Metal-CD-Review: CONQUEST – Empire (2009)

Alben-Titel: Empire
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Oktober 2009
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalism Records

Alben-Lineup:

Erland – Drums
Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Vocals, Guitars
Kull – Bass

Track-Liste:

1. In the Darkness (Intro) (01:42)
2. It Begins from Your Heart (05:05)
3. Far Beyond (05:26)
4. Prisoner of the Universe (04:54)
5. We Have Returned (03:48)
6. When the Skies Fall (04:46)
7. We Are the Ones (04:43)
8. Faith Within (05:27)
9. The Never-Ending Quest Will End (04:46)
10. Empire (06:22)

Auf, auf zur großen Eroberung.

Geht es um das Schaffen der bereits 1996 in der Ukraine gegründeten Power Metal-Formation CONQUEST, sollte einem vornehmlich ein Studioalbum der stets gut aufgestellten Recken um Band-Mastermind W. ANGEL in den Sinn kommen: das 2005 veröffentlichte FROZEN SKY (siehe Review), dass den knapp 3 Jahre älteren Vorgänger ENDLESS POWER (Review) noch einmal toppen und sich als echter Genre-Geheimtipp profilieren konnte. Als fast perfekter noch dazu – hätten sich nicht doch noch einige Schwächen in Bezug auf die Produktion sowie insbesondere den damaligen Leadgesang von Alex G.L. eingeschlichen. In der Folge reagierten CONQUEST respektive Band-Mastermind W. ANGEL mit einer Umstrukturierung und Neuaufstellung, sodass bis zum vorliegenden und erstmals über ein entsprechendes Label (Metalism Records) veröffentlichten dritten Studioalbum EMPIRE ordentlich am Lineup geschraubt wurde – mit mindestens einer größeren Überraschung. Schließlich, und als Reaktion auf den bisher nicht optimalen Leadgesang schlüpfte auf EMPIRE niemand geringeres als W. ANGEL selbst in die Rolle des Leadsängers – woraufhin sich das Repertoire des Multitalents (der natürlich weiterhin an den Gitarren werkelte und das Album in kompletter Eigenregie aufnahm, abmischte und produzierte) noch einmal ordentlich erweiterte.

Tatsächlich schien sich eben diese Entscheidung auch als richtig zu erweisen, oder anders gesagt: selbst wenn CONQUEST (die sich übrigens erst im Jahre 2011 in W. ANGELS CONQUEST umbenannten) noch immer weit davon entfernt waren, ihren überzeugenden Kompositionen auch einen wirklich kultverdächtigen Leadgesangspart gegenüberzustellen; konnte man ihnen zumindest in handwerklicher Hinsicht wenig vorwerfen. Das gilt natürlich insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass auch EMPIRE alles andere als ein allzu modernes oder auf Hochglanz poliertes Metal-Werk geworden ist – und sich die Ukrainer ihren ursprünglichen, schon vom Debütalbum bekannten Sound bewahren konnten. Trotz der Besetzungswechsel und der mittlerweile vergangenen Jahre, versteht sich – sodass EMPIRE in Sachen Energie und Spielfreude weniger weit hinter ENDLESS POWER und FROZEN SKY zurückstehen muss als gedacht. Und das ist nur gut und richtig, zählt die eher ungestüm und nach vorn preschende Herangehensweise (die zumindest noch hie und da eine Priese Speed Metal durchschimmern lässt) der Ukrainer seit jeher zu den absoluten CONQUEST-Markenzeichen; analog zur stets hervorragenden Gitarren-Arbeit und den griffigen Melodien – aber leider auch einem nicht ganz so optimal in Szene gesetzten Element.

Was genau hier gemeint sein könnte, erfährt man spätestens wenn man zu einer expliziten Alben-Ballade wie WHEN THE SKEIS FALL gelangt – mit der sich CONQUEST wahrlich keinen großen Gefallen getan haben. Sicher, mit einer Maßnahme wie dieser wollte man für Abwechslung sorgen und zeigen, dass man auch den Umgang mit großen Gefühlen nicht scheut – doch wenn das Ergebnis derart wenig überzeugend ausfällt wie in diesem Fall (und das auf so gut wie allen Ebenen), hätte man sich das Unterfangen doch besser zweimal überlegen sollen. Zumal CONQUEST schon auf dem Vorgänger FROZEN SKY einige alles andere als bemerkenswerte balladeseke Momente eingestreut hatten, aus denen man hätte lernen können (oder sollen). Immerhin: sieht man einmal großzügig über diesen allemal verzichtbaren Titel sowie eine handvoll anderer etwas zu handzahmer Passagen in anderen Nummern hinweg, ist an EMPIRE fast nichts auszusetzen – fast nichts. So könnte der doch etwas großzügig kalkulierte Einsatz des Keyboards dem ein oder anderen übel aufstoßen – erst Recht wenn CONQUEST damit wieder in eine etwas zu vorhersehbare und kitschige Ecke driften.

Das letzte größeres verhindernde I-Tüpfelchen ist aber nach wie vor der Leadgesang – der sich mit dem Einspringen von W. ANGEL höchstselbst zwar in eine angenehmere Richtung entwickelte, dabei aber immer noch weit davon entfernt war um als perfekt bezeichnet werden zu können. Allein der Refrain vom sonst recht guten FAR BEYOND etwa eignet sich als gutes diesbezügliches Anschauungsmaterial. Was einem bleibt ist der Fokus auf die wirklich starken Momente des Albums – wie auf den denkwürdigen Opener IT BEGINS FROM YOUR HEART, das ebenso verspielte wie stimmungsvolle PRISONER OF THE UNIVERSE, die beiden eher simplen aber gar nicht mal schlechten Stampfer WE HAVE RETURNED und WE ARE THE ONES; oder natürlich dem rasanten THE NEVER-ENDING QUEST WILL END. Letztendlich kann man mit einem Album wie diesem also nicht allzu viel falsch machen – auch wenn in diesem Fall sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre für W. ANGEL und sein Gefolge.

Absolute Anspieltipps: IT BEGINS FROM YOUR HEART, PRISONDER OF THE UNIVERSE, WE ARE THE ONES, THE NEVER-ENDING QUEST WILL END


„Einfach typisch CONQUEST.“

Metal-CD-Review: CONQUEST – Frozen Sky (2005)

Alben-Titel: Frozen Sky
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2005
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Guitars
Louis Ray – Bass
Alexander Can – Drums
Alex G.L. – Vocals

Track-Liste:

1. Intro (01:22)
2. The Ways of Vice (04:52)
3. My Aim (03:25)
4. The Road to Nowhere (05:15)
5. Flying in the Rain (04:40)
6. The Temple of Fear (05:25)
7. Don’t Tell Me Farewell (04:54)
8. Sunset (04:16)
9. Before the War (01:31)
10. Warbeast (05:27)
11. Frozen Sky (04:53)

Eisig und doch herzerwärmend.

W. ANGELS CONQUEST (bis 2011 einfach nur CONQUEST) sind zweifelsohne eine der markanteren Power Metal-Institutionen aus der Ukraine – was mehrere Gründe hat. Zum einen sollte man eigentlich nicht erwarten, dass die Band bereits in einer Zeit gegründet wurde in der so manch andere europäische Combo noch nicht mehr als ein feuchter Traum war – auch wenn es vom entsprechenden Stichtag (das war 1996) bis zum Debütalbum ENDLESS POWER (siehe Review) noch eine ganze Weile dauern sollte. Zum anderen aber, und auch das sollte man nicht verachten; scheint so gut wie jeder namhafte Genre-Künstler aus der Ukraine schon einmal Mitglied in der Band gewesen zu sein – die damit mehr internen Entwicklungen ausgesetzt war als viele andere. Nur einer hat der Combo seit jeher die Treue gehalten, weshalb sie wohl auch zu Recht (und das besser spät als nie) nach dem Gründungsmitglied W. ANGEL benannt wurde. Doch ob nun unter der neuen oder der alten Flagge – weitaus wichtiger erscheint, was die Band tatsächlich in Petto hat. In Bezug auf die grundsätzlich recht übersichtliche CONQUEST-Diskografie wäre das etwas das 2005 erschienene FROZEN SKY als zweites offizielles Studioalbum der Ukrainer – dass dabei recht überraschend abschneidet, und das in mehrere Richtungen.

Beispielsweise wäre da die Tatsache, dass sich CONQUEST auf ihrem Zweitwerk schon deutlicher von der ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung eines ebenso temporeichen wie zünftigen Speed Metals der Marke ENDLESS POWER verabschiedet hatten – und nun einen ausgewogeneren europäischen Power Metal anstrebten, der in diesem Fall erstaunlich gut aufgegangen ist. Allerdings, und wie bei so vielen anderen verwandten Combos; gilt das nicht unbedingt in Bezug auf wirklich alle Aspekte des Gesamtwerks – sondern vielmehr auf einzelne, dafür aber immerhin nicht allzu spärlich gesäte Highlight-Momente. Der hervorragende Opener THE WAYS OF VICE etwa markiert den diesbezüglichen Auftakt – derart stilsicher, atmosphärisch und markant-stampfend klangen CONQUEST noch nicht; zumindest nicht bis dato. Gleichzeitig aber weist schon selbiger Opener auf eine der potentiellen Schwächen des Albums hin – die leider Gottes zu einem nicht unerheblichen Teil auf die Darbietung des damaligen Leadsängers Alex G.L. zurückzuführen sind.

Sicher, am ehesten sind die vorhandenen Defizite zu verschmerzen; wenn CONQUEST ordentlich aufs Gaspedal treten – oder mit anderweitig beeindruckenden respektive ablenkenden Maßnahmen glänzen. Spätestens aber wenn es hinüber zu den reinen Balladen (wie etwa FLYING IN THE RAIN) geht, sieht es recht düster aus für den Frontmann – auch wenn die Gitarrenarbeit hier offenbar explizit darauf ausgerichtet ist, über die teils auffällig schiefen Töne hinwegzutäuschen. Auch das ein wenig an die früheren ORATORY erinnernde DONT TELL ME FAREWELL hat dementsprechend stark zu kämpfen – wobei es die merkwürdige Aussprache des Sängers sowie das hier etwas repetitive Riffing nicht viel besser machen. Unglücklicherweise findet sich mit SUNSET noch ein weiterer Kandidat für die Riege der vielleicht ungünstigsten Genre-Balladen aller Zeiten – sodass man durchaus etwas Durchhaltevermögen mitbringen muss, will man in den eigentlichen Genuss von FROZEN SKY kommen. Sieht man über die natürlich auch in den anderen Titeln vorhandenen, aber eben nicht so stark zum Tragen kommenden gesanglichen Schwächen hinweg; ergibt sich der nämlich durchaus – wobei schon das Intro sowie das Zwischenspiel BEFORE THE WAR einen respektablen Eindruck machen.

Neben diesen kleinen Beigaben aber sind es dann vor allem der bereits erwähnte Opener THE WAYS OF VICE, das ebenso rasante wie mitreißende MY AIM, das wandelbare und in den richtigen Momenten schier abgrundtief hymnische THE ROAD TO NOWHERE oder das stampfende und Riff-geladene TEMPEL OF FEAR; die den Ausschlag geben. Hier haben CONQUEST wahrlich nicht viel liegen lassen – auch nicht im gelungenen WARBEAST als gefühlte Erweiterung des frühen Sounds von KALEDON oder aber im Rausschmeißer und Titeltrack FROZEN SKY. Eine Empfehlung kann also in jedem Fall ausgesprochen werden – auch wenn der Leadgesang verhindert, dass es sich hier um ein absolutes Must-Have handelt.

Absolute Anspieltipps: THE WAYS OF VICE, MY AIM, THE ROAD TO NOWHERE, FROZEN SKY


„Über zwei oder drei Titel muss man komplett hinwegsehen, sowie sicher auch über den nicht optimalen Leadgesang – doch in den richtigen Momenten entfaltet FROZEN SKY eine ungeahnte Wirkungskraft.“

Metal-CD-Review: CONQUEST – Taste Of Life (2015)

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Alben-Titel: Taste Of Life
Künstler / Band: W. Angel’s Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. Juni 2015
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Ferrum.com

Alben-Lineup:

Erland „Death Machine“ – Drums
W. Angel – Guitars, Vocals (backing)
Agnarr – Guitars
Konstantin „Laars“ Naumenko – Vocals

Track-Liste:

1. Revolution (04:36)
2. Mirror of Truth (04:10)
3. Sunrise (05:33)
4. Martian Gods (04:24)
5. Spirit of Freedom (07:20)
6. Fellowship (04:14)
7. Blooming Day (06:34)
8. Taste of Life (04:37)
9. Don’t Live Like a Slave (04:25)
10. The Road (06:42)

Geerdet und angekommen.

Es hat sich was getan im Hause CONQUEST – jener Band, die seit 2011 auf den Namenszusatz W. Angel’s hört. Wohl, um nicht zu riskieren dass die Band mit anderen gleichnamigen verwechselt wird – und, um die Position von W. Angel zu untermauern, der seines Zeichens das Mastermind der Band ist und ihr als einziges Gründungsmitglied seit 1996 die Treue hält. Nach dem letzten mehr als soliden Album IV (Review), auf dem W. Angel noch selbst den Posten des Leadsängers übernahm, wird er aus TASTE OF LIFE erstmals nennenswert entlastet – und zwar von Konstantin Naumenko; der vielen noch als Leadsänger des Genre-Geheimtipps SUNRISE in den Gehörgängen herumgeistert. Da es in letzter Zeit eher ruhig um die ebenfalls aus der Ukraine stammenden Power Metaller geworden ist, hatte Herr Naumenko wohl keine zeitlichen Probleme um mit in das große Genre-Projekt CONQUEST einzusteigen – was aufgrund seiner hervorragenden Gesangsleistung natürlich viele Vorteile, aber auch einen klitzekleinen Nachteil mit sich bringt.

Und der ist vornehmlich auf die Identität CONQUEST’s als solche zu beziehen. Denn: wann immer W. Angel nicht nur zur Gitarre, sondern eben auch zum Mikrofon griff; entstand etwas mitunter einzigartiges. Wenn das zu hoch gegriffen scheint, dann doch zumindest etwas unverwechselbares – was gerade im Bereich des überfluteten Power Metal-Genres beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Die Mitwirkung von Konstantin Naumenko hat so zwei Seiten: einerseits passt er verdächtig gut in das Konzept der Band – andererseits führt seine Anwesenheit; ganz egal wie gut er auch agiert, automatisch zu einer dezenten Schmälerung der Einzigartigkeit der Band. Trotz dieses kleinen Wermutstropfens erwartet Genre-Fans dennoch ein verdammt gutes Power Metal-Album – das vor allem hinsichtlich seiner furiosen Instrumentalparts glänzt. So gesehen ist es also schon fast wieder gut, dass man diesen eine vergleichsweise gemäßigte, geerdete Stimme entgegenstellte.

Rein musikalisch schöpfen CONQUEST ohnehin aus dem Vollen; und bleiben sich in dieser Hinsicht auch auf TASTE OF LIFE mehr als treu. Auch wenn sich das Tempo im Vergleich zu den früheren Releases verringert hat; strotzen die Kompositionen vor Kraft, Druck und Ausdrucksstärke – was vor allem auch auf den, man nenne ihn vernünftigen Umgang mit Melodien und den Einsatz des Keyboards zurückzuführen ist. Selbiges kommt im Verlauf das neuen CONQUEST-Albums zwar des öfteren zum Einsatz; auch um hie und da gewisse elektronische Elemente einzustreuen – doch schmälert es nicht die schwermetallische, antreibende Komponente des Albums. Überhaupt scheint TASTE OF LIFE ein rundum starkes, kompaktes Album geworden zu sein – es finden sich 10 vollwertige Titel einer mittleren Spieldauer, die ohne jegliche Zwischenspiele oder großes Tamtam präsentiert werden. Und wenn W. Angel und sein Bandkollege Agnarr dann auch noch zu den Gitarren greifen um das ein oder andere furiose Solo auf die Beine zu stellen gerät der Gesamteindruck schon beinahe perfekt – schon der Opener REVOLUTION lässt kaum Wünsche offen, auch nicht in Bezug auf das starke und angenehm variable Drumming von Erland Sivolapov.

Was dann folgt, ist schlicht ein Genuss für alle Fans des Genres – speziell für all jene, die keinen Wert auf Experimente legen und es gern sehen, wenn der Schuster bei seinen Leisten bleibt und sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Das bedeutet: CONQUEST kredenzen dem Hörer zwar nichts neues oder bahnbrechendes – aber dafür eine einwandfrei dargebotene, zu jeder Zeit glaubwürdig präsentierte musikalische Kost. Eine angenehm abwechslungsreiche noch dazu – CONQUEST haben keine Probleme damit, sich sowohl im deftigen Uptempo-Bereich als auch in der Sparte der Balladen auszutoben. So gerät vor allem der Mittelteil des Albums interessant und ansprechend – was nach dem ohnehin starken Auftakt mit aneinandergereihten Stampfern wie MIRROR OF TRUTH, SUNRISE (ein Titel, der zumindest für Konstantin Naumenko zweideutig ausfällt) oder MARTIAN GODS als zusätzlicher Pluspunkt zu verstehen ist. Noch einmal wird klar: das hat Hand und Fuß, was CONQUEST hier abliefern. So sind auch die etwas langsameren, bei weitem nicht so spektakulären Nummern wie SPIRIT OF FREEDOM oder BLOOMING DAY zu verschmerzen.

Auch wenn CONQUEST durch die Verpflichtung von Konstantin Naumenko gewisse Einbußen hinsichtlich ihrer musikalischen Einzigartigkeit zu verzeichnen haben, so machen sie das Beste aus den neu gewonnen Möglichkeiten – und präsentieren mit TASTE OF LIFE ein rundum gelungenes Genre-Album mit nur einigen wenigen zu vernachlässigenden Tracks. Eines, das schön kompakt ist und auch ohne das gewisse Etwas bestens funktioniert; wobei vor allem Fans von SUNRISE oder der früheren THE STORYTELLER angesprochen werden sollten.

Absolute Anspieltipps: REVOLUTION, SUNRISE, FELLOWSHIP, DON’T LIVE LIKE A SLAVE


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„Gesanglich solide, instrumental meist eine Wucht – CONQUEST können auch 2015 noch locker mitreden.“

Metal-CD-Review: CONQUEST – Endless Power (2000)

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Alben-Titel: Endless Power
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Land: Ukraine
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Irond Records

Alben-Lineup:

J. D. Lenkoff – Gesang (Lead)
W. Angel – Gitarre, Gesang (Backing)
Alexander Zakharov – Gitarre, Gesang (Backing)
Alexander „KoSa“ Kovalevsky – Bass, Gesang (Backing)
Sergei „At The Gates“ Balalayev – Schlagzeug

Track-Liste:

1. Motherland (Overture) 02:50
2. I’ve Seen You in My Dreams 03:58
3. I’m Flying Back 04:15
4. Angry Angel 04:19
5. Winter Has Come 05:20
6. Ancient Winds 03:46
7. This World Law 05:26
8. Before It’s Done 03:24
9. I Wanna Be with You 05:42
10. The Last Sphinx 05:03
11. Rock’n’Roll to Death 03:38
12. Destiny 04:53
13. Endless Power 04:59

Wer hat denn hier seinen Fuss auf dem Gaspedal ?

Zwar gibt es aktuell gleich 6 Bands, die sich CONQUEST schimpfen – doch nur eine dieser besagten Metal-Combos stammt aus der Ukraine. Im allgemeinen gerne mal ignoriert, birgt das Land doch so manch schwermetallischen Schatz, den es sich zu entdecken lohnt – wie jene heute behandelte Band. Nicht umsonst ist ihr kürzlich eine echte Ukrainische Szene-Größe beigetragen – Konstantin Naumenko von SUNRISE; einer ebenfalls sehr hochkarätigen Power Metal-Band aus jenen Gefilden. Davon war im Jahre der Gründung, nämlich 1996 – natürlich noch nicht die Rede. Und auch nicht von einem größeren Erfolg – doch das überraschende Debütalbum ENDLESS POWER sollte den Weg – nach 2 zuvor veröffentlichten Demos – dann doch dahingehend ebnen. Wohlgemerkt sah die Besetzung zu diesem Zeitpunkt noch etwas anders aus, als heute: nur W. Angel war bereits am Debütalbum beteiligt, und blieb der Band (als Kopf und Galionsfigur) bis heute erhalten.

Und siehe da: was den Hörer im Intro MOTHERLAND, OVERTURE erwartet, klingt schon einmal reichlich verheißungsvoll. In einer Fusion aus Soundtrack-artigen Klängen,  klassisch angehauchten Arrangements und auch Umgebungsgeräuschen entsteht ein erster satter Eindruck. Sicher, nicht alle Elemente wissen das Klangbild hinsichtlich der epischen Grundstimmung sinnig zu unterstützen – gerade das Keyboard wurde hier etwas überstrapaziert. Aber sei es drum – der Opener I’VE SEEN YOU IN MY DREAMS macht sogleich klar, dass sich CONQUEST ohnehin eher in den brachialeren Gefilden auskennen und sich wohlfühlen. Nun wird auch klar, warum man das Ganze als Power- mit Speed Metal-Einflüssen bezeichnen könnte – das Tempo ist enorm, der Sound (vor allem der Gitarren) recht schroff und alles andere als glattgeschliffen. Um dennoch ein gewisses Maß an Melodiösität hervorzubringen, setzt man auf einige höchst gelungene Riffs – und auf den Leadgesang von Jenick D. Lenkoff, einem selbst in der Ukraine recht unbekannten Künstler.

Der markante vorwärts-Drang des Albums wird auch im folgenden I’M FLYING BACK schnell offenbar – das superflotte Drumming und die hier noch genialeren Riffs und Licks lassen das Herz eines jeden Oldschool-Power-Metallers sofort höher schlagen. Offenbar ist es eben jene Symbiose aus dem eher harsch klingenden (aber harmonischen) Instrumentalpart und der Performance des Leadsängers, die den Sound von CONQUEST auszeichnet – das Ergebnis ist dann mitunter eine starke Uptempo-Hymne wie diese. Eine reichlich gradlinige zwar, die keine besonderen Überraschungen vorsieht – aber eine wirksame, auf der subtilen Ebene. Das CONQUEST auf ENDLESS POWER eine klar festgelegte, konsequente Linie fahren, zeigt sich auch im weiteren Verlauf. Der Beginn von ANGRY ANGEL lässt zuerst noch auf eine (Power-)Ballade schließen – kurz drauf allerdings eröffnet sich die nächste Uptempo-Instrumentierung; die dieses mal aber immerhin von einigen kurzen, langsameren Riff-Passagen unterbrochen wird. Besagte Power-Ballade folgt dann allerdings doch noch: und zwar mit WINTER HAS COME, einer andächtigen Komposition aus Akustikgitarren, zartem Gesang und einem sanften Bass. Das Schlagzeug hält sich weitestgehend zurück, bis man auf den Refrain zusteuert; doch auch hier schaffen CONQUEST das bis dato unglaubliche: sie verzichten auf Tempo. Das Ergebnis ist dabei aber – leider – nicht zufriedenstellend: im Sinne der Abwechslung gelingt es ihnen, im Sinne der Qualität und Gesamtwirkung jedoch eher weniger. Der Leadsänger klingt stellenweise viel zu angestrengt und nicht ganz treffsicher – das muss nicht sein.

Und so folgt mit ANCIENT WINDS ein weiterer Brecher der Uptempo-Klasse. Gemäß den heraufbeschworenen Winden ist der Hörer geneigt, sich der Kraft des Sturmes nicht entziehen zu können – CONQUEST sind wirklich schnell, verdammt schnell. Dabei besinnen sich sich, wie auch im folgenden THIS WORLD LAW, auf ein typisches Genre-Konzept: man nehme eine verdammt schnelle Instrumentierung, sorge für ein paar markante Riffs und einige schöne, hymnische Mitsing-Refrains – und erlaube sich sonst keinerlei Ausbrüche. Für Fans mag das genau das richtige sein, doch wird dieses Konzept nicht bei jedem auf Anklang stossen. Und diese Sorge ist wahrlich nicht unberechtigt – denn mit BEFORE IT’S DONE folgt schon die nächste Nummer im entsprechenden Soundgewand. Es mehr sich die Gefahr, dass einzelne Stücke einander zu stark ähneln; keines wirklich aus dem Alben-Kontext hervorstechen kann – genau das passiert nun auch ENDLESS POWER als Gesamtwerk. Zwar versucht man, dem etwas gleichförmigen Eindruck beispielsweise mit Variationen im Gesang (hier etwas tiefer, in der Nummer davor noch höher als sonst) beizukommen; doch auch das wirkt nicht so wie eventuell beabsichtigt. Die Abwechslung in Form von einer Ballade herbeizuführen, gelang CONQUEST bisher noch nicht – und auch mit der zweiten Alben-Ballade I WANNA BE WITH YOU überzeugt man nicht, eher im Gegenteil. Wieder ist es der merkwürdig anmutende, schief klingende Leadgesang und der insgesamt sogar etwas peinlich-plumpe Eindruck, der einen jeglichen Anflug von Emotionalität verfliegen lässt. Da kann auch der (etwas bessere) Refrain nicht mehr viel reissen.

THE LAST SPHINX ist dann wieder eine – richtig – Uptemponummer, die sich dieses Mal allerdings schon etwas deutlicher von den bisherigen unterscheidet. Endlich – denn der zu gleichförmige Mittelteil muss nun dringend von einem furiosen Finale abgeschmeckt werden. Die unterstützenden Backgroundgesänge sind nett, die Riffs markant, das Soli ebenfalls fetzig – und auch der Refrain kann überzeugen. Gut, dass auch das folgende ROCK N‘ ROLL TO DEATH als besonderer Titel bestehen kann – hier handelt es sich um eine Hymne an das Genre, bei der die Angestrengtheit erstmals einer größeren Portion Spielfreude und auch ein klein wenig Witz weicht. DESTINY und ENDLESS POWER, die beiden abschließenden Titel, sind dann wieder typische CONQUEST-Brecher ohne großartige Überraschungen, obwohl gerade ENDLESS POWER ein deutlich düsterer Anstrich verpasst wurde als den anderen Titeln.

Fazit: CONQUEST ist eine Band, die wie geschaffen ist für Freunde eines oldschooligen, temporeichen Power / Speed Metal. Die Kompositionen verlaufen stets gradlinig, beinhalten kaum Spielereien oder Experimente; und entfesseln so eine enorm druckvolle, ungekünstelte Wirkung. Allerdings ist festzustellen, dass CONQUEST das Gaspedal auf ENDLESS POWER schon recht auffällig strapazieren – wer auf der Suche nach etwas bedächtigeren, atmosphärischen Nummern ist, sollte einen Bogen um diese CD machen. Denn wenngleich Stücke im Midtempo-Bereich absolut ausbleiben (warum auch immer), bietet das Album davon abgesehen nur zwei Balladen – und die kann man getrost vernachlässigen. Es bleiben eine handvoll (eine großzügige, bei der Titelanzahl) an Uptempo-Tracks, die eine enorme Kraft entfalten und niemanden still sitzen lassen werden – aber, und das ist das Problem – die sich im Endeffekt doch sehr ähneln. Die unausweichliche Folge ist, dass keiner der Titel wirklich markant aus der Masse hervorstechen, sich als unabhängiger Track in den Gehörgängen festsetzen kann. Bis auf das muntere ROCK N‘ ROLL TO DEATH, versteht sich – doch zu mehr als einem launigen Party-Track reicht es auch hier nicht. So heisst es dann eher: habe ich Lust auf eine ordentliche Portion Tempo, greife ich zu CONQUEST’s ENDLESS POWER.

Anspieltipps: I’VE SEEN YOU IN MY DREAMS, I’M FYLING BACK, ANGRY ANGEL, THE LAST SPHINX

Vergleichsbands: HELLOWEEN | SUNRISE


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„Temporeich und energetisch“

Metal-CD-Review: W. ANGEL’S CONQUEST – IV (2011)

Land: Ukraine – Stil: Power Metal

Die Trackliste (ohne Gewähr):

01 – Storm
02 – Last Battle
03 – Godless Territory
04 – Metal Wings
05 – My Special Way
06 – Seventh Gate
07 – Save Me
08 – Frozen Angel
09 – Be My Light
10 – Intruder
11 – Forgotten Dreams
12 – Anthem

Dieser Leadsänger tischt uns ordentlich was auf… !

Vorwort: Lustig ist das Namensspiel – ehemals schlicht unter dem Bandnamen CONQUEST agierend, benannte sich die von W. Angel angeführte Band erst vor kurzem in W. ANGEL’S CONQUEST um, um etwaigen Zuordnungsproblemen aus dem Weg zu gehen. Und tatsächlich – sollte man diese Band nur unter der Bezeichnung CONQUEST bei irgendwelchen Suchmaschinen suchen, hilft auch pures Glück nicht mehr viel. Ein durchaus sinniger Schritt also ! Nach einigen CD’s und EP’s sind die Jungs aus der Ukraine nun also wieder zurück – mit ihrem neuen Werk IV im Gepäck. Ein schlichter Bandname, ein schlichter Albentitel, schlicht-unspektakulräer Power Metal ? Zumindest könnte man dies annehmen, doch in diesem Fall gilt an dieser Stelle: Vorsicht mit solchen Vermutungen, diese sind erst erlaubt wenn man denn einmal in IV hineingehört hat ! Und damit ohnehin eher unangebracht… W. ANGEL’S CONQUEST spielen einen satten Melodic Power Metal mit einem leicht elektronisch-poppigen Soundtouch, der insgesamt sicher weniger ‚True‘, aber dennoch als ausreichend ‚frisch‘ zu bezeichnen ist.

Kritik: Ja, ich kann und möchte es zugeben – IV war beziehungsweise ist für mich wie eine Offenbarung. Nach all den guten bis sehr guten Power Metal-Alben aus dem Jahr 2011 (DRAGONLAND, ANCIENT BARDS) wartete ich sehnsüchtig auf ein ebenso gutes Werk… welches sich allerdings ein wenig vom Fantasy-Dragonslayergenre distanzieren würde. Aber bitte auch nicht zu sehr – denn auch in diesem Bereich gibt es bereits eine ausreichende Anzahl an Genrevertretern. Eine zünftige Melodic Power Metal-Scheibe a’la STRATOVARIUS, GAMMA RAY (gut, hoch gegriffen…) oder vielleicht auch SUNRISE (ebenfalls Ukraine)… mit klaren Alleinstellungsmerkmalen, das wäre doch was… und da kommt IV gerade recht. Bereits der Opener STORM macht seinem Namen alle Ehre und rauscht durch die Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Ein satter, aber dennoch dezenter Doublebass treibt das stürmische Spektakel an, saftige Gitarrenbretter dienen hier nicht nur als oberflächliche Zierde, sondern sind Programm. Und dann hätten wir da noch einen zweifelsohne auffälligen Leadsänger, der gerade in der heutigen zeit der Albenflut wunderbar einzigartig und versiert klingt – das ist doch mal wieder eine satte, waschechte Power Metal-Voice die man immer wieder gerne hört.

Wie auch das LAST BATTLE, die erste superknackige Uptempo-Nummer des Albums. Wahnwitzige Gitarrenperformances und ein absoluter Power-Refrain mit einer Glanzleistung von W. Angel machen diesen Titel zu einem noch größeren ‚Hinhörer‘ als das Opening. So darf es gerne weitergehen ! Dass die Band ein großes Gespür für frische, unverbrauchte aber dennoch eingängige Melodien besitzt macht auch der folgende Titel, GODLESS TERRITORY klar. Erstmal rückt auch das Keyboard auffällig in den Vordergrund, was dem Titel einen zusätzlichen Reiz verleiht – schließlich übertreiben CONQUEST es auch nicht. Aber dann ein ‚Upps, was ist das denn’… was macht Leadsänger W. Angel denn da, am Ende des Refrains ? Jetzt erschließt sich sicher auch die Bedeutung meiner allgemeinen Überschrift… er tischt uns, die wir uns Freunde / Fans des Power Metal schimpfen, ordentlich etwas auf. Seine high-pitched Screams sind tatsächlich etwas ganz besonderes (wenn auch gewöhnungsbedürftiges), und sollen uns auch noch im weiteren Verlauf des Albums begleiten. So ’schreit‘ wahrlich nur eine einzige Person im Metal – womit das erste absolute Alleinstellungsmerkmal der Ukrainer gefunden ist.

Gehen wir hinüber zu METAL WINGS, einem meiner persönlichen Favoriten des Albums. Ja, auch wenn der Titel vergleichsweise simpel strukturiert ist und nah an der Klischeegrenze schrammt – aber diesen kraftvoll präsentierten Strophen und dem unendlich melodiösen Refrain kann einfach niemand widerstehen. Und dann gilt es wieder, das Maximum aus einem gewissen Organ zu holen… da bleibt einem doch glatt die Spucke weg ! Das er aber auch ganz anders kann, zeigt er im folgenden MY SPECIAL WAY, einer emotionalen Ballade, in der er sich eher zurückhält was die allzu hohen Stimmlagen angeht. In den Strophen klingt er gar sanft-verträumt, und serviert so auch ein nennenswertes Maß an nachdenklichen Phrasen und Stimmungen. Etwas härter geht es dann schon wieder in SEVENTH GATE zu, sowohl stimmlich als auch musikalisch. Aber natürlich gibt es auch in diesem Titel einen wunderbar melodischen Refrain, der den sonst etwas langatmigen Titel positiv aufwertet. Es folgen Titel wie SAVE ME, FROZEN ANGEL und BE MY LIGHT, die alle die gewohnte hohe CONQUEST-Qualität anbieten, grundsätzlich aber nicht sonderlich aus dem Sammelsorium der 12 Titel hervorstechen. Für ordentlich Laune sorgt dann nochmal das brachiale INTRUDER, welches zweifelsohne die Attribuierung als ‚Hymne‘ verdient. Aber, ganz so knackig und verspielt wie zum Auftakt des Albums wirken CONQUEST hier bereits nicht mehr. Leider… ! Und auch die Ballade FORGOTTEN DREAMS wirkt alles andere als innovativ, hier haben CONQUEST eventuell schon die Kitsch- beziehungsweise Larifarigrenze überschritten (man sieht, meine ist recht hoch). CONQUEST klingen eben immer noch am besten, wenn sie in Titeln wie ANTHEM ordentlich (melodischen) Zunder geben.

Fazit: Kurzum – IV ist ein Album, welches in erster Linie Spaß macht. Es bietet nicht sonderlich viel neues, ist relativ simpel strukturiert; die Titel sind allesamt melodisch-eingängig und offerieren ein ums andere Mal ein gewisses Hymnen-Potential. Schnelle, kräftige Uptempo-Nummern wechseln sich mit dramatischeren Balladen ab, sodass eine gewisse Abwechslung gegeben ist. Jedoch muss man feststellen, dass das Album zum Ende hin immer mehr Qualitätseinbußen ausgesetzt ist: Elemente wiederholen sich, es wird deutlich ‚weichgespülter‘; Überraschungen bleiben aus. Und, so wirklich überzeugend als dass man sagen könnte, CONQUEST wären die Metal-Balladenmacher Nummer 1, kommen die verstreuten balladesken Stücke nun auch nicht rüber. Weiterhin ist der etwas… übertriebene Keyboardeinsatz in so mancherlei Titel auch nicht gerade das gelbe vom (Metal-)Ei, lediglich die überaus angenehme und oftmals ans Limit gehende Stimme von W. Angel macht die Band zu etwas besonderem und aus der Masse hervorstechenden. Eine Empfehlung für alle Freunde des Power Metal, die mit etwas mehr Kitsch keine Probleme haben.