Filmkritik: „Spectral“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm (VOD-Produktion)
Regie: Nic Mathieu
Mit: James Badge Dale, Bruce Greenwood, Emily Mortimer u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Science Fcition / Action
Tags: Krieg | Zukunft | Technologie | Übernatürlich | Lichtspektrum

Da hätten die Herren Bose und Einstein wohl noch ein Wörtchen mitzureden.

Inhalt: In der nahen Zukunft sieht es nicht allzu rosig aus für das Land Moldawien – es tobt eine Art Bürgerkrieg, und die wenigen dort stationierten US-Soldaten können nur wenig gegen die Aufständischen ausrichten. Entsprechend mitgenommen erscheint auch der Stadtkern, in dem sich kaum noch Zivilisten aufhalten – doch die wirkliche Gefahr scheint den Militärs und Dr. Mark Clyne (James Badge Dale) erst noch zu offenbaren. Denn: die zuvor entwickelten Helmkameras, die den Soldaten im Kriegsgeschehen helfen sollten; machen plötzlich einige seltsame Erscheinungen sichtbar – wobei zunächst unklar bleibt, worum genau es sich dabei handeln könnte. Nur eines ist bereits früh klar: die so flüchtig wie Rauch erscheinenden Strukturen sind nicht nur merkwürdig, sondern unter Umständen auch tödlich. So rückt das eigentliche Einsatzziel alsbald in den Hintergrund. Aber was auch immer es ist, es sollte eine Ursache dafür geben…

Kritik: Für eine reine VOD- respektive Netflix-Produktion macht SPECTRAL eine überraschend gute Figur – insbesondere was die Kulissen, die Requisiten, die Special Effects und viele weitere optisch-handwerkliche Aspekte betrifft. Auch die etablierte Spannung und Atmosphäre in Bezug auf das gezeigte Endzeit-Setting vor einem keineswegs abwegigen Kriegshintergrund weiß zu gefallen – und doch ist der Film nicht vor Problemen gefeit. Das eine ist, dass die Darsteller eher blass bleiben und die einseitig porträtierten Charaktere nur allzu oft eine merkwürdig patente Lösung für alle auftauchenden Schwierigkeiten haben – und das andere, dass die zugrundeliegende Story selbst für einen einschlägigen Science Fictioner etwas zu weit hergeholt erscheint. Auch die großzügig eingestreuten Erklärungen ändern daran nicht viel, eher im Gegenteil. So präsentiert sich SPECTRAL gerade im Hinblick auf seine eigentlichen Sci-Fi-Kernelemente von einer vergleichsweise oberflächlichen Seite, was zu dezenten Enttäuschungen führen kann. Der hohe Unterhaltungswert und die engagierte Gesamtwirkung heben den Film aber dennoch von so manch grundstupider oder allzu plump produzierter Sci-Fi-Kost der Marke Hollywood ab.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix

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„Nicht weltbewegend und vor allem inhaltlich problematisch – aber durchaus nett anzusehen, und wenn man das ein oder andere Auge zudrückt auch mit einer ordentlichen Portion Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Kill Switch“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Tim Smit
Mit: Dan Stevens, Bérénice Marlohe, Charity Wakefield u.a.
Land: Niederlande, Deutschland, USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Metaphysik | String-Theorie | Energie-Türme | Ressourcen | Zukunft

Pass lieber auf, dass Du nicht den falschen Schalter erwischst.

Inhalt: In der nahen Zukunft scheint der Energiekonzern ALTERPLEX eine bahnbrechende Entdeckung gemacht zu haben. So versprechen die Verantwortlichen, alle Energieprobleme der Erde auf einen Schlag lösen zu können – und das gänzlich ohne potentielle Nebenwirkungen. Die Tatsache, dass die Forscher beabsichtigen dafür eine Art Paralleluniversum anzuzapfen; erscheint jedoch reichlich gewagt – und ruft auch einige Kritiker auf den Plan. Als nach der Inbetriebnahme der Anlage tatsächlich einige Dinge gehörig schief laufen, soll der Physiker und Pilot Will Porter (Dan Stevens) dafür sorgen; dass die Vorrichtung wieder funktioniert – sodass er selbst in das Paralleluniversum geschickt wird, um dort einen speziellen Würfel mit neuen Programmcodes anzubringen. Zumindest glaubt er das. Doch ob der Konzern die seltsame Anlage wirklich reparieren kann oder vielleicht doch einen ganz anderen Plan verfolgt, bleibt zunächst offen…

Kritik: Wie bei Filmen mit metaphysischen Inhalten üblich, ist KILL SWITCH nicht frei von diversen Logik-Problemen – und auch die Figuren bleiben eher blass. Die annehmbare Grundidee, die überraschend effektive optische Gestaltungsarbeit inklusive einiger glücklicherweise nicht zu hektischer First-Person-Ansichten sowie die vergleichsweise dichte Atmosphäre machen den Film jedoch zu einem kleinen Sci-Fi-Geheimtipp – und das nicht nur für Gaming-Fans, die sich einstweilen an die CRYSIS-Spielereihe erinnert fühlen könnten.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Universum Film

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„KILL SWITCH mag der letzte Schliff fehlen – doch gerade in Anbetracht seines Daseins als eher unscheinbare Produktion hat er einen positiven Überraschungseffekt.“

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Filmkritik: „Killer Mountain“ (2011)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Sheldon Wilson
Mit: Emmanuelle Vaugier, Aaron Douglas, Paul Campbell u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben (gekürzte Fassung)
Genre: Science Fiction / Action / Abenteuer
Tags: Berg | Gipfel | Monster | Kreaturen | Jungbrunnen | Jagd

Da hat wohl jemand Höhenluft gekostet. Oder vielleicht doch etwas ganz anderes… ?

Inhalt: Als eine Expedition zum bisher noch nicht von Menschen bestiegenen Berg Gangkhar Puensum in Bhutan plötzlich verschwindet, wird der erfahrene Bergsteiger Ward Donovan (Aaron Douglas) angeheuert um auf Spurensuche zu gehen – und die vermissten im besten Fall wohlbehalten zurückzubringen. Doch schnell scheint es, als würde sich eine von den hiesigen Einheimischen ausgesprochene und zunächst als Unsinn abgestempelte Warnung bewahrheiten. Ihrem Wortlaut nach sollen dort oben Götter hausen, die man besser nicht erzürnen sollte – zumindest nicht, wenn einem das eigene Leben lieb ist. So kommt es, wie es kommen musste: die Crew wird alsbald von seltsamen Kreaturen angegriffen, und die ersten Opfer lassen nicht lange auf sich warten…

Kritik:: Die recht hanebüchene und wenig durchdacht erscheinende Story, die überraschend miserablen CGI-Effekte und das peinliche Overacting machen schnell klar, dass es sich bei KILLER MOUNTAIN um eine schnell realisierte TV-Produktion handelt. Eine Produktion ohne große Ansprüche – die nicht einmal dazu taugt, um im Sinne eines unfreiwillig komischen Filmabends zu unterhalten. So lässt sich der Film getrost auf eine Stufe mit den berühmt-berüchtigten Werken aus dem Hause THE ASYLUM stellen – bei denen bekanntlich ebenfalls gilt, dass man lieber die Finger von ihnen lassen sollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Syfy

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„Plump produziert und in fast jeder Hinsicht misslungen – selbst für eine TV-Produktion ist das zu wenig.“

Aufgrund der niedrigen Wertung hat sich dieser Film einen (fragwürdigen) Platz in der Liste der besten und schlechtesten Horrorfilme aller Zeiten gesichert.

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Filmkritik: „Shin Godzilla“ (2016)

Originaltitel: Shin Gojira
Regie: Hideaki Anno
Mit: Hiroki Hasegawa, Satomi Ishihara, Yutaka Takenouchi u.a.
Land: Japan
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: Godzilla | Monster | Japan | Zerstörung | Katastrophe

Da stampft er wieder.

Kurzinhalt: Als sich im Küstengebiet Japans einige seltsame Zwischenfälle ereignen, sind die Verantwortlichen schnell alarmiert. Viel mehr als der Dinge zu Harren die da noch kommen bleibt ihnen allerdings nicht übrig – denn zunächst bleibt die eigentliche Ursache unklar. Bis, ja bis die schlimmsten und als Geschwätz abgetanen Befürchtungen einiger weniger doch noch wahr werden: es scheint sich um ein gleichermaßen riesiges wie mysteriöses Seeungeheuer zu handeln. Eines, von dem man nicht genau weiß was es als nächstes vorhaben könnte – doch auch so sind die durch die Kreatur verursachten Zerstörungen enorm. Schließlich scheint sich der Organismus in spezieller Weise weiterzuentwickeln, sodass die alsbald als GODZILLA getaufte Kreatur auch an Land geht und sich bald darauf in Richtung des Landesinneren aufmacht. Neben dem Versuch, möglichst viele Informationen über die Bestie einzuholen werden eifrig Pläne geschmiedet, wie man den nicht nur massiven wirtschaftlichen Schaden hinterlassenden GODZILLA aufhalten könnte – und das im besten Fall ohne die Zivilbevölkerung zu gefährden.

Kritik: Die Japaner und ihr gleichermaßen kultiges wie heißgeliebtes GODZILLA-Franchise – es kennt kein Ende. Während man das furchteinflößende Leinwandmonster in der westlichen Welt höchstens alle paar Jahre zu Gesicht bekommt (entweder in Form von starbesetzten amerikanischen Blockbustern, oder aber durch die hie und da ausgestrahlten alten japanischen Filme), scheint die Faszination im Heimatland der ursprünglich im Jahre 1954 von Ishiro Honda ins Leben gerufenen Kreatur ungebrochen. Sicher auch, da man den Mythos GODZILLA seit jeher mit durchaus realen Ereignissen innerhalb der jüngeren japanischen Geschichte in Verbindung bringen konnte; woran auch SHIN GODZILLA nichts ändert – in Anbetracht der noch nicht allzu lange zurückliegenden Katastrophe in Fukushima sogar eher im Gegenteil. Jedoch, und diese Herausforderung galt es speziell in Bezug auf SHIN GODZILLA zu meistern – hatte das Franchise bereits mit einigen Alterserscheinungen zu kämpfen und drohte sich zumindest aus einer künstlerisch etwas gehobeneren Sicht, in einem unwiederbringlichen Maße abzunutzen. Die vielen über die Jahre gesammelten, dabei aber nicht immer besonders herausragenden Filme zum Thema erledigten hier wohl ihr übriges – sodass SHIN GODZILLA tatsächlich als eine Art Wendepunkt fungiert.

Schließlich standen die Chancen in beide Richtungen gut. Entweder, man würde das Franchise langsam aber sicher zu Grabe tragen – oder aber es doch noch einmal neu beleben. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und gewissen stilistischen Raffinessen, versteht sich – wofür in Anbetracht von SHIN GODZILLA niemand geringeres als Hideaki Anno auserkoren wurde. Vielen dürfte das japanische Ausnahmetalent aber eher nicht als Meister des Kaiju-Films geläufig sein – sondern vielmehr als Schöpfer der Anime-Serie NEON GENESIS EVANGELION und des einige Jahre später realisierten Reboots in Form von 4 neuen Filmen. Realfilme hat er zwar auch einige gedreht, doch rangieren diese eher unter ferner Liefen – wie etwa der 2004 erschienene und recht alberne Spielfilm CUTIE HONEY (siehe Review). Dass er dennoch für die Wiederbelebung des GODZILLA-Franchise auserkoren wurde hat andere Gründe – vornehmlich solche, für die man schon etwas tiefer graben muss. So hat ihn seine gleichermaßen intensive wie durchdachte Arbeit an EVANGELION durchaus für ein zumindest oberflächlich vergleichbares, so gesehen endzeitlich-apokalyptisches Szenario wie das in SHIN GODZILLA porträtierte qualifiziert. Auch die nahe Verbindung zu Kollegen wie Hayao Myazaki (Studio Ghibli), daraus resultierende Projekte wie GIANT GOD WARRIOR (siehe Artikel) und die Liebe zur traditionellen japanischen Kinotechniken – die sich in etwa im weitestgehenden Verzicht auf im Westen nur zu gern genutzte CGI-Effekte beziehen – machte ihn zu einem interessanten, ja wenn nicht dem einzigen in Frage kommenden Kandidaten.

Ob ihm das große Unterfangen auch gelungen ist, ist dagegen eine ganz andere Frage. Eine, die man wohl auch nicht ohne eine gewisse Trennung beantworten kann; denn: SHIN GODZILLA hat höchst unterschiedliche Kompetenzen – und darüber hinaus noch solche, die man hierzulande gänzlich anders bewerten oder einstufen würde als im eigentlichen Entstehungsland.

Immerhin: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk und die Art der Inszenierung sollte das Urteil schon eher eindeutig ausfallen respektive ohne das in Betracht ziehen weiterer Faktoren gefällt werden können. Anders gesagt: ob man der von Hideaki Anno verwirklichten GODZILLA-Variante optisch etwas abgewinnen kann, ist stark geschmacksabhängig. So ist es einerseits angenehm und höchst erfrischend zu sehen, dass man einen sogenannten Blockbuster auch ohne allzu teure und rein am Computer hergestellten Special Effects realisieren kann – wenn im Ausgleich dazu ein großes Augenmerk auf Handarbeit gelegt wurde. Doch während das Konzept vor allem in Bezug auf die stattfindende Panik und Zerstörung wunderbar aufzugehen scheint, fallen gerade die Ansichten der Kreatur selbst zutiefst gewöhnungsbedürftig aus. Mindestens, sollte man sagen – denn gerade der GODZILLA der ersten bzw. zweiten Evolutionsstufe sieht dank seiner unecht wirkenden Haut und der riesig-glasigen Augen alles andere als furchteinflößend aus. Eher befremdlich, was sicher auch Sinn und Zweck der Gestaltungsarbeit war – doch das letztendliche Ergebnis offenbart dann wohl doch etwas zu viel des Guten.

Ähnliches gilt auch für den weiteren mit der Kreatur verbundenem Lauf der Geschichte. Zwar sieht GODZILLA hier schon wesentlich besser und so gesehen auch wirkungsvoller aus – doch die relative Starrheit seiner Bewegungen sowie die wieder überaus künstlich erscheinenden besonderen Fähigkeiten (wie die im Westen eher nicht bekannten Energieausstöße in Form von alles zerstörenden Strahlen) sorgen eher für ein müdes Lächeln denn für eine wirkliche Atmosphäre. Das gilt hingegen nicht für den ganz und gar hervorragenden Soundtrack von Shiro Sagisu, der schon des öfteren mit Hideaki Anno zusammenarbeitete – und auch dieses Mal eine kleine Meisterleistung abliefert. Dass gerade durch die gespielten Stücke zusätzliche Seitenhiebe auf das EVANGELION-Franchise erkennbar werden, ist hier wohl nur ein i-Tüpfelchen. Während die verpflichteten Darsteller einen soliden Job machen; fällt die sonstige handwerkliche Arbeit nicht sonderlich spektakulär, aber doch weitestgehend zufriedenstellend aus. Die Wahl und Gestaltung der Schauplätze ist gelungen, die Kamera-Arbeit überzeugt durch teils gewagte aber niemals überdreht inszenierte Ansichten, die zwischengeschobenen Aufnahmen diverser Stadtansichten und der Panik der Bevölkerung erfüllen ihren Zweck.

Woran sich die Geister in Bezug auf SHIN GODZILLA scheiden werden sind aber ohnehin nicht die technischen Spezifikationen oder das zumindest dezent in Frage zu stellende handwerkliche Geschick der Verantwortlichen – sondern vielmehr die letztendliche Gewichtung des Films. Die sieht schließlich vor, dass weitaus mehr geredet als gehandelt wird – und das auf so gut wie allen Ebenen. Entsprechend ausschweifende Action-Szenen oder inhaltlich allzu rasant voranpreschende Abschnitte (bei denen eine hohe Aufmerksamkeit gefragt wäre) sollte man also keineswegs erwarten. SHIN GODZILLA ist ein ungewöhnlich politischer Film geworden, bei dem analog zu realen Bedrohungssituationen wie der in Fukushima versucht wurde; ein möglichst realistisches Porträt der handelnden Verantwortlichen zu zeichnen. So ist die Kamera stets nah am Geschehen, auch wenn nicht viel mehr geschieht als das hektische Zusammentragen von Informationen wie zum Auftakt des Films. Dementsprechend kann es durchaus vorkommen, dass mehrere Protagonisten wild durcheinander reden und dabei nicht immer sinniges respektive wichtiges von sich geben – was in Anbetracht des doch enormen Fokus auf die entsprechenden Konversationen irgendwann zu einer recht ermüdenden Angelegenheit werden kann.

Das potentielle Problem: zu einer dahingehenden Erlösung des Zuschauers kommt es nicht wirklich – selbst die wenigen Action-Szenen werden durch das Einstreuen minutiöser Planung und der Abschätzung aller erdenklichen Eventualitäten garniert. Anders gesagt: jeder, der etwas zum Thema zu sagen hat kommt auch zu Wort. Ob eine Vorgehensweise wie diese tatsächlich Vorteile mit sich bringen kann, bleibt fraglich. Fakt ist nur, dass SHIN GODZILLA gerade dadurch einen äußerst zähen Fluss bekommt, erst Recht natürlich aus der Sicht des westlichen Zuschauers. Dabei hätte es gar nicht erst ein Mehr an weiteren ellenlangen und im schlimmsten Fall substanzlosen Actionszenen sein müssen, mit denen man im Westen gerne mal etwas zu oft und aufdringlich konfrontiert wird – doch ein wenig mehr Witz oder Charme hätte man durchaus einbringen dürfen. Ja, selbst die Charaktere bleiben allesamt relativ unsympathisch und erscheinen kaum greifbar – was abermals im krassen Gegensatz zu diversen Star-Allüren der Marke Hollywood steht und grundsätzlich erfrischend ist, doch eine wie auch immer geartete Empathie entsteht so kaum. Und: dass eigentlich nur die allerletzte Szene des Films für ein wenig Aufsehen sorgt (genauer gesagt bei einer Nahaufnahme des Schwanzes des nunmehr eingefrorenen GODZILLA) und dezent auf eine der maßgeblichen Themengebiete von END OF EVANGELION verweist, ist in Anbetracht der in dieser Hinsicht kaum genutzten vorangegangenen zwei Stunden (!) fast schon ein Schlag ins Gesicht.

Mit dem Wissen um das langjährig erfolgreiche und allseits beliebte GODZILLA-Franchise, die Vorliebe für aus internationaler Sicht etwas eigen erscheinenden Stilmittel und nicht zuletzt die vergangenen Atomkatastrophen wird so vor allem eines klar: SHIN GODZILLA ist nicht nur ein zutiefst japanischer Film, sondern auch einer der fast ausschließlich für das hiesige Publikum gemacht wurde. Schlussendlich besitzt der Film so eine deutlich geringere universelle oder auch Faszinationskraft als etwa das vergleichsweise offene und prinzipiell für jedermann zugängliche EVANGELION-Franchise – sodass es äußerst wahrscheinlich ist, dass SHIN GODZILLA auf dem internationalen Markt nur wenig Erfolg haben wird. Ob das schade ist oder eine zu vernachlässigende Feststellung, muss ein jeder für sich ausmachen. Fest steht wohl nur: die Geschichten um und mit GODZILLA werden weitergehen – jetzt erst Recht.

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„Eine eher Japan-exklusive Monster-Mär mit teils gravierenden Problemen hinsichtlich der Gestaltung und der inhaltlichen Gewichtung.“

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Filmkritik: „Alien: Covenant“ (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Horror
Tags: Prometheus | Alien | Sequel | Weltraum | Isolation

Mit diesen Aliens ist nicht gut Kirschen essen.

Kurzinhalt: Eigentlich befindet sich das Forschungs- und Kolonisationsraumschiff COVENANT auf dem Weg zu einem weit entfernten Sternensystem. Ein Zwischenfall jedoch sorgt dafür, dass die Crew aus dem Kälteschlaf erwacht – und kurz darauf ein mysteriöses Notrufsignal empfängt. Da sie eine menschliche Quelle vermuten, beschließen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich könnten sie dabei auch einen bisher durch das Suchraster gefallenen Planten finden, auf dem die Menschheit fortan leben könnte – und sich die eigentlich geplante, noch einige Jahre währende Reise sparen. Auf dem Planten jedoch erwartet die Crew vor allem eines: eine verdächtige Stille, und ein damit einhergehendes ungutes Gefühl. Weiterhin scheinen sich einige Mitglieder mit einer Art Virus zu infizieren – woraufhin die Katastrophe ihren Lauf nimmt…

Kritik: Es war einmal im Jahre 2012, als ein gewisser Ridley Scott den auf die ursprüngliche ALIEN-Filmreihe aufbauenden Science Fictioner PROMETHEUS (siehe Review) auf die Leinwände brachte – und die sich rund um die furchteinflößenden Weltraum-Monster scharende Fangemeinde regelrecht spaltete. Dabei ist dem Regisseur, der schon beim eigentlichen und mittlerweile legendären Auftakt der Reihe (ALIEN aus dem Jahre 1979, Review) maßgeblich beteiligt war; ein durchaus solider Genre-Film gelungen. Einer, der sich dabei weder vor seiner direkten Konkurrenz; noch hinter den nach Teil 2 der Reihe (ALIENS aus dem Jahre 1986, Review) folgenden Sequels verstecken musste. Schließlich konnten Teil 3 (Review) und 4 (Review) den alten Geschichten tatsächlich nichts bemerkenswertes mehr hinzufügen – und wiederholten vielmehr altbekanntes in neuen Umgebungen.

Gute 15 Jahre nach dem letzten ALIEN-Teil lag es somit allein an PROMETHEUS, für eine möglichst stimmige Wiederbelebung des Franchise zu sorgen – und das im besten Fall ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und auch wenn einige das Gegenteil behaupten, scheint das Konzept von PROMETHEUS gerade in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein – trotz der sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Gefahr einer Entmystifizierung des Franchise. Doch da man den Zuschauern endlich wieder mehr als einen weiteren typischen ALIEN-Teil offerieren wollte, schien ein eben solches Wagnis unbedingt notwendig. Tatsächlich aber ist es Ridley Scott hoch anzurechnen, dass er die Gefahr zu viele Erklärungen zu machen weitestgehend umschiffte – und so gesehen eigentlich nur Handlungselemente aufgriff, die schon in den früheren ALIEN-Teilen angedeutet wurden.

PROMETHEUS behandelte damit nicht weniger als den Ursprung der Alien-Rasse, griff scheinbar ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte der Menschheit auf (wenn auch etwas plakativ und provokant) – und ließ noch mehr als genug Fragen offen. Solche, die das Filmerlebnis zwar weniger in Richtung des typischen ALIEN-Horrors ausfallen ließen – dafür aber eine umso größere Faszination für das gesamte ALIEN-Handlungsuniversum an sich entfachen konnten. Entsprechend heiß erwartet wurde somit auch der zweite Teil des wiederbelebten Franchise, der interessanterweise nicht auf den Titel PROMETHEUS 2 horcht. Doch viel wichtiger ist das ist ohnehin die Frage, ob es ALIEN: COVENANT tatsächlich schafft die angenehme Marschrichtung seines Vorgängers beizubehalten – und auch davon abgesehen ein guter Science Fiction-Film ist.

Unglücklicherweise weicht die zu Anfang gehegte Hoffnung und die Lust auf ein gutes Sequel aber schnell einer eher ernüchternden Feststellung: ALIEN: COVENANT legt schon zu Beginn ein auffällig langatmiges Tempo vor, führt eine nicht gerade markante Charakterkonstellation ein – und scheint auch sonst ein relativ ideenarmer, unspektakulärer, ja wenn nicht gar seelenloser Science Fictioner zu sein. Gründe dafür gibt es einige, wovon sich einer besonders markant auswirkt: grundsätzlich gibt es so gut wie überhaupt keinen Fortschritt in der übergeordneten Handlung, und somit auch keine spektakulären Enthüllungen oder Andeutungen wie noch in PROMETHEUS. Eben solche, die nicht unbedingt zum Nachdenken; aber doch zu einem tieferen Eintauchen in das hiesige ALIEN-Universum einladen. Eher ist das Gegenteil der Fall: vor allem alteingesessenen ALIEN-Fans werden viele der in ALIEN: COVENANT anberaumten Elemente verdächtig bekannt vorkommen.

Dabei bleibt es fraglich, was genau sich bei Ridley Scott und den anderen Verantwortlichen abgespielt hat – denn mit einer derart enttäuschenden und sich bis ins kleinste Detail erstreckenden Misere vom Schlage eines ALIEN: COVENANT konnte wohl niemand rechnen. Sicher, grundsätzlich werden einige typische Elemente der Science Fiction bedient – in Bezug auf das Roboter-Duo David und Nathan sogar recht anschaulich und interessant, wenn auch mit der Gefahr ins dezent Lächerliche abzudriften. Einige recht ästhetische Weltraum-Aufnahmen, ein paar Kamerafahrten über fremde Planeten, eine Prise Creature-Horror und sogar einen waschechten interstellaren Genozid gibt es obendrauf – analog zu einem nicht spektakulären, aber doch grundsoliden technischen Part inklusive vieler annehmbarer CGI-Sequenzen.

Das Problem ist, dass viele dieser Elemente schon in Klassikern wie in Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) behandelt wurden; und das wesentlich effektiver – und ein Film mit einem ALIEN im Titel seine Stärken hauptsächlich in anderen Bereichen suchen sollte. Gerade das ist hier aber nicht geschehen: alles, was im Sinne der Filmreihe eher als Beiwerk betrachtet werden kann (die eben genannten Aspekte beispielsweise) fallen solide aus – doch der eigentliche Kern, die eigentliche Besonderheit des Franchise verpufft fast vollständig. Natürlich ist das ärgerlich, wobei man sich nie so ganz des Gefühls erwehren kann, als sei dies so gewollt – vielleicht wurde Scott absichtlich zurückgehalten, etwa um nicht zu viel vorwegzunehmen und möglichst viele weitere Sequels zu ermöglichen. Wenn dem so wäre, könnte man immerhin die inhaltliche Stagnation nachvollziehen – wohl aber nicht einige der weiteren begangenen Fehler.

Denn: es kommt wahrlich selten vor, auch heute noch auf eine derart klischeehafte gezeichnete und kontinuierlich stumpf agierende Charakter-Riege wie die von ALIEN: COVENANT zu stoßen. Und das ist sicher nicht auf das Schauspiel der beteiligten Darsteller zurückzuführen, welches insgesamt betrachtet akzeptabel ist – sondern auf mehr als nur eine handvoll falsch getroffener Entscheidungen. Zusammenfassend könnte man auch sagen: wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Crew wie dieser läge, könnte man sich auch gleich begraben. ALIEN: COVENANT wird damit gerade in den Momenten der zwischenmenschlichen Interaktion und dem schier stupiden Handeln der meisten Protagonisten zu einer waschechten, fast schon bemitleidenswerten Lachnummer.

Schlussendlich: ALIEN:COVENANT hat weit mehr von einem ermüdenden, stellenweise sogar unfreiwillig komischen denn von einem wirklich spannenden Sequel – wobei man sich dezent an die Wirkung des vierten ALIEN-Teils erinnert fühlen könnte. Damit steht er nicht nur in einem gleichermaßen krassen wie ärgerlichen Gegensatz zu seinem erfrischenden Vorgänger – er ist auch sonst ein absolut unspektakulärer Science Fictioner, der sich zu nicht mehr als zum Vergessen eignet. Sicher ist das schade, aber: irgendwie war es in Anbetracht des immer perfideren Remake- und Sequelwahns der Marke Hollywood auch zu erwarten. Lasst sie also kommen, die nächsten Teile…


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„Noch ist Platz nach unten, aber: mit ALIEN: COVENANT beschreitet Scott einen qualitativen Abstieg von erschreckenden Ausmaßen.“

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