Metal-CD-Review: SCHYSMA – Imperfect Dichotomy (EP, 2012)

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Alben-Titel: Imperfect Dichotomy
Künstler / Band: Schysma (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Progressive Metal
Label: Optimum Association

Alben-Lineup:

Vladimiro Sala – Gitarre
Luca Solina – Schlagzeug
Riccardo Minicucci – Gesang
Martina Bellini – Keyboard, Programming
Giorgio Di Paola – Bass

Track-Liste:

01. Lost In The Maze (06:48)
02. The Noise Of Silence (06:14)
03. Migdal (04:25)
04. Supreme Solution (05:12)
05. Sinners (06:17)

Von der Zellteilung und anderen Spaltungen.

SCHYSMA ist eine erst 2011 gegründete Bandcombo aus Italien, die mit ihrer frischen Debüt-EP IMPERFECT DICHOTOMY den großen Sprung wagt. In erster Linie – und überhaupt – ersteinmal auf die allgemeine Bildfläche des Progressive Metal-Genres. Doch möglicherweise steht der Band noch eine große Zukunft bevor. Dass sie das Zeug dazu haben, beweisen die 5 Bandmitglieder allemal auf der vorliegenden, 5 Titel starken EP – die ein interessantes thematisches Konzept vorstellt, und auch sonst gut durchdacht erscheint. Dass die Mitglieder eine gemeinsame musikalische Passion verbindet, hat hier sicher geholfen – doch gerade die Bandgründer Martina Bellini und Georgi Di Paola können als Ex-PURPLEKNIGHTS Mitglieder zusätzlich mit musikalischer Erfahrung (auch in Form von Live-Auftritten) punkten. Leadsänger Riccardo Minicucci indes ist nebenbei noch in einer weiteren italienischen Band tätig, ANANKE – die 2009 mit ihrem Debütalbum DIARY OF AN ILLUSION, einem grundsoliden Power Metal-Album für Furore sorgen konnte.

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Auf IMPERFECT DICHOTOMY aber orientieren sich alle ein wenig um – und präsentieren einen Progressive Metal, der vor allem aus der Symbiose von Keyboard-Elementen, steten Taktwechseln und kratzigen Riffs lebt. Neben dieser vielversprechenden musikalischen Ausrichtung sorgt vor allem die inhaltliche Gewichtung für Aufsehen – zweifelsohne handelt es sich bei IMPERFECT DICHOTOMY um eine der anspruchsvolleren, komplexeren und vielschichtigeren EP’s dieser Genresparte. Entsprechend düster, oder vielleicht gar dystopisch ist auch der Eindruck der entsteht, wenn man sich einen Opener wie LOST IN THE MAZE zu Gemüte führt. In wie weit man in die präsentierte Materie einsteigt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen – die Chancen sind jedenfalls gegeben. Aber auch ganz oberflächlich und durch die progressive Bandbreite überzeugen SCHYSMA – der Gitarren- und Keyboard-lastige Sound geht sofort ins Ohr, die dargebotene Abwechlung hält den Hörer durchgehend bei Laune.

Auffallend ist, dass sich die vorliegende EP im Gegensatz zu vielen anderen erst im weiteren Verlauf richtig entwickelt. So sind die ersten beiden Titel schon nicht schlecht – doch mit dem dritten im Bunde, MIGDAL, springt der dunke dann endgültig über. Eine leicht orientalisch angehauchte Einleitung markiert hier lediglich den Beginn – es folgen eher schwere, getragene Strophen; die von einem regelrecht hymnischen Refrain abgelöst werden. Einzig der Keyboardsound könnte einstweilen etwas weniger vordergründig und ausgefeilter daherkommen. SUPREME SOLUTION legt dann nochmal einen drauf und variiert mit verschiedenen Stimmungen, dass es eine wahre Freude ist. Auch SINNERS fällt recht eindringlich aus – der emotionale, leicht aggressive Gesang; das hintergründige Flüstern, der melodische Ansatz – hier stimmt einfach alles, auch wenn der Sound insgesamt vielleicht noch etwas zu roh und ungeschliffen wirkt.

Die EP hat grundsätzlich kaum Schwächen – lediglich die Produktions- und Abmischungsqualität könnte sich in Hinblick auf ein potentielles Alben-Release noch leicht verbessern. Schließlich ist es in der vorliegenden Fassung nicht immer leicht, zwischen (gewollten) Distortion-Effekten (gerade im Hinblick auf den Gesang) und möglichen Schwachpunkten in der Aufnahme oder Abmischung zu unterscheiden. Auch das Drumming könnte ruhig noch ein wenig kräftiger (und weniger ’schepprig‘) klingen, der Bass-Part expliziter in den Fokus gerückt werden. Sollten jene qualitativen Einschränkungen wegfallen, so könnten SCHYMSA tatsächlich zu einer der zukünftigen Genregrößen avancieren. Das Zeug dazu haben sie – Ideen sind ausreichend vorhanden, die Instrumente werden perfekt beherrscht, der Abwechslungsreichtum ist groß.

Anspieltipps: MIGDAL, SINNERS, SUPREME SOLUTION


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„Vielversprechende Debüt-EP“