Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – Shihuangdi (2012)

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Alben-Titel: Shihuangdi
Künstler / Band: Thy Majestie (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic / Melodic Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Claudio Diprima – Schlagzeug
Alessio Taormina – Gesang
Giuseppe Carrubba – Keyboard
Simone Campione – Gitarre
Dario D’Alessandro – Bass

Track-Liste:

1. Zhongguo 02:14 (instrumental)
2. Seven Reigns 04:36
3. Harbinger of a New Dawn 04:08
4. Siblings of Tian 05:01
5. Walls of the Emperor 05:29
6. Under the Same Sky 05:56
7. Farewell 06:26
8. Huanghun 01:52( instrumental)
9. Ephemeral 06:24
10. End of the Days 04:44
11. Requiem 03:09

Die Rückkehr zu alten Stärken inklusive neuer spannender Geschichten.

Mit ihrem neuen Studioalbum SHIHUANGDI liessen sich die Italiener von THY MAJESTIE, die gerade hierzulande noch immer als Geheimtipp gelten, durchaus etwas Zeit. Bereits 2008 erschien DAWN (Review hier), das nicht mehr ganz so gute Nachfolgealbum des erfolgreicheren Konzeptwerkes JEANNE D’ARC (2005). Nun, im Jahre 2012; hofften viele nicht ganz unberechtigterweise, dass THY MAJESTIE auf SHIHUANGDI wieder vermehrt zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehren würden. Und genau das ist auch geschehen – die insgesamt 11 Titel zeugen von einer ganz speziellen symphonischen Note, die THY MAJESTIE seit dem Anbeginn ihrer Karriere auszeichnen. Explizit heisst das: Freunde von ausschweifenden, bombastisch-symphonischen Kompositionen mit dick aufgetragenen Chor-Passagen werden ebenso bedient wie Fans von leicht progressiven Ansätzen. Man muss sich SHIHUANGDI vielleicht wie eine Mischung aus LABYRINTH, DRAGONLAND und RHAPSODY OF FIRE (die in ihrem Enthusiasmus etwas gebremst würden) vorstellen – denn genau so klingt das vorliegende Album. Aber keine Angst: es ist – glücklicherweise – weit mehr als ein blosser, lauwarmer Aufguss.

Gut ist, dass die etwaigen symphonischen Ausschweifungen (als Markenzeichen der Band) nicht zu vordergründig platziert werden, und die allgemeine Soundkulisse so dezent bereichern. Für Freunde eines eher puristischen Sounds, der die Gitarren in den Vordergrund stellt, ist SHIHUANGDI natürlich dennoch nichts – das Keyboard (Giuseppe Carrubba) wird in jeder möglichen Situation genutzt. Eher nachteilig ist; dass so mancher Titel den Eindruck erweckt, dass THY MAJESTIE sich – warum auch immer – etwas zurückhalten; sowohl was die Entwicklung einer geballten musikalischen Power, als auch die Aussagekraft im allgemeinen betrifft. Ein Tropfen auf dem heissen Stein – denn im großen und Ganzen begeistern die gar nicht mal so simplen Kompositionen; sowie insbesondere auch der markant-starke Drumming-Part und die genialen Soli. An den Gesang von Neuzugang Alessio Taormina (CRIMSOND WIND, bei THY MAJESTY seit 2010) muss man sich vielleicht erst etwas gewöhnen – doch das ist bekanntlich immer so, wenn es einen Besetzungswechsel gibt. Grundsätzlich singt er eher tief und gemäßigt (zumindest im direkten Genre-Vergleich), was an und für sich schon ein Highlight ist – doch gerade in den höheren Lagen entfaltet er eine Kraft und Vielfältigkeit, mit der man eventuell gar nicht gerechnet hat. So schlägt er seinen Vorgänger Dario Cascio, der lediglich für DAWN ins Boot geholt wurde, doch noch in jeder Hinsicht. Umso stärker ist die Hoffnung, dass THY MAJESTIE dieses Mal etwas länger an ihrem Sänger festhalten.

Neben dem vorab veröffentlichten Titel HARBRINGER OF A NEW DAWN sind es vor allem Nummern wie UNDER THE SAME SKY, die auf Anhieb begeistern und den Hörer fesseln. Hier stimmt – vom abwechslungsreichen Tempo über die symphonischen Elemente bis hin zu den Keyboard- und Gitarrensoli – einfach alles. Ein Überraschungstitel wie FAREWELL, den man zuerst als Halb-Ballade einstufen würde, sich im weiteren Verlauf aber zu einem wahren Epos entwickelt; garniert das Ganze sinnig – wie auch die deutlich rockiger angehauchte Nummer END OF THE DAYS; die gleichzeitig mit einer Gast-Performance von niemand geringerem als Fabio Lione (RHAPSODY OF FIRE) aufwartet. Richtig gefühlvoll wird es dann noch einmal im großen Finale, welches mit einem ausklingenden REQUIEM zelebriert wird. Alles in allem eine Glanzleistung; möchte man meinen ? Beinahe. Trotz der hochkarätigen Titel bleibt der größte Kritikpunkt am Album, dass es eventuell weniger ‚exotisch‘ / abenteuerlich klingt als es der Titel impliziert – so ganz will die Atmosphäre der ersten chinesischen Kaiserreichszeit (Link) nicht aufkommen.

Fazit: SHIHUANGDI ist ein abwechslungsreiches, mehr als würdiges Nachfolgealbum geworden, welches den Vorgänger DAWN um Längen schlägt. Sogar das bisher beste und markanteste Werk von THY MAJESTIE, HASTINGS 1066 (Review) kann je nach Sichtweise und Standpunkt knapp überholt werden – aber auch nur, weil die Produktionsqualität dieses Mal absolut dem Genre-Standard entspricht und keine zusätzlichen Zweifel aufkommen lässt. Eine klare Empfehlung !

Anspieltipps: UNDER THE SAME SKY, FAREWELL, END OF DAYS, REQUIEM

Vergleichsbands: RHAPSODY OF FIRE | DRAGONLAND


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„Die Rückkehr zu alten Stärken“

Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – Dawn (2008)

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Album: Dawn | Band: Thy Majestie (weitere Band-Inhalte)

Land: Italien – Stil: Power Metal – Label: Dark Balance

Alben-Lineup:

Claudio Diprima – Schlagzeug
Dario D’Alessandro – Bass, Gesang (Backing)
Simone Campione – Gitarre, Gesang (Backing)
Valerio Castorino – Keyboard, Piano
Dario Cascio – Gesang

01 As You Fall 05.20
02 M.A.D.
06.21
03 Dawn 02.33
04 The Hunt 05.42
05 Of Pain And Disgrace 02.04
06 To An Endless Devotion 05.08
07 Inferis Armata 01.55
08 Two Minutes Hate 04.02
09 The Legacy 02.21
10 Out The Edge 04.09
11 Day Of The Changes 05.28
12 Through Heat And Fire 06.44

Im Namen Eurer Majestät !

Vorwort: Als fest etablierte Größe in der Szene des italienischen Power Metals liefern THY MAJESTIE 2008 ihr nunmehr viertes Studiowerk ab – DAWN. Selbiges erscheint somit gute 3 Jahre nach dem von der Presse recht gut angenommenen Vorgänger JEANNE D’ARC (Review), und soll nach dem historisch beeinflussten Konzeptwerk nun auch erstmals deutlich düstere Kost bieten. Ein weiterer Neustart also… ? Immerhin deutet auch der erneute Sängerwechsel darauf hin. Nach Dario Grillo (THE LASTING POWER, HASTINGS 1066), Gabriele Grilli (kurzzeitig), Giulio Di Gregorio (JEANNE D’ARC) und Matt Aub (kurzzeitig) kam erstgenannter Dario Grillo für einen kurzen Zeitraum zurück – und gab das Szepter schnell an einen gewissen Dario Cascio weiter, der es nun richten soll. Zugegeben – eine derart bunte Sängerauswahl kann nicht jede Band für sich verbuchen – ob das eher ein gutes oder doch ein schlechtes Zeichen ist, sei einmal dahingestellt. Ja, soll man der ‚Majestät‘ noch Glauben schenken, wenn sich ihr Antlitz bei jedem neuen Alben-Release verändert ? Eine knifflige Angelegenheit, die sich hoffentlich nicht auf die Alben-Qualität auswirkt. Immerhin: Schlagzeuger und Bassist sind seit den Anfangszeiten bei der Band, und werden es wohl auch noch bleiben.

Kritik: Das erste, was einem als geneigter THY MAJESTIE-Hörer ins Auge (oder Ohr) sticht, ist die Tatsache dass es sich bei DAWN um keines der sonst üblichen Konzeptalbum mit historischem Hintergrund handelt. Dementsprechend verzichtet man auch auf ein möglicherweise Atmosphäre-Schaffendes Intro – und legt mit dem Opener AS YOU FALL gleich richtig los. Und das nun aber wirklich deutlich anders als gewohnt: nicht nur an die neue Frontstimme muss man sich erst einmal gewöhnen, auch an den rundum erneuerten Sound. Der Unterschied zum Vorgängeralbum JEANNE D’ARC ist schon enorm – legt man aber parallel HASTINGS 1066 ein, müsste man glauben diese Werke stammen von zwei grundverschiedenen Bands. THY MAJESTIE sind kaum wiederzuerkennen. Der Sänger klingt, als komme er aus einer gänzlich anderen Sparte als der des Power Metal, das Drumming ist im besten Falle zweckdienlich, die Gitarren schrammen unspektakulär im Hintergrund – während das Keyboard die Hauptrolle zu übernehmen scheint. Erstmals gibt es auch ein richtiges Keyboard-Solo; etwas was sonst die Gitarren im Alleingang erledigten – sicher eine Geschmacksfrage, doch von einer Band wie dieser war dergleichen eigentlich kaum zu erwarten. Verarbeitet man diesen ersten, etwas diffusen Eindruck und schreitet zu M.A.D. voran; wird es endgültig klar: THY MAJESTIE haben einen großen Sprung gemacht, der nicht bei jedem Fan gleichermaßen ankommen wird. Und schon gar nicht bei eingefleischten Fans aus der Power Metal-Sparte. Der Sound wirkt insgesamt deutlich düsterer, aber eben auch verhaltener und unspektakulärer. Wer hier epische Sagen und Erzählungen im Stile der vorangegangen Alben erwartet, wird bitter enttäuscht.

Aber nicht jede Neuerung muss es zwangsläufig mit sich bringen, dass Fans abspringen; oder man die Musik generell schlechtheissen sollte. Klar ist: THY MAJESTIE werden mit DAWN vor allem neue Fans für sich gewinnen; höchstwahrscheinlich jene, die sich sonst eher in Genres wie dem Progressive Metal zuhause fühlen. Denn genau so klingt nun auch M.A.D. – etwas vertrackter, technisch anspruchsvoller, von Keyboards und reichlich Abwechslung dominiert. Dass dann noch hintergründige Chorgesänge auftauchen, ändert daran auch nichts. Doch wenn THY MAJESTIE sich nun eher dieser Genresparte verschrieben haben, sollte ihnen klar sein dass die Konkurrenz auch hier nicht schläft. Da braucht es schon mehr als einen Titel wie diesen, der mit einem alles andere als genialen Gesang, viel zu vordergründigen Keyboards und einem insgesamt eher schepprigen als versierten Klangeindruck auffällt. In der Tat: in Sachen Produktionsqualität kann auch DAWN als viertes Album der Band nicht mit so manchem Debüt-Release mithalten. Vielleicht kann der Titeltrack da schon mehr ausrichten – doch leider handelt es sich bei DAWN nur um ein knapp 2-einhalb minütiges Interlude. Sicher ein alles andere als schlechtes; da hier nun endlich einmal wieder die vernachlässigten Gitarren zu Wort kommen. Und so geht es munter weiter, hinüber zu THE HUNT. Auch hier gilt nun: weniger (Tempo) ist offenbar mehr, wenn man das Ganze mit entsprechenden Keyboard-Einlagen versieht. Der progressive Einschlag stellt sich als mehr und mehr gewöhnungsbedürftig heraus, der Komposition fehlt es sowohl an Energie als auch an Frische. Stattdessen erzählt der Sänger in recht düsterer Manier das, was erzählt werden muss – und eine recht schleppende Instrumentierung aus obligatorisch klingenden Gitarren, reichlich Keyboard und einigen Piano-Klängen dominirt das Gesamtbild.

Stichwort Piano: selbiges gibt es nun auch im Interludium OF PAIN AND DISGRACE zu bewundern, einem weiteren kurzen Zwischenspiel. Der nächste vollwertige Titel ist nun TO AN ENDLESS DEVOTION, das vielleicht erste Stück auf DAWN, welches es schafft einen direkten Draht zum Hörer herzustellen. Aber auch hier wird es noch einmal überdeutlich: THY MAJESTIE entfernen sich von ihrem bisherigen Schaffen, und driften nicht nur in eine deutlich düstere Ecke – sondern auch in eine, die offensichtliche Bezüge zu deutlich häreren Metal-Vertretern a’la DIMMU BORGIR (!) herstellt. Das Schlagzeug klingt leider auch in diesem Fall nicht besonders organisch, während man auf eine größtmögliche Abwechslung bedacht ist – die vom Keyboard und dem nicht ganz sauberen Klangbild aber wieder zunichte gemacht wird. Das Interlude INFERIS ARMATA beginnt noch recht typisch (für dieses Album), mündet dann aber doch noch in einem recht ansehnlichen Gitarren-Gemetzel der Extraklasse – eine willkommene Abwechslung. TWO MINUTES HATE bietet ebenfalls nicht mehr als eine weitere Variation des neuen Musik-Konzeptes, wobei die Gitarren glücklicherweise etwas deutlicher zum Vorschein kommen, und das Schlagzeug einmal nicht allzu stark nach Drumcomputer klingt. THE LEGACY ist wieder ein Interlude (das vierte), und läutet den Auftakt für die letzten Drei Titel ein. OUT THE EDGE scheint nun endlich einmal soetwas wie eine Melodie zu besitzen, DAY OF THE CHANGES erinnert merkwürdigerweise etwas an KAMELOT, und THROUGH HEAT AND FIRE bietet noch einmal etwas emotionalere Kost – der stark nach ‚Autotune‘ klingende Refrain sorgt mit dem Keyboard aber für einen urkomischen Eindruck. Die Strophen sind Top – der Rest ein Flop.

Fazit: THY MAJESTIE’s DAWN wird die Fangemeinde der italienischen Power Metal-Combo spalten. Vielleicht nicht gänzlich, aber doch zu einem respektablen Teil: so werden hier vor allem Freunde des progressiven auf ihre Kosten kommen, während der handelsübliche Power Metaller (der auf der Suche nach Tempo, mitreissenden Melodien und herausragenden Hymnen ist) hintenan stehen muss. Ein Schritt wie dieser mag nachvollziehbar sein – schließlich klingen THY MAJESTIE auf DAWN deutlich versierter und technisch anspruchsvoller – doch es zeigt sich, dass dies nicht automatisch in einer faszinierenderen, bedeutsameren Gesamtwirkung münden muss. Im Gegenteil: DAWN langweilt sogar über weite Strecken, und bietet nicht einmal einen einzigen herausragenden Titel welcher eventuell Genregrenzen verschwimmen liesse, eine universelle Gesamtwirkung offenbart. Das Ganze klingt vermehrt nach einem Album, welches in einer regelrecht depressiven Phase eingespielt wurde – entsprechend schwermütig klingt die Komposition, entsprechend deutlich werden Parallelen zu anderen Bands aus ganz anderen Genres. Sind THY MAJESTIE also noch THY MAJESTIE ? Nicht wirklich – aber für die Anzahl an Fans die abspringen, kommt eine ebensogroße (neue) hinzu. Generell gilt: Gitarren-Fetischisten, Freunde der epischen Erzählung und Hymnen-Suchende sollten um DAWN einen großen Bogen machen – Keyboardliebhaber (die eher auf Düsterkeit als auf ‚Cheesyness‘ setzen) und progressiv-anspruchsvolle Hörer sollten zugreifen. Aber auch für die gibt es sinnigere Alternativen – und nicht unbedingt ein Album, welches eher wie eine Laune, als wie ein ernstzunehmender Meilenstein auf dem Weg der Bandgeschichte THY MAJESTIE’s wirkt. Vielleicht taten die vielen Besetzungswechsel der Band doch nicht wirklich gut…

Anspieltipps: TO AN ENDLESS DEVOTION, INFERIS ARMATA, OUT THE EDGE, THROUGH HEAT AND FIRE


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Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – Jeanne D’Arc (2005)

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Album: Jeanne D’Arc | Thy Majestie (weitere Band-Inhalte)

Land: Italien – Stil: Power Metal – Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Claudio Diprima – Schlagzeug
Maurizio Malta – Gitarre
Dario D’Alessandro – Bass
Giovanni Santini – Gitarre
Giuseppe Bondi – Keyboard
Giulio Di Gregorio – Gesang

01 Revelations 02.07
02 Maiden Of Steel
04.45
03 The Chosen 06.03
04 Ride To Chinon 04.30
05 …For Orleans 08.00
06 Up To The Battle! 05.21
07 March Of The Brave 01.04
08 The Rise Of A King 06.29
09 Siege Of Paris 06.22
10 Time to Die 04.48
11 Inquisition 01.36
12 The Trial 09.08

THY MAJESTIE sind wie Pizza – irgendwie weiss man immer, was man bekommt.

Vorwort: Geht es um melodisch-epischen Power Metal aus Italien, sind die seit 1998 putzmunteren THY MAJESTIE kaum noch aus der Szene wegzudenken. Zwar mussten auch sie sich typische Vorwürfe gefallen lassen, die sich vor allem auf Italien als Kitsch-Hochburg des Power Metals und fehlende Innovationen bezogen – doch blieben sie ihrem Weg glücklicherweise treu. Auf Oliverdsw.Wordpress wurden die ersten beiden Studioalben der Band bereits behandelt – das noch etwas kränkelnde und Startschwierigkeiten offenbarende THE LASTING POWER aus dem Jahre 2000 (Review), sowie das deutlich bessere, 2 Jahre jüngere HASTINGS 1066 (Review). Nach einer EP folgte 2005 dann bereits das dritte, nun vorliegende Album – JEANNE D’ARC. Alles deutet auf ein Konzeptalbum der besonderen Art hin – Albentitel und -Cover (welches leider nicht ganz so hübsch anmutet) rufen bereits zahlreiche Geschichten und Legenden um die bekannte französische Nationalheldin in Erinnerung. Ob es THY MAJESTIE dabei gelingt, sinnig auf ihrem Vorgängeralbum aufzubauen und vielleicht sogar in gänzlich neue qualitative Sphären einzutauchen – wird sich zeigen.

Kritik: Ein Album wie dieses kann nur mit einem atmosphärischen Instrumental-Intro beginnen – und so sorgt REVELATIONS für einen ersten Stimmungsaufbau und eine ungefähre Marschrichtung des Albums. Zu Beginn noch recht zaghaft und verhalten, schöpft man bereits nach der ersten Minute aus dem symphonischen Vollen – und präsentiert einige Soundtrack-taugliche Klänge in epischer Manier. Ebenfalls nett: die mysteriösen Flüsterstimmen und der Chorgesang, die nun auch den Übergang zum Opener MAIDEN OF STEEL markieren. Hier handelt es sich um eine recht typische Power Metal-Nummer mit Hymnen-Potential – auch wenn sich bereits jetzt deutliche Unterschiede zum vorherigen Album zeigen. Es scheint, als würden THY MAJESTIE mit JEANNE D’ARC eine etwas progressivere Richtung einschlagen; was sich unter anderem im reduzierten Tempo, dem deutlicheren Einsatz der Gitarren und dem überraschend gemäßigten Gesang niederschlägt. Tatsächlich zeigt sich, dass nun nicht mehr Dario Grillo für eben jenen verantwortlich ist – sondern ein gewisser Giulio Di Gregorio. All das mag gut und verständlich im Sinne einer Weiterentwicklung sein – leider scheint man dieses Konzept aber nicht auf die klangliche Brillanz und die Produktionsqualität übertragen zu haben. Doch dazu später mehr. Erst einmal folgt THE CHOSEN – welches von einigen Trompetenklängen eingeläutet wird. Inhaltlich ist man bereits mitten in den sagenhaften Erzählungen um die tapfere Kriegerin, die ihren Weg erst noch finden sollte – und auch klanglich wird es schon etwas vielfältiger, druckvoller und schlicht epischer. Lediglich gesangstechnisch bleibt man deutlich hinter den Erwartungen zurück – der neue Sänger kann es schlicht nicht mit seinem Vorgänger aufnehmen, und hinterlässt nicht einmal ansatzweise einen ähnlich markanten Eindruck.

Nur jenen, dass er eben nicht ganz so typisch im High-Pitched Bereich singt, und weitestgehend auf Screams verzichtet – doch das soll es dann auch schon gewesen sein. RIDE TO CHINON legt nun noch eine Schippe drauf, und serviert einen flotten, absolut eingängigen Power Metal-Instrumentalpart mit massig Keyboardeinsatz. Der Refrain klingt nun plötzlich wieder ganz typisch nach THY MAJESTIE, beziehungsweise dem Vorgängeralbum, wobei auch der Gesang mit ein paar kleinen Hilfsmitteln (dezente Chorelemente) auf ein akzeptables Niveau gesteigert werden kann. Zweifelsohne ist dies der erste Titel, der auf Anhieb funktioniert und schnell eine epische Gesamtwirkung erzielen kann – einer wie dieser wäre als Opener vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen. Aber sei es drum. Es geht weiter mit … FOR ORLEANS. Jene, die am ehesten auf allzu orchestrale und Keyboardunterstützte Arrangements hätten verzichten können, sehen spätestens jetzt schwarz. Doch grundsätzlich gehört dergleichen eben zu THY MAJESTIE wie die Idee, historisch inspirierte Konzeptalbum zu erstellen. So erwartet den Hörer eine dicke Schicht aus pompösen Keyboardsounds, Chorgesang und allem, was das Genre hergibt. Fans werden natürlich aufhorchen – alle anderen einen etwas zu aufgeblasenen Eindruck vermelden. All das, was der Titel sonst noch zu bieten hat, bewegt sich auf einem mittelprächtigen Niveau. Die Melodie geht Ordnung, der Gesang nach wie vor Geschmackssache; in den Instrumentalteilen gerät es einstweilen etwas chaotisch. UP TO THE BATTLE ist nun ein Stück in der Tradition von THE SIGHT OF TELHAM HILL vom Vorgängeralbum, kann dem vermeintlichen Vorbild aber nicht das Wasser reichen. Schade auch, dass sich die Produktionsqualität nicht auf dem höchstmöglichen Niveau bewegt – dann hätten der rassige Doublebass und die hier mal richtig gut gelaunten Gitarren noch besser wirken können.

MARCH OF THE BRAVE ist nun ein recht künstlich wirkendes Interlude aus der Konserve, mit einer Spielzeit von knapp einer Minute ein eher zu vernachlässigendes. THE RISE OF A KING serviert gerade zu Beginn ein noch stark gewöhnungsbedürftiges Gesamtbild aus sich verhaspelnden Gitarren, omnipräsenten Keyboardklängen und einer Portion Kitsch. Erst im weiteren Verlauf wird es deutlich besser, wenn auch längst nicht perfekt. Einen wahrhaft herausragenden Titel haben THY MAJESTIE bisher nicht auf JEANNE D’ARC abgeliefert – schonmal ein schlechtes Zeichen, wenn nur noch 4 Titel verbleiben. Doch was ist das – SIEGE OF PARIS bietet einen verdammt fulminanten Auftakt; der zwar immer noch etwas anorganisch klingt, aber durchaus zu fesseln weiss. Nach diesem erhabenen (dieses Gefühl überträgt sich hier zum ersten Male) Einstieg geraten auch die folgenden Strophen recht abwechslungsreich und stimmig inszeniert. Und endlich: Leadsänger Giulio Di Gregorio kann zeigen, was in ihm steckt. Von den deutlich schrofferen, tiefer und kräftiger gesungenen Strophen hin zu höheren Noten umfasst sein Auftritt diesmal eine größere Bandbreite, was vor allem seiner Präsenz zugute kommt. Der Refrain hätte ruhig noch etwas mehr Pfeffer vertragen können – dies ändert aber nichts daran, dass SIEGE OF PARIS der bisher beste und aussagekräftigste Titel auf diesem Album ist. Aber auch das folgende TIME TO DIE schöpft noch einmal aus dem Vollen, und bietet mit dem schon deutlich besseren Interlude INQUISITION den letzten Auftakt für das große Finale. Das kommt in Form des knapp 9-minütigen Epos THE TRIAL daher – es gilt, sich noch einmal zurückzulehnen und zu genießen (oder eben nicht).

Fazit: JEANNE D’ARC ist zwar deutlich ausgefeilter als das Debütalbum der Band – doch an den 2 Jahre älteren Vorgänger HASTINGS 1066 kommen THY MASTIE mit diesem Konzeptwerk leider nicht heran. Schuld daran ist die schwächere Erzähl- und Faszinationskraft – in das Universum von HASTINGS 1006 wollte und konnte man noch direkt und für Stunden eintauchen, die JEANNE D’ARC-Geschcihten aber lassen einen über große Strecken kalt. Dafür sorgt auch die viel zu lange Durststrecke zu Beginn des Albums – erst im späteren Verlauf steigert sich die Band noch einmal ordentlich, und serviert gerade in den letzten 4-5 Titeln mehr als nur solide Genre-Kost ab. Der Sängerwechsel wird ebenfalls nicht jeden glücklich stimmen, die Produktionsqualität könnte noch einen Tucken besser (sauberer, satter, druckvoller) sein. Doch mit diesem Problem hatte man ja bereits schon auf den beiden vorherigen Alben zu kämpfen. Bleibt eine absolute Empfehlung für Fans der Band, sowie des Italienischen Power Metals im allgemeinen – alle anderen finden mit anderen Werken aus dem Jahre 2005 eine wahrscheinlichere Offenbarung.

Anspieltipps: RIDE TO CHINON, UP TO THE BATTLE, THE RISE OF A KING, SIEGE OF PARIS, TIME TO DIE


THY MAJESTIE – Shihuangdi (Metal News)

THY MAJESTIE sind zurück.

Und, was noch besser ist: die Band hat auf ihrer offiziellen Webseite den ersten Song zum Probehören freigegeben. HARBRINGER OF NEW DAWN heisst das gute Stück, und klingt doch recht vielversprechend.

Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – The Lasting Power (2000)

Land: Italien – Stil: Symphonic Power Metal

Lineup:

Claudio Diprima (Drums)
Maurizio Malta (Gitarre)
Dario D’Alessandro (Bass)
Giovanni Santini (Gitarre)
Giuseppe Bondi (Keyboard)
Dario Grillo (Gesang)

1. Thy Majestie Theme
2. Wings of Wind
3. March of The Damned
4. Under Siege
5. Name of Tragedy
6. Durnovaria
7. …At The Village
8. Mystery of Forest
9. Cruenta Pugna
10. The Green Lands
11. Sword of Justice
12. Tears of Sorrow
13. Treachery
14. Nymph’s Recall
15. Time To Battle

Der fulminante, aber leicht verhinderte Auftakt einer italienischen Band.

Vorwort: Nach der 1999 veröffentlichten Demo-CD PERPETUAL GLORY war es im Jahre 2000 für THY MAJESTIE soweit, ihr Debütalbum auf den Markt zu bringen. Der Großteil der auf der Demo enthaltenen Titel schaffte es auch auf das vorliegende Album, wobei zahlreiche Verbesserungen hinsichtlich der Komposition und Gesamtqualität vorgenommen wurden. THY MAJESTIE spielen dabei eine recht klischeehafte Form des Symphonic Power Metal – ’stilecht‘ und Genre-typisch geht es um die ganz großen Heldensagen, glorreiche Kämpfe und allerlei Ausflüge in fantastische Gefilde. Das nette, zeitlose Cover-Artwork unterstreicht diese Ambition. Man wird ohne Umschweife eingeladen, pompös inszenierten alten Sagen zu lauschen, und sich in Gefilde voller Abenteuer, Helden und Dämonen entführen zu lassen. 

Kritik: So schön und gut dieses Konzept ist, beziehungsweise im Jahre 2000 war – das Debütalbum von THY MAJESTIE hat ein riesengroßes Problem. Dieses spiegelt sich in erster Linie in nichts anderem als der gnadenlos schlechten Produktionsqualität wider, die den Zugang in die beworbene fantastische Welt wahrlich erschwert. Schlecht abgemischte Instrumente, ein generell scheppriger Sound, plumpe Keyboard-Elemente und vor allem der relativ mies inszenierte, minderqualitative Gesang schrecken erst einmal ab. Immerhin sollte man bedenken, dass vom Übergang von der Demo-CD hin zum vorliegenden Album bereits zahlreiche Verbesserungen vorgenommen wurden – man kann sich also in etwa ausmalen, wie die Demo klingt. Aber nichts desto trotz soll ein Versuch unternommen werden, die kompositorischen und inhaltlichen Qualitäten der Band darzulegen, die mit HASTINGS 1066 ein doch mehr als nur solides Konzeptwerk ablieferte (Album von 2002, Review hier). So beginnt das Album typischerweise mit einem auf Atmosphäre getrimmten Intro, dem THY MAJESTIE THEME. Ein paar Windgeräusche hier, ein paar Keyboardklänge dort; das Ganze garniert mit ein paar Soundtrack-Elementen – fertig ist der Auftakt, der lediglich durch den etwas übertrieben effektierten Sprecher an Wirkungskraft einbüßt. Schließlich entwickelt sich das Teil nach etwa der Hälfte zu einem doch recht fulminanten Brecher mit Trommeln und hintergründigem, verschwörerischen Frauengesang. Der Übergang zum Opener WINGS OF WIND erfolgt; hier handelt es sich um einen typischen Symphonic Metal-Titel der guten alten Schule. Die Lyrics und die Gesamtstruktur lassen schnell darauf schließen, dass Fans hier nur allzu gern aufgenommene Kost geboten bekommen – alle anderen werden höchstwahrscheinlich etwas verdutzt dreinschauen und das Ganze schnell als übertrieben kitschig abstempeln. Aber: wäre das Ganze etwas druckvoller und entsprechend pompös abgemischt worden; hätte sich definitiv ein besser Eindruck eingestellt. Schließlich scheinen THY MAJESTIE auf eine größtmögliche musikalische Abwechslung bedacht, und streuen immer wieder interessante Instrumentalpassagen ein; erzählen eine mitreissende Geschichte.

Es geht weiter mit MARCH OF THE DAMNED (hier ist das ‚the‘ wieder mit drin), einem stimmungsmachenden Interlude von knapp 2 Minuten Spieldauer. Einige markante Trommelschläge, chorale Elemente und die deutlich spürbare Aufbruchstimmung sorgen dafür, dass man der Geschichte weiterhin Gewahr werden möchte – so abgedroschen das ganze manchmal klingt. Hier sind es im übrigen auch wieder die Sprecher, die verdächtig plump inszeniert und mit miesen Effekten vertont wurden. Das folgende UNDER SIEGE bietet eigentlich enorm Potential – doch hier hört man erstmals richtig deutlich, wie schlecht der Gesang aufgenommen und abgemischt wurde. Es fällt schwer zu sagen, inwiefern nun Leadsänger Dario Grillo ‚Schuld‘ an der dargebotenen Misere ist, und welche Anteile am schlechten Gesamteindruck der Produktion anzulasten sind. In jedem Fall klingt der Gesangspart relativ unterirdisch, immerhin kann die Instrumentation im Gegenzug überzeugen. Zwar werden extrem dicke Keyboardschichten aufgefahren, die Szenerie geradezu damit zugekleistert – doch insgesamt kann man nicht sagen, dass diese Elemente in Bezug auf das Gesamtkonzept von THY MAJESTIE störend wirken. Im Gegenteil, sie gehören dazu – wie auch ein netter Soli-Part und die doch ansprechenden Chorelemente. NAME OF TRAGEDY fungiert nun als weiteres Interlude, von denen es wahrlich nicht wenige auf THE LASTING POWER gibt. Für gute eineinhalb Minuten werden verführerisch zarte Klänge präsentiert, die den Hörer kurzzeitig in eine Art Oase entführen – bis die Erzählstimme wieder einsetzt und diese Stimmung recht schnell zunichte macht. Was nun folgt ? Richtig, ein weiteres Interlude – DURNOVARIA. Dadurch, dass man hier lediglich auf die Klänge einer Akustikgitarre und etwas Bass setzt, muss man sich hier nicht sonderlich an der Produktionsqualität stören, und kann das Intermezzo entsprechend genießen.

Ob man es glauben möchte oder nicht – auf zwei Interludes folgt ein weiteres, AT THE VILLAGE. In der Tat entspricht THE LASTING POWER vielmehr einer Art Hörbuch respektive Konzeptalbum. Hier werden nun wieder die Trommeln und leicht folkige Klänge aufgefahren, die an eine Flöte erinnern – durch den Sound aber genauso gut einem Keyboard entsprungen sein könnten. Eine plumpe Erzählstimme leitet den Auftakt des folgenden MYSTERY OF THE FOREST ein (wieder ohne ‚the‘), endlich weider einem vollwertigen Titel. In der Tat kann man das eigentliche Potential der Band hier deutlich spüren – üppige Instrumentalstrecken, effektive Backgroundgesänge und mannigfaltige Songstrukturen machen Laune und Lust auf mehr – jetzt müsste das Ganze nur noch deutlich besser klingen. CRUENTA PUGNA ist nun ein weiteres Zwischenspiel aus Schlachten-Klängen und allerlei Soundtrack-Anleihen. Markant: der viel versprechende Chorgesang und die spätere folkige Passage. Weiter geht es mit GREEN LANDS, in guter alter RHAPSODY OF FIRE-Manier. Man ist geladen, sich zu entspannen bevor die nächste Schlacht (im musikalischen Sinne) ansteht, die nun in Form des mächtigen SWORD OF JUSTICE abgehalten wird, dem wohl stärksten und aussagekräftigsten Titel des Albums. Wunderbar gelingt hier die Vermischung von Lead- und Backgroundgesang. Das folgende TEARS OF SORROW kann als akustisches Intermezzo wieder relativ gut und unabhängig von der Produktionsqualität genossen werden, die stillen Klänge wissen zu beruhigen und dem Genre entsprechend das typische Wechselspiel aus ruhigen und Uptempo-Momenten zu präsentieren. TREACHERY, NYMPHS CALL (gesangstechnisch und atmosphärisch sehr stark) und TIME TO BATTLE runden das Album durchaus vielschichtig ab.

Fazit: Was für ein Dilemma – grundsätzlich beweisen THY MAJESTIE bereits auf ihrem Debütalbum, wie vielfältig sie klingen können und was sie an Erzählstoff im Gepäck haben. Gerade die instrumentellen Strukturen zeugen von einem hohen Maß an Virtuosität und Abwechslung, schnelle Uptempopassagen treffen auf solide Midtempo-Intermezzi treffen auf allerlei stimmungsfördernde Interludes. Das große Manko ist und bleibt aber die tatsächliche (technische) Qualität des Albums. Es gibt Probleme hinsichtlich der Lautstärke, hinsichtlich des Gesangs, hinsichtlich der Einspielung der Gitarren, hinsichtlich der Abmischung und des Masterings. Gut, für ein Debütalbum kann man durchaus einmal Gnade walten lassen – und immerhin verbesserte sich die Band schon, im Vergleich zu ihrer früheren Demo. Doch für eine zeitlose CD-Empfehlung kann es so leider nicht reichen – man sieht, dass gute Ideen allein nicht ausreichen. Wenn man schon ein derartiges, geradezu episches Konzept in Petto hat, sollte man sich auch deutlicher um eine entsprechende qualitative Präsentation bemühen. Gewiss war das im Falle der damals noch jungen Band schwer – doch warum gibt es dort draussen dann so unglaubliche viele Debütalben, die unzählige Male besser klingen als THE LASTING POWER ? Bleibt zu sagen: eine Empfehlung für beinharte Fans der Band, alle anderen sollten eher zu den späteren Alben greifen. Wie wäre es denn mit einer Neuauflage ?

Anspieltipps: UNDER SIEGE, MYSTERY OF FOREST, SWORD OF JUSTICE, NYMPHS CALL