Metal-CD-Review: ROYAL JESTER – Breaking The Chains (2018)

Alben-Titel: Breaking The Chains
Künstler / Band: Royal Jester (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Dezember 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ted Canevin – Drums
Calle Allard – Guitars
Christer Viklund – Guitars
Mattias Lindberg – Vocals

Track-Liste:

1. Power Metal Never Dies (04:53)
2. Here We Are (04:20)
3. Forevermore (05:01)
4. From the Ashes (04:55)
5. Long Way Home (05:19)
6. Sands of Time (05:40)
7. Lightning Strikes (02:25)
8. Cry on Forever (03:33)
9. March of the Jester (04:31)
10. Time of Our Lives (04:57)

Gefangen zwischen Himmel und Hölle.

Dass das Power Metal-Jahr 2018 zum Ende hin noch einmal ordentlich anziehen würde – und das sowohl in Bezug auf echte Highlights als auch die schiere Anzahl potentiell hochkarätiger Alben – war eigentlich abzusehen. Analog zur baldigen und hoffentlich besinnlichen Weihnachtszeit könnte es sich also durchaus lohnen, noch einmal innezuhalten – und zu versuchen einen ungefähren Überblick über all das zu erhalten, was sich dieses Jahr alles im Genre abgespielt hat. Dabei kratzt man im besten Fall natürlich nicht nur an der Oberfläche – sondern schaut auch darauf, was sich unabhängig von den ganz großen Pionieren respektive Galionsfiguren des Genres entwickelt. Oder vielleicht noch entwickeln wird – bevor es im Frühjahr 2019 mit den einigen bereits angekündigten neuen Projekten von Bands wie AVANTASIA oder RHAPSODY OF FIRE weitergeht.

So könnte man eventuell auf eine Band wie ROYAL JESTER gestoßen sein – die eigentlich schon im Jahre 2008 gegründet wurde und mit NIGHT IS YOUNG ein respektables Debütalbum abgeliefert hatte (siehe Review). Das kuriose dabei ist, dass die einst mit dem Status als vergleichsweise große Genre-Hoffnung attribuierten Schweden schon kurz nach der Veröffentlichung des besagten Debütwerks wider in der Versenkung verschwanden – und viele Jahre nichts mehr von sich hören ließen. Gut, dass die Band zwischenzeitlich noch drei Demo-Songs ins Rennen schickte (siehe hier) könnte man vielleicht noch erwähnen – doch wirklich handfest wirkte auch dieses Unterfangen nicht. Erst weitaus später, und mit der Entscheidung der Band sich ihrer Famgemeinde auf Facebook und Fund-Plattformen wie Indiegogo (siehe Link zur damaligen Spendenkampagne) zur Verfügung zu stellen; wurden einige der damaligen Probleme der Band offenbar – wobei fast schon im gleichen Atemzug die Ankündigung eines neuen Studioalbums folgte. Glücklicherweise, sollte man meinen – schließlich fühlt es sich schlicht enorm gut an, nach all der Zeit endlich wieder einen vollwertigen neuen Langspieler der königlichen Hofnarren in den Händen halten respektive auf der Festplatte haben zu können. Physikalische CD-Exemplare gibt es schließlich noch nicht – aber offenbar sind diese geplant. Die Frage ist demnach nur noch, ob ROYAL JESTER auch im Jahre 2018 noch etwas nennenswertes bis bestenfalls unverzichtbares zum Genre beizutragen haben – oder ob die Band nur noch ein Relikt aus der Vergangenheit ist.

Tatsächlich – und konträr zum durchaus vorhandenen Engagement und unbedingtem Willen der Band, noch einmal durchzustarten – stehen die durch BREAKING THE CHAINS offenbarten Zeichen dabei nicht unbedingt auf grün. Zumindest dem ersten Eindruck nach – und unter Berücksichtigung dessen, was man noch hätte besser machen können. Schließlich gibt es gleich mehrere Aspekte, die sich als störend erweisen könnten – und das natürlich umso mehr, wenn man den Vorgänger NIGHT IS  YOUNG gehört hat. Es beginnt damit, dass BREAKING THE CHAINS weitaus weniger von einem in sich stimmigen, thematisch interessanten Konzeptalbum hat als das Debütalbum der Schweden – und am ehesten als quasi-Sampler mit unabhängig voneinander funktionierenden Nummern daherkommt, von denen nicht wenige als explizite GEnre-Hymnen (POWER METAL NEVER DIES) oder die Rückkehr der Band zementierenden Lobgesängen (HERE WE ARE) inszeniert werden. Selbige klingen nicht zwangsläufig platt – sind aber letztendlich doch deutlich weniger anspruchsvoll als das, was die Band zuvor gemacht hat.

Das zweite größere Manko in und an BREAKING THE CHAINS findet sich – und das war so eigentlich nicht zu erwarten – in Bezug auf den Leadgesang von Mattias Lindberg, der auf dem Vorgänger noch wesentlich (stil-)sicherer klang. Nun aber, und mit seinen Ausflügen in deutlich tiefere Bereiche (wie eben im Opener POWER METAL NEVER DIES oder auch später in TIME OF OUR LIVES), den hörbaren Schwankungen und Wackeleien sowie der nicht selten eher ungünstigen Aussprache ergibt sich ein ganz anderes Bild. Ein mindestens gewöhnungsbedürftiges, sollte man meinen – erst Recht natürlich wenn auch noch eine vergleichsweise simple Ballade wie LONG WAY HOME vorgesehen ist, die umso stärker auf den Leadgesang fokussiert ist und dementsprechend einen recht enttäuschenden Eindruck hinterlässt. Als drittes und letztes größeres Schwäche des Albums ist zweifelsohne die Abmischungs- und Produktionsqualität festzumachen – die teilweise recht gut aufzugehen scheint, teilweise aber eben auch nicht. Schon der Opener POWER METAL NEVER DIES wird damit zu einem höchst ambivalenten Track, dem vor allem in den Strophen einiges zu fehlen scheint (inhaltlich, aber selbstverständlich auch musikalisch) – während der Refrain; man darf es ruhig sagen: einfach nur himmlisch klingt und an die guten alten ROYAL JESTER-Zeiten erinnert. Und genau das ist auch das Gefühl, welches sich durch den Rest des Albums zieht. Denn: wirklich oder gar durchgehend überzeugend klingt hier nichts, obwohl eine gute Basis vorhanden ist. So hat es selbst die Midtempo-Stampfer auf BREAKING THE CHAINS teils arg erwischt – wie etwa das alles andere als antreibende FOREVERMORE, das in so gut wie jeder Hinsicht schief klingende SANDS OF TIME oder das fast schon peinlich-kraftlose LIGHTNING STRIKES mit seiner Spielzeit von gerade einmal zweieinhalb Minuten.

Anders gesagt: es fühlt sich einerseits verdammt gut an, neues ROYAL JESTER-Material auf die Lauscher zu bekommen, zumal einige der Refrains und auch die eingestreuten Soli technisch versiert sind und einen Heidenspaß machen – doch andererseits wird die Freude durch die teils offensichtlicher Schwächen wieder deutlich geschmälert. Zu sehr geschmälert. Sollte ein weiteres Album kommen bleibt zu hoffen, dass es wieder mehr Ideen und einen insgesamt stimmigeren ROYAL JESTER-Sound an den Start bringt.

Absolute Anspieltipps: Power Metal Never Dies


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„Die hier gemeinten Ketten wurden leider nur halbherzig gesprengt. Dennoch markiert das Album eine lang erwartete Rückkehr, und sollte Fans der Combo allemal gefallen.“

 

#4TheMetal: Indiegogo-Kampagne Von ROYAL JESTER

Wie dieser Tage nicht gerade wenige Künstler haben sich nun auch die Schweden von ROYAL JESTER dazu entschlossen, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. Vornehmlich, da sich Fans der 2010 mit ihrem Debütalbum NIGHT IS YOUNG (siehe Review) durchgestarteten Power Metal-Combo schon seit längerem ein neues Album wünschen – und die Band zumindest dieses Mal auf etwaige Label-Probleme verzichten möchte. Neben der größtmöglichen Unabhängigkeit für die Band hat diese Vorgehensweise einen weiteren Vorteil: sollte die Spendenkampagne erfolgreich sein, werden alle interessierten – das heißt sogar die, die nichts gespendet haben – das neue ROYAL JESTER-Album komplett kostenlos erhalten.

Auch das Ziel von 40.000 Schwedischen Kronen, also etwa 5000 Euro scheint in diesem Falle absolut angemessen. So ist den Schweden nur zu wünschen, dass sie mit ihren Ambitionen Erfolg haben werden – auch in Bezug auf das neue Album, welches im besten Fall dort weitermacht wo man NIGHT IS YOUNG einst (und sozusagen zwangsläufig) aufgehört hatte. Alles andere wäre jedenfalls reichlich schade, und das nicht nur da die Band noch jung und frisch ist. Dass in ROYAL JESTER einiges an Potential schlummert, konnte man schließlich schon auf NIGHT IS YOUNG erahnen… der Link zur Kampagne:

https://www.gofundme.com/HelpRoyalJester

ROYAL JESTER – Lebenszeichen & Neues Demomaterial (Metal News)

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Die königlichen Hofnarren treiben endlich wieder ihr Spiel.

Es war einmal… eine schwedische Power Metal-Band, die nur ein Album veröffentlichte und danach wieder spurlos verschwand. Die Rede ist von ROYAL JESTER und dem bis heute einzigen Album der 2008 gegründeten Combo NIGHT IS YOUNG (Review). Doch nun, und nach nunmehr 3 Jahren gibt es endlich wieder ein Lebenszeichen der Band. Erst kürzlich veröffentlichten die Schweden drei brandneue Demo-Titel, die auf der offiziellen Soundcloud-Webseite der Jungs zu hören sind (Link). Der bisher markanteste Anspieltipp: das epische, und typisch melodiöse ONE DAY. Bleibt zu hoffen, dass die Band tatsächlich und in alter Stärke zurückkehrt – und man schon bald ein neues Album in den Händen halten kann. Das bisherige Material lässt jedenfalls darauf schließen, dass es den Schweden nicht an Ideen mangelt…

Metal-CD-Review: ROYAL JESTER – Night Is Young (2010)

Land: Schweden – Genre: Melodic Power Metal

1. Night Is Young – 9/10
2. Born Again – 6/10
3. Wings Of Tomorrow – 9/10
4. The New Order – 5/10
5. Enter The Mist – 7/10
6. Royal Jester – 10/10
7. Vile Smile – 6/10
8. The King Has Fallen – 8/10
9. If You Were Mine – 9/10
10. Age Of Terror – 6/10

Mattias Lindberg – (Vocals), Karl Allard (Gitarre), Ted Nilsson (Drums) und Christer Viklund (Gitarre) sind… Royal Jester aus Schweden. Wie sehnsüchtig habe ich auf dieses erste Album der Jungs gewartet – nachdem erste Hörproben bei Youtube und Co auftauchten, und ich das Albumcover und das dahinterstehende Konzept zumindest erahnen konnte. The Night Is Young beinhaltet 10 Tracks, wobei der Titel offensichtlich Programm ist. Das erste Album, noch relativ junge Bandmitglieder… und frische, energiegeladene Songs; die mit Sicherheit nicht perfekt sind. Doch, ich schätze dieses Erstlingswerk dennoch – und einige Titel haben sich gar zu echten Dauerbrennern etabliert.

Stichwort Dauerbrenner: „Schuld“ daran sind auch die sehr eingängigen Refrains und die Stimme des Leadsängers. Wenn die ersten Töne des Openers The Night Is Young erklingen, so fühlt man sich irgendwie sofort wohl im Universum des „königlichen Hofnarren“. Stücke wie Born Again kommen schon wesentlich schwerer und getragener daher, und es wird ausserdem mit ein wenig mit der Stimme des Sängers… experimentiert. Er versucht stellenweise, etwas tiefer zu singen – wobei die Stimmenakrobatik hier noch nicht so ausgereift zu sein scheint. Bitte bei dem bleiben, was man gut kann ! So zu hören beispielsweise bei folgendem Track, Wings Of Tomorrow, der erneut mit einem sehr eingängigen Refrain besticht. Und natürlich mit einem konstanten, jugendlich anmutenden Gesang. Für Abwechslung sorgen etwas langsamere Passagen, die wiederum durch kurze aber heftige Double-Bass Attacken abgelöst werden. Stichwort Melodie: daran müssen die Jungs unbedingt noch etwas feilen. Denn Titel wie The New Order oder Enter The Mist weisen bereits ein gewisses Potential auf, doch klingen insgesamt eher etwas eintönig und öde.

Doch Fans des gern so genannten „Cheesy-Power-Metal“ werden doch noch belohnt. Klar zähle auch ich mich dazu, weshalb ich den Titel Royal Jester immer wieder gern verköstige. Das Problem ist nur – wie auch bei einigen anderen Tracks – es wird zu schnell „gestartet“ ! Nämlich quasi inmitten eines Double-Bass Gewitters – hier hätte ich sich langsam aufbauende Songs eher favorisiert. Doch der Refrain (beziehungsweise auch der Weg dahin) entschädigt einen dann doch noch, einer der gelungensten Tracks des Albums ! Natürlich auch hier wieder mit gewissen Klischees (Deep in the night, as the star shines so bright) – aber gerade diese Passage ist wundervoll gesungen.

Die folgenden Titel betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Während Vile Smile meiner Meinung nach auch etwas öde daherkommt, ist The King Has Fallen wieder eine kleine (Anti-)Hymne mit einfachem, aber interessantem Text. If You Were Mine ist ein weiterer Geheimtipp, auch wenn der Titel eher in Richtung „Liebesschnulze“ abzudriften scheint. Mir gefällt er – ebenso wie die enthaltenen Aussagen. Age Of Terror… nun ja, nicht wirklich ein gelungener, „runder“ Abschluss für das Album… sei’s drum. Man sollte eben kein 100%tig ausgefeiltes, versiertes Album erwarten – dafür sind die Jungs noch zu unerfahren und – anscheinend – noch in einer kleinen Experimentierphase. Der Spagat hin zu einem ersten Studioalbum gelingt also nur bedingt. Dennoch ist das Album absolut empfehlenswert.

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