Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Underworld (2005)

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Alben-Titel: Underworld
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. November 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass
Johan Sohlberg – Bass

Track-Liste:

1. Changeling (03:45)
2. Eyes of the Dead (03:58)
3. The Fiddler (05:29)
4. Watcher in the Deep (05:25)
5. Your Time Has Come (02:58)
6. Beauty Is the Beast (04:35)
7. Underworld (04:28)
8. Magic Elements (04:35)
9. Shine On (05:03)
10. Ace of Spades (Motörhead cover) (02:42)

Es geht auch ohne Höhepunkt – aber mit ist es eben doch schöner.

UNDERWORLD ist das vierte Studioalbum aus dem Bunde der illustren Diskografie von THE STORYTELLER – einer bereits seit 1995 bestehenden Power Metal-Combo aus Schweden; die ihre Karriere zunächst mit einigen Demos sowie dem überraschenden Debütalbum aus dem Jahre 2000 (Review) begonnen hatte. Wie man heute weiß, markiert UNDERWORLD vor allem eine Besonderheit: es war das letzte STORYTELLER-Album vor einer längeren kreativen Pause oder auch Ruhephase. Einer, die immerhin ganze 8 Jahre währen sollte – der Nachfolger DARK LEGACY (Review) erschien erst 2013. Somit markiert UNDERWORLD den letzten Teil des frühen THE STORYTELLER-Kapitels – und vielleicht auch das Ende der eigentlichen Blütezeit der Band. Denn auch wenn speziell das Debütalbum sowie die generell eher leichtgängige Spielart der Band des öfteren im Fokus der Kritik standen, hatten sich THE STORYTELLER gemausert – und ein solides Genre-Album nach dem anderen veröffentlicht. Mit dem bis dato letztaktuellen Album TALES OF A HOLY QUEST (Review) wurde es sogar noch einmal richtig interessant: die Band war hier erstmals deutlich düsterer unterwegs und wandelte auf dezent progressiven Pfaden.

UNDERWORLD setzte diesen Trend allerdings nicht fort – sondern präsentiert sich eher als Bindeglied zwischen der neuerlichen düsteren, sowie der altbekannten feucht-fröhlichen und hymnischen Seite der Band. Eine besonders im Refrain typisch verschwörerische Uptempo-Nummer wie MAGIC ELEMENTS beispielsweise hätte auch genauso gut vom Debütalbum stammen können – und auch BEAUTY OF THE BEAST ist ein wie so oft stark nach vorn preschender, zutiefst melodischer und Riff-geladener Stampfer in bester Geschichtenerzähler-Manier. Wie schon zuvor gilt in diesem Falle allerdings auch, dass sich THE STORYTELLER nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht; sondern vielmehr weiter an ihrem Sound gefeilt haben. Die Auswirkungen dessen finden sich indes eher im kleinen – und betreffen in erster Linie den überaus standhaften Leadsänger L.G. Persson. Der inszeniert sich auf UNDERWORLD noch ein stückweit rauer und variabler als jemals zuvor, was hier sicherlich im MOTÖRHEAD-Cover zu ACE OF SPADES gipfelt – und durchaus Eindruck hinterlässt.

Aber noch etwas gilt es festzuhalten: UNDERWORLD bringt noch immer ausreichend direkt packende Uptempo-Nummern wie EYES OF THE DEAD an den Start, doch wird das Tempo hie und da auch mal markant gedrosselt. Und das erstmals mit vollem Erfolg: der schwere, stampfende Opener CHANGELING beispielsweise überzeugt als hervorragend inszenierte Geschichtsstunde mit einem grandiosen Riffing und einem kongenialen Refrain. Aber auch das dezent folkloristisch angehauchte THE FIDDLER weiß dank seiner vergleichsweise schweren Gangart, seinem für THE STORYTELLER ungewöhnlichen Rhythmus und der starken Performance von L.G. Persson zu gefallen. Lediglich das merkwürdige SHINE ON fällt leicht aus der Reihe der überraschend gelungenen und stilistisch treffsicheren Nummern heraus – was auch an den fast schon kuriosen, arg kraftlosen Hintergrundgesängen liegt.

Letztendlich avanciert UNDERWORLD aber ganz locker zu weit mehr als einem typischen THE STORYTELLER-Album – auch da es den bisherigen Werdegang der Band nicht nur erneut aufgreift, sondern vielmehr zu perfektionieren scheint. Sowohl in Sachen Stilsicherheit, Handwerk und Atmosphäre; als auch in Bezug auf den Faktor der dargebotenen Abwechslung aus hymnisch-flotten und markant-stampfenden Nummern markiert das Album jedenfalls klar den Höhepunkt des bisherigen Schaffens der Band. Demnach muss hier eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, vor allem an all jene die die anderen STORYTELLER-Alben bisher links liegen gelassen haben. Indes: wer selbst durch ein Album wie dieses nicht bekehrt werden wird, der dürfte THE STORYTELLER dann aber wirklich von seiner Liste streichen. Alle anderen erwartet ein rundum stimmiges Genre-Werk – eines, das THE STORYTELLER nicht mehr nur stilistisch in die Nähe von Bands wie FALCONER rückt; sondern auch in deren qualitative Liga.

Absolute Anspieltipps: CHANGELING, EYES OF THE DEAD, THE FIDDLER, WATCHER IN THE DEEP, UNDERWORLD


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„Der eindeutige Höhepunkt der STORYTELLER-Karriere.“

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Tales Of A Holy Quest (2003)

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Alben-Titel: Tales Of A Holy Quest
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. November 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass

Track-Liste:

1. Voices from the Past (00:46)
2. Seed of Lies (04:27)
3. Conviction (05:44)
4. A Holy Quest (03:52)
5. Words Out of Greed (03:52)
6. Chamber of Torture (04:38)
7. The Mass (05:02)
8. Blinded Eyes (04:17)
9. When All Hope Has Faded (03:28)
10. Trails of Blood (08:03)
11. …and Still They Speak (00:50)

Wenn der Geschichten-Erzähler dreimal ruft.

TALES OF A HOLY QUEST ist der Name des dritten Studioalbums der Schwedischen Power Metaller von THE STORYTELLER, deren illustre Geschichten man zuvor schon auf dem überraschenden Debüt (Review) und dessen sogar noch etwas besseren Nachfolger CROSSROAD (Review) belauschen konnte. Als drittes Album innerhalb von gerade einmal drei Jahren ist es klar der ersten markanten Blütezeit der Band zuzuordnen – einer Zeit, in der man über reichlich Inspiration verfügte und die im Laufe der Jahre gesammelte Ideen von den insgesamt vier Demo-Veröffentlichungen vervollständigte, perfektionierte und so gesehen nach bester STORYTELLER-Manier abrundete. Was an TALES OF A HOLY QUEST als drittem Langspieler im Bunde zunächst auffällt, ist jedoch nicht die enthaltene Musik.

Schließlich wird man in Bezug auf das zweifelsohne auffallende Cover-Artwork geneigt sein, zweimal hinzusehen. Vor allem aber offenbart es eine mitunter interessante Frage: haben sich THE STORYTELLER einfach nur mit ihrer Motiv-Wahl vergriffen, oder ist das Ganze gar als selbstsichere Kampfansage zu verstehen ? Die mit einem Motiv wie diesem zu attackierenden wären in diesem Fall wohl vornehmliche jene Kritiker, die sich an der bisher vergleichsweise einfach gestrickten Musik der Schweden gestört haben. So oder so bietet auch das dritte Album genau das, was man THE STORYTELLER auch erwartet hätte: einen gradlinig gestrickten, hymnischen und wenn man so will klassisch-europäischen Power Metal. Einen, der folglich weder Neuland betritt noch als besonders herausragend zu bezeichnen ist – aber handwerklich mehr als nur solide dargeboten und dazu noch mit einer gewissen Glaubwürdigkeit transportiert wird.

Da das kurze Intro sowie das ganz ähnlich aufgemachte Outro relativ nichtssagend sind, bleiben dem Album immerhin 9 vollwertige Titel. Und die gehen aufgrund der seit dem ersten Album omnipräsenten musikalischen Trademarks der Band schnell ins Ohr. Abermals liegt der Fokus explizit auf den Gitarren, der klassischen Instrumentierung ohne großartige Schnörkel sowie einem nur minimalen Keyboardeinsatz; wieder gibt es allerlei gut konstruierte und angenehm hymnische Refrains zu bestaunen, wieder erklingt die (vielleicht nicht perfekte, aber doch einzigartige) Leadstimme von Band-Frontmann L.G. Persson und erzählt so manch interessante Geschichte. Auf TALES OF A HOLY QUEST bleibt somit vieles beim alten – sodass vor allem diejenigen bedient werden, denen schon die Vorgänger gefielen. Anders herum bedeutet das aber auch: wer bisher nichts mit THE STORYTELLER anfangen könnte, der wird auch durch TALES OF A HOLY QUEST nicht zum Fan werden.

Ein paar Anreize respektive eventuelle Verbesserungen im Vergleich zu den Vorgängern gibt es dann aber doch. So kommt das Album insgesamt wesentlich düsterer daher, und es finden sich auch mehr progressive Ansätze. Ganz so einfach machen es sich THE STORYTELLER dann eben doch nicht – sie sind offenbar darauf bedacht sich weiterzuentwickeln, und eine möglichst große Bandbreite an eindrücken zu vermitteln. Und das ist ihnen in diesem Fall auch gelungen. Die Entscheidung mehr Hintergrundsänger ins Boot zu holen wirkt sich positiv aus, Leadsänger L.G. Persson versucht sich erfolgreich in bis dato unbekannten Gefilden (THE MASS), der nunmehr deutlich schwerere und ernstere Gesamteindruck sowie das neuerliche inhaltliche Konzept stellen eine willkommene Abwechslung zu den teils quietschfidelen Vorgängern dar.

Absolute Anspieltipps: SEED OF LIES, CONVICTION, WORDS OUT OF GREED, TRAILS OF BLOOD


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„Auch im dritten Anlauf schwächeln THE STORYTELLER nicht.“

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Crossroad (2002)

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Alben-Titel: Crossroad
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Dezember 2001
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Soundholic Co. Ltd.

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass
Janne Björk – Bass

Track-Liste:

1. And the Legend Continues (01:37)
2. The Unknown (05:37)
3. The Secret’s Revealed (03:54)
4. Eye of the Storm (04:38)
5. A Passage Through the Mountain (04:16)
6. Ambush (05:37)
7. Loss of a Friend (05:02)
8. Crossroad (05:36)
9. Kingdom Above (04:39)
10. The Moment of Truth (07:59)
11. Moonchild (05:44)

Geschichten, denen man immer wieder gerne lauscht.

Um die jüngste Jahrtausendwende herum war einiges los, und auch der Power Metal gedieh mindestens ebenso prächtig wie in den für das Genre essentiellen 80er und 90er Jahren. Neben vielen alteingesessenen Hasen gesellten sich so auch immer wieder interessanten Newcomer auf die Bühnen dieser Welt – mit mal mehr, mal weniger interessanten Geschichten. Wie diesbezüglich wohl eine Combo abschneiden würde, die sich ausgerechnet und fast schon frech THE STORYTELLER nennt; sollte sich erst noch zeigen. Doch die Gelegenheit ergab sich zweifelsohne, da die eigentliche Blütezeit der aus Schweden stammende Power Metal-Formation direkt nach dem überraschenden Debütalbum aus dem Jahre 2000 (Review) begonnen hatte. Der Nachfolger CROSSROAD erschien schon ein gutes Jahr später, und bot dem interessierten Genre-Konsumenten abermals eine Palette einer mehr als nur soliden Genre-Kost feil.

Jene Palette besteht in diesem Fall aus 11 respektive 9 vollwertigen Titeln, wenn man das Intros und die Cover-Version eines IRON MAIDEN-Titels abzieht. Eines fällt dabei sofort auf: wie schon auf dem gelungenen, aber sicher nicht unumstrittenen Vorgänger geben sich THE STORYTELLER abermals recht schnörkellos und wenn man so will musikalisch umkompliziert. Das könnte man negativ auslegen, muss es aber nicht – schließlich machen THE STORYTELLER selbst erst gar keinen Hehl daraus, dass sie nicht zu den außergewöhnlichsten Genre-Musikern zählen oder eine besonders aufregende Spielart bedienen. Eben das scheint manchmal auch gar nicht nötig – speziell wenn man dafür und wie in diesem Fall spürt, dass die Mitglieder mit Leib und Seele bei der Sache sind. Und dazu noch ihr Handwerk verstehen: CROSSROAD ist energetisch, abwechslungsreich, hymnisch; wunderbar Riff-geladen und zumindest in gesanglicher Hinsicht einzigartig.

Dafür muss Leadsänger L.G. Persson gar nicht erst zu den besten Genre-Sängern gehören, mal ganz abgesehen davon wer auch immer Attribuierungen wie diese vornimmt. Es reicht schon, dass er aus der Masse hervorsticht – und sich auf seine ganz eigene Art und Weise stilsicher präsentiert. Auch scheint es, dass THE STORYTELLER sich einer wie auch immer gearteten Kritik nicht verschlossen haben – und CROSSROAD im direkten Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal deutlich; man nenne es voluminöser und vielschichtiger klingt. Weitestgehend unverändert inszeniert sich das Album dagegen in Bezug auf seine Kernelemente und damit auch jene Faktoren, die den Hörer entweder sofort zu packen vermögen – oder aber schnell das Weite suchen lassen. Damit sind speziell die extrem eingängigen, hochtrabenden Refrains gemeint; sowie die generelle Präsentation und die Textinhalte – die die imaginäre Kitsch-Grenze von so manchem bereits überschreiten könnten.

Wer sich nicht daran stört, und sich voll und ganz auf die schon wesentlich stimmigere Gesamtwirkung eines Albums wie CROSSROAD einlässt; der wird aber eher belohnt. Und zwar mit einem nicht unbedingt sensationellen, aber doch weit mehr als nur durchschnittlichen Genre-Werk welches Spaß macht und Atmosphäre schafft. Vielleicht, und als abschließenden Vergleich; sollte man sich das Ganze einfach als lockerere Version von FALCONER vorstellen – auch wenn die in einer etwas anderen Liga spielen. Doch wer die Musik jener Schwedischen Kollegen mag, der sollte auch schnell mit THE STORYTELLER warm werden können. Die im folgenden noch einmal hervorgehobenen Anspieltipps respektive Highlights sprechen in diesem Fall für sich, explizite Ausfälle gibt es keine – nur Titel, die im direkten Vergleich mit den anderen deutlich weniger hergeben (A PASSAGE THROUGH THE MOUNTAIN, LOSS OF A FRIEND, eventuell auch der Titeltrack CROSSROAD).

Absolute Anspieltipps: THE UNKNOWN, THE SECRET’S REVEALED, AMBUSH, THE MOMENT OF TRUTH


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„Ein gelungenes und in jeder Hinsicht sinniges zweites Album.“

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – The Storyteller (2000)

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Alben-Titel: The Storyteller
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Mai 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass
Erik Gornostajev – Guitars

Track-Liste:

1. And the Legend Begins (01:12)
2. Guardians of Kail (06:06)
3. Always Be There (05:12)
4. Sense of Steel (05:18)
5. Power Within (04:13)
6. Book of Mystery (05:43)
7. Like a Wind (04:09)
8. A Test of Endurance and Strength (04:43)
9. Chant of the Thieves (03:06)
10. The Storyteller (09:09)

Das Buch aufgeschlagen und die Erzählung begonnen.

Irgendwann hat jeder und alles einmal angefangen. So auch die Geschichten von THE STORYTELLER, einer eigentlich schon seit 1995 bestehenden Power Metal-Formation aus Schweden. Nach der Gründung brauchte es allerdings erst 4 Demos und insgesamt 5 Jahre, bis endlich das Debütalbum THE STORYTELLER erschien. Dieses stammt aus dem Jahre 2000, beinhaltet 10 Titel und wurde über No Fashion Records veröffentlicht. Ein Name, der glücklicherweise Programm ist – denn Mainstream-Tauglich ist das eher klassisch angelegte Power Metal-Album mit Sicherheit nicht. Allerdings ist jener kritische Begriff dennoch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Zumindest Genre-intern, und wenn man so will. Nicht umsonst hat THE STORYTELLER innerhalb der Power Metal-Gemeinde höchst unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

So könnte man der Band durchaus vorwerfen, dass sie auf ihrem Debütalbum etwas zu simpel und vor allem auch an etwaige Vergleichsbands angelegt agiert. Sicher ist, dass das Rad hier nicht neu erfunden wird – und nicht wenige Klischees ganz und gar großzügig bedient werden. Dennoch macht sich eines bemerkbar: das Album ist nicht nur konsequent, es fühlt sich insgesamt überraschend rund und in gewisser Weise auch ehrlich an. So mögen THE STORYTELLER hier nichts präsentieren, was man zuvor schon einmal in anderer oder ganz ähnlicher Form gehört hat. Doch scheinen sie eben daraus auch keinen Hehl zu machen, und sich stattdessen mächtig ins zeug zu legen was die Präsentation und Wirkung des Albums angeht.

Und das ist der Band letztendlich auch in vielerlei Hinsicht gelungen: die antreibende, wenn nicht gar hymnisch-verschwörerische Wirkung einzelner Titel (GUARDIANS OF KAIL, SENSE OF STEEL, BOOK OF MYSTERY) macht Laune; die Gitarren bekommen das nötige Maß an Aufmerksamkeit, die Chöre sind weitestgehend stimmig ausgefallen, der Leadgesang von L.G. Persson ist einzigartig und entspricht mal so gar nicht dem was man eventuell erwartet hätte. Doch natürlich hat das Album auch seine relativen Schattenseiten. Gesanglich und inhaltlich problematisch wird es beispielsweise im balladesken ALWAYS BE THERE – da funktioniert die an SALAMANDRA erinnernde, rein akustische Herangehensweise in LIKE A WIND schon wesentlich besser. Den überaus merkwürdigen, dezent zum Fremdschämen einladenden CHANT OF THIEVES hätte man sich überdies lieber komplett schenken sollen.

Der Titeltrack THE STORYTELLER könnte dann auch nicht besser für die zwei Seiten der Medaille stehen: die stimmliche Bandbreite von L.G. Persson scheint hier nicht wirklich auszureichen, einzelne Textpassagen fallen gleichermaßen simpel wie ungünstig aus, die späteren Chor-Einlagen klingen unfreiwillig komisch – aber die grundsätzliche Instrumentierung mit all ihren Variationen ist gelungen. Wie also sollte man sich entscheiden ? Fest steht, dass das Album seine Momente hat, einen hohen Spaßfaktor entwickelt und überdies hervorragend produziert ist. Wenn man es also schafft über die trotz allem vorhandenen schwächeren oder zumindest gewöhnungsbedürftigen Elemente hinwegzusehen, könnte man durchaus einen Narren fressen an diesen frühen Geschichten aus der Feder von THE STORYTELLER.

Absolute Anspieltipps: GUARDIANS OF KAIL, SENSE OF STEEL, POWER WITHIN


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„Teils zwiespältig, teils ungemein fesselnd und spaßig.“

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Sacred Fire (2015)

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Alben-Titel: Sacred Fire
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Februar 2015
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

L.G. Persson – Vocals
Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Marcus Backlund – Guitars
Henke Branneryd – Bass

Track-Liste:

1. As I Die (04:15)
2. One Last Stand (04:05)
3. Sacred Fire (04:27)
4. Ferryman (03:29)
5. Serpent Eyes (04:10)
6. Sons of the North (05:43)
7. In Search for Treasures, Stones and Gold (04:02)
8. Coming Home (04:15)
9. The Army of Southerfell (04:00)
10. Curse of the Seven Seas (03:55)
11. Let Your Spirit Fly (04:06)
12. God of War (04:08)

Aufgepasst und zugehört – die STORYTELLER sind zurück.

Und sie gehen doch weiter – die Geschichten aus der Feder von THE STORYTELLER. Hierbei handelt es sich um eine vergleichsweise bekannte schwedische Power Metal-Combo, die vor allem nach der Jahrtausendwende einige typische Genre-Alben auf den Markt brachte. Dabei existiert die Band schon seit 1995, wobei man ihr mindestens eines zugute halten muss: sie beweist eine extreme Standhaftigkeit. Schließlich war nach dem vierten Studioalbum aus dem Jahre 2005 plötzlich Schluss – die Band ließ nur noch wenig von sich hören. Und doch blieb sie erhalten, bis es zur Rückkehr im Jahre 2013 (mit DARK LEGACY, siehe Review) kam. Einer nicht unbedingt glanzvollen zwar – doch schien es besonders bemerkenswert, dass Leadsänger L.G. Persson nach wie vor die Fahne hoch hielt und dem Projekt entsprechendes Leben einhauchte. Jener Frontmann ist nun schon seit immerhin 20 Jahren ein angestammtes Mitglied der Band – was eher eine Seltenheit ist und durchaus Respekt verdient. Und so starten THE STORYTELLER im Jahre 2015 abermals durch – mit ihrem neuen Studioalbum SACRED FIRE. Dieses beinhaltet satte 12 vollwertige Titel, mit keinerlei wirklichen Ausbrüchen hinsichtlich einer längeren Spieldauer – die längste Nummer des Albums beläuft sich auf exakt 5 Minuten und 43 Sekunden. Das impliziert, dass SACRED FIRE ein Album mit einer Ansammlung von 12 gleichermaßen zündenden Power Metal-Nummern sein könnte – oder aber, dass sich eine gewisse Gleichförmigkeit eingeschlichen haben könnte.

Dafür spräche sicherlich auch das zuletzt veröffentlichte Album DARK LEGACY – das vor allem nach TALES OF A HOLY QUEST und UNDERWORLD eine herbe Enttäuschung war; zumindest für viele langjährige Fans der Band. Tatsächlich scheint auch die erste Single-Auskopplung des Albums, ONE LAST STAND; nicht gerade für ein erneutes Erstarken der Band zu sprechen. Zwar kommt der THE STORYTELLER-Sound noch immer schön Riff-orientiert und ohne große Schnörkel daher – doch scheint vor allem jener potentiellen Hit-Single schnell der Saft auszugehen. Das Riffing wirkt schnell repetitiv, besonders der Refrain klingt eher ernüchternd. So bleibt es hauptsächlich an Frontmann L.G. Persson für den nötigen Schwung zu sorgen. Einem Sänger, der zwar nicht unbedingt als einer der besten des Genres bezeichnet werden kann; aber zumindest als einer der nur schwerlich verwechselbaren, wenn nicht gar einzigartigen. Steigt man dann aber näher in den Alben-Kosmos ein, bestätigt sich auch was man mit der Single bereits angedeutet hat. THE STORYTELLER haben zwar noch immer allerlei spannende Geschichten im Gepäck, doch können diese unter Umständen auch dezent ermüdend daherkommen.

Und noch ein weiterer Anfang eingeräumter Verdacht bestätigt sich: viele der auf SACRED FIRE enthaltenen Nummern sind zwar nicht identisch; fühlen sich aber zumindest so an als würden sie relativ ähnlich klingen. Das liegt auch an den wenig atemberaubenden Songstrukturen, die kaum spektakuläres zu Tage fördern. Man hangelt sich schlicht von Refrain zu Refrain, und das zumeist auf eine ganz ähnliche Art und Weise. Wirkliche Highlights sind so nur schwerlich auszumachen. Das verschwörerische FERRYMAN erinnert noch am ehesten an die früheren THE STORYTELLER-Zeiten, SERPENT EYES weiß als deutlich kräftigere Uptempo-Nummer mit einem etwas aggressiverem Gesang hervorzustechen; COMING HOME markiert die Position der obligatorischen Ballade die für etwas Abwechslung sorgt – doch davon abgesehen bedient man am ehesten die alten Genre-Klischees. Die Folge ist leicht zu verwechselndes, alles andere als innovatives Material – das wohl nur dafür geeignet ist, beinharte und eher konservativ eingestellte Genre-Fans zufriedenzustellen.

Anders gesagt: SACRED FIRE erfindet das Rad des Power Metal-Genres beileibe nicht neu – und enttäuscht damit vor allem all jene, die sich nach der langen Band-Auszeit und nach dem Vorgänger DARK LEGACY etwas frischeren Wind erhofft hätten. Somit funktioniert das Album bestenfalls als rundum typisches Genre-Album mit einem Hang zu den eher klassischen Ansätzen des Genres. Eingängige Melodien, zünftige Hintergrundgesänge, zwei Gitarristen und das Ausbleiben von kitschigen Keyboard-Elementen führen immerhin noch zu einem soliden Eindruck – der vielleicht noch etwas stärker ausfallen würde, hätte man nicht das Gefühl derlei Material schon zigmal gehört zu haben. Hätte man die besten Titel dieses Albums auf einer schmucken EP verpackt, wäre das Ergebnis eventuell ein ansprechenderes geworden – doch so reicht es einfach nicht. Das Album offenbart zu viele Durststrecken, zu viele ähnlich klingende Passagen und zu wenig des einstigen Potentials der Band, die Hörer mit auf eine abenteuerliche reise in unbekannte Gefilde zu nehmen. Eine weitaus innovativere und ausdrucksstärkere Band, die sich Sound-technisch recht gut mit den Erzeugnissen von THE STORYTELLER vergleichen lässt; ist übrigens SALAMANDRA (zum Beispiel mit IMPERATUS, Link) – zumindest bei diesem Vergleich müssen THE STORYTELLER eindeutig hintenan stehen.

Absolute Anspieltipps: FERRYMAN, SERPENT EYES, LET YOUR SPIRIT FLY


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„Irgendwie ist die Luft raus; auch weil die Konkurrenz bekanntlich niemals schläft.“