Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Bronson“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Biografie / Originaldrehbuch
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Tom Hardy, Matt King, James Lance u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Biografie, Drama, Thriller
Tags: Charles Bronson | Verbrecher | Krimineller | Schläger | Gefängnis | Gewalt

Entdecke Deine künstlerische Ader.

Inhalt: Nachdem der junge Michael Peterson (William Darke) schon im Kindesalter mit einer recht offenen Einstellung zum Thema Gewalt auffällig geworden ist, scheint sich auch im weiteren Werdegang des jungen Mannes (dann: Tom Hardy) wenig zu ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall – sodass es keine allzu große Überraschung ist, dass er bei dem Versuch eine Postfiliale auszurauben geschnappt wird. Daraufhin landet er für satte sieben Jahre im Gefängnis, zumindest wenn es nach den Richtern geht – doch für den exzentrischen Michael scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. So beginnt er auch hinter Gittern, sich den Regeln zu widersetzen und inbesondere heftige Prügeleien anzufangen – was ihm sogar einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Gefängnis-Abteilung einbringt. Doch selbst hier scheint man nicht so recht zu wissen, wie man am ehesten mit einem Mann wie Michael umgehen sollte – der sich, nachdem er eines Tages doch noch unerwartet freikommt; kurzerhand den Künstlernamen Charles Bronson zulegt und eine Karriere als beinharter Straßenboxer beginnt. Der nächste Gefängnisbesuch soll indes weniger lange auf sich warten lassen als gedacht…

Kritik: In der Tat, und darauf weist längst nicht nur die Inhaltsbeschreibung des 2009 erschienenen Spielfilms BRONSON hin – ein wenig wahnsinnig ist das, was der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn in Form seiner quasi-Hommage an das Leben des tatsächlich existierenden Schwerverbrechers Charles Arthur Salvador auf die Beine gestellt hat; durchaus. Mindestens aber ist es gewagt, wie nicht wenige Projekte des nach eigenen Angaben farbenblinden Multitalents Refn – der sich für BRONSON offenbar explizit von Stanley Kubrick’s Meisterwerk A CLOCKWORK ORANGE (siehe Filmkritik) inspirieren ließ. So sollte auch BRONSON so manchem Zuschauer einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen – erst Recht natürlich, wenn man völlig unvoreingenommen ans Werk geht und sich entsprechend überraschen; ja wenn nicht gar von der schier hypnotischen Bilderflut überwältigen lässt.

Sicher kann und sollte man dabei nicht behaupten, dass BRONSON Filme wie A CLOCKWORK ORANGE übertrifft – zumal er das auch gar nicht will, und eher eine alternative (unter Umständen sogar eine greifbarere) Ansicht auf das von Gewalt gezeichnete Leben einer gesellschaftlichen Randfigur darstellt. Anders gesagt: Refn’s BRONSON ist am Ende nicht ganz so substanziell und kultverdächtig wie Kubrick’s Vorlage, vermag es aber dennoch für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen. Und das – womit sich die beiden Werke doch wieder näher kommen als gedacht – eher als ein auf die Leinwand gebanntes Kunstwerk denn als typischer Spielfilm. Das wilde und freigeistig inszenierte Aufeinandertreffen von schonungslos dargestellten Elementen der Gewalt, der stellenweise surreal anmutenden Bilder und Innenansichten des Hauptcharakters, des zugegebenermaßen großartigen Schauspiels des Hauptdarstellers Tom Hardy und nicht zuletzt des aussergewöhnlichen Soundtracks sollte jedenfalls niemanden gänzlich kalt lassen.

Streiten könnte man sich demnach am ehesten über den Sinn oder Unsinn von BRONSON als filmisches Kunstwerk und quasi-Biografie eines notorischen Schlägers, dem es völlig egal war und ist was mit ihm geschieht – wobei man den diesbezüglich auch im Film zitierten Begriff des Nihilismus leider nicht gänzlich von der Hand weisen kann, geht es um ein möglichst treffendes Gesamturteil. Das beste ist noch, man macht sich selbst ein Bild – denn einmal gesehen haben sollte man einen unkonventionellen Film wie BRONSON allemal. Natürlich nur, und dafür braucht es eigentlich keine Vorwarnung; wenn man die entsprechenden Nerven mitbringt…

Bilder / Promofotos / Screenshots: © STUDIOCANAL

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„Ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem fleischgewordenen Prügel-Alptraum und einer ebenso makaberen wie überraschend faszinierenden Erzählart inklusive einiger gut gemeinter Kubrick-Analogien.“

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Filmkritik: „Das Belko Experiment“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Greg McLean
Mit: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Experiment | Ausnahmesituation | Kein Entkommen | Big Brother

Es melde sich, wer mal wieder aus seinem tristen Büroalltag ausbrechen möchte.

Inhalt: Morgenstund hat Gold im Mund – und wohl auch die gute alte Routine, die die Mitarbeiter der Non-Profit-Organisation Belko Corp. tagtäglich in das hochmoderne Bürogebäude irgendwo in einem Randbezirk der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá treibt. Dementsprechend hat wohl auch niemand damit gerechnet, dass es doch einmal ganz anders laufen könnte. Während man bei der urplötzlich stattfindenden hermetischen Abriegelung des Gebäudes noch an einen technischen Defekt oder ein Versehen denkt, sich dazu noch auf ein wenig zusätzliche Freizeit am Arbeitsplatz freut – weicht die allgemeine Unsicherheit alsbald einer waschechten Panik. Schließlich wird den Mitarbeiten über die Lautsprecheranlage mitgeteilt, dass es sich eben nicht um ein Versehen handelt – sondern dass sie für ein ganz besonders perfides Experiment auserkoren wurden. Ein Experiment, welches sie nicht ablehnen können – und dessen erste Aufgabe bereits unmöglich zu lösen scheint, zumindest bei klarem Verstand. So werden die Mitarbeiter aufgefordert, 30 beliebige Angestellte zu töten. Weigern sie sich, so droht ihnen noch schlimmeres – das behauptet zumindest die mysteriöse Stimme. Trotz dessen, dass sie im schlimmsten Fall nicht mehr allzu viel Zeit haben; setzten die Mitarbeiter alles daran aus dem Gebäude zu entkommen – und herauszufinden, wer für das tödliche Spiel verantwortlich ist.

Kritik: Nein, und auch wenn es im ersten Moment danach klingt – das Wörtchen Belko im Film DAS BELKO EXPERIMENT bezieht sich weder auf einen putzigen Hundenamen, noch zitiert es den Namen eines so tatsächlich stattgefundenen Experiments oder Wissenschaftlers. Vielmehr handelt es sich um einen geschickt gewählten Titel des für das Drehbuch und die Produktion des Films hauptverantwortlichen Multitalents James Gunn, der sich trotz seines Erfolges mit groß angelegten Holywood-Blockbustern (GUARDIANS OF THE GALAXY) hie und da noch an kleinere Projekte wagt. Und damit auch Projekte wie DAS BELKO EXPERIMENT – die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken, und sich dabei weder durch ein schwindelerregendes Budget noch den Auftritt zahlreicher möglichst bekannter Top-Stars auszeichnen. Als den Zuschauer zusätzlich herausfordernde Maßnahme kommt hinzu, dass sich der Titel-gebende Schauplatz des Films innerhalb eines fiktiven Büro-Gebäudes als recht übersichtlich erweist – und DAS BELKO EXPERIMENT so von vorne herein mehr von einem kammerspielartigen Psycho-Thriller als von einem typischen Schauermärchen der Marke Hollywood hat. Ein Psycho-Thriller, dessen Grundgedanke zwar alles andere als neu ist und so auch schon in Genre-Filmen wie BATTLE ROYALE oder etwa der CUBE-Reihe behandelt wurde – der aber dennoch mit einem vergleichsweise starken Fokus auf die Charaktere sowie der Darstellung einer sich jenseits von gut und böse bewegenden Ausnahmesituation überzeugt.

Eine Situation, die durch die vorliegende Art der Inszenierung mindestens zweierlei Blickwinkel zulässt. Wobei, und das ist das besondere; es gar keine allzu große Rolle spielt ob man den Film nun eher oberflächlich betrachtet oder sich auf sein nicht zu knappes Interpretationsangebot stürzt. Beiden Varianten gemein ist schließlich, dass DAS BELKO EXPERIMENT dem Zuschauer einige durchaus markante Charaktere präsentiert – die von ihrem Wesen her nicht unterschiedlicher hätten sein könnten, und sich in der Interaktion entsprechend interessant verhalten. Gut ist auch, dass deren Gebaren nur selten allzu übertrieben wirkt – zumindest nicht so übertrieben oder weltfremd wie in etwaigen vergleichbaren Filmen, welche eine ähnliche Ausnahmesituation in den Fokus rücken. Analog zu den entstehenden Möglichkeiten einer Identifikation gesellt sich so auch ein nicht zu verachtender Spannungsbogen, der sich bis kurz vor das große und leider nicht mehr ganz so überzeugende Finale erstreckt. Selbst die teils heftigen Gewaltszenen verfehlen ihre Wirkung nicht, auch wenn man sie absichtlich mit einer gewissen Form der Überzeichnung versehen hat – was auch für den hie und da zwischengeschobenen, recht makaberen Witz gilt. Stellenweise könnte man so meinen, man müsste sich in einem x-beliebigen Splatter- respektive Trashfilm befinden – doch glücklicherweise ist DAS BELKO EXPERIMENT weit mehr als das.

Schließlich – und wenn man so will – könnte man den Film problemlos als ebenso zwischenmenschliches wie auf die Gesellschaft übertragbares Drama betrachten. Ein Drama über die Natur des vermeintlich zivilisierten Menschen – was hier auch als Metapher bestens funktioniert, sogar im Hinblick auf einen größeren Zusammenhang. Offenbar war dies auch genau so von den Machern beabsichtigt – denn sonst hätte man sich wohl kaum eines recht offensichtlichen Gesellschafts-Querschnitts bedient, welcher direkt auf die beteiligte Charakter-Riege übertragen wurde. Doch wie man es auch dreht und wendet und betrachtet: DAS BELKO EXPERIMENT bleibt ein überzeugender Psycho-Thriller mit dem gewissen Etwas, der nicht nur mit seinem überraschend effektiven Schauspiel und der handwerklich ansprechenden Inszenierung punkten kann – sondern auch mit seinen ungeschönt dargestellten Inhalten. James Gunn holt hier klar das Maximum aus der bereits bekannten Grundidee und dem vergleichsweise eingeschränkten Setting heraus – und vermag es dabei tatsächlich, den Zuschauer in der ein oder anderen Form aufzurütteln.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Kinostar Filmverleih GmbH

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„Die Idee ist nicht neu und das Setting auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – umso überraschender ist, was letztendlich aus DAS BELKO EXPERIMENT geworden ist.“

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Filmkritik: „Der Sohn“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Urs Egger
Mit: Mina Tander, Nino Böhlau, Muriel Baumeister u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama / Thriller
Tags: Kleinstadt | Alleinerziehend | Mutter | Sohn | Mord | Verdacht

Wenn die Mutter mit dem Sohne…

Inhalt: Die alleinerziehende Katharina (Mina Tander) lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn Stefan (Nino Böhlau) in einer beschaulichen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Schnell wird klar, dass es die von ihrem Mann verlassene Katharina nicht immer leicht hat – erst Recht, da ihr Sohn schon seit seiner Geburt an einem besonders schweren Asthma leidet. Stefan indes scheint dies bestenfalls dann zu stören, wenn er mal wieder eine Hustenattacke bekommt – er scheint langsam aber sicher genug zu haben von seiner überfürsorglichen Mutter und ihren Ratschlägen. Die macht sich währenddessen Vorwürfe, und stellt sich immer wieder die Frage ob sie ihren Sohn überhaupt noch liebt; lieben kann – erst Recht, da ihr eines Tages eine schlimme Vermutung in den Sinn kommt. Denn: kurz nachdem sich der immer mehr von seiner Mutter abgrenzende Stefan mit seinen merkwürdigen nächtlichen Streifzügen begonnen hatte – in denen er unter anderem seiner aufkeimenden Sexualität Luft machte – wurden in der Gegend die Leichen von zwei ermordeten Frauen gefunden. Kann sich der grausame Verdacht der Mutter wirklich bestätigen, oder andersherum: könnte Stefan tatsächlich zu einem Mörder werden, um seine potentiell unkontrollierbaren Gelüste zu befriedigen ?

Kritik: Nein, ein Filmtitel wie DER SOHN zeugt nicht gerade von einem großen Erfindungsreichtum – und lässt auch nicht die Vermutung entstehen, dass hier mit ganz und gar spektakulären Inhalten zu rechnen wäre. Tatsächlich aber legt es der für die ARD produzierte und von Urs Egger umgesetzte Spielfilm durchaus darauf an, die Gemüter der Zuschauer zu erhitzen. Vornehmlich, in dem ein sonst üblicher Familien- und Generationskonflikt zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem jugendlichen Sohn gleich auf mehrerlei Art und Weise auf die Spitze getrieben wird – mit dem letztendlichen Ergebnis, dass sich beide Parteien nicht gerade mit Ruhm bekleckern und des Öfteren mehr als fragwürdige Verhaltensweisen an den Tag legen. Die dabei angeschnittenen oder teils auch etwas expliziter beleuchteten inhaltlichen Kernelemente des Films zielen dabei klar auf den Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion im Kreise der Familie: Themen wie Überbehütung, Bevormundung, Misstrauen sowie eine daraus resultierende Aggression und Hilflosigkeit geben sich in DER SOHN die Klinke in die Hand.

Paart man diese heikle Mischung auch noch mit einer gehörigen Portion pubertären Wahnsinns und diversen die Situation nicht gerade erleichternden Umständen, scheint das Chaos perfekt – und ein Film wie DER SOHN voll in seinem Element. Leicht problematisch wird es nur, wenn Urs Egger respektive die verantwortlichen Drehbuchautoren Dagmar Gabler und Peter Andersson dann doch mal gehörig über die Stränge schlagen und den Film so fast schon unfreiwillig komisch, mindestens aber dezent überzogen wirken lassen – inklusive einiger Szenen die man komplett hätte streichen müssen (wie den Wachmann, der seine potentiellen Opfer offenbar im Flutlicht ausmacht). Immerhin bezieht der Film selbst keine klare Stellung zu den meisten der angeschnittenen Themen – und überlasst es in weitestem Sinne dem Zuschauer, über die Charaktere und ihre verfahrene Situation zu urteilen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © BR | DasErste.de

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„Etwas weniger Hysterie und etwas mehr Glaubwürdigkeit wären dem Film sicherlich gut bekommen. Unterhaltsam und ausreichend heikel um für den nötigen Gesprächsstoff zu sorgen ist DER SOHN aber allemal.“

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Der Trailer:

http://www.daserste.de/embed/index~standalone.jsp?id=der-sohn-trailer-video-100&share=1&extern=1

Filmkritik: „Dog Days Of Summer“ (2007)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Freiburger
Mit: Richard Herd, Devon Gearhart, Colin Ford u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Thriller / Drama
Tags: Kleinstadt | Kinder | Fremder | Mysteriös | Veränderungen

Wie im Kleinen, so im Großen…

Inhalt: Ein einsamer Mann durchwandert die Straßen einer verlassenen und vermüllten Kleinstadt, in der nur noch das pfeifende Geräusch des Windes zu hören ist – und wenn man genau hinhört, auch die Stimmen der Vergangenheit. So erinnert sich der Hauptprotagonist Philip zurück an die Zeit, in der er hier als Kind (Devon Gearhart) viel Zeit mit seinem besten Freund Jackson (Colin Ford) verbrachte. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei ein ganz besonderer Sommer, in dem ein mysteriöser Fremder in der Stadt auftauchte. Sicher, Eli Cottonmouth (Will Patton) war ein äußerst fähiger Modellbauer, und erhielt seitens der Stadtverwaltung schnell den Auftrag auch von ihr ein detailliertes Modell anzufertigen. Im Großen und Ganzen aber machte er den Menschen eher Angst – und auch Philip wusste als Kind kaum, wie er den Fremden einschätzen sollte. Immerhin händigte er den beiden Freunden eine Kamera aus, und bat sie von möglichst vielen Objekten in der Stadt Bilder zu schießen. Das taten sie auch, ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen – bis sich die Lage mit dem plötzlichen Verschwinden einer hochschwangeren Frau zuspitzte. So sollten die Menschen doch noch herausfinden, was es mit dem seltsamen Fremden und seinen Modellen tatsächlich auf sich hatte…

Kritik: Die US-Amerikanische Produktion DOG DAYS OF SUMMER ist alles andere als ein gewöhnlicher Spielfilm – und gleichzeitig auch einer, mit dem man erst warm werden muss. So können sich schon die ersten Minuten als recht zäh erweisen, und welche Marschrichtung das filmische Erstwerk von Regisseur Mark Freiburger letztendlich einschlagen würde; ist zunächst kaum zu erahnen. Aber auch in seinem weiteren Verlauf wirkt der Film etwas zu unentschlossen, zumindest stellenweise. Am ehesten wird der Zuschauer so einem wahren Wechselspiel aus verschiedenen Emotionen und Eindrücken ausgesetzt, ohne dass eine der vielen inhaltlichen Komponenten nachhaltig fokussiert wird. In seinem Dasein irgendwo zwischen einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, einem netten Mystery-Thriller und einem Gesellschaftsdrama mit teils kritischen Botschaften lebt DOG DAYS OF SUMMER vor allem von seinen ungewöhnlichen Charakteren, dem soliden bis hervorragenden Schauspiel, der teils eindringlichen Filmmusik sowie seinem stimmig in Szene gesetzten Vergangenheits-Setting inklusive einer entsprechenden Erzähl-Perspektive.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Anchor Bay Entertainment

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„Eine insgesamt noch etwas zu konfuse und unentschlossene Angelegenheit – aber das an den Tag gelegte Handwerk überrascht, wie auch der allgemein ambitionierte und gewissermaßen erfrischende Gesamteindruck.“

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