Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Reckoning Night (2004)

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Alben-Titel: Reckoning Night
Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2004
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Jani Liimatainen – Guitars
Marko Paasikoski – Bass
Tommy Portimo – Drums
Henrik Klingenberg – Keyboards

Track-Liste:

1. Misplaced (04:42)
2. Blinded No More (05:33)
3. Ain’t Your Fairytale (05:26)
4. Reckoning Day, Reckoning Night… (03:21)
5. Don’t Say a Word (05:49)
6. The Boy Who Wanted to Be a Real Puppet (04:44)
7. My Selene (05:28)
8. Wildfire (04:36)
9. White Pearl, Black Oceans… (08:47)
10. Shamandalie (04:04)

Irgendwann kommt die Zeit der Abrechnung.

Die Finnischen Power Metaller von SONATA ARCTICA hatten bis 2004 schon ordentlich abgeliefert. Sowohl das Debütalbum ECLIPTICA (Review) als auch der Nachfolger SILENCE (Review) und WINTERHEART’S GUILD (Review) konnten als rundum gelungene und auch wichtige Genre-Alben gewertet werden – trotz sich gewiss anbietender Parallelen zu Bands wie insbesondere STRATOVARIUS. Mit RECKONING NIGHT, dem vierten offiziellen Studioalbum aus dem Hause der Finnischen Melodie-Schmiede sollte demnach nicht nur an die guten Vorgänger angeknüpft; sondern auch die Eigenständigkeit der Band weiter gefestigt werden. Und das ist SONATA ARCTICA zweifelsohne gelungen – was indes nicht heißt, dass das Album nicht mit gemischten Gefühlen zu betrachten wäre. Tatsächlich scheint es RECKONING NIGHT vor allem an Biss zu fehlen. Denn: auch wenn SONATA ARCTICA seit jeher als eine der vielleicht melodischsten Genre-Bands überhaupt fungieren, schien man dieses Konzept hier dezent auf die Spitze zu treiben.

So gut wie alle Nummern triefen nur so vor beschwingten Melodiebögen, einem massiven Keyboardeinsatz, süffigen Chören und der wie immer engagierten Performance von Leadsänger Toni Kakko. Sicher war das auch schon vorher so – doch speziell in diesem Fall hat man das Gefühl, als hätten sich SONATA ARCTICA ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Stellvertretend dafür stehen Titel wie AIN’T YOUR FAIRYTALE oder das schon etwas bessere WILDFIRE – die instrumentell dezent überladen klingen und bis auf ein flottes Grundtempo und die nun deutlich variablere Gesangsdarbietung von Toni Kakko eigentlich verdächtig wenig zu bieten haben. Das gilt leider Gottes auch für viele der anderen Nummern, die allein aufgrund der hervorragenden handwerklichen Leistungen der Mitglieder zwar ein solides Grundgerüst haben; letztendlich aber etwas zu nichtssagend klingen (mit BLINDED NO MORE als Paradebeispiel). Selbst das Spiel mit verschiedenen Stimmungen wie in DONT SAY A WORD klingt hier deutlich zu ungalant – wie auch das merkwürdige WHITE PEARL, BLACK OCEANS.

Ein Grund dafür mag die relative Identitätskrise der Band gewesen sein – die sich bekanntlich später dafür entschied, deutlicher von der bisher gefahrenen Schiene abzuweichen. Wie so oft gilt dabei: wenn man quasi live bei einer solchen Entwicklung dabei ist, kann das dezent negative Auswirkungen auf das Hörerlebnis haben. Zumindest, wenn ein Album so unentschlossen und auch ansatzweise unausgegoren klingt wie RECKONING NIGHT. Wirkliche Highlights; sei es in Form alter Brecher die an die früheren SONATA ARCTICA erinnern, oder aber in Bezug auf das  etwas experimentellere neue Soundgewand wird man hier folglich vermissen. Es bleibt dabei: in Bezug auf die Produktion gibt es nichts zu mäkeln (wenn dann trifft es eher die Abmischung), das Handwerk der einzelnen Mitglieder lässt nach wie vor kaum Wünsche offen – aber es hapert bezüglich der an den Tag gelegten Konsequenz und Präsentation.

Absolute Anspieltipps: MISPLACED, SHAMANDALIE


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„Ein eindeutiges weder-noch-Album.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Winterheart’s Guild (2003)

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Alben-Titel: Winterheart’s Guild
Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. März 2003
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Tony Kakko – Vocals, Keyboards
Jani Liimatainen – Guitars
Marko Paasikoski – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited (05:37)
2. Gravenimage (06:58)
3. The Cage (04:38)
4. Silver Tongue (03:58)
5. The Misery (05:09)
6. Victoria’s Secret (04:43)
7. Champagne Bath (03:58)
8. Broken (5:17)
9. The Ruins of My Life (05:14)
10. Draw Me (05:06)

Auch im Winter gibt es so manche Blütezeit.

Auch wenn die Finnischen Power Metaller von SONATA ARCTICA schon vor ihrem dritten Studioalbum WINTERHEART’S GUILD für reichlich Furore gesorgt haben, ist es doch immer wieder schön zu erfahren dass sich Qualität im besten Falle hält. Tatsächlich steht das Album den gelungenen Vorgängern in nichts nach, mehr noch: mit ABANDONED, PLEASED, BRAINWASHED, EXPLOITET ist den den Finnen nicht nur ihr bis dato stärkster Opener gelungen – sondern vielleicht auch eine der herausragendsten Nummern ihres gesamten Repertoires. Doch selbstverständlich stimmt auch sonst alles – zumal SONATA ARCTICA schon auf ihrem Debüt keine wirklichen Kritikpunkte zuließen und sich in Bezug auf WINTERHEART’S GUILD nur noch weiter entwickelt haben.

Allerdings ohne, und das ist das schöne – allzu sehr von ihrem bis dato eingeschlagenen Pfad abzuweichen. So bietet das Album 10 rundum gelungene Power Metal-Titel der klar erkennbaren europäischen Spielart, die mal mit reichlich Tempo und süffigem Bombast um sich werfen, mal eher getragen inszeniert werden (THE MISERY). Oder aber im stampfenden Midtempo, was nicht heißt dass es unspektakulär zugeht – SILVER TONGUE beispielsweise lebt von seinem angenehm schroffen Riffing und der hervorragenden Gesangsleistung von Toni Kakko. Sicher sollte man eine Vorliebe für einen alles andere als harten oder allzu kantigen Power Metal mitbringen, sowie sich nicht vor einem vergleichsweise massivem Einsatz des Keyboards grämen – doch wer bereits STRATOVARIUS oder deutsche Pendanten a’la HELLOWEEN mochte, der wird mit WINTERHEART’S GUILD beinahe uneingeschränkt zufriedengestellt werden. Schade ist nur, dass es zur Mitte des Albums etwas schwächer respektive nicht mehr ganz so aussagekräftig zugeht wie speziell in den ersten vier Titeln, und auch der abschließenden Ballade DRWAN ME fehlt das gewisse Etwas. Dennoch handelt es sich zweifelsohne um eines der SONATA ARCTICA-Alben, die man in seiner Sammlung haben sollte.

Absolute Anspieltipps: ABANDONED…, THE CAGE, SILVER TONGUE, THE RUINS OF MY LIFE


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„Der bis dato stärkste Alben-Auftakt – in der Mitte und im Finale aber dezent schwächer als zuvor.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Silence (2001)

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Alben-Titel: Silence
Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Juli 2001
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Tony Kakko – Vocals, Keyboards (additional)
Jani Liimatainen – Guitars
Marko Paasikoski – Bass
Tommy Portimo – Drums
Mikko Härkin – Keyboards

Track-Liste:

1. …of Silence (01:17)
2. Weballergy (03:52)
3. False News Travel Fast (05:18)
4. The End of This Chapter (07:02)
5. Black Sheep (03:42)
6. Land of the Free (04:25)
7. Last Drop Falls (05:13)
8. San Sebastian (revisited) (04:38)
9. Sing in Silence (03:51)
10. Revontulet (01:33)
11. Tallulah (05:20)
12. Wolf & Raven (04:16)
13. The Power of One (11:33)

Meisterwerke nach SONATA ARCTICA-Rezeptur.

Bei einem vergleichsweise hohen Aufkommen an hochkarätigen Genre-Releases aus dem hohen Norden und speziell Finnland fällt es seit jeher schwer, eine Topliste der vielleicht wichtigsten Bands aus dieser Region zu erstellen. Versucht es dennoch und beschränkt sich dabei allein auf den Power Metal, kommt man an einer handvoll Bands aber gewiss nicht vorbei – wie etwa NIGHTWISH und STRATOVARIUS. Und, das ist sicher nicht zu verhehlen: SONATA ARCTICA; was zumindest für eine zeitlich unabhängige Betrachtung und Bewertung gilt. Denn während die erstgenannten Bands auch heute noch hoch qualitatives Genre-Material abliefern, sieht es bei SONATA ACRTICA schon etwas schlechter respektive diskutabler aus. Schließlich können sich die Finnen hauptsächlich für ihre früheren Alben rühmen – und das auch gleich nicht zu knapp. Wie man weiß, war bereits das Debüt ECLIPTICA (Review) alles andere als von schlechten Eltern (von der neu aufgenommen Fassung ist dabei aber nicht zu sprechen).

Und auch der Nachfolger SILENCE wäre zweifelsohne als Geheimtipp zu bezeichnen – wenn, ja wenn SONATA ARCTICA nicht sowieso schon derart bekannt wären. Das ändert jedoch nichts daran, dass es sich hierbei um ein durch und durch empfehlenswertes, zeitloses Genre-Album handelt – das wie schon das Debüt eine angenehme Mischung aus markant-flotten und auch mal etwas getrageneren Nummern bereithält. Wobei allerlei großartige Melodiebögen bei keiner der veranschlagten Gangarten fehlen dürfen. Auch wenn gerade die, sowie der vergleichsweise exzessive Keyboardeinsatz bei einigen weniger Begeisterung hervorrufen könnte; geschieht so etwas durchaus besonderes: SILENCE definiert sich durch eine spürbar investierte Passion und einem Gefühl, als könnte sich jede der einzelnen Nummern als Single eignen. Dabei müsste man lediglich die Frage klären, wie sehr man gegenüber einer eher balladesken Seite des Power Metal aufgeschlossen ist. SILENCE bietet dem Hörer schließlich einiges in dieser Richtung an (LAST DROP FALLS, SING IN SILENCE, TALLULAH) – und schneidet dabei sogar weniger kitschig ab als eventuell erwartet; zumindest was die etablierte Wirkung betrifft. Während sich TALLULAH schon hart an der Grenze bewegt, steht END OF THIS CHAPTER stellvertretend für die großen (Halb-)Balladen des Albums und überzeugt mit einer wuchtigen Grund-Instrumentierung.

Wer ein eher zurückhaltendes Album erwartet, hat sich allerdings getäuscht: mit einem Großteil der Nummern schöpfte man vor allem in Bezug auf das Tempo und typische Elemente des europäischen Power Metal aus dem Vollen – wobei nicht nur das unverkennbare SAN SEBASTIAN als Highlight angesehen werden kann. Vielleicht ist es ja doch eher der Opener WEBALLERGY, das verspielte BLACK SHEEP, das etwas gewichtigere FALSE NEWS TRAVEL FAST oder das fast schon zu flotte WOLF AND RAVEN ? Selbst das instrumentale Zwischenspiel REVONTULET macht ordentlich Laune, und zeigt auf was speziell Gitarrist Jani Liimatainen alles auf dem Kasten hat. Doch ganz egal wie schnell, antreibend und vielfältig die Kompositionen auf SILENCE sind; sie entbehren nicht einer gewissen Emotionalität – die vor allem durch den hervorragenden Leadgesang von Tony Kakko generiert wird. Man kommt also kaum umher zu sagen, dass hier von vorne bis hinten alles stimmt – und das bereits sehr gute Debütalbum sogar noch dezent getoppt werden konnte.

Absolute Anspieltipps: FALSE NEWS TRAVEL FAST, THE END OF THIS CHAPTER, BLACK SHEEP


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„Ein starker Nachfolger eines starken Debütalbums.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Ecliptica Revisited (2014)

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Alben-Titel: Ecliptica – Revisited
Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. Oktober 2014
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tommy Portimo – Drums
Tony Kakko – Vocals, Keyboards
Henrik Klingenberg – Keyboards
Elias Viljanen – Guitars
Pasi Kauppinen – Bass

Track-Liste:

1. Blank File (04:09)
2. My Land (04:48)
3. 8th Commandment (03:46)
4. Replica (05:04)
5. Kingdom for a Heart (03:47)
6. Fullmoon (05:12)
7. Letter to Dana (06:23)
8. UnOpened (03:13)
9. Picturing the Past (03:35)
10. Destruction Preventer (07:45)
11. Bonus Track: I Can’t Dance (Genesis cover)

Gib’s mir noch einmal… oder eher nicht.

Die Welle der Neuveröffentlichungen früherer Alben scheint nicht mehr abzureissen. Nach den eher kläglichen Ambitionen von MANOWAR ziehen nun auch SONATA ARCTICA als einer der wichtigsten Vertreter des Power Metals nach – und servieren ihren Fans eine Neuaufnahme ihres Debütalbums ECLIPTICA, welches vor nunmehr 15 Jahren erschienen ist (Review). Sicher erscheint das in gewisser Weise gerechtfertigt – SONATA ARCTICA haben die musikalische Szene entsprechend geprägt, und sind nicht von ungefähr zu einem der bekanntesten Genrevertreter geworden. Auch wenn man mit den letzten Studioalben nicht mehr an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen konnte, blieb die Band eine Institution mit der man rechnen musste – und eine, bei der es sich immer gelohnt hat ihre frühere Diskografie zu entdecken. Ein Rückblick lohnt sich also definitiv – doch ob man einen solchen wirklich mit einem Album wie ECLIPTICA REVISITED vollziehen muss, ist eine ganz andere Frage.

Dabei haben SONATA ARCTICA – wie MANOWAR übrigens auch – schon einmal eines richtig gemacht: die Neuaufnahme hat sich in diesem Fall durchaus gelohnt. Jedoch ausschließlich, und das ist die unvermeidbare Abschwächung jener Formulierung; in Bezug auf die hörbaren Unterschiede zwischen dem Original und der Neuauflage. Eine Neuauflage ist schließlich immer dann relativ nutzlos, wenn man das Original eins zu eins kopiert – und sich die Frage stellt, warum man überhaupt noch einmal ins Studio gegangen ist. Glücklicherweise vermeiden viele Bands diesen Schritt, und tendieren bei Jubiläums-Anlässen eher zu etwaigen Compilations, Best-Of’s, Boxsets und Aufnahmen; die lediglich einem frischen Mastering-Prozess unterworfen sind. Nicht jedoch SONATA ARCTICA – die dem nicht grandiosen, aber sehr guten ECLIPTICA einen völlig neuen Anstrich verpassten.

Und, das bleibt nicht lange ein Geheimnis: einen, auf den man locker hätte verzichten können. Es ist merkwürdig, aber: die ganz spezielle Kraft und Ausdrucksstärke die dem Debüt innewohnte, scheint komplett verflogen. Stattdessen schleicht sich eine verdächtige Eintönig- oder auch Gleichförmigkeit ein – die selbst ehemalige Brecher wie 8TH COMMANDMENT geradezu handzahm erscheinen lässt. Markant: selbst der sonst so stimmkräftige und emotionale Leadsänger Tony Kakko scheint hier (und in allen Titeln) weit hinter seinen Möglichkeiten zurückzubleiben. Fraglich ist, ob es tatsächlich an einer schwindenden Leistungsbereitschaft liegt, was unwahrscheinlich ist – oder ob es schlicht auf eine gewisse Lustlosigkeit zurückzuführen ist. Denn genau danach klingt seine Darbietung – wie auch die von allen anderen Mitgliedern, die sich scheinbar müde hinter ihre Instrumente gesetzt und eine ihnen unwillkommene Arbeit verrichtet haben.

Doch nicht nur die sich offenbar zurückhaltenden Bandmitglieder sind es, die den Genuss der Neuaufnahme reichlich zu schmälern wissen – noch vor ihnen steht die klägliche Abmischungs- und Produktionsqualität; die einmal mehr als generisch, glattgeschliffen und kraftlos bezeichnet werden kann. Hinzu kommen dann auch noch allgemeine Qualitätsdefizite, die ECLIPTICA REVISITED eher mit dem Anstrich einer alten Demo-CD denn dem einer fulminanten Neuaufnahme versehen. Wo sind die kräftigen Leadgesänge aus BLANK FILE abgeblieben, wo die Emotionalität einer Nummer wie REPLICA ? Dass man dann ausgerechnet noch einen Coversong von GENESIS Kult-Titel I CANT DANCE hinzufügt (als einigen vielleicht unbekannten Titel), macht es nicht besser. Im Gegenteil, vermutlich handelt es sich um eine der schlechtesten Metal-Coverversionen überhaupt – so lachhaft wie der fehlgeleitete Leadgesang ist in diesem Fall auch die instrumentale Ausstaffierung durch Trompeten.

Wohin also soll die Reise gehen ? Es bleibt zu hoffen, dass SONATA ARCTICA eine passende Antwort darauf haben. Mit dieser Neuaufnahme jedenfalls haben sie sich keinen Gefallen getan. Auch das Argument, dass man so vielleicht neue Hörer an das Schaffen der Band heranführen kann; zieht hier nicht – ein Best-Of hätte es hier ebenso gut getan wie ein Verweis auf die alten, wirklich guten Alben der Band. Mit ECLIPTICA REVISITED haben SONATA ARCTICA sogar die alten Recken von MANOWAR noch unterboten; geht es um eine größtmögliche, man nenne es Kastration eigentlich guter und zeitloser Werke die man besser unangetastet gelassen hätte.

Absolute Anspieltipps: /


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„Das vermutlich überflüssigste Metal-Album des Jahres 2014.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Pariah’s Child (2014)

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Alben-Titel: Pariah’s Child
<Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. März 2014
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tommy Portimo – Drums
Pasi Kauppinen – Bass
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Tony Kakko – Keyboards, Vocals

Track-Liste:

1. The Wolves Die Young (04:11)
2. Running Lights (04:26)
3. Take One Breath (04:19)
4. Cloud Factory (04:17)
5. Blood (05:54)
6. What Did You Do in the War, Dad? (05:13)
7. Half a Marathon Man (05:43)
8. X Marks the Spot (05:20)
9. Love (03:50)
10. Larger Than Life (09:57)

Seht, wie die Geister sich scheiden !

Wie fast jedes Jahr gibt es auch in 2014 einige markante Comebacks von Bands zu verzeichnen, die schon länger nichts mehr von sich hören ließen. Im Falle der Finnischen Power Metal-Combo SONATA ARCTICA liegt das letztaktuelle Studioalbum STONES GROW HER NAME (2012, Review) zwar noch nicht allzu lange zurück – doch gerade da es bei einigen eher auf Ablehnung stieß, war ein baldiger Nachfolger abzusehen. Der kommt nun in Form von PARIAH’S CHILD daher, einem Album mit 10 neuen Titeln und einem ansprechenden Coverartwork; welches nicht nur aufgrund des alten Logos an die früheren Zeiten der Band erinnert und auf eine Rückkehr zu alten Stärken hindeuten könnte.

Hierzu sollte man sich selbst die Frage stellen, in wie weit man stilistische Neuausrichtungen einer Band nachvollziehen und gutheißen kann. Schließlich begannen SONATA ARCTICA spätestens nach ihrem 2004’er Werk RECKONING NIGHT mit gewissen musikalischen Experimenten – die sich mal mehr, mal weniger explizit von der eigentlichen Spielart der Band wegbewegten. Der enorm melodische, temporeiche und gradlinige Power Metal wurde nunmehr abgewechselt von allerlei Variationen und neuen Ideen, beispielsweise in Form von etwaigen progressiven Anleihen oder einer Vertiefung in die balladesken Momente. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklungen erreichte man zweifelsohne mit dem Studioalbum UNIA – welches als erstes SONATA ARCTICA-Album überhaupt ohne Uptempo-Hymnen auskam. Es ist also kaum eine Überraschung, dass auch PARIAH’S CHILD nicht mit dieser Tradition bricht, und sich in einem relativ erfrischenden musikalischen Gewand präsentiert. Eine Rückkehr zu den Ursprüngen beschreibt das Album also nicht – was bereits einige abschrecken könnte; vielleicht auch zu Recht.

Aber was hat es hinsichtlich der neuen Ideen; der neuen, flexiblen Ausrichtung von SONATA ARCTICA zu bieten ? Fakt ist: wer bereits mit dem Vorgänger STONES GROW HER NAME weniger anfangen konnte, wird auch mit dem Nachfolger nicht warm werden. PARIAH’S CHILD ist eine kunterbunte Ansammlung von verschiedenen Stücken, die sich zwar noch unter dem Oberbegriff des Power Metals bewegen – doch diese Grenze das ein ums andere mal ausloten; in alle nur erdenklichen Richtungen. Dabei schneidet vor allem der Opener THE WOLVES DIE YOUNG (welcher als erste Videosingle ausgekoppelt wurde) noch recht interessant ab; schlagen SONATA ARCTICA hier eine Brücke von ihrem alten Material hin zum neuen Soundgewand. Die besondere Rhythmik der Strophen, das recht flotte Tempo sowie die bezeichnende Leistung von Leadsänger Tony Kakko machen die Nummer schnell zu einem Genuss – gäbe es da nicht ein kleines Problem, welches sich hier schlicht Refrain schimpft. Die Riffs, die ohnehin schon eher hintergründig werkeln, scheinen hier gar vollständig zu verschwinden und von recht aufgeblasenen Keyboard-Strukturen überdeckt zu werden. Richtig gut klingt das beileibe nicht – aber immerhin wurde der Auftakt nicht komplett verpatzt.

Was dann folgt, ist das noch etwas flottere RUNNING LIGHTS – welches den Opener sogleich in seine Schranken verweist und sich als wesentlich stimmigere Nummer herausstellt. Doch interessanter- oder auch merkwürdigerweise scheinen sich SONATA ARCTICA nicht mehr mit dem zu begnügen, was der Band einst vollkommen ausreichte (Stichwort Neuorientierung) – sodass sich auch hier allerlei gewöhnungsbedürftige Elemente einschleichen. Dieses Mal ist es nicht unbedingt das Keyboard – sondern die eher unpassenden Ausbrüche Tony Kakko’s hinsichtlich seiner gesanglichen Darbietung. Diese kommen vor allem im Mittelteil des Titels vor, und erscheinen mehr als gewöhnungsbedürftig. Wie sicher auch der Soli-Part, der an sich schon nicht allzu markant ausfällt – durch das Keyboard aber noch zusätzlich an Wirkungskraft einbüßt. Immerhin: es überwiegen die Stärken, sodass der Alben-Auftakt noch als gelungen bezeichnet werden kann.

Jenes Verhältnis scheint aber mit der dritten Nummer im Bunde, TAKE ONE BREATH; dezent zu kippen. Hier handelt es sich um einen recht unentschlossenen Titel, welcher geradezu gespickt ist mit irreführenden Melodiebögen und schon beinahe poppig anmutenden Samples und Instrumentalpassagen (oft zu hören: ein klimperndes Piano und süßliche Harfen). Irgendwo inmitten des allgemeinen Kuddelmuddels finden sich einige interessante Ansätze – doch es reicht nicht, es entsteht einfach keine nennenswerte Atmosphäre. Glücklicherweise wird es mit CLOUD FACTORY wieder etwas interessanter, wohl auch da die Nummer vergleichsweise bodenständig ausfällt. Was nach wie vor nicht geht ist der Einsatz des Keyboards mit seinen merkwürdig langgezogenen Samples, die entfernt an eine komplett verstimmte Kirchenorgel erinnern – doch immerhin ist die Nummer schön melodisch, und auch die eher ungewöhnlichen Shouts einer Art Hintergrundchor machen Laune. Mit BLOOD wandelt man ebenfalls auf recht angenehmen Pfaden, auch wenn die eingeworfenen Sprachsamples eher nerven als zur Grundstimmung beitragen. Dennoch: die Melodie ist schmackig, die Riffs sind erstmals schön vordergründig zu hören, der Refrain zeugt von der ehemaligen Stärke der Band – ein kleines Highlight.

Mit WHAT DID YOU DO IN THE WAR DAD geschieht dann das schier unmögliche: es wird erstmals eine gewisse Atmosphäre etabliert. Eine emotionale, beklemmende; kurzum: bewegende, die den Hörer zu fesseln vermag und auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Warum denn nicht gleich so ? Schließlich verzichten SONATA ARCTICA hier weitestgehend auf allzu überflüssige Soundelemente, und präsentieren eine vergleichsweise schlichte, aber umso wirksamere Ballade. HALF A MARTHON MAN bewegt sich dann wieder irgendwo zwischen allen möglichen Fronten – doch der etwas lockerere, hardrockige Anspruch und ein dezentes Retro-Flair wissen zu begeistern. Mit X MARKS THE SPOT dagegen begeht man einen bereits schon öfter auf PARIAH’S CHILD begangen Fehler: man ergänzt eine grundsolide, ansprechende Nummer um einige äußerst unpassende, geradezu nervige Elemente – die Rede ist hier eindeutig von einem merkwürdigen Sprecher, der sich über die gesamte Laufzeit immer wieder zu Wort meldet. Gegen Ende gibt man das Ganze dann vollständig der Lächerlichkeit preis, was entsprechend schade ist. Eine Nummer, die überhaupt nicht zum Album passt – wie eventuell auch LOVE. Hier handelt es sich um die zweite Videosingle, die eine weitere Facette von SONATA ARCTICA aufzeigt. Sicher waren die Finnen schon immer geneigt, die ein oder andere Ballade mit auf ihre Alben zu packen – doch diese hier schlägt dem Fass den Boden aus. Leider nicht, weil sie besonders innovativ oder genial ausfällt; eher ist der gewisse handzahme, massentaugliche und absolut austauschbare Anspruch. LARGER THAN LIFE ist trotz des offensichtlich epischen Anspruchs leider Gottes ein weiterer absoluter Reinfall – schlicht, da sich die verschiedenen Stilmittel und Stimmungen absolut beißen.

Warum nur… warum müssen SONATA ARCTICA auf PARIAH’S CHILD so intensiv an ihren Songs herumschrauben, bis etwas schier unerträgliches dabei herauskommt ? Sicher kann niemand eine Rückkehr zu den Ursprungszeiten der Band erwarten, und sich vielleicht auch gar nicht wünschen – doch zumindest eines hätte man sich beibehalten sollen. Die Rede ist von einer gewissen Art der Genügsamkeit – denn gute Songs entstehen nicht wenn man sie möglichst von allen Seiten zukleistert. Entweder sie sind es, oder eben nicht – was SONATA ARCTICA hier machen erschwert nicht nur eine diesbezügliche Feststellung, es sorgt auch für einige recht nervenaufreibende Hörminuten. Mal ist es das viel zu vordergründige, merkwürdig klingende Keyboard; mal sind es gesangliche Eskapaden (die als Variationen getarnt werden), mal viel zu häufige Stimmungs- und Tempiwechsel innerhalb eines kurzen Zeitraums, mal explizit poppige Anleihen. Dort, wo früher relativ einfache Kompositionen ausreichten, werden sie nun immer aufgeblasener – mit einem zwiespältigen Ergebnis. Der Auftakt des Albums ist vergleichsweise schwach, während man im Mittelteil den eindeutigen Höhepunkt erreicht – nur um gegen Ende wieder vollends ins qualitativ bodenlose abzugleiten. Fans der ersten Stunde werden mit diesem Album möglicherweise nicht warm werden und der Entwicklung der Band argwöhnisch gegenüberstehen – die, die sich eine möglichst flexible und sich immer wieder selbst ausprobierende Band wünschen, werden indes gut bedient. Die vergebene Wertung ist also als Kompromiss zu verstehen – wäre das Album etwas entschlossener und in sich stimmiger, wäre definitiv mehr dringewesen. Fakt ist nur: die wahren Metal-Highlights des Jahres 2014 kommen von anderen Kandidaten.

Absolute Anspieltipps: THE WOLVES DIE YOUNG, RUNNING LIGHTS,  BLOOD, WHAT DID YOU DO IN WAR DAD


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„Man wird es lieben oder hassen.“