Metal-CD-Review: SKYWINGS – Sky Legacy (EP, 2015)

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Alben-Titel: Sky Legacy (EP)
Künstler / Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. November 2015
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Studio Medras

Alben-Lineup:

Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars, Vocals
Takashi – Keyboards

Track-Liste:

1. Love Song (06:16)
2. Universe (05:14)
3. Life Crown (05:48)
4. Rosalia (04:49)
5. Into the Explosion (07:07)
6. Gloria (06:21)

Aus Alt mach Neu.

Es ist ordentlich was los im Hause SKYWINGS. Erst kürzlich hatten sich die japanischen Power Metaller mit dem Ausstieg des Leadsängers Takuya arrangieren müssen, woraufhin der angestammte SKYWINGS-Gitarrist I-LA überraschenderweise selbst das Gesangszepter in die Hand nahm. Und das auch noch recht erfolgreich, wie man es auch auf dem ersten Werk der Band in der neuen, nunmehr etwas schmaleren Besetzung hat hören können – dem durchaus empfehlenswerten VICE VERSA (siehe Review). Doch auch zwischendurch ist die Band immer wieder für eine Überraschung gut – zumeist mit der ein oder anderen Single, nun aber auch endlich wieder einer etwas umfangreicheren EP. Die hört auf den vielversprechenden Namen SKY LEGACY, beinhaltet immerhin 6 Titel – und kommt dabei auf eine Gesamtspielzeit von etwa 35 Minuten.

Schon der Titel der EP lässt den geneigten Genre-Fan indes vermuten, dass SKYWINGS hier nicht nur neues Material abliefern, eher im Gegenteil – grob gesagt könnte man das Ganze als Neuauflage der ersten EP respektive Demo FIRST CONTACT aus dem Jahre 2006 (siehe Review) betrachten. Die Titel UNIVERSE, LIFE CROWN und INTO THE EXPLOSION waren schließlich schon auf eben dieser enthalten, während ROSALIA ebenfalls schon als Single (2010) veröffentlicht wurde. Allerdings gilt es festzuhalten, dass die Aufnahme- und Produktionsqualität für die SKY LEGACY-Zusammenstellung wesentlich verbessert wurde – und natürlich, dass sich nun I-LA anstelle von Takuya für den Leadgesang verantwortlich zeichnet. Das gibt den bereits bekannten Titeln dann doch noch einmal eine gewisse Portion Frische – und macht die EP auch für jene interessant, die bereits alles oder zumindest vieles von SKYWINGS kennen.

Kleinere Probleme gibt es allerdings dennoch. Wie etwa den simplen aber bestechenden Fakt, dass es sich bei diesen 4 Titeln nicht unbedingt um das beste handelt, was die Band bis heute veröffentlicht hat – ob nun in den originalen oder den angepassten Versionen. Gerade die wurden dann doch etwas zu sehr vom allgegenwärtigen Keyboard zugekleistert, sodass Power Metal-Puristen so ihre Schwierigkeiten bekommen könnten. Auch, und das ist sicher nicht zu verhehlen; da Leadsänger I-LA wahrlich keine Hemmungen hat in einem heftigen akzentuierten (und einstweilen kaum verständlichen) Englisch zu singen. Hier muss ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich damit noch im Rahmen bewegt. Immerhin, sympathisch ist das Ganze – wie nicht zuletzt die beiden wirklich neuen Nummern der EP, LOVE SONG und GLORIA. Gerade in GLORIA (hierzu gibt es auch ein entsprechendes Musikvideo, siehe unten) haben die SKWINGS noch einmal alles aufgefahren, wobei sich das Ergebnis allemal hören lässt. Man könnte sogar sagen, dass die Band hier so gut klingt wie niemals zuvor – was SKYWINGS-Fans mit Hoffnung in die Zukunft schauen lassen sollte.

Absolute Anspieltipps: LOVE SONG, GLORIA


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„Nicht herausragend, zur Vervollständigung der Sammlung aber unabdinglich.“

Metal-CD-Review: SKYWINGS – Wings Wind (2016)

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Alben-Titel: Wings Wind
Künstler / Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. November 2016
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Studio Medras

Alben-Lineup:

Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars, Vocals
Takashi – Keyboards

Track-Liste:

1. Wings Wind~羽衣の音色~ (09:25)
2. Ray (05:33)
3. God Cross Chases Chaos (06:26)
4. Blink of Emerald (04:45)
5. Together (04:44)
6. Separated Tears (07:19)
7. Destruction Messiah (05:43)
8. Ever Scent Scene (06:01)
9. A Fantastic Son (05:32)
10. Tonight (08:02)

Von der Macht eines einzelnen Flügelschlages.

Eines scheint sicher: für den geneigten Power Metal-Enthusiasten ist 2016 nicht nur ein spannendes, sondern auch ein relativ erfüllendes Jahr. Zum einen, da es weit mehr als eine handvoll herausragende Releases zu verköstigen gilt – und zum anderen, da sich einige beliebte Bands nach kürzerer oder längerer Abstinenz zurückmelden. Mit in diesem Bunde sind sicher auch die SKYWINGS – als keineswegs übermäßig bekannte, sich aber gerade deshalb als Geheimtipp eignende Genre-Combo aus Japan. Im Gepäck haben sie ihr mittlerweile viertes Studioalbum WINGS WIND – und damit einen weiteren potentiell hochkarätigen Kandidaten für das beste Genre-Album des Jahres. Oder ist das etwa ein dezent zu hoch gestochener Anspruch ? Schließlich legt man bei SKYWINGS nicht unbedingt einen großen Wert auf eine internationale Fangemeinde, agiert somit recht Japan-Exklusiv – und der überraschende Weggang des eigentlichen Leadsängers Takuya im Jahre 2014 war ebenfalls eine Herausforderung. Interessanterweise war das jedoch nicht das Aus für die Band – ganz im Gegenteil. Mit dem durchaus bemerkenswerten Engagement des Gitarristen I-La, der kurzerhand (oder eher notgedrungen) auch noch den Leadgesangsposten übernahm; bewiesen SKYWINGS auf dem rundum gelungenen VICE VERSA (Review), dass sie auch als Quartett einiges lostreten können.

Und nun kommt (das zugegeben etwas ungünstig betitelte) WINGS WIND daher – bei dem japanische Lyrics abermals mit englischen und nicht immer gänzlich sinnigen Textfetzen garniert werden, was vor allem in den ersten Momenten gerade für Neueinsteiger etwas irritierend wirken könnte. Aber: mindestens ebenso schnell wird klar, dass SKYWINGS ihren Stil und ihre Identität mittlerweile gefunden haben. Mit ihrer eher gradlinigen Spielart und dem Verzicht auf allzu wilde Experimente haben sie auch außerhalb von Japan gute Voraussetzungen – sicher auch aufgrund ihrer auffällig starken instrumentalen Komponente. Eine, die auch dank der hervorragenden Produktion gut zur Geltung kommt – und im Zusammenspiel mit der zunächst zwar relativ gewöhnungsbedürftig erscheinenden, letztendlich aber doch passigen und durch und durch sympathischen Leistung von Leadsänger I-La ein rundes Ganzes ergibt. Das Drumming klingt lebendig und variabel, der Bass bekommt die nötige Aufmerksamkeit, das Keyboard kommt oft aber nur selten allzu penetrant zum Einsatz; und gerade die Gitarren bilden eine kräftige und dabei gleichermaßen virtuose wie verspielte Klangkulisse.

Was bleibt, ist weniger die Frage nach den behandelten Inhalten – zumal sich WINGS WIND in internationalen Ohren ohnehin einen anderen Weg suchen wird als über das sprachliche Verständnis – als vielmehr die Frage nach der Gesamtwirkung des Albums. Sich ein diesbezügliches Urteil zu bilden, fällt indes nicht ganz leicht. Generell festzustellen ist aber, dass WINGS WIND deutlich besser abschneidet wenn die Japaner das Tempo anziehen. Schon der Opener und Titeltrack WINGS WIND macht so gesehen vieles richtig, und weiß auch sonst als mittlerweile typisch starke SKYWINGS-Nummer vom Schlag eines I FASCINATE oder GLORIA zu gefallen. Solange den Japanern einige griffige Melodien im Kopf herumschwirren, das Tempo nicht allzu sehr gedrosselt wird und die Gitarren weiterhin ausreichend Raum erhalten; klappt es dann auch mal mit einem dezent balladesken Einschlag wie in RAY – oder über die nicht ganz so spektakuläre Schiene wie im gut ins Ohr gehenden GOD CROSS CHASES CHAOS.

Und doch müssen die Japaner vorsichtig sein, denn nicht alle Wagnisse gehen auf. BLINK OF EMERALD klingt trotz der starken Instrumentalkulisse erstaunlich belanglos – der leicht übertriebene Keyboardeinsatz, einige verzerrende Effekte und eine gewisse weder-noch Stimmung verhindern weiteres. Mit dem kitschig-süßen, insgesamt aber trotzdem angenehmen und auflockernden TOGETHER stößt man auf eine weitere potentielle Schwäche der Band, zumindest sofern man daraus aus ist. Denn: Leadsänger I-LA hat keine Hemmungen, auch mal lauthals in einem teils heftig akzentuierten Englisch (oder eher einer Sprachmischung aus Japanisch und Englisch) zu singen. Das macht er allerdings des öfteren, und alleine ist er damit auch nicht – wobei die Gründe nicht ganz offenbar werden. Immerhin, im Gegensatz zur Konkurrenz klingt er dabei niemals lächerlich – man nimmt ihm einfach ab, was er da macht.

In der zweiten Alben-Hälfte bleibt es solide, wenn auch mit Ausnahmen. SEPARATED TEARS beispielsweise ist ein relativer Langweiler, und noch dazu in gesanglicher Hinsicht problematisch – I-La’s Stärken liegen ganz offensichtlich nicht in den höheren Gesangslagen, sondern eher im gemäßigteren Bereich. DESTRUCTION MESSIAH ist als brachiale Uptempo-Nummer a’la SKYWINGS grundsätzlich ansprechend, eine frappierende Ähnlichkeit zu GLORIA ist aber ebenfalls nicht zu verhehlen. Und der spätere Soli-Part fällt zumindest gewöhnungsbedürftig aus – am besten wirken die furiosen Gitarren- und Keyboardintermezzi, wenn sie eben nicht zu abgedreht inszeniert werden. Gut also, dass man es in dem festlichen TONIGHT noch einmal ordentlich krachen lässt. Hier agieren die SKYWINGS weder zu plump noch zu prätentiös – sie befinden sich hörbar in der goldenen Mitte, was auch für die Mischung aus brachialem Tempo und einer glaubwürdigen Portion Emotionalität gilt. Eines scheint jedenfalls klar: die Band ist auf dem absolut richtigen Weg. WINGS WIND ist trotz kleinerer Schwächen und zwei oder drei zu vernachlässigender Titel rundum gelungen. Zudem klingt es dank der typischen SYKWINGS-Trademarks relativ einzigartig – sodass man definitiv einen intensiveren Blick riskieren sollte, gerade als Freund der japanischen Power Metal-Szene.

Absolute Anspieltipps: WINGS WIND, RAY, GOD CROSS CHASES CHAOS, DESTRUCTION MESSIAH, TONIGHT


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おめでとうございます, oder: das bisher beste SKYWINGS-Album.“

Open Message To BALFLARE And SKYWINGS (Aka 2 Great Japanese Power Metal Bands)

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Dear Takashi Odaira, Isao Matsuzaki, Leo Yabumoto, Syuta Hashimoto, Tommy and Eijin Kawazoe in the one band, e.g. BALFLARE – and Senoh, Yuki, Takashi and especially I-La in the other band, e.g. SKYWINGS – 日本への挨拶, I would be glad if you stumble upon this. First and foremost, please be assured that you have a lot of international fans – though they might not show up as often as your fellow countrymen.

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Maybe this seems kind of weird, but as the administrator of the growing movie and metal blog Oliverdsw.Wordpress I just wanted to use the opportunity to thank you – for the work as quite unique and outstanding power metal bands from Japan. And of course for your great releases and special kind of music. At least all of your full-length albums were reviewed on this blog (search for your band in the 0-H letter area and the R-Z letter area), and even though there is still room for an album that is truly amazing (from my point of view, e.g. near the 10/10 rating) I can tell you that I thoroughly enjoyed them.

When it comes to BALFLARE, I got my first impression from the great TEMPEST (Review) – a track like the opener AWAKENING will always be on my imaginary TOP-100 list of the all time best power metal tracks. And even though I wasn’t as impressed with DOWNPOUR, I certainly felt the special kind of magic in it too – like in the masterpiece BEFORE THE DAWN, which you might know I made a video for.

And SKYWINGS… I am just impressed how you coped with the departure of your former lead singer, and especially the abilities of I-LA. You just have a great and very unique voice that I like to listen to. Or, so to say; ILAは、有能なハンサムと印象的です. Although I felt quite like VICE VERSA could have been better, it was kind of an amazing piece of art. Hence again, you totally blew my mind with GLORIA – the melodies, the chorus, the singing, these epic guitar solos… please, give us more.

Long story short: I just hope that you don’t plan to quit, and decide to release more stuff in the future. Preferably full-length albums, as chances are rather low for us international fans that we can get a hold of your smaller releases (like singles and ep’s). For an example, I am still looking for the SKY LEGACY-EP which is nowhere to find – at least not for a reasonable price.

balflareとskywingsはちょうど叙事詩です。彼らの音楽は、それは神ご自身の高さをとても素晴らしい到達します. So long, 騒乱の上にあなたの頭を保ちます.

Metal-CD-Review: SKYWINGS – Vice Versa (2014)

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Alben-Titel: Vice Versa
Künstler / Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Juli 2014
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Studio Medras

Alben-Lineup:

Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars, Vocals
Takashi – Keyboards Piano, Synths

Track-Liste:

1. Vice Versa~光纏いし者達~ (07:48)
2. Unite Forever~Sky Anthem Pt.4~ (07:51)
3. I Fascinate (06:35)
4. Sight of Ruby (06:35)
5. Glass in the Ice (05:45)
6. DDDDDDDDDDDDD (06:40)
7. Lust Fang (05:44)
8. Night When Meteor Rain Fell (06:49)
9. [NEVER]land⇔[EVER]land (05:45)
10. 銀~Argyros~ (07:01)

Offenbarung, Totalausfall oder irgendetwas dazwischen ?

Eigentlich standen die Chancen gut für VICE VERSA, das neue und nunmehr dritte Studioalbum der Japanischen Power Metal-Combo SKYWINGS – zeigten die Bandmitglieder doch bereits auf den beiden Vorgängern THE ADVENT MELODY (Review) und GRACE GRADE (Review) auf, dass sie über ein vielseitiges und in mancherlei Hinsicht sogar abenteuerliches Repertoire verfügen. Vor allem aber scheint es, als hätten die Japaner einfach das Zeug dazu, vergleichsweise einfach gestrickte aber dennoch überaus effektive Power Metal-Nummern zu schreiben. Solche, die auch eine Weile im Gedächtnis bleiben – was sich vor allem auf das Debütalbum und seine eingängigen, von guten Riffs geprägten Hymnen wie IN BLOOM beziehen lässt. Doch bevor das neue, schon länger angekündigte VICE VERSA endlich erscheinen sollte, folgte erst einmal ein schwer verdaulicher Schock: der angestammte (und zweifelsohne beliebte) Leadsänger TAKUYA sollte plötzlich nicht mehr mit von der Partie sein. Stattdessen sollte der eigentliche Gitarrist der Band I-LA einspringen und nun auch den Gesangsposten übernehmen – was ein recht zwiegespaltenes Gefühl auslöste. Und das vor allem nach den ersten Hörproben und der vorab veröffentlichten Videosingle I FASCINATE – nicht wenige beklagten sich darüber, dass der neue Sänger dezent fremdartig klingt und der beflügelten Stimme von TAKUYA einfach nicht das Wasser reichen könnte. Aber was ist wirklich dran an den Befürchtungen ?

Ersteinmal sollte man folgendes festhalten: die Tatsache, dass sich ein einzelnes Bandmitglied wie I-LA derart engagiert zeigt (und damit das Fortbestehen der Band ohne einen großartigen Lineup-Wechsel möglich macht) erscheint bemerkenswert. Dass das natürlich noch kein Freifahrschein sein würde, ist aber auch klar – und so wird sich auch I-LA allerlei Kritiken stellen müssen. Positiv erscheint, dass er gerade im Vergleich zum ausschließlich in den höchsten Lagen singenden TAKUYA einen enorm frischen Wind ins SKYWINGS-Boot bringt – schlicht, da man ihn als etwas andersartigen Sänger bezeichnen könnte. Und als recht variablen noch dazu – sein Wechsel von tiefen in hohe Lagen ist grundsätzlich ansprechend, und trägt enorm dazu bei dass der Leadgesang nicht mehr so eintönig wirkt wie zuvor. Aber: I-LA scheint des öfteren auch an seine Grenzen zu kommen, gerade wenn es in die höheren Lagen, um die allgemeine Betonung und speziell das Halten von Tönen geht. Ebenfalls eher ungünstig ist, dass die Abmischung seinen Gesang noch zusätzlich hervorhebt; weniger Raum für die instrumentalen Kompositionen lässt – sodass die weiteren Stärken von SKYWINGS (alles, was aus den Instrumenten entsteht) ebenfalls und im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund gedrängt werden.

Doch eigentlich lassen sich die Probleme von VICE VERSA in einem schlichten Satz zusammenfassen, ob mit oder ohne die Gesangs-Thematik: ein Großteil der auf dem Album dargebotenen Titel sind einfach nicht sehr gut – sondern bestenfalls gut oder durchwachsen. Dies ist vor allem auf die zweite Alben-Hälfte zu beziehen, in der so gut wie kein Titel mehr zünden kann – während der Auftakt mit dem Titeltrack VICE VERSA, dem SKY ANTHEM PART 4 und dem bereits bekannten I FASCINATE noch relativ stark ausfällt. Doch gibt es bereits hier kleinere Elemente, die sich eher störend auswirken und beispielsweise die Fortsetzung der SKY ANTHEM-Reihe nicht mehr ganz so schmackig ausfallen lassen. Gewiss, die typisch hymnische, enorm melodische Komponente ist nach wie vor vorhanden – doch allein dass man den späteren Soli-Part in einer überraschend verwaschenen Soundkulisse untergehen lässt (a’la: läuft hier noch ein anderer, überlagerter Titel ?), spricht hier für sich. Das liegt hauptsächlich an den vielen Ausschmückungen, die auf VICE VERSA immer wieder anzutreffen sind – die Rede ist hier eindeutig vom exzessiv genutzten Keyboard. Zwar wurde diesbezüglich auch auf den beiden Vorgängern nicht gegeizt, doch nun sollte es selbst eingefleischten Power Metal-Fans mit einem Hang zum Kitsch und kunterbunten Melodiebögen etwas zu viel des Guten sein.

Gute Beispiele dafür finden sich schließlich zuhauf – ob nun SIGHT OF RUBY, GLASS IN THE ICE oder ARGYROS mit seinem merkwürdig trancigen Einschlag – jene Nummern scheinen ausschließlich aus dem Gesangspart und einer dicken Keyboardschicht zu bestehen, die metallischen Komponente rücken stark in den Hintergrund und wirken längst nicht mehr so mitreißend wie dereinst. Immerhin: man kann noch immer allerlei Melodien entdecken, zu denen man geneigt ist im Takt mitzuwippen – aber reicht das wirklich aus ? Den Tiefpunkt des Albums markiert dann aber wohl DDDDDDDDDDDDD – ein Titel mit einem neoklassischen Ansatz, der vielleicht bei einer Combo wie VERSAILLES funktioniert hätte; hier aber vor allem aufgrund der heftigen Verzerr-Effekte eher nervt. Mit dem flotten LUST FANG wird es dann wieder etwas besser, doch kann das kaum über die eher triste zweite Albenhälfte hinwegtäuschen. Der Fakt, dass sich alle Titel in einem Rahmen von 6 bis 8 Minuten bewegen, macht es auch nicht unbedingt besser – offenbar streckte man selbst jene Titel, die in einer entsprechenden Kurzform vielleicht etwas besser gewirkt hätten.

Damit erscheint es schwierig, ein finales Urteil zu VICE VERSA abzugeben – und das nicht nur weil es schwerfällt, mit dem neu besetzten Leadgesangsposten umzugehen und die entsprechend abgelieferte Leistung zu bewerten; geschweige denn für sich persönlich einzuordnen. Es scheint gut möglich, dass die Band den Ausstieg von TAKUYA doch nicht so gut verkraftet hat wie gedacht – dem gegenüber stehen aber I-LA’s durchaus ehrenwerte und letztendlich irgendwie doch beeindruckende Ambitionen. Die wiederum werden nicht jedermanns Geschmack treffen, ebenso wie die Tatsache dass sowohl die Abmischung etwas unvorteilhaft ausfällt und man selbst vielversprechende Titel mit einem Übermaß an Keyboard-Klängen und anderen fremdartigen Effekt-Geräuschen ausschmückt. Vielleicht wird der Fall ja mit einem potentiellen vierten Studioalbum endlich etwas klarer. Dass die SKYWINGS auch ohne TAKUYA erfolgreich sein können, steht jedenfalls außer Frage; etwaige Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.

Absolute Anspieltipps: VICE VERSA, SKY ANTHEM PART 4, I FASCINATE, LUST FANG


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„Auch mit neuer Besetzung eine positive Überraschung – aber da geht noch mehr.“

Metal-CD-Review: SKYWINGS – First Contact (Demo, 2006)

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Alben-Titel: First Contact
Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Juli 2006
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Burrn!

Alben-Lineup:

Takuya – Vocals
Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars
Takashi – Keyboards

Track-Liste:

1. Angels Sky (07:05)
2. Universe (07:23)
3. Life Crown (05:54)
4. Into the Explosion (05:26)

Aller Anfang ist schwer… und spannend.

FIRST CONTACT ist die allererste offizielle Veröffentlichung der japanischen Power Metal-Band SKWINGS. Tatsächlich erschien sie gute 3 Jahre vor dem eigentlichen Debütalbum THE ADVENT MELODY (Link), und sollte daher vor allem für Fans der Band interessant sein. Enthalten sind 4 vollwertige Titel mit einer Gesamtspielzeit von 25 Minuten, die im Sinne einer ersten Werkschau das Talent der Japaner aufzeigen sollen. Und das gelingt – sofern man nicht unbedingt eine musikalische Offenbarung respektive Revolution erwartet – auch recht gut. SKYWINGS spielen einen soliden melodischen Power Metal mit einem leicht fantastischen Touch; wobei die Lyrics aber weitestgehend bodenständig bleiben. Sehr schnell ins Ohr gehen werden die teils pompösen Melodiebögen sowie die Elemente des offenbar nur allzu gern eingesetzten Keyboards – die im Endeffekt und in der Gesamtkomposition aber weniger kitschig klingen als vielleicht gedacht. Das liegt nicht zuletzt an Gitarrist I-La, der dem allgemeinen SKYWINGS-Sound eine schön schroffe, stets treffsichere Komponente verpasst.

Doch sollte man nicht zu viel erwarten von einer Demo-EP wie dieser – die typischerweise mit einer stark verbesserungswürdigen Produktionsqualität daherkommt, unter der besonders das Drumming leidet. Auch weiß die Qualität der vorgestellten Titel stark zu variieren. Denn so schön und hochtrabend der Opener ANGELS SKY auch klingt – ausgerechnet der Refrain ist nicht unbedingt das gelbe vom Ei; und stellt mit dem in sehr hohe Bereiche gehenden Leadgesang von Takuya durchaus eine kleine (nervliche) Herausforderung dar. Beim Auftakt von UNIVERSE meint man dagegen zunächst, eine Reminiszenz an den guten alten Sprung in der Platte zu entdecken – erst im weiteren Verlauf erfährt man eine Besserung. Doch während der Leadgesang schon weitaus weniger strapazierend daherkommt, gibt der Titel rein instrumentell nicht viel her – zumal auch die deutlich hörbaren Keyboard-Effekte diese gefühlte Lücke nicht kaschieren können.

Durchatmen kann man dann erst mit LIFE CROWN – beziehungsweise nachdem ein weiterer eher misslungener Song-Auftakt vorübergegangen ist. Denn plötzlich sind sie da, jenes Tempo und jene Melodie-Verliebtheit die SKYWINGS später auszeichnen sollten. Auch INTO THE EXPLOSION lebt – auch wenn der Faktor der Kitschigkeit schon auffällig ausgelotet wird – von eben jenen Elementen. So kommt die EP doch noch zu einem runden Abschluss, der Lust auf mehr macht – ganz so, wie es sein sollte. Als klare Stärken bleiben grundsätzlich alle Spielereien seitens des Gitarristen in Erinnerung; während auf der noch verbesserungswürdigen Seite der vielleicht etwas zu hohe Leadgesang und die Produktion im allgemeinen festzuhalten sind.

Die FIRST CONTACT-EP ist demnach vor allem eingefleischten SKYWINGS-Fans ans Herz zu legen, die ihre Sammlung vervollständigen möchten. Alle anderen, auch jene Power Metal-Konsumenten die gerne mal nach Fernost lauschen, brauchen hier nicht unbedingt zuzuschlagen – zum einen, da es bessere (Debüt-)Alternativen aus jenen Gefilden gibt; und zum anderen da SKYWINGS selbst mit ihrer ADVENT MELODY ordentlich nachgelegt haben. An jenes Werk sollte man sich daher auch eher halten, will man einen guten Einstieg in die musikalische Welt der Japaner erhalten.

Absolute Anspieltipps: LIFE CROWN, INTO THE EXPLOSION


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„Zur Vervollständigung der Sammlung.“