Metal-CD-Review: Timeless Rage – Forecast (EP, 2013)

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Alben-Titel: Forecast (EP)
Künstler / Band: Timeless Rage (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Symphonic /  Power Metal
Label: TiRage Records

Alben-Lineup:

Simon Korherr – Bass
Anna Keil – Keyboards
Klaus Buchfink – Drums
Michael Benk – Guitars
Sebastian Kunze – Guitars
Falko Wegner – Vocals

Track-Liste:

1. Forecast
2. Beg Us For Die
3. Breathless
4. Dreams Of Desert

Eine Vorhersage der schwermetallischen Art.

Eigentlich gab es bisher nur eine Metal-Band mit dem Präfix TIMELESS im Namen, die man unbedingt kennen sollte. Die Rede ist von TIMELESS MIRACLE, die 2005 ihr Debütalbum INTO THE CHANTED CHAMBER ablieferten und damit bis heute Fans aller Herren Länder begeistern. Doch offenbar sind die seit einigen Jahren schweigenden Schweden (leider) nicht auf ein Comeback bedacht – sodass es vielleicht an der Zeit ist anderen, aufstrebenden Bands eine Chance zu geben. Eine davon ist TIMELESS RAGE – eine noch junge, deutsche Metal-Band aus Baden-Württemberg. Eines haben sie schon einmal richtig gemacht – sich einen passenden, prägnanten Bandnamen ausgesucht; der nicht so leicht zu verwechseln ist.

Zwar begann die Geschichte der Band schon im Jahre 2007, doch richtig ‚ernst‘ wurde es offenbar erst, als man sich 2012 auf ein Genre festlegte und gleich 3 neue Mitglieder verpflichtete. Man entschied sich letztendlich für die Spielart des Symphonic Power Metal, wie er nun erstmals auf der Ende Juni erschienenen Debüt-EP FORECAST zu hören ist – wobei man auch von einem progressiven Power Metal mit symphonischen Anleihen sprechen könnte. Doch dazu gleich mehr ! Zu den beiden Gründungsmitgliedern Sebastian Kunze (Gitarre, Backing Vocals) und Klaus Buchfink (Drums, Backing-Vocals) stießen nun noch Michael Benk (Gitarre, Backing-Vocals), Simon Korherr (Bass, Backing-Vocals) und der neue Frontmann Falko Wegner (Gesang) hinzu. Das Sextett komplett macht Anna Keil, die bis 2012 noch für die Arbeit am Bass zuständig war – doch nunmehr an das Keyboard gewechselt hatte. Wird sich diese nunmehr komplette, ambitionierte Combo ihren Weg durch das Metalband-Dikicht bahnen ? Zu wünschen wäre ihnen das allemal.

Doch wagen wir einen expliziteren Blick. Auf dem nun vorliegenden Silberling FORECAST sind 4 Titel enthalten – die sich alle im Rahmen einer übersichtlichen Spielzeit von 4 bis 5 Minuten bewegen. Bemerkenswert dabei ist bereits die blosse Aufmachung der EP, die vielmehr wie ein komplettes Album anmutet und mit einem tollen Artwork daherkommt. Und noch etwas ist bemerkenswert: die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität, die sich beinahe vollständig mit den Releases anderer, schon viele Jahre aktiver Genrekollegen messen kann. So ist sichergestellt, dass man sich als potentieller Interessent voll und ganz auf den Inhalt und das Spiel der Instrumente konzentrieren kann.; ohne dass die akustische Kulisse einem Stolpersteine in den Weg legt. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit für eine Debüt-EP – sodass der Band bereits an dieser Stelle ein Lob ausgesprochen werden muss. Doch reicht es für mehr ?

Dazu sollte man sich den Opener FORECAST ansehen. Hier haben TIMELESS RAGE erstmals die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen; und vor allem den Hörer zu fesseln. Und das gelingt ihnen auch recht anständig, denn das melodiöse Riffing geht schnell ins Ohr. Doch eigentlich ist es etwas anderes, dass einen in den Bann zieht – die leicht progressiv angehauchte Instrumentalstruktur, die sich recht vielseitig präsentiert und vor allem durch die gelungene Gitarrenarbeit überzeugt. Der nächste Titel im Bunde, BEG US FOR DIE, überrascht dann insofern, als dass er TIMELESS RAGE erstmals von einer verspielteren Seite zeigt. Tatsächlich hat die Band hier eine Art ‚Piratensong‘ geschrieben, was nicht allzu unüblich ist im Power Metal – man denke nur an KERION, QUANTICE oder auch ORDEN OGAN. Der Unterschied ist, dass TIMELESS RAGE nicht ganz so Hymnen-orientiert vorgehen – aber dennoch eine Geschichte erzählen, der man gerne lauscht. Einzig die Chor-artigen, rauen Männergesänge im Refrain hätten ruhig noch etwas mehr Power vertragen können (und analog dazu vielleicht die Keyboard-Samples), so klingt das Ganze doch eher nach einer fortgeschrittenen Schunkellaune.

Den vorläufigen Höhenpunkt markiert dann aber BREATHLESS – eine Nummer, die man ohne Zweifel als Gesamtkunstwerk betrachten könnte. Denn hier stimmt einfach alles, von den ohnehin starken Gesangseinlagen über die abwechslungsreiche Instrumentierung; bis hin zum gelungenen Keyboardeinsatz. Für Genre-Liebhaber ist dieser Titel ein Muss – und Genuss. Der Rausschmeißer DREAMS OF DESERT schlägt dann noch einmal in eine etwas düsterere Kerbe und beschwört eine getragene, mysteriös-apokalyptische Stimmung herauf. Markant sind auch hier die Tempiwechsel und vor allem die prägnanten Doublebass-Passagen, alles untermalt vom dezenten Keyboard und dem energetischen Instrumentenspiel. Kurzum: TIMELESS RAGE bieten vor allem all jenen die perfekte musikalische Kost, denen ein typischer Symphonic Power Metal zu bombastisch und / oder ausschweifend ist, und ein typischer Progressive Metal zu eintönig und / oder technisch.

Fazit: FORECAST ist eine zwar recht kurze, aber doch aussagekräftige EP respektive Werkschau geworden. Nur leider eine viel zu kurze ! Doch das haben Demos oder EP’s eben so an sich. Es bleibt zu hoffen, dass TIMELESS RAGE genau so weitermachen, und eines Tages mit einem kompletten Studioalbum um die Ecke kommen; welches ebenso überraschend einschlägt wie die vorliegende EP. Denn dann hätte die Band die Chance, ihren ohnehin schon großen Abwechslungsreichtum noch weiter auszubauen, und uns neben den leicht düsteren, progressiv angehauchten Nummern vielleicht noch die ein oder andere Uptempo-Hymne zu spendieren – wie etwa VEXILLUM auf THE BIVOUAC. Wenn man aber schon eine Vergleichsband zu Rate ziehen möchte, so träfe die Wahl schon eher auf ASTRONOMIKON aus Zypern. Nur dass der Sound von TIMELESS RAGE entsprechend dem Bandnamen einfach etwas mehr Biss hat, was nur gut ist. Eine Band, nach der man Ausschau halten sollte !

Anspieltipps: FORECAST, BREATHLESS

Vergleichbands: ASTRONOMIKON

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„Eine überzeugende EP – das Album kann kommen“