Filmkritik: „Killer Mountain“ (2011)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: /
Regie: Sheldon Wilson
Mit: Emmanuelle Vaugier, Aaron Douglas, Paul Campbell u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben (gekürzte Fassung)
Genre: Science Fiction / Action / Abenteuer
Tags: Berg | Gipfel | Monster | Kreaturen | Jungbrunnen | Jagd

Da hat wohl jemand Höhenluft gekostet. Oder doch etwas ganz anderes ?

Inhalt: Als eine Expedition zum bisher noch nicht von Menschen bestiegenen Berg Gangkhar Puensum in Bhutan plötzlich verschwindet, wird der erfahrene Bergsteiger Ward Donovan (Aaron Douglas) angeheuert um auf Spurensuche zu gehen – und die vermissten im besten Fall wohlbehalten zurückzubringen. Doch schnell scheint es, als würde sich eine von den hiesigen Einheimischen ausgesprochene und zunächst als Unsinn abgestempelte Warnung bewahrheiten. Ihrem Wortlaut nach sollen dort oben Götter hausen, die man besser nicht erzürnen sollte – zumindest nicht, wenn einem das eigene Leben lieb ist. So kommt es, wie es kommen musste: die Crew wird alsbald von seltsamen Kreaturen angegriffen, und die ersten Opfer lassen nicht lange auf sich warten…

Kritik:: Die recht hanebüchene und wenig durchdacht erscheinende Story, die überraschend miserablen CGI-Effekte und das peinliche Overacting machen schnell klar, dass es sich bei KILLER MOUNTAIN um eine schnell realisierte TV-Produktion handelt. Eine Produktion ohne große Ansprüche – die nicht einmal dazu taugt, um im Sinne eines unfreiwillig komischen Filmabends zu unterhalten. So lässt sich der Film getrost auf eine Stufe mit den berühmt-berüchtigten Werken aus dem Hause THE ASYLUM stellen – bei denen bekanntlich ebenfalls gilt, dass man lieber die Finger von ihnen lassen sollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Syfy

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„Plump produziert und in fast jeder Hinsicht misslungen – selbst für eine TV-Produktion ist das zu wenig.“

Hinweis: Bei dieser Rezension handelt es sich um eine auf das nötigste beschränkte Kurzfassung. Für weitere Kritiken, von denen ein Großteil in voller Textlänge gehalten ist; empfiehlt sich ein Blick auf das alphabetisch geordnete Filmarchiv des Blogs.

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Filmkritik: „Shin Godzilla“ (2016)

Originaltitel: Shin Gojira
Regie: Hideaki Anno
Mit: Hiroki Hasegawa, Satomi Ishihara, Yutaka Takenouchi u.a.
Land: Japan
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: Godzilla | Monster | Japan | Zerstörung | Katastrophe

Da stampft er wieder.

Kurzinhalt: Als sich im Küstengebiet Japans einige seltsame Zwischenfälle ereignen, sind die Verantwortlichen schnell alarmiert. Viel mehr als der Dinge zu Harren die da noch kommen bleibt ihnen allerdings nicht übrig – denn zunächst bleibt die eigentliche Ursache unklar. Bis, ja bis die schlimmsten und als Geschwätz abgetanen Befürchtungen einiger weniger doch noch wahr werden: es scheint sich um ein gleichermaßen riesiges wie mysteriöses Seeungeheuer zu handeln. Eines, von dem man nicht genau weiß was es als nächstes vorhaben könnte – doch auch so sind die durch die Kreatur verursachten Zerstörungen enorm. Schließlich scheint sich der Organismus in spezieller Weise weiterzuentwickeln, sodass die alsbald als GODZILLA getaufte Kreatur auch an Land geht und sich bald darauf in Richtung des Landesinneren aufmacht. Neben dem Versuch, möglichst viele Informationen über die Bestie einzuholen werden eifrig Pläne geschmiedet, wie man den nicht nur massiven wirtschaftlichen Schaden hinterlassenden GODZILLA aufhalten könnte – und das im besten Fall ohne die Zivilbevölkerung zu gefährden.

Kritik: Die Japaner und ihr gleichermaßen kultiges wie heißgeliebtes GODZILLA-Franchise – es kennt kein Ende. Während man das furchteinflößende Leinwandmonster in der westlichen Welt höchstens alle paar Jahre zu Gesicht bekommt (entweder in Form von starbesetzten amerikanischen Blockbustern, oder aber durch die hie und da ausgestrahlten alten japanischen Filme), scheint die Faszination im Heimatland der ursprünglich im Jahre 1954 von Ishiro Honda ins Leben gerufenen Kreatur ungebrochen. Sicher auch, da man den Mythos GODZILLA seit jeher mit durchaus realen Ereignissen innerhalb der jüngeren japanischen Geschichte in Verbindung bringen konnte; woran auch SHIN GODZILLA nichts ändert – in Anbetracht der noch nicht allzu lange zurückliegenden Katastrophe in Fukushima sogar eher im Gegenteil. Jedoch, und diese Herausforderung galt es speziell in Bezug auf SHIN GODZILLA zu meistern – hatte das Franchise bereits mit einigen Alterserscheinungen zu kämpfen und drohte sich zumindest aus einer künstlerisch etwas gehobeneren Sicht, in einem unwiederbringlichen Maße abzunutzen. Die vielen über die Jahre gesammelten, dabei aber nicht immer besonders herausragenden Filme zum Thema erledigten hier wohl ihr übriges – sodass SHIN GODZILLA tatsächlich als eine Art Wendepunkt fungiert.

Schließlich standen die Chancen in beide Richtungen gut. Entweder, man würde das Franchise langsam aber sicher zu Grabe tragen – oder aber es doch noch einmal neu beleben. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und gewissen stilistischen Raffinessen, versteht sich – wofür in Anbetracht von SHIN GODZILLA niemand geringeres als Hideaki Anno auserkoren wurde. Vielen dürfte das japanische Ausnahmetalent aber eher nicht als Meister des Kaiju-Films geläufig sein – sondern vielmehr als Schöpfer der Anime-Serie NEON GENESIS EVANGELION und des einige Jahre später realisierten Reboots in Form von 4 neuen Filmen. Realfilme hat er zwar auch einige gedreht, doch rangieren diese eher unter ferner Liefen – wie etwa der 2004 erschienene und recht alberne Spielfilm CUTIE HONEY (siehe Review). Dass er dennoch für die Wiederbelebung des GODZILLA-Franchise auserkoren wurde hat andere Gründe – vornehmlich solche, für die man schon etwas tiefer graben muss. So hat ihn seine gleichermaßen intensive wie durchdachte Arbeit an EVANGELION durchaus für ein zumindest oberflächlich vergleichbares, so gesehen endzeitlich-apokalyptisches Szenario wie das in SHIN GODZILLA porträtierte qualifiziert. Auch die nahe Verbindung zu Kollegen wie Hayao Myazaki (Studio Ghibli), daraus resultierende Projekte wie GIANT GOD WARRIOR (siehe Artikel) und die Liebe zur traditionellen japanischen Kinotechniken – die sich in etwa im weitestgehenden Verzicht auf im Westen nur zu gern genutzte CGI-Effekte beziehen – machte ihn zu einem interessanten, ja wenn nicht dem einzigen in Frage kommenden Kandidaten.

Ob ihm das große Unterfangen auch gelungen ist, ist dagegen eine ganz andere Frage. Eine, die man wohl auch nicht ohne eine gewisse Trennung beantworten kann; denn: SHIN GODZILLA hat höchst unterschiedliche Kompetenzen – und darüber hinaus noch solche, die man hierzulande gänzlich anders bewerten oder einstufen würde als im eigentlichen Entstehungsland.

Immerhin: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk und die Art der Inszenierung sollte das Urteil schon eher eindeutig ausfallen respektive ohne das in Betracht ziehen weiterer Faktoren gefällt werden können. Anders gesagt: ob man der von Hideaki Anno verwirklichten GODZILLA-Variante optisch etwas abgewinnen kann, ist stark geschmacksabhängig. So ist es einerseits angenehm und höchst erfrischend zu sehen, dass man einen sogenannten Blockbuster auch ohne allzu teure und rein am Computer hergestellten Special Effects realisieren kann – wenn im Ausgleich dazu ein großes Augenmerk auf Handarbeit gelegt wurde. Doch während das Konzept vor allem in Bezug auf die stattfindende Panik und Zerstörung wunderbar aufzugehen scheint, fallen gerade die Ansichten der Kreatur selbst zutiefst gewöhnungsbedürftig aus. Mindestens, sollte man sagen – denn gerade der GODZILLA der ersten bzw. zweiten Evolutionsstufe sieht dank seiner unecht wirkenden Haut und der riesig-glasigen Augen alles andere als furchteinflößend aus. Eher befremdlich, was sicher auch Sinn und Zweck der Gestaltungsarbeit war – doch das letztendliche Ergebnis offenbart dann wohl doch etwas zu viel des Guten.

Ähnliches gilt auch für den weiteren mit der Kreatur verbundenem Lauf der Geschichte. Zwar sieht GODZILLA hier schon wesentlich besser und so gesehen auch wirkungsvoller aus – doch die relative Starrheit seiner Bewegungen sowie die wieder überaus künstlich erscheinenden besonderen Fähigkeiten (wie die im Westen eher nicht bekannten Energieausstöße in Form von alles zerstörenden Strahlen) sorgen eher für ein müdes Lächeln denn für eine wirkliche Atmosphäre. Das gilt hingegen nicht für den ganz und gar hervorragenden Soundtrack von Shiro Sagisu, der schon des öfteren mit Hideaki Anno zusammenarbeitete – und auch dieses Mal eine kleine Meisterleistung abliefert. Dass gerade durch die gespielten Stücke zusätzliche Seitenhiebe auf das EVANGELION-Franchise erkennbar werden, ist hier wohl nur ein i-Tüpfelchen. Während die verpflichteten Darsteller einen soliden Job machen; fällt die sonstige handwerkliche Arbeit nicht sonderlich spektakulär, aber doch weitestgehend zufriedenstellend aus. Die Wahl und Gestaltung der Schauplätze ist gelungen, die Kamera-Arbeit überzeugt durch teils gewagte aber niemals überdreht inszenierte Ansichten, die zwischengeschobenen Aufnahmen diverser Stadtansichten und der Panik der Bevölkerung erfüllen ihren Zweck.

Woran sich die Geister in Bezug auf SHIN GODZILLA scheiden werden sind aber ohnehin nicht die technischen Spezifikationen oder das zumindest dezent in Frage zu stellende handwerkliche Geschick der Verantwortlichen – sondern vielmehr die letztendliche Gewichtung des Films. Die sieht schließlich vor, dass weitaus mehr geredet als gehandelt wird – und das auf so gut wie allen Ebenen. Entsprechend ausschweifende Action-Szenen oder inhaltlich allzu rasant voranpreschende Abschnitte (bei denen eine hohe Aufmerksamkeit gefragt wäre) sollte man also keineswegs erwarten. SHIN GODZILLA ist ein ungewöhnlich politischer Film geworden, bei dem analog zu realen Bedrohungssituationen wie der in Fukushima versucht wurde; ein möglichst realistisches Porträt der handelnden Verantwortlichen zu zeichnen. So ist die Kamera stets nah am Geschehen, auch wenn nicht viel mehr geschieht als das hektische Zusammentragen von Informationen wie zum Auftakt des Films. Dementsprechend kann es durchaus vorkommen, dass mehrere Protagonisten wild durcheinander reden und dabei nicht immer sinniges respektive wichtiges von sich geben – was in Anbetracht des doch enormen Fokus auf die entsprechenden Konversationen irgendwann zu einer recht ermüdenden Angelegenheit werden kann.

Das potentielle Problem: zu einer dahingehenden Erlösung des Zuschauers kommt es nicht wirklich – selbst die wenigen Action-Szenen werden durch das Einstreuen minutiöser Planung und der Abschätzung aller erdenklichen Eventualitäten garniert. Anders gesagt: jeder, der etwas zum Thema zu sagen hat kommt auch zu Wort. Ob eine Vorgehensweise wie diese tatsächlich Vorteile mit sich bringen kann, bleibt fraglich. Fakt ist nur, dass SHIN GODZILLA gerade dadurch einen äußerst zähen Fluss bekommt, erst Recht natürlich aus der Sicht des westlichen Zuschauers. Dabei hätte es gar nicht erst ein Mehr an weiteren ellenlangen und im schlimmsten Fall substanzlosen Actionszenen sein müssen, mit denen man im Westen gerne mal etwas zu oft und aufdringlich konfrontiert wird – doch ein wenig mehr Witz oder Charme hätte man durchaus einbringen dürfen. Ja, selbst die Charaktere bleiben allesamt relativ unsympathisch und erscheinen kaum greifbar – was abermals im krassen Gegensatz zu diversen Star-Allüren der Marke Hollywood steht und grundsätzlich erfrischend ist, doch eine wie auch immer geartete Empathie entsteht so kaum. Und: dass eigentlich nur die allerletzte Szene des Films für ein wenig Aufsehen sorgt (genauer gesagt bei einer Nahaufnahme des Schwanzes des nunmehr eingefrorenen GODZILLA) und dezent auf eine der maßgeblichen Themengebiete von END OF EVANGELION verweist, ist in Anbetracht der in dieser Hinsicht kaum genutzten vorangegangenen zwei Stunden (!) fast schon ein Schlag ins Gesicht.

Mit dem Wissen um das langjährig erfolgreiche und allseits beliebte GODZILLA-Franchise, die Vorliebe für aus internationaler Sicht etwas eigen erscheinenden Stilmittel und nicht zuletzt die vergangenen Atomkatastrophen wird so vor allem eines klar: SHIN GODZILLA ist nicht nur ein zutiefst japanischer Film, sondern auch einer der fast ausschließlich für das hiesige Publikum gemacht wurde. Schlussendlich besitzt der Film so eine deutlich geringere universelle oder auch Faszinationskraft als etwa das vergleichsweise offene und prinzipiell für jedermann zugängliche EVANGELION-Franchise – sodass es äußerst wahrscheinlich ist, dass SHIN GODZILLA auf dem internationalen Markt nur wenig Erfolg haben wird. Ob das schade ist oder eine zu vernachlässigende Feststellung, muss ein jeder für sich ausmachen. Fest steht wohl nur: die Geschichten um und mit GODZILLA werden weitergehen – jetzt erst Recht.

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„Eine eher Japan-exklusive Monster-Mär mit teils gravierenden Problemen hinsichtlich der Gestaltung und der inhaltlichen Gewichtung.“

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Filmkritik: „Alien: Covenant“ (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Horror
Tags: Prometheus | Alien | Sequel | Weltraum | Isolation

Mit diesen Aliens ist nicht gut Kirschen essen.

Kurzinhalt: Eigentlich befindet sich das Forschungs- und Kolonisationsraumschiff COVENANT auf dem Weg zu einem weit entfernten Sternensystem. Ein Zwischenfall jedoch sorgt dafür, dass die Crew aus dem Kälteschlaf erwacht – und kurz darauf ein mysteriöses Notrufsignal empfängt. Da sie eine menschliche Quelle vermuten, beschließen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich könnten sie dabei auch einen bisher durch das Suchraster gefallenen Planten finden, auf dem die Menschheit fortan leben könnte – und sich die eigentlich geplante, noch einige Jahre währende Reise sparen. Auf dem Planten jedoch erwartet die Crew vor allem eines: eine verdächtige Stille, und ein damit einhergehendes ungutes Gefühl. Weiterhin scheinen sich einige Mitglieder mit einer Art Virus zu infizieren – woraufhin die Katastrophe ihren Lauf nimmt…

Kritik: Es war einmal im Jahre 2012, als ein gewisser Ridley Scott den auf die ursprüngliche ALIEN-Filmreihe aufbauenden Science Fictioner PROMETHEUS (siehe Review) auf die Leinwände brachte – und die sich rund um die furchteinflößenden Weltraum-Monster scharende Fangemeinde regelrecht spaltete. Dabei ist dem Regisseur, der schon beim eigentlichen und mittlerweile legendären Auftakt der Reihe (ALIEN aus dem Jahre 1979, Review) maßgeblich beteiligt war; ein durchaus solider Genre-Film gelungen. Einer, der sich dabei weder vor seiner direkten Konkurrenz; noch hinter den nach Teil 2 der Reihe (ALIENS aus dem Jahre 1986, Review) folgenden Sequels verstecken musste. Schließlich konnten Teil 3 (Review) und 4 (Review) den alten Geschichten tatsächlich nichts bemerkenswertes mehr hinzufügen – und wiederholten vielmehr altbekanntes in neuen Umgebungen.

Gute 15 Jahre nach dem letzten ALIEN-Teil lag es somit allein an PROMETHEUS, für eine möglichst stimmige Wiederbelebung des Franchise zu sorgen – und das im besten Fall ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und auch wenn einige das Gegenteil behaupten, scheint das Konzept von PROMETHEUS gerade in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein – trotz der sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Gefahr einer Entmystifizierung des Franchise. Doch da man den Zuschauern endlich wieder mehr als einen weiteren typischen ALIEN-Teil offerieren wollte, schien ein eben solches Wagnis unbedingt notwendig. Tatsächlich aber ist es Ridley Scott hoch anzurechnen, dass er die Gefahr zu viele Erklärungen zu machen weitestgehend umschiffte – und so gesehen eigentlich nur Handlungselemente aufgriff, die schon in den früheren ALIEN-Teilen angedeutet wurden.

PROMETHEUS behandelte damit nicht weniger als den Ursprung der Alien-Rasse, griff scheinbar ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte der Menschheit auf (wenn auch etwas plakativ und provokant) – und ließ noch mehr als genug Fragen offen. Solche, die das Filmerlebnis zwar weniger in Richtung des typischen ALIEN-Horrors ausfallen ließen – dafür aber eine umso größere Faszination für das gesamte ALIEN-Handlungsuniversum an sich entfachen konnten. Entsprechend heiß erwartet wurde somit auch der zweite Teil des wiederbelebten Franchise, der interessanterweise nicht auf den Titel PROMETHEUS 2 horcht. Doch viel wichtiger ist das ist ohnehin die Frage, ob es ALIEN: COVENANT tatsächlich schafft die angenehme Marschrichtung seines Vorgängers beizubehalten – und auch davon abgesehen ein guter Science Fiction-Film ist.

Unglücklicherweise weicht die zu Anfang gehegte Hoffnung und die Lust auf ein gutes Sequel aber schnell einer eher ernüchternden Feststellung: ALIEN: COVENANT legt schon zu Beginn ein auffällig langatmiges Tempo vor, führt eine nicht gerade markante Charakterkonstellation ein – und scheint auch sonst ein relativ ideenarmer, unspektakulärer, ja wenn nicht gar seelenloser Science Fictioner zu sein. Gründe dafür gibt es einige, wovon sich einer besonders markant auswirkt: grundsätzlich gibt es so gut wie überhaupt keinen Fortschritt in der übergeordneten Handlung, und somit auch keine spektakulären Enthüllungen oder Andeutungen wie noch in PROMETHEUS. Eben solche, die nicht unbedingt zum Nachdenken; aber doch zu einem tieferen Eintauchen in das hiesige ALIEN-Universum einladen. Eher ist das Gegenteil der Fall: vor allem alteingesessenen ALIEN-Fans werden viele der in ALIEN: COVENANT anberaumten Elemente verdächtig bekannt vorkommen.

Dabei bleibt es fraglich, was genau sich bei Ridley Scott und den anderen Verantwortlichen abgespielt hat – denn mit einer derart enttäuschenden und sich bis ins kleinste Detail erstreckenden Misere vom Schlage eines ALIEN: COVENANT konnte wohl niemand rechnen. Sicher, grundsätzlich werden einige typische Elemente der Science Fiction bedient – in Bezug auf das Roboter-Duo David und Nathan sogar recht anschaulich und interessant, wenn auch mit der Gefahr ins dezent Lächerliche abzudriften. Einige recht ästhetische Weltraum-Aufnahmen, ein paar Kamerafahrten über fremde Planeten, eine Prise Creature-Horror und sogar einen waschechten interstellaren Genozid gibt es obendrauf – analog zu einem nicht spektakulären, aber doch grundsoliden technischen Part inklusive vieler annehmbarer CGI-Sequenzen.

Das Problem ist, dass viele dieser Elemente schon in Klassikern wie in Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) behandelt wurden; und das wesentlich effektiver – und ein Film mit einem ALIEN im Titel seine Stärken hauptsächlich in anderen Bereichen suchen sollte. Gerade das ist hier aber nicht geschehen: alles, was im Sinne der Filmreihe eher als Beiwerk betrachtet werden kann (die eben genannten Aspekte beispielsweise) fallen solide aus – doch der eigentliche Kern, die eigentliche Besonderheit des Franchise verpufft fast vollständig. Natürlich ist das ärgerlich, wobei man sich nie so ganz des Gefühls erwehren kann, als sei dies so gewollt – vielleicht wurde Scott absichtlich zurückgehalten, etwa um nicht zu viel vorwegzunehmen und möglichst viele weitere Sequels zu ermöglichen. Wenn dem so wäre, könnte man immerhin die inhaltliche Stagnation nachvollziehen – wohl aber nicht einige der weiteren begangenen Fehler.

Denn: es kommt wahrlich selten vor, auch heute noch auf eine derart klischeehafte gezeichnete und kontinuierlich stumpf agierende Charakter-Riege wie die von ALIEN: COVENANT zu stoßen. Und das ist sicher nicht auf das Schauspiel der beteiligten Darsteller zurückzuführen, welches insgesamt betrachtet akzeptabel ist – sondern auf mehr als nur eine handvoll falsch getroffener Entscheidungen. Zusammenfassend könnte man auch sagen: wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Crew wie dieser läge, könnte man sich auch gleich begraben. ALIEN: COVENANT wird damit gerade in den Momenten der zwischenmenschlichen Interaktion und dem schier stupiden Handeln der meisten Protagonisten zu einer waschechten, fast schon bemitleidenswerten Lachnummer.

Schlussendlich: ALIEN:COVENANT hat weit mehr von einem ermüdenden, stellenweise sogar unfreiwillig komischen denn von einem wirklich spannenden Sequel – wobei man sich dezent an die Wirkung des vierten ALIEN-Teils erinnert fühlen könnte. Damit steht er nicht nur in einem gleichermaßen krassen wie ärgerlichen Gegensatz zu seinem erfrischenden Vorgänger – er ist auch sonst ein absolut unspektakulärer Science Fictioner, der sich zu nicht mehr als zum Vergessen eignet. Sicher ist das schade, aber: irgendwie war es in Anbetracht des immer perfideren Remake- und Sequelwahns der Marke Hollywood auch zu erwarten. Lasst sie also kommen, die nächsten Teile…


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„Noch ist Platz nach unten, aber: mit ALIEN: COVENANT beschreitet Scott einen qualitativen Abstieg von erschreckenden Ausmaßen.“

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Filmkritik: „Arrival“ (2016)

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Originaltitel: Arrival
Regie: Denis Villeneuve
Mit: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 116 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Zukunft | Aliens | Außerirdische | Kontaktaufnahme

Wenn die Antworten (nicht) auf der Hand liegen.

Kurzinhalt: Als die Erde Besuch von insgesamt zwölf außerirdischen Raumschiffen in riesiger Gesteinsform bekommt, ist das Chaos und eine groß angelegte Panik vorprogrammiert. Doch es scheint, als würden die Besucher nicht in feindlicher Absicht kommen. Immerhin verhalten sie sich ruhig, und versuchen mit den Menschen zu kommunizieren – weshalb die Regierung Colonel Weber (Forest Whitaker) beauftragt, die erfahrene Linguistin Louise Banks (Amy Adams) sowie den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) ins Boot zu holen. Beide machen sich daraufhin mit höchst unterschiedlichen Erwartungen auf nach Montana – und landen in einem Camp, welches ganz in der Nähe des Landungsplatzes eines der schwebenden Schiffe liegt. Die ersten Kontaktversuche erweisen sich jedoch als schwierig. Hinzu kommt, dass die Regierungen anderer Länder ähnliche Projekte führen – sich aber offenbar schon für eine handfeste Auseinandersetzung rüsten. Dabei scheint sich nur Louise für die fremdartigen Wesen sensibilisieren zu können. Langsam aber sicher entwickelt sie ein Verständnis für die fremdartigen Kreaturen und ihre wahren Absichten…

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Kritik: Einer der überraschenderen Neuveröffentlichungen des Kinojahres 2016 horcht auf den Namen ARRIVAL. Das Science Fiction-Epos von Denis Villeneuve, der sich für sein Werk auf eine Kurzgeschichte des US-Amerikanischen Genre-Autors Ted Chiang gestützt hat; ist schließlich kein pompös angelegtes Effektspektakel – sondern ein eher ruhiges, atmosphärisches und in seinen besten Momenten dezent an INTERSTELLAR (zur Filmkritik) oder gar an 2001 – A SPACE ODSYSEE (zur Filmkritik) erinnerndes Werk. Und damit auch eines, welches einen vergleichsweise starken Fokus auf seine inhaltliche und stilistische Komponente legt – und nicht bei jedem Zuschauer gleichermaßen gut ankommen wird.

Tatsächlich dauert es auch einige Zeit, bis der Film vollständig an Fahrt aufnimmt. Zunächst gibt man sich eben doch eher formelhaft – und beweist mit der eindeutigen Fehlbesetzung von Forest Whitaker als Colonel Weber, sowie dem wenig aussagekräftigen Auftritt von Jeremy Renner als Ian Donelly überraschend wenig Fingerspitzengefühl. Und auch in Bezug auf den Soundtrack respektive die Soundkulisse des Films gibt es dezent störende Faktoren – an einigen Stellen legt es ARRIVAL einfach zu sehr darauf an, mit lauten akustischen Mitteln um Aufmerksamkeit zu buhlen. Das wirkt nicht selten arg prätentiös, was in einem deutlichen Gegensatz zu den allgemein eher zurückhaltenden optischen Aspekten steht. Anders gesagt: ARRIVAL sieht schlicht atemberaubend gut aus – und das auch ohne allzu dick aufzutragen.

Richtig stimmig wird das Bild aber erst, wenn ARRIVAL auch inhaltlich anzieht. Das geschieht vornehmlich im letzten Drittel, in dem die gesamte vorangegangene Handlung gehörig auf den Kopf gestellt wird – und der Zuschauer erstmals explizit dazu angehalten wird, mitzudenken. Im Mittelpunkt steht hierbei die Themen Kultur und Kommunikation, allerdings in einem etwas größeren Ausmaß als sonst üblich – sodass neben der sogenannten Sapir-Whorf-Hypothese (Wikipedia-Link) auch die Zeit als vierte und in diesem Fall nur vermeintlich unkontrollierbare Dimension eine Rolle spielen wird. Etwas schade bleibt, dass derlei Ambitionen vergleichsweise spät kommen, der Zuschauer nach einigen Durststrecken plötzlich überrumpelt wird – und der Film so insgesamt weniger rund wirkt als es eigentlich möglich gewesen wäre. Das gilt ansatzweise auch für das dezent halbgare Finale, bei dem man das Gefühl hatals bliebe der ein oder andere Aspekt auf der Strecke.

Immerhin: gerade Amy Adams überzeugt als eigentliche Hauptdarstellerin in der Rolle von Dr. Louise Banks – mit dem kleinen aber in Form einer etwas eingeschränkten emotionalen Bandbreite – und die intelligenten Denkanstöße vermögen es, den Zuschauer auch über die Laufzeit des Films hinaus zu beschäftigen. Ein zeitloser Paukenschlag der Science Fiction mag ARRIVAL zwar nicht geworden sein – doch um einen der angenehmeren Genre-Vertreter der letzten Jahre handelt es sich allemal.


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„Vergleichsweise substanzielle und hervorragend gefilmte Science Fiction speziell für Genre-Fans.“

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Filmkritik: „Midnight Special“ (2016)

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Originaltitel: Midnight Special
Regie: Jeff Nichols
Mit: Michael Shannon, Jaeden Lieberher, Joel Edgerton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction, Drama
Tags: Kind | Junge | Übernatürlich | Licht | Wesen | Mysteriös | Jagd

Schau mir in meine Augen, Kleiner.

Kurzinhalt: Der von seiner Frau getrennt lebende Roy (Michael Shannon) befindet sich gemeinsam mit seinem Sohn Alton (Jaeden Lieberher) auf einer Farm, deren Bewohner nach strengen religiösen Vorschriften leben. Mehr noch: offenbar glaubt ein Großteil der Gemeinde, dass der junge Alton ein ganz besonderes Kind mit speziellen Fähigkeiten ist. Mit ein Grund dafür ist ein extrem starkes Licht, welches des öfteren auf mysteriöse Weise aus seinen Augen strahlt und innerhalb einer gewissen Reichweite bestimmte Gefühle erzeugt – sowie Alton’s ebenso atemberaubende Fähigkeit, Zugang zu völlig geheimen Informationen zu erhalten. Da der hiesige Anführer der Gemeinde (Sam Shepard) Alton offenbar für seine eigenen Zwecke missbrauchen will, beschließt Roy mit seinem Sohn zu fliehen. Das gelingt ihm auch – jedoch sind ihm bald darauf nicht nur die Mitglieder der Gemeinschaft, sondern auch Spezialkräfte des FBI und der NSA auf den Fersen. Der versierte Spezialist Sevier (Adam Driver) wird zum Haupt-Verantwortlichen für den Fall, und soll mehr über Alton und seine seltsame Gaben herausfinden.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Was in erster Linie wie ein Schnäppchen-Angebot einer beliebigen Cocktail-Bar klingt, ist in Wahrheit der Titel eines brandaktuellen Mystery-Dramas aus der Feder von Jeff Nichols – einem aufstrebenden amerikanischen Drehbuchautor und Regisseur, der sich zuletzt für das Coming Of Age-Drama MUD (Review) verantwortlich zeichnete. Offenbar besitzt der Mann ein Händchen für auf den ersten Blick eher alltäglich erscheinende, bei näherem Hinsehen dann aber doch recht eigene Geschichten – sodass die Chancen, dass auch MIDNIGHT SPECIAL von seinem Fingerspitzengefühl profitieren könnte vergleichsweise gut stehen. Immerhin: wie bei MUD bringt er auch in MIDNIGHT SPECIAL einen jungen Hauptcharakter mit speziellen Eigenheiten an den Start – einen, der sich in einem zunehmend komplizierten Umfeld aus einem wachsenden Fanatismus, dem Forschungsdrang der Regierung und allerlei ungläubigem Staunen zurechtfinden muss. Trotz des übernatürlichen Story-Zusatzes und des vorgelegten Tempos ist MIDNIGHT SPECIAL aber alles andere als ein rasanter Action- oder gar Superheldenfilm – sondern vielmehr ein dramatisches Roadmovie mit Thriller-Elementen und mit einer speziellen, wenn man so will heiklen Konstellation von Charakteren. So oder so steht schnell fest: der Stoff ist ungewöhnlich, die überraschend stilvolle Inszenierung macht direkt Lust auf mehr – und MIDNIGHT SPECIAL hätte zumindest theoretisch das Zeug dazu, einer der Filme des Jahres zu werden.

Theoretisch. Der erste Dämpfer folgt jedoch sogleich, oder spätestens wenn die erste Hälfte des Films vorüber ist: MIDNIGHT SPECIAL nimmt den Zuschauer nicht wirklich an die Hand und führt ihn auf eine spannende Reise, sondern lässt ihn bis zum bitteren Ende absichtlich im Unklaren. Und das nicht unbedingt, da die Antworten auf die wichtigen Fragen des Films wenig geistreich wären – sondern schlicht, da jenes Wundern und Rätselraten an sich schon einen Großteil der Wirkung von MIDNIGHT SPECIAL ausmacht. Wenn, ja wenn man sich denn als Zuschauer darauf einlässt – und in Anbetracht der relativen Erklärungsnot nicht vorzeitig abschaltet. Immerhin: die dichte Atmosphäre des Films sollte dies eher unwahrscheinlich machen, doch wer immer neue Aha-Momente oder Enthüllungen bezüglich der Mystery-Aspekte des Films erwartet; könnte dezent enttäuscht werden. Anders gesagt: MIDNIGHT SPECIAL macht ein recht großes Aufheben um seinen Hauptcharakter, kann die somit gehegten Erwartungen (die verständlicherweise auch inhaltlicher Natur sind) aber nicht wirklich erfüllen.  Das Gefühl, dass durch Alton etwas wirklich bedeutsames oder gar die gesamte Menschheit betreffendes geschieht; entsteht jedenfalls nicht – woran auch die unterschwellig beigebrachte religiöse Symbolik inklusive eines potentiellen Verweises auf eine andere so bezeichnete Lichtgestalt (namens Jesus) nicht viel ändern können.

Neben der somit relativ wenig spannenden, künstlich hinausgezögerten Ausführung der Geschichte offenbart MIDNIGHT SPECIAL aber noch eine weitaus größere Schwäche – und die betrifft die für den Film essentiellen Charaktere. Zum einen sind hier die drei bis einstweilen vier erwachsenen Hauptprotagonisten zu nennen, die zwar noch die größte erzählerische Aufmerksamkeit bekommen – in ihren Charakterzügen aber auffallend eindimensional gezeichnet werden und in einer regelrechten emotionalen Schockstarre zu verweilen scheinen. Da hilft es auch nicht viel, dass die entsprechenden Darsteller einen guten Job respektive eine über weite Strecken niederschmetternde Miene machen; und dem Zuschauer ihre Sorgen und Nöte immer wieder einen eigentlich nicht nötigen Nachdruck verleihen. Noch ärger trifft es dann nur den vermeintlichen Hauptcharakter, oder anders gesagt den versprochenen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Alton ist nicht wie wir, das sagt schon das Filmposter  – aber was bedeutet das genau, von seinen offensichtlichen Fähigkeiten einmal abgesehen ? Was genau in ihm vorgeht, was es bedeuteten könnte dass man wie er aus der Reihe fällt (und das ist noch eine untertriebene Formulierung) wird nicht klar oder scheint nicht wirklich von Interesse. Sicher, bei mysteriös angehauchten Filmen mit eher spektakulären Hintergrund-Ideen mag das nichts wirklich neues sein. Doch dass es ausgerechnet einen Film von Jeff Nichols trifft – von dem man eigentlich hätte erwarten können dass er spätestens nach dem rundum gelungenen MUD zu einem kleinen Charakter-Spezialisten avanciert ist – schon eher.

Was MIDNIGHT SPECIAL hauptsächlich bleibt, ist seine in gewisser Hinsicht spektakuläre Inszenierung. Eine Inszenierung, die ein wenig an die bildgewaltige Eleganz eines Opus wie INTERSTELLAR erinnert – der ebenfalls mit vergleichsweise wenig Licht, dafür aber umso prägnanteren Highlights respektive Fixpunkten versehen ist. Im Unterschied zu INTERSTELLAR spielt sich MIDNIGHT SPECIAL jedoch eher im Mikrokosmos einer einzelnen Gegend, und nicht in den Weiten des Alls ab – zu sehen gibt es hauptsächlich kleinere Waldabschnitte, verlassene Straßenzüge, ein paar Gebäude und noch viel mehr Innenansichten eben jeder Aufenthaltsorte der Protagonisten. Die düsteren Bilder sind stimmig und zeichnen eine dichte Atmosphäre, die Kamerafahrten erzeugen Spannung, der Soundtrack unterstützt die mitunter apokalyptische Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die ausgesprochen vielversprechend ist und den Zuschauer trotz des inhaltlichen Leerlaufs vor allem zu Beginn des Films bei der Stange zu halten weiß. Umso enttäuschender ist dann natürlich, dass es bei einer Art Phantomspannung bleibt. Großes wird unterschwellig angekündigt, doch geht letztendlich zu viel ungenutzte Zeit ins Land. Und als es schon fast zu spät ist, schöpft man plötzlich aus dem Vollen; zumindest in Bezug auf die explizite Ausführung der Sci-Fi-Elemente – was sich ein wenig wie das berühmt-berüchtigte Brett vor dem Kopf anfühlt.

Fazit: MIDNIGHT SPECIAL hätte mit Leichtigkeit der Film des Jahres werden können. Doch es kommt wohl, wie es kommen musste – leider. Die finale Auflösung des Films als über die vielen Minuten immer wieder hintenan gestelltes Highlight verpufft fast vollständig, zumal die zuvor nur punktuell gegebenen Informationen bezüglich der Mystery-Elemente erstaunlich wenig Sinn ergeben und wichtige Emotionen auf der Strecke bleiben. Anders gesagt: auch wenn die Grundidee interessant gewesen sein mag, so wirkt sie in der letztendlichen Ausführung viel zu lückenhaft und beliebig konstruiert. MIDNIGHT SPECIAL enttäuscht damit vor allem auf hohem Niveau – das heißt in Bezug auf sein wahnwitziges, im Endeffekt aber leidlich verschenktes Potential, während er im Kern ein höchst solider Mystery-Thriller mit einer markanten Hauptfigur bleibt. Über die teils deutlichen Parallelen zu ET (Review) und ganz besonders auch KNOWING (Review) kann man dagegen hinwegsehen. Der letzte Wermutstropfen bleibt wohl, dass der junge und vielversprechende Nachwuchsdarsteller Jaeden Lieberher (u.a. ST VINCENT, Review) gut spielt – in Anbetracht der schlichten Rolle aber etwas unterfordert gewesen sein muss.

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„MIDNIGHT SPECIAL bleibt ein starker Thriller mit einer spannenden Grundidee und einer stilistisch ansprechenden Inszenierung. Schade ist nur, dass hier auch ganz locker ein Meisterwerk hätte entstehen können.“

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