Metal-CD-Review: WUTHERING HEIGHTS – Salt (2010)

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Alben-Titel: Salt
Künstler / Band: Wuthering Heights (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. April 2010
Land: Dänemark
Stil / Genre: Power / Folk / Progressive Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Erik Ravn – Guitars, Keyboards, Bass, Vocals (backing)
Andreas Lindahl – Keyboards
Teddy Möller – Bass, Guitars, Vocals (backing)
Martin Arendal – Guitars
Morten Gade Sørensen – Drums
Nils Patrik Johansson – Vocals (lead and backing)

Track-Liste:

1. Away! (01:27)
2. The Desperate Poet (06:28)
3. The Mad Sailor (06:19)
4. The Last Tribe (Mother Earth) (07:54)
5. Tears (05:55)
6. Weather the Storm (06:53)
7. The Field (05:58)
8. Water of Life (02:06)
9. Lost at Sea (16:38)

Geschichten von Seebären und solchen, die es werden wollen.

SALT ist der eher ungewöhnliche Titel des mittlerweile fünften Studioalbums der WUTHERING HEIGHTS. Hierbei handelt es sich um eine dänische Combo um Band-Mastermind Erik Ravn, die sich einer interessanten Symbiose aus den Genres des Power-, Folk- und Progressive Metal verschrieben hat. Und um eine Combo, die gerne mal vergessen wird wenn es um die Diskussion der potentiell hochkarätigsten Genrebands geht – doch speziell ihre Alben TO TRAVEL FOR EVERMORE (noch mit dem damaligen Leadsänger Kristian Andrén, Review) und THE SHADOW CABINET (Review) sprechen diesbezüglich wohl Bände. SALT ist nun das dritte Album der Band, welches von der Gesangsperformance des seit 2003 bei der Band aktiven Leadsängers Nils Patrik Johansson garniert wird. So ist auch dieses mal von einer vergleichsweise außergewöhnlichen Leistung auszugehen – und von einer markanten Frontstimme, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird.

Doch ist es vor allem das Spiel mit verschiedensten Stimmungen und Emotionen, welches bemerkenswert erscheint: auch wenn das Album insgesamt eher düster wirkt (zumindest düsterer als ein TO TRAVEL FOR EVERMORE), steht SALT hinsichtlich seiner etablierten Atmosphäre niemals still. Vielmehr wird die gesamte Bandbreite an allen erdenklichen Emotionen abgearbeitet. Mal innerhalb eines einzelnen Titels (wie im Opener THE DESPERATE POET), und mal in Bezug auf das große Ganze. Stichwort DESPERATE POET: hier handelt es sich um eine der vielleicht herausragendsten Nummern der Band überhaupt; auch weil sie als etwas andere Genre-Hymne hinsichtlich des Dilemmas vieler Künstler und Songwriter verstanden werden kann. Begonnen wird die Reise indes mit dem stimmigen Intro AWAY – das durch die aufkeimende Stimmung von Seefahrer-Abenteuern und Piraterie schnell auf ein Konzeptalbum schließen lässt. Was SALT auch in gewisser Weise ist – aber auf eine merklich andere Weise als beispielsweise bei den Kollegen von ALESTORM.

So ist auch MAD SAILOR eine Nummer, die man automatisch mit raubeinigen Seebären in Verbindung bringen wird – mit einer etablierten Stimmung, die man gleichermaßen als kräftig und packend wie auch als fröhlich und schunkelnd beschreiben könnte. Dieses Wechselspiel wird sich auch durch die folgenden Nummern ziehen – auf eine Art und Weise, die sich nur schwer beschreiben lässt, aber ihre Wirkung definitiv nicht verfehlt. Einerseits werden Erinnerungen an die glorreichen Anfänge des Genres in Europa wach, andererseits bleiben die WUTHERING HEIGHTS eine der einzigartigsten Genrebands überhaupt – eine, die auch einen gewissen Anspruch nicht vermissen lässt und sich durch ein exzellentes Songwriting auszeichnet.

Und doch scheint dem Album etwas zu fehlen – etwas, dass speziell den Vorgänger THE SHADOW CABINET so explizit auszeichnete. Was genau das ist, ist schwer zu sagen – vielleicht ist es schlicht eine gewisse Form der Gleichförmigkeit, die vor allem auf den kaum variablen Leadgesang von Nils Patrik Johansson zurückzuführen ist. Denn der tönt grundsätzlich immer gleich – mit Ausnahme von einigen selteneren balladesken Momenten wie in WEATHER THE STORM. Das muss und kann dann nicht jedem gefallen – sodass man sich im schlimmsten Fall schneller an der Stimme sattgehört haben wird als einem lieb ist. Auf THE SHADOW CABINET wirkte man dem noch zusätzlich entgegen, indem man die Nummern etwas verspielter gestaltete und immer wieder mit herausragenden Highlights (und sei es durch hochtrabende Refrains) versah – auf SALT scheint alles etwas angeglichener und somit auch etwas weniger spektakulär; speziell im späteren Albenverlauf.

Schlussendlich: SALT stellt beileibe keine Negativentwicklung der Band dar – kann dem spektakulären Vorgänger THE SHADOW CABINET aber nicht mehr ganz das Wasser reichen. Vielmehr scheint es, als wäre man mit diesem Album etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen. Das Ergebnis ist noch immer eine mehr als nur solide Power Metal-Kost mit einem dezent progressiven Touch – doch die wirklichen Aha-Momente, die alles andere umpustende Gesamtwirkung bleiben diesmal aus.

Absolute Anspieltipps: AWAY, THE DESPERATE POET, THE MAD SAILOR


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„Ein wenig ist die Luft raus – doch es handelt sich noch immer um großartige, vergleichsweise anspruchsvolle Power Metal-Kost.“

Metal-CD-Review: WUTHERING HEIGHTS – Within (1999)

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Alben-Titel: Within
Künstler / Band: Wuthering Heights (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 1999
Land: Dänemark
Stil / Genre: Power / Progressive / Folk Metal
Label: Sensory Records

Alben-Lineup:

Erik Ravn – Guitars, Vocals
Kristian Andrén – Vocals
Kasper Gram – Bass
Morten Nødgaard – Drums
Rune S. Brink – Keyboards

Track-Liste:

1. Enter the Cave (03:08)
2. Hunter in the Dark (05:59)
3. Too Great Thy Gift (07:09)
4. Sorrow in Memoriam (08:31)
5. Dreamwalker (13:42)
6. The Bird (03:46)
7. The Wanderer’s Farewell (05:20)

Aller Anfang ist… schön.

WITHIN ist das erste offizielle Studioalbum der WUTHERING HEIGHTS aus Dänemark. Wenn man so will wurde es bereits 1997 und als allererstes Lebenszeichen der Band überhaupt veröffentlicht – allerdings noch als ungeschliffene Demo. Offenbar kam diese so gut an, dass man alsbald und mit SENSORY RECORDS ein Label fand – mit welchem man die Scheibe dann gute 2 Jahre später noch einmal ordentlich auf den Markt brachte.

Hauptsächlich bringt man die WUTHERING HEIGHTS wohl mit dem markanten Leadsänger Nils Patrik Johansson (ASTRAL DOORS, LION’S SHARE) in Verbindung – doch gab es auch eine Zeit, in der ein gewisser Kristian Andrén (von 2006 bis 2007 kurz bei BLOODBOUND) das Gesangszepter schwang. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen sehr guten, wenn auch nicht ganz so unverwechselbaren Sänger – der vor allem auf dem zweiten WUTHERING HEIGHTS-Album (TO TRAVEL FOR EVERMORE, Review) brillierte. Auf dem vorliegenden WITHIN lieferte der bis dato hauptsächlich bei TAD MOROSE aktive Künstler seine erste Performance im Kreise der von Mastermind Erik Ravn geführten WUTHERING HEIGHTS ab – und schnitt auch hier alles andere als schlecht ab.

Tatsächlich weiß das Album aber nicht nur aufgrund des angenehm gemäßigten, klaren und einstweilen durch zahlreiche Backgroundgesänge unterstützten Leadgesang zu überzeugen; sondern vor allem hinsichtlich der Instrumentalstrukturen. Die sind geradezu bemerkenswert, dass heißt wuchtig und vielfältig – auch weil sie bestens veranschaulichen, warum man das übergeordnete Genre der Band als Symbiose aus Power, Folk und Progressive Metal bezeichnen sollte.

Die (durchaus außergewöhnliche) Folge: die auf WITHIN dargebotenen Nummern gehen zwar schnell ins Ohr und entfalten schnell eine Hymnen-taugliche Wirkung – doch auch nach mehreren Durchläufen lässt sich immer wieder neues entdecken. Dabei spielt es auch kaum eine Rolle, wie lang die jeweiligen Titel sind. Ob nun 3 (ENTER THE CAVE) oder 13 Minuten (DREAMWALKER) – es ist überaus angenehm zu hören, dass die WUTHERING HEIGHTS auf eine größtmögliche Klangvielfalt aus waren; dabei aber dennoch niemals unentschlossen klingen. Ganz im Gegenteil, WITHIN lässt dem Hörer keinen zweifel daran; dass alle beteiligten Musiker ihr Handwerk verstanden – was sich mehr als positiv auf die etablierte Gesamtwirkung auswirkt.

Zu den gelungenen, da überaus abwechslungsreichen und wenn man so will sogar ergreifenden musikalischen Kompositionen gesellt sich zudem noch eine überraschend anständige Produktion – die schön organisch klingt, und ein differenziertes Heraushören der vielschichtigen Klangelemente ermöglicht.

Selbst die vergleichsweise ruhigen und sogar dezent balladesken Nummern wie das Intro (ENTER THE CAVE) und das Outro (THE WANDERERS FAREWELL) erscheinen in diesem Zusammenhang überaus gelungen, und betten das Album in einen nur noch angenehmeren atmosphärischen Rahmen. Trotz der zahlreichen ausführlicheren Angebote könnte aber vielleicht sogar das vergleichsweise kurze THE BIRD als Beispiel für die Einzigartigkeit der Band anberaumt werden. Dass das Songwriting erstklassig ist, steht außer frage – wirklich besonders gerät dieser Titel aber erst durch die steten Stimmungswechsel. Zu Beginn, und speziell im Refrain präsentiert sich das ganze als flott-melodische Power Metal-Hymne (mit einem genialen Riffing, nebenbei bemerkt) – während es in den mit progressiven und folkigen Noten ausgestatteten Strophen und Zwischenspielen wieder einiges zu entdecken gibt. Dieses Prinzip ist dann folglich auch auf fast alle anderen Nummern zu übertragen – mit dem mächtigen, knapp 13-minütigen DREAMWALKER an der vordersten Front.

Mit WITHIN haben die WUTHERING HEIGHTS also problemlos etwas ganz und gar großes geschaffen. Mindestens etwas größeres, als es von einer weiteren Genre-Band aus Dänemark zu erwarten war – vielleicht aber auch etwas, dass man bis heute als ein auf CD gebanntes Paradebeispiel für eine gelungene musikalische Symbiose innerhalb des sonst gerne mal etwas festgefahrenen Power Metal-Genres anberaumen könnte. Denn: progressive Ansätze müssen eben nicht immer mit endlosen Frickeleien oder einer generellen Langatmigkeit gleichgesetzt werden. Die WUTHERING HEIGHTS setzten mit WITHIN Maßstäbe, auf denen sie in der Folge aufbauten und sich kontinuierlich weiterentwickelten – mit dem noch etwas stärkeren TO TRAVEL FOR EVERMORE (Review) als nur eine der unvergessenen Errungenschaften der Band.

Absolute Anspieltipps: ENTER THE CAVE, HUNTER IN THE DARK, TOO GREAT THY GIFT, THE BIRD


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„Eine herausragende, wenn nicht gar wegweisende Symbiose aus Power-, Progressive- und Folk Metal.“

Metal-CD-Review: WUTHERING HEIGHTS – The Shadow Cabinet (2006)

Land: Dänemark – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

01. Demon Desire
02. Beautifool
03. The Raven
04. Faith – Apathy Divine Part I
05. Envy
06. Snow – Apathy Divine Part II
07. Sleep
08. I Shall Not Yield
09. Reason … ?
10. Carpe Noctem – Seize The Night
11. Midnight Song

WUTHERING HEIGHTS sind zurück… und wie !

Vorwort: THE SHADOW CABINET ist das nunmehr vierte Studioalbum der Dänischen Power-Metaller WUTHERING HEIGHTS. Nachdem sich die Band vor allem mit dem zweiten Album TO TRAVEL FOR EVERMORE, welches 2002 erschien, mächtig Gehör verschaffen konnte – legt man nun offenbar im 2-Jahres-Takt ein neues Album vor. 2004 folgte das ebenfalls starke FAR FROM THE MADDING CROWD, wieder zwei Jahre später ist es an der Zeit für das heute vorliegende Werk – man kann nur hoffen, dass sich die Band wieder deutlicher am Geiste des zweiten Albums orientiert hat. Sicher, das dritte ist keinesfalls aus ‚Aufallerscheinung‘ zu beziechnen, doch überwiegten hier die progressiven Elemente in einem sehr starken Maße, während die sonst so typisschen Folk- und Power Metal-Elemente ein wenig in den Hintergrund gerieten. Aber nun ist ja wieder alles möglich… was wird uns auf THE SHADOW CABINET erwarten ? Die Vorfreude ist geweckt.

Kritik: Mit dem Opener DEMON DESIRE legen die Dänischen Jungs von WUTHERING HEIGHTS gleich ordentlich los, und präsentieren einen markanten, starken und auch unverkennbaren Einstieg in den Kosmos des ‚Schattenkabinets‘. Sofort hat man die Elemente im Ohr, die die Band in den vergangenen JAhren und auf den bisherigen Alben auszeichneten: die raue Stimme des Leadsängers Nils Patrik Johansson, die verspielt-komplexen Arrangements und der genrell ‚opulente‘ Sound. Wie wahr – so kann man davon asugehen, dass in jedem einzelnen Track der Dänen richtig ‚was los‘ ist, und dass es zahlreiche Wandlungen gibt die für Abwechslung sorgen. Gerade das macht ja uach den Reiz der Band aus – andere Bands schaffen es nicht einmal, ein ganzes Album mit einer derartigen Komplexität zu versehen wie WUTHERING HEIGHTS bei einem einzelnen Titel. Und dennoch bleibt die Eingängigkeit nicht auf der Strecke – wobei das letzte Album ein wenig Gefahr lief, genau in eine etwas zu technische Richtung abzudriften. Offenbar hat man sich aber nun auch wieder den ‚catchy‘ Hymnen verschrieben, ohne dabei das typische WUTHERING HEIGHTS-Maß an Perfektion ausser Acht zu lassen.

Dafür stehen auch Titel wie BEAUTIFOOL (Achtung, richtig schreiben), die wunderbar eingängige Elemente aufweisen, und dem technischen Anspruch dabei dennoch gerecht werden. Sehr wichtig ist auch der spürbare ‚Drive‘, der so richtig schön mireissend wirkt und im Gegensatz zum Vorgängeralbum wieder omnipräsenter ist. Wenn die markanten SOli-Passagen durchstarten ist es dann auch zum ersten Male Zeit für eine wohlige Gänsehaut – das ist (MEtal-)Genuss pur. THE RAVEN kommt erst als massiger Heavy Metal-Stampfer mit allerlei progressiven Anleihen daher – und dann, ja dann geht es auch hier so richtig schön melodisch und ‚catchy‘ zur Sache. Flotte Uptempo-Instrumentalpassagen, atimmige OhhOhh-Gesänge und der schwermetallische Unterton lassen eine weitere Hymne entstehen. Es folgt FAITH – APATY DIVINE PART 1, ein Titel welcher nun auch erstmals stärkere Folk-Anleihen aufweist. Das WUTHERING HEIGHTS verschiedene Stilrichtungen miteinander verknüpfen können, und das stets äusserst stimmig – wird der geneigte Hörer inzwischen wissen. So gelingt auch dieses Stück vorzüglich, und wirkt durch die verschiedenen Gesangsarten des Leadsängers zusätzlich abwechslungsreich. Das nun folgende ENVY lässt die BAnd erneut in deutlich progressiveren Stimmungen umherwandeln, und bietet so einen äusserst vielfältigen Eindruck. Selbst anhören ist hier Pflicht ! wie eigentlich in Bezug auf das gesamte Album…

Nun gut – SNOW – APATY DIVINE ist wieder einer der Titel der gelungenen Zuataten – hier vermischen sich erneut progressive und Power Metal-lastige Elemente zu einem großen Ganzen. Einem sehr utnerhaltsamen großen Ganzen, welches sich nicht zu schade ist, auch ein paar deutlicherer Mitwipp-Passagen anzubieten. Dann ist es an der Zeit für ein weiteres eindeutiges, spätes Highlight des Albums. In der Tat – die Rede ist von SLEEP, einem Titel wie es ihn kein zweites Mal auf diesem Planeten gibt. Der Clou: er beginnt sehr ruhig, weist erst darauf hin dass es sich um eine waschechte, gefühlvolle Ballade handeln müsste – was natürlich auch der Fall ist, doch die Wandlung die der Titel erfährt ist einzigartig. So wird man feststellen, dass sich hier im Endeffekt der Ohrwurm schlechthin präsentiert, der mit einem sehr eingängigen Power Metal-Refrain auftrumpft und zum Mitträllern animiert. Die Überraschung ist gelungen – und sie funktioniet immer wieder aus neue. Auch I SHALL NOT YIELD kann durchweg überzeugen – unterstützende Backgroundgesänge und ein wahnsinns-Refrain sorgen dafür, dass man hier eine weitere Hymne allererster Güteklasse vorfinden wird. Mit REASON… ? folgt ein kurzes, eigentlich überflüssiges Interlude, doch der Abschlusstitel CARPE NOCTUM kann dann nocheinmal Begeisterung pur entfachen. Hier ist wieder alles dabei – zahlreiche Wandlungen, die verschiedenen Stimmlagen des Leadsängers, Folk- und Akustik-Elemente… aber vor allem und in erster Line: ein sagenhaft mitreissender Power Metal-Refrain mit Kult-Potential. Puh, was für ein Album… gleich nochmal von vorn !

Fazit: Wurden die Rufe nach mehr Power Metal und Eingängigkeit etwa erhört ? Während beim letzten Album durchaus noch die Befürchtung im Raum stand, WUTHERING HEIGHTS könnten ins allzu technisch-progressive abdriften, ist dieses leicht zweifelnde Gefühl nun entgültig gebannt. Vielmehr knüpft man mit THE SHADOW CABINET wieder an frühere Zeiten an, und präsentiert eine erhabene Mischung aus eingängigen Power Metal-Momenten und verspielten, komplexen Arrangements mit Folk-Anleihen. Bravo – so und nicht anders sollen und müssen WUTHERING HEIGHTS klingen. Nach dem minimal schlechteren Vorgängeralbum wieder ein absoluter Volltreffer.

Anspieltipps: THE RAVEN, SLEEP, CARPE NOCTUM und mehr…

Metal-CD-Review: WUTHERING HIGHTS – Far From The Madding Crowd (2004)

Land: Dänemark – Stil: Melodic / Progressive Power Metal

Die Trackliste:

01. Gather Ye Wild
02. The Road Goes Ever On
03. Tree
04. Longing For The Woods – Part I: The Wild Chilrdren
05. Highland Winds
06. Longing For The Woods – Part II: The Ring Of Fire
07. The Bollard
08. Bad Hobbits Die Hard
09. Longing For The Woods – Part III: Herne’s Prophecy
10. Land Of Olden Glory
11. Lament For Lórien

WUTHERING HEIGHTS goes Progressive.

Vorwort: Nach dem sensationellen Vorgänger-Album TO TRAVEL FOR EVERMORE (2002) folgt nun im Jahre 2004 ein weiteres Release der Dänischen Bandformation WUTHERING HEIGHTS. Aber, was ist da denn nur los – die Band hatte seitdem zahlreiche Besetzungswechsel zu verzeichnen. Der wohl markanteste Wechsel ist der des Leadsängers, mit Nils Patrik Johansson hat man nun einen Nachfolger für Troels Liebgott (1993–1996) und Kristian Andrén (1998–2002) an Bord geholt. Wer schon einmal etwas von diesem ’starken‘ Dänen gehört hat, der weiss wohl um die Tatsache, dass es zumindest gesanglich ein klein wenig härter zugehen sollte auf dem neuesten WUTHERING HEGIHTS-Silberling. Man kann nur hoffen, dass die musiklaische Qualität keinen Schwankungen unterworfen ist – trotz der zahlreichen Wechsel und wohl auch des dadurch entstehenden Stresses. Immerhin kann das 2002’er Vorgängeralbum durchaus als ‚Meisterwerk‘ bezeichnet werden, welches die Masslatte für kommende Releases von WUTHERING HIGHTS auf ein recht hohes Niveau setzte.

Kritik: Das Cover-Artwork sieht schon einmal sehr stimmig und vielversprechend aus – wie gut, dass das Intro diesem Eindruck ebenfalls sehr nahekommt. Man hört hier eine Mischung aus tradtionellen Instrumenten und einem leichten Soudntrack-Touch mit Windgeräuschen, sodass man sich bestens vorstellen kann, in die Welt der (schottischen, oder fantastischen) ‚Highlands‘ abzutauchen, während man mit dem Blick bereits über einige imaginäre Hügel schweift. Dann erfolgt der Überganz zum Opener THE ROAD GOES EVER ON, der erst noch sehr ruhig ist – doch dann setzen erstmals die Metal-Instrumente ein und verleihen dem Ganzen einen schön knackigen Eindruck. Wie auch der neue Leadsänger – der sich als sehr vielseitig herausstellt, größtenteils aber auf seine typisch-raue Stimmlage mit dem einzigartigen Wiedererkennungswert setzt. Und, die Reise kann beginnen – hier präsentiert sich dem Hörer eine vielschichtige Instrumentalisierung aus allerlei progressiven Elementen, denen ein weitaus eingängigerer Refrain entgegengesetzt wird. Wenn dann die Soli-Passage beginnt, gibt es absolut kein Halten mehr – hier haben sich die neuen Mitglieder wohl noch einige Ratschläge von den alten geholt, denn der Sound ist zweifelshone vergleichbar (mit dem des Vorgängeralbums) und daher erst so richtig WUTHERING HIGHTS-typisch. Wieder vermögen es die Dänen, für ein hohes Maß an Unterhaltung zu sorgen – wer hier gradlinige Power Metal-Stampfer erwartet, ist eindeutig fehl am Platz.

Denn die progressiven Anteile wurden i mVergleich zum Vorgänger noch deutlich verstärkt – wie auch dem folgenden TREE zu entnehmen ist. Unzählige Tempo- und Stimmungswechsel ‚beleben‘ diesen Titel, der wieder mal mit Klasse Soli aufzuwarten weiss. Etwas schade ist nur, dass die folkigen Elemente nicht mehr so stark in den Vordergrund gelangen. Mit LONGING FOR THE WOODS Part 1 beginnt sich nun das eigentliche Herzstück des Albums zu entfalten, schließlich kommen die Teile insgesamt auf eine Speizeit von etwa 20 Minuten. Hier können WUTHERING HEIGHTS auch wieder ihre Power Metal-latigere Seite präsentieren, das Teil ist recht flott und druckvoll gehalten. Hier gibt es dann auch -endlich – wieder einige Folk-Elemente zu hören, die den ‚Schunkel-Faktor‘ des Titels deutlich erhöhen und schlicht Laune machen. Überhaupt fallen die Kompositionen im Gesamten äusserst versiert aus – hier scheint wahrlich alles miteinander zu harmonieren. Das heisst, von den Riffs über die Keyboards bis hin zu Gesang – während man bei anderen Bands oftmals das Gefühl hat als würde vieles einfach lieblos aufeinandergeklascht. Ein Titel wie HIGHLANDS WINDS kann doch eigentlich nur den Geist des Intros aufgreifen, und sich entsprechend folkig und soundtracklastig präsentieren, oder ? In der Tat, auch wenn das Teil irgendwie nicht mehr ganz so stark zu fesseln weiss. Auch der Refrain wirkt hier gar etwas merkwürdig, und will nicht so recht zur allgemeinen Atmosphäre passen. Ordentlich gerockt werden darf natürlich trotzdem – denn Energie steckt wahrlich in jedem einzelnen WUTHERING HEIGHTS-Titel.

Nun folgt der zweite Part der LONGING FOR THE WOODS-TRilogie, der in etwa den selben Refrain wie der erste Part beinhaltet – nur, dass er anders klingt. Das ist einerseits innovativ (im Sinne der Verknüpfung der Songs), andererseits fühlt man sich einstweilen zu stark an den ersten Teil erinnert. Immerhin gibt es auch hier zahlreiche Elemente, die der Abwechslung mehr als dienlich sind. Auch sind deutlich einige echte ‚highlights‘ vernehmbar, wie die flotten Passagen vor den Strophen, oder aber die Instrumentalpassage gegen Minute 4. Das folgende THE BOLLARD kommt dagegen schon deutlich ruhiger daher, und kann schon am ehesten als ‚Ballade‘ bezeichnet werden. Hiuer präsentiert sich der Leadsänger von einer gänzlich anderen Seite, sodass man sich stellenweise fragt, ob sich überhaupt um ein und dieselbe Person handeln könne. Doch das Konzept geht auf, durch folkige Flöten-Klänge und tragenden Riffs entsteht alles andere als ein langatmiger Eindruck. Wie wäre es denn nun mit BAD HOBBITS DIE HARD ? Auf ein Stück dieser Art werden viele gewartet haben. Denn hier regiert vor allem eines: Tempo ! Der Leadsänger lässt hier seinen BAndkollegen den Vortritt, es handelt sich um ein reines Instrumental – aber ein selten fetziges und mitreissendes. Danach soll dann der dritte und letzte Part der LONGING FOR THE WOODS-Trilogie präsentieren. Der bietet gewohnt solide Kost, kann aber auch nicht mehr wirklich vom Hocker reissen. Bleiben LAND OF OLDEN GLORY und LAMENT FOR LORIEN – ersterer Titel präsentiert sich zu Beginn noch als Ballade, danach geht’s aber nochmal stark nach vorn und in Richtung anderer großer Bands aus dem Power Metal-Genre. In der Tat stehen solche Titel WUTHERING HEIGHTS noch immer sehr, sehr gut – solche, die etwas eingängigerre sind und einen gewissen Hymnen-Faktor aufweisen. Das abschließende LAMENT FOR LORIEN holt nocheinmal alle Folk-Anleihen hervor, die auf dem Album vielleicht etwas zu kurz geraten sind. Durch den mehrstimmigen Gesang entsteht ein zusätzlich Gänsehaut-verschaffender Eindruck.

Fazit: WUTHERING HEIGHTS liefern mit FAR FROM THE MADDING CROWD eine runum gelungene Scheibe ab. Die Band schafft es trotz der Besetzungswechsel, hochqualitative und wohlstrukturierte Songs abzuliefern, die für ordentlich Stimmung sorgen und das Album in Sachen ‚Unterhaltungswert‘ auf die vordersten Ränge katapultieren. Allerdings können die Dänen nicht ganz an das Innovationslevel des Vorgängeralbums anknüpfen, welches einfach noch an stückweit origäner und einzigartiger daherkam. Auch muss man sich mit einem nicht ganz so hohen Eingängigkeitsfaktor zufriedengeben, denn auf diesem Album fusioniert der eingängige Power Metal nicht mehr so stark mit progressiven und folkigen Anleihen. Es geht insgesamt deutlich progressiver und komplexer zu, sodass sich gerade im Zusammenspiel mit dem neuen Leadsänger ein vom Vorgänger abweichender Eindruck entwickelt. Der ist beileibe alles andere als negativ zu bewerten, aber eben anders – man könnte auch sagen, dass WUTHERING HEIGHTS erwachsener geworden sind. Das ist alles schön und gut – aber für das nächste Album darf es dann gerne auch wieder ein ‚mehr‘ an Power Metal und wirklich eingängigen Arrangements sein, es gilt, bloss nicht zu technisch und verfrickelt zu werden !

Anspieltipps: THE ROAD GOES EVER ON, LONGING FOR THE WOODS PART 1, LAMENT FOR LORIEN

Metal-CD-Review: WUTHERING HEIGHTS – To Travel For Evermore (2002)

Land: Dänemark – Stil: Melodic / Progressive / Power / Folk Metal

Die Trackliste:

1. Behind Tearstained Ice
2. The Nevershining Stones
3. Dancer In The Light
4. Lost Realms
5. Battle Of The Seasons
6. A Sinner´s Confession
7. See Tomorrow Shine
8. Through Within To Beyond
9. River Oblivion
10. When The Jester Cries (Bonus)

Wer WUTHERING HEIGHTS nicht kennt, verpasst etwas. Etwas ganz großes.

Vorwort: WUTHERING HEIGHTS, das ist eine recht ungewöhnliche Bandformation aus Dänemark. Ungewöhnlich deshalb, da sie sich verschiedenen Stilrichtungen des Metal verschrieben haben – so ist sie am ehesten dem Power Metal zuzuordnen, doch enorme Progressive- und Folk-Anleihen sind ebenfalls nicht ausser Acht zu lassen. Das kann ja heiter werden, denkt man – und genau das wird es auch. Schließlich sind WUTHERING HEIGHTS wie keine zweite Band um Abwechslung bemüht, scheuen sich aber auch nicht davor, wenn es darauf ankommt auch auf super-eingängige Arrangements zu setzen.

Kritik: TO TRAVEL FOR EVERMORE beginnt bereits wunderbar orchestralisch, und zwar mit dem atmosphärischen Intro BEHIND TEARSTAINED ICE. Hier ist den Dänen eine ansprechende Mischung aus Folk, Filmmusik und Metal gelungen – die Lust auf das Album wird entfacht. Der Übergang zum Opener THE NEVERSHINING STONES klingt leicht mystisch angehaucht, und was sich dann seinen Weg durch die Boxen bahnt, ist zweifelsohne beeindruckend. Nun, viele Bands machen einen expliziten ‚Opera-Metal‘ – der sich angeblich für eine traditionelle Aufführung eignen würde, da die Songs angeblich eine Geschichte erzählen und zudem wunderbar lebhaft an den Mann gebracht werden – angeblich. So muss man sich auch WUTHERING HEIGHTS vorstellen – allerdings, und das ist ganz wichtig; muss man das ‚angeblich‘ hier drei mal streichen ! Die Band schafft es tatsächlich, fantastische Geschichten zu erzählen – und das, als ob es das normalste der Welt wäre. Die Mischung aus ‚hartem‘ Metal und dezenteren Akustik-Passagen und den tänzelnd-leichten Folk-Einlagen geht vollends auf – bereits dieser Opener, der eine Spielzeit von knapp 6-einhalb Minuten hat, bietet soviel Abwechslung wie bei anderen Bands ein ganzes Album nicht. Respekt.

Und die Arrangements klingen wunderbar versiert, wie auch das Instrumentenspiel im gesamten. Hier gibt es rein gar nichts zu meckern, das ganze geht runter wie (feinstes) Öl.Wie auch DANCE IN THE LIGHT – wieder so ein Titel, der alles andere als ‚plump‘ oder ’simpel‘ daherkommt. Unglaublich viele Höhen und Tiefen, Breaks und Wandlungen sorgen für einen hohen Unterhaltungswert. Nun beginnen die etwas längeren Titel des Albums, von denen LOST REALMS der erste ist. Hier begibt man sich schlicht auf eine eindrucksvolle Reise, voller Spannung und voller Abenteuer – es geht kontinuierlich nach vorne, die Wandlung des Titels von einer eher zaghaft-langsamen Folk-Hymne, über eine bühnenwürdige Opern-Stimmung hin zu einem Metal-Brecher der Extraklasse begeistert. Und diese Gitarrensoli mit den leicht sphärischen Elementen im Hintergrund… der Wahnsinn. BATTLE OF THE SEASONS ist der zweite ‚epische Titel im Bunde, ebenfalls mit einer Laufzeit von über 8 Minuten – und der beginnt sehr Keyboard- und Gitarren-lastig. Die Überraschung folgt sogleich und beim warten auf die Lyrics – es sind keine vorhanden, es handelt sich um ein reines Instrumental. Aber was für eins… ! Und es hört nicht auf, die Qualität wird mit Titeln wie A SINNERS CONFESSION zweifelsohne gehalten, wenn nicht gar Stückchen um Stückchen auf ein ganz hohen Niveau angehoben. Verspielt, abwechslungsreich; dabei immer majestätisch, wenn nicht geradezu unantastbar – man darf sich verneigen.

Es folgt SEE TOMORROW SHINE, ein Titel, der mit einem mächtigen Scream und druckvollen Instrumentalpassagen eingeleitet wird. Danach folgt erneut ein sagenhaft atmosphärischer Strophen-Teil. Der Refrain sticht dann noch einmal aus dem Kontext hervor, ’scheint‘ geradezu über den etwas düster-mystischen Kontext des Titels hinaus, gleich einem Licht im Dunkeln. THROUGH WITHIN TO BEYOND wirkt erst wie eine Ballade, entpuppt sich dann aber auch als enorm abwechslungsreicher, wohlstrukturierter Titel mit dem gewissen Etwas. Dann kommt RIVER OBLIVION, ein enorm ruhiges Stück mit Gänsehaut-Garantie. Eine derart gefühlvolle, ehrliche Ballade hört man sonst selten. Da bei WUTHERING HEIGHTS nichts so bleibt wie es ist – ausser die Qualität – wandelt sich auch dieses Stück hie und da, in der Mitte krachen laute Metal-Elemente in die Szenerie, nur um danach wieder in der Symphonie aus Akustik-Gitarre und Soundtrack-Orchester zu verschwinden. Und auch der Folk-Anteil wird zum Ende hin noch einmal deutlich gesteigert. Hat man das Glück und kommt in den Genuss des Bonus-Tracks WHEN THE JESTER CRIES, bietet sich dem Hörer ein weiterer, mehr als solider Stampfer-Titel mit Mitwipp-Garantie und ganz und gar düsteren Elementen, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Ein grandioser, fulminanter Abschluss eines aussergewöhnlich guten Albums !

Fazit: Bei einem Werk wie TO TRAVEL FOR EVERMORE Kritik anzuführen, wäre schon beinahe ein Sakrileg, da es schlicht rundum gelungen erscheint. Dennoch gibt es ein oder zwei kleine Wermutstropfen, der Vollständigkeit halber: zum einen wirkt die Produktionsqualität nicht absolut ’sauber‘, das heisst nicht so kristallklar und druckvoll wie man es sich vielleicht wünschen würde. Und zum anderen ist der Leadsänger zwar äusserst versiert, doch auf Dauer kann er in Sachen Vielfalt einfach nicht mit den komplexen Arrangements mithalten. In jedem Fall haben sich WUTHERING HEIGHTS mit diesem aussergewöhnlichen, sozusagen absolut ‚filmreifen‘ Album ihren Weg an die Spitze des Power Metal-Genres geebnet. Es gilt, TO TRAVEL FOR EVERMORE einzulegen, und sich tatsächlich und wortwörtlich auf eine ‚Reise‘ zu begeben – WUTHERING HIGHTS macht dies dem Hörer so leicht wie kaum eine andere Band. Man darf gespannt sein auf das, was da noch kommen mag… !

Anspieltipps: Alle !