Metal-CD-Review: WISDOM – At The Gates (EP, 2007)

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Alben-Titel: At The Gates (EP)
Künstler / Band: Wisdom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Dezember 2007
Land: Ungarn
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nail Records

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Zsolt „Dime“ Galambos – Guitars
Gábor Kovács – Guitars
Péter Kern – Drums
Zoltán Kiss (Guest) – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude to the Gates (01:36)
2. At the Gates (03:35)
3. All Alone (02:50)

Willst Du Weisheit erlangen, musst Du alle Teiles des Puzzles sammeln.

AT THE GATES ist die zweite EP aus dem Hause WISDOM, einer bereits 2001 gegründeten ungarischen Power Metal-Combo. Und damit auch einer, die in den ersten Jahren nicht unbedingt viel von sich hören ließ – mit Ausnahme einer überraschenden Wahnsinns-Debüt-EP (Review) und dem merkwürdigerweise etwas schwächelnden Debüt WORDS OF WISDOM (Review) aus dem Jahre 2006. Ein Jahr später folgte dann die vorliegende, kurioserweise sehr kurze EP mit drei Titeln – auf der schon nicht mehr der einstige WISDOM-Leadsänger István Nachladal zu hören war, sondern ein Gastsänger namens Zoltán Kiss. Eben dieser einmalige Umstand könnte oder wird dann aber auch der einzige sein, der in diesem Fall einen Kaufanreiz geben könnte – abgesehen natürlich von dem Wunsch, seine WISDOM-Sammlung möglichst zu vervollständigen.

Denn: die AT THE GATES-EP ist ein grundsätzlich eher kritisch zu beäugendes Genre-Release mit einem höchst fraglichen Wert; ganz unabhängig ob sie von WISDOM kommt oder nicht. Ein Release, das unter Umständen eher als Single hätte präsetniert wreden sollten – schließlich sind gerade einmal zwei vollwertige Titel enthalten. Und sogar diese Zahl ist knapp bemessen, da ALL ALONE am ehesten ein sehr kurzes akustisches Experiment durchgeht und alleinstehend so gut wie keine Wirkung erzielt. Das Intro PRELUDE TO THE GATES ist überdies relativ verzichtbar, zumal es als kurzer symphonischer Auftakt sogar schon die Melodie aus dem folgenden Titeltrack AT THE GATES vorwegnimmt – Spannung sieht anders aus. Somit entsteht der Reiz der EP nur durch eben jenen Titeltrack, der WISDOM auch gelungen ist – glücklicherweise. Doch ob es dafür wirklich ein eigenes Release gebraucht hätte… und überhaupt: mit der späteren Neufassung vom JUDAS-Album dürfte diese EP wohl gänzlich ihrer Existenzberechtigung beraubt worden sein.

Absolute Anspieltipps: AT THE GATES


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„Gut, aber: bis auf den anständigen Titel-Track gibt es hier nicht viel zu holen.“

Metal-CD-Review: WISDOM – Wisdom (EP, 2004)

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Alben-Titel: Wisdom (EP)
Künstler / Band: Wisdom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Juli 2004
Land: Ungarn
Stil / Genre: Power Metal
Label: Music Works

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Zsolt Galambos – Guitars
Gábor Kovács – Guitars
Csaba Czébely – Drums
István Nachladal – Vocals

Track-Liste:

1. Fate (04:16)
2. King of Death (04:01)
3. Strain of Madness (04:13)
4. Evil Disguise (04:22)

Von Löffeln und der Weisheit, Teil 1.

Auch aus Ländern, die eher nicht dafür bekannt sind eine größere Masse an Genre-Bands hervorgebracht zu haben; stammt so manch hochkarätige Power Metal-Formation. Dazu gehören wohl auch die Ungarn von WISDOM, die mit ihrem 2011’er respektive 2012 erneut veröffentlcihten Überraschungsalbum JUDAS (Review) auch für internationale Furore sorgen konnten. Dabei begann die Geschichte der Band eigentlich schon mit ihrer Gründung im Jahre 2001 – also fast 10 Jahre zuvor. Viel ist der Öffentlichkeit indes nicht erhalten geblieben aus dieser theoretisch spannenden Zeit, mit Ausnahme des teilweise umstrittenen Debütalbums WORDS OF WISDOM (Review) von 2006 sowie einer nicht wirklich interessanten Mini-EP aus dem Jahre 2007. Doch gibt es eine Möglichkeit, ein noch früheres Stadium der Band auf einer offiziellen Veröffentlichung zu erleben – und zwar auf der allerersten EP der Band. Jener unscheinbare Silberling erschien 2004 über MUSIC WORKS, beinhaltet 4 Titel – und horcht auf den schlichten Namen WISDOM.

Den frühen Vorstoß der Band markieren dabei gleich mehrere Besonderheiten, von denen manche schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ersichtlich gewesen sein sollten – und andere, die sich erst im Laufe der Jahre ergaben. Wie etwa die Tatsache, dass das hier präsetnierte Material trotz der geringen Anzahl von gerade einmal 4 Titeln in jeder Hinsicht exklusiv war und auch bis heute ist. FATE, KING OF DEATH, STRAIN OF MADNESS und EVIL DISGUISE sind ausschließlich auf dieser EP zu finden, und wurden nicht mit auf das spätere Debütalbum übernommen – was sicherlich eher unüblich ist, die Exklusivität und Wertigkeit der EP aber so gesehen nur unterstreicht. Erst Recht für Fans der Band, die möglicherweise erst jetzt dazustoßen und bereits alle Alben besitzen – aber noch etwas weiter forschen möchten.

Und tatsächlich: im Gegensatz zur späteren (und leider etwas kargen) AT THE GATES-EP kommt die erste WISDOM-EP in jeder Hinsicht als kleines Kraftpaket daher. Keiner der vier Titel muss sich verstecken, speziell der Opener FATE präsetniert sich als fulminant-energetische und wunderbar schwungvolle Hymne mit Kult-Potential. Aauch, oder gerade weil WISDOM hier noch deutlich rauer und ungeschliffener klangen als später – ihre Trademarks wie möglichst eingängige refrains und schmetternde Männer-Chöre aber schon jetzt durchklingen ließen. Das riffing ist schön schwer und druckvoll, der Bass und das Schlagzeug bekommen die nötige Aufmerksamkeit, ein Keyboard braucht es nicht – und der Leadsänger István Nachladal überzeugt. Gerade das ist unter Umständen eine eher kuriose Feststellung, denn: auf dem späteren Debüt WORDS OF WISDOM sah es schon nicht mehr ganz so gut aus, merkwürdigerweise. Mit Ausnahme der Produktion und Präsentation – die ist sowohl auf dieser EP als auch dem Debütalbum über so gut wie alle Zweifel erhaben.

Und so könnte oder sollte die erste WISDOM-EP zu einem echten Geheimtipp avancieren – speziell für jene Fans der Band, die die Musik der Ungarn erst jetzt entdecken; sich aber auch mit den Anfängen beschäftigen möchten. Erst Recht, da sie so gesehen besser oder auch aussagekräftiger wirkt als das spätere Album WORDS OF WISDOM. Und das ist ein Effekt, der zwar nicht häufig eintritt – aber zumeist sehr ärgerlich ist. Die Franzosen von GALDERIA sollten mit ihrer Wahnsinns-EP RISE, LEGIONS OF FREE MEN (Review) und dem lange nicht so guten Nachfolge-Album THE UNIVERSALITY (Review) ein Lied davon singen könnten… immerhin, bei WISDOM stellen sich die Weichen ab 2011 ohnehin neu. Und der Rest, der ist Geschichte.

Absolute Anspieltipps: FATE, KING OF DEATH, STRAIN OF MADNESS, EVIL DISGUISE


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„In der Kürze liegt die Würze – eine grandiose EP und eine beeinruckende erste Werkschau von WISDOM.“

Metal-CD-Review: WISDOM – Rise Of The Wise (2016)

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Alben-Titel: Rise Of The Wise
Künstler / Band: Wisdom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Februar 2016
Land: Ungarn
Stil / Genre: Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Tamás Tóth – Drums
Máté Molnár – Bass
Gábor Kovács – Guitars
Gábor Nagy – Vocals
Anton Kabanen – Guitars

Track-Liste:

1. Over the Wall (01:05)
2. Raven’s Night (04:03)
3. My Heart Is Alive (05:00)
4. Hunting the Night (04:02)
5. Hero (03:07)
6. Through the Fire (04:25)
7. Nightmare of the Seas (03:25)
8. Believe in Me (03:32)
9. Secret Life (03:09)
10. Welcome to My Story (04:26)
11. Rise of the Wise (06:00)

Ein altes, aber noch immer funktionierendes Rezept.

Wer in den letzten Jahren die nicht unbedingt große, teils aber doch enorm hochkarätige ungarische Power Metal-Szene beobachtet hat; der dürfte speziell an einer Combo nicht vorbeigekommen sein. Die Rede ist von der seit 2001 bestehenden, direkt aus Budapest stammenden Genre-Formation WISDOM – die bereits auf dem Debütalbum von 2006 (WORDS OF WISDOM, siehe Review) bestrebt war, einen möglichst eigenen und unverkennbaren Stil innerhalb des übergeordneten Genres zu etablieren. Im Laufe der Jahre; und mit effektiven Alben wie JUDAS (Review) oder MARCHING FOR LIBERTY (Review) haben sich die Ungarn dann endgültig gemausert – und das sicher auch im internationalen Vergleich. So ist es auch kaum verwunderlich, dass man mit dem neuesten Studioalbum RISE OF THE WISE an die bisherige Erfolgsgeschichte anknüpft  – und den Hörern ein weiteres Werk in der Reihe der starken WISDOM-Alben mit sofort erkennbaren, nunmehr typischen musikalischen Trademarks kredenzt.

Vor allem Freunde der vorherigen Veröffentlichungen sollte es dabei freuen, dass sich WISDOM absolut treu geblieben sind – es gibt nicht viel neues zu hören, aber eben auch nichts worauf man gerne verzichten würde. Anders gesagt: die einzigartigen Sound-Elemente, die vor allem im Gesamtpaket für einen unverwechselbaren Klangeindruck sorgen; kommen auch auf RISE OF THE WISE voll zur Geltung. Seien es die für WISDOM typischen, vollmundig klingenden Hintergrundchöre in den hymnisch anmutenden Refrains; sei es der spezifische Sound der Gitarren, die glasklare Gesangsdarbietung von Leadsänger Gábor Nagy oder die insgesamt flotte und extrem melodische Gangart – WISDOM haben ihr Rezept für einen guten Power Metal gefunden. Das besondere: auch wenn eben jenes Rezept keine großen Geheimnisse bereithält und die Spielart sogar als vergleichsweise simpel bezeichnet werden könnte, geht das Konzept in diesem Falle auf. Die Mischung aus flotten, stampfenden und auch mal explizit balladesken Momenten ist ausgewogen; die Band hat Spaß, die stetig wachsende Hörerschaft ebenso. Entsprechend leicht schien der Band das auf RISE OF THE WISE präsentierte Material von der Hand zu gehen – und auch wenn wirkliche Aha-Effekte ausbleiben, kann man mit einem hohen Unterhaltungswert rechnen.

Absolute Anspieltipps: RAVENS NIGHT, BELIEVE IN ME, WELCOME TO MY STORY


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„Feurig-melodisches WISDOM-Material mit einem hohen Spaßfaktor.“

Metal-CD-Review: WISDOM – Words Of Wisdom (2006)

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Alben-Titel: Words Of Wisdom
Künstler / Band: Wisdom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. November 2006
Land: Ungarn
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nail Records

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Zsolt „Dime“ Galambos – Guitars
Gábor Kovács – Guitars
István Nachladal – Vocals
Péter Kern – Drums

Track-Liste:

1. Holy Vagabond (03:50)
2. Reduced to Silence (03:59)
3. Masquerade (03:40)
4. Wisdom (03:44)
5. Victory (04:25)
6. Take Our Soul (03:11)
7. Sands of Time (04:05)
8. Unholy Ghost (03:11)
9. Wheels of the War (04:44)
10. Wiseman Said (01:02)
11. Words of Wisdom (07:16)

Eine neue Genre-Kraft aus Ungarn ?

Es ist immer gut, wenn etwaigen Power Metal-Combos ein schier unmöglicher Spagat gelingt. Einen; der vornehmlich daraus besteht sich auf der einen Seite klassisch und unverfälscht zu klingen – und auf der anderen so, dass dennoch frische Alleinstellungsmerkmale präsentiert werden. Die ungarische Neuentdeckung WISDOM jedenfalls scheint sich eben jenes Konzept zu Herzen genommen haben. Ihr Debütalbum WORDS OF WISDOM klingt zwar nicht weltbewegend anders als das Material vieler anderer Genre-Interpreten, doch steckt der Teufel hier eindeutig im Detail. So fallen insbesondere kleinere Elemente wie der hie und da eingebrachte Chorgesang durchaus einzigartig und überraschend angenehm aus – und auch das Riffing schneidet verdächtig gut ab. So gesehen ist es umso besser, dass man den Gitarren einen entsprechenden Raum zugesteht. Die grundsätzlich flotten und rhythmischen Titel entfalten so schnell eine mitreißende und wenn man so will gar hymnische Wirkung – wobei man nur einstweilen etwas zu simpel vorgeht, wie etwa im Titeltrack WISDOM oder generell einigen der explizit hochtrabenden, feucht-fröhlichen Refrains.

Doch im großen und ganzen klingt das Album schön schmackig und wuchtig – ein Faktor, den die gelungene Produktion nur noch unterstützt. Ein kleiner oder gar mittelgroßer Wermutstropfen aber bleibt, und damit ist nicht unbedingt die obligatorische Ballade UNHOLY GHOST gemeint. Im Gegenteil, hier schneidet Leadsänger István Nachladal sogar vergleichsweise gut ab. Doch davon abgesehen könnte man ihn als relative Fehlbesetzung bezeichnen – was natürlich alles andere als nett wäre. Doch ist es eben fast ausschließlich der Leadgesang, welcher den sonst erfrischend-positiven Gesamteindruck des Albums dezent zu schmälern weiß. Einstweilen könnte man gar meinen, hier einen Japaner zu hören – zumindest haben viele Combos einen ähnlich hoch tönenden Frontmann, der die Aussprache des englischen nicht perfekt beherrscht. Im besten Fall lässt man sich daher vom Tempo, der instrumentalen Brachialkraft und der enormen Eingängigkeit eines Großteils der Nummern mitreißen.

Absolute Anspieltipps: HOLY VAGABOND, MASQUERADE, SANDS OF TIME, WHEELS OF WAR


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„Riff-technisch ein Fest, gesanglich eher schwach – es wäre noch viel mehr drin gewesen.“

Metal-CD-Review: WISDOM – Marching For Liberty (2013)

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Alben-Titel: Marching For Liberty
Künstler / Band: Wisdom (mehr)
Land: Ungarn
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Gábor Kovács – Guitars
Balázs Ágota – Drums
Gábor Nagy – Vocals
Máté Bodor – Guitars
Máté Molnár – Bass

Track-Liste:

01. World Of The Free
02. Dust Of The Sun
03. War Of Angels
04. Failure Of Nature
05. The Martyr
06. God Rest Your Soul
07. Take Me To Neverland
08. Wake Up My Life
09. My Fairytale
10. Have No Fear
11. Live Like A Beast
12. Marching For Liberty

Aufgerafft zum großen Marsch für die Freiheit.

WISDOM ist eine schon seit geraumer Zeit aktive Power Metal-Band aus ungarischen Gefilden. Schon von 2004 bis 2007 veröffentlichte man zwei EP’s und ein Studioalbum (WORDS OF WISDOM) – 3 Werke, die jedoch eher unbekannt sind; und so gesehen aus der Anfangszeit der 2001 gegründeten Band stammen. Erst mit dem 2011’er Album JUDAS (Review) stießen die immer erfolgreicheren Ungarn erstmals richtig auf Gehör – spätestens aber, als das Album ein gutes Jahr später noch einmal unter Noise Art Records veröffentlicht wurde; um eine noch größere Interessentenschicht zu erreichen. Nun, um im Jahre 2013, ist der Erfolg von WISDOM ungebrochen. Mit Napalm Records konnte man sich eines der wohl bekanntesten Labels als Partner sichern – zahlreiche Pressestellen erhielten bereits eine Kopie von MARCHING FOR LIBERTY, und sorgten so dafür dass das Album in aller Munde ist. Aber: lohnt sich das Album wirklich so sehr wie sein Vorgänger ?

Mit WISDOM’s MARCHING FOR LIBERTY ist es ein wenig wie mit POWERWOLF’s PREACHERS OF THE NIGHT – nach den jeweils letzten Releases dachte man, dass einfach keine Steigerung mehr möglich sei; das jeweilige Bandkonzept nicht mehr und vor allem noch frisches Material hergeben würde. Doch dann das: nach POWERWOLF schaffen es nun auch WISDOM, ihr gut funktionierendes Konzept mit einer zusätzlichen, gehörigen Portion Spielfreude zu garnieren und die Metal-Hörerschaft somit noch ein weiteres mal zu begeistern. Auch, oder gerade weil die Kompositionen im großen und Ganzen eher simpel bleiben, der Ohrwurm-Charakter klar im Vordergrund steht. Ein weiteres Mal von vielen noch kommenden ? Das bleibt abzuwarten. Momentan ist es jedenfalls angenehm zu sehen, dass man sich im Hause WISDOM nicht verbiegt, sondern das zelebriert was man liebt und zudem noch gut kann – einen zünftigen, melodischen Power Metal zu kreieren. Doch ganz so einfach ist es bei WISDOM dann doch nicht – schließlich scheinen sich die Ungarn etwaige unterschwellige Kritik am letzten Album zu Herzen genommen zu haben. Sie haben sich musikalisch weiterentwickelt, gehen nun weitaus variabler ans Werk – und klingen dennoch ganz typisch und ureigenen nach WISDOM.

Das heißt, dass die typischen, seit jeher zum Besten gegebenen Ohrwurm-Hymmen weiterhin vertreten sind (das beginnt bereits mit dem flotten Opener DUST OF THE SUN) – im Gegenzug nun aber auch deutlich abwechslungsreichere, schwerere Nummern zum sonst kreuzfidelen Repertoire hinzukommen. Bereits die Nummern 3 und 4, WAR OF ANGELS und FAILURE OF NATURE, lassen darauf schließen. Hier klingen WISDOM vergleichsweise hart, für Bandverhältnisse – was sich besonders am eher trashigen, brachial-bassigen Riffing festmachen lässt. Hinzu kommen interessante Breaks und ein kräftiger Chorgesang – der mal aus raubeinigen Männerchören, mal aus dem typisch erhabenen WISDOM-Chor besteht. Das Ganze bleibt dabei aber noch immer gut verträglich, will heißen: der eher beflügelnden, energetischen Wirkung des Genres an sich treu. Tolle Melodien, satte Chorgesänge und reichlich Doublebass-Attacken zeichnen den Sound von WISDOM auch im Jahre 2013 aus – das Ganze klingt nun sogar so gut, dass man MARCHING FOR LIBERTY getrost als Referenzwerk der Ungarn bezeichnen könnte. Auch, da ein weiterer markanter Faktor im Bereich des Leadgesangs auszumachen ist. Dieser stellt eine willkommene Abwechslung zur Konkurrenz dar, wirkt über alle Maßen stil- und treffsicher; und besitzt letztendlich auch einen hohen Wiedererkennungswert. Interessant: Fabio Lione (RHAPSODY OF FIRE) hat einen kurzen Gastauftritt im Titeltrack MARCHING FOR LIBERTY, welche das Album hymnisch wie nie abschließt.

Fazit: MARCHING FOR LIBERTY ist vor allem eines geworden – ein Sammelsurium wahrhaftiger Power Metal-Hymnen, die sowohl eine wuchtige Schlagkraft besitzen (mal durch eine gesteigerte Härte, mal schlicht durch das hohe Tempo) als auch eine gewisse musikalische Raffinesse nicht vermissen lassen. Sicher, WISDOM klingen im direkten Genre-Vergleich noch immer relativ simpel und auf-Teufel-komm-raus eingängig – doch hat man insbesondere mit dem starken Leadgesangspart und den markanten Chorelementen zwei übermäßig starke Faktoren in der großen, kunterbunten Melodic Metal-Zutatenschüssel. Aber auch ohne allzu viel Pomp, das heißt in ihrer eigentlichen Essenz; klingen WISDOM mehr als nur erträglich. Eine Ballade wie WAKE UP MY LIFE, dessen Instrumentierung nur aus einer Akustikgitarre besteht; zeigt dies sehr deutlich (und angenehm emotional) auf – auch wenn das Album niemals die (auch inhaltliche) Intensität erreicht, die es hätte erreichen können. Auch schlägt es bei weitem nicht so gut und überraschend ein wie der Vorgänger – der einfach noch eine Spur wirkungsvoller war. Schlussendlich: MARCHING FOR LIBERTY ist ein rundum gutes Album welches für Kurzweil sorgt, einen gehörigen Spaß macht und in technischer Hinsicht keine Wünsche offen lässt.

Anspieltipps: DUST OF THE SUN, WAR OF ANGELS, LIVE LIKE A BEAST, MARCHING FOR LIBERTY

Vergleichsbands: HAMMERFALL | EDGUY (frühere) | AVANTASIA

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„Simpler, aber eindringlich-hymnischer Power Metal der kurzlebigen Sorte“