Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Destiny (1998)

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Alben-Titel: Destiny
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. Oktober 1998
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Vocals
Timo Tolkki – Guitars
Jari Kainulainen – Bass
Jens Johansson – Keyboards
Jörg Michael – Drums

Track-Liste:

1. Destiny (10:15)
2. S.O.S. (04:15)
3. No Turning Back (04:22)
4. 4000 Rainy Nights (06:00)
5. Rebel (04:16)
6. Years Go By (05:14)
7. Playing with Fire (04:15)
8. Venus in the Morning (05:35)
9. Anthem of the World (09:31)
10. Cold Winter Nights (05:13)

Ein jeder Aufstieg ist steinig. Einmal oben angekommen, gilt es aber erst einmal zu genießen…

Im besten Fall schafft es irgendwann jede Band, ihr ganz persönliches Meisterstück abzuliefern. Natürlich werden die Meinungen bezüglich einer entsprechenden Attribuierung dezent auseinander gehen, doch im Falle der regelrechten Power Metal-Legende STRATOVARIUS scheint die Auswahl gar nicht mal so streitbar. Erst Recht, wenn man sich nur mit der ersten Hälfte der Diskografie der Finnen auseinandersetzt (etwa: die Schaffensperiode von 1989 bis 1998) – und den potentiellen Kandidaten aus den in dieser Zeit veröffentlichten Studioalben herausfischt. Vom Debütalbum FRIGHT NIGHT (Review) über den vorläufigen Höhepunkt DREAMSPACE (Review) bis hin zum leider Gottes nicht ganz so visionären VISIONS (Review) waren das immerhin ganze 6 Stück – bis, ja bis 1998 das siebte Album DESTINY folgte. Hier handelt es sich nicht nur um das bis dato rundeste Album der Band – sondern auch um eines, welches dem anberaumten Titel auch erstmals vollends und im positiven Sinne gerecht wird. Anders gesagt: konnte man zuvor tatsächlich noch von einer EPISODE oder nicht unbedingt glasklaren VISIONEN sprechen, hatten STRATOVARIUS ihre eigentliche Bestimmung erst mit DESTINY erfüllt.

Das mag hoch gestochen klingen, doch spiegelt sich das auch in der schieren musikalischen Eleganz des 9 (mit Bonustrack 10) Titel starken Albums wider. Es scheint, als hätten STRATOVARIUS alle schon zuvor vorhandenen Ideen perfektioniert respektive abschließend mit der nötigen Extraportion eines gewissen Etwas garniert – sodass auf DESTINY erstmals und ausnahmslos alle Nummern funktionieren. Auch die, die explizit balladeske Elemente beinhalten; wie in diesem Fall 40000 RAINY NIGHTS, YEARS GO BY und VENUS IN THE MORNING. Gerade letzterer Titel zeigt auf, was man aus einer Ballade machen kann: die längere Instrumentalstrecke in der Mitte ist vielschichtig, der spätere Kraftausbruch von Timo Kotipelto ein Ohrenschmaus; und der somit erzeugte Spannungsbogen ein Paradebeispiel für einen stimmig inszenierten Titel. Auch für solche, von denen man nicht unbedingt erwarten würde dass sie sofort zünden – was schon eher bei den flotten Hymnen a’la SOS, NO TURNING BACK oder REBEL der Fall ist. Selbst ein PLAYING WITH FIRE kommt so schön kräftig und mit einem wohl dosierten Einsatz des Keyboards daher; während man den Vogel allerdings erst mit zwei Nummern abschießt: dem massiven Opener DESTINY und dem ANTHEM OF THE WORLD.

Beide Titel haben dabei eine Laufzeit von über 9 Minuten, sind dabei alles andere als langatmig und glänzen mit eben jener Perfektion, die man der Band schon seit jeher zugetraut hat. DESTINY sticht vor allem durch seine hervorragenden Hintergrundchöre, eine faszinierende Instrumentalkulisse und einem mehr als gut aufgelegten Timo Kotipelto hervor; während der ANTHEM OF THE WORLD eigentlich genau das ist, was er verspricht – eine vielschichtige Hymne von Welt. DESTINY ist bis auf wenige Einzel-Momente ein Genuss, wobei die Genre-Treue der Band und die ständige Weiterentwicklung hin zu einer fast schon unantastbaren Genre-Perfektion entsprechend belohnt werden sollten. Das Album ist demnach ein Muss für alle STRATOVARIUS-Fans oder solche, die es noch werden wollen.

Absolute Anspieltipps: DESTINY, SOS, NO TURNING BACK, PLAYING WITH FIRE, ANTHEM OF THE WORLD


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„Das Meisterstück von STRATOVARIUS – zumindest bis 1998, vermutlich aber auch darüber hinaus.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Visions (1997)

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Alben-Titel: Visions
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 1997
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Tolkki – Guitars
Timo Kotipelto – Vocals
Jari Kainulainen – Bass
Jens Johansson – Keyboards
Jörg Michael – Drums

Track-Liste:

1. The Kiss of Judas (05:49)
2. Black Diamond (05:39)
3. Forever Free (06:00)
4. Before the Winter (06:07)
5. Legions (05:43)
6. The Abyss of Your Eyes (05:38)
7. Holy Light (05:45)
8. Paradise (04:27)
9. Coming Home (05:36)
10. Visions (Southern Cross) (10:15)

Gut Ding will Weile haben – und reifen.

Nach einer nicht unbedingt schlechten, aber insgesamt doch eher zu vernachlässigenden EPISODE (Review) aus dem STRATOVARIUS-Albenkosmos sollte das 1997’er Studioalbum VISIONS sch0on wieder deutlich mehr energisches Futter für Power Metal-Puristen bieten. Allerdings gilt auch hier: an die selbst auferlegte Messlatte in Form des bis dato vielleicht großartigsten STRATOVARIUS-Albums DREAMSPACE (Review) konnten die Finnen auch dieses Mal nicht herankommen. Und das trotz dessen, dass man mit Timo Kotipelto einen mehr als würdigen Nachfolger vorstellte, zumindest ab dem 95’er Album FOURTH DIMENSION (Review). Allseits bekannt ist, dass sich der im Laufe der Jahre zu einem der markantesten Genre-Sänger überhaupt entwickelt hat – womit es umso spannender ist, auch seine Ursprünge zu ergründen. Tatsächlich scheint er gerade vom 96’er EPISODE zum 97’er VISIONS einen weiteren Riesensprung gemacht zu haben – sodass das Album in Bezug auf den Gesang allein schon einmal keinerlei Wünsche offen lässt. Doch mangelt es VISIONS an etwas anderem: an absolut kultverdächtigen Nummern und dem generellen Gefühl, hier etwas ganz besonders auf die Lauscher zu bekommen.

Sicher, die flotten Hymnen des Albums (wie BLACK DIAMOND als etwas düstere Variante, LEGIONS als gute-Laune-Garant und FOREVER FREE irgendwo dazwischen) machen Laune – doch fügen sie dem bisherigen STRATOVARIUS-Katalog nicht gerade viele neue Eindrücke hinzu. Mit Ausnahme des angenehm stampfenden Openers THE KISS OF JUDAS vielleicht – der lediglich etwas deplatziert erscheint und viel besser in der Mitte des Albums aufgehoben wäre. Im schlimmsten Fall aber wirken einige der hier dargebotenen Nummern wie dezent schwächere Versionen früherer STRATOVARIUS-Hymnen – bei denen man vielleicht auch das Gefühl hatte, als stünde die Band noch mehr hinter dem was sie da gerade machen. So bietet VISIONS eine höchst gemischte Ansammlung von eindeutig überdurchschnittlichen, aber eben auch relativ nichtssagenden Nummern – was insbesondere auf die zwei schwachen und merkwürdigerweise kaum emotionalen Balladen BEFORE THE WINTER und THE ABYSS OF YOUR EYES zutrifft.

Und auch das schon in die richtige Richtung gehende COMING HOME hätte wesentlich interessanter werden können – wie sicher auch das abschließende Epos VISIONS (SOUTHERN CROSS). Hier wird das Dilemma des Albums wieder einmal offenbar: handwerklich gibt es nichts zu mäkeln, hie und da werden gute Ideen ersichtlich – doch für das Album im gesamten reichten die offenbar nicht aus. Nach dem schwachen EPISODE ist VISIONS zwar wieder ein relativer Genuss – doch sprüht das Album nicht gerade vor Genialität. Dafür fühlt es sich schlicht zu unrund an – und vor allem so, als wäre noch viel zu viel Luft nach oben. Für STRATOVARIUS-Verhältnisse mag das Kritik auf hohem Niveau sein, wie man es auch anhand der folgenden Abschlusswertung sehen kann – doch sichert das Album so schon einmal keinen Platz unter den besten drei, vier oder fünf der Gesamt-Diskografie.

Absolute Anspieltipps: THE KISS OF JUDAS, LEGIONS, HOLY LIGHT


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„Nicht schlecht – aber eben auch keine Offenbarung.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Episode (1996)

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Alben-Titel: Episode
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Juli 1996
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Vocals
Timo Tolkki – Guitars
Jari Kainulainen – Bass
Jens Johansson – Keyboards
Jörg Michael – Drums

Track-Liste:

1. Father Time (05:02)
2. Will the Sun Rise? (05:06)
3. Eternity (06:56)
4. Episode (02:01)
5. Speed of Light (03:03)
6. Uncertainty (05:59)
7. Season of Change (06:57)
8. Stratosphere (04:52)
9. Babylon (07:09)
10. Tomorrow (04:52)
11. Night Time Eclipse (07:58)
12. Forever (03:06)

Eine Episode, die man lieber nicht verpassen sollte ?

Die 90er Jahre können zweifelsohne als Blütezeit des europäischen Power Metal bezeichnet werden. Nach der ersten Grundsteinlegung in den 80ern festigten hier viele bis heute wichtige Genre-Vertreter ihre Position – wie auch die Finnen von STRATOVARIUS. Die hatten ihre unvergleichliche Karriere bereits 1989 und mit FRIGHT NIGHT (Review) begonnen – und lieferten daraufhin munter weiter ab. Nach dem sehr guten FOURTH DIMENSION (Review), dem ersten Album unter der neuen Führung von Leadsänger Timo Kotipelto; folgte alsbald eine weitere EPISODE aus dem STRATOVARIUS-Kosmos. Eine, die durch stattliche 12 Titel definiert wird – und die sich mit dem gänzlich makellosen Opener FATHER TIME schnell einen Weg in das geneigte Power Metal-Herz bahnt. Doch im Gegensatz zu FOURTH DIMENSION ist hier nicht alles Gold, was glänzt – denn EPISODE weist trotz des bis dato einzigartigen Status der Band dezente Knackpunkte auf. Was genau es ist, wird zumindest während des ersten Durchlaufs nicht gänzlich klar – doch das Gefühl, als hätten sich STRATOVARIUS hier eher zurückgehalten entsteht relativ schnell. Das Problem: nach FATHER TIME kann keiner der offerierten Titel wirklich hervorstechen, obwohl die schon zuvor hoch gehaltene Abwechslung durch rasante Uptempo-Nummern und auch mal etwas getrageneren Stimmungen nach wie vor gegeben ist. Wobei das Pendel in Bezug auf EPISODE schon weitaus deutlicher in Richtung der balladesken Seite von STRATOVARIUS schwingt. Doch ganz gleich, ob man sich nun die rasanteren Nummern wie SPEED OF LIGHT und TOMORROW, reine Balladen wie SEASONS OF CHANGE oder stampfende und ungewöhnlich Bass-lastige Brecher a’la ETERNITY oder UNCERTAINTY vornimmt – sie alle haben eines gemeinsam.

Und das ist leider ein eher schwaches oder zumindest wenig effektives Songwriting – was umso markanter auffällt, wenn man es mit den weitaus erfrischenden Vorgängern vergleicht. So geschieht etwas für STRATOVARIUS-Verhältnisse eher ungewöhnliches: ein Großteil der einzelnen musikalischen Elemente überzeugt, wenn man sie denn gedanklich auseinander pflückt. So lassen weder der Leadgesang von Timo Kotipelto noch die Leistungen der anderen Mitglieder nennenswerten Raum für Kritik zu – und auch die Produktion erscheint über weite Strecken gelungen. Dennoch: in Bezug auf das Unterfangen, das Ganze in möglichst stimmigen, und vor allem nachhaltig wirksamen Nummern zu kumulieren; sieht es für EPISODE eher düster aus. Stellvertretend dafür steht unter anderem auch das merkwürdige BABYLON – das keine klare Marschrichtung erkennen lässt und sich schlecht in den Alben-Kontext einfügt. Auch NIGHT TIME ECLIPSE hat als längster Titel des Albums nur wenig markantes und schon gar keinen Spannungsbogen anzubieten – und spätestens das abschließende FOREVER ist dann doch eine dezent kitschige Ballade zu viel.

Absolute Anspieltipps: FATHER TIME, TOMORROW


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„Zu wenig originell, zu langatmig – die erste Enttäuschung in der STRATOVARIUS-Diskografie.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Fourth Dimension (1995)

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Alben-Titel: Fourth Dimension
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Vocals (lead)
Timo Tolkki – Guitars, Vocals (backing)
Jari Kainulainen – Bass
Tuomo Lassila – Drums
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Against the Wind (03:48)
2. Distant Skies (04:10)
3. Galaxies (05:01)
4. Winter (06:32)
5. Stratovarius (06:22)
6. Lord of the Wasteland (06:10)
7. 030366 (05:47)
8. Nightfall (05:09)
9. We Hold the Key (07:53)
10. Twilight Symphony (07:00)
11. Call of the Wilderness (01:30)

Wenn der Lineup-Wechsel breite Wellen schlägt.

Bis 1995 hatten die Finnischen Power Metaller von STRATOVARIUS schon drei aufsehenerregende Alben abgeliefert – von denen mindestens eines bis heute nachhalt und nach wie vor Genre-Fans aller Herren Länder begeistert (DREAMSPACE, Review). Mit FOURTH DIMENSION folgte dann aber nicht nur das vierte Studioalbum der ambinionierten Band – sondern auch das erste, dass einen bis dato kaum bekannten Leadsänger vorstellte. Ind er Tat beschränkte sich der eisntige Sänger, Gitarrist, Bassist und Frontm,ann Timo Tolkki nur noch auf die Gitarren und ein wenig Hintergrundgesang – während er das Zepter an seinen Vornamens-Vetter Timo Kotipelto weiterreichte. hierbei handelte es sich zweifelsohne um eine Entwicklugn oder auch Etnscheidung, die STRATOVARIUS nachhaltig prägte – nach der Meinung vieler in einer durchweg positiven Hinsicht. Und tatsächlich: bereits auf FOURTH DIMENSION wurde schnell offenbar, was der 1969 geborene neue Frontmann alles auf dem Kasten hat.

Die Folge war, dass man zumindest hinsichtlich des Leadgesangs keinerlei Abzüge mehr geltend machen konnte – und da Timo Tolkki schon zuvor mit seiner Gitarrenarbeit überzeugte, auch diesbezüglich nicht. Analog dazu hatte sich auch die allgemeine Produktion und die Gewichtung der einzelnen Instrumente verbessert, was sich inbesondere bei einem Instrumentalstück wie dem Titeltrack STRATOVARIUS heraushören lässt. Handwerklich gab es wahrlich nichts mehr zu mäkeln, STRATOVARIUS hatten ihren technischen Höhepunkt zweifelsohne erreicht. Worauf es nun nur noch ankam ist die Brillanz und Effektivität der einzelnen Nummern – und wie das Album insgesamt (und auch im Vergleich zum grandiosen DREAMSPACE) wirkte. Hier gilt es dann, zweierlei Dinge festzuhalten. Zum einen, dass der gesamte Alben-Auftakt und auch Mittelteil grandios ausgefallen ist. Die Über-Hymne AGAINST THE WIND führt den Hörer fesselnd in das Album ein, DISTANT SKIES wirkt gewichtig und ebenfalls angenehm hymnisch, GALAXIES überzeugt als eher Bass- und Keyboard-lastiger Stampfer mit einem herovorragenden Refrain.

Mit Folgenummern wie WINTER wirkt das Album überhaupt deutlich getragener, aber in gewisser Weise auch mächtiger als der verspielte Vorgänger – ohne melodische Uptempo-Brecher wie LORDS OF THE WASTELAND außen vor zu lassen. Mit dem höchst experimentellen 030366 aber hat man eine der wohl sperrigsten STRATOVARIUS-Nummern aller Zeiten geschaffen – wenn auch beliebe keine schlechte; denn interessant ist diese ungewohnt progressive Seite allemal. Über das eher behäbige NIGHTFALL und das sich nciht ganz wie erhofft entwickeldne WE HOLD THE KEY könnte man dagegen streiten – sie sind nicht schlecht, aber eben auch nicht allzu packend. Da macht das ebenfalls nicht wirklich flotte, aber doch angenehm erhabene TWILIGHT SYMPHONY schon eher eine gute Figur. Insgesamt kann das Album über weite Strecken überzeugen, der Lineupwechsel schien sich positiv ausgeworkt zu haben – doch in bezug auf den allgemeinen Genialitäts- und Wirkungsfaktor schneidet das vorherige DREAMSPACE noch ein klein wenig besser ab.

Absolute Anspieltipps: AGAINST THE WIND, DISTANT SKIES, GALAXIES, LORDS OF THE WASTELAND, TWILIGHT SYMPHONY


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„Mit dem neuen Lineup gesanglich und handwerklich perfekt – aber insgesamt nicht ganz so wuchtig wie zuvor.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Dreamspace (1994)

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Alben-Titel: Dreamspace
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1994
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Tolkki – Vocals, Guitars
Jari Kainulainen – Bass
Tuomo Lassila – Drums
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Chasing Shadows (04:38)
2. 4th Reich (05:49)
3. Eyes of the World (05:57)
4. Hold On to Your Dream (03:34)
5. Magic Carpet Ride (04:49)
6. We Are the Future (05:20)
7. Tears of Ice (05:15)
8. Dreamspace (05:58)
9. Reign of Terror (03:29)
10. Thin Ice (04:23)
11. Atlantis (01:08)
12. Abyss (04:59)
13. Shattered (03:30)
14. Wings of Tomorrow (05:08)

Auf, auf zum ersten Höhepunkt.

Im besten Fall schafft es irgendwann jede ambitionierte Band, über ihren eigenen Schatten zu springen. Vorausgesetzt natürlich, die entsprechenden Vorläufer (in diesem Fall FRIGHT NIGHT und TWILIGHT TIME) ließen überhaupt Luft nach oben; und konnten sich als solide Basis für noch folgendes erweisen. So oder so ähnlich verhielt es sich wohl auch bei den Finnen von STRATOVARIUS – die zunächst zwei grundsolide Genre-Alben auf den Markt brachten, aber erst mit dem dritten Werk DREAMSPACE so richtig absahnen konnten. Der Grund dafür wird insbesondere dann ersichtlich, wenn man sich die ersten drei Alben der Band in einer zusammenhängenden Session anhört – und daraufhin Vergleiche zieht. Tatsächlich machte die Band speziell von TWILIGHT TIME hin zum gerade einmal 2 Jahre später erschienen DREAMSPACE einen Riesensprung – und das in so gut wie allen Belangen.

Zunächst wäre da Leadsänger und Gitarrist Timo Tolkki zu nennen – der im Verlauf von drei Alben wahrlich gemausert hat und sich auf DREAMSPACE wesentlich variabler, stilsicherer und wenn man so will auch erhabener inszeniert. Das gilt in erster Linie für den Gesang, der nun auch in den hohen Lagen begeistert – in Bezug auf sein Gitarrenspiel gab es auch schon vorher nichts zu mäkeln. Aber auch diesbezüglich zeigt DREAMSPACE unglaublicherweise noch Steigerungen. Mindestens ebenso wichtig wie diese schon einmal klar erkennbaren Verbesserungen sind dann zweierlei Dinge: die gefühlte Effektivität und Brillanz der einzelnen Nummern, sowie der Faktor der Abwechslung in Bezug auf das gesamte Werk. Gerade in diesen Angelegenheiten hat sich auf DREAMSPACE einiges getan: das Album wirkt keinesfalls mehr wie aus einem (dezent langatmigen) Guss, sondern offeriert dem Hörer viele Höhen und Tiefen. Musikalische versteht sich, nicht qualitative. Auch wenn es einstweilen ähnlich düster daherkommt wie der Vorgänger TWILIGHT TIME, lassen sich immer wieder Auflockerungen und vermehrt auch Highlights entdecken.

Sicher auch, da für so gut wie jeden etwas dabei ist: das Verhältnis von eher getragenen Titeln (EYES OF THE WORLD, TEARS OF ICE, ABYSS) und absolut Hymnen-tauglichen Brechern (CHASING SHADOWS, HOLD ON TO YOUR DREAM, WE ARE THE FUTURE) erscheint ausgewogen und sinnig. Dann und wann präsentieren STRATOVARIUS auch die ein oder andere Nummer, die nicht von dieser Welt zu stammen scheint und an die man sich erst gewöhnen muss – wie etwa das mystische, im Endeffekt zutiefst atmosphärische MAGIC CARPET RIDE oder das gewichtige, eine ganz eigene Geschichte erzählende 4TH REICH. Ebenfalls eher experimentell geht es in THIN ICE zu – wobei endlich die erhofften (Kraft-)Ausbrüche in Bezug auf den Leadgesang oder einzelne Instrumente stattfinden. Ja, selbst das knappe Instrumental ATLANTIS ist eine Perle für sich, und klingt schlicht deutlich anders als vieles, was man aus dieser vergleichsweise frühen Ära des Power Metal kennt. Und mit dem flott-knackigen, herrlich unkomplizierten SHATTERED hätte gegen Ende des Albums wohl auch niemand mehr gerechnet.

Somit hebt sich das Album auch locker von denen der Konkurrenz (wie zu dieser Zeit etwa HELLOWEEN, zu denen es z.B. in REIGN OF TERROR dezente Parallelen gibt) ab. Was bleibt, ist eine minimale Anzahl von Titeln auf die man hätte verzichten können – und der Eindruck, dass zumindest die Produktion nicht ganz ausgefeilt ist. Denn zumindest der Leadgesang scheint nicht optimal abgemischt und klingt einstweilen etwas zu hintergründig und dezent Echo-lastig. Davon absehen kann das Album zweifelsfrei als Meilenstein angesehen, und trotz des späteren Erscheinungstermins auf eine Stufe mit den beiden wegweisenden KEEPER-Alben von HELLOWEEN gestellt werden.

Absolute Anspieltipps: CHASING SHADOWS, 4TH REICH, HOLD ON TO YOUR DREAM, WE ARE THE FUTURE


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„Düster und heiter, getragen und flott, gefühlvoll und kräftig, handwerklich hervorragend – STRATOVARIUS schöpften erstmals aus dem Vollen.“