Filmkritik: „Inside Man“ (2006)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Spike Lee
Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jonnie Brown u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller (50 %), Krimi(50 %)
Tags: Bankraub | Heist | Überfall | Geiselnahme | Raub | Erpressung

Diebstahl ist (nicht) gleich Diebstahl.

Inhalt: Der gewiefte Dalton Russell (Clive Owen) ist mit seinem Team gerade dabei, den Coup des Jahres zu landen. Als Maler getarnt haben sie es geschafft, die Kontrolle über eine große New Yorker Bank zu erlangen – inklusive aller sich im Gebäude befindenden Personen. Dabei scheinen sie recht gut vorbereitet zu sein, denn schon kurz nach der Erstürmung der Bank verpassen sie den Geiseln eine einheitliche Kleidung – sodass es den von Detective Keith Frazier (Denzel Washington) angeführten Ermittlern zusehends schwerfällt, die Lage zu überblicken. Ebenfalls zu einem Problem wird, dass der Gründer und Inhaber der Bank (Christopher Plummer) eine gewisse Madaline White (Jodie Foster) beauftragt, sich um den Inhalt eines seiner Schließfächer zu kümmern – ausgerechnet jetzt sollte man wohl sagen, und selbst wenn das bedeutet mit den Bankräubern kooperieren zu müssen. Was also ist im besagten Schließfach, das offenbar auf keiner Inventarliste auftaucht; und vor allem: wissen auch die Bankräuber davon ?

Kritik: INSIDE MAN ist ein von Spike Lee inszenierter Thriller, der sich für seine Darstellung eines etwas anderen Bankraubs auf eine Vorlage des US-Amerikanischen Drehbuchautors Russell Gerwitz stützt. Etwas anders ist vielleicht auch, dass der Film dabei tatsächlich mit einigen neuen respektive für das Genre der sogenannten Heist-Movies erfrischenden Ideen auftrumpfen kann – und die Darsteller alles daran setzen, ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem nicht allzu schnell zu durchschauenden Plan der Bankräuber vermag es der Film so durchaus, einen gewissen Reiz oder auch Sog zu entwickeln – einen Reiz, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und einen, der die eigentlich eher hoch angesetzten 130 Minuten Spielzeit grundsätzlich zu alles anderem als einer langatmigen Angelegenheit avancieren lässt. Dafür, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auf eine nennenswerte geschweige denn übertriebene Gewaltdarstellung oder größere Action-Szenen setzt; ist das durchaus ein Verdienst – wobei vor allem Fans von vergleichsweise ausführlichen Dialogen, Machtspielchen und einer wohldosierten Priese Humor auf ihre Kosten kommen sollten.

Und dennoch: im Falle von INSIDE MAN von einer qualitativen Ausnahme oder gar einem waschechten Genre-Highlight zu sprechen, trifft es dann auch nicht ganz genau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: interessanterweise scheinen so gut wie jedem Vorteil des Films immer auch Elemente gegenübergestellt zu sein, die vorschnelle Begeisterungsstürme schnell wieder im Keim ersticken können. Beispielsweise halten die eingangs erwähnten frischen Ideen nicht immer das, was sie versprechen – wobei man erst gar nicht in Versuchung kommen sollte, viele der hier eingebrachten Aspekte logisch zu hinterfragen. Aber auch das prinzipiell engagierte Schauspiel steht in INSIDE MAN teilweise auf der Kippe. Allein die Darbietung von Denzel Washington bewegt sich hart im Rande des Overactings, vor allem hinsichtlich des für die Dramaturgie des Films doch etwas zu abgebrühten und an Filme wie SHAFT erinnernden Porträts. Und überhaupt: dass sein Charakter derart im Fokus steht, und selbst potentiell interessantere Figuren wie die des von Clive Owen gespielten Anführers der Bankräuber zu quasi-Nebenfiguren macht; mag im Sinne des Erfinders sein – wirkt sich hier aber ebenfalls nicht unbedingt positiv aus.

Auch die einerseits durch die vergleichsweise netten Bankräuber, andererseits – und vor allem – durch die Nazi-Thematik aufkommenden moralischen Fragen fallen im hier anberaumten Zusammenhang etwas zu abstrakt aus, als dass der Zuschauer wirklich etwas mit ihnen anfangen könnte. Immerhin verzichtet Spike Lee auf ein allzu gewöhnliches gut gegen böse-Gefälle – und überlässt es weitestgehend dem Zuschauer, etwaige (dann: sich zumeist im Graustufenbereich befindende) Urteile zu fällen. Das gilt dagegen weniger für die angedeuteten Strippenzieher im Hintergrund, wie etwa die von Juliane Moore gespielte Madeleine White – die eher wie eine (absichtlich überakzentuierte) Karikatur denn wie ein menschliches Wesen wirkt. Letztendlich bleiben INSIDE MAN damit vor allem zwei Dinge: eine super-solide Inszenierung, die ihr Augenmerk eher auf die Darsteller und Kulissen als auf etwaige Special Effects legt; sowie ein überraschend hoher Unterhaltungswert. Der tröstet über vieles hinweg – aber eben auch nicht über alles.

Bilder / Promofotos / Screenshots: United International Pictures (UIP)

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„Ein nicht vor Schwächen gefeites, aber doch recht solide gemachtes und vor allem spannendes Porträt eines etwas anderen Bankraubs.“

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Filmkritik: „Wir“ (2019)

Originaltitel: Us
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Jordan Peele
Mit: Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 116 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror (50 %), Thriller (50 %)
Tags: Familie | Doppelgänger | Untergrund | Überleben | Rache

Wer soll’s richten, wenn nicht wir ?

Inhalt: Eigentlich wollen Adelaide (Lupita Nyong’o) und ihr Mann Gabe (Winston Duke) nur ein paar entspannte Tage an der sonnigen nordkalifornischen Küste verbringen. So reisen sie gemeinsam mit ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) in das alte Ferienhaus, in dem sie schon zuvor gastierten. Dieses Mal jedoch scheint sich etwas ganz und gar unheilvolles in die Idylle des Urlaubs zu drängen – wobei unklar ist, in wie weit ein düsteres Ereignis aus Adelaide’s Vergangenheit damit zusammenhängt. Sicher ist nur, dass urplötzlich eine Familie vor dem Haus der Urlauber steht – deren Mitglieder offenbar sie selbst sind. Im Gegensatz zu den jeweiligen Originalen aber scheinen diese düsteren Gestalten nur wenig gutes im Schilde zu führen – und beginnen daraufhin relativ direkt, die Familie anzugreifen. Es bleiben eigentlich nur zwei Fragen – wer genau sie sind, und vor allem was sie wollen…

Kritik: So schnell kann es gehen. Nachdem er zunächst noch ausschließlich als Darsteller auftrat – und das auch noch in eher mittelprächtigen Produktionen – steht ein gewisser Jordan Peele mittlerweile vor einer großen Karriere als Drehbuchautor und Regisseur. Hauptsächlich dafür verantwortlich dafür ist sein 2017’er Spielfilmdebüt GET OUT – der nicht nur viele gute Kritiken einheimste, sondern auch für reichlich Diskussionsstoff unter geneigten Cineasten sorgte. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt respektive soll nun auch WIR schlagen – eine interessante Mixtur aus Elementen des (Psycho-)Thrillers und Horrorfilms, in dem eine Familie den wohl schlimmsten Alptraum ihres bisherigen Lebens durchlebt.

Tatsächlich, und das fällt schon relativ früh beziehungsweise analog zum doch recht rasanten Auftakt des Films auf – gelingt Peele dabei auch dieses Mal die Zeichnung einer vergleichsweise dichten und wenn man so will hypnotischen  Atmosphäre. Und das liegt nicht allein an der technisch schier perfekten Inszenierung, die unter anderem von der gelungenen Kamera-Arbeit von Mike Gioulakis profitiert – sondern in erster Linie daran, dass man als Zuschauer auf mindestens zweierlei Art und Weise vom Gezeigten gefesselt wird. Schließlich fühlt sich WIR eben nicht nur wie ein standardisierter Horrorfilm an, der seine Stärke aus der Darstellung vieler möglichst beklemmender Situationen – und oftmals leider auch der Aneinanderreihung von altbackenen Klischees – generiert. Nein – denn ausnahmsweise steckt hinter dem Film auch endlich einmal wieder eine gute oder zumindest doch recht erfrischende Idee. Eine, die Peele zwar nicht gänzlich (und bis zum bitteren Ende) durchdacht zu haben scheint – aber doch eine, die den Zuschauer bei der Stange hält und bis kurz vor das Ende relativ stimmig begleitet.

Vereinfacht könnte man auch sagen, dass der Film stets die richtigen Fragen stellt, und das auch noch zu den richtigen Zeitpunkten – und man als Zuschauer weitaus deutlicher als in vielen anderen Werken angehalten ist, das Geheimnis hinter der ominösen Doppelgänger-Familie zu ergründen. Hier spielt nicht nur die Idee selbst mit hinein, sondern auch das Timing – das dank des offensichtlich vorhandenen Fingerspitzengefühls des Regisseurs gar nicht erst viel Raum zur Kritik zulässt. Das gilt im übrigen auch für das gezeichnete Bild der Familie (in darstellerischer, aber auch charakterlich-empathischer Hinsicht), die eingeworfenen Rückblenden, die letztendlich doch über vielem stehende (und dabei gar nicht mal so unoffensichtliche) Gesellschaftskritik oder die hie und da mutig in die Szenerie gesetzte (Situations-)Komik.

Das einzige, worüber man sich bei WIR wirklich streiten könnte; ist demnach die Ausführung der Grundidee – die sich insgesamt betrachtet dann doch etwas zu unschlüssig anfühlt. Man kennt es: es ist nicht unbedingt das schwierigste eine gute Idee zu haben und diese zu Papier zu bringen – sondern vor allem auch, wie man diese dem Zuschauer näher bringt oder im besten Fall sogar glaubhaft vermittelt. Und das ohne die eventuell vorhandene Magie, das vielleicht einzigartige Mysterium gänzlich zu entschlüsseln. Genau das gelingt WIR – der immerhin viele der aufgestellten Theorien erklärt beziehungsweise anhand von, man nenne es Easter-Eggs untermauert – leider nicht gänzlich oder in einem solchen Maße, dass man von einem tadellosen oder gar kultverdächtigen Werk sprechen könnte.

Dennoch schadet es kaum, sich Jordan Peele’s Interpretationen eines zuvor noch nicht auf diese Art und Weise dargestellten Dopellebens einmal zu Gemüte zu führen – und den Film, vielleicht ja auch ohne explizite Inhalts-Nachfragen zu stellen – einfach mal auf sich wirken zu lassen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Universal

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„Ein durchaus fesselnder und vor allem gut gemachter Horrortrip der etwas anderen Sorte.“

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Filmkritik: „Passagier 23 – Verschwunden Auf Hoher See“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Alexander Dierbach
Mit: Lucas Gregorowicz, Picco von Groote, Oliver Mommsen u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Kreuzfahrt | Schiffsreise | Verschwunden | Entführung | Kidnapping

Wehe dem, der hier als dreiundzwanzigster eincheckt.

Inhalt: Eigentlich hat der Polizeipsychologe Martin Schwarz (Lucas Gregorowicz) schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mehr über das Ableben seiner Frau und seines Sohns in Erfahrung bringen zu können. Vor gut 5 Jahren war die Familie gemeinsam auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, wobei die beiden unter mysteriösen Umständen verschwanden – offenbar gingen sie bei voller Fahrt von Bord. Doch warum seine Frau einen erweiterten Suizid hätte begehen soll, erscheint Martin nach wie vor schleierhaft. Jetzt aber, und nach all den Jahren erhält er die Nachricht; dass es neue Informationen geben könnte – wofür er sich erneut auf das besagte Kreuzfahrtschiff, die Sirius begeben muss. Hier erfährt er außerdem von einem weiteren Fall, bei dem ein zunächst verschwunden geglaubtes Mädchen plötzlich wieder aufgetaucht ist –  und das auch noch mit dem Teddybär seines Sohnes im Arm. Angetrieben vom Drang, endlich Licht in die dunklen Ereignisse bringen zu können; begibt sich Martin erneut auf Spurensuche…

Kritik: Dass man nicht allzu viel von einem Film erwarten sollte, bei dem es sich wie im Fall von PASSAGIER 23 um eine Eigenproduktion eines privaten TV-Senders handelt; liegt auf der Hand. Dennoch, und das ist die eigentliche Überraschung; macht die Verfilmung von Sebastian Fitzeks gleichnamiger Romanvorlage einen recht ordentlichen Eindruck – erst Recht natürlich, wenn man ihn mit anderen Eigenproduktionen der jüngeren Zeit oder einer ähnlichen Machart vergleicht.

Vornehmlich liegt das daran, dass es den verantwortlichen durchaus gelungen ist ein möglichst großes Maß an Spannung zu generieren: die dezent klaustrophobisch angehauchte Atmosphäre auf dem Kreuzfahrtschiff mit all seinen Korridoren und mehr oder weniger versteckten Räumen wurde gut umgesetzt, und der Zugang zu eigentlich abgeschotteten und somit eine gewisse Faszination ausstrahlenden Sperrbereichen erlaubt dem Zuschauer, selbst ein gutes Gefühl für die geheimnisvolle Spurensuche auf dem Schiff zu entwickeln. In jedem Fall hochzuhalten ist in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Kamera inklusive der stimmigen Ausleuchtung und Inszenierung der Schauplätze, der sich angenehm einfügende Soundtrack, und ja: auch die Darsteller machen einen akzeptablen bis guten Job, auch wenn man es hier – und hinsichtlich der sowohl den Roman als auch den Film begleitenden atmosphärischen Kühle – etwas übertrieben hat.

Weitere Schwächen offenbart das Werk erst in der näheren Betrachtung, respektive bei einem intensiveren Einsteigen und Fragen-stellen: während auf manche Detail durchaus geachtet wurde (wie etwa die Migräne-Attacken des Hauptcharakters), hat der Film dann doch an zu vielen Ecken und Enden Probleme hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit. Hier hätte man noch mehr Ideen investieren beziehungsweise sich weitaus nachvollziehbarere Erklärungen aus dem Ärmel schütteln müssen, um die Spannung schlicht und ergreifend nicht mit zu vielen eher hanebüchen erscheinenden Elementen in eine Waagschale zu werfen. Dennoch handelt es sich um einen soliden Thriller, den man sich nicht anschauen muss – aber anschauen kann, und das ohne größere Probleme.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: MG RTL D / Wolfgang Ennenbach

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„Kein spektakulärer, aber doch solider Thriller – erst Recht für eine TV-Produktion.“

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Filmkritik: “ Schattengrund – Ein Harz-Thriller“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Dror Zahavi
Mit: Josefine Preuß, Steve Windolf, Oliver Stokowski u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama, Thriller
Tags: Harz | Hexen | Haus | Mädchen | Kult | Verschwinden

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Inhalt: Eigentlich hat Nico (Josefine Preuß) kaum damit gerechnet, dass ihre Tante ihr etwas vererben würde – erst recht natürlich, da die beiden über viele Jahre keinerlei Kontakt hatten. Und doch sieht sie sich eines Tages damit konfrontiert, das eher ungewöhnliche Vermächtnis in Form eines Schlüssels, eines Besens und einer Streichholzschachtel anzunehmen. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zu einem Haus im Harz gehört – dem Ort, an dem Nico zumindest als Kind viel Zeit verbracht hat. Einmal dort angekommen muss sie jedoch schnell feststellen, dass ihr die Bewohner mit Argwohn begegnen – und auch sie beginnt sich an ein schreckliches Ereignis aus der Vergangenheit zu erinnern. Denn, und das haben die Leute keineswegs vergessen; damals ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Fili aus dem Dorf weggelaufen. Das Problem ist, dass aber nur Nico lebendig zurückkehrte – und bis heute unklar ist, was genau mit ihrer Freundin geschehen ist. Nach all den Jahren setzt Nico nun endlich alles daran, die Schatten der Vergangenheit zu lüften…

Kritik: Nein, wirklich originell ist die Geschichte von SCHATTENGRUND nicht. Und das trotz oder gerade wegen der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann mit ihrem vermeintlich okkulten Handlungshintergrund, der sich im Endeffekt nur als Aufmacher für eine überraschend brachiale Missbrauchsgeschichte entpuppt – die man so eigentlich schon des Öfteren bei diversen Eigenproduktionen der öffentlichen und privaten TV-Sender gesehen hat.

Ob es sich lohnt, speziell SCHATTENGRUND als ebenso spannenden wie verstörenden und im besten Fall auch noch aufklärenden Genre-Film zu empfehlen; steht demnach in den Sternen – zumal es die verantwortlichen dem Zuschauer auch nicht immer leicht machen. Etwa, indem man eine hier absichtlich um einige Jahre gealterte Josefine Preuß in der Hauptrolle vorgesehen hat – die nicht wirklich in ihrem Charakter aufzugehen scheint und Probleme hat, wirkliche Sympathiepunkte zu sammeln. Und ja, auch hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit sowohl in Bezug auf die wichtigsten Eckpunkte der Erzählung als auch die Motivation der einzelnen Charaktere offenbaren sich allerhand Probleme.

Immerhin: wenn es um die reine Kamera-Arbeit sowie das Einfangen der durchaus stimmig inszenierten Schauplätze geht, hat das Filmteam eine gute Arbeit gemacht – und auch der eher klassisch angehauchte Soundtrack kann sich grundsätzlich hören lassen. Technisch-handwerklich geht das Projekt, zumindest wenn man die dann doch etwas zu hölzernen darstellerischen Leistungen sowie die ungünstigen Traum- beziehungsweise Geister-Sequenzen (die, in denen die toten Kinder auftauchen) außen vor lässt – also allemal in Ordnung. Leider ist das aber – und wenn überhaupt – nur die halbe Miete, sodass man im Falle von SCHATTENGRUND nur bei einer höchst eingeschränkten Empfehlung bleiben kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: ZDF und Reiner Bajo

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„Schattengrund, oder: diese Film wird (und das vermutlich zu Recht) ein Schattendasein fristen.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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