Filmkritik: „A Painted House“ (2003)

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Originaltitel: A Painted House
Regie: Alfonso Arau
Mit: Scott Glenn, Arija Bareikis, Robert Sean Leonard u.a.
Land: Mexiko
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama
Tags: John Grisham | Verfilmung | Die Farm | Landleben | Arbeiter

Willkommen auf der Farm.

Kurzinhalt: Eigentlich führen die Chandler’s ein beschauliches und abgeschiedenes Leben auf einer großen Farm. Auch der 10-jährige Luke (Logan Lerman) hilft seinen Eltern Kathleen (Arija Bareikis) und Jesse (Robert Sean Leonard) so gut er kann – doch kommt die Familie nicht umhin, in den Hauptzeiten der Ernte Hilfsarbeiter einzustellen. Besonders häufig sind das die sogenannten Hill People, von denen nun auch einige ein Lager nahe des Hofes der Chandlers aufschlagen. Eine davon ist die 17-jährige Tally (Audrey Marie Anderson), die sich schnell mit Luke anzufreunden scheint. Zusätzlich verpflichtet der Familienvater Jesse auch einige Mexikaner – Arbeitskräfte hat er damit genug. Doch es kommt, wie es kommen muss – in glühenden Sonne erhitzt sich so manches Gemüt. Bald darauf kommt es zu ersten handfesten Streitereien zwischen den Arbeitern, den Mexikanern und den eigentlichen Siedlern der Gegend – ein Streit der sich zuspitzt, als es um eine als verboten angesehene Liebschaft zwischen dem Mexikaner Miguel (Miguel Pérez) und der jungen Tally geht.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! A PAINTED HOUSE ist ein Film des mexikanischen Regisseurs Alfonso Arau, der sich auf die gleichnamige Romanvorlage (deutscher Titel: DIE FARM) von John Grisham bezieht. Der berühmte Schriftsteller ließ sich für dieses Buch teilweise von seinen eigenen Kindheitserfahrungen aus dem Spätsommer des Jahres 1952 inspirieren – und auch wenn A PAINTED HOUSE nur dezente autobiografische Inhalte aufweist, so steht vor allem eine größtmögliche Authentizität im Vordergrund. Und somit auch eine Form der vermittelten Glaubwürdigkeit, die sich im stimmigen Porträt einer hart arbeitenden Familie widerspiegelt und dabei nicht selten gesellschaftlich-politische Hintergründe auffährt. Schließlich dienen hier zwei (nicht unmotivierte) Morde als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die somit auch deutliche Züge eines Thrillers annimmt. Das besondere dabei ist jedoch, dass ein Großteil der Geschehnisse aus der Sicht des kindlichen Protagonisten Luke geschildert wird – und man als Zuschauer zumeist seinen Wissensstand teilt.

Entsprechend beklemmend ist es mit anzusehen, wie er dann schließlich Zeuge eines Mordes wird – und es kaum vermag einzuschätzen, wie er sich verhalten sollte; erst Recht nicht in Bezug auf die Tatsache dass auch er bedroht wird. Somit ist A PAINTED HOUSE auch ein Film der Marke Kind beobachtet Mord – ein vergleichsweise ruhig und authentisch erzählter, der weniger auf Effekthascherei denn auf möglichst intensive und glaubhaft inszenierte Charakterporträts setzt. Doch offenbart sich hier auch das ein oder andere Problem: oftmals wirkt es, als beschränkte sich der Film ausschließlich auf eben jenes Element des beobachteten Mordes; er präsentiert sich nicht als ganzheitliche Kindheitserinnerung. Das hätte zwar und mitunter den Rahmen des Films gesprengt – doch ein wenig mehr Hintergrundinformationen, weitläufigere persönliche Einblicke oder auflockernde Nebengeschichten (wie die Szenen in der Stadt, oder die des verlorenen Onkels) hätten dem Film sicher gut getan und ihn etwas schwergewichtiger wirken lassen. So bleibt er hinsichtlich seiner Wirkungskraft – und trotz der Morde und der kindlichen Erzählperspektive – etwas zu oberflächlich und inhaltlich eingeschränkt. Dabei hätte die Buchvorlage noch so viel mehr hergegeben – sei es drum.

Immerhin kann man sich als Zuschauer ein recht genaues Bild von der hier vorgestellten Situation eines Familienlebens machen – und sich letztendlich auch eine Meinung darüber bilden; was es mit einem Titel wie A PAINTED HOUSE auf sich haben könnte. Rein technisch bewegt sich das Projekt auf einem grundsoliden, insgesamt aber recht unspektakulären Niveau – aufwendigere Szenen gibt es kaum, vielmehr wirkt der Film tatsächlich wie eine Art Dokumentation oder Tatsachenbericht. Das war sicher auch genau so beabsichtigt, doch ein paar besondere Kniffe hier oder da wären sicher nicht verkehrt gewesen. So müssen hauptsächlich die nett eingefangenen Landschaftsaufnahmen dafür sorgen, dass man sich auch von den optischen und akustischen Elementen her an den Film erinnert – was etwas enttäuschend ist. Immerhin lassen die Leistungen der Darsteller keine Wünsche offen – sie unterstützen den insgesamt glaubwürdigen Gesamteindruck.

Fazit: Im Falle von A PAINTED HOUSE kommt es wohl ganz darauf an, was man erwartet. Erwartet man eine epische angelegte Romanverfilmung respektive detailliert ausgeführte und zeitlose Kindheitserinnerung; so wird man vermutlich eher enttäuscht sein. Betrachtet man das Ganze dagegen als unabhängiges Drama mit ungekünstelten Ansichten eines Familienlebens und der Andeutung politischer Hintergründe; so kann das Wagnis A PAINTED HOUSE durchaus funktionieren. Wenn auch nur auf einer leicht überdurchschnittlichen Qualitäts-Ebene, die leider Gottes nicht vollständig vor gängigen Klischees gefeit ist.

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„Glaubwürdig, Basis-orientiert und dezent melancholisch – eine etwas andere Kindheitserinnerung.“

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