Neue WATERLAND-Single: Destiny V (2019)

Ja, auch WATERLAND melden sich 2019 mit neuem Material zurück – wobei es abzuwarten bleibt, in wie weit sich das auf den sicher nicht ganz unkritisch zu betrachtenden Werdegang der Portugiesen auswirken wird.

Metal-CD-Review: WATERLAND – Signs Of Freedom (2017)

Alben-Titel: Signs Of Freedom
Künstler / Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. März 2017
Land: Portugal
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Patricia Loureiro – Vocals
Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass

Track-Liste:

1. Destiny IV
2. Timeline
3. Can We Go Home?
4. Turn On the Lights So We Can Dance
5. Endless Skies
6. Beyond the Light
7. Signs of Freedom
8. The Witch
9. In the Silence of Your Lies
10. Words Aren’t Right
11. The Edge of Time
12. The Mysterious Fog of Preperiams Valleys
13. Last Rain
14. North Star

Herr, gib mir Kraft.

Ob man nun entsprechend lange darauf gewartet hat oder nicht sei einmal dahingestellt, aber: mit SIGNS OF FREEDOM steht der geneigten Hörerschaft das mittlerweile vierte offizielle Studioalbum der aus Portugal stammenden Power Metaller von WATERLAND ins Haus. Immerhin, einen guten Grund für eine gewisse Form der (An-)Spannung bringt das Release durchaus mit – auch wenn der so sicher nicht von der Band beabsichtigt war. So sollte das neue Werk der Portugiesen insbesondere für all jene interessant sein, die den bisherigen und zugegebenermaßen nicht unbedingt rosigen Werdegang von WATERLAND intensiv verfolgt haben – und nun feststellen möchten, was sich in der Zwischenzeit alles getan hat in der hiesigen Power Metal-Schmiede.

Anders gesagt: die große und alles entscheidende Frage ist, ob die einst aus der Geheimtipp-Combo ORATORY hervorgegangenen Portugiesen endlich eine nennenswerte Qualitätssteigerung vorweisen können – wobei es fast schon keine Rolle mehr spielt in welcher Hinsicht. Die von der Band selbst auferlegte Messlatte offeriert schließlich eine hinreichende Anzahl von Möglichkeiten – sodass WATERLAND im besten Fall ordentlich an der Qualität und Originalität ihres Songwritings, ihrem musikalischen Handwerk sowie allen anderen technischen und Sound-relevanten Aspekten geschraubt haben. Dann, aber auch nur dann könnte eine Misere vom Schlage eines WATERLAND (siehe Review) vielleicht irgendwann vergessen werden – und die beiden nicht viel besseren Nachfolger VIRTUAL TIME (Review) und OUR NATION (Review) gleich mit.

Doch wie es eben so ist, bekommt SIGNS OF FREEDOM schon im Vorfeld einen dezent faden Beigeschmack. Sicher nicht, weil man schon weiß was einen erwartet – aber doch, da WATERLAND schon wieder ihre Besetzung verändert haben. Sicher, einerseits und theoretisch könnte gerade die Neubesetzung des Leadgesangspostens die für die Band so wichtige qualitative Kehrtwende andeuten – andererseits hat man das schon bei den vorherigen Mitgliederwechseln gedacht, oder eher von der Band erwartet. Nun also macht sich eine gewisse Patricia Loureiro auf den Weg, das WATERLAND-Gesangszepter zu schwingen – womit sie die mittlerweile sechste oder siebte Person sein sollte, die mit der Aufgabe des Leadgesangs betraut wird. Doch es gilt, den Blick nach vorn zu richten – und den Opener DESTINY IV einfach mal durchstarten zu lassen. Schließlich kann Patricia Loureiro  hier erstmals zeigen, was in ihr steckt – und im besten Falle auch die restlichen Mitglieder der Band.

Lange dauert es dann allerdings nicht, bis sich ein vor allem Kennern der Diskografie nur allzu bekannt vorkommendes Gefühl einstellt: WATERLAND haben ihre Chance schon wieder vertan. Das besondere: um dieses Urteil fällen zu können, reicht eigentlich der Eindruck des besagten Openers – zumindest, wenn man die bisherige Diskografie der Portugiesen verinnerlicht hat; und eventuell noch die Klänge von ORATORY im Ohr hat. Denn wie so oft stellt sich gerade diesbezüglich eine Frage: warum zum Teufel schaffen es WATERLAND nicht einmal ansatzweise, die Qualität ihrer quasi-Vorgängerband zu erreichen – und das selbst nicht nach so vielen Jahren ? Man sollte meinen, dass es nicht an mangelndem Talent liegen kann – zumal die heute bei WATERLAND aktiven Musiker Miguel Gomes (Gitarre) und Tó Silva (Keyboards) beide maßgeblich an allen bisherigen ORATORY-Werken beteiligt waren. Doch was sie im Rahmen ihrer Karriere bei WATERLAND abliefern, ist grundsätzlich unter aller Kanone. Warum genau, das bleibt wohl auf ewig ein Mysterium.

Ganz und gar nicht mysteriös, sondern schlicht und ergreifend mies ist analog dazu auch die Darbietung der neuen Frontfrau, die theoretisch etwas frischen Wind in die müde Combo hätte bringen können. Doch was ist das – Patricia Loureiro tönt beinahe ebenso kraft- und emotionslos wie die berühmt-berüchtigten WATERLAND-Hintergrundchöre. Bekanntlich besitzen die schon seit geraumer Zeit ein enormes Einschlaf-Potential – und haben mal so gar nichts mit Größe, Eleganz oder schlicht Wohlklang am Hut. Wahrlich, in gesanglicher Hinsicht sieht es weiterhin ganz, ganz düster aus für WATERLAND – doch natürlich ist das noch nicht das Ende vom Lied. Schließlich gibt es da noch genügend andere Faktoren, die man in Bezug auf ein Genre-Album wie dieses ordentlich versemmeln kann – wie etwa die viel zu aufdringlichen, arg künstlich klingenden Keyboard-Elemente. Oder die im Gegensatz dazu verdächtig hintergründig agierenden und sich an der absoluten Basis orientierenden Gitarren. Oder das eher programmiert klingende Drumming. Oder die schlussendlich ebenfalls alles andere als herausragende Abmischungs- und Produktionsqualität – die im besten Fall mit einigen Garagen-Outputs der Marke SKYLARK mithalten kann.

Als wäre all das noch nicht genug, versagt auch das Songwriting der einzelnen Titel. Und das so sehr, dass es letztendlich gar keine Rolle spielt wo man in das Album einsteigt, welche Nummern man auslässt – oder ob man eben doch nur den Opener hört. Fakt ist: es ist eine alles andere als erhebende Erfahrung, sich durch die insgesamt 13 Titel vollwertigen Titel bei einer Spielzeit von über einer Stunde zu wurschteln. Schlicht, da hier eine Nummer wie die andere klingt – auch inhaltlich respektive in Bezug auf die Lyrics. Und wenn nicht, dann zumindest nach den Outputs zahlreicher anderer Genre-Combos, die sich ein Werk wie SIGNS OF FREEDOM sicher zum Vorbild genommen hat. Wären WATERLAND doch nur bei all ihren Ambitionen so konsequent – doch bis auf den gefühlten Ideen- und Inspirationsklau schafft man es einfach nicht, auch die entsprechende musikalischen Qualitäten der potentiellen Vorbilder mitzunehmen.

Gut, ein kleines Highlight gibt es dann vielleicht doch – allerdings eher im negativen denn im positiven Sinne. Mit seiner minimalistischen und mehr als ungünstigen präsentierten Soundkulisse, dem schiefen Leadgesang inklusive der plumpen Chöre sowie den neuen – aber ganz und gar peinlichen – Growl-Einwürfen ist ENDLESS SKIES jedenfalls ein heißer Kandidat auf die wohl unterirdischste Nummer des Albums. Alle anderen machen es nicht viel besser – und das zumindest in ein oder zwei Momenten erahnen kann, dass WATERLAND in irgendeiner Form mit ORATORY in Verbindung stehen (BEYOND THE LIGHT); reißt das Ruder ebenfalls nicht herum. Kurzum: SIGNS OF FREEDOM ist – wieder einmal – ein absoluter Griff ins Klo. Aber auch das ist wohl nichts neues für WATERLAND, zeigte eines ihrer Musikvideos eine eben solche Location – was nur eines der zahlreichen weiteren Beispiele für die stilistische Verirrung von der Band markiert.

Absolute Anspieltipps: /


„Viel Luft nach unten bleibt hier nicht.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Our Nation (2015)

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Alben-Titel: Our Nation
Künstler / Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 31. Januar 2015
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista Bass
Paulo Pires – Vocals
Miriam Dias – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny III (05:01)
2. Fire Burning (05:51)
3. Our Nation (04:00)
4. Dreams We Lost (04:18)
5. Another Star (05:05)
6. Room 45 (04:20)
7. Secrets of Mind (05:35)
8. Demons Eyes (03:50)
9. Starlight (03:20)
10. Back to Beginning (03:40)
11. Land of Dreams (04:20)
12. Legions of New Times (05:45)
13. Until the End (05:27)

Geschichten aus dem Land des Wassers.

Die aus Portugal stammenden WATERLAND haben sich mit ihrer bisherigen Diskografie wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Sei es nun die 2008’er Demo WATERLAND (Review) oder das erste, ebenfalls in kompletter Eigenregie veröffentlichte Album VIRTUAL TIME (Review) – der zweistimmige Leadgesang war einschläfernd, die Texte geradezu lächerlich, die Melodien viel zu verkitscht, die Handhabung der Instrumente dilettantisch, die Produktion schlecht. Überhaupt ließ sich das dargebotene eher in den Gefilden eines seichten Elektro-Pops denn im Bereich des Heavy Metal verorten. Dies führte zu Recht zu einigen entsprechend vernichtenden Reviews – und zu einem merkwürdigen Schattendasein der Band. Doch 2015 soll das alles ganz anders werden…

Immerhin bereitete man sich dieses Mal entsprechend vor – auch mit einem offenbar dringend nötigen Lineup-Wechsel. Marco Alves (Ex-ORATORY) beispielsweise war als WATERLAND-Sänger nur noch ein Schatten seiner selbst – was auch für alle anderen zwischenzeitlich beteiligten Sänger wie Bruno Gomes, Paulo Loureiro oder Sofia Alexandra galt. Von 2011 bis 2014 hatte man sogar noch eine weitere unbekannte namens Belisa Campinho verpflichtet… sodass man heute von fünf ehemaligen WATERLAND-Sängern ausgehen kann, was doch eher nachdenklich stimmt und an das anfängliche Durcheinander bei CARDIANT erinnert. Es wird also spannend bleiben – denn ob der 2013 hinzugezogene Paulo Pires und die 2014 rekrutierte Miriam Dias tatsächlich länger in der Band bleiben werden, ist ungewiss. Immerhin sind sie nun auf OUR NATION vertreten – und schneiden dabei deutlich besser ab als ihre Vorgänger.

Doch ob dies tatsächlich große Auswirkungen auf den WATERLAND-Sound hat, wird sich zeigen. Denn: WATERLAND haben noch immer mit markanten Problemen zu kämpfen, was sich bereits im Opener DESTINY III (der immerhin besser ist als die beiden Vorgänger) oder der Folgenummer FIRE BURNING bemerkbar macht. Und das nicht zu knapp – und trotz dessen, dass der Auftakt der Nummer recht stark daherkommt und mit den eingeworfenen Growls einen frischen Wind versprüht. Doch was danach folgt, gleicht einem Trauerspiel: wieder sind es die ewig gleichen, lamentierenden Gesänge die das Klangbild dominieren. Fakt ist, dass keine andere Power Metal-Band so kraftlos und damit auch belanglos klingt – offenbar hat sich trotz der Jahre zwischen den Releases und des neuen Lineups noch immer nichts an den markantesten Problemfeldern der Band getan. Rein Instrumenten-technisch sieht es glücklicherweise nicht mehr ganz so wild aus – aber auch hier gilt: andere machen es wesentlich besser. So bleibt OUR NATION nicht viel mehr, als mit einer ohnehin umstrittenen Ausrichtung des Genres zu punkten: einem quitsch-fidelen Happy Metal der Marke FREEDOM CALL meets DREAMTALE. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass WATERLAND ihr Handwerk eben nicht perfekt verstehen und man so stets droht, einer gewissen Lächerlichkeit zu verfallen.

Und so folgt, was folgen muss: eine Nummer wie OUR NATION verliert spätestens nach der ersten kunterbunten Minute ihren Reiz, DREAMS WE LOST scheint nur aus einem (und dazu gar nicht mal so guten) Refrain zu bestehen, mit dem munter wummernden ANOTHER STAR scheint man eine Brücke zu LIFE IN ANOTHER STAR von ORATORY schlagen zu wollen – was ebenfalls misslingt. Denn es gibt noch einen weiteren interessanten Faktor: je weiter das Album voranschreitet, desto heftiger wird der Keyboardeinsatz. Doch ist das, was Tó Silva (ebenfalls Ex-ORATORY) hier vorlegt; leider nicht sonderlich bodenständig oder atmosphärisch. Immerhin sind seine Soli akzeptabel – doch sind sie nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wie makaber der Leadgesang von WATERLAND tatsächlich ist, hört man dann spätestens in einer quasi-Ballade wie ROOM 45 – der dazu noch mit einem merkwürdig stampfenden Drumming-Part daherkommt. Oder aber in SECRETS OF MIND, in dem den kraftlosen Frontstimmen einige Growls entgegengeworfenen werden. Oder aber in der Ballade LAND OF DREAMS, die an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten ist. Oder…

Immerhin: DEMONS EYES klingt als erste Nummer des Albums überhaupt nach einem halbwegs anständigen Titel. Ein satter und variabler Drumming-Part, schön schroffe Gitarren inklusive eines guten Solos und eine etwas düstere Atmosphäre geben einen Hinweis darauf, wie WATERLAND klingen könnten; wenn sie es nur wollten. Aber auch hier gilt: der Leadgesang schneidet im Vergleich zu den durchaus passigen Growls gnadenlos schlecht ab. Was nach einer solchen vergleichsweise soliden Nummer folgt, war dann allerdings auch abzusehen: noch mehr von dem, was das Album bis dahin zu bieten hatte. Überall regnet es poppig anmutende Refrains, die wenn sie nicht so kraftlos dargeboten würden eventuell zum Mitsingen anregen würden; an jeder Ecke finden sich kitschige Keyboard-Elemente und noch viel mehr belanglose Gesänge. Eine Nummer wie BACK TO BEGINNING würde vielleicht sogar Spaß machen – würde sie als Isntrumental dargeboten. LEGIONS OF NEW TIMES ist dann schon eher erträglich, UNTIL THE END wäre vielleicht ebenfalls nicht verkehrt – wäre das Keyboard nicht derart aufdringlich.

Man darf sich demnach wohl nicht vom Schein trügen lassen. Trotz des interessanten Artworks, des neuen Lineups und der selbstbewussten Eigen-Vermarktung über Social-Media-Plattformen hat sich letztendlich verdächtig wenig am WATERLAND-Sound getan. Noch immer gibt es arge Probleme mit dem Leadgesang, der trotz der regelrechten Duette von Paulo Pires und Miriam Dias sowie den oftmals eingestreuten Hintergrundgesängen so kraftlos klingt, dass es wehtut. Noch immer bedient man sowohl mit den Texten als auch Melodien die ärgsten Genre-Klischees – die aufgrund des noch immer präsenten laienhaften Gesamteindrucks keinerlei Wirkung entfalten. Viel zu poppige Melodien, zu wenig Härte und ein äußerst gewöhnungsbedürftiger Stil runden das Ganze dann nach unten hin ab. OUR NATION kann bestenfalls Liebhabern supersüßer Melodiebögen empfohlen werden – die im gleichen Atemzug aber auf handwerklich bemerkenswerte Leistungen verzichten können.

Absolute Anspieltipps: DEMON’S EYES, LEGIONS OF NEW TIMES


„Eine dezente Verbesserung ist definitiv festzustellen – aber Land kommt noch keines in Sicht.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Virtual Time (2011)

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Alben-Titel: Virtual Time
Künstler / Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2011
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label:
Keins / Independent

Alben-Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Bruno Gomes – Vocals
Marco Alves – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny II (04:58)
2. Wait Forever (04:29)
3. Virtual Time (05:00)
4. New Winds of Time (05:45)
5. Queen of Light (03:14)
6. A Passage to Eternity (05:30)
7. Carry On (03:41)
8. The Prophecy (05:41)
9. New World (06:09)
10. A Rainbow in the Night (04:58)
11. You and I (04:01)

Die Neuerfindung eines Genres.

Nanu, wen haben wir denn da – eine Metal-Band mit dem Namen WATERLAND ? Dieser einfache, aber immerhin unverwechselbare Name klingt irgendwie sympathisch. Handelt es sich hier tatsächlich um eine markante Newcomer-Band, die sich wie so viele im Bereich der fantastischen Sagen und Erzählungen bewegt; und es dabei vielleicht sogar vermag, neue Maßstäbe zu setzen ? Im besten Fall versteht sich, doch vielleicht sollte man sich in Anbetracht derart junger und aufstrebender Bands erst einmal in Zurückhaltung üben und der Dinge harren, die da kommen. Schließlich ist beileibe noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Beginnen wir also mit einer Aufstellung des Unvermeidbaren, also dessen was WATERLAND eher nicht so gut können – aufgegliedert in Bezug auf einzelne Elemente und das große Ganze. Bei den einzelnen Elementen macht sich vor allem eines bemerkbar: keines der Mitglieder schafft es, auch nur ansatzweise eine herausragende Performance abzuliefern. Im Gegenteil: insbesondere der Leadgesang erweist sich als schwach, wenn nicht gar auffällig kraft- und emotionslos. Der Begriff des Herunterleierns trifft es hier schon recht genau – unglaublicherweise unterstützen die Backgroundgesänge diesen Eindruck noch. Anders gesagt: sie kaschieren die markanten Schwächen nicht, sondern unterstützen die Vermutung; dass die Mitglieder bei den Aufnahmen in einer Form des Halbschlafs gewesen sein müssen. Die finale Überraschung ist dann wohl nur noch, dass es ausgerechnet Marco Aleves (Ex-ORATORY, und das gar nicht mal schlecht) sein soll, der hier neben einem gewissen Bruno Gomez singt.

Doch auch bei den Kollegen und ihren Instrumenten sieht es nicht viel besser aus – wobei die Gitarren noch am besten abschneiden. Der gesamte Drumming-Part klingt nach der Leistung eines wild gewordenen Drum-Programms, womit man gar nicht mal so falsch liegt – einen Drummer hat die Band schließlich (noch) nicht im Lineup. Der Bass ist zu vernachlässigen, das Keyboard extrem überstrapaziert – sicher, irgendwie gehört es zu Bands wie WATERLAND ja dazu. Fakt ist aber auch, dass es bisher noch keine Band gab, die so explizit auf kunterbunt-kitschige Klänge gesetzt hat – zu jeder Zeit, und in jedem Titel. So entsteht ein insgesamt etwas merkwürdiger Eindruck, der das Ganze nur noch schwerlich unter dem Oberbegriff des Power Metal fungieren lässt. Ein (offiziell noch nicht erschaffenes) Genre wie das des melodisch-elektronischen Pop-Metals könnte hier schon eher Pate stehen.

Zu diesen an speziellen Elementen festzumachenden Schwächen gesellen sich allerdings noch weitere – die vor allem im Kontext des gesamten Albums auffallen. So wird beispielsweise schnell klar, dass WATERLAND eine extreme Schwäche haben, wenn es um ihre eher balladesken Nummern geht. Diese werden nicht nur arg ungünstig vorgetragen, sie sind auch inhaltlich unter aller Kanone und animieren eher zum Fremdschämen denn zu emotionalen Ausbrüchen. Das diesbezügliche Highlight markiert dann sicherlich der Rausschmeißer YOU AND I – schlimmer geht es nimmer. Was bleibt, sind schließlich noch zwei Arten von Titeln. Die einen – zu denen auch der fast schon hanebüchen klingende Opener DESTINY II oder das ähnlich aufgemachte QUEEN OF LIGHT gehören – setzen auf eine Gangart im Midtempo, klingen aber des öfteren so als müsste der Band jeden Moment der Saft ausgehen; im wahrsten Sinne des Wortes. Die viel zu exzessiven Keyboardelemente, die nur hintergründig agierenden Gitarren und die mehr als schmerzlichen Lead- und Backgroundgesänge machen Titel wie diese zu einer Qual. Die zweite Art von Titeln findet sich dann in Nummern wie WAIT FOREVER, A PASSAGE TO ETERNITY oder RAINBOW IN THE NIGHT. Und was diese Titel alle gemeinsam haben, das liegt dann schnell auf der Hand.

Es ist ein schier wahnwitziges Tempo, vor allem der (aus dem Computer stammenden) Drums – was einen im Zusammenspiel mit den elektronisch angehauchten Keyboardklängen eher an eine ausufernde Techno-Party denn an eine atmosphärische Metal-Stunde denken lässt; eben weil auch die Uptempo-Nummern verdammt stumpf dargeboten werden. Auch hier schlägt dann, wie sollte es anders sein; der leierige Gesang zu – was einmal mehr dazu führt, dass extreme Disharmonien entstehen und so gut wie kein Element zu dem anderen passt. Das einzige, was man diesem Release von WATERLAND also zugestehen könnte wäre, dass die Band ein Gespür für Melodien hat – für extrem kitschige, sicher eher in Bereichen des Pop oder Technos zuhause fühlende.

Anders gesagt: ein Album wie VIRTUAL TIME zu hören ist nicht weniger als eine Herausforderung. Nicht nur, dass die Band die gängigen Genre-Grenzen des ohnehin schon als dezent verkitscht verschrieenen Power Metals in einem unerträglichen Maße auslotet, die hier dargebotene Kost hält wahrlich keiner qualitativen Prüfung stand. Vom kärglichen Leadgesang über die ungünstige Handhabung der Instrumente inklusive der unmöglichen Keyboard-Eskapaden bis hin zur schwachbrüstigen und unvorteilhaften Produktion – WATERLAND beckleckern sich hier wahrlich nicht mit Ruhm. Ungewiss ist, wie sich die Band in Zukunft entwickeln wird – fest steht nur, dass es so nicht bleiben kann.

Absolute Anspieltipps: /


„Eine dezente, aber kaum nennenswerte Verbesserung im Vergleich mit dem vorherigen Album. Dann doch lieber die frühen ORATORY.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Waterland (2008)

Alben-Titel: Waterland (Demo)
Künstler / Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2008
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label:
Keins / Independent

Alben-Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Bruno Gomes – Vocals
Marco Alves – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny (04:14)
2. Paradise (05:43)
3. Shinning World (03:12)
4. The Sign Of Mankind (04:32)
5. The Kingdom (07:03)
6. My Dark Light (04:30)
7. The Key (04:26)
8. The Man Who Wants To Be Free (04:21)
9. Tell Me (07:17)
10. In Nomine (03:08)
11. The King Of Fantasy (04:29)
12. Memories (05:11)
13. Waterland (03:49)
14. Guardians Of Night (10:22)
15. History (03:43)

Neue Bands braucht das Land… ?

In einem beliebten und von festen Größen dominierten Genre wie dem des Power Metal ist es doch immer wieder interessant, auch mal etwaigen Newcomern zu lauschen respektive ihnen eine Chance zu geben. So wie eventuell auch WATERLAND – einer melodischen Power Metal-Combo aus Portugal. Ihr erstes zur Verfügung stehendes Werk lauscht ebenfalls auf den Namen WATERLAND – und ist eine Demo-CD mit Titeln und einer Spielzeit von satten 76 Minuten. Die Demo ist dabei ausschließlich in einem digitalen Format verfügbar, und wird von der Band selbst vermarktet – sodass sich im besten Fall ein entsprechendes Label findet und die Jungs für die Zukunft einspannt. Aber ob sich das wirklich lohnen könnte ? Immerhin scheint die Band über ausreichend Ideen zu verfügen, sonst hätte es wohl kaum zu einer derart randvollen Demo gereicht. Oder ?

Leider zeigt sich, dass man die Gewichtung eben doch stark auf jenes oder legen sollte. Denn: WATERLAND’s Demo-CD ist in gewisser Weise schon ein starkes Stück. Stark in der Hinsicht, dass man zum einen eine extreme Vorliebe für einen durch und durch verkitschten Power- oder vielleicht eher Flower Metal mitbringen sollte – wenn das nur reicht. Schließlich lassen die hier dargebotenen Leistungen noch reichlich Luft nach oben, wobei diese Formulierung eigentlich noch untertrieben ist. Vieles innerhalb der 15 Titel wirkt tatsächlich derart unausgegoren, dass es einem eiskalt den Rücken runterlaufen lässt. Und das beginnt bereits – und fatalerweise – mit der Darbietung des Leadgesangs. Dieser ist nicht nur als recht unspektakulär einzustufen, sondern auch als verdächtig kraft- und emotionslos. Ganz schlimm allerdings wird es spätestens dann, wenn der Sänger mal etwas emotionaler klingen oder ruhigere Töne anschlagen möchte – oder man auf eine merkwürdige Form des vermeintlich unterstützenden Hintergrundgesangs (in diesem Falle ist das wohl eher ein Murmeln) setzt. Überhaupt erscheint es geradezu kurios, dass es ausgerechnet Marco Alvez sein soll, der hier als Gastsänger auftritt – der ehemalige ORATORY-Sänger ist kaum wiederzuerkennen. Da man die Umstände der Aufnahme nur schwerlich abschätzen kann, könnte man hier sicherlich noch eine Art Bonus gelten lassen – wenn zumindest die instrumentalen Leistungen diese Schwäche markant auszugleichen wüssten.

Doch leider gilt auch hier nur ein Stichwort: Fehlanzeige. Während ein Titel wie der Opener einfach nur unspektakulär daherkommt (da der Bass, die computergesteuerten Drums und das Riffing generisch, uninspiriert und viel zu kraftlos klingen), wird es in Anbetracht von Nummern wie PARADISE oder GUARDIANS OF THE NIGHT schon richtiggehend peinlich. Für eine derartige Form der… man nenne es Ausgelassenheit waren sich bisher selbst Bands wie FREEDOM CALL zu schade. Erst Recht in Anbetracht der hier offerierten Klang-Qualität und den katastrophalen handwerklichen Leistungen kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Die vermeintlich symphonische Aufmachung inklusive schrecklicher Sprechpassagen von GUARDIANS OF THE NIGHT unterstützt diesen Eindruck nur nochmals, sodass man sich fragen muss ob das hier dargebotene tatsächlich ernst gemeint war – und ist.

Es bleibt ein Blick auf alle dazwischenliegenden Nummern, die mal ganz ähnliche Peinlichkeiten zur Schau stellen oder so unspektakulär ausfallen, dass man nur lauthals gähnen wird. Es stellt sich eigentlich nur die Frage, ob man sich lieber fremdschämen (wie bei unterirdischen Nummern a’la MEMORIES) oder aber langweilen sollte – andere Wirkungen können WATERLAND in diesem Fall leider kaum erzielen. Daher gibt es auch keine expliziten Lichtblicke – nur Titel, die im Endeffekt dezent besser abschneiden als die anderen. Eventuell wäre hier das handwerklich schon etwas sicherer erscheinende SHINING WORLD zu nennen.

Über den Faktor der schlechten Klang-Qualität und der noch markant verbesserungswürdigen Produktion könnte man vielleicht noch hinwegsehen – ließen WATERLAND zumindest im Anschein durchblicken, dass es lohnenswert wäre sie auch weiterhin im Auge zu behalten. Doch ist leider Gottes nicht der Fall. Zu plump, uninspiriert und kitschig klingt die Demo; die zu allen Überfluss auch noch viel zu lang ausgefallen ist. Denn wie sich zeigt ist der Grund dafür nicht ein im üppigen Maße vorhandenes Material, dass hinsichtlich seiner Qualität einfach präsentiert werden musste – sondern irgendein anderer, leider nur wenig nachvollziehbarer. Im Gedächtnis bleiben wird in Anbetracht dieser Veröffentlichung eher wenig – mit Ausnahme der katastrophalen Leistungen des Leadsängers, der fatal inszenierten Hintergrundchöre, des nervigen Drum-Computers und den sich stets nur wiederholenden, kraftlos-billigen Basis-Riffs. Oha… man darf nicht nur entsetzt sein, sondern in Anbetracht einer der niedrigsten Wertungen aller Zeiten auch eine Schweigeminute einlegen. Auf dass das Genre ein stückweit besser wird und aus Fehlern wie diesen lernt…

Absolute Anspieltipps: /


„Das mit Abstand ärgste, was das Genre des Power Metal zu bieten hat.“