Metal-CD-Review: SKYLINER – Condition Black (2016)

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Alben-Titel: Condition Black
Künstler / Band: Skyliner (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Oktober 2016
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Ben ‚The Ben‘ Brenner – Drums, Percussion
Jake Becker – Vocals, Guitars
Nathaniel Curtis – Bass, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Tidal (03:03)
2. Condition Black (05:43)
3. Too Many Voices (05:03)
4. No World Order (07:54)
5. Cages We Create (08:40)
6. Starseeker (The Mystery of God) (04:53)
7. Interlude: The Firmament (02:21)
8. As Above, So Below (Those Who from Heaven to Earth Came) (05:48)
9. Interlude: The Dance of Bliss (05:07)
10. The Morbid Architect (That Prison of Veils) (05:20)
11. Your Hand in Mine (07:01)
12. Vendetta (05:27)

Es gibt hoffentlich keinen Grund, hier Schwarz zu sehen.

Als SKYLINER 2014 ihr Debütalbum OUTSIDERS (Review) veröffentlichten, war die Überraschung groß – und das Interesse an der augenscheinlich noch sehr jungen Band geweckt. Bei näherem Hinsehen aber zeigte sich, dass die US-Amerikaner bereits seit der Jahrtausendwende bestehen – bis dato aber nur 2 Demos und eine EP veröffentlicht hatten. Und, dass sie offenbar Probleme hatten einen festen Drummer zu finden. Doch es schien, dass die Zeit von SKYLINER endlich gekommen war – was sich nach 14 Jahren Vorlaufzeit wie ein Befreiungsschlag angefühlt haben muss. Das neue Lineup stand jedenfalls fest, und OUTSIDERS avancierte problemlos zu einem echten Geheimtipp für Freunde des progressiven Power Metal. Nun scheint die Band auf der Überholspur zu sein – denn mit CONDITION BLACK folgt Ende 2016 das zweite Studiowerk der passionierten Musiker. Schenkt man den Vorab-Informationen Glauben, so würde es noch etwas düsterer, engagierter und schlicht andersartiger daherkommen als der Vorgänger – was allemal gut klingt. Aber: setzen SKYLINER wirklich noch einen auf ihr gelungenes Debütalbum drauf, und haben sie gegen die starke Konkurrenz (etwa die von WINGS OF DESTINY mit ihrem sehr guten KINGS OF TERROR, siehe Review) eine realistische Chance ?

Immerhin: schlecht sieht es wahrlich nicht aus für SKYLINER. Bereits das rein instrumentale Intro TIDAL und der Opener CONDITION BLACK zeigen auf, dass die Band schon jetzt einen relativ unverkennbaren Sound etabliert hat – man fühlt sich sofort an die erfrischende Wirkung des Vorgängers erinnert. Gerade der Umgang mit den Gitarren und das überzeugende Drumming avancieren so auch dieses Mal zu klaren Alleinstellungsmerkmalen der Band. Die gleichermaßen progressiven wie wuchtigen Soundkulissen gehen direkt ins Ohr, sodass man sich auch trotz der anberaumten Düsterkeit schnell wohlfühlt in der Welt von CONDITION BLACK. Hinzu kommt eine gelungene Produktion, die eben nicht allzu glatt geschliffen erscheint – SKYLINER inszenieren sich angenehm schroff, was perfekt zur Thematik und der allgemein rauen Gangart passt. Abwechslung ist ebenfalls reichlich geboten: während sich gerade die Anfangstitel auch als alleinstehenden funktionierende Brecher präsentieren, wird es mit dem ungewöhnlichen CAGES WE CREATE schon deutlich experimenteller. Weiterhin sieht das Album ein gar fünfteiliges Epos vor, welches von STARSEEKER eingeläutet wird und mit zwei Interludes versehen ist. Hier probieren sich SKYLINER dann auch tatsächlich in alle Richtungen aus, und setzen auf eine so kaum vergleichbare Atmosphäre.

Allen Ambitionen zum Trotz gibt es dann aber doch etwas, was den Hörgenuss mehr oder weniger markant trüben könnte. Und damit sind nicht unbedingt die Ausflüge in noch härtere Genre-Ecken wie etwa in THE MORBID ARCHITECT gemeint. Auch die Tatsache, dass die beiden Interludes dann vielleicht doch etwas zu experimentell respektive nichtssagend daherkommen und sich so eigentlich als perfekte Skip-Kandidaten vorstellen; gibt hier nicht den Ausschlag. Nein – denn vielmehr hat es den Leadgesang von Jake Becker erwischt; der auf dem Debütalbum zwar ähnlich, im direkten Vergleich dann aber doch noch etwas anders klang. Auf CONDITION BLACK jedoch scheint er es mit seiner an den Tag gelegten Akrobatik und Variation geradezu herauszufordern, sich zu verzetteln. Bereits der Opener gerät so zumindest gesanglich zu einem wahren Wechselbad der Gefühle. Mal gibt er sich etwas aggressiver, mal deutlich zurückhaltender; mal gleich beides auf einmal – und sei es nur gefühlt. Das in diesem Sinne geradezu passend betitelte TOO MANY VOICES fungiert hier wohl als Paradebeispiel. Wirklich überzeugend klingt jenes stimmliche mäandern jedenfalls nicht – auch wenn Abwechslung generell gerne erwünscht ist und die Gesangsdarbietung so schon einmal alles andere als gleichförmig ist.

Hinzu kommt, dass SKYLINER gerade in den potentiell interessanten Momenten weniger überzeugend klingen – wie etwa im knapp 9-minütigen CAGES WE CREATE. Von der besonders zu Beginn respektive in den ruhigen Momenten ungünstigen Gesangsdarbietung einmal abgesehen, gibt es hier schlicht zu wenig fesselndes zu entdecken. Und: NO WORLD ORDER erinnert zwar nicht an GAMMA RAY, dafür ein wenig an GRAVE DIGGER – nicht zuletzt aufgrund der abermals etwas angestrengt klingenden Performance des Leadsängers. Ebenfalls nachdenklich stimmt der stimmungstechnische Ausgleich in Form des gerade rhythmisch und textlich unsäglichen YOUR HAND IN MINE – da erschien das großartige FOREVER YOUNG vom Vorgänger doch wesentlich passiger. Da die Interludes gelinde gesagt absolut zu vernachlässigen sind und die experimentellen Phasen der Band gerade gegen Ende noch einmal Überhand zu nehmen scheinen, bleibt es in Bezug auf CONDITION BLACK bei einer handvoll zündender Nummern – und leider nicht bei einem unverzichtbaren Epos.

Absolute Anspieltipps: CONDITION BLACK, STARSEEKER, AS ABOVE SO BELOW


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„Strukturell ansprechend, wuchtig inszeniert – aber Highlight-arm und gerade gesanglich weit hinter den Erwartungen zurückbleibend.“

Metal-CD-Review: SKYLINER – Outsiders (2014)

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Alben-Titel: Outsiders
Künstler / Band: Skyliner (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Februar 2014
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Ben Brenner – Drums
Jake Becker – Vocals (lead), Guitars, Lyrics
David Lee Redding – Bass, Vocals (backing)
Ashley Flynn – Keyboards, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Signals (02:56)
2. Symphony in Black (07:07)
3. Undying Wings (06:34)
4. Forever Young (07:55)
5. Aria of the Waters (08:26)
6. The Human Residue (07:36)
7. Dawn of the Dead (07:20)
8. The Alchemist (06:57)
9. Worlds of Conflict (21:01)

Von Aussenseitern und Gipfelstürmern.

SKYLINER ist eine bereits im Jahre 2000 gegründete Bandcombo, die sich über viele Jahre in einer Art Stase befand. Erst kürzlich, und mit der Vertragssicherung beim renommierten Genre-Label Limb Music sollte es das erste handfeste Lebenszeichen der US-Amerikanischen Band geben – das Debütalbum OUTSIDERS. Warum es so lange gedauert hat, und die bisherigen (und guten) Demos kaum bekannt sind bleibt wohl ein Rätsel – schließlich ist das, was SKYLINER hier hinsichtlich eines atmosphärischen Progressive Power Metal auffahren alles andere als von schlechten Eltern. Vielleicht war die lange Phase der Orientierung aber auch schlichtweg nötig. Anders gesagt: wenn derlei langwierige Vorbereitungen immer zu einem Ergebnis wie OUTSIDERS führen würden; sollte sich so manch andere Band vielleicht auch mal eine Auszeit gönnen – um zu einem späteren Zeitpunkt markant gestärkt wieder auf der Bildfläche zu erscheinen.

Schließlich ist die Bezeichnung stark auch eines der Adjektive, mit denen man OUTSIDERS recht gut beschreiben kann. Das Album entfaltet schnell eine gewisse musikalische Wucht, die hauptsächlich auf die angenehme Spielart der Band zurückzuführen ist. Zwar finden sich deutliche progressive Anteile; doch scheint ein jeder Titel gleichzeitig auf ein super-solides Power Metal-Gerüst mit einer entsprechend antreibenden Wirkung gebaut. So verstricken sich SKYLINER erst gar nicht in endlosen oder vielleicht sogar belanglos erscheinenden Frickeleien, sondern packen die Gelegenheit stets beim Schopf. Dennoch, und um dem progressiven Anspruch ebenfalls gerecht zu werden; offerieren die Titel einen vergleichsweise immensen Abwechslungsreichtum – und sind eben doch nicht allzu simpel und gradlinig gestrickt. SKYLINER haben offenbar eine recht angenehme Symbiose der beiden Genres für sich entdeckt – eine, bei der keine der beiden Seiten zu kurz kommt.

Das ist schon einmal eine lobenswerte Leistung – die nur halb so schön wäre, würde die Band nicht auch noch mit anderen Stärken glänzen. Diese finden sich vornehmlich in den anspruchsvollen instrumentellen Kompositionen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise lebendig klingen. Der schön druckvolle Sound, der hauptsächlich aus der rundum gelungenen Produktion und der perfekten Inszenierung der Gitarren resultiert; rundet das Ganze stets positiv ab – und macht einen jeden einzelnen Titel zu einem Freudenfest für alle Metaller, die Wert auf einen zünftigen Gitarrensound legen. Die Leadgesangsperformance ist ebenfalls stark – auch wenn sie zunächst nicht ganz so spektakulär anmuten mag wie die instrumentalen Grundgerüste. Dennoch weiß Leadsänger Jake Becker (der kurioserweise auch die Gitarren handhabt, also in jeder Hinsicht ein Multitalent ist) seine Kraft gut zu dosieren – und weiß dabei vor allem durch seine Flexibilität zu überzeugen. Mal tönt er schön tief und kraftvoll, mal so als ob er eine Geschichte erzählen würde; und mal so als würde er wie gemacht für eine sich eher durch hohe Töne auszeichnende Hymne a’la FOREVER YOUNG scheinen.

Wobei es sich hier gleichzeitig um einen der herausragendsten Titel handelt – oder zumindest einen, den man als perfekten Einstieg in den musikalischen Kosmos von SKYLINER betrachten könnte. Vom flotten Tempo, dem Riff-geladenen Gessamteindruck über die nötige Power in den einen, und etwas verschachtelteren Ansätzen in den anderen Momenten – hier stimmt einfach alles. Der einzige Unterschied zu den anderen Nummern ist nur, dass hier der Zugang etwas leichter von statten geht und das Ganze direkt als sofort wirksame Hymne durchstartet – während die anderen eher darauf warten, in mehreren Durchläufen entdeckt zu werden. Ebenfalls hervorstechend ist auch die ARIA OF THE WATERS, die durch einem langen akustischen Auftakt eingeläutet wird und nach und nach immer mehr an Atmosphäre und fülle gewinnt. Gleichzeitig ist dies ein gutes Beispiel für die Vielschichtigkeit und Variabilität der Band – würde man drei oder vier zufällige Einstiegspunkte  in den Titel (also einmal bei Minute 1, einmal bei Minute 3 und so weiter) wählen; so müsste man stets glauben es handelte sich um einen anderen Titel. Und dennoch ergibt sich ein verdächtig rundes Ganzes – ebenso wie das Album auch in seiner Gesamtheit zu betrachten ist. Schwächen gibt es so gut wie keine – und wenn, dann sie eventuell auf das etwas zu lang geratene Final-Stück WORLDS OF CONFLICT zu beziehen; dass dann leider doch die ein oder andere Durststrecke offenbart.

Also: wo auch immer SKYLINER all die Jahre gesteckt haben; oder warum sich nicht schon früher ein passendes Label hat finden lassen – es bleibt ein Rätsel. Ein Rätsel, welches immerhin durch einen positiven Ausgang gekennzeichnet ist: das endlich erschienene Debütalbum OUTSIDERS ist ein verdammt starkes Stück geworden. Und auch eines, dass die Bezeichnung als Progressive Power Metal-Werk in jeder Hinsicht verdient – da sowohl Freunde eher progressiver Ansätze mit zahlreichen Stimmungs- und Tempiwechseln als auch Fans einer etwas geradlinigeren, kraftvollen und nach vorne orientierten Spielart des Power Metal zufriedengestellt werden können. Anders gesagt: OUTSIDERS ist ein musikalische Abenteuer, auf das man sich nur allzu gerne einlassen wird.

Absolute Anspieltipps: SYMPHONY IN BLACK, FOREVER YOUNG, ARIA OF THE WATERS


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„Manchmal ist der Schritt vom Debütalbum zum Meisterwerk ein eher kurzer. Man darf auf weiteres Material von SKYLINER gespannt sein.“