EPIC EVANGELION Q&A # 00 | Hideaki Anno & Das Mysterium EVANGELION – Einleitung

end_of_evangelion_start_01

Der Beginn einer EVANGELION-Interpretationsodyssee.

Achtung: die Texte der neuen, deutschssprachigen EVANGELION-Interpretationsreihe sind lediglich als Versuch zu verstehen, die Welt von EVANGELION möglichst nachvollziehbar zu interpretieren – und nicht als allgemeingültige ‚Wahrheit‘, wie sie möglicherweise von Hideaki Anno erdacht wurde.

Mit Wahr- und Klarheiten ist das immer so eine Sache – besonders dann, wenn es um das berühmt-berüchtigte EVANGELION-Franchise geht. Dessen Schöpfer Hideaki Anno setzte von Anfang an auf die aktive Mitarbeit seiner Zuschauer, und präsentierte im Gegensatz zu vielen anderen Anime-Schöpfern und Kollegen einfach mal keine auf der Hand liegende Antwort auf diese oder jene entstehende Frage. Dass das mitunter zu einem echten Problem für die Zuschauer werden konnte und kann, zeigte sich bereits damals – doch spätestens mit dem neuesten Ableger der REBUILD-Reihe, Evangelion 3.33 (Review) wurde dieses Konzept auf die Spitze getrieben. Vieles erscheint selbst beinharten EVANGELION-Fans geradezu zusammenhanglos, und bedürfte eigentlich einer näheren Erläuterung – die man natürlich nicht erhält; schon gar nicht auf dem direkten Wege. Zwar ist ein hieraus entstehender Frust durchaus verständlich – andererseits aber machte und macht gerade dieses (durchaus gewollte) Phänomen seit jeher den Reiz von EVANGELION aus.

Der entsteht zwar nicht ausschließlich durch jene kryptisch präsentierten, ausschließlich häppchenweise servierten Hintergrundinformationen – doch haben diese einen großen Anteil an dem Faszinosum EVANGELION. Selbst, wenn sich sicher nicht alle Zuschauer derart in Interpretationsversuchen oder gar inneren Konflikten verstricken und EVANGELION möglicherweise aus einer ganz anderen, simplifizierten Perspektive heraus betrachten; betrachten können. Denn genau das ist das Problem, respektive das kongeniale an Hideaki Anno und seinem Werk: viele Zuschauer lassen sich nur allzu gerne auf das Katz- und Mausspiel der Hinweise ein, und begeben sich auch lange über den Serien- oder Filmkontext hinaus auf eine Reise. Eine Reise ins Ungewisse – schlicht, da sie das Gezeigte nicht einfach auf sich beruhen lassen können und ihre eigenen Antworten formen wollen. Ob sie die Antworten letztendlich erhalten, das ist eine andere Frage – sicher ist nur, dass unendliche viele EVANGELION-FAns aus aller Herren Länder an dem großen Prozess beteiligt sind und nach wie vor vor allem eines tun: rätseln.

Allein damit hat Hideaki Anno schon viel erreicht – viel mehr als so mancher Kollege; von etwaigen Filmemachern aus dem Westen gar nicht erst zu sprechen. Bekanntlich gilt hier oftmals das Credo, den Zuschauer so wenig wie möglich zu überfordern – um Unmut zu vermeiden und die Kinokassen nachhaltig zu füllen. Das unglaubliche in diesem Zusammenhang ist indes, dass nun ein Film wie EVANGELION 3.33 daherkam – der alles andere als eine mentale Unterforderung an den Zuschauer darstellt  und die Kinosäle in Japan dennoch zum Überlaufen brachte. Ein Phänomen – das wir hier im Westen so kaum nachvollziehen können. Sicher ist es der allgemeine Bekanntheitsgrad des Franchise; vergleichbar mit großen Blockbustern die hierzulande stark beworben werden – aber vielleicht sind die japanischen Kinogänger ja tatsächlich ein stückweit anspruchsvoller. Nicht zuletzt die Tatsache, dass viele vermeintliche Filmkenner aus dem Westen die Anime-Kultur noch immer als ‚Kinderkram‘ abstempeln, weist zumindest dezent darauf hin…

Eine andere Vermutung ginge schon etwas tiefer, und ist nur aus dem gesellschaftlichen Kontext der japanischen Bevölkerung zu erklären. Wie man weiß, sind im fernen Osten nicht nur etwaige Traditionen und die Religion tief in der Gesellschaft verwurzelt – auch im Leben der ‚modernen‘ Japaner. Es regiert ein enormer, teilweise aus eben jenen Traditionen hervorgehender Leistungsdruck; vieles ist im Leben der Heranwachsenden Generationen bereits vorgezeichnet. Dagegen wirkt eine halbwegs freie und offene Gesellschaft wie die unsere schon fast wie ein Schlaraffenland der Möglichkeiten. Wie immer hat ein solches, vergleichsweise strenges Raster auch Nachteile – vor allem den, dass man einfach hindurchfallen kann. Etwa, weil man an den Anforderungen zerbricht. Und wenn man zeitgleich auch noch gewisse Vorlieben oder gar die eigene Persönlichkeit zum Wohle eines größeren Ganzen unterdrückt, entwickelt man zumeist Sehnsüchte. Und eben dies ist etwas, was Hideaki Anno erkannt; und höchstwahrscheinlich auch am eigenen Leib erfahren hat. So erschuf er mit EVANGELION nicht nur eine kühne, bahnbrechende Anime-Vision – sondern auch eine fleischgewordene, bildliche Darstellung jener Sehnsüchte. Er weist nicht nur auf sie hin, sondern greift sie auf – und zeigt auf, wie es sich tatsächlich anfühlen würde einmal selbst bestimmen, sich nach seinen eigenen Wünschen definieren zu können.

Dabei bindet er den Zuschauer so tief in das (fiktionale) Universum des Animes ein, dass er teilweise selbst das Gefühl hat an großen, unendlich wichtigen Entscheidung teilzuhaben. So gesehen vermittelt er ein Gefühl der Allmacht, welches sich vor allem dadurch definiert dass eine jede getroffene Entscheidung, so klein sie auch erscheinen mag – ungeheure Konsequenzen nach sich ziehen kann. Ein sagenhafter Coup – und zweifelsohne ein bis heute einzigartiger in der Geschichte des Animes. Fraglich bleibt somit nur, welche finalen Schlussfolgerungen man letztendlich (und für sich selbst) treffen kann, treffen sollte – eine Frage, die wohl Hideaki Anno selbst noch nicht beantworten kann. Doch vielleicht kommt es früher oder später dazu – es gilt, den weiteren Werdegang jenes Ausnahme-Künstlers abzuwarten.

Bis dahin kann man sich die Zeit aber noch genug vertreiben – beispielsweise indem man auf eine explizite Spurensuche geht, um das EVANGELION-Franchise und die dahinter stehende Motivation zumindest ansatzweise zu begreifen. Genau deshalb entstand auch der vorliegende Einführungs-Text – als Teil 0 einer groß angelegten Serie, die viele Fragen aus dem EVANGELION-Universum beantworten wird. Oder aber, es zumindest versucht. Dass Interesse einiger Stammleser und die Tatsache, dass es derzeit nur wenige aktuelle EVANGELION-Plattformen im deutschsprachigen Raum gibt; sollte diese Ambition rechtfertigen. Ich wünsche viel Spaß, viele neue Anregungen; und hoffe, Euch regelmäßig hier begrüßen zu dürfen. Wie immer gilt: solltet ihr einen Kommentar hinterlassen wollen, so zögert bitte nicht dies zu tun. Ganz egal, wie ‚unsinnig‘ oder belanglos das Anliegen zuerst auch erscheinen mag, das Ziel ist es endlich Licht in das Dunkel zu bringen. Und davon gab es zuletzt in EVANGELION 3.33 bekanntlich mehr als genug.

Übrigens: zum nächsten Teil der EVANGELION-Fragenodyssee geht es hier.

Advertisements

3 Gedanken zu “EPIC EVANGELION Q&A # 00 | Hideaki Anno & Das Mysterium EVANGELION – Einleitung

  1. Gendos plan ist die vollendung der menschheit weil er so wie ichs verstanden hab dann alles selber bestimmen kann, und somit kann er yui wiederbeleben, ich denk das ist sein plan
    Er kann alles selber bestimmen soll heißen dass er die welt nach seinen wünschen gestalten kann

    Gefällt mir

  2. Haha, du bist ja verrückt! ^^ Ein Votum bezüglich aufkommender Fragen über 3.33?

    Das ist ja eine Never-ending-Story!

    Zur Zeit bin ich ja der Meinung, das die Wichtigkeit der AT-Felder völlig unterschätzt wird.
    Ist die Idee die Begrenzungen die uns Individuuen überhaupt voneinander trennen in eine solch „allmächtige“ From/Waffe wie die des AT-Felds zu verpacken – aus meiner Sicht – ein Geniestreich, so ist sie für sich betrachtet ein elemtarer Bestandteil in der Logik/Lore der Serie… mit dem sich aber dennoch kaum beschäftigt wird.

    Allein schon die Tatsache das der Begriff überhaupt nur ganz beiläufig erwähnt wird (Absolut Terror) und für sich schon sehr interessante Fragen auf wirft, wobei das AT-Feld die einzige Existenzberechtigung der Evangelions im Kampf gegen die Engeln ist!

    Nur mit AT-Feldern kann man AT-Felder aufheben (wie ja sowohl in Film als auch Serie erklärt wird) sodass es als einzig-effektive Waffe gegen Engeln gilt. Auch dazu kommt das sogenannte Anti-AT-Feld im Bezug auf den – so wichtigen – Second Impact (angeblich von Adam ausgelöst und dabei die gesamte südliche Hemisphere ausgelöscht).

    Und natürlich spielt sie in EoE wieder eine gewaltige Rolle! (dort wird überhaupt das 1te und einzige mal das Thema AT-Feld versucht ein klein wenig zu erläutern)

    Und nun in 3.33 wird ganz klar deutlich das es ein eindeutiges Zeichen der Adams ist, KEIN AT-Feld zu besitzen. Obwohl es wiederum das markanteste Zeichen seiner Kindern, den Engeln ist?
    Aber auch die Kinder Liliths, die Menschheit oder auch Lilim, besitzen sie (wie gesagt, es definiert überhaupt das Individuum, es grenzt es von allen anderen ab, was eben als Geisel der Menschheit betrachtet wird… die Wurzel aller Einsamkeit), während Lilith selbst ebenfalls keines zu besitzen scheint?
    Folglich muss man davon ausgehen das die Saat des Lebens, egal ob nun die helle oder dunkle Saat, über keine abgrenzenden AT-Felder verfügen und somit zu jeder Zeit Teil eines großen Ganzen ist? Während die Kinder abgeschieden und für sich selbst allein gelassene Individuuen sind, auf der Suche nach eben wieder der großen Gemeinschaft, die wiederum Seeles Plan zur vollendung der Menschheit entspricht?

    Bald hab ich hoffentlich selbst ein Exemplar von EoE 🙂 muahaha, dann werd ich mich wohl wieder zu Worte melden müssen!

    Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s