Kurz Reingeschaut: THE BLACKLIST (TV-Serie, 2014)

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THE BLACKLIST, aka DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER redux.

Jeder will sie haben, doch sie kriegen nur ihn. Die Rede ist von einem Mann namens Raymond „Red“ Reddington, einem der meistgesuchten Verbrecher der USA – der sich scheinbar urplötzlich dem FBI stellt und prompt darauf seine Hilfe anbietet, um die schlimmsten Finger der US-Geschichte dingfest zu machen. Doch möchte sich der ehemalige Marineoffizier, der vor vielen Jahren seine Frau mitsamt dem gemeinsamen Kind zurückliess, wirklich nur von seinen Sünden reinwaschen indem er andere, möglicherweise noch bedeutsamere Kriminelle ausliefert ? Oder steckt vielleicht doch mehr dahinter… einen Hinweis darauf gibt seine merkwürdige Forderung, nur  mit der gerade erst frisch eingestellten FBI-Profilerin Elizabeth Keen reden und verhandeln zu wollen.

So oder so ähnlich könnte man die Rahmenhandlung der neuen, sich bereits in aller Munde befindenden TV-Serie THE BLACKLIST (nicht zu Verwechseln mit dem neuesten Splinter Cell-Teil) beschreiben; die – wie sollte es anders sein – ursprünglich aus den USA kommt. Nun aber ist sie auch im deutschen Privatfernsehen angelaufen, genauer gesagt auf dem Sender RTL. Zum Auftakt am 21. Januar wurde gleich eine Doppelfolge ausgestrahlt – wobei interessant ist, dass die Serie somit fast zeitgleich mit der Ausstrahlung im US-Fernsehen zu sehen ist. Wobei jenes fast natürlich ein dehnbarer Begriff ist – aber immerhin ist man in den USA auch noch nicht viel weiter als bei Episode 12. Das ist aber immerhin ein geringerer zeitlicher Abstand als bei so manch anderen Kandidaten, sodass sich Fans aller Herren Länder nun gemeinsam auf die Spurensuche machen können um die Serie in ihrer Komplexität und Tiefe angeregt zu diskutieren und wenn nötig auch zu interpretieren.

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Und genau an dieser Stelle sollte ein unausweichlicher Einschub erfolgen. Denn, wir erinnern uns – das Ganze läuft nicht nur zur besten Prime Time im Privatfernsehen, sondern ausgerechnet auf dem berühmt-berüchtigten deutschen Sender RTL. Gerade der ist wohl eher nicht bekannt dafür seine Zuschauer mit intellektuell anspruchsvollen Ergüssen anzustrengen, beziehungsweise zu überfordern – besonders in Zeiten des Dschungelcamps (welches übrigens gleich im Anschluss ausgestrahlt wurde), aber sicherlich auch sonst. Doch es muss bekanntlich nicht immer die knallharte, innovative und somit schwer verdauliche Serienkost sein, die man sich zuführt – ein wenig seichter Unterhaltung kann wohl kaum jemand widerstehen.

Genau in diese Ecke der luftig-lockeren Unterhaltung mit dem gewissen Thriller-Crime-Feinschliff scheint sich nun auch THE BLACKLIST zu drängen – eine Serie, der man bereits nach 2 ausgestrahlten Folgen unterstellen kann dass sie etwaige (oben beschriebene) gedanklich-geistige Interpretationsausflüge gar nicht erst möglich; geschweige denn nötig macht. Und das liegt in diesem Fall nicht unbedingt einmal daran; dass die Serie besonders schlecht gemacht wäre oder das Schauspiel und die Dialoge unterirdisch sind – was sicher einige der häufigsten Serien-Krankheiten bezeichnet – sondern schlicht und ergreifen daran, dass sich schier unendlich viele Parallelen zu anderen Werken auftun. THE BLACKLIST versucht erst gar nicht, etwas noch nie Dagewesenes auf die Beine zu stellen – sondern macht dem Zuschauer recht schnell klar, dass er es hier mit ganz altbekannten, tausendmal verwursteten Prämissen zu tun hat.

Da wäre zum Beispiel – und in erster Linie – die stark an DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER erinnernde Grundidee. Diese basiert grundsätzlich nur aus zwei charakterlichen Komponenten; dem gesuchten oder verurteilten Schwerverbrecher (ersetzbar durch ‚Psychopathen‘ oder ähnlichem) auf der einen; und der eher zurückhaltenden, zierlichen Ermittlerin (ersetzbar durch ‚Profilerin‘, ‚Psychologin‘) auf der anderen Seite. Das einzige, was man nun noch tun muss ist diese beiden gegensätzlichen Elemente aufeinandertreffen zu lassen – in einem möglichst perfiden Katz- und Mausspiel, bei dem man nicht so genau weiß wer nun wen an der Nase herumführt. Genau das macht auch THE BLACKLIST – und das geradezu überdeutlich, indem die Serie den vermeintlich guten Bösewicht auch noch mit einer ähnlichen Überheblichkeit und Gelassenheit ausstattet wie einst einem Hannibal Lecter. Und, der noch relativ unerfahrenen Ermittlerin – die nach und nach sicher immer schlimmere Dinge über sich, ihre Mitmenschen und überhaupt die ganze Welt herausfindet; eben durch jenes Sprachrohr des eigentlich bösen.

Eine besonders auffällige Parallele – die sich aber noch beliebig erweitern ließe, denn auch sonst wirkt THE BLACKLIST nicht gerade taufrisch – vor allem was die Ideen und deren Ausführung betrifft. Ein schwer einzuschätzender, hochgradig Krimineller; der dem FBI als Informant dient und dafür gewisse Gegenleistungen (wie etwa Immunität) verlangt ? Ein ‚Verräter‘ oder ‚Überläufer‘, der sich von seinen bisherigen Missetaten abgewandt hat und seine Seele durch das Preisgeben von Informationen reinwaschen möchte ? Und, mal ganz verrückt: ein ‚Verräter‘, der im Endeffekt zwar viele seiner kriminellen Kollegen (im Geiste) ans Messer geliefert hat, am Ende aber vielleicht doch einen perfiden, noch schlimmeren Plan verfolgt als alle ausgelieferten Straftäter zusammen ? Gähn, das kennen wir doch alle irgendwoher.

Eine Frage bleibt dann aber doch noch… sollte man sich eine Serie wie diese dennoch antun ? Sollte man sein Urteil in Bezug auf die ersten paar Episoden vielleicht noch zurückhalten, um später doch noch positiv überrascht zu werden ? Eine schwierige Frage, die ein jeder für sich beantworten muss…

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