Metal-CD-Review: TRAGEDIAN – DECIMATION (2013)

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Alben-Titel: Decimation
Künstler / Band: Tragedian (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: IceWarrior Records

Alben-Lineup:

Val Shieldon – Vocals
Gabriele Palermo – Guitar
Dany All – Keyboards
Steve Vawamas – Bass
Max Polon – Drums

Track-Liste:

01. Decimation
02. Escape
03. Forever
04. United
05. Destiny
06. Inner Silence
07. As On
08. Crying In The Rain
09. Shadows Of My Past
10. Reach For The Sky
11. Redemption (Bonus Track)

Eine spannend erzählte inhaltliche, oder doch eher eine musikalische Tragödie ?

TRAGEDIAN sind eine der unzähligen Melodic Power Metal-Combos aus deutschen Landen. Eigentlich existiert die Band schon seit 2002, doch liess man bisher nicht viel von sich hören – woran die vielen Besetzungswechsel sicher keinen unerheblichen Anteil hatten. So veröffentlichten TRAGEDIAN von 2002 bis 2012 nur ein einziges Studioalbum; nämlich DREAMSCAPE aus dem Jahr 2008. Hierbei handelte es sich um ein eher mittelmäßig aufgenommenes Power Metal-Album, welches eher generisch und Genre-typisch aufgebaut war. Der große Erfolg sollte sich nicht einstellen – aber immerhin blieb die doch ungewöhnliche, mit einem hohen Wiedererkennungswert versehene Gesangsperformance von Timo Behrens in Erinnerung. Nun, und im Jahre 2013, folgt endlich das Zweitwerk der Band – DECIMATION. 

Das Problem: der Markt heute mehr denn je überlaufen von etwaigen Genre-Releases, sodass es TRAGEDIAN auch aktuell schwer haben werden, etwas wirklich bemerkenswertes abzuliefern – eine Feststellung, die man bereits vor dem Einlegen der neuen Scheibe, und unter Einbeziehung der doch nicht ganz gradlinigen Bandgeschichte treffen kann. Dass nun auch ausgerechnet der damalige Leadsänger Timo Behrens nicht mehr mit von der Partie sein soll, gibt einem zusätzlich zu denken – aber mehr noch; bis auf den Gitarristen Gabriel Palermo sind alle anderen Bandmitglieder unmittelbar nach dem letzten Album DREAMSCAPE zur Band gestossen. So sollten TRAGEDIAN eine regelrechte ‚Frischzellenkur‘ durchlaufen haben – was aber noch nichts heissen muss. Bei vielen ist die Hoffnungen aber sicher groß, auf DECIMATION etwas zumindest halbwegs bahnbrechendes, frisches vorzufinden.

Doch das ist – leider Gottes – ein Trugschluss. Nach einem typischen, etwas plump klingenden Genre-Intro ertönt der Opener ESCAPE – und man erfährt erstmals, wie die neuen alten TRAGEDIAN im Jahre 2013 klingen. Und jener Eindruck ist mit allem zu beschreiben – nur nicht mit den Worten gut oder brilliant. Ja, nicht einmal mittelmäßig klingt das hier dargebotene Material – was mehrere Gründe hat. Zum einen ist der neue (relativ unerfahrene) Leadsänger Val Shieldon nicht gerade einer der angenehmsten Performer, die das Genre heutzutage zu bieten hat. Er tönt allgemein etwas zu kraftlos, in den höheren Lagen sogar äußerst wackelig und unsicher – wenn nicht gar krächzig – und wirkt davon abgesehen relativ austauschbar. Eine gewisse Unverwechselbarkeit, einen hohen Wiedererkennungswert sucht man also vergebens.

Aber auch in instrumenteller Hinsicht scheint es Probleme zu geben: das Schlagzeug klingt deutlich zu flau und unfreiwillig in dessen Kraft gedrosselt, die Gitarren relativ uninspiriert. Richtig problematisch wird es dann in Bezug auf den Keyboardeinsatz: hier wird nämlich eher geklotzt, als gekleckert. Ob man damit gewisse Unstimmigkeiten hat kaschieren wollen sei einmal dahingestellt, aber: es klingt einfach nicht angenehm, zumal die verwendeten Samples und RHAPSODY-oesken Spinettklänge nicht gerade für ein noch nie dagewesenes Hörerlebnis sorgen.

Eben jener erster Eindruck zieht sich leider auch durch die folgenden Titel – denen es allen an markanten Höhepunkten, einem nennenswerten Abwechslungsreichtum und schlicht einer Portion geballter Power mangelt. Immerhin, Leadsänger Val Shieldon klingt schon deutlich treffsicherer, wenn er in tieferen Lagen (wie etwa in der Ballade FOREVER) singt – doch die wenig knackigen Soli und der allgemein repetitive Eindruck verhindern, dass man von wirklicher Qualität sprechen könnte.  TRAGEDIAN klingen plötzlich gar nicht mehr so, als wären sie schon einige Jahre im Geschäft – sondern eher so, wie eine der zahlreichen jungen Bands a’la FOGALORD. Jene Vergleichsband stammt aus Italien – und auch wenn TRAGEDIAN eine deutsche Band sind, klingen sie doch eher nach dem typischen südländischen Euro-Power-Metal der eher verwechselbaren Sorte.

Und es wird leider kaum besser: während Stücke wie UNITED schon relativ Keyboard-überladen ausfallen, setzt man dem Ganzen mit einer Nummer wie DESTINY noch die Krone auf. Selten hat man so künstlich klingende, ja direkt störende Elemente in einem Power-Metal-Song vernommen. Das geht gar nicht, und strapaziert die Hörnerven doch enorm. Da wirkt eine ruhige Folgenummer wie INNER SILENCE schon wie eine Offenbarung – auch wenn man derlei bei HELLOWEEN und Co (es zeigen sich leichte Parallelen) schon wesentlich besser gehört hat. Bereits beim siebten Titel angekommen, könnte man sich die Frage stellen, ob TRAGEDIAN zumindest ein oder zwei markante Uptempo-Nummern eingeplant haben – doch auch das ist nicht der Fall. Das Album zieht sich, trotz einer geringen Spielzeit von knapp über 40 Minuten – was auch daran liegt, dass die Tempowechsel äusserst marginal ausfallen, man nie mit der vollen, potentiellen Schlagkraft ausholt.

CRYING IN THE RAIN ist dann wiederum eine Ballade, die allgemein besser funktioniert – doch der Leadgesang vermag es einfach nicht, ein Mindestmaß an Emotionen zu transportieren. SHADOWS OF MY PAST ist dann insofern eine Überraschung, als dass man plötzlich doch in Sachen Tempo anzieht – doch wirklich gelungen klingt auch das nicht mehr. Vor allem aber sollte einem der allgemeine Klangeindruck der Nummer irgendwoher bekannt vorkommen – richtig, Keyboarder Dany All ist auch bei SYNTHPHONIA SUPREMA tätig. Und auch bei der oben genannten Vergleichsbad FOGALORD… etwaige Vergleiche in dieser Richtung kommen also nicht von ungefähr. Vielleicht wäre es besser, er würde sich nur auf eine Band konzentrieren, um ein waschechtes Alben-Highlight abzuliefern – doch bei der Aufteilung seines Repertoires auf gleich 3 ähnlich klingende (!) Bands wird dies wohl auch in Zukunft nicht drin sein, zu ‚recycelt‘ klingen etwaige Elemente. REACH FOR THE SKY kann dann auch nichts mehr reissen (Stichwort: nerviger Keyboard-Overflow) – lediglich der Bonustrack REDEMPTION klingt endlich mal etwas kraftvoller. Warum nicht gleich so ? Zwar sorgt das Keyboard auch hier für den ein oder anderen überladenen Moment, der Leadgesang ist nach wie vor schwach – doch immerhin kommen die Strophen und Instrumentalpassagen mit ordentlich Druck daher. Aber einzigartig klingt auch das nicht – eher nach den italienischen Kollegen von DRAKKAR, nur mit deutlich schwächerem Leadgesang und übertriebenen Keyboards.

Fazit: Eigentlich sollte es von Vorteil sein; wenn diejenigen, die mit dem letzten Album der Band nichts anfangen konnten nun – und durch die Besetzungswecshel – eine neue Chance bekommen, TRAGEDIAN für sich zu entdecken. Doch auch wenn das Album merklich anders klingt als der Vorgänger, ist es keinesfalls besser – im Gegenteil. Man scheint sich sogar in allen nennenswerten Belangen verschlechtert zu haben, und klingt nun noch mehr wie eine x-beliebige Power Metal-Band aus… Südeuropa, richtig. Eine, von denen es bekanntlich unzählige gibt – nur, dass die des öfteren bessere und markantere Leadsänger vorzuweisen haben, und auch instrumentell ein sichereres Gespür beweisen.

Anspieltipps: INNER SILENCE, REDEMPTION

Vergleichsbands: WINDZOR | ATHLANTIS | AXENSTAR

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„Schade, das war wohl nichts“