Filmkritik: „Passagier 23 – Verschwunden Auf Hoher See“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Alexander Dierbach
Mit: Lucas Gregorowicz, Picco von Groote, Oliver Mommsen u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Kreuzfahrt | Schiffsreise | Verschwunden | Entführung | Kidnapping

Wehe dem, der hier als dreiundzwanzigster eincheckt.

Inhalt: Eigentlich hat der Polizeipsychologe Martin Schwarz (Lucas Gregorowicz) schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mehr über das Ableben seiner Frau und seines Sohns in Erfahrung bringen zu können. Vor gut 5 Jahren war die Familie gemeinsam auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, wobei die beiden unter mysteriösen Umständen verschwanden – offenbar gingen sie bei voller Fahrt von Bord. Doch warum seine Frau einen erweiterten Suizid hätte begehen soll, erscheint Martin nach wie vor schleierhaft. Jetzt aber, und nach all den Jahren erhält er die Nachricht; dass es neue Informationen geben könnte – wofür er sich erneut auf das besagte Kreuzfahrtschiff, die Sirius begeben muss. Hier erfährt er außerdem von einem weiteren Fall, bei dem ein zunächst verschwunden geglaubtes Mädchen plötzlich wieder aufgetaucht ist –  und das auch noch mit dem Teddybär seines Sohnes im Arm. Angetrieben vom Drang, endlich Licht in die dunklen Ereignisse bringen zu können; begibt sich Martin erneut auf Spurensuche…

Kritik: Dass man nicht allzu viel von einem Film erwarten sollte, bei dem es sich wie im Fall von PASSAGIER 23 um eine Eigenproduktion eines privaten TV-Senders handelt; liegt auf der Hand. Dennoch, und das ist die eigentliche Überraschung; macht die Verfilmung von Sebastian Fitzeks gleichnamiger Romanvorlage einen recht ordentlichen Eindruck – erst Recht natürlich, wenn man ihn mit anderen Eigenproduktionen der jüngeren Zeit oder einer ähnlichen Machart vergleicht.

Vornehmlich liegt das daran, dass es den verantwortlichen durchaus gelungen ist ein möglichst großes Maß an Spannung zu generieren: die dezent klaustrophobisch angehauchte Atmosphäre auf dem Kreuzfahrtschiff mit all seinen Korridoren und mehr oder weniger versteckten Räumen wurde gut umgesetzt, und der Zugang zu eigentlich abgeschotteten und somit eine gewisse Faszination ausstrahlenden Sperrbereichen erlaubt dem Zuschauer, selbst ein gutes Gefühl für die geheimnisvolle Spurensuche auf dem Schiff zu entwickeln. In jedem Fall hochzuhalten ist in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Kamera inklusive der stimmigen Ausleuchtung und Inszenierung der Schauplätze, der sich angenehm einfügende Soundtrack, und ja: auch die Darsteller machen einen akzeptablen bis guten Job, auch wenn man es hier – und hinsichtlich der sowohl den Roman als auch den Film begleitenden atmosphärischen Kühle – etwas übertrieben hat.

Weitere Schwächen offenbart das Werk erst in der näheren Betrachtung, respektive bei einem intensiveren Einsteigen und Fragen-stellen: während auf manche Detail durchaus geachtet wurde (wie etwa die Migräne-Attacken des Hauptcharakters), hat der Film dann doch an zu vielen Ecken und Enden Probleme hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit. Hier hätte man noch mehr Ideen investieren beziehungsweise sich weitaus nachvollziehbarere Erklärungen aus dem Ärmel schütteln müssen, um die Spannung schlicht und ergreifend nicht mit zu vielen eher hanebüchen erscheinenden Elementen in eine Waagschale zu werfen. Dennoch handelt es sich um einen soliden Thriller, den man sich nicht anschauen muss – aber anschauen kann, und das ohne größere Probleme.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: MG RTL D / Wolfgang Ennenbach

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„Kein spektakulärer, aber doch solider Thriller – erst Recht für eine TV-Produktion.“

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Filmkritik: “ Schattengrund – Ein Harz-Thriller“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Dror Zahavi
Mit: Josefine Preuß, Steve Windolf, Oliver Stokowski u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama, Thriller
Tags: Harz | Hexen | Haus | Mädchen | Kult | Verschwinden

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Inhalt: Eigentlich hat Nico (Josefine Preuß) kaum damit gerechnet, dass ihre Tante ihr etwas vererben würde – erst recht natürlich, da die beiden über viele Jahre keinerlei Kontakt hatten. Und doch sieht sie sich eines Tages damit konfrontiert, das eher ungewöhnliche Vermächtnis in Form eines Schlüssels, eines Besens und einer Streichholzschachtel anzunehmen. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zu einem Haus im Harz gehört – dem Ort, an dem Nico zumindest als Kind viel Zeit verbracht hat. Einmal dort angekommen muss sie jedoch schnell feststellen, dass ihr die Bewohner mit Argwohn begegnen – und auch sie beginnt sich an ein schreckliches Ereignis aus der Vergangenheit zu erinnern. Denn, und das haben die Leute keineswegs vergessen; damals ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Fili aus dem Dorf weggelaufen. Das Problem ist, dass aber nur Nico lebendig zurückkehrte – und bis heute unklar ist, was genau mit ihrer Freundin geschehen ist. Nach all den Jahren setzt Nico nun endlich alles daran, die Schatten der Vergangenheit zu lüften…

Kritik: Nein, wirklich originell ist die Geschichte von SCHATTENGRUND nicht. Und das trotz oder gerade wegen der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann mit ihrem vermeintlich okkulten Handlungshintergrund, der sich im Endeffekt nur als Aufmacher für eine überraschend brachiale Missbrauchsgeschichte entpuppt – die man so eigentlich schon des Öfteren bei diversen Eigenproduktionen der öffentlichen und privaten TV-Sender gesehen hat.

Ob es sich lohnt, speziell SCHATTENGRUND als ebenso spannenden wie verstörenden und im besten Fall auch noch aufklärenden Genre-Film zu empfehlen; steht demnach in den Sternen – zumal es die verantwortlichen dem Zuschauer auch nicht immer leicht machen. Etwa, indem man eine hier absichtlich um einige Jahre gealterte Josefine Preuß in der Hauptrolle vorgesehen hat – die nicht wirklich in ihrem Charakter aufzugehen scheint und Probleme hat, wirkliche Sympathiepunkte zu sammeln. Und ja, auch hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit sowohl in Bezug auf die wichtigsten Eckpunkte der Erzählung als auch die Motivation der einzelnen Charaktere offenbaren sich allerhand Probleme.

Immerhin: wenn es um die reine Kamera-Arbeit sowie das Einfangen der durchaus stimmig inszenierten Schauplätze geht, hat das Filmteam eine gute Arbeit gemacht – und auch der eher klassisch angehauchte Soundtrack kann sich grundsätzlich hören lassen. Technisch-handwerklich geht das Projekt, zumindest wenn man die dann doch etwas zu hölzernen darstellerischen Leistungen sowie die ungünstigen Traum- beziehungsweise Geister-Sequenzen (die, in denen die toten Kinder auftauchen) außen vor lässt – also allemal in Ordnung. Leider ist das aber – und wenn überhaupt – nur die halbe Miete, sodass man im Falle von SCHATTENGRUND nur bei einer höchst eingeschränkten Empfehlung bleiben kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: ZDF und Reiner Bajo

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„Schattengrund, oder: diese Film wird (und das vermutlich zu Recht) ein Schattendasein fristen.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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Filmkritik: „The Boy“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: William Brent Bell
Mit: Lauren Cohan, Rupert Evans, Ben Robson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Horror / Thriller
Tags: Kind | Junge | Puppe | Lebensecht | Gruselig | Anwesen

Da hat mich doch gerade jemand angezwinkert…

Inhalt: Um ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, nimmt die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) einen Job als Kindermädchen bei einem älteren, in einem abgelegenen englischen Dorf lebenden Ehepaar an. Wie sich bald darauf herausstellt, muss sich Greta aber nicht wirklich einer für das Berufsfeld typischen Aufgabe stellen. In Wahrheit ist der 8-jährige Brahms schließlich kein wirklicher Junge – sondern lediglich eine lebensgroße Puppe aus Porzellan. Auch wenn Greta der Angelegenheit verständlicherweise mehr als skeptisch gegenübersteht, nimmt sie die Aufgabe der Betreuung an – und gibt sich alle Mühe, die Heelshires (Jim Norton, Diana Hardcastle) – die kurz darauf verreisen und das neue Kindermädchen allein mit Brahms zurücklassen – zufriedenzustellen. Als sie jedoch beginnt, die Liste mit den ihr gestellten Aufgaben zu hinterfragen und einigen Punkten nicht nachzukommen, ereignen sich plötzlich mehrere seltsame bis absolut furchteinflössende Dinge. Um nicht völlig auf sich allein gestellt zu sein, bittet sie den charismatischen Lebensmittel-Lieferanten Malcolm (Rupert Evans) um Hilfe…

Kritik: Wer kennt sie nicht – jene guten alten Horrorfilme, in denen größere Anwesen und allerlei damit verbundene übernatürliche Phänomene die Hauptrolle spielen… und das im Grunde noch weit vor den eigentlichen Darstellern ? Tatsächlich sollte jeder, der sich schon einmal in den Gefilden des Horrorfilms ausgetobt hat; bereits eine Vielzahl eben solcher Machwerke gesehen haben – und das vermutlich ohne größere Überraschungseffekte. Entsprechend schwierig hat es auch William Brent Bell’s (u.a. WER – DAS BIEST IN DIR) THE BOY, der zunächst wie ein absolut typisches Genre-Werk mit den allseits bekannten Formeln daherkommt: eine junge Frau wird von einem kauzig-mysteriösen Ehepaar als Babysitterin eingestellt, die in einem ebenso prunkvollen wie verwinkelten Anwesen hausen und einige merkwürdige Angewohnheiten pflegen. Immerhin: mit der Prämisse, dass niemals wirklich von Geistern oder Dämonen gesprochen wird und stattdessen eine gleichermaßen hübsch gestaltete wie furchteinflößende Porzellanfigur eines Kindes Dreh- und Angelpunkt der Gesichte ist; kann sich THE BOY durchaus von der Masse abheben – was auch für die glücklicherweise schnell abgelegten Verhaltensmuster nach dem typischen (Angst-)Schema F gilt.

So ist man geneigt, wie die Hauptdarstellerin selbst immer mehr über das vermeintliche Kind herausfinden zu wollen – wobei THE BOY in Sachen Atmosphäre und einer überraschenderweise wenig reißerischen Phantomspannung (etwa bei den längeren Einstellungen auf das Gesicht der Puppe) reichlich Pluspunkte sammelt. Problematisch ist nur der letzte Akt sowie sicher auch die finale Auflösung des Films, bei der man wieder zur guten alten Brechstange greift (und das im wahrsten Sinne des Wortes) – sowie sicher auch das verschenkte Potential in Bezug auf die psychologische Komponente des Films, der sich noch etwas mehr auf seine Stärken als Psycho-Thriller hätte fokussieren sollen. Und eben nicht als Horrorfilm, dafür ist THE BOY mit seiner FSK 12 ohnehin nicht gruselig genug – aber sei es drum. Im Sinne einer schnellen Unterhaltung für zwischendurch kann man hier wohl nicht viel falsch machen. Wer es noch intensiver respektive intelligenter möchte, sollte vielleicht mal einen Blick auf ICH SEH, ICH SEH (siehe Review) werfen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Capelight Pictures

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„Trotz zwei oder drei größerer Schwächen ist THE BOY eine nette kleine Erfrischung im mittlerweile völlig vorhersehbaren Horrorfilm-Genre.“

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