Metal-CD-Review: THEOCRACY – Ghost Ship (2016)

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Alben-Titel: Ghost Ship
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Oktober 2016
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Ulterium Records

Alben-Lineup:

Jonathan Hinds – Guitars
Matt Smith – Vocals, Guitars (additional), Keyboards
Jared Oldham – Bass
Val Allen Wood – Guitars (lead)

Track-Liste:

1. Paper Tiger (05:13)
2. Ghost Ship (04:39)
3. The Wonder of It All (06:38)
4. Wishing Well (05:01)
5. Around the World and Back (04:57)
6. Stir the Embers (04:07)
7. A Call to Arms (04:39)
8. Currency in a Bankrupt World (04:41)
9. Castaway (04:43)
10. Easter (09:53)

Ein Geisterschiff mit ganz und gar starker Besatzung.

Es hat lange gedauert, doch nun kann sie endlich zelebriert werden – die Rückkehr von THEOCRACY. Dabei waren und sind die US-Amerikanischen Power Metaller, deren letztes Album AS THE WORLD BLEEDS (Review) bereits gute 5 Jahre zurückliegt; seit jeher für zwei Eigenschaften bekannt. Zum einen gehören sie zu den eher seltenen Genre-Combos, die mehr oder weniger dezent christliche Inhalte in ihren Texten verbauen – und zum anderen zu jenen, die eigentlich ausschließlich enorm starkes Material abliefern. Dass das eine das andere nicht ausschließen muss, wollen die findigen Botschafter um Frontmann Matt Smith nun auch mit GHOST SHIP beweisen; ihrem mittlerweile vierten und in jedem Falle heiß erwarteten Studioalbum.

Dabei ist eines schnell festzustellen: wenngleich der Alben-Titel und das dazugehörige Artwork relativ düster anmuten mögen, sind THEOCRACY auch weiterhin darauf bedacht ein möglichst vielfältiges Wechselbad der Emotionen zu erzeugen. Und das spiegelt sich natürlich auch in den dezent progressiven, angenehm wandelbaren Songstrukturen wider. Die schroffen Gitarren und der allgemeine Druck bilden hier ein markantes Kontrastprogramm zu den im wahrsten Sinne des Wortes erhellenden Refrains und dem starken, glasklaren Leadgesang von Matt Smith. Diese Rezeptur mag nicht neu sein, doch scheint sie dieses Mal vielleicht sogar noch etwas wirksamer als auf dem Vorgänger. GHOST SHIP prescht schier unaufhaltsam voran – und zeigt auf, dass THEOCRACY nichts von ihrer Genialität und Schaffenskraft eingebüßt haben.

Das gilt vor allem für den grandiosen Alben-Auftakt, der mit dem guten Opener PAPER TIGER (schon hier geht das angesprochene Kontrastprogramm vollends auf), dem Titeltrack GHOST SHIP mit seinem gleichermaßen ungewöhnlichen wie packenden Refrain; sowie dem angenehm flotten und stellenweise auch mal deutlich kräftigeren THE WONDER OF IT ALL aufwartet. Die großartige Präsentation des Albums erledigt hierbei alles übrige – hinsichtlich der Abmischung und Produktion schöpfen THEOCRACY respektive die Sound-Verantwortlichen aus dem absoluten Vollen. Und das sogar so sehr, dass man geneigt ist von einem der am besten klingenden Genre-Alben des Jahres zu sprechen; zumindest was das handwerkliche Verständnis betrifft. Dass THEOCRACY aber noch weit mehr drauf haben als mit einem rundum zufriedenstellenden Sound inklusive Leadsänger Matt Smith in einer absoluten Bestform zu glänzen, ist bekannt – doch wartet GHOST SHIP so gesehen doch noch mit einer kleinen Überraschung auf.

Und die ist leider nicht mehr ganz so angenehm wie der starke Auftakt des Albums. Sicher gibt es keinen wirklichen Total-Ausfall, was bei einer Band wie THEOCRACY eigentlich kaum vorstellbar wäre – doch scheinen den Amerikanern zum Beginn der zweiten Alben-Hälfte des Albums die Ideen oder zumindest die Highlights auszugehen. WISHING WELL ist atmosphärisch aber auch etwas kraftlos, STIR THE EMBERS fällt durch den anfangs merkwürdig flüsternden und offenbar nachträglich bearbeiten Gesang sowie die etwas heftigen Tempowechsel auf. Am ärgsten hat es wohl aber das dezent auf modern getrimmte A CALL TO ARMS erwischt, das mit einem eher ungünstigen, abgehackten Riffing und einen noch ungünstigeren Refrain daherkommt. Und auch das vielversprechende CURRENCY IN A BANKRUPT WORLD kann nicht wirklich respektive durchgehend überzeugen – was leider auch für den typischerweise überlangen Rausschmeißer EASTER gilt. Der ist nicht nur kein Vergleich zum schier unglaublichen, ganze 22 Minuten langen Titeltrack von MIRROR OF SOULS – sondern auch davon abgesehen eine auffallend langatmige Angelegenheit.

Auf der Haben-Seite stehen wiederum das starke, emotional ansprechende AROUND THE WORLD AND BACK sowie das spät folgende CASTAWAY als flotteste Nummer des gesamten Albums. Hier werden Freunde von balladesken Stimmungen ebenso zufriedengestellt wie Fans von vergleichsweise einfach gestrickten, dafür aber umso zünftigeren Power Metal-Hymnen. Eines steht dank des mit gemischten Gefühlen zu betrachtenden Mittelteils aber unausweichlich fest: wirklich kultverdächtige Nummern mit mal mehr, mal weniger Religionsbezug wie einst etwa ABSOLUTION DAY oder BETHLEHEM vom großartigen A MIRROR OF SOULS (Review) hält GHOST SHIP leider nicht parat. Auch eine zeitlos-stampfende Hymne a’la ALTAR TO THE UNKNOWN GOD vom ebenfalls hervorragenden AS THE WORLD BLEEDS (Review) hätte GHOST SHIP sicher gut getan. Das alles mag nicht ausschlaggebend sein, zumal es sich noch immer um ein verdammt starkes Genre-Album und damit eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung handelt – doch sollte man sich eben auch nicht zu schade sein, hier ein wenig zu differenzieren.

Absolute Anspieltipps: PAPER TIGER, GHOST SHIP, AROUND THE WORLD AND BACK, CASTAWAY


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„Ein gutes Genre-Album, das nicht ganz an die Vorgänger heranreicht. Dennoch, bereuen wird man hier nichts.“

Metal-CD-Review: THEOCRACY – THEOCRACY (2006)

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Alben-Titel: Theocracy
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Metal Ages

Alben-Lineup:

Matt Smith – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug

Track-Liste:

1. Prelude 01:36 (instrumental)
2. Ichthus 04:39
3. The Serpent’s Kiss 11:56
4. Mountain 04:48
5. Theocracy 06:00
6. The Healing Hand 11:36
7. Sinner 06:08
8. New Jerusalem 05:10
9. The Victory Dance 05:02
10. Twist of Fate 11:30

Wie ein ungeschliffener Rohdiamant.

Mit diesem Album also soll sie beginnen – die Geschichte einer neuen christlich angehauchten Power Metal-Band aus den Vereinigten Staaten. Die erste ungewöhnliche Auffälligkeit in Sachen THEOCRACY ist indes nicht die thematische Gewichtung des gleichnamigen Debütwerks; sondern vielmehr das auffallend übersichtliche Lineup. Hier steht lediglich einer allein auf weiter Flur – Matt Smith, Bandgründer und kreativer Kopf hinter THEOCRACY. Nicht nur, dass er alle Ideen selbst abliefert – er zeichnet sich auch für jegliches Instrumentenspiel verantwortlich; und übernimmt somit schlicht alle Posten, für die man sonst noch 4 oder 5 Kollegen braucht. Wie ein Live-Auftritt von THEOCRACY aussehen soll, bleibt vorerst fraglich – doch wie klingt ein solches Album respektive Projekt, welches von nur einem einzelnen gestemmt wurde ?

Bevor es jedoch richtig losgeht, offenbart sich noch eine weitere Besonderheit; dieses Mal in Bezug auf die Struktur des dargebotenen Materials. Mit 10 Titeln und einer Gesamtlaufzeit von knapp 68 Minuten verspricht das Album ein recht umfangreiches Klangerlebnis; gleich 3 Titel heben sich mit einer Spielzeit von jeweils knapp über 11 Minuten deutlich ab. Erwarten den Hörer hier regelrechte Epen, ausschweifende Geschichten über Fug und Unfug von Religion, emotionale Auseinandersetzungen mit Gefühlen und Gedanken – oder entpuppen sich die Titel doch nur als langwierige Lückenfüller ? Ein Verdacht, den man durchaus hegen kann – doch glücklicherweise ist ersteres der Fall; wenngleich diese Feststellung mit Einschränkungen zu genießen ist. Schließlich klingen THEOCRACY trotz des enorm melodischen Anspruches noch recht roh oder rau – und das ist in erster Linie auch der groben Produktionsqualität zuzuschreiben. Andererseits: dafür, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt, und offenbar nur ein einziger Mann am Werk war, klingt es doch wieder recht annehmbar.

Eine weitere Frage die sich stellt, ist verständlicherweise (und aufgrund der Bezeichnung des Albums als ‚christliches‘ Werk) die nach den enthaltenen Botschaften und der Art von Matt Smith, mit seinen Erfahrungen und Gedanken umzugehen. Lässt er noch Spielraum offen, oder serviert er streng dogmatische Aussagen am laufenden Band ? Tatsächlich unterscheidet sich das Debütalbum gar nicht so sehr von anderen Genreverwandten – die Texte besitzen zwar historische oder religiöse Anleihen (oder beides), doch im Großen und Ganzen herrscht der Eindruck des fantasie- und prunkvollen Geschichten-Erzählens vor. Eben ganz so, wie es im Power Metal seit jeher gehalten wird – mit dem Unterschied, dass THEOCRACY deutlich gehaltvolleres Material offerieren. Ob anklagend (THE SERPENTS KISS), wehklagend (SINNER) oder doppeldeutig schmetternd (THEOCRACY) – viele der Titel beschäftigen sich in irgendeiner Form mit inneren Auseinandersetzungen, Reflexionen und Stellungnahmen. Schnöde Bombast-Refrains ohne Sinn und Verstand wird man auf einem Album wie diesem also vergeblich suchen. Dennoch, und das ist der Clou; zeugen die Lieder von einer gewissen explosiven Energie, und können so auch Power Metal-Uptempo-Fans begeistern – wie etwa der Opener ICHTHUS.

Die längeren Titel kommen dagegen mit einer deutlich größeren Portion Progressivität daher, und lassen so zahlreiche Tempo- und Stimmungswechsel auf den Hörer wirken. Oder aber, sie werden teils markant-symphonisch – wie das große Finale mit TWIST OF FATE. Aber nicht unbedingt alles ist auf THEOCRACY Gold, was glänzt – gerade im Mittelteil und mit Titeln wie THE HEALING HAND (einer der 11-Minüter) oder SINNER (eher balladesk) kann es auch mal etwas langatmiger werden. NEW JERUSALEM gibt dann noch einmal richtig Feuer, und klingt auch dank der symphonischen Komponente und des wahrhaft festlichen Refrains recht ansprechend. THE VICTORY DANCE überrascht dann sogar noch mit einigen leicht folkig angehauchten Klängen – Abwechslung wird also definitiv geboten. Aber reicht das, um an der Spitze des Genres mitzuspielen ? Nein, noch nicht – aber das Potential ist zweifelsohne vorhanden; sogar in Massen. Die Tatsache, dass es sich um ein Debütalbum sowie ein ein-Mann-Projekt handelt, verdient in Anbetracht des doch recht ausgefeilten, vielseitigen Klangs noch zusätzlich Beachtung.

Fazit: Eine Empfehlung für Genre-Fans, die sich nicht vor religiösen und leicht anspruchsvolleren Texten aufhalten lassen. Bis zur klanglichen Perfektion ist es aber noch etwas hin. Auch könnte die Musik von THEOCRACY noch den ein oder anderen Spannungsmoment vertragen – bei knapp 70 Minuten Material schleicht sich in mehrerlei Hinsicht eine gewisse Gleichförmigkeit ein. Dennoch: ein Lob muss ausgesprochen werden.

Anspieltipps: ICHTHUS, THE SERPENT’S KISS, THEOCRACY, NEW JERUSALEM, TWIST OF FATE

Vergleichsbands: DARWATER | HARMONY


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„Solides Ein-Mann-Debüt mit massenhaft Potential“

Metal-CD-Review: THEOCRACY – Mirror Of Souls (2008)

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Alben-Titel: Mirror Of Souls
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Ulterium Records

Alben-Lineup:

Shawn Benson – Schlagzeug
Matt Smith – Gesang (Lead), Gitarre, Keyboard, Bass
Jonathan Hinds – Gitarre

Track-Liste:

1. A Tower of Ashes (04:44)
2. On Eagles‘ Wings (04:12)
3. Laying the Demon to Rest (09:37)
4. Bethlehem (05:51)
5. Absolution Day (06:47)
6. The Writing in the Sand (06:44)
7. Martyr (07:39)
8. Mirror of Souls (22:26)

Mit aller Kraft an die Himmelspforte klopfend.

THEOCRACY – jener großer Name (zu Deutsch etwa: Gottesherrschaft) steht in diesem Fall für das ehemalige ein-Mann-Power-Metal-Projekt des Künstlers Matt Smith; welches im Jahre 2002 ins Leben gerufen wurde. Nachdem der US-Amerikaner das Debütalbum (THEOCRACY, 2003) noch in kompletter Eigenregie aufnahm und produzierte, hat er sich für das nun vorliegende MIRROR OF SOULS die Musiker Shawn Benson (Schlagzeug) und Jonathan Hinds (Gitarre) mit ins Boot geholt. Ganz komplett ist das Lineup zwar immer noch nicht – sodass Matt Smith weiterhin etwaige Aufgaben (Leadgesang, Bass, Gitarre, Keyboard) mit übernimmt – doch eine Steigerung zum Vorgänger und Erstwerk ist schon jetzt spürbar. So klopfen THEOCRACY in zweierlei Hinsicht an die Pforten des Himmels, wenn man so will: zum einen mit ihrer schier göttlichen Spielart des Power Metals, zum anderen über die stark religiösen Textinhalte, die größtenteils dem Christentum zuzuordnen sind.

Eine Frage, die sich einigen zweifelsohne stellen wird; ist die nach der allgemeinen ‚Bekömmlichkeit‘ eines Werkes wie MIRROR OF SOULS. Sollte man religiös eingestellt oder gar streng gläubig sein, um in den bestmöglichen Genuss des Albums zu kommen ? Werden glaubenstechnisch weniger interessierte von einem Album wie diesem enttäuscht, oder vielleicht sogar genervt sein ? Ein klares nein – denn THEOCRACY sind weit mehr als eine plumpe Bandcombo, die in einer ebenso plumpen Manier Gott samt und sonders seiner irdischen ‚Vertreter‘ lobpreisen. Dafür gibt es genügend andere Vertreter – vor allem auch in nicht-metallischen Bereichen – sodass THEOCRACY von allen konsumiert werden können, die etwas für einen satten Power Metal mit leicht progressiven Einschlägen übrig haben. Der einzige Unterschied zu den unzähligen, größtenteils europäischen Bands dieser Spielart ist folglich, dass die Textinhalte und Botschaften anders sind – in wie weit man sich dem gegenüber öffnen, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Aber was vordergründig zählt, ist die Musik – und der Gesamteindruck, den diese entfalten kann. Und der ist gerade auf MIRROR OF SOULs geradezu phänomenal.

Mit einem Opener wie A TOWER OF ASHES wird schnell die allgemeine Marschrichtung vorgegeben – das Album ist temporeich, energetisch; und klingt dabei überraschend unverbraucht. Noch deutlicher wird dies bei einer Nummer wie ON EAGLES WINGS – zutiefst geniale Riffs, eine markante Melodie und ein toller Refrain tragen den Hörer hier buchstäblich wie auf Wolken durch die ersten Minuten des Albums. Mit LAYING THE DEMON TO REST, der ersten etwas düsteren Nummer; wird es dann zugleich progressiver und epischer – eine Glanzleistung, was THEOCRACY hier innerhalb der (niemals langweilig erscheinenden) 9 Minuten untergebracht haben. Eine erhabene und unterhaltsame Songstruktur samt leicht trashiger Riffs, einem glasklar-angenehmen Gesang von Matt Smith – hier stimmt einfach alles. Wenngleich die meisten Nummern auf MIRROR OF SOULS ohne Probleme von jedermann genossen werden können, wird es bei Nummern wie BETHLEHEM schon etwas schwieriger – da sie strukturell und thematisch schon eher explizit religiös ausfallen, zumindest im direkten Titelvergleich. Doch auch hier gilt: ganz unabhängig davon, was eigentlich besungen wird; klingt das Ganze einfach nur wunderbar harmonisch, hymnisch und natürlich auch festlich. Man kann sich der Wirkungskraft dieser Titel einfach nicht entziehen – die Melodien gehen ins Ohr, und verweilen dort auch bis auf weiteres.

Handwerklich ist das, was dem Hörer hier geboten wird; schlicht und ergreifend Power Metal-Material der allerersten Güteklasse. Die noch folgenden Titel lassen dabei ebenfalls kaum Wünsche offen, und bieten zudem ein großes Maß an Abwechslung. Das flotte ABSOLUTION DAY, das rockige und im stampfenden Midtempo gehaltene THE WRITING IN THE SAND, das abwechslungsreiche MARTYR oder aber der fulminante Finaltrack MIRROR OF SOULS sorgen noch einmal für reichlich Stimmung. Letzterer Titel kommt dabei mit einer sagenhaften Spielzeit von 22 Minuten (!) daher – und läuft damit Gefahr, den ein oder anderen Durchhänger zu offerieren. Tatsächlich gelingt es THEOCRACY weitestgehend, die Spannung und Qualität auch hier zu halten – doch im Vergleich zu den ersten Nummern des Albums ist hier keine Steigerung mehr vorgesehen. Nach ein paar Durchläufen steht es dann fest: die erste Alben-Hälfte ist phänomenal gut, die zweite etwas langatmiger und nicht mehr ganz so originell – aber noch lange nicht schlecht. Etwas mehr Potential wäre hier aber zweifelsohne drin gewesen.

Fazit: MIRROR OF SOULS kann wahrlich jedem Power-Metal-Fan ans Herz gelegt werden – ganz unabhängig davon, in wie weit er sich in religiösen Gefilden zu Hause fühlt. Denn noch ausschlaggebender als die (auch allgemein alles andere als verkehrten) Textinhalte ist die Musik – die in diesem Fall sofort das Steuer übernimmt und mit einer Energie, einer Spielfreude und einem Tempo voranprescht, dass es eine wahre Freude ist. Vor allem aber ist es der Sound in all seinen Facetten, der begeistert – vom stimmigen Leadgesang über die pompösen Arrangements bis hin zur Produktionsqualität waren hier ausschließlich Könner – wie unter anderem der berühmte Mika Jussila im Mastering-Prozess – am Werk.

Anspieltipps: A TOWER OF ASHES, ON EAGLES WINGS, LAYING THE DEMON TO REST, BETHLEHEM


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„Das Prinzip des Debütalbums perfektioniert“

Metal-CD-Review: THEOCRACY – As The World Bleeds (2011)

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Alben-Titel: As The World Bleeds
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Ulterium Records

Alben-Lineup:

Shawn Benson – Schlagzeug
Val Allen Wood – Gitarre (Lead)
Jared Oldham – Bass, Gesang (Backing)
Matt Smith – Gesang, Gitarre, Keyboard
Jonathan Hinds – Gitarre, Piano, Keyboard, Gesang (Backing)

Track-Liste:

1. I Am 11:00
2. The Master Storyteller 04:09
3. Nailed 06:25
4. Hide in the Fairytale 04:27
5. The Gift of Music 07:12
6. 30 Pieces of Silver 05:08
7. Drown 05:29
8. Altar to the Unknown God 05:44
9. Light of the World 04:28
10. As the World Bleeds 07:56

Markante Power Metal-Religionsstunde, oder doch eher ein Reinfall ?

THEOCRACY ist eine 2002 gegründete, US-Amerikanische Progressive Power Metal-Combo – einst hervorgegangen aus den Ideen von Bandleader Matt Smith, der das Ganze zu Beginn komplett allein aufzog. Ein markantes Merkmal der Musik von THEOCRACY ist zweifelsohne der explizite Religions- beziehungsweise Glaubensbezug – grundlegende christliche Textinhalte sind hier nicht selten, und ziehen sich wie ein roter Fanden durch die Kompositionen. Allerdings: auf die Frage, ob THEOCRACY nun eine christliche Power Metal-Band sei oder nicht, gab Bandkopf Matt Smith keine ausreichend klare Antwort. Man könnte es so oder so sehen – in jedem Fall behandelt er seit jeher Themen, die ihm durch den Kopf schwirren; wobei Religion nur eines von vielen ist. Eine Einstellung wie diese ist zweifelsohne angenehm – so kann das Werk von THEOCRACY von allen möglichen Hörerschichten erschlossen werden, ohne dass man eine allzu aufdringliche Botschaft oder gar etwaige Aufforderung (wie es bei vielen nicht-metallischen, christlichen Bands der Fall ist) erwarten müsste.

Aber noch etwas ist anders. Zumindest anders, als man es von einer christlich angehauchten Band erwarten würde. Metal-Bands mit einer ähnlichen Ausrichtung (a’la REINXEED oder GOLDEN RESURRECTION) machten es teilweise vor – mit einer Musik wie dieser kann man einstweilen hart an der Schmerz-; respektive Kitschgrenze schrammen – von etlichen anderen Bands (die einfach nur peinlich wirken) gar nicht erst zu sprechen. Doch THEOCRACY wirken und klingen absolut ernstzunehmend – das heisst, vor allem auch musikalisch erhaben. Nach dem Debüt, welches noch im Alleingang von Matt Smith realisiert wurde und demnach etwas rauer klang, folgte 2008 das ebenfalls gut aufgenommene MIRROR OF SOULS – das allerdings und ebenfalls noch immer nicht mit einer vollen Besetzung. Erst mit dem heute behandelten, 2011 erschienenen AS THE WORLD BLEEDS wurden THEOCRACY als 5-köpfige Band komplett.

Und: es hat sich bezahlt gemacht. Der Charme, den das Erstwerk vor allem hinsichtlich eines ambitionierten Ein-Mann-Projektes entwickeln konnte, weicht nun endgültig einer allgemeinen Professionalität. Nach knapp 8 Jahren war dies der einzig richtige Schritt, beziehungsweise die einzig nachzuvollziehende Entwicklung – denn auch als Band möchte, muss man sich stets weiterentwickeln. Und so sorgt auch die sagenhafte Abmischungs- und Produktionsqualität von AS THE WORLD BLEEDS für den Eindruck einer bestmögliche Qualität. In der Tat – wenn ein gewisser Mika Jussila (Liste seiner Mitarbeiten) für das Mastering verantwortlich ist, dann klingt das Ergebnis meistens gut. Auch das Artwork von Altmeister Felipe Machado Franco überzeugt sofort – und beschwört eine unterstützende Prise Dramatik herauf. Ganz so dramatisch (und vor allem nicht düster) klingt das Album dann allerdings nicht, was gut ist – denn düstere Genrevertreter gibt es bekanntlich zuhauf. Und so könnte man die Musik von THEOCRACY durchaus als fröhlich, beziehungsweise positiv gestimmt bezeichnen – doch bewegt sich AS THE WORLD BLEEDS dennoch weit weg von einer belanglosen lala-Stimmung. Das macht auch der Opener I AM schnell klar: hier handelt es sich um ein 11-minütiges, progressives Opus mit allerlei Tempi- und Stimmungswechseln. Musikalisch ist das, was hier geboten wird; in der allerersten Liga anzusiedeln – bezeichnend dafür ist auch, dass so gut wie keine Langeweile aufkommt und sich das Stück Minute für Minute entfaltet.

THE MASTER STORYTELLER ist dann eine deutlich kürzere Nummer; die es in sich hat: von den knackigen Riffs über den stimmigen Leadgesang bis hin zu den durchdachten Textinhalten stimmt hier einfach alles. Einen netten, ‚catchy‘ Refrain gibt es noch obendrauf – was will man mehr ? Noch progressiver und epischer wird es dann in NAILED, dem ersten Alben-Highlight von AS THE WORLD BLEEDS. Die harten Riffs und die hier erstmals etwas düstere Grundstimmung stehen in einem markanten Kontrast zum Leadgesang von Matt Smith – bis es im Refrain zu einer ersten (nicht nur musikalischen) Offenbarung kommt. Mit HIDE IN THE FAIRYTALE geht es sogleich hochkarätig weiter, textlich wie auch kompositorisch – die Tempi-Wechsel zwischen den schnelleren Strophen und dem getragenen, gesanglich perfekt inszenierten Refrain bilden hier das Highlight, wie auch das angenehme Gefrickel an den Gitarren. Den ersten auffälligeren, potentielle Streitfall bildet dann die Ballade THE GIFT OF MUSIC – denn hier schrammen THEOCRACY tatsächlich an der oben bereits erwähnten Kitschgrenze. Solange es bei dieser einen Nummer bleibt, ist das allerdings zu verzeihen. Man sollte allerdings Vorsicht walten lassen, und die Nummer nicht allzu schnell überspringen – denn im weiteren Verlauf mausert sie sich dann doch noch zu einem progressiven Meisterstück mit durchaus höhrenswerten Soli und Instrumentalparts – ja, auch Überraschungen sind auf AS THE WORLD BLEEDS durchaus vertreten.

Doch sind es gerade Titel wie 30 PIECES OF SILVER, in denen THEOCRACY richtig aufgehen. Was sollte man an einer Nummer wie dieser ändern, ändern wollen ? Hier handelt es sich quasi um die bessere Version von THE MASTER STORYTELLER – in atmosphärischer wie auch progressiver Hinsicht wird hier reichlich geboten. DROWN ist dann – leider – eine der eher unspektakulären Nummern. Angesiedelt irgendwo zwischen einer (Power-)Ballade und einem stampfenden Midtempo entsteht hier keine derart fesselnde, sogartige Wirkung wie in den Titeln zuvor. Ein etwas missglückter Refrain (in Sachen Melodie und Chorgesang) bestätigt diesen Eindruck. Wie so oft scheinen auch THEOCRACY einem merkwürdigen Phänomen zum Opfer zu fallen: ein überaus markanter, gut gelungener Auftakt geht in einen noch soliden Mittelteil über, doch zum Ende hin flaut die Qualität immer weiter ab; die Begeisterung kann einfach nicht aufrecht erhalten werden. Denn auch ALTAR TO THE UNKNOWN GOD ist – trotz des netten Refrains und der teils aufkommenden Tempi-Wechsel – alles andere als ein Meisterstück. Viel eher muss man von einer grundsoliden Nummer sprechen – nicht mehr, und nicht weniger. Etwas überraschend kommt dann LIGHT OF THE WORLD daher – die erste gradlinige Uptempo-Power-Metal-Hymne ohne viel Schnickschnack. Sowas können THEOCRACY also auch ? In der Tat – und das gar nicht mal schlecht. Das Teil macht Laune, überzeugt durch einen markanten Rhythmus und den gelungenen Refrain. Bleibt nur noch der Titeltrack AS THE WORLD BLEEDS – der noch einmal aus dem Vollen schöpft und sowohl eine ordentliche Portion Tempo als auch Progressivität anzubieten hat. Ein runder Abschluss, nach einem nicht mehr ganz so spektakulären Mittelteil.

Fazit: Die potentiellen Bedenken derjenigen, die sich aufgrund eines zu ‚einschlägigen‘ Inhaltes (Glauben, Religion, Christentum) nicht an das 2011’er THEOCRACY-Album wagen, können mit einem guten Gewissen zerschlagen werden. Man muss weder streng gläubig sein, noch irgendeiner bekannten Weltreligion angehören um in den Genuss von AS THE WORLD BLEEDS, beziehungsweise der Musik von THEOCRACY zu kommen – das Album funktioniert auf vielerlei Ebenen, von der der besagte Religions-Bezug nur eine einzelne bildet. Zudem werden etwaige Textinhalte alles andere als aufdringlich oder plump präsentiert – diesen Fauxpas begehen THEOCRACY nicht. Sie nehmen die Musik, die sie machen einfach nur sehr ernst – und daran ist beileibe nichts schlechtes auszumachen. In wie weit man auf die Textinhalte einsteigt, bleibt jedem Hörer selbst überlassen – so oder so funktionieren die Kompositionen – größtenteils – gut. Sie gehen ist Ohr, verweilen dort – und begeistern durch den enorm positiven, vorwärts preschenden Anspruch. Auch Abwechslung wird reichlich geboten – eine Empfehlung, vor allem für Freunde eines progressiv angehauchten Power Metals. Allerdings: nach dem verdammt gelungenen Alben-Auftakt nimmt die Qualität gegen Mitte / Ende doch leicht ab. Lediglich jene, die auf einen etwas raueren Sound aus sind, sollten sich eher anderswo umschauen – denn THEOCRACY klingen vergleichsweise freundlich, was (in diesem Fall !) allerdings kein Negativ-Attribut ist.

Anspieltipps: I AM, NAILED, THE GIFT OF MUSIC, 30 PIECES OF SILVER, LIGHT OF THE WORLD

Vergleichsbands: HARMONY | DARKWATER | REINXEED


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„Ein wahrlich himmlisches Album“