teil 4 als großer, wieder alles wettmachender Hoffnungsträger.

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„Ein nicht mehr ganz so unantastbares Werk von Hideaki Anno.“