Metal-CD-Review: SYNTHPHONIA SUPREMA – Synthphony 001 (2006)

synthphonia-suprema-synthphony-001_500

Alben-Titel: Synthphony 001
Künstler / Band: Synthphonia Suprema (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Januar 2006
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Rising Symphony

Alben-Lineup:

Fryderyk T – Guitars (lead and rhythm), Synth
Daniele Bisi – Keyboards, Keybass, Programming
MatKracker – Vocals
Ismat – Drums

Track-Liste:

1. Fileader (03:46)
2. Nothing Can Stop Me (04:41)
3. Synth Metal (04:06)
4. Uncosmic Justice (04:51)
5. My War (05:20)
6. Black Cat (04:37)
7. Shield Saviour (05:44)
8. Fatherland (07:11)
9. Glacier Inside (06:12)
10. Battle of the Living Dead (Warlord cover) (04:05)

Probier doch mal was neues.

Wie würde es wohl klingen, wenn eine italienische Power Metal-Combo mit einem schier unaussprechlichen Namen antritt um den sogenannten Synth-Metal vorzustellen und zu verteidigen ? Auf dem Debütalbum von SYNTHPHONIA SUPREMA kann man sich davon durchaus ein Bild machen – und das nicht nur in der gleichnamige Hymne SYNTH METAL (die Titelnummer #3 des Albums), sondern gleich auf dem gesamten Werk der Italiener. Anders gesagt: was anderswo und generell eher als zu vermeidender Faktor gilt, ist bei den Jungs von SYNTHPHONIA SUPREMA Programm. Alle der 10 enthaltenen Titel sind gespickt vom überbordenden Einsatz des Keyboards respektive markanten elektronischen Einflüssen mit einem Hang zum Retro-Kitsch.

Doch ganz egal wie man zu einem solchen Genre-Experiment stehen mag, eines muss man den Italienern in jedem Falle zugute halten: bei allen Spielereien und synthetischen Ausstaffierungen ihrer Kompositionen vernachlässigen sie eben auch nicht die grundlegende Power Metal-Komponenten. Im Gegenteil: die Gitarren tönen schön schroff und gehen glücklicherweise nicht im Mix unter, was auch für das antreibende (aber etwas repetitive) Drumming gilt. Auch der angenehm geschmeidige Leadgesang von MatKracker schneidet grundsätzlich sehr gut ab. Das die Band keinen echten Bassisten hat, hört man allerdings schon – was die meisten allerdings kaum stören dürfte. Für Freunde eines ganz und gar klassischen Power-Metal ist die SNYTHPHONY 001 ohnehin nichts, die Band setzt vielmehr darauf etwas ganz und gar neues zu kreieren.

Ob das nun entsprechend mutig und bombastisch klingt, oder aber dezent plump und nervig – das muss ein jeder wohl für sich selbst entscheiden. Am ehesten aber scheint es, als ob das Pendel ständig zwischen eben jenen beiden Attribuierungen hin- und herschwingt. Tatsächlich entfaltet die Musik der Italiener die größte Wirkung, wenn sich das Keyboard ausnahmsweise mal etwas zurückhält – wie etwa während der Strophen des superflotten NOTHING CAN STOP ME, im ebenfalls packenden UNCOSMIC JUSTICE oder GLACIER INSIDE. Eben diese Titel fungieren dann aber auch klar als Paradebeispiele für das Wechselspiel zwischen einem gradlinigen Power Metal und den einstweilen etwas zu heftigen Synth-Attacken. Im Verlauf einiger Nummern wird sogar hörbar am Leadgesang geschraubt, was sicher nicht nötig gewesen wäre – und den ganz und gar künstlichen Eindruck perfekt macht.

Zu einem uneingeschränkt empfehlenswerten Genuss wird SNYPTHPHONIA 001 so nicht – aber auch nicht zu einem komplett zu vernachlässigenden Genre-Experiment einer typischen italienischen Kitsch-Band. Am sinnvollsten erscheint es somit, dem Album eine Chance zu geben. Aber natürlich nur, wenn eine gewisse Sympathie für den Synth Metal zumindest ansatzweise vorhanden ist – und man im besten Fall auch noch Fan diverser klassischer Videospiele oder anderer Genre-Combos wie etwa CELESTY ist.

Absolute Anspieltipps: NOTHING CAN STOP ME, SYNTH METAL, FATHERLAND


70button

„Das Album mag kein Dauerbrenner sein – ist aber handwerklich solide und markiert eines der angenehmeren Power Metal-Experimente respektive -Extreme.“

Metal-CD-Review: SYNTHPHONIA SUPREMA – The Future Ice-Age (2010)

Land: Italien – Stil: Symphonic / Electronic Power Metal

Die Trackliste:

Future Hammerblows
Dominatron
Beyond The Next
I,Storm
Iced Waterfalls
Phoenix‘ Return
Electrodoom
Future Ice-Age
Synthetic Aurora
Nos
My Enemy=Looser
Aurora Symphonica (Bonus Track)

Achtung, Synthie-Alarm !

Vorwort: Unbedingt auf die richtige Schreibweise achten… SYNTHPHONIA SUPREMA sind eine 1999 gegründete Symphonic Power Metal-Formation aus Italien. Jedoch sollten man nicht den Fehler begehen und sie als ‚eine von vielen kitschigen Italo-Bands‘ abstempeln – denn der Sound von SYNTHPHONIA SUPREMA ist doch ein klein wenig anders als der vieler artverwandter Genrekollegen. Nicht nur, dass man in diesem Ensemble mal ausnahmsweise nicht auf einen ultrahohen Gesang setzt, sondern mit einem sogenannten Herrn ‚Matkracker‘ einen solide-gemäßigten Frontsänger an den Start bringt; die Band setzt neben den üblichen Power Metal-Anleihen auf einen auffällig elektronischen Synthie-Sound. Das macht beileibe nicht jeder, wohl auch weil man diese Mischung als ‚gewagt‘ bezeichnen könnte – doch das Interesse weckt es allemal.

Kritik: THE FUTURE ICE-AGE beginnt mit dem atmosphärischen Intro FUTURE HAMMERBLOWS, welches; ganz recht – so klingt, wie es der Titel vermuten lässt. SYNTHPHONIA SUPREMA verbinden hier einen dezenten Retro-Charme, der etwa an 80’er-Jahre-Filmwerke wie TERMINATOR erinnert, mit einer mystisch anmutenden ‚Musik der Zukunft‘. Von Anfang an dabei ist der sich sofort bemerkbar machende, sphärische Synthie-Touch – in der Tat schreckt die Band nicht davor zurück, das Keyboard vollends auszulasten und mit so manch ungewöhnlichem Sample zu belegen. Alles in allem ein sehr, sehr stimmiges Intro ohne nennenswerte Metal-Elemente – die kommen erst jetzt zum Zuge, und zwar im Opener DOMINATRON. Der stellt sich als recht stimmige Stampfer-Nummer heraus, die durch die dominanten Keyboards einen etwas anderen, einzigartigen Unterton spendiert bekommt. Freunde eines allzu ‚puristischen‘ Metal werden diese Maßnahmen eher abschrecken, doch wer nichts gegen derartige Experimente hat, die den Heavy / Power Metal mit expliziten einflüssen aus dem Elektronik-Bereich kombinieren, wird vermutlich positiv überrascht sein. Und tatsächlich ist diese Genre-Sparte noch nicht wirklich ausgelastet, sodass das vorliegende Album – zumindest in den ersten Zügen – recht erfrischend und verspielt wirkt. Immerhin, auch wenn das was die Band da macht stark nach Kitsch klingt –  sie meinen es absolut ernst, und zielen im Bestfall auf eine ganz eigene, sich schnell entfaltende Dramaturgie ab.

Dafür sorgen auch die vergleichsweise anspruchsvollen Lyrics und die generell düster-dystopische Stimmung, die etwas von einer dunklen Zukunftsvision hat – mit kurzen Interludes wie BEYOND THE NEXT wird dieser Eindruck zusätzlich unterstützt. Als aus dem Kontext gerissenes Inderlude undenkbar, entfaltet es innerhalb der Tracklist von THE FUTURE ICE-AGE einen sinnigen Charme. Der erste waschechte Kracher lauert nun in Form von I, STORM auf den Hörer. Ein mehr als rasantes Tempo, abwechslungsreiche Riffs und Drums, ein generell erhabener Songaufbau und ein kultverdächtiger Refrain machen I, STORM zu einem der Highlights des Albums. Wer Abwechslung schätzt und nichts gegen eine erst leicht ‚überladen‘ wirkende Komposition voller zu entdeckender Samples und Kniffe hat, wird nicht umhin kommen, diesen Titel zu mögen. Das folgende ICED WATERFALLS entfaltet als etwas ruhiger gestimmte Nummer schnell eine eigentümliche Atmosphäre, die vor allem reichlich düster und bedrückend wirkt. Aber warum nur – viele Stilmittel werden eigentlich nicht genutzt. Schwere, fast doomige Riffs, die dramatisch vorgetragenen Lyrics und die elektronischen Nuancen tragen ihren Teil zu einem schwer einzuordnenden Eindruck der etwas anderen Art bei. Es scheint, als bewegte sich die Band auf einem Pfad, den noch kein anderer Genrekollege zuvor betreten hat – zumindest liesse sich eine etwaige Vergleichsband nicht auf Anhieb ausmachen. Was mehr als zweckdienlich ist, schließlich unterstreichen SYNTHPHONIA SUPREMA so ihre hervorstehenden Alleinstellungsmerkmale. Doch dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Qualität auch eine entsprechend höhere ist.

Titel wie PHOENIX RETURN und ELECTRODOOM fungieren als solide Zwischen-Nummern, die zwar nicht als herausragend bezeichnet werden können – die man sich aber dennoch ohne Ohrenschmerzen anhören kann. Das Problem mit der Musik von SYNTHPHONIA SUPREMA ist eben doch – wenn auch nur teilweise und nicht so explizit wie von Genregegnern sicher gern behauptet – die exzessive Vermengung von teilweise arg künstlich wirkenden Elektronikelementen und einem etwas in den Hintergrund rückenden Metal-Sound. Da hilft es auch nicht viel, dass man offenbar versucht, den Keyboard-Attacken mit einer gewissen Progressivität beizukommen – wie man es auch dreht und wendet, so richtig ‚bissig‘ klingt das alles nicht. Und, es klingt zunehmend repetitiv – während das Album zu Beginn noch für reichlich frischen Wind sorgen konnte, macht sich ab der Mitte wieder etwas Eintönigkeit breit. Der flotte Titeltrack THE FUTURE ICE-AGE erinnert stark an I, STORM (ist aber dennoch einer der stärkeren Titel des Albums); und auch das erst vielversprechende SYNTHETIC AURORA hat ein Problem – es wirkt viel zu träge, wenig innovativ und irgendwie abgeschmackt. Das folgende Interlude NOS dagegen kann wieder etwas Stimmung aufbauen, bevor das Album mit MY ENEMY = LOSER einen weiteren Hitkandidaten serviert. Der Bonustrack AURORA SYMPHONICA ist als nette Beigabe zu sehen – mehr aber auch nicht.

Fazit: Irgendwie ist THE FUTURE ICE-AGE anders – anders als viele der niemals endenden Power Metal-Releases aus Italien. Das macht das Album aber nicht automatisch zu einem Hitgaranten. Neben einer deutlichen Eingewöhnugnszeit und geforderten Vorliebe für etwas künstlich-aufgepeppte Metal-Arrangements muss man schon ein ordentlichen Durchhaltevermögen mitbringen, um dem Album mehr als nur durchschnittliches abzugewinnen. In der Tat fehlt es noch an Facettenreichtum, einer stärkeren einbeziehung der Metal-Elemente; und einer kleinen Entlastung des Keyboards. Überhaupt hätte man sich das hier präsentierte Material vielleicht besser auf einer Konzept-EP vorstellen können – etwas komprimierter und mit 2-3 wirklichen Hits. Auf einem Album wie dem hier vorliegenden sorgt dieses Konzept nur anfänglich für eine überbordernde Euphorie – doch die Ernüchterung folgt dem auf Schritt und Tritt. Alles in allem – eine Empfehlung für experimentierfreudige Metaller, die sich auch gern mal im elektronischen Bereich umschauen – alle anderen sollten vielleicht doch eher zu sinnigeren Alternativen greifen. Davon gibt es ja gerade aus Italien mehr als genug…

Anspieltipps: I STORM, THE FUTURE ICE AGE, MY ENEMY = LOSER

60button