Metal-CD-Review: WINTERSTORM – A Coming Storm (2010)

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Alben-Titel: A Coming Storm
Künstler / Band: Winterstorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Peter C. – Bass
Seb A. – Drums, Vocals
Armin H. – Guitars
Alex S. – Vocals
Michi L. – Guitars

Track-Liste:

1. A Coming Storm (Intro) (03:16)
2. The Final Rise (04:30)
3. A Wizard’s War (05:40)
4. March on the Peaks (00:40)
5. Winterheart (04:40)
6. Fortune’s Blood (03:54)
7. Climb the Highest Mountains (05:02)
8. Battlecry (06:21)
9. Winterhumppa (03:41)
10. Thirst of Revenge (06:20)

Von Stürmen und solchen, die noch folgen sollten.

A COMING STORM ist das Debütalbum einer bis 2010 noch nicht in Erscheinung getretenen, heute aber umso bekannteren Power Metal-Formation aus Bayern. Und damit auch einer Band, der man seit jeher eines mit Sicherheit unterstellen konnte: einen enormen Tatendrang. So sprach und spricht das hiesige und innerhalb eines Jahres verwirklichte WINTERSTORM-Debütalbum nicht nur für sich – sondern deutete bereits dezent an, dass auch in Zukunft mit einer neuen musikalischen Naturgewalt zu rechnen wäre. Einer, die es sich allemal lohnt zu entdecken – was insbesondere auf die heute behandelte, erste Werkschau der Band zu beziehen ist. A COMING STORM beinhaltet 10 respektive 8 vollwertige Titel (abzüglich des Intros und eines Zwischenspiels), von denen der Opener A FINAL RISE bereits vorab als Videosingle ausgekoppelt wurde. Und das zu Recht; denn auch wenn es sich um eine vergleichsweise einfach gestrickte Nummer handelt, geht sie dank ihres Hymnen-Potentials direkt ins Ohr. Das an den Tag gelegte Handwerk, die überraschend runde Produktion und die spürbare Treue zu typischen Genre-Trademarks vermögen es jedenfalls allemal, den geneigten Genre-Hörer zu begeistern.

Im weiteren Verlauf des Albums zeigt sich dann vor allem eines: WINTERSTORM klangen schon in dieser frühen Phase ihrer Karriere außerordentlich stilsicher und gefestigt. Auch, oder gerade wenn es um die nicht direkt zündenden und damit etwas vielschichtigeren Nummern geht. Das episch angelegte A WIZARD’S WAR beispielsweise braucht trotz des eingängigen Refrains etwas Zeit, sich zu entfalten – doch dann setzt sich auch diese dezent melancholische, stilistisch irgendwo zwischen dem Schaffen von CRYSTALLION und ORDEN OGAN zu verortende Nummer in den Gehörgängen fest. Sicher auch, da WINSTERSTORM ein gutes Gespür für ihre Soundkulissen mitbringen: das Riffing ist knackig und im Mix zumeist angenehm vordergründig; das Keyboard ist über weite Strecken präsent, klingt aber niemals aufdringlich oder allzu künstlich – während sich das Drumming und der Bass zwar nicht als herausragende, aber eben doch absolut unverzichtbare Sound-Elemente in den WINTERSTORM-Kompositionen herausstellen.

Einen sehr guten Eindruck vom Sound der Bayern erhält man so auch im überraschenden WINTERHEART, das mit rhythmischen Folk-Anleihen und starken Backing-Vocals daherkommt – und im späteren Verlauf eine gleichermaßen markante wie explizit symphonisch angehauchte Instrumentalstrecke präsentiert. An Abwechslung mangelt es jedenfalls nicht, auch wenn diese teilweise mit gemischten Gefühlen zu betrachten ist. Die Power-Ballade des Albums, CLIMB THE HIGHEST MOUNTAINS beispielsweise ist einerseits mehr als die typisch-obligatorische Herzschmerz-Ballade; und vermag es durchaus eine nennenswerte Atmosphäre zu erschaffen. Andererseits aber – und trotz der grundsätzlich ansprechenden Gesangsdarbietung des Band-Drummers Seb A. – kann man sich das Schmunzeln zumindest stellenweise nicht verkneifen. Schuld daran ist nicht nur die allgemein großzügige Portion Kitsch, sondern vor allem einige aufgrund des Leadgesangs unfreiwillig komisch wirkende Passagen.

In eine ganz ähnliche Kategorie fällt dann wohl auch das launige WINTERHUMPPA, dass trotz seiner beschwingten Folk-Melodie nicht so Recht zünden will – der Text und die Gesangsdarbietung wirken schlicht etwas zu plump. Mit BATTLECRY und dem Rausschmeißer THRIST OF REVENGE erwarten den Hörer dann aber noch einmal zwei hymnische Brecher, zu denen man immer gerne zurückkehren wird – und auch das bisher noch nicht erwähnte Intro und das Zwischenspiel MARCH ON THE PEAKS sind nicht zu verachten. Schlussendlich: A COMING STORM kann problemlos als Genre-Geheimtipp einer vielversprechenden Newcomer-Band bezeichnet werden – zumal hier handwerklich und Sound-technisch schon so gut wie alles stimmt. Als minimal störend erweisen sich nur die nicht immer perfekt inszenierten Lead-Vocals, der kaum hörbare Bass sowie das eher hintergründige Drumming. Davon, und von ein oder zwei Nummern die man sich hätte schenken können einmal abgesehen; haben WINTERSTORM hier fast alles richtig gemacht.

Absolute Anspieltipps: THE FINAL RISE, A WIZARD’S WAR, WINTERHEART, BATTLECRY


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„Ein gelungener Karriere-Auftakt.“

Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Cube Of Infinity (2016)

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Alben-Titel: Cube Of Infinity
Künstler / Band: Winterstorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. August 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Peter Cerveny – Bass
Michael Liewald – Guitars
Alexander Schirmer – Vocals

Track-Liste:

1. Infectious (01:45)
2. Pacts of Blood and Might (06:38)
3. In Clarity (04:30)
4. Secrets and Lies (04:02)
5. Effects of Being (05:27)
6. Through the Storm (04:22)
7. Cube of Infinity (05:07)
8. Frozen Awakening (06:33)
9. Timeshift (04:38)
10. Hymn of Solitude (04:11)

Es ist ja ohnehin kein richtiger Sommer.

Und so ist es allemal zu verkraften, dass die Metal-Welt schon Mitte August ein zünftiger WINTERSTORM ereilt. Dabei ist schon seit Anfang 2010 mit der nach einer brachialen Naturkraft benannten Power Metal-Formation aus Bayern zu rechnen – die sich seitdem auf eine konsequente Release-Strategie mit einem Abstand von jeweils 2 Jahren geeinigt zu haben scheint. Und so folgten nach dem respektablen Debütalbum A COMING STORM aus dem Jahre 2010 schon KINGS WILL FALL (Review) und das letztaktuelle CATHYRON (Review) – wobei es sich um eine Erfolgsserie handelt, die nun mit CUBE OF INFINITY fortgeführt werden soll. Im besten Fall versteht sich, wobei es insbesondere einen Stolperstein zu überwinden galt und gilt. Und der lässt sich am ehesten mit der schlichten Feststellung beschreiben, dass WINTERSTORM ihr potentielles Meisterstück bisher einfach noch nicht abgeliefert haben. Sicher, eine Steigerung war und ist erkennbar; wobei analog dazu die Erfahrungswerte der Band sowie auch deren Fangemeinde wachsen. Doch noch immer klingen WINTERSTORM (und damit auch CUBE OF INFINITY) ein wenig so, als wären sie noch am Anfang ihrer Karriere.

Als vergleichendes Paradebeispiel wären hier die früheren CRYSTALLION zu Rate zu ziehen, die auf ihrem Debüt A DARK ENCHANTED CRYSTAL NIGHT (Review) eine ganz ähnliche Linie verfolgten wie WINTERSTORM. Auch hier regierte ein gefühlt noch nicht ganz ausgefeilter, vergleichsweise einfach gestrickter Power Metal der europäischen Spielart – der aber reichlich Laune machte und dem auch ein gewisser hymnischer Faktor innewohnte. CRYSTALLION aber lieferten schon mit ihrem zweiten Studioalbum HATTIN (Review) ihr Meisterstück ab – ein Album, welches man in jeder Hinsicht als Erfolg werten konnte und kann. Bei WINTERSTORM lässt ein Phänomen wie dieses noch auf sich warten – auch wenn es schon einmal nicht an den handwerklichen Leistungen liegen kann. Schließlich kann man der Band mit Leichtigkeit unterstellen; dass sie das was sie machen lieben und auch umsetzen können. Lediglich den Leadgesang von Alexander Schirmer könnte man – trotz aller an den Tag gelegten Stilsicherheit – als nicht ganz so spektakulär bezeichnen. Man hört ihm zwar gerne zu, zumal seine Darbietungen in gewisser Hinsicht einzigartig sind – doch scheint seine Bandbreite gleichzeitig recht limitiert; markante Kraftausbrüche oder stilistische Variationen sucht man vergebens.

Und auch ganz allgemein scheint es den WINTERSTORM-Kompositionen von CUBE OF INFINITY an etwas zu fehlen. Vielleicht ist es lediglich das nicht wirklich gehaltene Verspechen in Bezug auf den Albentitel, den man am ehesten in einer episch-symphonische Schublade a’la LUCA TURILLI’S RHAPSODY verorten würde. Weitaus warscheinlicher aber ist, dass sich WINTERSTORM schlicht etwas zu beliebig und verwechselbar geben. Wirklich markante Highlights, beispielsweise in Form von Alleinstellungsmerkmalen, bleiben aus – stattdessen erinnert die Band nicht selten an die Kollegen von ORDEN OGAN. Nummern wie PACTS OF BLOOD AND MIGHT, IN CLARITY oder SECRETS AND LIES fehlt es trotz vieler guter Riff-Passagen an Biss – und gerade die Refrains wirken seltsam ausgelaugt. EFFECTS OF BEING hat deutlichere Folk-Einflüsse aufzuweisen und ist potentiell interessanter, doch hier sorgen die inhaltlich nicht unbedingt glanzvollen Strophen für Verdruss. Und noch etwas fällt dann spätestens mit dem schunkelnden THROUGH THE STORM auf: auch in Bezug auf die rauen (Männer-)Chöre können sich WINTERSTORM nicht wirklich mit der Konkurrenz messen, dass Ganze klingt eher gemäßigt und zurückhaltend. Lediglich das etwas düstere FROZEN AWAKENING schafft es als Ausnahme tatsächlich, eine nennenswerte Atmosphäre zu erzeugen.

Schlussendlich mag das heiß erwartete CUBE OF INFINITY den Erwartungen vieler Fans entsprechen, die hier abermals auf die ‚echten‘ und sich hinsichtlich ihrer Spielart nicht verstellenden Musiker von WINTERSTORM treffen. Im größer angelegten Vergleich zu anderen vergleichsweise jungen Combos aber schneiden die Bayern bestenfalls mäßig ab. Auch, und das ist das kuriose; wenn sie keine explizit zu benennenden Schwächen vorzuweisen haben. Die Präsentation und Produktion des Albums ist gut, das technische Handwerk lässt sich hören, das Riffing und die Soli sind knackig. Auf der anderen Seite aber stehen die absolute Mittelmäßigkeit des Songwritings, der nicht unbedingt herausragende Leadgesang sowie eine letztendlich doch frappierende Langatmigkeit in Anbetracht des dieses Mal gänzlich Highlight-losen Albums. Die Song-Strukturen klingen im gesamten schlicht zu austauschbar, einzelne Momente auffallend kraftlos. Aber in gut zwei Jahren ist ja ohnehin wieder WINTERSTORM-Zeit… und damit auch Gelegenheit für den nächsten Versuch.

Absolute Anspieltipps: FROZEN AWAKENING


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„Leider kein Wintersturm – sondern nur ein laues Lüftchen.“

Neues WINTERSTORM-Album Cube Of Infinity Kommt Noch 2016 (Metal News)

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Die deutschen Power Metaller von WINTERSTORM melden sich pünktlich zum Herbstanfang mit einer neuen Scheibe zurück – die auf den vielversprechenden Namen CUBE OF INFINITY hören wird. Ab dem 26. August 2016 ist es soweit – man darf gespannt sein, was die junge und aufstrebende Band dieses Mal in Petto haben wird. Für aktuelle Infos empfiehlt sich auch ein Besuch der offiziellen Webseite.

Die Trackliste:

1. Infectious (01:45)
2. Pacts of Blood and Might (06:38)
3. In Clarity (04:30)
4. Secrets and Lies (04:02)
5. Effects of Being (05:27)
6. Through the Storm (04:22)
7. Cube of Infinity (05:07)
8. Frozen Awakening (06:33)
9. Timeshift (04:38)
10. Hymn of Solitude (04:11)

Das Lineup:

Peter Cerveny – Bass
Michi – Guitars (lead), Vocals (backing)
Armin – Guitars (lead), Vocals (backing)
Max – Keyboards
Alexander Schirmer – Vocals
Sebastian „Sebb“ Albrecht – Vocals, Drums

Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Cathyron (2014)

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Alben-Titel: Cathyron
Künstler / Band: Winterstorm (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Peter Cerveny – Bass, Vocals (backing)
Michael Liewald – Guitars (lead), Vocals (backing)
Armin Haas – Guitars (lead), Vocals (backing)
Alexander Schirmer – Vocals
Sebastian Albrecht – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. A Hero Rises 01:56
2. Cathyron 05:35
3. Far Away 04:20
4. Burning Gates 05:06
5. Windkeepers 05:16
6. Down in the Seas 06:11
7. The Maze 04:55
8. Elders of Wisdom 06:31
9. Metalavial 05:04
10. The Evocation 01:32
11. Call of Darkness 06:42
12. The Element’s Strife 02:59

Langsam aber sicher wirklich so kräftig wie ein Sturm im Winter.

WINTERSTORM sind noch nicht allzu lange im Geschäft, genauer gesagt erst seit 2008 – und dennoch erwartet den Hörer mit CATHYRON bereits das dritte Studioalbum der deutschen Power- und Melodic Metaller. Eines kann man dabei gleich vorwegnehmen: die Band hat sich zweifelsohne weiterentwickelt. Nach dem noch etwas unausgegorenem Debüt A COMING STORM (2010) und dem insgesamt soliden, aber unspektakulärem Nachfolger KINGS WILL FALL (2012, Review hier) hat man sich endlich angeschickt, alle offensichtlich vorhandenen Stärken zu einem kleinen Powerpaket zusammenzufassen. CATHYRON wirkt somit deutlich eigenständiger und stilsicherer als die beiden ersten WINTERSTORM-Alben zusammen – und profitiert von der wachsenden Erfahrung der einzelnen Mitglieder.

Dass CATHYRON so gut funktioniert liegt besonders daran, dass WINTERSTORM das auf KINGS WILL FALL präsentierte Konzept nicht wirklich fortsetzen, sondern (zumindest gefühlt) neue Wege gehen. Nicht gänzlich neue, denn selbstverständlich gibt es auch weiterhin äußerst schmackige Melodien und Rhythmen, absolute Misting-Refrains und schlicht eine riesengroße Portion guter Laune serviert. Dieses Mal jedoch fungieren jene himmelhoch-jauchzende Elemente nicht mehr als eigentliche Highlights – sondern werden geschickt in deutlich anspruchsvollere Kompositionen eingebettet. Tatsächlich wurde die allgemeine Soundkulisse dieses Mal wesentlich effektiver ausstaffiert, auch ohne die Gefahr eines musikalischen Overkills. Durch den dezenten Einsatz von Elementen des Folk, des Soundtracks und allgemein wesentlich ansprechenderen Chören verpasste man CATHYRON eine äußert wertige, wuchtige Komponente. Eine, die in Verbindung mit der schon immer gelungenen Metal-Soundkulisse erstmals vollends ihre Wirkung entfalten kann.

Um das Ganze weiter aufzulockern und der Gleichförmigkeit entgegenzuwirken setzt man hie und da gar auf progressive Elemente, was nur gut und richtig erscheint. Denn: wo die Songstrukturen zuvor nur wenig Überraschungen boten, lassen sie sich auf CATHYRON nach und nach entdecken. Die Folge ist dann beispielsweise ein (sehr gelungener) Titel wie das mannigfaltige ELDERS OF WISDOM, der verschiedene Stimmungen in sich trägt und mal wie eine Epic Metal-Hymne, mal wie eine Piratensause a’la ALESTORM klingt (wie auch DOWN IN THE SEAS – nur etwas kraftloser). Überhaupt wurde vor allem die Arbeit an den Gitarren perfektioniert: das Riffing ist prägnanter, antreibender und abwechslungsreicher als je zuvor. Um dies festzustellen, braucht man indes erst gar nicht allzu lange in die einzelnen Titel hineinzuhören – ein jeder bekam eine Art instrumentelle Einleitung spendiert, die meist langsam beginnt – und die Spannung dann ins schier unermessliche steigert.

In die Nähe der Metal-Krone aber kommen WINTERSTORM auch dieses Mal nicht – was vor allem an zwei Faktoren liegt. Zum einen klingt die Band – trotz dessen, dass man sich immer stilsicherer gibt und hie und da reichlich Eigenständigkeit beweist – noch immer etwas zu beliebig. Das heisst: potentiell inspiriert von zahlreichen anderen Genrebands, die zumindest theoretisch die Ideen für das auf CATHYRON präsentierte Material hätten abliefern können. Irgendwo zwischen CRYSTALLION, SABATON, ORDEN OGAN, DRAGONLAND und anderen Melodic Metal-Combos fühlen sich WINTERSTORM zu Hause; mit der Folge, dass nicht wenige Passagen etwas aufgesetzt wirken können – vor allem jene, in denen in genretypischer Manier episch angelegtes präsentiert wird (wie etwa in FAR AWAY). Der zweite Faktor liegt dagegen schlicht im Leadgesang von Alexander Schirmer begründet. Jenes Sprachrohr von WINTERSTORM beherrscht zwar sein Handwerk und schneidet insgesamt alles andere als schlecht ab – doch letztendlich hinterlässt er einen eher unspektakulären und gewöhnlichen Eindruck. Am ehesten ist dieses Phänomen mit einem Geschichtenerzähler vergleichbar, dem man zwar gerne zuhört – aber hauptsächlich nur, weil das Rahmenprogramm und der Inhalt selbst entsprechend stimmig ausfallen.

Fazit: CATHYRON stellt eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger KINGS WILL FALL dar. Schlicht, da die Band sich nun wesentlich flexibler und abwechslungsreicher gibt und das Album zu einer ganzheitlichen Erfahrung macht, wo zuvor eher einzelne Titel als Aufhänger fungierten. CATHYRON ist dabei noch immer äußerst zugänglich und in seiner Wirkung eingängig (mit Nummern wie WINDKEEERS oder der Genre-Hymne METALAVIAL als Paradebeispiel), doch lässt sich der Band spätestens jetzt nicht mehr länger unterstellen, dass sie zu simpel oder vorhersehbar agieren. Für die ein oder andere Überraschung ist das Album nämlich zweifelsohne gut – vor allem in Form von äußerst stimmigen Instrumentalabschnitten. Kein Negativkriterium; sondern eher ein Hinweis ist, dass WINTERSTORM auch dieses Mal nicht wirklich Heavy agieren – sondern sich des öfteren gängigen (Genre-)Klischees hingeben und einen flotten Melodic Metal mit guter-Laune-Garantie präsentieren. Alle Freunde einer etwas härteren Gangart werden also auch dieses Mal kaum beglückt werden – doch die werden ohnehin keine Bands wie WINTERSTORM oder FREEDOM CALL auf ihrer Liste haben.

Anspieltipps: CATHYRON, WINDKEEPERS, ELDERS OF WISDOM

Vergleichsbands: FALCONER | CRYSTALLION | SABATON | ORDEN OGAN


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„Typische Genrekost, aber ein Schritt in die richtige Richtung.“

Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Kings Will Fall (2012)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Lineup:

Alex – Gesang
Michi – Gitarre, Gesang
Armin – Gitarre, Gesang
Peter – Bass
Seeb – Schlagzeug, Gesang

01. The Legend Reborn (Intro)
02. Return To Glory
03. The Stormsons
04. Sail The Unknown Seas
05. In Time We Trust
06. Kings Will Fall
07. Into The Light
08. Stronger
09. Fire Of Dreams
10. Break The Ice
11. Dragonriders

Der Wintersturm zieht ein weiteres Mal vorüber.

Vorwort: WINTERSTORM – das ist eine Fränkische Melodic Power Metal-Combo, die mit ihrem Debütalbum A COMING STORM für Furore im Metal-Jahr 2011 sorgen konnte. Das neue Werk KINGS WILL FALL erscheint nach einer nur unwesentlichen Pause bereits im Jahre 2012  – und soll möglichst an den Erfolg des Debüts anschließen, und bestenfalls ähnlich gute Kritiken an Land ziehen. Ob das den ambitionierten Musikern mit dem 11 Titel starken Nachfolge-Album gelingen wird ? Die Chancen stehen gut: ein nettes, stimmiges Cover-Artwork und das Versprechen, wieder in gekonnter Manier Elemente des Power-, Folk- und Mittelalter-Metals miteinander zu verbinden, wirken vielversprechend und wecken die Lust auf das Album.

Kritik: Der musikalische Auftakt findet in Form eines Intros, THE LEGEND REBORN, statt – in dem ein überraschend gut inszenierter Sprecher den Beginn einer wahrhaft epischen musikalischen Reise heraufbeschwört. Abgerundet wird die beeindruckende Soundkulisse durch allerlei Soundtrackelemente und symphonische Ergüsse, die recht erfrischend klingen und so einen gelungenen Start markieren. Mit dem rasanten Opener RETURN TO GLORY wird eben das zelebriert, die Rückkehr von WINTERSTORM ward gefeiert – und mit ihr ein Sound, der tatsächlich die Attribuierung als ‚glorreich‘ verdient. Aber auch inhaltlich geht es entsprechend zur Sache, für das Genre typische Heldensagen werden hier in guter alter Power Metal-Manier vorgetragen, die zumindest Genre-Fans sofort begeistern wird. Ein insgesamt äusserst runder Sound, ein verdächtig eingängiger Refrain und hie und da einige dezente Folk-Anleihen sorgen sogleich dafür, dass sich der Opener als absolut Mitsing-taugliche Hymne einen besonderen Platz sichert. Mit THE STORMSONS folgt sogleich ein weiterer Titel, den man problemlos als Hymne bezeichnen könnte – wenngleich er deutliche Unterschiede zum Opener aufweist. Schließlich ist diese Nummer eher im stampfenden Midtempo anzusiedeln, die Hochgeschwindigkeits-Passagen weichen wohlklingenden Chorelementen und damit einem recht hypnotischen Flair. Man könnte lediglich anmerken, dass auch diese Nummer nach dem zwar äusserst wirkungsvollen aber insgesamt vergleichsweise simplen Opener, vor musikalischer Genialität und -Komplexität nicht gerade zu strotzen weiss. Doch vielleicht ändert sich das noch im weiteren Verlauf – denn zu hymnenartig sollte ein Power Metal-Album auch nicht ausfallen; es darf auch gerne mal etwas progressiver oder episch strukturierter ausfallen – wie es beispielsweise die Jungs von DRAGONLAND machen, die mit ihrem UNDER THE GREY BANNER eines der Referenzalben in Bezug auf das Genre ablieferten. Es bleibt also nicht aus, dass sich auch WINTERSTORM mit solchen und anderen Kollegen vergleichen lassen, und entsprechende Alleinstellungsmerkmale mitbringen müssen um sich zu behaupten.

Doch auch das folgende SAIL THE UKNOWN SEAS klingt etwas zu halbherzig und simpel, es wird deutlich; dass WINTERSTORM sich zwar in nationalen Gefilden sehr gut behaupten können – im internationalen Vergleich (wo eine Hammer-Konkurrenz lauert) aber noch hinten anstehen. Sei es die fehlende Erfahrung oder der Anspruch, möglichst eingängige Titel zu erschaffen; Nummern wie diese weisen zwar ein mannigfaltiges Potential auf, doch offenbaren zu keinem Zeitpunkt wirkliche nennenswerte Höhen. Man bewegt sich stets im vorgegebenen Rahmen, dessen Grenzen noch etwas verhalten ausgelotet wirken und es so noch nicht vermögen, den Hörer auf eine möglichst eindringliche Art zu fesseln. Gegen Mitte werden dann doch noch einmal einige pompöse Arrangements aufgefahren, die jedoch vergleichsweise spät kommen und alsbald wieder einer etwas zu langatmigen Instrumentation weichen. IN TIME WE TRUST beruft sich dann noch einmal explizit auf eine offensichtliche Stärke der Band, die da lautet schmetternde Männerchöre stimmig in Szene zu setzen. Hier wird eine wunderbar atmosphärische Stimmung heraufbeschworen, die beinahe mehr Ausdruckskraft hat als die eines vollwertigen Titels – doch sei es drum, es geht munter weiter mit Titeln wie KINGS WILL FALL, dem Titeltrack. Hier streuen WINTERSTORM nun noch deutlicher folkige Elemente ein, doch insgesamt bleibt auch der Titeltrack deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es wirkt nicht wirklich so, als würde hier eine epische-ergreifende Geschichte erzählt (wie vermutlich beabsichtigt) – sondern vielmehr so, als würde langsam aber sicher der musikalische Alltag einkehren. Etwas halbherzige Chorelemente und eine erneut viel zu langatmige Struktur rauben der Komposition Kraft, Tempo und Aussage; sodass sich auch diese Nummer in die Riege der zwar guten; aber doch reichlich unspektakulären Titel einreiht.

Das folgende INTO THE LIGHT ist wieder einer der interessanteren Titel, der einen zwiespältigen Eindruck erweckt. Ein wenig klingt die Kompositionen nach dem Wirken der Kollegen von SABATON – doch fehlt es WINTERSTORM vergleichsweise deutlich an Rauhheit und Härte. Das ganze wirkt viel zu glattgeschliffen, der Gesang nicht ausreichend kraftvoll, der Sound mehr und mehr lasch inszeniert. Weder das Drumming, der viel zu dezente Bass oder die in diesem Fall etwas zu Hall-lastigen Gesänge können wirklich überzeugen. Auch STRONGER entpuppt sich zwar als sofort in die Gehörgänge gehende Nummer, die allerdings einen viel zu ‚poppigen‘ Refrain aufweist und auch sonst nicht wirklich nachhaltig fesseln kann. FIRE OF DREAMS schlägt in die exakt selbe Kerbe, und präsentiert sich als Metal-Stück der eher weichgespülten Art. Auch wirken einige Passagen verdächtig repetitiv (im Vergleich mit den nunmehr vorangegangen Titeln) – Innovation klingt anders. BREAK THE ICE wiederum fungiert als erste waschechte Ballade – und klingt im Vergleich deutlich besser als die vielversprechenden, im Endeffekt aber zu laschen anderen Titel. Mit DRAGONRIDERS findet auch dieses Album nach rund 50 Minuten ein Ende – aber ein vergleichsweise starkes. Hier können WINTERSTORM, abgesehen vom wieder etwas zu glattgeschliffenen Refrain, noch einmal zeigen, was in ihnen steckt. Ein etwas kräftigerer Gesang, stärkere Riffs, und ein Zugewinn in Sachen Abwechslung sorgen für einen positiven Eindruck.

Fazit: So ganz können die Erwartungen nicht erfüllt werden – KINGS WILL FALL fehlt es insgesamt noch an Pepp, einem aussagekräftigerem Instrumenteneinsatz und einer druckvolleren Produktion. WINTERSTORM’s Zweitwerk ist alles andere als ein komplexes Meisterwerk geworden – aber zumindest ein Album, mit welchem der geneigte Genre-Fan Spaß haben wird. Und auch Neueinsteiger könnten sich schnell am Sound der Franken erfreuen, da die Kompositionen sehr zugänglich ausfallen und insbesondere die Mitsing-Refrains sofort ins Ohr gehen. Im Gegenzug büßen WINTERSTORM allerdings deutlich an musikalischer Komplexität ein, und präsentieren lediglich ein grundsolides Melodic Power Metal-Album ohne wirklich nennenswerte Highlights, erhabene Aha-Momente bleiben aus. Niemand möchte die Band schlecht machen, dafür agiert sie viel zu charmant und glaubwürdig – doch gibt es Alternativen, zu denen man eher raten könnte; möchte man wirklich eindrucksvolle Metal-Kost unter dem Banner vergleichbarer Genres erleben. Stichwort Banner: UNDER THE GREY BANNER von DRAGONLAND fungiert zweifelsohne als epischere Variante einer fantastischen und perfekt inszenierten Metal-Sage; während Bands wie CRYSTALLION als ebenfalls leicht bessere, aber vergleichsweise bodenständige Alternativen gesehen werden können. Wer einen ähnlich simpel gehaltenen Power Metal ohne großartige Ecken und Kanten sucht, der ist bei den Kollegen von WISDOM ebenfalls ein klitzekleines Stück besser beraten. WINTERSTORM hätten insgesamt weniger auf etwas halbherzige, wenig innovative (und deutlich entschleunigte) Power Metal-Elemente zurückgreifen; sondern stattdessen die vielumworbenen Folk-, Viking- und Mittelalter-Elemente noch stärker ins Rampenlicht rücken sollen. Denn gerade diese gehen letztendlich unter, und lassen WINTERSTORM als Band viel gewöhnlicher, massentauglicher und schlicht ’softer‘  erscheinen, als sie es eigentlich verdient hätten.

Anspieltipps: RETURN TO GLORY, THE STORMSONS, IN TIME WE TRUST, DRAGONRIDERS