Metal-CD-Review: RUNELORD – The Battle For Greatness (2018)

Alben-Titel: The Battle For Greatness
Künstler / Band: Runelord (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Dezember 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ced – All instruments
Georgy Peichev – Vocals

Track-Liste:

1. Worthy Valhalla (03:45)
2. Temple of Vitalism (05:42)
3. Nidhuggs Curse (04:41)
4. Heimdall the Wizard (04:23)
5. Salvation Aggression (04:57)
6. Cunning Man (03:26)
7. Lightning-sword Bearer (03:56)
8. Frampärk Champions (03:21)
9. Age of Necromancy (05:09)
10. Deathrune (05:53)

Kampfansagen wie diese werden einfach niemals alt.

Nanu, was ist denn da los ? Gerade einmal 8 Monate, nachdem die schwedischen Power Metaller von RUNELORD ihr erstes offizielles – und dabei keinesfalls zu verachtendes – Studioalbum A MESSAGE FROM THE PAST veröffentlicht haben (siehe Review); folgt mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden THE BATTLE FOR GREATNESS auch schon der zweite Langspieler aus der hiesigen Metal-Schmiede. Einer Schmiede, die eigentlich nur aus zwei Mitgliedern besteht – die trotz der noch frischen Bandgründung von RUNELORD alles andere als Newcomer sind. Der ebenso markant agierende wie stimmkräftige Leadsänger Georgy Peichev etwa ist sonst in eher härteren Gefilden unterwegs, und singt schon seit einigen Jahren in den Thrash-Metal-Combos MOSH-PIT JUSTICE und THE OUTER LIMITS – und der bei RUNELORD überraschenderweise für alle Instrumente verantwortliche Ced (eigentlich: Cederick Forsberg) ist ein wahres Multitalent, wenn es um die Mitwirkung bei diversen anderen Combos geht. Dies gepaart mit der Tatsache, dass RUNELORD eine eher retrospektiv orientierte Combo mit einem Hang für die frühen Jahre des Heavy Metal sind; sollte eigentlich einen entsprechend angenehmen Musikgenuss garantieren.

„We are true to gods of religion, always fought for heathendom, knowing wisdom – carving runes.“

Und genau das ist – glücklicherweise – auch der Fall. Bekanntlich war schon das Debütalbum alles andere als von schlechten Eltern, und auch auf THE BATTLE FOR GREATNESS legen die beiden hauptverantwortlichen Musiker ordentlich los. Interessanterweise scheint es dabei kaum eine Rolle zu spielen dass zwischen den beiden Alben erst wenige Monate liegen: RUNELORD haben offenbar ausreichend Ideen in Petto, um sich nicht vorschnell zu wiederholen. So erwartet den Hörer auch dieses Mal ein klassisch angehauchter, eher gradliniger und explizit auf den Sound der Gitarren und die Stimme des Leadsängers Georgy Peichev ausgelegter Metal der guten alten Schule – was unter anderem auch den Wegfall eines Keyboards sowie eine deutlichere Präsenz des Bass beinhaltet. Im Zusammenspiel mit der ordentlichen Produktion entsteht so schnell das Gefühl einer, man nenne es urtümlichen Schroffheit – und durchaus auch Ehrlichkeit. Anders gesagt: das, was RUNELORD hier unter anderem auf dem Cover-Artwork versprechen, wird auch im musikalischen Sinne eingehalten. Und das ohne, dass man allzu vorhersehbare Elemente erwarten müsste; wovor andere Combos mit einem entsprechenden Fantasy-Bezug bekanntlich eher selten Halt machen. Sicherlich, auch RUNELORD haben einiges für das Genre absolut typisches im Gepäck; vor allem was die Textinhalte betrifft – aber in diesem Fall fällt dies dank einer entsprechend gut konstruierten Verpackung nicht allzu sehr auf.

„Throughout every land, men takes a stand, blessed by the gods of the universe
With minds of metal and nerves of steel, we ride into battle, we know what is real.“

Und gerade deshalb kann ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS durchaus – und im wahrsten Sinne des Wortes – mächtig klingen. Hauptsächlich dafür verantwortlich dürfte das höchst gelungene Songwriting sein, dass einen jeden einzelnen Titel sowohl enorm stilsicher erscheinen als auch mit reichlich Abwechslung daherkommen lässt – und in den richtigen Momenten (wie etwa im beschwingten NIDHUGG’S CURSE) auch eine gewisse Hymnen-Tauglichkeit nicht vermissen lässt. Wem selbst das (noch) nicht reicht, der könnte sich eventuell am relativen Schunkel-Potential von Nummern wie HEIMDALL THE WIZARD erfreuen – das dezent an BLIND GUARDIAN erinnert, und trotz aller verspielten Elemente einer gewissen Grundhärte nicht entbehrt. Doch natürlich ist auch ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS nicht gänzlich vor Schwächen gefeit. Das allein in rhythmischer Hinsicht höchst gewöhnungsbedürftige SALVATION AGGRESSION etwa macht keine wirklich gute Figur – und auch in gesanglicher Hinsicht hätte es ruhig noch etwas mehr Abwechslung (oder vielleicht auch Vielfalt) geben dürfen. Irgendwann könnte man sich was die Stimme von Georgy Peichev betrifft schließlich dezent sattgehört haben, oder anders gesagt: so markant er auch tönt, aufregende Stimm-Spagate klingen anders.

„We bring the Deathrune, total dominion, from the past, runic heavy metal forever.“

Power Metal-Konsumenten, die auf der Suche nach einem musikalisch nicht ganz so ausschweifenden und ebenso ehrlich wie bodenständig klingenden Fantasy-Album mit einem vergleichsweise unverwechselbaren Leadgesang sind; sollten aber in jedem Fall einmal genauer hinschauen – und den Recken von RUNELORD eine Chance geben.

Absolute Anspieltipps: WORTHY VALHALLA, NIDHUGG’S CURSE, HEIMDALL THE WIZARD, FRAMPARK CHAMPIONS


„Auch im überraschend schnell nachgelegten zweiten Anlauf geht das Konzept auf.“

Metal-CD-Review: RUNELORD – A Message From The Past (2018)

Alben-Titel: A Message From The Past
Künstler / Band: Runelord (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. April 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ced – All Instruments
Georgy Peichev – Vocals

Track-Liste:

1. Bloodline of the Berserk (04:29)
2. Purified Hatred (03:54)
3. The Wisdom of Steel (03:42)
4. Heathen Religion (05:07)
5. War All Against All (04:02)
6. Valkyries Eternal Winter (04:55)
7. Valhalla Within (05:28)
8. Terror in the Dungeons (04:11)
9. A Message from the Past (03:41)
10. Beyond the Epos (05:45)

Weniger ist und sind manchmal mehr.

Ja – auch ein eher gradliniger und wenn man so will schlichter Power Metal ohne großartig verzierende Schnörkel, der dazu noch eher retrospektiv orientiert ist und sich im Fahrwasser der Vorarbeit von früheren Genre-Pionieren der 80er und frühen 90er Jahre bewegt; kann einen Heidenspaß machen. Das gilt zumindest für das plötzlich aus dem Nichts aufgetauchte Zwei-Mann-Projekt RUNELORD aus Schweden – das mit A MESSAGE FROM THE PAST ihr 10 Titel starkes Debütalbum vorlegt. Um gänzlich unbeschriebene Blätter handelt es sich bei den beiden Mitgliedern allerdings nicht was man dem Album auch relativ problemlos anhört. Leadsänger Georgy Peichev konnte bereits einiges an Erfahrung bei seinen beiden anderen Bands MOSH-PIT JUSTICE sowie THE OUTER LIMITS (beide aus dem Bereich des Thrash Metal) sammeln – und Cederick Forsberg aka Ced hat gleich mehr als nur eine handvoll Bands vorzuweisen, in denen er bereits tätig war oder noch ist. So war er unter anderem auch das einzige Mitglied von BREITENHOLD, einer Ein-Mann-Combo aus dem Bereich eines Fantasy-lastigen Power Metals – bei der er nicht nur alle Instrumente selbst bediente, sondern auch den Leadgesang übernahm. Unter anderem deshalb schien er sich wohl auch dazu berufen gefühlt zu haben, im Rahmen des RUNELORD-Projektes ganz ähnlich zu agieren – und alle Instrumente selbst einzuspielen.

Auf ein Instrument verzichten er respektive RUNELORD dann allerdings doch: das Keyboard. Vermutlich aber nicht, weil Multitalent Forsberg es nicht auch noch bedienen könnte – sondern schlicht, da der klassische Genre-Sound der Combo keine zusätzlichen melodischen und im schlimmsten Fall kitschigen Ausstaffierungen vorsieht. Im Zusammenspiel mit der recht druckvollen und differenzierten Produktion (die glücklicherweise auch den Bass nicht zu kurz kommen lässt), der recht gradlinigen Marschrichtung inklusive zahlreicher Soli-Parts sowie der vergleichsweise rauen aber dennoch nicht vor dem ein oder anderen hohen Scream halt machenden Stimme von Georgy Peichev entsteht so ein recht knackiger und antreibender Eindruck – der dabei weder die nötige Härte noch eine angenehm hymnische Grundstimmung irgendwo zwischen FRETERNIA, WIZARD, MANOWAR und THE STORYTELLER (passenderweise ist Cederick Forsberg seit 2016 auch hier im Lineup) vermissen lässt. Wenn dann auch noch eine ordentliche Prise Atmosphäre hinzukommt –  wie etwa im verschwörerischen HEATHEN RELIGION, dem markant stampfenden WAR AGAINST ALL oder der schieren Über-Hymne VALKYRIES ETERNAL WINTER – stehen so gut wie alle Zeichen auf grün.

Bis es so weit ist – und das ist vermutlich auch der mitunter einzige markantere Vorwurf dem man dem Album machen kann – dauert es allerdings ein wenig. Anders gesagt: der Auftakt des Albums fällt mit dem Trio aus BLOODLINE OF THE BERSERK, PURIFIED HATRED und THE WISDOM OF STEEL rundum gelungen aus – aber eben noch nicht ganz so stark und kultverdächtig wie der spätere Verlauf. Auch die Tatsache, dass nicht wenige Titel von einem Fadeout denn von einem wuchtigen Abschluss gekrönt werden (ausgerechnet: VALKYRIES ETERNAL WINTER) könnte manche eher ärgern. Davon abgesehen müssen RUNELORD eigentlich nur noch auf zwei Dinge aufpassen: zum einen die eingespielten Sprechpassagen, die – anstatt die Atmosphäre zusätzlich zu befeuern – eher befremdlich klingen; und zum anderen auf einen sich potentiell ergebenden Wiederholungseffekt. Zwar mag der auf dem vorliegenden A MESSAGE FROM THE PAST noch nicht wirklich greifen, zumal man die Nummern noch problemlos auseinanderhalten kann und lediglich das Finale in Form des Titeltracks sowie des Rausschmeißers BEYOND THE EPOS etwas abgedroschen klingt – doch gegen ein wenig mehr Abwechslung oder wahlweise auch ein noch höheres Aufkommen von Hymnen wäre in Zukunft wohl nichts einzuwenden.

Absolute Anspieltipps: HEATHEN RELIGION, WAR AGAINST ALL, VALKYRIES ETERNAL WINTER, TERROR IN THE DUNGEONS


„Ein ebenso klassisch angehauchter wie überzeugender Genre-Einstand, erst Recht für ein Zwei-Mann-Projekt.“