Metal-CD-Review: SEBASTIEN – Act Of Creation (2018)

Alben-Titel: Act Of Creation
Künstler / Band: Sebastien (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Februar 2018
Land: Tschechien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Alben-Lineup:

Andy Mons – Guitars
George Rain – Vocals, Guitars
Petri Kallio – Bass
Pavel „Dvorkys“ Dvorak – Keyboards
Lucas R. – Drums

Track-Liste:

1. Act of Creation
2. No Destination
3. Wake Up
4. Amy
5. Evermore
6. My Empire
7. Queen from the Stars
8. Winner
9. Heal My Soul
10. Promises
11. Die in Me
12. Full Moon Child
13. Hero
14. V síti štěstí

So ein Schöpfungsprozess will gut durchdacht sein.

Mit ihrem mittlerweile dritten offiziellen Langspieler ACT OF CREATION melden sich zum Auftakt des Metal-Jahres 2018 auch die tschechischen Melodic Power Metaller von SEBASTIEN zurück – wobei sie im Gegensatz zu den Vorgängern erstmals auf die Zusammenarbeit mit Roland Grapow (u.a. MASTERPLAN) verzichtet haben. Dass das aber eher wenig an der typisch-melodischen Spielart der Tschechen um Frontmann George Rain (der nebenbei auch noch die Gitarre bedient) geändert hat, zeigt das insgesamt 14 Titel enthaltene ACT OF CREATION mit Nachdruck auf – sodass letztendlich doch vieles beim alten bleibt im Hause SEBASTIEN. Das gilt im übrigen auch und speziell in Bezug auf die seit jeher mehr als solide handwerkliche und klangtechnische Komponente der Band, oder anders gesagt: nicht nur die Leistungen der einzelnen Mitglieder vermögen es relativ unmittelbar zu überzeugen, auch der allgemeine Soundeindruck des Albums stellt sich als recht druckvoll und angenehm dynamisch dar. Eine allzu große Portion Härte oder Kraft sollte man indes nicht erwarten – denn bis auf wenige Ausnahmen fühlen sich SEBASTIEN schlicht am wohlsten, wenn sie analog zur generell schmeichelnden (aber dennoch nicht einen gewissen Nachdruck vermissen lassenden) Leadstimme von George Rain einen eher zugänglichen melodischen Power Metal inszenieren. Einen, der dabei grundsätzlich auf eine möglichst ausgewogene Mixtur aus sanft-balladesken und auch mal etwas griffigeren melodischen Kompositionen setzt – und den Hörer vornehmlich mit der anberaumten emotionalen Komponente zu ködern vermag.

Trotz des auf den ersten Blick angenehmen Eindrucks des Albums offenbart sich dann aber doch noch das ein oder andere Problem, wobei man mit den sich hie und da ergebenden Parallelen zu anderen Genre-Combos beginnen könnte. Sicher ist es keine Schande, dass SEBASTIEN etwa im von einer vergleichsweise düsteren symphonischen Komponente begleiteten Opener und Titeltrack ACT OF CREATION dezent nach ihren Kollegen von KAMELOT klingen (wobei sich sogar die Stimmfarbe von George Rain dahingehend anzupassen scheint), oder in den eher langsamen und explizit balladesken Einschüben in Form von AMY oder QUEEN FROM THE STARS an das jüngere Schaffen von SONATA ARCTICA. Dennoch, und trotz des hier anberaumten Qualitätsniveaus könnte dies durchaus den Wunsch in Richtung einer noch größeren Eigenständigkeit von SEBASTIEN laut werden lassen. Aber: während man derlei Feststellungen aber noch getrost im Sinne einer eher nüchternen Statistik treffen kann, sieht es Bezug auf das eigentliceh Problem von ACT OF CREATION schon nicht mehr ganz so rosig aus. Schließlich ist das Ziel auch dann noch nicht erreicht, wenn SEBASTIEN wie in nicht wenigen Titeln des Albums möglichst eigenständig klingen und ein super-solides Handwerk an den Tag legen – denn auch um die Seele oder die im besten Fall ebenso glaubwürdig wie einzigartig wirkende Atmosphäre der einzelnen Titel will sich gekümmert werden. Genau diesbezüglich scheinen SEBASTIEN aber momentan noch Schwierigkeiten zu haben – zumindest, wenn man das Ganze aus der Warte eines eher klassischen Genre-Standpunkts heraus betrachtet.

Denn: gerade Nummern wie NO DESTINATION oder WINNER entfalten aufgrund ihres recht elektronischen Anstrichs und der zusätzlichen Stimmeffekte einen etwas zu modernen Anstrich – und sorgen im Zusammenspiel mit einigen der anderen, alles andere als schmackig inszenierten Nummern (wie etwa WAKE UP) sowie den vielen balladesk-harmlosen Einschüben für einen etwas ermüdenden Eindruck. Das gilt vor allem für den Auftakt des Albums, das mit dem merkwürdigen EVERMORE sogar noch einen draufsetzt – den bereits erwähnten stimmverzierenden Effekten sowie einigen hier absolut unpassend erscheinenden Growl-Passagen sei Dank. Dennoch, und wenn man das nötige Durchhaltevermögen besitzt, ist die Hoffnung nicht gänzlich ad acta zu legen – denn nach dem bereits recht angenehmen MY EMPIRE folgt mit dem Feature-Teil des Albums doch noch die ersehnte Kehrtwende. Sei es das ebenfalls alles andere als rasante, aber schlicht gnadenlos gut gemachte HEAL MY SOUL, das stimmige PROMISES oder das knackige Duo aus DIE IN ME und FULL MOON CHILD – hier zeigen SEBASTIEN doch noch auf, wie gut ein gerne mal als harmlos verschrieener Melodic Power Metal aus Tschechien klingen kann. Zusammenfassend gesagt: auch wenn es zumindest im Sinne eines der absoluten Must-Haves des Metal-Jahres 2018 dezent schwierig werden sollte, kann man noch relativ problemlos von einem gelungenen Album für Freunde der Band oder des übergeordneten Genres sprechen.

Absolute Anspieltipps: ACT OF CREATION, MY EMPIRE, HEAL MY SOUL, PROMISES, FULL MOON CHILD


„Mal etwas zu harmlos, mal deutlich zu modern – und dazwischen ein verdammt starkes Melodic Power Metal-Album.“