Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – Legendary Years (2017)

Alben-Titel: Legendary Years
Künstler / Band: Rhapsody Of Fire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Mai 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Alex Staropoli – Keyboards, Harpsichord, Piano
Roberto De Micheli – Guitars
Alessandro Sala – Bass
Manuel Lotter – Drums
Giacomo Voli – Vocals

Track-Liste:

1. Dawn of Victory (04:44)
2. Knightrider of Doom (03:58)
3. Flames of Revenge (05:32)
4. Beyond the Gates of Infinity (07:21)
5. Land of Immortals (04:53)
6. Emerald Sword (04:23)
7. Legendary Tales (07:50)
8. Dargor, Shadowlord of the Black Mountain (04:47)
9. When Demons Awake (06:47)
10. Wings of Destiny (04:17)
11. Riding the Winds of Eternity (04:12)
12. The Dark Tower of Abyss (06:51)
13. Holy Thunderforce (04:20)
14. Rain of a Thousand Flames (03:44)

Wo RHAPSODY OF FIRE draufsteht, ist noch immer RHAPSODY drin. Oder ?

Für alle, die in den letzten Wochen die offiziellen Kommunikationskanäle von AFM Records und RHAPSODY OF FIRE beobachtet haben; ist es schon lange keine überraschende Neuigkeit mehr – sondern vielmehr ein heiß diskutiertes und auch mal explizit zum streiten einladendes Thema. Immerhin haben sich die innerhalb des Genres berühmt-berüchtigten Italiener, die in letzter Zeit immer wieder vor potentiell gravierenden Lineup-Wechseln standen; dazu entschieden eine besondere Best Of-Compilation zu veröffentlichen. Und eben kein neues Studioalbum, wie es von manchen geradezu erwartet wurde. Schließlich wollten viele einen Blick auf das wirkliche Potential der neu aufgestellten RHAPSODY OF FIRE werfen – was in Bezug auf das gerade erst erschienene LEGENDARY YEARS leider kaum möglich ist. Denn: für ihre besondere Zusammenstellung, oder eher ihre retrospektive Werkschau haben die Italiener nichts gänzlich neues kreiert – sondern stattdessen tief in ihrer musikalischen Schatzkiste gegraben. Herausgekommen ist dabei eine Zusammenstellung, die einige der vielleicht besten RHAPSODY-Titel aus einer längst vergangenen Ära erneut ans Tageslicht holt; selbige dank der komplett neuen Studioaufnahmen in einem neuen musikalischen Gewand präsentiert – und natürlich auch das aktuelle Band-Lineup erstmals auf einem für die Ewigkeit festgehaltenen Medium präsentiert.

Eines ist dabei relativ schnell festzustellen, und das noch ohne das Album intensiver zu begutachten: die anberaumten Streitigkeiten und Diskussionen sind – auch wenn sie einstweilen etwas müßig wirken – tatsächlich alles andere grundlos. Sicher, RHAPSODY OF FIRE sind beileibe nicht die ersten; die für eine Compilation oder ein Best-Of altes Material neu aufgenommen haben – doch nach wie vor sollte die Frage nach einem tieferen Sinn hinter eben solchen Ambitionen erlaubt sein. Denn, und auch das ist keine allzu neue oder überraschende Feststellung: in den meisten Fällen gehen mit LEGENDARY YEARS vergleichbare Projekte eher nach hinten los, und das aus mehreren Gründen. Eine Beobachtung aber lässt sich des öfteren anstellen – und die bezieht sich schlicht auf die Frage nach der jeweiligen Wertigkeit des ursprünglichen und neu interpretierten Materials. Dabei hat sich vor allem ein Leitsatz schmerzlich bewahrheitet: je einzigartiger, atmosphärischer, und vielleicht auch effektiver das Originalmaterial war (und oft noch immer ist); desto überflüssiger erscheint eine Neuaufnahme. Vorausgesetzt natürlich, man ist eben nicht auf großspurige Veränderungen aus (beispielsweise, indem man überraschende Akustik-Versionen bekannter Nummern einspielt) – sondern lediglich auf eine bestmögliche Kopie und auch Lineup-Portierung des alten Materials in die heutige Zeit.

Und gerade das geht des öfteren reichlich schief, wovon nicht länger nur MANOWAR oder SONATA ARCTICA ein Lied singen können – sondern leider auch RHAPSODY OF FIRE. Sicher ist es grundsätzlich kein Problem, dass nun auch die Italiener einen Blick zurückwagen; was ihnen als ehemalige Galionsfigur des Genres allemal erlaubt sein dürfte – die eigentliche Art der Neuaufnahmen aber gibt durchaus Anlass zur Sorge. Denn: wie bereits erwähnt versuchen RHAPSODY OF FIRE erst gar nicht, den alten Nummern neues abzugewinnen. Dass die entsprechenden Kopien schier katastrophal abschneiden, hat dabei vor allem einen Grund: der einstige RHAPSODY-Frontmann Fabio Lione ist nicht mehr mit von der Partie, sondern der erst kürzlich verpflichtete Giacomo Voli. Immerhin: wäre Lione noch dabei; wäre das vorliegende Best-Of sicher eine noch ernüchternde, unnötigere Angelegenheit geworden. Doch auch mit dem potentiell frischen Leadgesangspart ergibt sich nichts allzu rosiges – und das nicht nur, da Voli teils deutlich hinter seinem berühmten Vorgänger zurückstecken muss. Denn auch wenn es hie und da anders klingt, ist der neue Sänger nicht unbedingt darauf aus sich die Nummern wirklich zu eigen zu machen. Eben das wurde ihm vermutlich auch gar nicht erst gestattet – der Wiedererkennungswert sollte möglichst groß sein.

In jedem Fall darf oder muss man den neuen Sänger so des öfteren in Gesangsparts erleben; die dem Stil und der Stimmfarbe von Lione offensichtlich angepasst wurden (man lausche nur einmal dem Refrain von WHEN DEMONS AWAKE). Das klingt zwar nicht per se schlecht – aber eben doch etwas merkwürdig. Spätestens in einer Ballade wie WINGS OF DESTINY zeigt Giacomo Voli ohnehin, dass er kaum in die riesigen Fußstapfen seines Vorgängers treten kann – zumindest nicht, wenn die Band ihren bisherigen Stil beibehält. Selbiges gilt im übrigen auch für den zweiten die Compilation so gesehen nur vermeintlich auszeichnenden Aspekt. So versprach die Band – oder eher das einzige noch übrig gebliebene alte Mitglied Alex Staropoli – den Titeln auch Sound-technisch einen gehörigen Schliff zu verpassen. Und: was sich hier ergeben hat, ist vermutlich eine noch größere Katastrophe als alles was mit dem Gesang oder den Chören zusammenhängt. Nicht nur, dass die Produktion wesentlich klinischer klingt und das besondere Flair der jeweiligen Originale beinahe komplett vergessen lässt; gerade die neu eingespielten Orchesterparts oder aber das nicht bei jedermann beliebte Flötenspiel aus LEGENDARY TALES sowie WINGS OF DESTINY klingen sogar noch um ein vielfaches abgedroschener als dereinst.

Was genau man mit dieser Compilation erreichen wollte, bleibt jedenfalls schleierhaft. Für alteingesessene Fans eignet sich das Ganze kaum – zu gewöhnungsbedürftig sind die qualitativen Unterschied zwischen dem alten und neuen Leadsänger, zu sehr durch den Fleischwolf oder eher diverse Mischpulte gedreht wurden die einst sehr guten Nummern. Kaum festzustellen ist dagegen, was schlimmer wiegt: dass es dabei selbst bisher weitestgehend unangetastete, klassische Meisterwerke vom Schlage eines DARK TOWER OF ABYSS getroffen hat; oder das gleichermaßen bekannte wie zünftige Hymnen a’la HOLY THUNDERFORCE plötzlich seltsam harmlos klingen. Für Neueinsteiger oder alle, die einen interessierten Blick in Richtung der möglichen Zukunft der Band werfen wollen; eignet sich LEGENDARY YERAS sogar noch weniger – wenn man schon einen neuen Abschnitt beginnt, sollte man der Vergangenheit nicht hinterhertrauern. Genau das ist LEGENDARY EARS aber letztendlich geworden: ein Trauerspiel, das sich nicht zwischen der Vergangenheit und der Zukunft entscheiden kann. Vielleicht ja weil erstere entsprechend erfolgreich war – und zweitere entsprechend ungewiss ist ? Mit diesem Album haben sich die Italiener jedenfalls keinen Gefallen getan – was bleibt, ist wie so oft nur die Erinnerung an eine bessere Zeit.

Absolute Anspieltipps: /


„Nun haben sie auch RHAPSODY OF FIRE in ihrer Diskografie – handwerklich überzeugende, insgesamt aber absolut unnötige und unbrauchbare Neuaufnahmen; die man den Originalen zu keiner Zeit vorziehen kann.“

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Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – Into The Legend (2016)

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Alben-Titel: Into The Legend
Künstler / Band: Rhapsody Of Fire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Januar 2016
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Alex Staropoli – Keyboards, Harpsichord, Piano
Fabio Lione – Vocals
Alex Holzwarth – Drums, Percussion
Roberto De Micheli – Guitars

Track-Liste:

1. In Principio (02:45)
2. Distant Sky (04:32)
3. Into the Legend (05:01)
4. Winter’s Rain (07:44)
5. A Voice in the Cold Wind (06:18)
6. Valley of Shadows (06:55)
7. Shining Star (04:39)
8. Realms of Light (06:01)
9. Rage of Darkness (06:02)
10. The Kiss of Life (16:45)

Das Spiel mit dem eigenen Status.

Der 15. Januar dürfte ein Freudentag gewesen sein – zumindest für all jene, die der seit 1995 bestehenden Kult-Formation RHAPSODY OF FIRE (Ex-RHAPSODY, Ex-THUNDERCROSS) seit jeher die Treue schwören. Schließlich galt der Stichtag der Veröffentlichung von INTO THE LEGEND, dem mittlerweile elften Studioalbum der Italienischen Symphonic Power Metaller. Und damit einer Band, der ein gewisser Kultstatus nicht von ungefähr anhaftet. Denn auch wenn die schon seit Jahren kontinuierlich von der Band gehegte und gepflegte, Fantasy-lastige Spielart inklusive reichlich Pomp und Bombast nicht jedermann gefallen wird; so sind sich die meisten doch darüber einig, dass RHAPSODY OF FIRE in den späten 90ern eine wichtige Funktion als Genre-Wegbereiter übernommen haben. Vermutlich würde es heute tatsächlich etwas anders aussehen in der Landschaft des Symphonic Power Metal, hätte es niemals ein LEGENDARY TALES (Review) oder ein SYMPHONY OF ENCHANTED LANDS (Review) gegeben. Und noch etwas muss man der Band in jedem Fall hoch anrechnen: Fabio Lione & Co. haben sich niemals auf ihren bisherigen Lorbeeren ausgeruht, sondern immer munter weitergemacht mit dem was sie lieben und vermutlich auch leben.

Warum nun gerade INTO THE LEGEND eine weitere spannende Angelegenheit in der gut bestückten Diskografie der Band ist, versteht sich eigentlich von selbst. Denn wie man weiß war 2011 ein relatives Schicksalsjahr für die Band, die kurz nach der Veröffentlichung von FROM CHAOS TO ETERNITY (Review), dem wohl letzten klassischen RHAPSODY-Album; eine markante Aufsplittung erfuhr. Seit diesem Tag werkelt LUCA TURILLI allein respektive mit einer neuen Band in LUCA TURILLIS RHAPSODY, und die eigentlichen RHAPSODY OF FIRE waren auf sich allein gestellt – wobei man in Anbetracht der Größe von Fabio Lione und sicher auch Alex Staropoli niemals davon sprechen konnte, dass nicht nur wichtige Mitglieder sondern auch ein Großteil des Talents die Band verlassen hatte. Dennoch machte sich das einschneidende Erlebnis sowie die teilweise Neubesetzung bemerkbar: das 2013’er Album DARK WINGS OF STEEL (Review) fühlte sich nicht wirklich rund an, und war für viele eine relative Enttäuschung. Umso brennender dürfte daher die Frage sein, was sich in Bezug auf INTO THE LEGEND getan hat.

Eines fällt dann aber recht schnell auf: RHAPSODY OF FIRE orientieren sich mit ihrem elften Album wieder deutlicher an ihren Ursprüngen. Analog dazu ist auch die an den Tag gelegte Spielfreude und unmissverständliche Ausdruckskraft von dereinst zurück – womit INTO THE LEGEND schon wieder wesentlich deutlicher nach RHAPSODY klingt als das etwas halbgare DARK WINGS OF STEEL. Gleichzeitig könnte, oder müsste man auch einräumen, dass es sich somit um ein relativ typisches Album der Italiener handelt – was viele Fans freuen, anderen (speziell solche die nach neuen Eindrücken suchen) dagegen eher sauer aufstoßen sollte. Doch wie man es auch dreht und wendet – es fühlt sich einfach gut an, RHAPSODY wieder in ihrer eigentlichen musikalischen Welt angekommen zu wissen. Die befasst sich auch in diesem Fall mit der gekonnten Inszenierung der gesamten Bandbreite, die das Genre des Symphonic Power Metal zu bieten hat – wobei bereits das Intro auf den besonderen, unverkennbaren Bombast und den dezent apokalyptischen Grundton von RHAPSODY OF FIRE hinweist. Bei den folgenden Nummern DISTANT SKY und dem Titeltrack INTO THE LEGEND sah man sogleich von allzu ausschweifenden Experimenten ab – sodass sich schon zum Auftakt zwei sofort zündende, typisch starke RHAPSODY-Hymnen mit Spitzenrefrains finden.

Somit bleibt vieles beim alten, respektive kehrt zum alten zurück – was auch für die wuchtige Produktionsqualität und das Spiel der Instrumente im allgemeinen gilt. Von Fabio Lione gar nicht erst zu sprechen – der zieht sein Ding seit Jahren unbeirrt durch, und macht dabei eine außergewöhnlich gute Figur. Während das Vorgängeralbum noch etwas zu sehr von seichten Keyboard-Klängen geführt worden war, springt auf INTO THE LEGEND wieder ein echtes Orchester ein – was in Anbetracht der durchaus epischen Aufmachung des Albums passig erscheint und dem Album eine zusätzlich organische Note verpasst. Sehr gut ist auch, dass das Album nach dem eher gradlinigen Auftakt an Variabilität gewinnt. Will heißen: einzelne Nummern wie WINTERS RAIN oder A VOICE IN THE COLD WIND (welches auch die guten alten Flöten-Töne zurückbringt) bleiben nicht gleich, sondern entwickeln sich hörbar. Der einzige Nachteil des Albums ist wohl, dass RHAPSODY OF FIRE einstweilen zu dick auftragen, vor allem was den Einsatz des Orchesters und das Versehen der Titel mit einer explizit düsteren Note betrifft. Gerade im späteren Albenverlauf finden sich einige doch dezent aufgeblasen klingende Nummern mit einem gewissen Hang zur Übertreibung – wie etwa VALLEY OF SHADOWS oder REALMS OF LIGHT. Hier hätte man ruhig noch häufiger vom neuen, ernsten Pfad abweichen und für ein wenig Auflockerung sorgen können. Doch insgesamt kann man dem Album nur wenig vorwerfen.

Absolute Anspieltipps: DISTANT SKY, A VOICE IN THE COLD WIND, RAGE OF DARKNESS


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„Eine Vorliebe für Orchester, sowie reichlich Bombast und Pathos wird empfohlen.“

RHAPSODY OF FIRE – Into The Legend (Metal News)

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Eine Legende sind sie ja bereits.

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Nach dem noch immer guten, für RHAPSODY OF FIRE-Verhältnisse aber eher durchwachsenen DARK WINGS OF STEEL (Review) haben sich die von LUCA TURILLI zurückgelassenen Italiener für 2016 wieder großes vorgenommen. Das nur 10 Titel starke, mit einer Laufzeit von knapp 70 Minuten aber recht umfangreiche INTO THE LEGEND könnte somit das erste waschechte Genre-Highlight des Jahres werden. Das bereits veröffentlichte Vorab-Material klingt jedenfalls vielversprechend. Schon ab dem 15. Januar 2016 wird man mehr wissen…

Metal-CD-Review: THUNDERCROSS / RHAPSODY: Land Of Immortals (Demo, 1994)

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Alben-Titel: Land Of Immortals (Demo)
Künstler / Band: Thundercross / Rhapsody (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1994
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label:
Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andrea Furlan – Bass
Daniele Carbonera – Drums
Luca Turilli – Guitars
Alex Staropoli – Keyboards
Cristiano Adacher – Vocals

Track-Liste:

1. Invernal Fury (04:33)
2. Warrior of Ice (04:04)
3. Land of Immortals (05:23)
4. Holy Wind (03:32)

Warum nicht einfach mal noch einen Schritt zurückgehen…

Eigentlich war die ETERNAL GLORY-Demo (Link) von RHAPSODY das älteste noch verfügbare und hier rezensierte Werk der Italiener und Genre-Größen des symphonischen Power Metals, die heutzutage unter dem Namen RHAPSODY OF FIRE unterwegs sind. Der wahrlich allerletzte Schritt ist nun die Behandlung der etwa 1 Jahr älteren LAND OF IMMORTALS-Demo, die bereits 1994 und unter dem ersten Bandnamen THUNDERCROSS veröffentlicht wurde. Auch hier gilt: besitzt man diese ebenfalls nur in der guten alten Kassettenform veröffentlichte Demo im Original, kann man sich nur glücklich schätzen – viel rarer geht es eigentlich nicht mehr. Und noch etwas gilt für diese Demo, vielleicht noch etwas mehr als in Bezug auf das ein Jahr jüngere ETERNAL GLORY – man sollte wahrlich nicht zu viel erwarten, wenn es um die Tonqualität und den entstehenden Höreindruck im Gesamten geht.

Denn: mit dem späteren Bombast-Faktor der Band hat das hier Dargebotene nur wenig zu tun. Nicht, weil sich das Material nicht dafür eignete (die Nummern wurden später schließlich alle bearbeitet und auf das Debütalbum übernommen) – sondern schlicht, da die Aufnahmebedingungen noch weit entfernt von einer wie auch immer gearteten Professionalität waren und es sehr, sehr schwerfällt überhaupt irgendetwas aus diesem regelrechten Sound-Brei herauszuhören. Das ist beileibe keine wirklich ernst gemeinte Kritik, denn wie sich zeigte haben diese und auch die spätere Demo beide ihren Zweck erfüllt – nur lohnt es sich nur äußerst bedingt, dieses Material in seiner Sammlung zu haben. Erst Recht nicht, wenn man bereits die wesentlich bessere Demo ETERNAL GLORY besitzt; in welcher Form auch immer – diese beinhaltet schließlich dieselben Nummern wie das vorliegende Release, und noch einige mehr. Während es in Bezug auf die Strukturierung der Titel kaum nennenswerte Unterschiede gibt, bleibt es vor allem an der Klangqualität die den (doch überraschend markanten) Unterschied macht.

Fazit: Im Gegensatz zur ETERNAL GLORY-Demo muss man das allererste von THUNDERCROSS respektive RHAPSODY OF FIRE veröffentlichte Werk nicht unbedingt besitzen. Die einzige Ausnahme wäre wohl allein dieser Grund – schließlich ist die Sammlung erst mit dieser ersten handfesten, sicher irgendwo legendären Demo wirklich komplett. Wer allerdings die Wahl hat oder sich entscheiden muss, sollte sich vielmehr die spätere Demo sichern – die wesentlich aussagekräftiger ist. Auch wenn schon in diesen vier Titeln das Potential der Band durchschimmert – irgendwo inmitten des doch recht dumpfen Sound-Gemischs – entfaltet jenes Material noch die größte Wirkung, wenn man es (in Kasettenform) im Regal stehen hat. Und es dort stehen lässt… denn alles andere ist bekanntlich längst Geschichte.

Absolute Anspieltipps: /


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„Die Demo, die den ersten Grundstein legte. Rückblickend betrachtet handelt es sich aber um ein zu vernachlässigendes Release, dass sich rein Klang-technisch nur schwerlich verkosten lässt; erst Recht in Anbetracht der späteren Alternativen.“

Metal-CD-Review: RHAPSODY – Eternal Glory (Demo, 1995)

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Alben-Titel: Eternal Glory (Demo)
Künstler / Band: Rhapsody (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Cristiano Adacher – Vocals
Luca Turilli – Guitars
Andrea Furlan – Bass
Daniele Carbonera – Drums
Alex Staropoli – Keyboards

Track-Liste:

1. Invernal Fury (04:38)
2. Warrior of Ice (04:10)
3. Tears at Nightfall (01:14)
4. Alive and Proud (06:02)
5. Land of Immortals (05:45)
6. Holy Wind (03:41)
7. Eternal Glory (09:35)

Es aber begab sich zu einer Zeit…

Gleichermaßen interessant wie kurios kann es erscheinen, einmal eine längst vergessene Demo-CD (oder sollte man eher sagen, Kassette) einer seit Jahren fest etablierten Genre-Größe des symphonischen Power Metals einzulegen. Die Rede ist in diesem Fall von RHAPSODY OF FIRE, die sich zu Beginn ihrer Karriere noch THUNDERCROSS nannten – und die bereits lange vor dem ersten offiziellen Album LEGENDARY TALES von 1997 unter dem neuen Bandnamen RHAPSODY aktiv waren. Eines der Relikte aus dieser Zeit ist die 1995’er Demo ETERNAL GLORY – mit 7 enthaltenen Titeln, die später alle Geschichte schreiben sollten. Wenn auch in einer leicht abgeänderten Form, und mit Fabio Lione als Leadsänger – in diesem Fall war es noch Cristiano Adacher der den Ton angab. Und so ist die Erfahrung, eine Demo wie diese zu hören; insbesondere als RHAPSODY-Fan eine besondere – gesetzt dem Fall, man war nicht schon von Beginn an dabei und entdeckte die Band erst viel, viel später.

So wird man hier einige der wohl ursprünglichsten Klänge der findigen Italiener zu hören bekommen – verständlicherweise in einer nicht ganz optimalen Klangqualität und einem kaum differenzierten Hörerlebnis in Bezug auf die einzelnen Elemente. Das wirkt vor allem jenem potentiell bombastischen Eindruck entgegen, der die späteren Alben dominieren sollte – sodass ETERNAL GLORY es nicht unbedingt vermag, seine Hörer direkt umzuhauen. Das stört aber nur bedingt, schließlich sollte die Demo vornehmlich als eine erste Werkschau gesehen werden, die bereits viel über das Potential der Band verriet – aber noch weit hinter den eigentlichen Möglichkeiten zurückblieb. Und so ist es vor allem interessant, einige Titel der späteren Alben in einer noch vorläufigen Fassung zu hören – wie INVERNAL FURY (das später zu RAGE OF THE WINTER wurde), ALIVE AND PROUD (später: LORD OF THUNDER) oder HOLY WIND, das interessanterweise über einen gänzlich anderen Refrain verfügt als das spätere RIDING THE WINDS OF ETERNITY.

Fazit: Die ETERNAL GLORY-Demo von RHAPSODY lohnt sich vor allem in der Hinsicht, als dass sie noch einmal einen ganz anderen Blick auf die später enorm erfolgreichen Italiener und einige ihrer markantesten Titel zulässt. Schließlich ist es nicht nur die unvermeidlich schlechtere Soundqualität, die das hier dargebotene Material vom späteren unterscheidet. Allein der damalige Leadsänger Cristiano Adacher sorgt für ein völlig neues, gar nicht mal so uninteressantes RHAPSODY-Erlebnis; wie auch die vielen später abgeänderten Texte und Kompositionen in ihrer Urpsrungsform. Auch dient die Demo sehr gut dazu aufzuzeigen, dass mindestens zwei der enthaltenen Titel schlichtweg grandios sind – LAND OF IMMORTALS und ETERNAL GLORY klingen sowohl in dieser Ursprungsform als auch in den Finalfassungen verdammt kräftig, markant und zeitlos. Und die anderen haben bekanntlich den nötigen, noch fehlenden Feinschliff erhalten um ganz ähnlich zünden zu können… was ohne diese Rohfassungen gar nicht erst möglich gewesen wäre. Wer die Demo schon damals und in der guten alten Kasettenform in den Händen halten durfte, darf sich glücklich schätzen – alle anderen sollten sich das Ganze zumindest in einer digitalisierten Version sichern. Denn wenn das Hören einer von der reinen Klangqualität her ungünstigen Demo schon mehr Freude bereitet als der Genuss eines so manchen perfekt abgemischten und produzierten Genrewerkes, dann ist das ein gutes Zeichen. Oder ein schlechtes – je nachdem, aus welcher Warte man das Ganze betrachtet…

Absolute Anspieltipps: LAND OF IMMORTALS, HOLY WIND, ETERNAL GLORY


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„Die Geburt einer Legende in Stein gemeißelt.“