Filmkritik: „Shut In“ (2016)

Originaltitel: Shut In
Regie: Farren Blackburn
Mit: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton u.a.
Land: Frankreich, Kanada
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Thriller
Tags: Mutter | Sohn | Familie | Unfall | Wachkoma

Willkommen im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

Kurzinhalt: Nachdem ihr Mann Richard (Peter Outerbridge) und ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) bei einem Autounfall schwer verunglückten, lebt die als Kinderpsychologin arbeitende Mary (Naomi Watts) zurückgezogen in einem großen Anwesen im ländlichen Neuengland. Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich vor allem um ihren seit dem Unfall stark beeinträchtigten, pflegebedürftigen Stiefsohn – und hat bis auf gelegentliche Videochats mit ihrem Kollegen Dr. Wilson (Oliver Platt) kaum Kontakte zur Außenwelt. Eines Tages taucht plötzlich der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) auf, der nach der bereits bei ihr absolvierten psychologischen Behandlung in einem speziellen Heim untergebracht werden sollte – sich aber offenbar von der einfühlsamen Mutter angezogen fühlt. Das Problem: so schnell und unerwartet er aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er auch wieder. Und das in Richtung der verschneiten Wälder, ohne zusätzliche Winterkleidung. Mary macht sich Vorwürfe, und wird neben den ohnehin allgegenwärtigen Sorgen um ihren Stiefsohn nun auch noch von der Ungewissheit über den Verbleib des kleinen Jungen geplagt. Dass sie bald darauf starke Schlafprobleme entwickelt, gehört noch zu den kleineren Übeln…

Kritik: Ja, sie haben wieder Hochkonjunktur – Horrorfilme der guten alten Schule, die trotz vergleichsweise geringer Mittel eine möglichst große Wirkung erzielen sollen. Die gegen Ende 2016 in den Kinos erschienene Grusel-Mär SHUT IN bildet da keine Ausnahme – womit sich der vom bis dato eher unbekannten britischen Regisseur Farren Blackburn inszenierte Film auch einer entsprechenden Konkurrenz stellen muss. Zwar keiner durchweg hochkarätigen, schließlich impliziert die Rückkehr zu gleichermaßen bekannten wie altbewährten Stilmitteln nicht automatisch ein gelungenes Werk – doch in Anbetracht ihrer schieren Anzahl sollte man sich mit Filmen wie SHUT IN zumindest bemüht zeigen, für entsprechende Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Gerade das scheint in diesem Fall aber nicht allzu leicht, was gleich mehrere Gründe hat. Beispielsweise sieht SHUT IN abermals ein großes, selbstverständlich mit vielen Holzdielen ausgestattetes (Geister-)Haus als Schauplatz vor, bezieht sich wie im Genre typisch auf das gespenstische Erleben einiger weniger beteiligter Hauptpersonen – und treibt die Geschichte grundsätzlich nur mit jenen Zutaten voran, die man auch genau so von einem Film wie diesem erwartet hätte.

Anders gesagt: um einen allzu erfrischenden, gar Neuland betretenden Genre-Film handelt es sich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wobei es fast schon ironisch wirkt, dass man dem allgemein gefeierten Nachwuchsdarsteller Jacob Tremblay auch in SHUT IN eine Rolle gegeben hat. Schließlich konnte man den durchaus fähigen, seit RAUM weltweit bekannten Darsteller erst kürzlich – dass heißt im nur wenige Monate älteren BEFORE I WAKE (siehe Review) erleben. Hierbei handelt es sich um einen insgesamt ebenfalls nicht gerade herausragenden Film – aber doch zumindest einen, der sich das Potential des Jungdarstellers zunutze machte. In SHUT IN dagegen scheint er fast schon unterfordert zu sein, zumal seiner Rolle als Waisenjunge Tom eine eher geringe Bedeutung zuteil wird. Immerhin: während die eigentliche Hauptdarstellerin Naomi Watts eigentlich nur das typische Genre-Repertoire aufruft und bis auf ein entsprechenden Mienenspiel kaum aus sich herausgehen muss, sieht es in Bezug auf den 1994 geborenen Charlie Heaton (u.a. STRANGER THINGS) schon wesentlich besser respektive interessanter aus. Gerade im späteren Verlauf des Films verkörpert er die Rolle des eigentlich im Wachkoma liegenden Film-Sohnes Stephen Portman mit einer gewissen; man nenne es Vehemenz – unter hinterlässt damit einen intensiveren Eindruck als alle anderen Beteiligten des Films zusammen.

Allerdings keinen, der sich nachhaltig festsetzen würde – wofür sich aber vornehmlich nicht die Darsteller, sondern das grundsätzlich reichlich spröde, uninspirierte und einstweilen auch schlicht sinnlose Drehbuch verantwortlich zeichnet. Sicher, Filme die ausnahmsweise mal nicht auf einer entsprechenden Buchvorlage basieren und somit perfekt auf das Medium Film zugeschnitten werden könnten; sind immer öfter eine Seltenheit – und haben im besten Falls das Zeug dazu, für einen angenehm frischen Wind zu sorgen. Wenn, ja wenn denn das nötige Fingerspitzengefühl und vor allem auch einige guten Ideen vorhanden sind – was bei SHUT IN offensichtlich kaum der Fall war. Somit ist der eher lauwarme, sich dezent in die Länge ziehende; ja schlicht ärgerlich typische Auftakt des Films auch erst der Anfang der Misere – wobei man gar nicht erst anfangen sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen (beispielsweise wie der junge Tom zur und in die Garage von Mary kommt). Richtig übel wird es schließlich erst wenn SHUT IN seinen großen Twist, oder so gesehen auch seinen eigentlichen Höhepunkt präsentiert. Immerhin: langweiliger wird er dadurch nicht – dafür aber umso abstruser und unglaubwürdiger. Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, ob man als Zuschauer bereits entsprechende Vorahnungen hegt oder wirklich vom Film überrascht wird. Denn: die Mühe, die speziell in Bezug auf die Atmosphäre von SHUT IN investiert wurde; war und ist schlicht zu gering.

So gering, dass sich neben der sich deutlich zu hanebüchen anfühlenden Story auch keine nennenswerte Spannung ergibt und erst Recht keine Empathie für die Charaktere entsteht. Selbst wer auf einzelne Gänsehaut-Momente aus ist, wird eher enttäuscht – bis auf ein paar klischeehaft inszenierte, altbekannte Jumpscares gibt es einfach nichts zu holen. Insgesamt betrachtet ist SHUT IN eine echte Enttäuschung – zumindest, wenn man sich doch noch etwas mehr erhofft als einen weiteren absolut typischen Horrorfilm der Marke Hollywood zu entdecken. Da können auch Naomi Watts, Charlie Heaton und Jacob Tremblay nichts daran ändern – die in einem anderen Film ein wirklich starkes Charakter-Trio hätten ergeben können. Eventuell, und mit dem bereits erwähnten; unbedingt nötigen Fingerspitzengefühl…

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„Ein Film so platt, konstruiert und austauschbar wie eine Schablone.“

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Filmkritik: „Das Neunte Leben Des Louis Drax“ (2017)

Originaltitel: The 9th Life Of Louis Drax
Regie: Alexandre Aja
Mit: Aiden Longworth, Jamie Dornan, Sarah Gadon u.a.
Land: USA, Kanada, Großbritannien
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama, Thriller, Horror
Tags: Junge | Kind | Mutter | Unfälle | Koma | Kommunikation

Wenn selbst neun Leben nicht genug sind.

Kurzinhalt: Den jungen Louis Drax (Aiden Longworth) als Pechvogel zu bezeichnen scheint noch leicht untertrieben – schließlich hat er seit seiner Geburt immer wieder merkwürdige Unfälle, die ihm fast das Leben kosten. Trotzdem scheint sich der mit einer lebhaften Fantasie ausgestattete Junge nicht den Lebensmut nehmen zu lassen, und blickt relativ gelassen auf die zahlreichen Zwischenfälle. Bis, ja bis es an seinem neunten Geburtstag zu einem weiteren und wohl auch dem bisher schlimmsten Unglück kommt. Nicht nur, dass seine mittlerweile getrennt lebenden Eltern ausgerechnet an seinem Geburtstag einen heftigen Streit vom Zaun brechen – inmitten eines darauf folgenden Gerangels stürzt Louis von einer schwindelerregend hohen Klippe. Unglaublicherweise überlebt er den Sturz, doch nach seiner Rettung aus dem eiskalten Wasser liegt er schwer verletzt im Koma. Als er kurz darauf in die aus derartige Fälle spezialisierte Klinik von Dr. Allan Pascal (Jamie Dornan) eingewiesen wird; setzen der Arzt und seine Mutter (Sarah Gadon) alles daran, dass es dem kleinen Patienten bald wieder besser gehen würde. Höchst merkwürdig erscheint indes, dass der Vater (Aaron Paul) seit dem Vorfall verschwunden ist…

Kritik: Filme, in denen komatöse Patienten in einem ersten aber nicht hoffnungslosen Zustand auf eine Rettung warten gibt es eigentlich gar nicht so wenige – eine entsprechende Bandbreite zwischen eher klassischen medizinischen Dramen und geradezu fantastisch anmutenden Ausflügen in die Bereiche der Metaphysik inklusive. Manchmal können die Grenzen aber auch fließend ausfallen, wie im etwas sperrig betitelten DAS NEUNTE LEBEN DES LUIS DRAX vom frisch gebackenen Horror-Spezialist Alexandra Aja. Der hatte sich speziell durch seine gelungene Neuverfilmung des Klassikers THE HILLS HAVE EYES einem Namen gemacht, war daraufhin aber auch an einigen mindestens diskutablen Werken beteiligt – wie etwa dem puren Trash-Vergnügen in der Gestalt von PIRANHA 3D (siehe Review) oder dem schonungslosen Remake von MANIAC (Review). Unter anderem deshalb fühlt es sich etwas überraschend an, ihm nun bei einer Umsetzung eines für ihn und seine bisherige Filmografie eher ungewöhnlichen Stoffes beizuwohnen. Schließlich basiert DAS NEUNTE LEBEN DES LUIS DRAX auf einer gleichnamigen Buchvorlage der Autorin Liz Jensen, und richtet seinen Fokus explizit auf das Erleben eines kindlichen Hauptprotagonisten in einer nicht nur medizinischen Ausnahmesituation.

Die ersten Minuten des Films offenbaren dabei schnell einen weiteren Überraschungsmoment, denn: es gelingt dem Regisseur durchaus, den Zuschauer mit seinem etwas anderen Einblick in die Gedankenwelt eines kleinen Jungen zu fesseln. Der dezente Ausflug in Richtung einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, die gleichermaßen frische wie unkonventionelle Erzählweise irgendwo zwischen einer kindlichen Poesie, fast schon komödiantischen Einschüben und einer subtilen Dramatik geht zunächst wunderbar auf – und macht neugierig auf den weiteren Verlauf des Films. Im selbigen kommt es jedoch, wie es kommen muss: nicht alle der an den Tag gelegten Ideen sind gut respektive sonderlich effektiv, und vor allem hinsichtlich der angepeilten Kohärenz des Films hapert es. Stellenweise sogar gewaltig – was umso deutlicher auffällt, wenn man den eigentlichen Überraschungseffekt des Films zu Rate zieht. Schließlich hat gerade der zwei kaum miteinander vereinbare Seiten, oder anders gesagt: für DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX ist er Fluch und Segen zugleich.

Denn: so unerwartet die eigentliche Wendung sein mag, eigentlich hat sie nur wenig mit dem zuvor etablierten Atmosphäre des Films am Hut. Streckenweise könnte man somit den Eindruck gewinnen, als handelte es sich bei DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX um zwei oder drei ineinander verwobene Filme – die nicht immer miteinander harmonieren, und bei deren Verknüpfung einiges auf der Strecke bleibt. Sicher ist es mutig, eine wie hier gezeigte Symbiose aus verschiedenen Genres anzustreben – doch letztendlich wirkt die Mixtur aus Elementen des Coming Of Age-Films, des Dramas, des Thrillers; aber eben auch der Fantasy und des Horrors schlicht etwas zu wild und unentschlossen. Somit bleibt kaum aus, dass sich ein vergleichsweise seltener Gesamteindruck einstellt: die Grundidee inklusive der überraschenden Auflösung bleibt der wohl größte Vorteil in und an LOUIS DRAX, wohingegen der Weg zu eben jener Auflösung auffällig holperig wirkt – und zudem einige Längen aufweist.

Immerhin: Alexandra Aja begeht somit schon einmal nicht den Fehler, viel Lärm um nichts zu machen. Eigentlich ist es hier sogar genau andersherum: die Ausschmückungen um den Kern der Geschichte herum sind es, die für Verdruss sorgen – und nicht die Geschichte an sich. Ein ebenso ambivalentes Gefühl stellt sich auch ein, wenn man die handwerklichen Kniffe, den Soundtrack und die Leistungen der Darsteller in Betracht zieht. Schließlich gilt auch hier: für sich betrachtet macht vieles einen guten Eindruck. Das gilt insbesondere für die teils hervorragenden Aufnahmen, die atmosphärisch inszenierten Schauplätze, die eingestreuten Special Effects oder aus dem Kontext gerissene Einzel-Momente – wie etwa die gruselige Verfolgung einer Schlamm-Spur im Krankenhaus, oder aber die Szenen des Hauptcharakters mit einer zunächst nicht zuzuordnenden Gestalt in Form eines allwissenden Erzählers.

Im Zusammenspiel folgt jedoch die relative Ernüchterung: DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX will schlicht etwas zu viel, und verhaspelt sich dabei dezent in Bezug auf seine eben nicht oder nur kaum vorhandene Konsequenz. Leicht kritisch muss wohl auch die Leistung des Nachwuchstalentes Aiden Longworth in der für ihn eventuell etwas zu großen Hauptrolle betrachtet werden – auch hier sind einige deutliche Abstriche zu machen. Die angepeilte Emotionalität, das ganz große Einfühlen im Sinne einer übergreifenden Empathie bleibt jedenfalls aus.

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„Eine gute Idee trifft auf eine schwache und inkonsistente Umsetzung.“

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Filmkritik: „Split“ (2017)

Originaltitel: Split
Regie: M. Night Shyamalan
Mit: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Horror
Tags: Identität | Schizophrenie | Persönlichkeit | Gespalten | Kampf

Guck mal wer da spricht… oder lauf am besten weit, weit weg.

Kurzinhalt: Eines Tages, als die junge Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre beiden Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) gerade von einer Einkaufstour zu ihrem Auto zurückkehren; taucht plötzlich ein unbekannter Mann (James McAvoy) auf. Nachdem er die einzige andere männliche Person in der Nähe betäubt hat, setzt er sich plötzlich zu den drei Mädchen ins Fahrzeug – und betäubt auch diese. Als die drei in einem kleinen und offenbar gut gesicherten Raum wieder zu sich kommen, scheint ihre Lage recht ausweglos – zumal sie bald darauf ihren Peiniger kennenlernen. Der stellt sich den dreien kurzerhand als Kevin vor, stellt erste aggressiv durchgesetzte Forderungen – und legt im weiteren Verlauf ein zunehmend merkwürdig erscheinendes Verhalten an den Tag. Eines, das weit über das zu erwartende Verhalten eines typischen Kidnappers hinausgeht; was auch die Mädchen bemerken – und sich diese Tatsache irgendwie zunutze machen wollen. Doch wie sich zeigt müssen sie bei ihrer angestrebten Flucht nicht nur das Handeln eines einzigen Mannes in Frage stellen… sondern gleich das von 23 Personen, die sich unglaublicherweise alle im selben Körper befinden.

Kritik: 23 und mehr Persönlichkeiten in nur einem Körper, wie soll das denn gehen ? Diese und andere Fragen stellte sich jüngst der erfolgreiche amerikanische Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan, dem spätestens nach seiner Arbeit am Mystery-Thriller THE SIXTH SENSE (1999) so gut wie alle Türen in Hollywood offenstehen. Nach einigen klar auf ein Mainstream-Publikum ausgerichteten – und auch sonst eher mäßigen Popcornkino-Werken wie unter anderem AFTER EARTH oder DIE LEGENDE VON AANG (siehe Review) – scheint sich das 1970 geborene Multitalent nun wieder etwas mehr zu trauen. Schließlich erzählt SPLIT die Geschichte eines Mannes mit mehr als nur einer handvoll zusätzlicher Persönlichkeiten – und verspricht dabei, ein durchdachter Psycho-Thriller mit einer gleichermaßen starken wie markanten Hauptfigur zu sein. Eben so, wie man es schon in potentiellen Vorbildern a’la IDENTITÄT (2004) sehen konnte – oder aber in Shyamalan’s früherem Werk UNBREAKABLE, zu dem SPLIT letztendlich auch einen stärkeren Bezug aufbaut als vermutet. Somit scheint es tatsächlich so, als hätte Shyamalan eine größere Vision die über den beiden auf den ersten Blick völlig verschiedenen Handlungsuniversen von UNBREAKABLE und SPLIT schwebt – wobei es eigentlich kaum noch überraschend ist, dass bereits entsprechende Nachfolger geplant sind.

Mindestens eines ist ihm dabei hoch anzurechnen: dass er viele der bei einer Filmproduktion anfallenden Arbeiten selbst übernimmt, und somit nicht nur Regisseur und Drehbuchautor fungiert – sondern auch als Produzent und sogar Darsteller. Anders gesagt: Shyamalan übernimmt die volle Verantwortung für seinen Erfolg oder sein Scheitern, und ist stets darauf bedacht dass seine Filme eine unverkennbare Handschrift tragen. Gerade das ist ihm im Falle von SPLIT auch gelungen – dank der hervorragenden Kameraführung, der stimmigen Inszenierung der Schauplätze und dem wenn man so will ausgelassenen Spiel der Darsteller besitzt der Film durchaus eine unverwechselbare Identität; übrigens ganz im Gegensatz zum wunderlichen Hauptprotagonisten. Ob das aber ausreicht, um einen auch mal etwas zäh vorankommenden Film wie diesen zu tragen ist eine andere Frage – unter Umständen sogar eine entscheidende. Schließlich macht sich mindestens ein gravierenderes Problem bemerkbar, abgesehen von einigen kleineren und im Genre eher üblichen Unstimmigkeiten: SPLIT weiß schlicht nicht so Recht, was er nun sein möchte. Denn auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, bleibt es nicht bei dem Versuch einer halbwegs authentischen Darstellung in Richtung eines verstörenden Psycho-Thrillers. SPLIT nimmt vor allem in Bezug auf sein pompöses Finale wesentlich wildere Züge an, und driftet dabei fast schon in Bereiche die man bei einem vergleichsweise ernsten Grundton wie dem hier vorgelegten definitiv vermeiden sollte.

Somit sind es auch nicht die 23 Persönlichkeiten respektive deren plötzlicher Wechsel, die zu einem Problem in Richtung einer unbedingt zu vermeidenden Lächerlichkeit avancieren – auch wenn die dahinterstehende Psychologie durchaus etwas glaubwürdiger und nachvollziehbarer hätte dargelegt werden können. Immerhin beschränkt sich Shyamalan auf eine übersichtliche Anzahl der in Erscheinung tretenden Personen, was gut ist und dem Film keineswegs negativ ausgelegt werden sollte. Weitaus ernüchternder wiegt der sich trotz dessen aufdrängende Fakt, dass SPLIT letztendlich doch mehr von einem Horrorfilm mit Übermensch-Syndrom (dieser Begriff wird wohl noch eine große Rolle spielen) oder wahlweise auch eines fantastisch anmutenden Schauermärchens hat. Eines, das trotz der offensichtlichen Übertreibungen darauf beharrt einen unbedingten Bezug zur Realität zu haben (was auch die großzügigen wissenschaftlichen Abhandlungen innerhalb des Films vermuten lassen) und den Zuschauer eben damit zu schocken. Und dieses Konzept geht hier nicht wirklich auf, was umso enttäuschender ist wenn man die noch immer vorhandenen Vorzüge des Films betrachtet.

Allen voran ist hier sicherlich Hauptdarsteller James McAvoy zu nennen – der den verschiedenen Persönlichkeiten nicht nur ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem entsprechend grandiosen Mienenspiel, sondern auch so etwas wie eine Seele einhaucht. Auch seine Kollegin Anya Taylor-Joy, die als einzige Gefangene über den Staus typischer (und ärgerlicher) Opfer-Klischees hinauskommt; macht ihre Sache gut – wobei man allerdings noch etwas mehr aus ihrem Charakter, den Flashbacks in Bezug auf ihre eigene Vergangenheit und den Dialogen hätte herausholen müssen. Im Zusammenspiel mit der bereits erwähnten, technisch hervorragenden Umsetzung und dem subtilen Soundtrack macht SPLIT so zumindest hinsichtlich seines Gesamteindrucks einen mehr als annehmbaren Eindruck. Einen, der aber noch so viel stärker hätte ausfallen können; ausfallen müssen. Ob es die Nachfolger besser machen, wird sich zeigen – es wäre jedenfalls nicht der Regelfall.

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„Letztendlich sind es ausgerechnet die Identitätsschwierigkeiten des Films an sich, die noch größeres verhindern.“

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Filmkritik: „Dobermann“ (1996)

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Originaltitel: Dobermann
Regie: Jan Kounen
Mit: Vincent Cassel, Tchéky Karyo, Monica Bellucci u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action, Thriller, Komödie
Tags: Bankraub | Verbrecher | Bande | Feldzug | Massaker

Vorsicht, der könnte beißen.

Kurzinhalt: Geschenke zum feierlichen Anlass einer Geburt sind sicher nichts ungewöhnliches. Doch dass ein neugeborenes französisches Baby ausgerechnet einen Revolver in die Wiege gelegt bekommt, schon eher. Eben das ist Yann Lepentrenc (Vincent Cassel) in jungen Jahren passiert, offenbar in weiser Voraussicht – denn Jahre später wird er zum berühmt-berüchtigten DOBERMANN, einem furchtlosen Killer und keine Gelegenheit auslassenden Gangster. Gemeinsam mit seiner gehörlosen Freundin Nathalie (Monica Belucci) plant er so manchen Diebeszug – und spannt dabei des öfteren einige seiner ebenfalls fähigen, dabei aber stets etwas unberechenbaren Kumpanen ein. Dass das auch die hiesige Polizei auf den Plan ruft, ist kein allzu großes Wunder – doch bisher haben es der DOBERMANN und seine Leute noch immer geschafft, einer Festnahme aus dem Weg zu gehen. Eines Tages jedoch wittert ein gewisser Inspektor Christini (Tchéky Karyo) seine große Chance. Würde er den DOBERMANN allein festmachen, würde er vermutlich nicht nur befördert werden – man würde vielleicht auch eher geneigt sein, über seine einstweilen recht ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden hinwegzusehen…

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Kritik: Wenn man einen Film im Verlaufe des kreativen Entstehungsprozesses auf den schlichten Namen DOBERMANN tauft, hat man eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man plant eine harmlose Dokumentation über die hiesige Flora und Fauna – oder inszeniert sogleich eine fleischgewordene Kampfansage. Zu welcher Alternative der bis dato unbekannte Regisseur Jan Kounen in Bezug auf seine erste größere Regie-Arbeit tendierte, bleibt indes nicht lange ein Geheimnis. Glücklicherweise, sollte man meinen – denn ganz offensichtlich verstand sich der Franzose schon früh auf fachmännische Kunstgriffe, trotz der Ermanglung vorheriger Erfahrungen. So fand die Titel-gebende Hunderasse in DOBERMANN gleich als doppelte Metapher Verwendung: zum einen als lautes Gebell in Richtung anderer Regisseure und Filmemacher, die vielleicht nicht den Mut hatten und haben etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen – und zum anderen in Richtung des Zuschauers, der mit der hier dargestellten Charakter-Riege tatsächlich ein Rudel wild gewordener, dezent irrer Hauptprotagonisten vorgesetzt bekommt.  Dass im Verlaufe des Films dann auch noch ein echter Hund eine Rolle spielt (allerdings kein Dobermann), ist damit schon wieder eine der weniger spannenden Angelegenheiten. Auch wenn der Abgang des Tieres so sicher nicht zu erwarten war – und lediglich zu einer der unzähligen Kuriositäten des Films zu zählen ist.

Denn: mit DOBERMANN legt es Kounen im wahrsten Sinne des Wortes darauf an, öffentlich seine Zähne zu fletschen. Und das ganz ohne Rücksicht auf potentielle Verluste. Dass der Film nicht gerade dem entspricht, was man im allgemeinen von einem handelsüblichen Actioner (oder noch spezifischer: einem Film über einen Bankraub) erwarten würde; ist dabei noch die kleinste Auffälligkeit. Analog zur unkonventionellen, dabei fast schon gleichermaßen gewöhnungsbedürftigen wie auch erfrischenden Machart gesellen sich schließlich auch noch eine mitunter schmerzliche Portion Brutalität; sowie allerlei Überschreitungen der Grenzen des guten Geschmacks hinzu. Unter anderem deshalb stand er hierzulande auch für viele Jahre auf dem Index für jugendgefährdende Medien – bis er 2011 wieder freigegeben wurde. Das mag noch lange kein Qualitätsmerkmal sein, gibt aber schon einmal die grobe Marschrichtung von DOBERMANN vor. Um einen allzu tumben, nur auf heftigste Gewaltausschreitungen ausgelegten Film oder einen puren Slasher handelt es sich aber auch nicht – sondern vielmehr um ein zumindest von seiner Struktur her an andere Actioner erinnerndes Machwerk, noch dazu mit einer echten Story und äußerst lebendigen Charakteren. Fest steht aber: eher zart besaitete sollten einen großen Bogen um DOBERMANN machen. Andererseits sollten die, die ihn dennoch oder gerade deshalb sehen möchten; unbedingt nach der ungeschnittenen Fassung Ausschau halten.

Denn nur dann kann DOBERMANN eine mitunter ureigene und dezent verstörende, aber dennoch unterhaltsame Atmosphäre etablieren. Eine, die gerade deshalb entsteht; da der Film respektive das Gezeigte niemals zu abwegig erscheint – entgegen der teils enormen Eskapaden, die sich speziell im Blick auf die Charakterporträts ergeben. Trotz der gegenwärtigen Anarchie steckt so auch immer ein potentielles Fünkchen Wahrheit in DOBERMANN und seinen absichtlich überzeichneten Figuren – was auch die hie und da auftretenden Seitenhiebe unterstreichen, die in erster Linie die französische Polizei (oder eher die Polizeiarbeit im gesamten) betreffen. Wie geschickt der Film dabei vorgeht, oder ob man in einem Film wie diesem überhaupt erst nach Botschaften suchen sollte ist eine ganz andere Frage. Fakt ist nur, dass Kounen bei keiner Gelegenheit Samthandschuhe anzieht – und der Film auch ohne weiterführende oder gar politische Bezüge das Zeug dazu hat, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Mit verantwortlich ist hier allerdings nicht die Story, die im Vergleich sogar als das schwächste Glied in der Kette der DOBERMANN-Anarchie daherkommt. Sicher, es gibt einen roten Faden – doch eine allzu außergewöhnliche Idee, nachvollziehbare Ambitionen der Protagonisten oder überraschende Wendungen werden nicht präsentiert. Und doch schafft es DOBERMANN, selbst diesen potentiellen Nachteil auszunutzen. Denn: wo kein wirklicher Einstieg in ein Handlungsuniversum stattfindet und wo ganz absichtlich in einem übertriebenen Comic-Stil erzählt wird; entstehen auch keine Probleme hinsichtlich einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit. Anders gesagt: man braucht erst gar keine Fragen zu stellen, sondern kann sich stattdessen voll ganz auf die Figuren und ihre wenn man so will spontan wirkenden Aktionen einlassen. Die sind dann auch das eigentliche Highlight von DOBERMANN – auch wenn Kounen hier nicht wirklich Kultpotential erreicht, und gerade die Dialoge noch etwas prägnanter hätten ausfallen können. Immerhin biedert er sich so nicht allzu auffällig bei Kollegen wie Tarantino an, und sorgt mit hie und da eingestreuten Sprüchen (wie etwa seitens des Polizisten, der immer mal wieder ein englisches Statement von sich gibt) für die nötigen Aha-Momente.

Ein besonderes Augenmerk sollte aber auch der visuellen Umsetzung gelten – denn hier ist Kounen gar zu einer absoluten Höchstform aufgelaufen. Von den rasanten, aber niemals zu hektischen Schnitten über die teils ungewöhnlichen Nahaufnahmen bis hin zur Szenenwahl und der Farbgebung stimmt einfach alles. Und das so sehr, dass selbst eine eher simple Choreografie – wie die einer Gruppe Polizisten, die eine Treppe Richtung Bank hinunterpirscht – zu einem kleinen Highlight avanciert. Ein sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffender, letztendlich aber ebenfalls äußerst passiger Soundtrack und die bezeichnende Auftritte von Vincent Cassel als DOBERMANN und Tchéky Karyo als sein Widersacher Christini runden das Ganze nach oben hin ab.

Schlussendlich: DOBERMANN ist ein höchst unterhaltsames, wenn man so will einfach gestricktes aber schlicht herrlich durchtriebenes Machwerk für Freunde des etwas anderen Actionkinos. Vornehmlich eines solchen, in dem gerne Regeln gebrochen und Grenzen neu ausgelotet werden – etwa die des guten Geschmacks. Das DOBERMANN dennoch einen verdächtig stilvollen Eindruck hinterlässt, liegt wiederum nicht an etwaigen einzelnen Aspekten – sondern vielmehr am rundum stimmigen Gesamtpaket.


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„Ein mehr als ordentlicher und ordentlich anarchistischer Indie-Film-Happen aus Frankreich.“

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Filmkritik: „Gefangen Im Paradies“ (2016)

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Originaltitel: Gefangen im Paradies
Regie: Felix Herzogenrath
Mit: Anna Loos, Bernhard Piesk, Mika Nilson Seidel u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: unbekannt
FSK: unbekannt
Genre: Drama
Tags: Urlaub | Reisen | Insel | Tropen | Terror | Geiselnahme

Ein Urlaub auf der Insel, der ist lustig ?

Kurzinhalt: Eigentlich sind Anna (Anna Loos), ihr Sohn Max (Mika Seidel) sowie Freund Philipp (Bernhard Piesk) auf eine abgelegene tropische Insel gereist, um mal wieder richtig auszuspannen. Doch alsbald geschieht das gleichermaßen unerwartete wie schreckliche: eine Gruppe von einheimischen Freibeutern stürmt auf die Insel und nimmt jeden gefangen, der ihnen in die Quere kommt. Nur Anna und Philipp schaffen es mit Glück, nicht in der Gewalt der Piraten zu landen – woraufhin sie sich gemeinsam in einer Höhle verstecken. Hier sinnieren sie über einen möglichen Ausweg aus der brenzligen Situation – und machen sich bald darauf auf, einen möglichen Hilferuf abzusetzen. Doch wie nur könnten sie Max und die anderen rechtzeitig befreien, ohne dass jemand zu Schaden kommt ? Doch dafür müssten sie zunächst erst einmal eines schaffen: weiterhin unentdeckt zu bleiben…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! GEFANGEN IM PARADIES ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Felix Herzogenrath, der im Auftrag von SAT. 1 produziert und am 06. September 2016 erstmals ausgestrahlt wurde. Wie bei vielen Eigenproduktionen der privaten Sendeanstalten handelt es sich um einen Film mit einem vergleichsweise geringen Budget, sowie einem möglichst markanten Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen – wobei es allerdings weniger um für die Beteiligten möglicherweise wichtige Statements, als vielmehr um höhere Einschaltquoten geht. In diesem Fall wird auch nicht lange ein Geheimnis daraus gemacht, womit die Zuschauer vor die Mattscheibe gelockt werden sollen: GEFANGEN IM PARADIES spielt mit dem Begriff der Angst, und passt so gesehen recht gut in die aktuelle Situation des weltweiten Terrors. Der macht schließlich auch nicht vor Erholung suchenden Urlaubern Halt, die sich aus halbwegs sicheren Gefilden aufmachen um mal etwas ganz anderes zu sehen – um dann im schlimmsten Fall entführt oder gar getötet zu werden. Eben das passiert auch den Protagonisten von GEFANGEN IM PARADIES, die dank ihres Wohlstandes ein nicht unbedingt alltägliches Urlaubsziel wählen – und die trotz oder gerade wegen der offensichtlichen Abgeschiedenheit in Kontakt mit einigen eher unliebsamen Einheimischen kommen.

Doch bei aller Liebe zur allgemeinen Präsenz der Massenmedien und den vielen unterschwelligen Botschaften in den Berichterstattungen seitens der privaten oder auch öffentlichen Fernsehsender – ein Film wie GEFANGEN IM PARADIES muss sich auch ganz unabhängig von der aktuellen politischen Weltlage profilieren können. Als Film oder auch private TV-Produktion an sich, bei denen man schon einmal etwas niedrigere Maßstäbe ansetzen kann oder muss als bei anderen Produktionen – sowie ganz generell als Format, bei dem die Unterhaltung eine wesentlich größere Rolle spielt als potentielle Hintergedanken. Wie der Film diesbezüglich abschneidet, ist indes keine allzu große Überraschung: GEFANGEN IM PARADIES ist weder ein Highlight geworden, welches markant aus der Masse an TV-Produktionen hervorstechen könnte – noch ein komplett unterirdisches, im absoluten Schnellschussverfahren realisiertes Machwerk. Demnach sieht man durchaus, dass die Filmcrew darauf bedacht war möglichst viel aus dem tropischen Schauplatz herauszuholen. Und tatsächlich: nicht nur, dass der Inselschauplatz gut in Szene gesetzt wurde; er wurde sogar aktiv in die Geschichte eingebaut.

Hinzu kommt eine theoretisch starke Besetzung, hauptsächlich vertreten von Anna Loos, Bernhard Piesk und Mika Nilson Seidel – sowie vielen anderen in Nebenrollen, womit vor allem die Bande der gesetzlosen Piraten inklusive des noch anzulernenden Nachwuchses gemeint ist. Gerade jene Entführer und Lösegeld-Erpresser wurden dabei recht gut getroffen, respektive glaubwürdig in Szene gesetzt – wenn auch nur oberflächlich. Die Optik und das Gebaren der Bösewichte wirken beispielsweise stimmig, ebenso wie die Entscheidung sie beizeiten in einer fremden Sprache (ohne die Zuschaltung von Untertiteln) sprechen zu lassen – während die gleich mehrmals auftauchenden Erklärungen und Rechtfertigungen schon wieder ein wenig zu viel des guten sind. Schließlich leidet darunter vor allem eines: die Glaubwürdigkeit des Films. Und gerade dabei handelt es sich um ein Problem, welches noch viel gravierendere Züge annehmen soll – was schon mit dem für eine TV-Produktion gewissermaßen symptomatischen Overacting der eigentlichen Hauptdarsteller beginnt. So mag sich Anna Loos in ihrer Hauptrolle zwar immer wieder selbst überwindend und kämpferisch geben – was jedoch nichts an ihrer relativen Steifheit ihres Figurenporträts ändert, welches man ihr einfach nicht vollständig abnimmt.

Am schwerwiegendsten aber trifft GEFANGEN IM PARADIES ohnehin etwas anderes – und das sind einige der offenbar bewussten Entscheidungen der verantwortlichen Filmemacher. Sicher, vielleicht kann man nicht allzu viel von einer TV-Produktion wie dieser erwarten. Der Einsatz von besonderen Stilmitteln, markante Story-Twists oder gar Wagnisse wie ein offenes Ende oder nicht-gutes Ende beispielsweise gehören eher nicht zum Repertoire der privaten Produktionen. Doch dass selbst eine eigentlich grundsätzliche Logik teils völlig über den Haufen geworfen wird, ist durchaus etwas merkwürdig. Fragliche, dies betreffende Szenen gibt es zuhauf – wie etwa den Moment, in dem die Schiffe der späteren Geiselnehmer erstmals auf den Strand zusteuern und man erst reagiert, als es viel zu spät ist. Im weiteren Verlauf gibt es dann noch Elemente wie eine unbekannte und potentiell lebensgefährliche Abkürzung, Jäger die nur eine statt der gesuchten zwei Personen aufgreifen (obwohl die andere in greifbarer Nähe ist), einen sich katzenhaft auf einen beschädigten Turm heranschleichenden Entführer auf welchen sich die Hauptprotagonisten zuvor nur mit reichlich Gepolter hat hochziehen können – sowie einen Sturz, der eigentlich einen ganz anderen Ausgang hätte haben müssen als den hier gezeigten. Das recht abrupte und forciert wirkende Ende rundet die Sache dann ab – zumal man die Charaktere nach überstandener Qual plötzlich wieder in bester Urlaubslaune zeigt.

Fazit: GEFANGEN IM PARADIES bietet genau das, was man von einer Produktion der privaten erwarten konnte – nicht mehr und nicht weniger. Immerhin, ganz so schludrig und hanebüchen wie so manch andere Vergleichsproduktion wirkt der Film nicht; auch nicht vom technischen Handwerk her – und es kommt stellenweise tatsächlich so etwas wie Spannung auf. Allerdings sind die dafür eingesetzten Kniffe standardisiert, und der ohnehin feststehende Ausgang der Geschichte verhindert vieles. Hinzu kommen die allgemein fehlende Glaubwürdigkeit, die teils frappierenden Logik-Fehler, sowie eventuell auch die fragliche Zielsetzung der Macher. Wollten sie mit diesem Film tatsächlich nur einen unterhaltsamen Urlaubs-Thriller auf die Beine stellen – oder spielt der Veröffentlichungszeitraum inklusive des aktuellen Geschehens doch eine nicht unwesentliche Rolle ? Man entscheide selbst…

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„Eine typische TV-Produktion für zwischendurch und mit teils erheblichen Schwächen.“

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