Metal-CD-Review: RIOT V – Armor Of Light (2018)

Alben-Titel: Armor Of Light
Künstler / Band: Riot V (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. April 2018
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Todd Michael Hall – Vocals
Mike Flyntz – Guitars
Nick Lee – Guitars
Don Van Stavern – Bass
Frank Gilchriest – Drums

Track-Liste:

1. Victory (04:40)
2. End of the World (05:09)
3. Messiah (04:20)
4. Angel’s Thunder, Devil’s Reign (04:40)
5. Burn the Daylight (04:47)
6. Heart of a Lion (03:52)
7. Armor of Light (04:36)
8. Set the World Alight (04:52)
9. San Antonio (03:49)
10. Caught in the Witches Eye (04:56)
11. Ready to Shine (05:00)
12. Raining Fire (04:45)

Und es donnert wieder.

Es war einmal im Jahre 1988 – als eine bis dato eher unscheinbare US-Metal-Combo der damals noch nicht wirklich großen Power Metal-Welt einen wichtigen Dienst erwies, und mit THUNDERSTEEL (siehe Review) eines der auch oder gerade heute noch kultigsten Genre-Alben längst vergangener Tage auf den Markt brachte. Was darauf folgte, ist Geschichte – und führte analog zu den zahlreichen internen Neuaufstellungen, bei denen sich so manche (Alt-)Stars die Hände schüttelten; zum heutigen Erfolgsstatus und Bekanntheitsgrad von RIOT V. Und auch wenn inzwischen keines der eigentlichen Gründungsmitglieder mehr an Bord ist (Gitarrist Nick Lee beispielsweise stieß erst kürzlich dazu, wie auch der neue und durch seine Mitwirkung bei JACK STARR’S BURNING STARR bekannte Frontmann Todd Michael Hall), sind die Amerikaner noch lange nicht müde.

Eher scheint das Gegenteil der Fall, denn mit dem erstmals über Nuclear Blast erscheinenden ARMOR OF LIGHT legen die Jungs nicht nur ihr mittlerweile 16.tes Studioalbum vor (das in der optionalen 2-CD-Edition einige hochkarätige Live-Aufnahmen bereithält) – sondern auch eines, dass man in so mancherlei Hinsicht als erfrischend bezeichnen könnte. Zwar nicht in jeder, aber der zumindest der Ersteindruck hätte kaum besser ausfallen können. Anders gesagt: ARMOR OF LIGHT sprüht nur so vor Energie und beschwingter Spielfreude, besitzt ein recht großes Hymnen-Potential; und sollte dem geneigten Genre-Konsumenten runtergehen wie Öl. Dass die insgesamt 12 neuen Titel so gut funktionieren respektive klingen liegt dabei aber nicht nur an der eigentlich genau so erwarteten, absolut tadellosen Leistung von Todd Michael Hall und seinen Kollegen – sondern in weiten Teilen auch an den Abmischungs- und Produktionsfaktoren, für die sich der Amerikaner Chris Collier verantwortlich zeichnet. Fest steht: dafür, dass er offenbar noch nicht lange im Geschäft ist; klingt das Endprodukt schon recht ordentlich.

Trotz der ansehnlichen Zahl der somit entstandenen, im Großen und Ganzen problemlos wirksamen Genre-Hymnen gibt es dann aber dennoch ein Problem – oder vielleicht auch zwei. So war es sicher nicht unbedingt zu erwarten, dass sich die eben erwähnten (und dabei grundsätzlich positiv zu bewertenden) Faktoren in Bezug auf die Inszenierung von ARMOR OF LIGHT auch negativ auswirken könnten – was sich in diesem Fall in einem hie und da zu bemerkenden, schlicht etwas zu sauberen und / oder glatten Klangeindruck äußert. Zumal man auch hinsichtlich des Songwritings nicht allzu viel unternimmt um die recht gradlinige und kantenlose Gangart des Albums zu konterkarieren – die Strukturen sind stets klar (oder wahlweise auch vorhersehbar), wirkliche Ausreißer oder Momente, die einen entweder zum bedächtigen Innehalten oder zum staunenden Aufhorchen anhalten; gibt es nicht. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der zweite potentielle Schwachpunkt von ARMOR OF LIGHT in beinahe dieselbe Kerbe schlägt.

Schließlich erfinden RIOT V hier weder das Rad neu, noch sorgen sie für wirklich nachhaltige oder gar einzigartig-kultverdächtige Momente. Einstweilen scheint es sogar so, als würde man sich nur allzu explizit auf vergangenes respektive bereits erreichtes besinnen – wofür sich eingie Beispiele finden. Der Auftakt (eigentlich sogar nicht nur der) zu MESSIAH etwa erinnert stark an die Gangart und Atmosphäre von THUNDERSTEEL, der Beginn von HEART OF A LION an das glorreiche FLIGHT OF THE WARRIOR. Ein gewisser Wiederholungs-Effekt lässt sich jedenfalls kaum verhelen – was man der Band unter Umständen noch als Treuebonus anrechnen könnte, aber natürlich nur im besten Fall. Dass RIOT V dann ausgerechnet im nicht auf der Standard-Edition enthaltenen Bonustrack UNBELIEF ein überaus starkes, dem Album eine weitere interessante Facette verleihendes Intermezzo abfeiern – und das in einem wunderbar stampfenden Midtempo inklusive einer äußerst prägnanten Arbeit des Bass – ist dann ebenfalls dezent ärgerlich.

Den Konsumenten der regulären Edition bleibt damit vor allem ein Besinnen auf die einerseits für das Genre typischen, andererseits recht gut aufgehenden und schlagkräftigen Hymnen – wie etwa schon zum Alben-Auftakt in Form des kriegerischen Trios aus VICTORY, END OF THE WORLD und MESSIAH; sowie natürlich dem späteren HEART OF A LION oder dem Titeltrack ARMOR OF LIGHT. Auch hier gibt es ein wenig Abwechslung, etwa mit dem lockeren und dezent an die CRYSTAL EYES erinnernden SET THE WORLD ALIGHT oder dem deutlich langsameren (aber eben auch nicht gerade spektakulären) CAUGHT IN THE WITCHES EYE. Insgesamt ist damit vornehmlich zweierlei festzustellen: zum einen, dass sich der eingangs attestierte Ersteindruck hinsichtlich einer Erfrischung leider nicht auf gänzlich allen Ebenen bestätigen kann – und zum anderen, dass RIOT V dennoch und wieder einmal ein rundum solides bis überdurchschnittlich starkes Genre-Album gelungen ist. Sicher keines, dass einen ähnlichen Kultstatus erreichen wird wie einst THUNDERSTEEL; dafür hätte es noch etwas mehr Ecken und Kanten gebraucht – aber dennoch seine Daseinsberechtigung in einem bis dato noch nicht ganz so spektakulären Metal-Frühjahr 2018 hat. Fans der Amerikaner können – und sollten – in jedem Fall bedenkenlos zuschlagen.

Absolute Anspieltipps: VICTORY, MESSIAH, ANGELS THUNDER DEVILS REIGN, SET THE WORLD ALIGHT


„Das von der Band präsentierte Können ist (immer noch) ebenso groß wie der sich durch ARMOR OF LIGHT zweifelsohne ergebende Spaß- und Unterhaltungsfaktor.“

Metal-CD-Review: RIOT – Thundersteel (1988)

Alben-Titel: Thundersteel
Künstler / Band: Riot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1988
Land: USA
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: CBS Associated Records

Alben-Lineup:

Tony Moore – Vocals
Mark Reale (R.I.P. 2012) – Guitars
Don Van Stavern – Bass
Bobby Jarzombek – Drums
Mark Edwards – Drums

Track-Liste:

1. Thundersteel (03:49)
2. Fight or Fall (04:25)
3. Sign of the Crimson Storm (04:40)
4. Flight of the Warrior (04:17)
5. On Wings of Eagles (05:41)
6. Johnny’s Back (05:32)
7. Bloodstreets (04:39)
8. Run for Your Life (04:08)
9. Buried Alive (Tell Tale Heart) (08:55)

Der frühe Vogel fängt den Wurm.

THUNDERSTEEL ist das 1988 erschienene, zum damaligen Zeitpunkt sechste offizielle Studioalbum der US-Amerikanischen Heavy- und Power Metaller von RIOT. Fakt ist: bei der bereits im Jahre 1975 (!) gegründeten Combo handelt es sich zweifelsfrei um eine der wohl frühesten Genre-Institutionen, die sich für eine jahrzehntelang währende Schaffensperiode großartiger Musik verantwortlich zeichnet. Und mehr noch: zusammen mit anderen frühen Pionieren des Genres wie etwa JUDAS PRIEST, MANILLA ROAD, RAINBOW, DIO oder IRON MAIDEN haben erst Musiker wie die von RIOT dafür gesorgt, dass der Weg für ein weltweites musikalisches Phänomen geebnet wurde. Eines, dass sich spätestens in der Mitte der 80er Jahre durch eine dezente Abspaltung vom übergeordneten Genre des Heavy Metal festigte – und heute gemeinhin als Power Metal bekannt ist. Entsprechend interessant und dabei eine fast schon andächtig anmutende Erfahrung ist demnach ein Genuss der ersten, klar mit einem wichtigen Wegbereiter-Status zu versehenden Alben – wie etwa das vorliegende THUNDERSTEEL mit seinen 9 enthaltenen Titeln. Zwar machten die Jungs von RIOT auch schon vorher gute Musik mit entsprechenden Metal-Qualitäten – doch erst mit THUNDERSTEEL gelang ihnen der bis dato wohl markanteste Rundumschlag.

Gründe dafür gibt es einige – wobei der vordergründigste schlicht darin besteht, dass das Album eine erstaunlich gute musikalische Figur macht. Und: dass es über die Jahre nichts von seiner Wirkungskraft eingebüßt hat. Im Gegenteil, im Zusammenspiel mit dem teils enorm hymnischen Faktor und der klassischen Ausrichtung inklusive eines jeweils ausgeprägten Fokus auf die Gitarren, den Bass und die Drums kann das auf THUNDERSTEEL enthaltene Material eine fast schon hypnotische Wirkung etablieren – zumindest wenn man dem übergeordneten Genre des Heavy Metal allgemein zugetan ist und nichts gegen eine Portion ehrlich-ungekünstelter Musik mit überzeugender Handarbeit einzuwenden hat. Die schon damals von den Mitgliedern erbrachten Leistungen sprechen jedenfalls Bände – wobei nicht nur der markante Leadgesang von Tony Moore gewisse Vorbild-Funktionen für später aufkommende Genre-Combos übernahm. So ist es immer wieder eine interessante Erkenntnis, dass sich einige Kollegen mehr oder weniger offensichtlich von einem Album wie THUNDERSTEEL haben inspirieren lassen – wie etwa die CRYSTAL EYES, die auf ihrem hervorragenden 1999’er Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) eine ganz ähnlich-klassische Marschrichtung eingeschlagen haben.

Und so kann man kaum anders als Nummern wie den schmackigen Opener und Titeltrack THUNDERSTEEL, das hymnische FIGHT OR FALL, das melodische FLIGHT OF THE WARRIOR (hier werden die Parallelen zu CRYSTAL EYES überdeutlich), das schier majestätische ON WINGS OF EAGLES oder das launige JOHNNY’S BACK einfach nur zu genießen. Selbst die potentiell kritischen Momente sind in diesem Fall keine: die etwas ruhigeren Titel SIGN OF THE CRIMSOM STORM und BLOODSTREETS bilden eine perfekte und äußerst Gitarren-intensive Alternative zu gemeinhin obligatorischen Balladen mit Kitsch-Gefahr, und der vergleichsweise überlange Rausschmeißer BURIED ALIVE wirkt dank seiner atmosphärischen Inszenierung alles andere als langatmig. Explizite schwache Momente hat das Album so keine – lediglich das flotte, aber mit einem etwas ungünstigen Refrain versehene RUN FOR YOUR LIFE muss dezent hinter den anderen Titeln anstehen. Unumstößlich fest steht aber: mit THUNDERSTEEL hat die Metal-Welt nicht nur ein für das frühe Genre wichtiges Album auf die Lauscher bekommen – sondern auch ein enorm gutes und bis heute nachhallendes.

Absolute Anspieltipps: THUNDERSTEEL, FIGHT OR FALL, FLIGHT OF THE WARRIOR, ON WINGS OF EAGLES, BURIED ALIVE


„Mehr Metal geht nicht – ein zeitloses Genre-Meisterwerk.“