Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Time To Change (2010)

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Alben-Titel: Time To Change
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Juli 2007
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Leviathan Records

Alben-Lineup:

Jaroslav Sedláček – Bass
Ivan Borovský – Vocals
Karel Řepecký – Guitars
Hanka Šlachtová – Keyboards, Vocals
Pavel Slíva – Guitars
Dan „Baalberith“ Jureček – Drums

Track-Liste:

1. Time to Change (05:25)
2. Eternal Moon (04:38)
3. Crusader (04:53)
4. Underworld Tale (04:16)
5. Leaving Me (05:29)
6. Dark Matter (05:35)
7. Lost Life (04:10)
8. Masters of Rock (05:40)
9. Factor Zero (04:14)
10. The Piano Time (00:43)

Veränderungen bringen nicht immer nur gutes mit sich.

TIME TO CHANGE ist das fünfte Studioalbum der tschechischen Power Metaller von SALAMANDRA – einer gerne unterschätzen und vernachlässigten Band, die bereits seit 1998 existiert und mit Alben wie SKARREMAR (Link zum Review) zumindest in kleinen Kreisen für Furore gesorgt hat. Und nun kommt ein Album wie TIME TO CHANGE daher – eines mit einem Titel, der durchaus auch hält was er verspricht. Denn: die Tschechen haben erneut eifrig an ihrem Sound geschraubt, und präsentieren sich erstmals deutlich düsterer als jemals und auf den vier anderen Studioalben zuvor.

Dabei hatten SALAMANDRA ihre eigentliche Zeit der Veränderung bereits hinter sich – der Wechsel vom damaligen Leadsänger Dalibor „Panther“ Halamiček hin zum neuen Frontmann Ivan Borovský sollte sich zumindest teilweise auf die Wirkung des letztaktuellen Albums FACES OF CHIMERA (Review) auswirken. Tatsächlich aber waren jene neuen, damit einhergehenden Eindrücke nicht so einschneidend und interessant wie die aktuelle Wandlung – die sich hauptsächlich auf die instrumentellen Strukturen und die Atmosphäre im Gesamten bezieht. So sind bereits die ersten drei Nummern des Albums vergleichsweise düstere Stampfer – die noch immer mit einigen der typischen SALAMANDRA-Trademarks daherkommen, grundsätzlich aber eine etwas andere, für die Band ungewohnte Marschrichtung vorgeben.

Analog zur etwas düstereren Soundkulisse hat man indes weitere Änderungen vorgenommen – und sich vom Aufbau der Nummern wieder eher den früheren Alben genähert, als den Kurs des leicht experimentellen und vielleicht auch anspruchsvolleren FACES OF CHIMERA weiter zu verfolgen. Der Folgen sind es dementsprechend mindestens drei. Positiv hervorzuheben ist, dass die Nummern wieder schneller zünden und die Kompositionen nicht mehr ganz so überladen wirken – doch scheint es problematisch, dass man einstweilen zu simpel vorgeht. Das wird spätestens mit den ersten der wieder etwas lockereren Nummern wie UNDERWORLD TALE oder auch FACTOR ZERO klar – Refrains wie die hier präsentierten wirken selbst für SALAMANDRA-Verhältnisse reichlich plump, und entfalten kaum noch eine nennenswerte Wirkung. Wirklich besser wird es aber auch mit den ruhigeren Nummern nicht: CRUSADER enttäuscht mit einer erstaunlich unausgereiften (und leidlich von Backgroundgesängen unterstützten) Gesangsleistung, LEAVING ME ist eine der wohl missglücktesten Power Metal-Balladen überhaupt.

Hinzu kommt, dass man ein oder zwei theoretische Probleme des Vorgängers doch noch mit auf TIME TO CHANGE transportiert hat. Die Rede ist von den des öfteren arg künstlich und leicht deplatziert klingenden Keyboard-Elementen – und den Chören. Gerade die klingen wie schiere Fremdkörper in der Gesamtkomposition – und wollen oftmals so gar nicht zum vermittelten Eindruck der restlichen Elemente passen. So gesehen sieht es nicht wirklich gut aus für TIME TO CHANGE – die Nummern mögen etwas düsterer und erwachsener wirken, doch der Schein trügt. Das Songwriting ist in diesem Fall so simpel wie noch nie ausgefallen, das Riffing und Drumming werden vom oftmals dezent aufgeblasenen Keyboardsound und den choralen Elementen in den Hintergrund gedrängt. Letztendlich bleibt so vieles an Sänger Ivan Borovský hängen – doch auch der kann nicht mehr viel reißen. Die Qualität seiner Leistung ist sogar auffälligen Schwankungen ausgesetzt, in nicht wenigen Nummern scheint er sich geradezu zu quälen. Die Lockerheit, Leichtigkeit und auch Stilsicherheit von dereinst – sie ist verschwunden.

Vielleicht war es nach einem Album wie FACES OF CHIMERA also tatsächlich an der Zeit für eine Veränderung – doch der hiermit eingeschlagene Weg hat es wohl auch nicht sein sollen. TIME TO CHANGE mag sinnige Ansätze anbieten, doch im Endeffekt wirkt das Album viel zu unausgereift. Und vor allem: viel zu simpel, was sowohl die inhaltlichen, hauptsächlich aber die musikalischen Faktoren betrifft. Dort, wo eine gewisse Zugänglichkeit und schlicht auch Einfachheit früheren Kompositionen der Band den nötigen Bumms gegeben haben (siehe TWILIGHT OF LEGENDS oder SKARREMAR), leidet TIME TO CHANGE unter einer fehlenden Kraft und Ausdrucksstärke. Zahlreiche sich negativ auswirkende Faktoren (wie die Keyboards, der Chorgesang, die viel zu minimalistische Gitarrenarbeit) sorgen dafür, dass das Album sich im besten noch einen Platz im Mittelfeld sichern kann. Wer sich für die Band interessiert oder einfach wissen möchte, was die Tschechen tatsächlich draufhaben – der sollte dringend nach ihren früheren Werken Ausschau halten.

Absolute Anspieltipps: TIME TO CHANGE


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„Das mit Abstand enttäuschendste SALAMANDRA-Album.“

Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Faces Of Chimera (2007)

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Alben-Titel: Faces Of Chimera
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 9. November 2007
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Leviathan Records

Alben-Lineup:

Jaroslav „Pišta“ Sedláček – Bass
Dan „Baalberith“ Jureček – Drums
Pavel Slíva – Guitars
Hanka Šlachtová – Keyboards, Vocals
Karel Řepecký – Guitars
Ivan Borovský – Vocals

Track-Liste:

1. The Tears of the Ocean (00:57)
2. Orion (04:56)
3. Dreams of the Fair (05:02)
4. Legacy of the Heroes (05:27)
5. Eternal Injustice (04:51)
6. Heart Full of Snow (05:58)
7. Chimera (05:22)
8. Conquest of Paradise (04:24)
9. Atlantis (06:13)
10. Requiem (04:15)
11. Fading Desires (04:07)
12. War of Evils (04:30)
13. The Last of All (04:38)

Ein Tritt in legendäre Fußstapfen.

Bis in das Jahr 2007 hinein hatte die Geschichte der tschechischen Power Metal-Formation SALAMANDRA durchaus einiges an Form angenommen. Nach dem überraschenden Debütalbum TWILIGHT OF LEGENDS (Review), dem schier überragenden SKARREMAR (Review) und dem noch immer sehr guten GREAT MORAVIAN ELEGIES (Review) folgte mit FACES OF CHIMERA dann auch schon das vierte offizielle Studioalbum der Band. Eines, das bereits in den ersten Hör-Momenten etwas anders klingt als die Vorgänger – was in diesem Fall aber nicht unbedingt daran liegt dass sich die Band weiterentwickelt oder neu ausprobiert hat. Im Gegenteil, der typische SALAMANDRA-Sound kommt auch auf dem vorliegenden Werk recht gut zum Tragen, und führt dazu dass man die Band sofort wiedererkennt – nur eben nicht in Bezug auf ein kleines Detail. Und das schimpft sich in diesem Fall Leadgesangsposten.

In der Tat sollte es nun erstmals nicht mehr Dalibor „Panther“ Halamíček sein, der das Projekt mit seiner markanten Stimme veredeln sollte – sondern Ivan Borovský. Der hatte zuvor schon in einer Band namens MORAVSKY ANDEL mitgewirkt, ist also nicht gänzlich unvorbelastet und bringt eines an Erfahrung mit – doch kann er seinem Vorgänger nicht in allen Belangen das Wasser reichen. Das wird hier besonders gut deutlich, da er auf auffallend ähnliche Stilmittel zurückgreift und seine Stimme ähnlich flexibel darzustellen versucht – dabei aber nicht das zuvor vorgelegte Niveau erreichen kann. Zwar bekommt man nach wie vor eine nette Bandbreite aus eher tiefen, rauen Gesangspassagen und Ausflügen in höhere Bereiche serviert – doch bereits die Tatsache, dass die wahnwitzigen (und stets stilsicheren) Screams von einst der Vergangenheit angehören, zeigt auf dass FACES OF CHIMERA ein wichtiger Faktor abhanden gekommen ist. Vielleicht wäre es ganz anders gekommen, hätte man einen ganz anderen Leadsänger verpflichtet – eben einen, der sich auch explizit vom Vorgänger unterscheidet; und nicht einen der ähnlich klingt aber das nötige Tüpfelchen auf dem Gesangs-i vermissen lässt.

Aber auch in den Instrumentalstrukturen gibt es dezente Änderungen. Das Schlagzeug, der Bass und die Gitarren als Grundzutaten agieren nach wie vor schön schmackig und druckvoll, zumindest einzeln betrachtet – im Mix geht das Konzept schon nicht mehr ganz so gut auf wie zuvor. Zusätzlich zu jenem leicht verwaschenen Soundeindruck gesellen sich zwei weitere potentielles Mankos hinzu: das Ausbleiben von starken Refrains und die Qualität und Abmischung der Chöre. Bereits der Opener ORION stellt diese neuen Schwachpunkte deutlich zur Schau – je weiter der Titel voranschreitet, desto diffuser und wenig effektiver gerät die Gesamtwirkung. Auch die einstweilen etwas zu gewollt klingenden Keyboard-Elemente erinnern nur noch an die früheren Glanzleistungen der Band – hier aber wurden sie etwas zu dick aufgetragen. Andere Titel wie beispielsweise LEGACY OF THE HEROES haben dagegen ganz andere Probleme – sie wollen offenbar epischer klingen als sie sind; und fallen auch durch die eher plump klingenden weiblichen Gesangseinschübe negativ auf. Das konnten SALAMANDRA doch schon viel, viel  besser – und sei es in den einst verwendeten, für reichlich  Atmosphäre sorgenden Interludien der früheren Alben. Diese wurden dieses Mal komplett gestrichen, beziehungsweise deren Inhalt in die eigentlichen Titel übernommen – ein Fehler, wie sich zeigt.

Auch die im weiteren Verlauf eingebrachten neuen Elemente, wie etwa eine deutlich aggressivere Herangehensweise des Leadsängers (beispielsweise in HEART OF SNOW) können nicht mehr viel reißen. Eher lassen sie das Album noch, man nenne es verzweifelter klingen – SALAMANDRA wollten hier definitiv etwas großes auf die Beine stellen, aber irgendwie hat es dieses Mal – und damit erstmals – nicht so ganz geklappt. Nur einige wenige Momente erinnern noch an die alten Glanzzeiten, wie etwa der Titeltrack CHIMERA – der neben einem kultverdächtigen Refrain auch gleich mit ungleich besseren Soli-Parts daherkommt. Warum nicht gleich so ? Doch davon abgesehen bietet FACES OF CHIMERA vor allem eines – leicht gehobene Power Metal-Kost der noch immer dezent erfrischenden, im Endeffekt aber mehr als unspektakulären Sorte. Man sieht, gute Einzelzutaten allein machen noch kein gutes Album.

FACES OF CHIMERA ist damit alles – nur nicht das Meisterstück der tschechischen Power Metaller von SALAMANDRA. Das vierte Studioalbum der Band schafft es kaum noch, an die durchweg glanzvollen Eindrücke der Vorgänger anzuknüpfen – was mehrere Gründe hat. Nicht alle davon werden sofort offenbar, die Tatsache dass der Leadgesangsposten neu (und vielleicht nicht ganz günstig) besetzt wurde bildet hier die wohl auffälligste Ausnahme. Alle weiteren Faktoren setzten sich aus mehren kleinen Einzelstücken zusammen; wie etwa der dieses Mal nicht ganz so günstigen Abmischung, den hier eher störenden als aufwertenden Elementen seitens der Chor- und Keyboardwarte, sowie dem Eindruck dass die Nummern einfach nicht mehr ganz so gut geschrieben wurden. Sicher, sie mögen etwas komplexer und auch abwechslungsreicher geworden sein – aber alles andere als effektiver. Das Stichwort Belanglosigkeit mag es in diesem Fall ganz gut treffen – auch wenn das reichlich schade ist, gerade in Anbetracht der doch sehr guten und teilweise sogar legendären Vorgänger.

Absolute Anspieltipps: DREAMS OF THE FAIR, ETERNAL INJUSTICE, CHIMERA, WAR OF EVILS


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„Kein schlechtes Power Metal-Album – aber eines, das dezent hinter den Eindrücken der Vorgänger zurückbleibt.“

Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Twilight Of Legends (1999)

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Alben-Titel: Twilight Of Legends
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Januar 1999
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Leviathan Records

Alben-Lineup:

Marek Lankočí – Keyboards
Dalibor „Panther“ Halamíček – Vocals
Karel Řepecký – Guitars
Pavel Slíva – Guitars
Aleš Klimša – Bass

Track-Liste:

1. Prelude (01:34)
2. With Gods On Their Side (04:14)
3. Misty Riders (05:16)
4. The Mourning (02:15)
5. Rise (04:30)
6. Royal Hearing (02:52)
7. Obstináví Animó (04:00)
8. Warriors (04:38)
9. Silent Memory (04:49)
10. War Is Over (03:26)
11. Twilight Of Legends (04:35)

Der Anbruch einer neuen Zeit ?

Es war einmal im Jahre 1999… als sich eine erst ein Jahr zuvor gegründete Power Metal-Combo erstmals zu Wort meldete. TWILIGHT OF LEGENDS lautete der Name ihres vielversprechenden Debüts – das insofern zusätzlich interessant erschien, als das SALAMANDRA als eine der wenigen Genre-Bands aus Tschechien stammen. Und tatsächlich: das hier enthaltene Material, welches in 11 Titel und in eine Gesamtspielzeit von knapp 42 Minuten gesteckt wurde; lohnt sich auch heute noch zu entdecken. Nicht nur, da SALAMANDRA sich mittlerweile tatsächlich als feste Genre-Größe etabliert haben und bereits ein Jahr nach TWILIGHT OF LEGENDS ein wahres Meisterstück als endgültigen Beweis ihrer Fähigkeiten ablieferten (SKARREMAR, Link) – sondern auch, da das frühe Schaffen von SALAMANDRA  bis heute nichts von seiner schier majestätischen Ausdruckskraft verloren hat.

Sicher, ganz so geschmeidig dargeboten ist das auf TWILIGHT OF LEGENDS präsentierte Liedgut noch nicht (zumindest nicht im Vergleich zum Nachfolger SKARREMAR) – doch zeigt es auf, welches Potential schon damals in der Band gesteckt hat. Als ersten, fast schon obligatorischen Abstrich muss man den Faktor der Produktionsqualität zu Rate ziehen – der für ein Debütalbum (übrigens unter Leviathan Records) schon recht anständig ist, aber eben noch etwas Luft nach oben lässt. Insbesondere das (leider computergesteuerte) Drumming, sowie die Abmischung der Chöre und die Lautstärke des Keyboards könnten so dezent negativ auffallen – wohingegen der handwerkliche Part, also die eigentliche Leistung der Mitglieder; keine Wünsche offen lässt. Ebenso wie die eigentlichen Titel, denen eine gewisse hymnentauglichkeit definitiv nicht abhanden kommt. Warum genau ein Release wie dieses im allgemeinen eher vernachlässigt wird, bleibt offen – zumindest braucht es die Konkurrenz zu anderen Ende der 90er-Jahre in Erscheinung getretenen Genre-Bands nicht zu scheuen.

Denn auch wenn rein Sound-technisch noch mehr drin gewesen wäre, an der Struktur der einzelnen Titel gibt es nichts zu drehen. Bereits der Opener WITH GODS ON THEIR SIDE erweist sich als überaus mächtig und druckvoll, brilliert mit einem starken Leadgesangspart – und wird durch den teils angenehmen mehrspurigen Gesang, das luftig-lockere Keyboard sowie zahlreiche Variationen aufgewertet. Jener abwechslungsreiche und unterhaltsame Anspruch ist es auch, der sich durch so gut wie alle folgenden Nummern zieht. Mal etwas härter und gradliniger wie in MISTY RIDERS (das kongeniale Keyboard-Elemente und ein majestätisches Solo enthält), mal überaus flott und mit zusätzlich epischem Einschlag wie in RISE, mal das Ganze Genre aufmischend wie in WARRIORS – stets ist eine enorme Portion Kraft mit von der Partie. Eine musikalische Kraft, die sich zweifelsohne auch auf den Hörer zu übertragen vermag, und das längst nicht nur aus Nostalgiegründen.

Der mitunter einzige potentielle Schwachpunkt sind wohl nur die sogenannten Zwischenspiele. Sei es das Intro PRELUDE mit seinem klischeebehafteten Schwerterklirren, das gesanglich etwas merkwürdig vorgetragene THE MOURNING oder das recht künstlich-gezwungen klingende ROYAL HEARING – hierbei handelt es sich um atmosphärische Einschübe die das Album auflockern sollen – die man aber erst auf SKARREMAR perfektionieren konnte. Dennoch: mit ihrem TWILIGHT OF LEGENDS lieferten die Tschechen von SALAMANDRA ein rundum gelungenes Debütalbum ab. Eines, das in gewisser Weise bereits perfekt ist – denn vor allem das Konzept und der enorme, man nenne es Vorwärtsdrang (sowohl der Band, als auch des Albums) sind beeindruckend. Lediglich die noch etwas schwachbrüstige Produktion, eine handvoll schwächerer Titel (vor allem die Interludes) und kleine Feinheiten (Chöre, Drumcomputer) verhindern eine höhere Wertung. Fans der Tschechen sollten aber in jedem Fall zuschlagen, sofern sie irgendwann einmal auf eine Rarität wie diese stoßen.

Absolute Anspieltipps: WITH GODS ON THEIR SIDE, MISTY RIDERS, RISE, SILENT MEMORY


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„Eine kleine, oftmals vergessene Metal-Perle.“

Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Imperatus (2014)

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Alben-Titel: Imperatus
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Juli 2014
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jaroslav Sedláček – Bass
Dan „Baalberith“ Jureček – Drums
Hanka Šlachtová – Keyboards
Pavel Slíva – Guitars
Václav Moch – Guitars
Jan „Hosta“ Bernátek – Vocals

Track-Liste:

1. Ave Imperator (01:44)
2. Imperatus (06:34)
3. Ancient Echoes (04:57)
4. Devil’s Apprentice (04:44)
5. Defence (03:51)
6. Fire and Ice (04:56)
7. Metal Fever (03:55)
8. Victorious (04:09)
9. The Sphinx (02:41)
10. My Worst Enemy (04:12)
11. Behind the Gate (03:52)
12. Coming Back Home (04:12)
13. Traveller from Nowhere (04:28)
14. Fool’s Story (03:36)

Nicht nur für Kriechtiere geeignet.

Herzlich willkommen zur vielleicht überraschendsten Metal-Rezension des Jahres 2014 – die umso überraschender ist, je mehr man sich zuvor mit einer Band wie SALAMANDRA auseinandergesetzt hat. Denn: es war lange Zeit still um die Tschechen geworden, von denen man zuletzt ihr durchwachsenes fünftes Studioalbum TIME TO CHANGE auf die Lauscher bekam. Das war 2010, also vor ziemlich genau 4 Jahren – und während man hie und da bereits geneigt war die Hoffnung aufzugeben, kommt nun plötzlich ein Album wie IMPERATUS daher. Aus dem Nichts, quasi unangekündigt – und dann auch noch als Independent-Release. Vermutlich wird es also dabei bleiben, dass die Band bei mancherlei Power Metal-Konsumenten als waschechter Genre-Geheimtipp fungiert – und international eher weniger Aufmerksamkeit bekommt. Dass das indes reichlich schade ist, weiß man spätestens seit dem legendären SKARREMAR von 2000 (Review) – und wer weiß, vielleicht schlägt auch das neue Album IMPERATUS in eine ganz ähnliche Kerbe.

In der Tat konnte man SKARREMAR als tschechisches Pendant zu allseits bekannten Combos wie RHAPSODY OF FIRE und Co. verstehen – der dargebotene Bombast im Sinne eines Fantasy-lastigen Konzept-Albums war ein ganz ähnlicher, wenn auch mit weniger symphonischen Elementen. IMPERATUS zieht indes keine allzu strenge Grenze, und setzt gleich auf die ganze Bandbreite des Genres. Stellvertretend hierfür steht eine in den Raum geworfene Hymne a’la METAL FEVER – die sich als überaus gelungen erweist. Schlicht, da sie deutlich anders klingt als man es von zahlreichen potentiellen Konkurrenzbands gewohnt ist. Bei SALAMANDRA darf es eben gerne auch mal etwas verspielter, variantenreicher und sicher auch fröhlicher zugehen – treffsichere, harte Riffs und raue Männer-Shouts treffen hier auf ein markant-melodisches Konstrukt das vieles garantiert – nur nicht das Aufkommen von schlechter Laune.

Tatsächlich haben SALAMANDRA nach wie vor genau hier ihre Stärken – geht es um Faktoren wie Eingängigkeit oder einen Ohrwurmcharakter, muss man mit den Tschechen rechnen. Heute offenbar mehr als je zuvor: sei es das flotte ANCIENT ECHOES mit einem feucht-fröhlichen Refrain, der nicht von ungefähr nach FREEDOM CALL klingt (Chris Bay hat hier einen Gastauftritt); das abgrundtief melodiöse DEFENCE mit einem weiteren Über-Refrain oder das hymnische VICTORIOUS – SALAMANDRA wissen genau, welche Regler sie wann und wo drehen müssen. Beziehungsweise eben nicht – denn trotz des Hymnen-Charakters und der schieren Eingängigkeit wirken die Songs alles andere als generisch oder wie schon zig-mal gehört. Somit gelingt der Band das schier unglaubliche – sie kreieren äußerst melodiöse Power Metal-Nummern mit sofortiger Wirkung, ohne dass sich eine Art Wiederholungseffekt einstellt. Damit haben sie auch der deutschen Konkurrenz schon mal eine Menge voraus; so typisch und Genre-orientiert aber eben doch frisch und eigenständig klingt kaum eine heute noch aktive Band.

Doch SALAMANDRA können nicht nur fröhlich, dass die Band über eine weitaus größere Bandbreite verfügt konnte sie schon auf den letzten Alben unter Beweis stellen. Auf IMPERATUS ist man nun aber erstmals so weit, die verschiedenen Stimmungen mit Leichtigkeit ineinander übergehen zu lassen. So finden sich im Alben-Verlauf immer wieder einige besonders markante Titel, die eine gänzlich andere Atmosphäre etablieren als die stellvertretenden gute-Laune-Hymnen des Albums. Der stampfende Titeltrack IMPERATUS wäre so eine Nummer, ohne Zweifel – hier treffen leicht orientalisch angehauchte Klänge auf eine straighte Instrumentalisierung im Midtempobereich. Ebenfalls interessant ist, dass dieses Mal sogar eine Ballade verdächtig gut abschneidet – das gefühlvolle COMING BACK HOME ist dies tatsächlich, und das ganz ohne Klischees.

Doch was wäre alles philosophieren über einzelne Titel und Elemente des Albums, wenn es da nicht noch etwas grundsätzlichere Faktoren gäbe – die das Hörvergnügen des Albums maßgeblich beeinflussen. In eine positive Richtung, wie sich zeigt. Denn: alle Mitglieder verstehen ihr Handwerk, was man nur allzu gerne hört. Wenn dann allerdings auch noch eine markante Symbiose wie die hier dargebotene erreicht werden kann – dann kann man durchaus von Perfektion sprechen. Währen das abwechslungsreiche, viel Raum einnehmende Riffing als eines der tragenden Elemente fungiert, werden die Kompositionen stets mit allerlei Raffinessen aufgewertet – und das nie in einem zu übertriebenen Maße. Seien es die Chorgesänge, die Keyboard-Einschübe – alles geschieht dezent und nie so, als wollte man von irgendetwas ablenken. Das hätten SALAMANDRA zwar ohnehin nicht nötig, doch wirkt es einfach ungleich effektiver unverbrauchte Melodien und engagiert vorgetragene Titel zu hören, als sie mit allerlei regelrechtem Soundmüll wie kürzlich auch bei DRAGONFORCE oder ALESTORM zugekleistert zu wissen.

Es bleibt, eine letzte Erwähnung in Richtung des Leadsängers loszuwerden. Zwar ist es einerseits schade, dass ein erneuter Wechsel stattgefunden hat – andererseits macht Jan „Hosta“ Bernátek seine Sache überaus gut. So gut und stimmig, dass man meint er müsste schon seit den Anfangszeiten der Band dabei gewesen sein. Demnach sind die neuen alten SALAMANDRA zurück – und das in beinahe voller Stärke. IMPERATUS ist ein mehr als gelungenes Genre-Album, das vor allem Freunde von ebenfalls eingängigen Combos wie WISDOM oder W. ANGELS CONQUEST begeistern wird – aber immer noch genügend Abwechslung bietet, um grundsätzlich alle Power Metal-Hörer in seinen Bann zu ziehen. Etwas wehmütig stimmt nur, dass das Album letztendlich doch weniger von einem Konzeptalbum hat als eventuell angenommen – nur ein Interlude wie THE SPHINX erinnert an alte Glanzzeiten a’la SKARREMAR. IMPERATUS ist vielmehr eine Zusammenstellung von hochkarätigen Hits denn ein Album mit einem spürbaren, sich vom Anfang bis zum Ende des Albums spinnenden roten Faden geworden. Das macht aber nichts – denn Spaß macht es trotzdem, oder gerade deswegen.

Absolute Anspieltipps: IMPERATUS, ANCIENT ECHOES, DEFENCE, BEHIND THE GATE, COMING BACK HOME


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„Vielleicht DAS Metal-Album des Jahres 2014.“

Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Skarremar (2000)

Alben-Titel: Skarremar
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Land: Tschechien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Leviathan Records

Alben-Lineup:

Pavel Slíva – Guitars
Daniel „Baalberith“ Jureček – Drums
Karel Repecký – Guitars
Jarda Dufek – Bass
Marek Lankočí – Keyboards
Dalibor Halamiček – Vocals

Track-Liste:

1. The Time / Go Back Through Ages
2. The Legend / Reign Of The Wicked
3. The Silence / Comes Before A Storm
4. The Today / All hope abandon
5. The Lover / A Kiss Goodbye
6. The King / Skarremar’s Pride
7. The Army / Dead End Battles
8. The Singer / Remember The Legend
9. The Traitor / Roads To Hell
10. The Coward / Hail The King
11. The Dead / Cantata Oscura (Silent Mem II)
12. The Coming / Mindnight Creatures
13. The Revenge / Legends Come True
14. The End / Freedom’s Won Back
15. The Beginning

Die Jahrtausendwende ward entsprechend zelebriert.

Bei SALAMANDRA handelt es sich interessanterweise um eine Tschechische Power Metal-Combo, die sich ganz im Stile der HOLY KNIGHTS oder RHAPSODY OF FIRE einem traditionellen Fantasy Metal widmet. Nach ihrem 1999’er Debütalbum TWILIGHT OF LEGENDS erschien schon 2000 der Nachfolger SKARREMAR, ein randvoll bepackter Fantasy-Silberling mit 15 Tracks und Interludes. Besonders auffällig ist bei diesem Release auch das Coverdesign beziehungsweise Artwork im Gesamten ausgefallen – von vorne bis hinten wird man hier geladen, an einer Reise in mystisch-fantastische Gefilde teilzunehmen.

Mit ihrem 2000’er Release SKARREMAR legen die Jungs von SALAMANDRA schon ein recht ordentliches Brett vor. Aber eben kein solches, welches einem die Sicht versperrt, im Gegenteil – der Blick wird offen für ein bisher unentdecktes Land über das es sich zweifelsohne zu berichten lohnt. Zwar ist es nicht ganz so mit Fabelwesen vollgestopft wie die Werke von RHAPSODY OF FIRE – doch gezaubert, geliebt, regiert und gestürzt wird auf SKARREMAR ebenso. So und nicht anders hat ein gutes Power Metal-Album zu klingen, wobei es im Falle von SALAMANDRA sicher nicht verkehrt wäre, ein dickes Fantasy- vor die entsprechende musikalische Kraft zu setzen.

Bereits das stimmig gehaltene Intro zeigt deutlich auf, in welche Richtung die musikalische Reise gehen würde; in eine gleichsam unbekannte (das sollte so sein bei guten Fantasy-Konzeptalben) wie zeitlose. Sicher, der Sprecher zu Beginn klingt nicht ganz so versiert wie bei RHAPSODY OF FIRE und Konsorten, aber es handelt sich hier schließlich erst um das zweite Album einer noch jungen Band. Der Weg wird nun weiter mit THE LEGEND beschritten. Oder war es REIGN OF THE WICKED… ? In der Tat setzt man auf SKARREMAR auf doppelt betitelte Tracks, sodass selbige gerne mal etwas länger werden und folglich in abenteuerlichen Konstruktionen wie THE LEGEND – REIGN OF THE WICKED münden. Doch das Konzept geht voll auf – der erste Teil ist als große Überschrift zu verstehen, der zweite als etwas spezifischere Umschreibung der jeweiligen Handlung. Das Songwriting ist ganz ausgezeichnet ausgefallen, die Texte sind einfallsreich und klingen mal so gar nicht nach Klischee oder handelsüblichen Zutaten (Fly High, To The Sky, Dragon Die und Co).

Und wie klingt so ein Titel ? Nun, im allgemeinen recht überzeugend. Ein fulminanter Scream leitet das Ganze ein, woraufhin dicke Doublebass-Gewitter und Gitarrenwichsereien vom besten Schlag losbrechen. Ebenfalls mehr als nennenswert: das Album ist zusätzlich in storyrelevante Abschnitte unterteilt, wie das folgende THE SILENCE – COMES BEFORE A STORM aufzeigt. In diesen 45 Sekunden dominiert ein ruhiges Klavier, welches noch einmal die vorangegangene Melodie aufgreift und so für einen runden Abschluss sorgt. Denn in THE TODAY – ALL HOPE ABANDON geht es schon wieder recht kraftvoll und tempofreudig zur Sache. Das Teil läuft ebenfalls gerade einmal 2.22 Minuten, sodass man recht bald im folgenden THE LOVER – A KISS GOODBYE landet. Endlich, die obligatorische Liebes-Ballade. Auch die geht, dank der ungewöhnlichen Lyrics und der besonderen Songstruktur, recht gut ins Ohr. Ein leichter Fantasy / Folkeinschlag kommt in Form einer Querflöte daher.

THE KING – SKARREMAR’S PRIDE, das müsste (dem Titel nach) doch eine weitere Hymne sein ? In der Tat. Hier dominieren abermals gute, melodische Keyboardklänge im Stile der HOLY KNIGHTS, untermalt von einer zünftigen Schlagzeuginstrumentalisierung und einem angenehmen Gesangspart. THE ARMY – DEAD END BATTLES kommt in einer ganz ähnlichen Aufmachung daher, lediglich die Instrumentalisierung fällt deutlich Metal-lastiger aus. Hier fallen besonders die fetzigen Riffs auf, sowie natürlich ein weiterer, diesmal allerdings wahrhaft umwerfender Flötenpart in der Mitte. THE SINGER – REMEMBER THE LEGEND beginnt gar mit einem wunderschönen Orgel-Intermezzo, gefolgt von der Performance einer wohlklingenden weiblichen Sopranistin. Im weiteren Verlauf verschmilzt beides zu einer episch-andächtigen Symphonie der Sinne – Bravo.

Wahrscheinlich war diese Beseelung auch nötig – denn nun geht es in eher düstere Gefilde, mit THE TRAITOR – ROADS TO HELL. Wobei, als düster sollte man den Sound von SALAMANDRA wirklich nicht bezeichnen. Grundsätzlich gehen alle Kompositionen stark nach vorn, und spielen sich auf der Sonnenseite des Metals ab. Im folgenden THE COWARD – HAIL THE KING sind es nun plötzlich die Klänge eines Dudelsacks, die das Klangbild dominieren. Zumindest zu Beginn, denn hierauf folgt eine ähnliche Songstruktur wie schon im Titel zuvor. Nicht viel neues also, aber durchaus Kost auf einem angenehmen Niveau. THE DEAD – CANTATA OSCURA klingt da schon wieder ein wenig anders, auch wenn viele Strukturen an den nunmehr etablierten, SKARREMAR-typischen Klang erinnern.

THE COMING – MIDNIGHT CREATURE trumpft mit einem schön folkigen Klang auf, ein Spinett harmoniert hier wunderbar mit einer Flöte und einigen orchestral-epischen Klängen. Ein kräftiges Interlude. Wie passend erscheint da THE REVENGE – LEGENDS COME TRUE, die Hymne des Albums. In der Tat handelt es sich hier um den vielleicht stärksten Track, den SALAMANDRA bis dato geschrieben haben. Hier werden ein erhöhtes Maß an Eingängigkeit (Refrain, Melodie) und Verspieltheit (Keyboards) vereint, was im Zusammenspiel mit den gut vorgetragenen Lyrics und der zwischen Midtempo und Uptempo wechselnden Instrumentalisierung wunderbar gelingt. Diesen Titel hätte man ruhig als Videosingle auskoppeln können – das Teil rockt, und zwar richtig. Und auf das eine Highlight folgt gleich das nächste – mit THE END – FREDDOM’S WON BACK. Und so kommt man kaum umher, die Attribuierung hinsichtlich des besten Titels des Albums gleich wieder zu verschieben. Denn diese müsste am ehesten auf dieses kleine Meisterwerk hier zutreffen. Das Outro THE BEGINNING rundet das Konzeptalbum stimmig ab.

Fazit: SALAMANDRA haben ihren eigenen Stil bereits nach einem Album gefunden – verglichen mit dem Debütalbum macht der Nachfolger SKARREMAR einen wahrhaftigen Quantensprung nach vorne. Auch hinsichtlich der Produktionsqualität; wobei: Luft nach oben bleibt natürlich trotzdem. Das haben die Jungs von RHAPSODY OF FIRE bei ihrem Zweitwerk SYMPHONY OF ENCAHTED LANDS schon besser gekonnt, beziehungsweise hatten sie in dieser Hinsicht einfach mehr Glück. Seine wahren Stärken offenbart SKARREMAR in der Instrumentenvielfalt und den genialen Keyboardpassagen, sowie den späteren beziehungsweise letzten 3-4 Titeln. Da zündet das Konzept so richtig, die Reise beginnt erstmals zu 100 % Spaß zu machen. Doch dann ist sie auch schon wieder vorbei… leider. Eines ist aber klar: SKARREMAR ist deutlich besser als sein Vorgänger, und wird bis auf weiteres das beste Album von SALAMANDRA bleiben. Wir werden sehen, wie es mit der Band weitergeht.

Anspieltipps: THE REVENGE, THE END

Vergleichsbands: THY MAJESTIE


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„Ein Silberling, der sich gut mit dem Begriff Kult vereinbaren lässt“