Filmkritik: „The Human Centipede 3 – Final Sequence“ (2015)

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Originaltitel: The Human Centipede III (Final Sequence)
Regie: Tom Six
Mit: Dieter Laser, Eric Roberts, Robert LaSardo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 102 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Centipede | Tausendfüßler | Franchise | Trilogie

Darauf haben Film-Fans (nicht) gewartet.

Kurzinhalt: Bill Boss (Dieter Laser) hat wahrlich keine leichte Zeit. Als Gefängnis-Leiter im George H. W. Bush Prison will ihn einfach niemand respektieren – die Gefangenen begehren ständig auf und lachen über seine Ambitionen, endlich so etwas wie Disziplin zu etablieren. So kommt es, dass der hiesige Gouverneur (Eric Roberts) kurz davor ist, ihn auszutauschen – wobei er ihm allerdings noch eine kurze Gnadenfrist einräumt. Zwei Wochen hätte Bill noch Zeit, die Dinge im Gefängnis in den Griff zu kriegen – was beinahe scheitert. Doch dann hört er endlich auf seine rechte Hand Dwight (Laurence R Harvey), der eine ganz und gar merkwürdige Idee hat. Er will einen menschlichen Tausendfüßler erschaffen – und zwar mit der Hilfe des bekannten Regisseurs Tom Six, der mit THE HUMAN CENTIPEDE 1 und 2 bereits in einem fiktiven Rahmen zeigte dass dergleichen theoretisch möglich wäre. Und so beschließt man, die aufsässigen Gefangenen tatsächlich nach und nach aneinanderzunähen… und den Gouverneur bei seinem nächsten Besuch hoffentlich glücklicher zu machen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Einige hart gesottene Filmfans werden sie kennen, andere zumindest von ihr gehört haben – die Rede ist von THE HUMAN CENTIPEDE, einer berühmt-berüchtigten Filmreihe des holländischen Regisseurs Tom Six. Tatsächlich ist die mit dem dritten Franchise-Teil abgeschlossene Trilogie das bis heute einzige Werk des Holländers, der die Filme entsprechend mitproduzierte und die Drehbücher verfasste. Doch auch wenn man vermuten könnte, dass es sich hier um eine echte Herzensangelegenheit des Filmemachers handeln müsste – eine, in die er möglicherweise sogar viel Arbeit, Zeit und Geld gesteckt hat – ist THE HUMAN CENTIPEDE nicht weniger als eine der wohl streitbarsten Filmreihen aller Zeiten. Sicher ist es grundsätzlich angenehm, zwischen all dem Hollywood-Einheitsbrei auch mal auf eine deutlich unkonventionellere, rebellische oder explizit verstörende Filmkost zu stoßen – doch gibt es auch hier Grenzen. Das müssen nicht einmal die des schwer zu definierenden guten Geschmacks sein, der im Falle von THE HUMAN CENTIPEDE ein ums andere Mal auf die Probe gestellt wird – sondern speziell auch die des eigentlich schon relativ dehnbaren Begriffes der Filmkunst.

So zeigte der Holländer mit dem ersten Teil der Trilogie (Review) auf, wie ein Horror-Thriller mit bis dato nie dagewesenen Elementen des Body-Horrors aussehen könnte. Da die Idee des Films absurd genug war, um nicht wenige Zuschauer anzulocken wurde das Ganze ein Erfolg – auch, wenn der erste Teil unter Anwendung gängiger Wertungs – und Betrachtungsmaßstäbe ein maximal durchschnittlicher war. Immerhin hatte er sich den Status eines durchaus kuriosen Kleinods erworben, den viele als regelrechte Mutprobe verstanden. Nicht unbedingt, weil die Gewalt stets explizit dargestellt wurde – sondern weil das detailgetreu veranschaulichte Experiment es vorwegnahm, sich eigene Horror-Gedanken über eine schier unvorstellbare Situation wie die gezeigte zu machen. Problematischer wurde es dann mit dem zweiten Teil des Franchise (Review), in dem Tom Six seine kruden Ideen endgültig pervertierte – und ein ekelerregendes Schlachtfest auf die Beine stellte, das bis heute seinesgleichen sucht. Glücklicherweise muss man sagen, denn selbst andere Werke mit expliziten Gewaltdarstellungen wie beispielsweise A SERBIAN FILM (ob tatsächlich ausgeführte oder nur angedeutete) wurden hier dezent in den Schatten gestellt. Vor allem, da die dargestellte Gewalt keine wie üblich überspitzte war – sondern eine vergleichsweise realistisch anmutende und zudem vollkommen zusammenhanglose.

Wer den ersten, vor allem aber den perfiden zweiten Teil von THE HUMAN CENTIPEDE gesehen hat, wird also in etwa abgeschätzt haben können was mit dem dritten und hoffentlich wirklich letzten Teil der Reihe auf ihn zukommen würde. Immerhin muss man Tom Six dabei eines zugute halten: er hat den zweiten Teil nicht bloß wiederholt oder die extremen Gewaltdarstellungen noch weiter ausgeführt – verglichen mit dem zweiten Teil sind die vereinzelten Folter-Szenen aus dem dritten sogar regelrecht harmlos. Allerdings zeigt sich auch, dass sein Unterfangen den dritten Teil etwas selbstkritischer, wie postuliert gar ironischer ausfallen zu lassen nicht ganz aufgegangen ist. Auch wenn man THE HUMAN CENTIPEDE 3 nun direkt ansieht dass es sich hier um alles andere als einen ernst gemeinten Film handelt; wird man auch im dritten Teil kaum auf die Idee kommen, lauthals loszulachen. Anders gesagt: dass die Situation nun deutlich überspitzter wirkt, ändert nichts am ekelerregenden Grundprinzip des Films. Und damit ist nicht die eigentliche Idee eines menschlichen Tausendfüsslers gemeint –  sondern eher, wie Tom Six mit dieser umgeht.

Doch auch ganz nüchtern betrachtet, und unter der einstweilen schwerfallenden Ausklammerung der Vorgänger fühlt sich THE HUMAN CENTIPEDE 3 einfach nur verdächtig sinnlos an – und sorgt statt für markante Ekel-Momente (nicht, dass die es besser gemacht hätten) oder den Anflug eines Unterhaltungswertes eher für konsequente Ärgernisse. So erscheint es fragwürdig, warum man den grundsätzlich fähigen Hauptdarsteller Dieter Laser in der hiesigen Rolle nur wild herümbrüllen ließ. Die ständigen verbalen Ausuferungen fangen schnell an, zu nerven – und lassen erst gar nicht zu, dass ein wie-auch-immer geartetes Charakterporträt entsteht. Aber damit hatte Tom Six ohnehin stets Probleme, beziehungsweise liegt sein Fokus auf anderen Bereichen. Die Idee, dass die beiden Hauptcharaktere aus THE HUMAN CENTIPEDE 3 jeweils die aus dem ersten und dritten Teil des Franchise sind ist nun ebenfalls nicht mehr neu – und wirkt in der hiesigen Konstellation einfach nur albern. Umso verwunderlicher ist es, wieso man dennoch einige bekannte Gesichter in den Nebenrollen wiederentdeckt – wie etwa Tommy Lister oder Eric Roberts. Die steuern alle entsprechend wenig zum Film bei – mit Ausnahme eines Auftritts, mit dem man so vielleicht nicht gerechnet hätte. Die Rede ist von Tom Six höchstselbst, der sich dank der zusätzlichen Film-im-Film-Ebene in das hiesige Gefängnis begibt um die erste ‚echte‘ HUMAN CENTIPEDE zu begutachten – und sich bald darauf übergeben muss, weil ihm das Ganze doch etwas zu explizit wird. Hier handelt es sich um die wohl einzige gelungene, angenehm augenzwinkernde Szene des gesamten Films.

Fazit: Dass THE HUMAN CENTIPEDE 3 die spätestens mit dem zweiten Teil in indiskutabel gewordene, bedenklich pervertierte Trilogie um einen menschlichen Tausendfüßler nicht mehr retten würde; war zu erwarten. Immerhin bleibt man von einem weiteren ekelerregenden Dauer-Schlachtfest nach Facón des zweiten Teils verschont – doch ändert das nichts an der allgemein gegen Null tendierenden Sinnhaftigkeit des unnötigerweise auf eine Trilogie ausgedehnten Franchise. Die Versuche von Tom Six, sich nun selbst auf die Schippe nehmen zu wollen schlagen fehl, beziehungsweise werden erst gar nicht konsequent verfolgt – sodass der dritte Teil sich wider erwarten ganz ähnlich anfühlt wie seine Vorgänger. Oder sollte man eher sagen, ähnlich verstörend ? Wobei die verstörende Wirkung nicht mehr von den heftigen Gewaltdarstellungen ausgeht, oder der nunmehr dezent ausgelutschten Vorstellung in einen menschlichen Tausendfüßler eingereicht zu werden – sondern vielmehr vom allgemein dilettantischen Eindruck des Films und dem mehr als übertriebenen Spiel des Hauptdarstellers Dieter Laser. Der schreit, keift und ekelt schließlich so unkontrolliert in der Gegend herum, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen.

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„Ein gutes hat der dritte Teil – er ist der letzte. Hoffentlich.“

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Filmkritik: „Turbo Kid“ (2015)

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Originaltitel: Turbo Kid
Regie: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Mit: Munro Chambers, Michael Ironside, Laurence Leboeuf u.a.
Land: Kanada, Neuseeland
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action
Tags: Vergangenheit | Zukunft | Retro | Trash | Splatter

Superhelden-Tagträume mal anders.

Kurzinhalt: In der post-apokalyptischen Zukunft des Jahres 1997 lebt ein Jugendlicher (Munro Chambers), der von den meisten einfach nur The Kid gennant wird irgendwo im hiesigen Ödland – und verbringt die Zeit mit Plünderungen, während er stets auf der Hut vor einer gefährlichen Bande sein muss. Eines Tages begegnet er der merkwürdigen Apple (Laurence Leboeuf), die prompt beschließt sich dem notorischen Einzelgänger anzuschließen – ganz egal was der davon halten würde. Doch nach und nach entwickelt sich tatsächlich eine Freundschaft zwischen den beiden – und vielleicht sogar noch etwas mehr. Dumm nur, dass die beiden dann aber doch noch ins Kreuzfeuer des tyrannischen Herrschers Zeus (Michael Ironside) geraten, der ihnen das Leben fortan zur Hölle macht. Erst ein Wink des Schicksals führt dazu, dass TURBO KID geboren wird – ein etwas anderer Superheld mit einer spektakulären Waffe und dem Willen, der Ungerechtigkeit endlich ein Ende zu setzen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer schon immer eine gewisse Vorliebe für die Post-Apokalypse und speziell Endzeit-Filme mitbrachte – der wird vermutlich nicht an TURBO KID vorbeigekommen sein. Das ehrgeizige Multi-Genre-Projekt der Regisseure François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell versprach bereits im Trailer, reichlich fulminante Unterhaltung mit Atmosphäre, Spaß und einer gehörigen Portion Splatter zu offerieren. Etwaige Parallelen zum durch Crowdfunding finanzierten KUNG FURY (Link) kommen dabei nicht von ungefähr: offenbar ist es wieder angesagt, Filme mit einem gewissen Retro-Charme auszustatten. Ein Charme, der sich nicht nur auf die relative Einfachheit der Story, sondern auch explizit im Detail niederschlägt. Während es in KUNG FURY noch riesige Mobiltelefone und eine merklich gealterte Computertechnologie waren, finden sich in TURBO KID nun allerlei Gegenstände, Spielzeuge und Kleidungsstücke die sich eindeutig den späten 80er und frühen 90er Jahren zuordnen lassen – und bei einigen wohlige Erinnerung wecken könnten.

Allerdings huldigt TURBO KID nicht nur der Ära der Superhelden und Plasmalampen – sondern erzählt auch eine eigene Geschichte. Die ist typischerweise sehr simpel gestrickt, was in gewisser Weise auch zu erwarten war – doch tröstet das kaum über den letztendlich doch markant vorhandenen Enttäuschungsfaktor hinweg. Sicher: der Film macht über weite Strecken Spaß, wurde optisch ansprechend inszeniert und besitzt einen kultverdächtigen Soundtrack – doch reicht das nicht aus, um ihn über die gesamte Spielzeit von knapp 92 Minuten zu tragen. Offenbar waren es der an den Tag gelegten Ideen doch etwas zu wenige. Während sich TURBO KID speziell in den wenigen, dafür aber umso heftigeren Splatter-Szenen gnadenlos austobt und die gesamte Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten auch dank des ausgelassenen Spiels der Darsteller eine herrlich überdrehte und überzeichnete ist; sieht es in Bezug auf das allgemeine Filmtempo und die Dramaturgie schon deutlicher mauer aus. Doch nicht nur, dass immer wieder ein gefühlter Leerlauf entsteht und weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Geschichte vorankommen – TURBO KID wirkt in den entscheidenden Momenten schlicht zu halbherzig.

Denn: eine gefühlte Explosion der (abgedrehten) Ideen, des Spaßes und in irgendeiner merkwürdigen Form der Atmosphäre ist tatsächlich nur in den wohl dosierten Action-Momenten des Films zu spüren. Die Story selbst ist zu unspektakulär um zu fesseln, geschweige denn überraschen zu  können – und die Charaktere zu blass. Entsprechend markante Dialoge sind daher ebenso wenig vorgesehen wie nachhaltig wirkende Szenenbilder: oft hat man das Gefühl, TURBO KID wäre auf einem einzigen kleinen Gebiet irgendwo zwischen Wald und Feldweg gedreht worden. Dass sich auch noch eine größere Industrie-Halle finden ließ, ist schon das höchste der Gefühle – wobei sicher auch das geringe Budget eine Rolle spielt. Doch auch mit geschickten Tricks hätte man den Eindruck vermitteln können, dass das was hier geschieht zumindest ansatzweise von Bedeutung ist. So aber fühlt sich TURBO KID verdächtig belanglos an: über das vor und nach der tatsächlichen Leinwandgeschichte (die sich gefühlt nur über einen einzelnen Tag erstreckt) gibt es ebenso wenig Informationen wie über die Hintergründe der Katastrophe, die Umstände die zu einer fast schon peinlich übersichtlichen Schreckensherrschaft wie der gezeigten geführt haben – oder generell das Leben in der Post-Apokalypse.

Fazit: Trotz der spürbaren Ambitionen schöpft TURBO KID sein Potential leider nur bedingt aus – und kann lediglich mit seinem oberflächlichen Retro-Charme, den furiosen Splatter-Szenen und einer ansprechenden Handwerksarbeit überzeugen. Alle inhaltlichen, charakterlichen und Dramaturgischen Ideen reduzieren sich dagegen auf ein Minimum, was dazu führt dass der Film bei weitem nicht so atmosphärisch ausgefallen ist wie er es hätte werden können. Nicht einmal der Titel-gebende Hauptcharakter schneidet dabei sonderlich gut ab, auch wenn Darsteller Munro Chambers die eigentliche Entdeckung des Films ist: es reicht, dass man etwas über einen bestimmten Schicksalsschlag erfährt – der dann in der hier gezeigten Rächer- und quasi-Superheldenstory mündet. Die pendelt immer wieder zwischen leidlich bekannten Vorgehensweisen und nur einer handvoll frischer Elemente – TURBO KID hätte hier wesentlich rebellischer, unkonventioneller und ideenreicher ausfallen müssen. Die ständigen Bezüge auf den Lebensstil einer längst vergangenen Zeit, auf typische Kindheitsträume und die Querverweise auf andere Genre-Werke (wie nicht selten BRAINDEAD) lockern das Ganze zwar angenehm auf – doch wirklich rund wirkt das Endzeit-Spektakel dennoch nicht.

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„Als Kurzfilm sicherlich effektiver – so nur etwas für beinharte Genre-Fans.“

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Filmkritik: „Cooties“ (2014)

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Originaltitel: Cooties
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Mit: Elijah Wood, Alison Pill, Rainn Wilson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kinder | Grundschule | Zombies | Pandemie | Seuche

Vorsicht, bissige Kinder.

Kurzinhalt: Clint (Elijah Wood) ist ein junger Mann, der sich eigentlich als Schriftsteller verdingen möchte – den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft hat und sich seither mit einem Job als Vertretungslehrer über Wasser hält. Als er seinem alten Zuhause einen Besuch abstattet um in Ruhe an seinem Buch feilen zu können, nimmt er daher auch eine temporäre Stelle an seiner alten Schule an. Doch bevor er sich den normalerweise entstehenden Schwierigkeiten und dem etwas eigentümlichen Lehrer-Kollegium stellen kann, ergibt sich etwas unerwartetes: eine Schülerin zeigt plötzlich Anzeichen einer Erkrankung. Was genau es ist, darüber ist man sich im unklaren – doch spätestens als auch andere angesteckt werden und die Kinder wie wild gewordene Bestien über die Lehrerschaft herfallen, bricht Panik aus. So versuchen der verdutzte Clint, seine alte Schulfreundin Lucy (Alison Pill), ihr Freund Wade (Rainn Wilson) und andere Überlebende, den Kindern die Stirn zu bieten – was ihnen sichtlich schwerfällt. Immerhin scheinen zumindest die Erwachsenen davor gefeit, ebenfalls angesteckt werden zu können…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie auch immer geartete Zombie-Filme gibt es mittlerweile reichlich – ob nun mit einer eher typischen Besetzung, oder zumindest einer eher ungewöhnlichen Gruppe auf Seiten der Aggressoren oder potentiellen Opfer. Allzu viel neues gibt es aber selbst hier nicht mehr zu holen, so gut wie alles wurde bereits durchgekaut – mit einer Ausnahme. Denn: wo Kindergruppen sonst bestenfalls von dämonischen Präsenzen kontrolliert werden, wandeln sie in COOTIES tatsächlich als lebende Tote über den Bildschirm. Glücklicherweise ist das unter anderem von Elijah Wood ins Leben gerufene Film- und Spaßprojekt aber ein eben solches – sodass etwaige Befürchtungen einer Grenz-Überschreitung schnell ad acta gelegt werden können. Die Zombie-Hatz ist grundsätzlich als rasantes und grelles Spektakel ausgelegt, in dem der ein oder andere trockene Spruch den nächsten jagt – und in dem man die neuerlichen Zombie-Kids gar als bloßes Beiwerk betrachten könnte. Als solches, dass die vielen absurden Dialoge und Charakter-Situationen an einer Grundschule erst ermöglicht; sicher – theoretisch wäre hier aber auch eine gänzliche andere Form der Bedrohung denkbar gewesen.

Doch was soll man machen – Zombie-Filme erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, und sie lassen sich zudem mehr als gut verkaufen. Dies wiederum führt dazu, dass es entsprechende Genre-Filme nur noch selten schaffen, potentiell gehegte Erwartungen zu übertreffen; geschweige denn sich als eigenständig-frische Werke zu profilieren. Auch im Falle der COOTIES sieht es diesbezüglich eher düster aus – doch immerhin hat man sich auch nicht gänzlich die Blöße gegeben. Der Film funktioniert am ehesten als recht unterhaltsame, abgedrehte Komödie – die sowohl typische Anleihen aus dem Bereich des Horror-Trashs als auch diverser schon eher alltagstauglicher Komödien heraufbeschwört. Im Ergebnis bedeutet dies vor allem, dass es weniger von der typischen Zombie-Splatter-Kost zu sehen gibt als eventuell erwartet (was in diesem Fall aber weitestgehend positive Folgen hat; vor allem in Bezug auf die größtenteils minderjährige Besetzung) – dafür aber umso mehr Wert auf möglichst hanebüchene Dialoge und absurde Situationen gelegt wurde. So zumindest lautet die Theorie, der man nicht immer gerecht wird – denn trotz der relativ ausschweifenden Gag-Dichte und der vor allem im späteren Verlauf angezogenen düsteren Stimmung mit dem Spannungs-Potential eines ‚echten‘ Horrorfilms bleiben etwaige Durststrecken auch in COOTIES nicht gänzlich aus.

Schließlich hat man sich deutlich weniger um die Handlung respektive Ideen über die merkwürdige, ausschließlich vorpubertäre Kinder betreffende Pandemie (die im übrigen aus verseuchtem Hühnerfleisch entstanden ist) bemüht – und vieles den viel Raum einnehmenden Charakteren überlassen. Die wurden dann allerdings auch tatsächlich gut getroffen: sei es Elijah Wood als schüchtern-naiver Schriftsteller der auf eine alte Schulfreundin trifft; sei es ein Lehrer-Kumpane der schlecht mit anderen ins Gespräch kommt, dafür aber ein Experte auf so manchem Gebiet ist – oder aber der von Rainn Wilson gespielte Wade, der sich als feuriger Anführer der Gruppe herauskristallisiert und rein Sprüche-technisch viele Lacher auf seiner Seite hat. Hie entsteht viel makaberes, wenn auch nicht immer auf dem höchsten denkbaren Niveau – doch ein überdurchschnittliches Unterhaltungs-Potential ohne explizite Fremdschäm-Momente ist in jedem Fall gegeben. Schade ist nur, dass sich der aus LOST bekannte Jorge García als Fehlbesetzung herausstellt, wobei sein Charakter ohnehin nicht viel zu melden hat. Das gleiche gilt indes auch für die beiden nicht-infizierten Kinder, aus deren Rollen man noch so viel mehr hätte machen können.

Rein technisch und handwerklich macht COOTIES eine gute, allerdings auch weitestgehend unspektakuläre Figur. Anders gesagt: man sieht dem Film an dass es sich um ein Spaßprojekt ohne größeres Budget handelt, was sicher auch Vorteile hat – doch in Bezug auf die Kostüme, die Maske, Schauplätze und vor allem die Interaktionen mit der Umwelt macht man es sich stellenweise sichtlich einfach. Etwaige andere Aspekte, wie in Bezug auf die Kamera-Arbeit, den Soundtrack oder die Qualität der darstellerischen Leistungen gehen analog dazu auch mal dezent unter – im allgemeinen Trubel und dem nicht immer, aber doch vergleichsweise häufig zündenden Gag-Feuerwerk.

Fazit: COOTIES ist einer jener Filme, der auf der schon seit Jahren anhaltenden Welle der Zombie-Filme mitsurft – aber immerhin auch einige neue Ideen, einen gewissen Charme und einen erhöhten Fun-Faktor mitbringt. Als abendfüllendes oder gar kultverdächtiges Genre-Meisterwerk taugt er aber weder als Komödie noch als Zombie-Trash-Verschnitt – dazu wirkt er schlicht zu beliebig, und vielleicht auch zu halbherzig. Zudem kommt er absolut unnötigerweise mit einem der enttäuschendsten Film-Enden aller Zeiten daher – sodass auch die versteckte Szene nach dem Abspann nur noch wenig Sinn macht. Dennoch: im Sinne eines launigen Filmabends unter Freunden, die im besten Fall eine Vorliebe für schwarzen Humor haben; könnte COOTIES seinen Zweck erfüllen.

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„Kein Muss für Zombie-Fans – als etwas andere Komödie aber durchaus annehmbar.“

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Filmkritik: „Alexandre Ajas Maniac“ (2012)

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Originaltitel: Maniac
Regie: Franck Khalfoun
Mit: Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Mörder | Gewalt | Wahnsinn | Amoklauf | Psychose

Die wahnsinnige Welt eines Serienkillers – Teil 2.

Kurzinhalt: Frank (Elijah Wood) ist von Beruf Restaurator, der sein Leben seinem Geschäft und den zahlreichen darin enthaltenen Schaufensterpuppen gewidmet hat. Doch offenbar geht diese Vorliebe dann doch etwas zu weit – in seinem verwahrlosten Hinterzimmer haust Frank nicht nur mit weiteren Schaufensterpuppen, sondern auch solchen die eine echte Haarpracht ziert. Diese hat er von seinen regelrechten Beutezügen als brutaler Mörder – der es allein auf Frauen abgesehen hat und diese nach deren Tod skrupellos skalpiert. Offenbar hat er als Kind zahlreiche traumatische Erlebnisse durchmachen müssen – die sich stets auf seine Mutter beziehen, was er nun in einer wahnhaft-kranken Art und Weise aufarbeitet. Eines Tages begegnet er der Fotografin Anna (Nora Arnezeder), in der er mehr zu sehen scheint als ein weiteres Opfer – doch wie lange er seine krankhaften Triebe zurückhalten könnte, bleibt ungewiss…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Man kann dem allgemeinen Remake-Wahn gegenüberstehen wie man will. Fakt ist wohl nur, dass auch in Zukunft zahlreiche frühere Werke zwecks einer Neuverfilmung aus der Mottenkiste geholt werden – mit einem mal mehr, mal weniger verständlichen Hintergedanken. Denn wie so oft stellt sich die Frage, in wie weit ein Remake eines potentiellen Kultfilms tatsächlich Sinn ergibt – und aus welchen Gründen man überhaupt eines anstrebt. Von allzu perfiden, rein marketing-orientierten Gründen über eine zeitliche, geografische und / oder optische Anpassung bis hin zu inhaltlichen Neuinterpretationen kann alles vertreten sein – wobei es eigentlich nur zwei einzuhaltende Ziele gibt.

Zum einen sollte sich das Remake auch vom jeweiligen Original unterscheiden – und zum anderen; und das ist die Schwierigkeit, sollte es dem Originalstoff und der ursprünglichen Intention der Schöpfer dennoch treu bleiben. Trifft beides nicht zu, so sollte das Original entweder gleich unangetastet lassen – oder aber ein eigenes Werk erschaffen, dass sich nicht auf potentiell große Namen und einen vorangegangenen Erfolg stützt. Doch wie passt ALEXANDRE AJAS MANIAC nun in dieses Schema ? Wobei der deutsche Titel etwas verwirrend ist,  schließlich führt eben nicht Alexdandre Aja Regie, sondern sein Kollege Franck Khalfoun. Immerhin haben beide am Drehbuch geschrieben; und zur Produktionsriege gesellt sich noch ein weiterer spannender Name: William Lustig, seines Zeichens der Regisseur des originalen MANIAC von 1980 (Review), der hier als Produzent auftritt und dem Remake so offenbar seinen Segen gab.

Doch zurück zum Status von ALEXANDRE AJAS MANIAC als Remake eines seinerzeit durchaus umstrittenen Psycho-Thrillers mit dem authentisch-schockierenden Porträt eines wahnsinnigen Serienkillers. Zunächst fällt auf, dass sich das Remake rein inhaltlich und inszenatorisch nah am Original bewegt – von den offensichtlicheren Maßnahmen einmal abgesehen. Schließlich sieht der neue MANIAC gemäß seines Produktionsjahres entsprechend frisch aus, und bewegt sich mit seinen Bildern irgendwo zwischen Hochglanzoptik, durch diverse Licht- und Kulissenspiele auf alt getrimmte Ansichten und einer dezent kunstvollen Art der Inszenierung. Eine, die ein wenig an Nicolas Winding Refn’s DRIVE (Review) erinnert, aber natürlich niemals dessen poetische Kraft erreicht – zumal es ohnehin eher die spezielle Kameraführung ist, mit der sich das MANIAC-Remake profilieren möchte. Tatsächlich gelingt das Spiel mit der Ego-Perspektive gut – und sorgt dafür, dass man noch mehr Einblicke in die Seelenwelt des Hauptprotagonisten erhält. Sofern man diesen Aspekt als eine der Stärken des Franchise ansieht, versteht sich. Denn abermals stellt sich die Frage, wie weit man innerhalb des Mediums Film als Kunstform überhaupt gehen darf oder sollte. Diese Frage wird schließlich auch direkt an den Zuschauer weitergeleitet, wenn auch in etwas anderer Form: möchte ich mir wirklich einen Film ansehen, in dem mir ein möglichst authentisches Porträt eines Serienmörders ohne eine jegliche Wertung dargeboten wird ? Sollte diese Sorte von Menschen, respektive deren kranken Gedankenwelten tatsächlich eine Bühne erhalten, auf dass diese Elemente eine möglichst große Schockwirkung entfalten ?

Doch da sich bereits das Original mit diesen Fragen konfrontiert sah, soll es an dieser Stelle nicht vordergründig darum gehen, in wie weit das Gezeigte möglicherweise moralisch bedenklich ist (noch nicht einmal explizit auf das Ergebnis bezogen, sondern vor allem auf die dahinterstehende Theorie) oder nicht. Vielmehr geht es darum, ob das Remake tatsächlich einen Mehrwert besitzt, oder das Original sogar zu übertreffen vermag – wie es offenbar laut einiger Kritiker der Fall sein soll.

Warum genau, bleibt allerdings fraglich – denn tatsächlich bleibt das Remake in vielerlei Hinsicht hinter dem Original zurück. Dass die Optik nun ein wenig stimmiger und vor allem stilvoller (erst Recht durch die Ego-Perspektive, mit der aber auch das ein oder anderen Mal gebrochen wird) ausfällt, reicht schließlich nicht aus. Doch auch wenn sich das Remake nah am Original orientiert, lässt es ausgerechnet jene Szenen vermissen die dieses so auszeichnen – wie etwa eine spannungsgeladene Szene auf einer U-Bahn-Toilette. Im Remake gibt es zwar auch eine entsprechende U-Bahn-Station zu sehen – doch kann hier kaum das beklemmende Gefühl des Originals eingefangen werden. Ähnliches gilt auch für die heftigen Gewalt- bzw. Splatterszenen: bereits im Original waren sie schon nicht ohne, doch nun bewegt sich das Gezeigte trotz fehlender Kopfschuss-Szene bar einer jeden Kunst und erinnert so an perverse Gewaltorgien a’la HUMAN CENTIPEDE 2 (Review). Natürlich kommen derlei Szenen in MANIAC nur vereinzelt vor – aber dennoch bleibt es fraglich, ob es tatsächlich eine inszenatorische Raffinesse ist das Leid der Protagonisten explizit zur Schau zu stellen und dabei auch noch mit einer möglichst glaubhaften Anatomie (wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie so eine Kopfhaut von unten aussieht) zu glänzen.

Dass MANIAC dann doch noch einige neue inhaltliche Elemente einstreut, respektive die Vergangenheit des Hauptprotagonisten zum einen, und seine verqueren Gedankengänge in Bezug auf Frauen zum anderen näher beleuchtet, fällt dabei eigentlich kaum ins Gewicht. Trotz dessen, dass das Original nicht immer derart explizit vorgegangen ist, hat man sich in etwa einen Reim auf das machen können, was im Kopf des Mörders vorgeht – andererseits will man es vielleicht auch gar nicht so genau wissen. Somit bleibt dem Remake eigentlich nur eine Stärke, oder auch ein Faktor der locker mit dem Original mithalten kann: die darstellerischen Leistungen. Beziehungsweise die eine, damals von Joe Spinell und heute von Elijah Wood. Der spielt hier nicht nur alle anderen im Film auftretenden Darsteller an die Wand, sondern überzeugt auch generell mit seiner Darbietung des wahnsinnigen Psycho-Killers – der im Grunde ganz harmlos aussieht. Hier sogar noch mehr als im Original – das Alter und die vergleichsweise zierliche Erscheinung von Wood passen einfach perfekt auf die Rolle, und machen sie eventuell zu einer der stärksten und glaubwürdigsten, die er je gespielt hat. Zumindest aber eine der eindringlichsten, im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehenden…

Fazit: Es sie immer wieder – Remakes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt; so oft und aus welchen Perspektiven man das Ergebnis auch betrachtet. Und MANIAC ist weiteres ein Paradebeispiel dafür, wie schlimm es eine solche Produktion treffen kann. Auch wenn das Projekt handwerklich über viele Zweifel erhaben ist und vor allem darstellerisch überzeugen kann, scheint es wenig sinnig eine Handlung wie diese beinahe deckungsgleich zu wiederholen – mit einem Ergebnis, dass sogar weitaus weniger effektiv ist als das Original. Und das nicht nur, da man einige Szenen so bereits voraussehen kann – sondern vor allem, da dem Remake schlicht eine jegliche Spannung abhanden kommt und das Ganze im schlimmsten Fall sogar unfreiwillig komische Züge annehmen kann.

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„Optisch verständlicherweise wertiger als da Original – ansonsten aber eine blosse, reichlich sinnfreie und mitunter abstoßende Wiederholung eines umstrittenen Genre-Films.“

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Filmkritik: „Maniac“ (1980)

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Originaltitel: Maniac
Regie: William Lustig
Mit: Joe Spinell, Caroline Munro, Abigail Clayton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Mörder | Gewalt | Wahnsinn | Amoklauf | Psychose

Die wahnsinnige Welt eines Serienkillers.

Kurzinhalt: Frank (Joe Spinell) ist ein zurückgezogen lebender Mann, der sich auf einen mörderischen Feldzug durch New York City begibt und dabei vor allem Jagd auf junge Frauen macht. Der offenbar verwirrte und mit diversen psychischen Problemen behaftete Killer hatte offenbar keine leichte Kindheit – und macht seine Mutter für die nun von ihm begangenen Taten verantwortlich. Doch ist abzusehen, dass sein Treiben eines Tages ein Ende nehmen würde… in welcher Form bleibt jedoch offen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! MANIAC, ein Psycho-Thriller respektive Psycho-Slasher aus dem Jahre 1980 gilt als einer der verstörendsten und einflussreichsten Genrefilme überhaupt. Tatsächlich wird die Wirkung, die der von William Lustig inszenierte Spielfilm etabliert; besonders im Rahmen der ursprünglichen Ausstrahlungen in den frühen 80ern für Furore gesorgt haben – und für allerlei erhitzte Gemüter. Schließlich geht es in MANIAC um nicht weniger als das Porträt eines wahnhaften Serienmörders, der sich aufgrund des gestörten Verhältnisses zu seiner Mutter scheinbar wahllos junge Frauen aussucht und sie auf bestialische Weise tötet. Doch damit nicht genug: er skalpiert seine Opfer, und nutzt die jeweilige Haarpracht zur Verzierung seiner zahlreichen Schaufensterpuppen; mit denen er auch den ein oder anderen einseitigen Dialog führt. Das allein ist schon harter Tobak – doch erst die Art der Inszenierung macht MANIAC zu einem auch heute noch durchaus diskutablen Film, dessen Schockwirkung zwar auch aus den heftigen Gewaltszenen resultiert – hauptsächlich aber aus dem verstörenden Porträt des Hauptprotagonisten. Vornehmlich, da es so gut wie überhaupt nicht überzeichnet wirkt und der Film trotz etwaiger Andeutungen kaum Nähe zum Horror- oder auch Trashfilmgenre hat – vielmehr handelt es sich um einen möglichst glaubhaft inszenierten Psycho-Thriller.

Dabei wird auch die die eigene (Film-)Vergangenheit des Regisseurs William Lustig eine Rolle gespielt haben, die ihn zusätzlich für das Projekt zu qualifizieren schien – auch wenn das in Anbetracht des zuvor hauptsächlich von ihm bedienten Genres etwas merkwürdig anmuten mag. In der Tat war der besagte Regisseur vor allem in der Pornoindustrie unterwegs – was gar nicht mal allzu verwunderlich ist, besieht man die vergleichsweise voyeuristische Aufmachung von MANIAC und seine weiterführenden Kern-Elemente; die sich zumindest ansatzweise auch um eine gestörte Sexualität drehen. Schließlich wird man als Zuschauer geladen, einen wahrhaftigen Einblick in einen Lebensabschnitt eines soziopathischen Mörders zu erhalten – wobei Andeutungen allein nicht ausreichen, selbst die Tötungen und vor allem die Vorbereitungen und der Nachgang des jeweiligen Aktes werden explizit gezeigt und ausgeführt. Diese Vorgehensweise ist es auch, die den Film auszeichnet respektive ihm eine eigene Identität verleiht – eine, die man durchaus als fragwürdig bezeichnen könnte.

So lohnt sich damals wie heute die Diskussion über das, was in Filmen gezeigt werden kann – und über das, was man trotz aller künstlerischen Freiheiten und der Möglichkeiten der Kunstform des Films an sich eventuell lieber auslassen sollte. Die Meinungen werden hier verständlicherweise auseinandergehen – doch sollte man sich, speziell bevor man sich mit einem Film wie MANIAC befasst; selbst die Frage stellen ob man wirklich intensiv in die Gedankenwelt eines zwar fiktionalen, aber durchaus glaubhaft dargestellten krankhaften Charakters abtauchen möchte. Ein Porträt, das zudem kaum bewertet; sondern eher nüchtern und emotionslos dargestellt wird – was MANIAC abermals von handelsüblichen Thrillern oder gar Krimis mit einer klar zu verortenden guten und schlechten Seite distanziert.

Lässt man sich aber dennoch auf den Film, seine herausfordernde Prämisse und die heftigen Gewaltdarstellungen ein – so erwartet einen immerhin kein allzu oberflächliches Gemetzel. Noch unangenehmer als die nur sporadisch auftretenden Mordszenen sind schließlich die Darstellungen der Lebensgewohnheiten und der Gedankenwelt des Täters – der trotz aller Barbarei hinter verschlossenen Türen noch immer seinen gesellschaftlichen Umgang wahrt. Schade ist nur, dass der eigentliche Grund für die Taten (sofern man denn einen sucht) eher beiläufig behandelt und recht klischeehaft im Sinne einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung ausgeführt wird. Was wirklich im Kopf des Protagonisten vorgeht bleibt abstrakt – was sicherlich auch so gewollt ist.

Was bleibt, sind die handwerklichen und inszenatorischen Aspekte – denn auch ein Film wie MANIAC kann nicht allein von seiner gewagten Grundidee leben respektive sich auf dieser ausruhen. Glücklicherweise gelingt William Lustig in diesem Zusammenhang vieles – was sich insbesondere auf höchst gelungene, vor Spannung schier platzende Szenen wie der in einer U-Bahn-Toilette niederschlägt. Aber auch sonst gehen die meisten der handwerklichen Kniffe auf – wie in Bezug auf die Kameraführung, den Schnitt und die Darstellungen der drastischeren Szenen. Eine eventuell noch etwas gewichtigere Position nimmt dann aber der Soundtrack ein. Der wartet mit allerlei verstörenden Klängen auf; die manchmal etwas zu vordergründig und laut platziert werden – was aber alles andere als unüblich ist für einen Film der frühen 80er Kinojahre.

Fazit: Letztendlich scheint MANIAC seinem Kultstatus nicht ganz gerecht zu werden – wirklich neu war die Idee schon damals nicht, und allein die drastischen Gewaltszenen machen aus ihm noch lange keinen Hingucker. Das ungeschönte, erschreckende und perverse Porträt des Hauptprotagonisten sowohl während der Tötungsakte als auch in den ruhigeren Momenten schon eher – im Zusammenspiel mit der schier wahnwitzigen Leistung von Joe Spinell entstehen so durchaus einige unvergessen-intensive Momente. Doch hat man nicht selten das Gefühl, als würde MANIAC nicht wirklich vorankommen – das grundsätzliche Tempo ist eher gemäßigt, eine wie auch immer geartete Entwicklungen oder einen Spannungsbogen gibt es nicht. So könnte man ihn trotz der handwerklich zufriedenstellenden Arbeit und der markanten Wirkung des Soundtracks doch nur als pervers-voyeuristisches Machwerk abstempeln – eines, das der eher krankhaften Seite der Menschen auch noch eine Bühne gibt und nicht viel mehr als genau das will. Und tatsächlich scheinen Parallelen zu in ähnlichen Genres aktiven, künstlerischen Größen wie Dario Argento etwas weit hergeholt. Man entscheide selbst…

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„Ein verstörender, brutaler und handwerklich solider Psycho-Slasher – allerdings ein eher fragwürdiger und ohne die Klasse anderer Genre-Pioniere.“

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